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am 4. Juni 2012
Natürlich, 433 Seiten lang den historischen italienischen Faschismus als etwas normales, alltägliches geschildert zu bekommen, ist nicht leicht zu ertragen. Allerdings wird hier eine Perspektive auf Geschichte gewählt, die sich wohltuend von anderen Geschichtsromanen unterscheidet. Nein, die Faschisten sind nicht eines Tages in Raumschiffen gelandet (weder die italienischen, noch die deutschen, noch die spanischen); sie sind ein Produkt ihrer Zeit gewesen und ihren Aufstieg verdanken sie vor allem all denen, die sie unterstützt, die sie gewählt haben. Jener leider Gottes zu großen Mehrheit, die die Schattenseiten nicht sehen wollten.

Das ist in der soziologischen Fachliteratur ausführlich geschildert, aber kaum im Roman. Und wenn, dann immer im wertenden Rückblick auf eine dunkle Zeit. Dem Leser wird fast immer die Rolle des nachträglichen Widerständlers angeboten, das erhöht den Lesegenuss und liefert das gute Gewissen gleich mit.

Anders bei Antonio Pennacchi. Bis fast zur Unerträglichkeit breitet er Gefühls- und Gedankenwelt der Mitläufer und Mittäter vor dem Leser aus. Mehr noch, durch seine geniale Erzählweise zieht er den Leser von Seite zu Seite tiefer in diese Welten hinein, bietet Identifikationsfiguren und irritiert gerade hierdurch, denn wer will sich schon mit Faschisten identifizieren. Doch halt! Gerade hier liegt ein wichtiger Schlüssel für das Verständnis dieses Romans. Denn es sind, in Italien wie in Deutschland, noch viel zu viele, die sich sehr wohl mit dem Faschismus identifizieren. Pennacchi zwingt den Leser, sich genau darüber Gedanken zu machen. Allerdings bedarf es dazu zum einen einer eigenen politischen Meinung, zum anderen geschichtlichen Wissens und geschichtlichen Bewusstseins.

Mitläufertum als Lebensmotto, die Alltäglichkeit des Rassismus, politischer Mord als Familienanekdote, Krieg als Abenteuerspiel - das ist alles schwer zu ertragen. Aber vielleicht gerade deshalb, weil es an die Erzählungen unser eigenen Großeltern erinnert. Absolut kein Buch für Liebhaber der Gutmenschen-Literatur, auch keines für jene, die Lösungen präsentiert bekommen wollen. Einerseits eine Familiengeschichte andererseits eine Geschichte des italienischen Faschismus.Politisch unkorrekt, aber genauestens recherchiert, umfangreich, aber hervorragend erzählt.

Dieses Buch ist eine politische Herausforderung, aber auch ein literarischer Leckerbissen.

Und solange in Italien der faschistische Terror gegen den Canale Mussolini aufgerechnet wird, solange in Deutschland der nationalsozialistische Terror gegen Autobahnen aufgerechnet wird, braucht es solche Bücher, die erfahrbar machen, welche Flötentöne der Rattenfänger spielen muss, damit die Menschen ihm folgen. Kein Wunder, dass dieser Roman von der italienischen Kritik (insbesondere von der politisch Links stehenden) gefeiert wurde.

Und Antonio Pennacchi weiß sehr wohl, wovon er spricht. Er entstammt einer Familie, die, wie seine Protagonisten, aus dem Veneto umgesiedelt wurde. In seiner Jugend war er selbst Mitglied der neofaschistischen MSI, hat sich aber radikal von ihr abgewandt. Kein Akademiker sondern ein Arbeiter der mit über dreißig zum Schreiben kam. Leider ist sein autobiografischer Roman "Il fasciocomunista" nicht auf deutsch erschienen.
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am 2. April 2013
Ein kraftvoller (sprachlich, wie auch erzählerisch) Roman, der eigentlich die Geschichte einer (Groß-)Familie erzählt, nebenbei aber die Geschichte Italiens - vor allem zwischen 1910 und 1944 - beleuchtet. Automatisch wird so der Aufstieg des italienischen Faschismus zum Thema, dessen Verwurzelung im kommunistisch-sozialistischen Milieu erhellt (z.B. S. 53-54, 64-67), die Gründe für seinen Siegeszug aufgeführt. Als diesbezüglich wichtiger Punkt wird die Spaltung der sich politisierenden italienischen Gesellschaft in "Sozialisten" und "Faschisten" geschildert, welche förmlich nach einer Wiedervereinigung schrie (z.B. S. 70-94). Auch das Verhältnis zu den Deutschen wird immer wieder angeschnitten, ob anläßlich des 1. Weltkrieges (als Italien zu Beginn formal noch Verbündeter der Mittelmächte war) oder anläßlich des 2. Weltkrieges. Sehr wichtig daher, dass dieser Roman nun auch in deutscher Sprache vorliegt.

Ein wichtiger Schauplatz des Romans ist die Pontinische Ebene, deren Trockenlegung und Urbanisierung in jener Zeit vorgenommen wurden. Folgerichtig wird auch die in dieser Gegend erfolgte amphibische Landung der Alliierten bei Anzio/Nettuno (1944) peripher angeschnitten.

Etwas ärgerlich sind einzig Fehler bei manchen historischen Angaben: So ließ nicht etwa "Papst Pius XI." (siehe S. 52) 1867 Monti und Tognetti hinrichten, sondern es war Papst Pius IX. (Pontifikat 1846 bis 1878). Und in Thematisierung der "Biennio rosso" wird der "30. August 1930" (siehe S. 95) genannt, gemeint sein wird wohl eher der 30. August 1920, denn die "zwei roten Jahre" waren eben 1919 und 1920. Admiral Wilhelm Canaris - der Chef der deutschen Abwehr - war auch keineswegs so hellsichtig hinsichtlich einer alliierten Landung in der pontinischen Ebene, wie er hier dargestellt wird (S. 421). Für mich nur fraglich, ob die Fehler vom Autor, oder aber vom Lektorat, bzw. Übersetzer verschuldet wurden.

Was der Roman nicht tut - was ihm aber gelegentlich von interessierter Seite vorgeworfen wird - ist, den Faschismus zu verherrlichen. Ein ums andere Mal betont der Autor (im Text des Romans in der Rolle des Erzählers) er überlasse jegliche Wertung dem Leser, wolle sich auf eine solche wertende Ebene gar nicht begegeben. Zudem wird betont, das der Leser alles aus jener Zeit heraus verstehen müsse - mithin erhebt der Autor damit eine klassische Forderung der Historiographie. Und anders kann man den Roman auch nicht angehen. Wer gemütlich auf dem Sofa der Postmoderne sitzt, sollte sich nicht anmaßen, über Leute und Vorgänge zu urteilen, die er eben gar nicht beurteilen kann, weil er nicht in dem damaligen Milieu lebt.

Jedem aber, der unvoreingenommen diesen Lebensumständen näher kommen will, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen.

Wunderschön auch das Ende des Romans, wenn sich endlich der Schleier um die Herkunft jenes "Ich-Erzählers" lüftet, welcher den Leser über 400 Seiten begleitet, ohne das man weiß, wer er denn nun ist. Am Ende hat man das Gefühl, Zeuge einer großen Familiensaga geworden zu sein.

Nicht umsonst wurde der Autor für dieses Werk mit dem "Premio Strega", dem wichtigsten italienischen Literaturpreis, ausgezeichnet.
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am 25. Mai 2016
Ich habe das Buch als Vorbereitung für eine Italien-Reise gekauft, und hatte keine besonders hohen Erwartungen. Wahrscheinlich irgend so ein Bestseller mit niedrigem Niveau, dachte ich. Getäuscht - das ist wirklich ein brilliantes Buch, und ganz große Literatur. Im scheinbar gemütlichen Plauderton kommt da ein wunderbarer Familienroman mit historischem Hindergrund daher - charmant, witzig, informativ. Am ehesten erinnert mich das Buch an Gabriel Garcia Marquez' "Hundert Jahre Einsamkeit". Fazit: ein wunderbares Buch, für alle Freunde von Romanen mit Niveau zu empfehlen (und für alle Italien-Fans und Fans historischer Romane sowieso).
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17 Kinder hat der Großvater des Ich-Erzählers; ebenfalls 17 Kinder der Bruder des Großvaters. Der Hunger ist ein ständiger Gast in der Großfamilie Peruzzi. Deshalb geht auch eine Familie ins Agro Pontino in Latium. Hier lässt Mussolini ab Ende der Zwanziger Jahre die Pontinischen Sümpfe trockenlegen und von Bauernfamilien aus Friaul und Venetien besiedeln. Sogar Städte werden gegründet - nicht unbedingt zur Freude des antiurbanistischen Faschismus - zB Littorina (heute Latina).
Der Friede währt nicht lange - es wird in Abessinien gekämpft. Der 2. Weltkrieg schlägt tiefe Wunden in die Familie Peruzzi - aber auch in ihr Land...
Pennacchi hat einen wirklich sensationellen Roman über eine (arme) italienische Familie geschrieben, die politisch links angesiedelt ist, sich aber mit der Zeit immer mehr dem Faschismus zuwendet. Pralles Leben spielt sich in dem Roman ab; Komödien und Tragödien ereignen sich - für viele typisch Italien.
Den Rahmen des Romans bildet die italienische Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei spart der Autor auch die Schattenseiten (etwa die Grausamkeiten im Abessinienkrieg) keineswegs aus.
Dass ein solcher Roman nur mit Hilfe diverser Quellen geschrieben werden konnte, versteht sich eigentlich von selbst - 2 Seiten ist die Quellenliste lang!
Und wer ist nun der Ich-Erzähler? Auflösung auf der letzten Seite!
Höchste Leseempfehlung!
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am 10. Februar 2014
Für alle, die Italien lieben und die Interesse an der italienischen Geschichte Interesse haben, ein tolles Buch. Spannend zu lesen und voller Details aus dem Leben einer Familie.
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am 10. Januar 2012
Lesenswert, bis zur letzte Seite!

Wer sich für die Geschichte Italiens während der zwei Weltkriege interessiert, hat mit diesem Buch eine wertvolle Vorlage. Die Geschichte ruht aus Erzählungen der Familienmitglieder des Autors aus dieser Zeit: vom Volk also, nicht von Historikern!
Das Buch ist in italienischer Sprache!!
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Wie wir alle wissen hat Adolf Hitler die Autobahnen ziemlich eigenhändig erbaut. Das wird ihm bei diesem oder jenen immer noch als Verdienst angerechnet. Und so wie der Führer selber zugelangt hatte, so machte sich auch der Duce, der Erfinder des Faschismus, verdient: Er und ein paar andere legten von 1930 bis 1940 die Pontinischen Sümpfe trocken. Als es dort trocken genug war, zogen die Peruzzis in das Gebiet, jene Familie, mit der uns der Autor Antonio Pennacchi in seinem Roman "Canale Mussolini" vertraut macht. (Achtung, diese Rezension enthält Spoiler)

Pennacchis Ich-Erzähler ist einer aus der weit verzweigten Peruzzi-Sippe, landlose Bauern, die nach Land gierten und deshalb dem Duce unendlich dankbar waren, als er ihnen, nahezu persönlich, Äcker im ehemaligen Sumpfgebiet übergab. Es ist ein sehr interner Bilderbogen, der in "Canale Mussolini" aufgeblättert wird: Man lernt die fleißigen Peruzzis aus der Nähe kennen und schätzen. Hatte die Großmutter der Sippe tatsächlich mal was mit Mussolini, damals als der noch Funktionär einer sozialistischen Partei war? Vielleicht, sagt das Buch, in dem das Lob des einfachen Mannes gesungen wird, der eigentlich einen eher gemütlichen Faschismus kennen gelernt hat, eher so einen familiären Verein, dessen Sinnen und Trachten auf die Besserung der Lage kleiner Leute gerichtet war, sicher auch schon mal auf die ruhmreiche Größe Italiens.

Auf Seite 150 mag der Erzähler, in der Familie Peruzzi hockend wie die Made im Kokon, kurz erwägen, dass der Duce nicht nur ein angenehmer Mann war: "Sicher . . . er hat die Diktatur gebracht, den Totalitarismus, die Sondergesetze, Kriege, die Judenverfolgung", aber dann holt der Erzähler wieder tief Atem und singt das Loblied auf die Besiedlung der trockenen Sümpfe, darauf, dass Mussolini mal Sozialist war und wohl deshalb das Land den Reichen wegnahm und den Armen gegeben hat. Dass die Reichen zum Verrecken mit der Brache nichts anzufangen wussten und erst interessiert waren, nachdem der italienische Staat die Gegend mit Billigarbeitern hatte trocken legen lassen, das muss man schon selbst reinlesen.

"Ich komme und befreie Dich, und Du leistest mir Widerstand?", darf drohend einer der Peruzzi-Onkels im Roman die Eingeborenen fragen, um den Giftgaseinsatz der italienischen Armee gegen die überfallenen Äthiopier zu rechtfertigen. Zwar wendet einer der Neffen ein: "Aber Onkel, das waren doch Menschen", aber schließlich landet das Buch doch bei der Nivellierung aller Ursachen: "Du hast recht mein Junge. - Jeder hat seine guten Gründe. Sie genauso wie wie wir." Das ist die Methode des Autors: Zwar, aber: Zwar gab es auch dieses oder jenes Verbrechen der Faschisten, aber es gab auch ein historisches Geworfensein, was sollte man da groß machen?

Denkbar wäre, da wir ja einen Erzähler aus dem Inneren des Faschismus vor uns haben, dass der Autor nur erklären will: Seht, so kann es passieren, so ist es passiert und lasst es Euch ja eine Lehre sein. Aber am Ende des Buches wird der Erzähler als ein Priester enttarnt, einer der nach Ende des Faschismus geboren ist, einer der zwischendurch auch mal Mia Fuller zitiert, eine amerikanische Wissenschaftlerin, die den italienischen Faschismus als Rassismus analysiert. Der Erzähler könnte es also besser, kann also eine Haltung eine Wertung aus dem Heute annehmen. Aber er kommt uns niedlich: Mit pittoresken Bildern aus dem Stall und vom Acker, mit einer gepinselten Folklore der kleinen Leute, die uns in ihrem Mitläufertum sympathisch erscheinen sollen, verstehbar zumindest, außerhalb eines moralischen Urteils stehend.

Der Hanser-Verlag hat mit "Canale Mussolini" ein Lügenbuch verlegt, ein gut formuliertes, außerordentlich geschicktes Täuschungswerk. Das unüberlesbar die Fragen von Schuld und Verantwortung übertüncht, wenn zum Beispiel eine der letzten Schlachten auf italienischem Boden zwischen den Alliierten und den Mussolini-Truppen gewertet wird: "Dreissigtauend Tote auf beiden Seiten insgesamt an der Front Anzia Nettuno. Zwanzigjährige Jungs, aus der ganzen Welt hier zusammengekommen, um zu sterben." So wird es gewesen sein: Rein zufällig sind sie "zusammengekommen" und dann sind sie ebenso zufällig gestorben. Welch ein unwürdiges Requiem für jene, die Europa vom Faschismus befreit haben.
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