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am 16. Februar 2009
Seth ist sechzehn, als seine knapp fünfunddreißig Jahre alte Mutter die ersten Anzeichen der so genannten Alzheimer-Frühform zeigt, einer erblichen Variante jener degenerativen Krankheit, die das Gedächtnis der Patienten zerstört, so dass sie erst ihre kurzzeitigen Erinnerungen verlieren, bis sie schließlich, nach der Wiederholung einer kindheitsähnlichen Phase, sogar das Atmen "vergessen" und sterben. Der scheue, aknegeplagte Musterschüler wird zum Feldforscher. Er versucht, alles über die Vergangenheit seiner Mutter herauszufinden, über die sich beide Elternteile ausgeschwiegen haben. Seth träumt davon, zu einem Spezialisten für Alzheimer zu werden und ein Heilmittel zu entwickeln. Über all dem schwebt die Frage, ob Seth selbst die Krankheit "erben" wird.

Zur gleichen Zeit sitzt der achtundsechzig Jahre alte Abel irgendwo in Texas in einem verfallenden Farmhäuschen und wartet auf die Rückkehr seiner Tochter. In Rückblenden erzählt er, wie er zum Vater wurde, und wie sein Zwillingsbruder Paul schließlich erkrankte. Während Abel mit der Notwendigkeit konfrontiert wird, seine Eremitage aufzugeben, weil Vorstadt-Neubauten immer dichter an sein hässliches Eigenheim heranrücken, verliert er nach und nach die Hoffnung.

Und dann gibt es da noch "Isidora", jenes geheime, äußerst schwer zu findende Land des Vergessens, von dem nur wenige Menschen wissen, und in dem alle Bewohner glücklich sind, weil sie keine Angst haben, denn Angst existiert nur zusammen mit Erinnerung.

Bis sich alle drei Handlungsstränge verbinden, hat der Leser eine manchmal amüsante, häufig traurige, oft wunderschöne und nicht selten ergreifende, sehr schlaue Lektüre vor sich. Dieses - etwas unglücklich deutsch betitelte - Debüt wirkt zwar hier und da überkomponiert, als hätte der Autor unbedingt alles, was die Creative-Writing-Gurus vorgegeben haben, beachten wollen, und das im Klappentext vergebene Prädikat "Meisterwerk" mag etwas vorschnell vergeben worden sein, aber wirklich kritisieren lässt sich an diesem bemerkenswerten Buch eigentlich nichts. Ein schöner Roman, der einiges von "Supergute Tage" (Mark Haddon) hat, zugleich aber in der Erzähltradition von Franzen, Irving und Simmons steht. Großartig.
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am 25. September 2008
Eine hinreißend schöne Liebesgeschichte und die traurige Geschichte eines Teenagers, der seine Mutter langsam an die Krankheit Alzheimer verliert. Was zunächst mal nicht nach einer Lieblingslektüre klingt, erweist sich als (für mich) der Roman dieses Herbstes. Nach diesem phantasievollen, mitreißenden, oft komischen und ganz wunderbar geschriebenen Roman ist dies sicherlich ein Autor, dessen nächste Bücher ich mir auch kaufen werde.
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am 16. November 2008
Erzählt wird über eine Familie, die seit Generationen an Alzheimer leidet.
In Texas wartet Abel, einsam und verlassen, seit 20 Jahren in einem abbruchreifen Haus auf seine verschwundene Tochter Jamie. Immer mehr Land muss er an die Nachbarn verkaufen, die alles in ein einheitliches Wohngebiet umwandeln wollen. Abel lebt in seinen Erinnerungen und wartet'.

Der 15-jährige Seth muss miterleben, wie seine Mutter zunehmend den Verstand verliert und schließlich in ein Pflegeheim kommt. Er beschließt Wissenschaftler zu werden und ein Heilmittel gegen die Erkrankung zu finden. Seth knackt im Internet die Datenbank einer Alzheimer-Forschungsgruppe.

Die Mutter von Seth hat eine Frühform der Alzheimer-Erkrankung (EOA 23), die einst zuerst bei Alban Mapplethrope IV. in England des 18. Jahrhunderts auftrat.
Block erzählt auf anschauliche Weise, wie sich dieser Gendefekt ausbreitete und auch den Sprung nach Amerika schaffte.

Wie ein roter Faden, der all diese Menschen verbindet, zieht sich das Wissen um das goldenen Land Isidora durch das Buch. Diese Geschichte um ein Land, in dem es keine Erinnerung, keine Worte gibt und alle glücklich sind, wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Seth macht sich auf die Suche nach der Herkunft seiner Mutter, die sie stets verschwiegen hat. Block gestaltet diese Suche als ergreifende Odyssee: darin begegnet Seth so absurden wie anrührenden Kranken, seinem ignoranten Vater, seiner eigenen jugendlichen Verzweiflung und am Ende der unsterblichen Liebe eines alten Mannes.

Stefan Merrill Block schildert in seinem Buch die Folgen der Alzheimer-Erkrankung auf die Kranken, aber auch auf die Angehörigen. Trotz dieses ernsten Themas ist es ein wunderbarer Roman mit viel Witz, Lebensfreude und Poesie.
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am 18. Dezember 2008
Seth, ein wissbegieriger Teenager, beschließt angesichts seiner an einem Alzheimer-Frühformsyndrom erkrankten Mutter Jamie, Wissenschaftler zu werden. Er verschlingt alle verfügbaren Bücher über Hirnforschung und der Alzheimer-Krankheit EOA-23; denn sein größter Wunsch ist es, eines Tages ein Heilmittel zu finden.
Seth macht sich daran den Ursprung und Geschichte dieser Krankheit zu entschlüsseln. So begegnen wir dem schönen englischen Adligen Robert Mapplethorpe, der im 18. Jahrhundert mit rund hundert Damen des Städtchens Iddylwahl ein Verhältnis hatte. Damals wusste noch keiner, dass dieser Don Juan, Träger eines unbekannten Gen-Defekts war, der ihn im Alter von nur 35 Jahren, sein Erinnerungsvermögen nach und nach aufzuzehren begann. Auf diesen Mapplethorpe geht angeblich der Ursprung der Alzheimer-Erkrankung EOA-23 zurück.

Währenddessen wartet der zweite Ich-Erzähler, der bucklige alte Einsiedler Abel auf die Rückkehr seiner vor über zwanzig Jahren verschwundenen Tochter, die aus einer leidenschaftlichen amour fou mit der Liebe seines Lebens, der Frau seines Bruders, stammt. Abel kann diese Affäre nicht vergessen und er lebt mutterseelenallein in seinem verfallenen Haus vor sich hin. Das einzige was ihm geblieben ist, sind die Erinnerungen.
Die einzelnen Erzählstränge enden mit einem Ausschnitt aus dem Märchen von Isidora, dem Land des Vergessens. In dieser goldenen Stadt sind alle Menschen glücklich, weil dort keine Erinnerung existiert.

In dem Roman Wie ich mich einmal in alles verliebte" geben sich viele Geschichten die Hand, schieben sich übereinander und bilden so einen fulminanten Roman über das Leben, die Liebe und Tod. Dreh und Angelpunkt ist stets das Thema des Erinnerns und Vergessens. Für den einen wäre es ein Segen endlich zu vergessen, da die Erinnerungen quälend sind, während der andere gegen dieses Vergessen ankämpft.

Stefan Merrill Block gelang mit diesem Buch über weite Strecken ein kurzweiliges und spannendes Leseabenteuer. Gekonnt lässt der Autor hier erzählend medizinische Fakten zur Genese der Krankheit einfließen und beschreibt scheinbar beiläufig und sehr unterhaltsam aktuelle Erkenntnisse aus der modernen Hirnforschung. Er porträtiert die teils kuriosen, teils tragischen Symptome, welche die Krankheit auslösen mit sprachlicher Leichtigkeit und ganz ohne Sentimentalitäten. So lässt der Autor durch Kunstgriffe und leisem Humor die Geschichte einer Krankheit, Fragen zur Zivilisation, Schicksal, Schuld, Erinnern und Vergessen aufleben. Und am Ende fragt man sich ob angesichts der Menschheitsgeschichte und ihrer Zerstörung das Vergessen nicht auch ein Segen sein könnte. Trotz dieser zahlreichen traurigen Momente, handelt es sich um ein zu tiefst menschliches und warmherziges Buch, welches durch die originellen und geistreichen Abschweifungen und einer Prise Humor zu einem rundum gelungenen Buch gezählt werden kann.
Da sieht man es dem Autor gerne nach, dass er sich manchmal zu viel vorgenommen hat und der Roman an einigen Stellen etwas überladen wirkt.
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am 4. Januar 2017
Alzheimer. Schweres Thema. Fantastisch umgesetzt. Sehr gewitzt, sehr ehrlich.
Die Geschichte war anfänglich ein wenig verwirrend für mich, aber ich bin dann gut reingekommen.

Es ist keine leichte Lektüre für “zwischendurch”. Ich habe auch eine Weile gebraucht dieses Mal.

Aber sehr interessant.

Lässt einen aber durchaus nachdenklich zurück…
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Ein sehr vielschichtiges Buch ist dieses Werk mit einem Titel, der mich von Anfang an neugierig gemacht hat. Der Autor erzählt uns in drei verschiedenen Erzählsträngen die Geschichte von Seth Waller und seiner Familie. Jede einzelne Geschichte steht für sich und doch gehören sie alle zusammen.

Seth ist verliebt in die Frau seines Bruders. Und mehr. Denn er ist in alles mögliche verliebt, was mit ihr zu tun hat. Und seien es nur ihre Magengeräusche oder die Art, wie sie Mais isst. Fast jugendlicher Natur ist die Verliebtheit von Seth, die schon sehr bald realistische Formen annimmt. Doch wie weit geht diese Liebe und vor allem: Wie weit lebt er sie aus? Sehr humorvoll wird die Bewunderung Seths für Mae, seine Schwägerin geschildert.

Auf der anderen Seite erzählt uns der Autor die Geschichte von Seths Mutter, die an Alzheimer erkrankt. Zunächst kommt diese Krankheit schleichend, bis sie dann eines Tages vollkommen Besitz von ihr übernimmt. Seth beginnt, sich mit der Geschichte dieser Krankheit auseinander zu setzen und so wird der Leser ganz nebenbei auf die Anfänge von Alzheimer und deren Entdeckung geführt. Bis hin ins England des 18. Jahrhunderts wird der Leser geleitet, um an diesen Anfängen teilzunehmen, indem Block erklärt, dass Alban Mapplethrope IV diese Krankheit bekam und wie er sie letztendlich über die ganze Welt ausbreiten konnte. Seth begibt sich auf die Suche nach einem Allheilmittel für diese Krankheit und der Leser begleitet ihn dabei. Als ein weiteres Familienmitglied an Alzheimer erkrankt, steigt in ihm noch mehr die Angst hoch, auch ihn könne es eines Tages treffen.

Ein weiterer Erzählstrang ist der von 'Isidora', einer Phantasiewelt, in die Seth Mutter ihn bereits in seiner Kindheit geführt hat. Eine Welt, in der es keine Erinnerung gibt und die Menschen genau aus diesem Grund sehr glücklich sind. An fast jedem Kapitel findet der Leser das 'Isidora-Märchen' in Kursivschrift wieder.

Das Buch ist sehr schillernd und verständlich geschrieben. Es bringt zum Schmunzeln, zum Lachen, aber es bringt den Leser auch dazu, sich mit der Krankheit Alzheimer auseinander zu setzen. Gerade diesen Aspekt fand ich persönlich sehr interessant, da ich mit diesen Dingen bisher nie konfrontiert wurde. Sehr detailliert schildert der Autor das Vergessen. Angefangen bei Kleinigkeiten wie Gespräche mit anderen Menschen, über das Vergessen von Körperfunktionen bis hin zum Tod wird der Leser mit der Krankheit vertraut gemacht.

Durch seine verschiedenen Schreibfacetten von lustig über traurig bis hin zu faktisch ist dem Autor ein sehr außergewöhnliches Buch gelungen, welches ich gerne gelesen habe. Ich hoffe sehr auf einen zweiten Roman des Autors.
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am 2. Januar 2009
"Wie ich mich einmal in alles verliebte" ist der Debütroman des US-amerikanischen Schriftstellers Stefan Merrill Block. Der Titel, den der deutsche Verlag gewählt hat, ist, wie so oft, ziemlich unpassend, denn der Originaltitel lautet The Book of Forgetting". Und um das Vergessen geht es hier, in vielen Formen: Die an Alzheimer Erkrankten vergessen ihre Verwandten, ihren Namen, schließlich sich selbst. Abel versucht, die vergangenen Ereignisse zu verdrängen, genauso wie Seths Eltern ihre Vergangenheit einfach in Vergessenheit geraten haben lassen, sehr zum Leidwesen ihres Sohnes, der nichts über die Familiengeschichte weiß. Was ist man ohne seine Vergangenheit, ohne seine Erinnerung? Was sind wir, wenn wir alles vergessen haben?

Als Verknüpfung der einzelnen Handlungsstränge in diesem Roman und als bildliche Darstellung des Vergessens und Erinnerns hat der Autor eine kleine Geschichte gewählt, die märchenhaft anmutet. So wie Abel diese Geschichte als Kind erzählt bekam, bekommt sie auch Seth von seiner Mutter berichtet; sie wird von Generation zu Generation weitergegeben. In dieser Geschichte geht es um das Land Isidora, in dem alle Menschen glücklich und zufrieden sind, weil sie keine Erinnerungen haben. Hier gibt es kein Leid und keine Trauer, und jeden Moment verlieben sich die Einwohner von Isidora aufs Neue unsterblich, weil sie die Menschen, die sie umgeben, nicht mehr wieder erkennen können.
Leicht und locker gehen die Geschichten von Seth und seiner Mutter, von Abel und dem goldenen Land Isidora Hand in Hand. Nach und nach werden die Zusammenhänge dem Leser klar, und er kann nicht mehr aufhören, Seite um Seite dieses tragikomischen Buches zu lesen, das trotz der ernsten Thematik süchtig macht. Nebenbei berichtet Block auch, wie die Frühform von Alzheimer sich ausgebreitet haben könnte und was Alzheimer mit dem Gehirn der Erkrankten tut.

"Wie ich mich einmal in alles verliebte" ist eine zarte, traurige und dramatische, aber auch manchmal skurrile und humorvolle Auseinandersetzung mit einer furchtbaren Krankheit, sehr emotional, aber nie schwülstig geschrieben. Wer sich für Alzheimer interessiert, der sollte diesen Roman unbedingt lesen. Er ist Coming-of-Age-Geschichte, Familiensaga, Drama und Liebesgeschichte zugleich. Ein bemerkenswertes Debüt eines noch sehr jungen Autors, hier darf man auf jeden Fall auf weitere Bücher gespannt sein!
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am 24. Februar 2009
Die gut geschriebene Geschichte hat einen ungewöhnlichen Plot und ist deshalb interessant und wie es überall heißt auch "anrührend" ohne anbiedernd zu sein. Der Autor schreibt frisch und mit Dynamik, auch wenn er stilistisch stark an David Sedaris erinnert. Aber der ist ja auch in Ordnung. Einziger Wermutstropfen: Block ist mächtig stolz auf sein Wissen und das bekommt der Leser ab. Vermutlich muss das bei jungen Autoren so sein, dass sie mit ihren neu erworbenen (Er-)Kenntnissen hausieren gehen müssen. Dennoch ist das ein prima Roman und wieder mal ein richtiges Leseerlebnis. Das Lesen kann empfohlen werden.
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am 12. Februar 2012
Ein bißchen verwirrend ist der Anfang von Stefan Merill Blocks Roman "Als ich mich einmal in alles verliebte". Da geht es zum einen um einen buckeligen Mann, der sich in die Frau seines Bruders verliebt. Abel erzählt die Geschichte aus der Rückschau, mittlerweile ist er alt und klammert sich mit aller Kraft an seine Farm, die von Enteignung bedroht ist. Zum anderen ist da Seth, ein Junge, dessen Mutter zunehmend verwirrter wird und offensichtlich an Alzheimer leidet. Beide erzählen ihre Geschichte, und man fragt sich, handelt es sich um die selbe Person, in verschiedenen Lebensphasen oder gibt es einen anderen Zusammenhang zwischen ihnen. Und dann gibt es zwischendurch immer wieder märchenhafte Erzählungen über Isidora, das Land des Vergessenes, sowie wissenschaftlich anmutende Abschnitte über die Entstehung einer Variante des Alzheimers, die besonders perfide ist, da sie bereits in den mittleren Jahren auftritt und nicht erst im fortgeschrittenen Alter. Diese Erkrankung zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman und verbindet die verschiedenen Erzählstränge und Erzählweisen miteinander. Sehr kunstvoll verflechtet der Autor diese Geschichten miteinander.

In diesem Roman über Alzheimer geht es weniger um die Betroffenen, als um die Angehörigen und wie sie versuchen, diesen Abschitt auf Raten zu verarbeiten. Dabei fällt es ihnen sehr schwer, die Krankheit zu akzeptieren. Zu traumatisch ist es, das langsame Zerbrösseln des Geistes eines geliebten Menschens zu ertragen. Dazu kommt die quälende Frage, ob man das fatale Gen, das die Krankheit auslöst, womöglich selber in sich trägt. Block erzählt über die Gefühle der Betroffenen sehr einfühlsam.
Wie in jedem guten Buch bedeutet die Krankheit mehr als nur ein Leidensweg. Sie steht im Roman auch als Metapher für eine Gesellschaft, in der nur die Zukunft zählt und alles Alte schnell an Wert verliert, der Geschichte eines Menschens der eines Ortes wenig Wert beigemessen wird.

All das beschreibt Block leichtfüssig und sehr süffig lesbarer Form.
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am 2. September 2012
Über die Personen und die Geschichte wurde in anderen Rezensionen bereits berichtet.

Zunächst möchte ich festhalten, dass Verlag und Autor/Geschichte zwei verschiedene Dinge sind. Auf keinen Fall sollte man die Fehler des Verlages dem Autor und seiner Geschichte anlasten. Ich schließe mich vorangegangenen Kommentaren an; die völlig veränderte Bedeutung des Titels ist nicht nachvollziehbar. Der Verlag hat alles getan, damit keiner merkt, dass es um das Thema Vergessen geht, und im Besonderen um Alzheimer. Wahrscheinlich dachten Sie, so lässt sich das Buch besser verkaufen. Das ist allerdings gezielte Irreführung und ich kann den Ärger einiger Leser verstehen. Weder Klappentext noch Cover (luftig leicht) bereiten einen auf die sehr spezielle Kost vor:

Es gibt viele Elemente, die das Buch zu dem machen, was es ist:

Überlegungen zum Wert unseres Gedächtnisses, der Bedeutung einer für uns fast selbstverständlichen Fähigkeit und ihres Verlustes, die in dieser Gründlichkeit selten betrachtet wird. Dargeboten in verschiedensten Formen: als Teil der Geschichte selbst, in Form eines begleitenden Märchens oder in Form kleiner wissenschaftlicher Exkurse. Bereichernd.

Die Erzählung aus der Ich-Perspektive zweier Menschen, die, obwohl sehr verschlossen und beziehungsgestört, mit tiefem, liebevollen Verständnis gezeichnet werden und einem dadurch sehr nahe kommen. So entsteht eine ungewohnt persönliche Beziehung zu den beiden Erzählern, was deren Beziehungslosigkeit irgendwie ausgleicht. Diese beiden Menschen mit ihrer Geschichte sind für mich das Zentrum des Buches, nicht "das Problem Alzheimer". Sie wirken trotz ihrer nihilistischen Art berührend und einnehmend.

Die Handlung lässt sich Zeit und entfaltet sich mit Bedacht, wie die Protagonisten, und trotzdem ist sie auf ihre ganz eigene Art spannend.

Die Sprache des Autors ist der Schlüssel, warum eine traurige Geschichte so schön sein kann. Bitter-süß. Bei aller Tragik habe ich oft gelacht, denn die Sprache ist immer undramatisch und manchmal sehr trocken. Block hat einen ganz eigenen Stil, der sehr direkt ist und nie bemüht wirkt. So wie gute Literatur sein sollte. Echt. Die Sprache ist eine Säule des Buches und einer der Gründe, warum ich es genossen habe. Bemerkenswert, dass der Autor erst um die 25 Jahre alt war, als er das Buch geschrieben hat.

Der Übersetzer ist ein großer Glücksfall, denn er hat das Werk in eine deutsche Fassung transportiert, die von großem "Einfühlungsvermögen" zeugt. Dafür kann man wirklich dankbar sein.

Das Buch ist schwer und leicht gleichzeitig, ermöglicht durch die besondere Schreibe des Autors. Es reiht sich auf meinem Bücherregal zu Freunden wie Nadolnys "Entdeckung der Langsamkeit", fernab der vielen spannenden Thriller und Krimis, die ich auch sehr gerne lese, die ich aber nicht unbedingt weiterempfehle.
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