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Mobbing: Roman
Format: Taschenbuch|Ändern
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am 5. April 2010
Das Besondere an diesem Roman ist die Sicht aus der er geschrieben ist. Nicht der Gemobbte Joachim Rühler erzählt seine Geschichte, sondern seine Ehefrau.
Allerdings geht die Autorin weniger auf das Mobbing selbst ein, als auf die Probleme innerhalb Joachims Familie. Sie zeigt auf, was für immense Auswirkungen das Mobbing auf das nahe Umfeld haben können.

So werden zum Beispiel Freunde der Familie erwähnt, die sich zu Anfang von Joachims Kündigung noch bei ihm melden und ihre Hilfe anbieten. Aber je größer die finanzielle Not der Eheleute wird oder das Bedürfnis Überhand nimmt, über diese Probleme mit jemandem zu reden, umso mehr ziehen sich die Freunde zurück. Das ständige "Gejammer" und die Tatsache, dass man aufgrund des fehlenden Geldes nicht mehr alles zusammen unternehmen kann, führen dazu, dass Jo und seine Frau automatisch isoliert werden.

Durch die Hilflosigkeit, die seine Frau durch die Situation empfindet, eskaliert die Situation soweit, dass sie im Beisein ihrer fünfjährigen Tochter zu dem Verkäufer der Zooabteilung sagt: "Sollen wir die Meerschweinchen in den Mülleimer schmeißen? Dann sind sie weg, und wir haben Platz für ein nagelneues Kaninchen. Und wenn das uns zu langweilig wird, schmeißen wir es weg und kaufen ein anderes Tier."
In einer anderen Szene möchte ihre Tochter gerne an einer Sandburg eines kleinen Mädchens mitbauen. Als es das nicht möchte, hockt sich Jos Frau neben die Burg und zischt das kleine Mädchen an: "Weißt du was, du bist ein gemeines Stück, bloß keinen mitspielen lassen, großartig, ganz großartig, mach nur so weiter". Und während das Mädchen sie noch ratlos anstarrt, hebt sie eine Hand und klatscht mit aller Kraft auf den Sandturm, dass er in alle Richtungen zerspritzt.

Der Zerfall einer typischen Vorzeigefamlie (die obligatorischen 2 Kinder, eigenes Haus, Urlaub mindestens einmal im Jahr, Mann hat einen guten Job und Frau ist Hausfrau und Mutter) wird hier sehr schonungslos dargestellt. Wie schnell man alles verlieren kann und wie wenig das Ehepaar sich nach der Zeit noch zu sagen hat, ist erschreckend.

Die Geschichte ist sehr bewegend und das beklemmende Gefühl, was sich gleich zu Anfang eingestellt hat, war auch nach den 165 Seiten immer noch da. Der Schluss war meiner Meinung nach nicht zufiriedenstellend und hat mich etwas ratlos zurückgelassen.
Gewöhnungsbedürftig war auch, dass die komplette wörtliche Rede in dem Buch fehlte. Es war auf den ersten Blick nicht immer ganz klar, wer gesprochen hat.
Deswegen gibt es von mir vier Sterne!
11 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 23. Mai 2018
Das Buch schildert treffend was passiert, wenn man sich gegen Angriffe übelster Art nicht zur Wehr setzt.
Dazu gehört einen Mitarbeiter kaltstellen, üble Nachrede, ihm Aufgabenbereiche entziehen und ihm zu allem Übel vielleicht noch Dinge in die Schuhe zu schieben, die er gar nicht begangen hat.
Wahrscheinlich liegt zumindest eine Hälfte in der Person des gemobbten selbst, der lernen muss sich rechtzeitig abzugrenzen.
Leichte Kost ist das nicht. Und Spiessrutenlaufen bekommt den wenigsten auf Dauer...
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am 22. August 2012
Und für Joachim trifft diese Situation ein: er erhält seine fristlose Kündigung.
Und damit tritt ein Kreislauf in Gang, der die gesamte Familie in seinen Grundfesten erschüttert.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der Ehefrau, nach und nach erfährt man mehr über die Zusammenhänge, die zur Kündigung geführt haben. Neue Chefin - neue Arbeitsbedinungen. Jo wird ausgegrenzt, in seinen Aufgabenbereichen beschnitten, bespitzelt usw.
Sein direkter Kollege und Freund zieht nach kurzer Zeit die Konsequenzen und kündigt. Jo aber "befindet sich im Krieg". Jo kann nicht mit diesen Ungerechtigkeiten leben, Jo muckt auf, fragt nach. Und plötzlich werden Dinge, die sonst keinen interessiert haben, zu Betrug, zu abmahnunswürdigen Vorkommnissen usw. usw.
Bis zu dem Tag als er seine Kündigung erhält.
Natürlich geht er zum Anwalt, natürlich kommt es zur Verhandlung, natürlich bekommt er Recht, muss wieder eingestellt werden - aber bis dahin ist soviel in ihm kaputt gegangen, soviel am Familienleben verändert worden, dass auch dieser "Sieg" keine wirkliche Rückkehr in den "normalen Alltag" bedeutet.
Zudem damit die Schikanen noch lange nicht zu Ende sind.............

Dieser kurze ( 166 Seiten in relativ grosser Schrift ) Roman schafft es auf eindrückliche Weise, eine Situation darzustellen, die heute sicher keine Seltenheit mehr ist.
Ich habe das Buch in kurzer Zeit gelesen aber es wird noch lange in mir nachhhallen.
Eine Kleinigkeit hat mich gestört: Das zweite Kind wird immer nur als "das Baby" bezeichnet. Irgendwie fehlte mir der Namen.

Das Buch bekommt von mir 5 von 5 Sternen.
Und ich werde ganz sicher noch weitere Bücher von Annette Pehnt lesen.
3 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 7. März 2012
Was mich an diesem Buch von Anfang an fasziniert hat, ist die Perspektive. Berichte von Betroffenen kennen wir sicher alle und jeder einzelne ist einfach nur furchtbar. Hier aber berichtet die Ehefrau eines Mobbingopfers von den Auswirkungen auf die Familie, auf den Alltag, vom langsamen Sterben einer Ehe! Sie berichtet aus ihrem Blickwinkel, sie erzählt von den Fortschritten ihres Babys und vom Kindergartenalltag ihrer Großen. Aber sie berichtet auch, dass man sich des Nachts gegenseitig vorspielt, man würde schlafen - ohne es tatsächlich zu können. Die Beiden haben sich einfach verloren, ihre Liebe und ihr Vertrauen. Einerseits ist das kein Wunder, redet doch Jo nicht wirklich mit ihr, lässt viele Fragen unbeantwortet und sagt ihr vor allem nicht, was er tatsächlich fühlt. Andererseits ist gerade die Ehefrau sehr darum bemüht, nach außen den Schein zu wahren, ganz normal dazuzugehören". Sie trauert lieber dem nicht stattfindenden Sommerurlaub nach, als sich ernsthaft Gedanken um die Gesundheit ihres Mannes zu machen. Und sie zweifelt, sie zweifelt an ihrem Mann und an dem was da wirklich im Büro passiert und irgendwann zweifelt sie zwangsläufig an ihrer Ehe.
Und trotzdem ergreife ich beim Lesen Partei. Ich kann die Sorgen und die Nöte der Hausfrau und Mutter zu verstehen. Sie versucht, ihm beizustehen, aber er blockt ab. Sie erwägt die Aufgabe, sie hinterfragt seine Sturheit, sie sieht hauptsächlich ihr finanzielles Überleben. Wie sie, beginne ich Jo Vorwürfe zu machen. Warum zerstört er auch noch seine kleine Familie? Was können denn Frau und Kinder für Chefin und Arbeitskollegen? Nichts natürlich, nur hat Jo genauso wenig wie ich damals den Schalter zum Abschalten gefunden!!!!

Es ist ein stilles Buch, ein leises Buch, das berührt und betrifft, ohne Spannung, ohne Effekte, ohne Humor und vor allem auch ohne Happyend!

Annette Pehnts Prosa ist flüssig fakturiert, mit kurzen Sätzen, leicht zu lesen und vielen Dialogen ohne Anführungszeichen, ohne Übergang. Die Struktur ist etwas kompliziert: Gesagtes, Gedachtes und Getanes gehen fließend ineinander über; Rückblicke, Einschübe, zeitliche Sprünge und trotzdem liest sich das Ganze wie aus einem Guss. Eigentlich geht es nur um einen einzigen Tag: den Valentinstag.
Die Kapitel werden ungezählt durch einzelne, sehr schlagkräftige Überschriften von einander getennt.
Man erfährt alle Vorgänge nur aus der Perspektive der Ehefrau, auch als Leser muss man sich dem Innersten des Mobbingsopfers über die Darstellung der Ehefrau nähern. Hier ist es beim Lesen besonders wichtig auf die Zwischentöne zu achten! Letztendlich bleibt selbst das Mobbing etwas nebulös, weil Joachim seiner Frau nur wenig über die wahren Vorgänge erzählt und sie sich immer wieder selber fragt, vielleicht ist ja an den Vorwürfen etwas dran. Die Perspektive der Mobber oder der Kollegen fehlt völlig ebenso wie die unwidersprochenen Fakten, also eine rein subjektive Darstellung.
Aber letztendlich macht genau diese Erzählweise diese Erzählung für mich so interessant, weil hier das Erleben des Partners dargestellt wird und die wirklichen Vorgänge im Büro allein über die Reaktion des geliebten Partners reflektiert werden. So ist das Leben, da bekomme ich nun mal nur einen Blickwinkel geliefert!
Letztendlich ist es auch völlig bedeutungslos, was der Anlass für diese Vorgänge war, wer beteiligt ist oder wie im Einzelnen das Mobbing praktiziert wurde. Hier geht es einzig und allein um die Folgen. Folgen für die Familie, die Angehörigen, die Freunde - die müssen sich positionieren.
Besonders hart trafen mich die Sätze zu den Freunden der Familie: unglückliche Freunde sind auf Dauer sehr anstrengend. Genauso so habe ich es erlebt, ohne weiteren Kommentar!
Bei der Recherche zu diesem Buch und zur Autorin stieß ich auf die Tatsache, dass Annette Pehnt hier nicht fiktiv erzählt. Ihr Ehemann wurde über Jahre am Arbeitsplatz schikaniert. Wie eine Beziehung davon ausgehöhlt wird, hat Annette Pehnt - wie im Buch beschrieben - am eigenen Leib erfahren. Vielleicht erklärt das die enorme Wirkung!

Mobbing ist Psychoterror! Der endet nicht bei dem Opfer! Jedes Opfer hat Familie, Angehörige und Freunde - und alle sind irgendwo und irgendwie betroffen. Erst wenn man sich das überlegt, ja vorgeführt kriegt, kann man nachvollziehen, wie einschneidend und zerstörerisch Mobbing daher kommt!

Ich empfehle dieses Buch aus Überzeugung und gebe 5 Sterne!
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 1. März 2009
Mobbing ist inzwischen ein in Deutschland längst etablierter, griffiger Anglizismus für die gezielte Ausgrenzung einzelner Mitarbeiter aus einer Beschäftigtengruppe. In ihrem gleichnamigen Roman "Mobbing" beschreibt Annette Pehnt diesen Prozess anhand der Figur Jo, einem Verwaltungsangestellten, den eine unbedachte Äußerung zum Hassobjekt seiner neuen Vorgesetzten macht. Mit seinen Anpassungsschwierigkeiten verschärft Jo seine Lage, doch ist er ohnehin längst in einem Strudel gefangen, aus dem es für ihn keinen Ausweg mehr gibt. Jo wähnt sich in einem Kriegszustand, der sich nur schwer in die gängigen Kategorien dieses Begriffs einordnen lässt. Im Laufe der Handlung kommt es zur fristlosen Kündigung, gegen die er erfolgreich prozessiert. Doch sein Sieg ist kein Happy-End, sondern ein Pyrrhussieg, da er zwar das Arbeitsverhältnis wiederherstellt, aber nicht die Ausgrenzung beendet, die sogar noch eine Zuspitzung erfährt. Der Krieg geht in die zweite, offene Runde, für die Jo die Mittel auszugehen drohen.

Pehnt interessieren nicht die arbeitsrechtlichen Details, die vielleicht auch nur schwer mit der Geschichte in Übereinstimmung zu bekommen sind. Sie betrachtet aus der Perspektive von Jo's Ehefrau ausschließlich die psychologische Ebene des Mobbing-Vorgangs und seiner Ausläufer, die sie über den ganzen Roman hinweg nicht verlässt und vermittelt so dem Leser, wie sich im Laufe der Geschichte die beiden Partner voneinander entfremden, sich der Freundeskreis verständnislos distanziert und beklemmende Zukunftsangst in die Familie einzieht. Pehnt zeigt auf, was der Kriegszustand Mobbing aus einem Menschen macht und wie dabei seine Angehörigen als Kollateralschäden in Mitleidenschaft gezogen werden. Besonders bemerkenswert ist dabei die sehr bildhafte Szene auf dem Spielplatz, wo Jo's Frau - sensibilisiert durch die Ereignisse - auf die verletzende Ausgrenzung ihrer kleinen Tochter durch ein anderes Kind auf sehr rabiate Weise reagiert.

In der Geschichte werden auch Klischees einkassiert. Auffallend ist, dass Pehnt den Tatort in eine ungenannte Stadtverwaltung verlegt, einem Ort, den man im Gegensatz freien Wirtschaft immer mit einem geschützten Raum verbindet. Doch die Kampfzone kann überall eröffnet werden.

Aber das gewagteste Element in Pehnts Roman ist der literarische Tabubruch durch die Besetzung der Rolle des mobbenden Vorgesetzten mit einer stark auftretenden Frau und der ihres Opfers mit einem ihr untergeordneten, schwach erscheinenden Mann, konterkariert die Autorin doch dadurch jene These der Emanzipationsbewegung, dass durch den beruflichen Aufstieg der Frauen sich dank ihrer herausragenden kommunikativen Fähigkeiten und ihrer ausgeprägten Empathie automatisch auch das Arbeitsklima verbessern würde. Doch gerade der gezielte Einsatz von Nicht-Kommunikation ist die schärfste Waffe der Chefin gegen Jo. Annette Pehnt wird diesen Tabubruch sicherlich bewusst und nicht ohne Hintergedanken vollzogen haben.
8 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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TOP 1000 REZENSENTam 4. Juli 2010
Bei einem Buch mit dieser Überschrift erwartet man eine gewissenhafte Auseinandersetzung mit diesem Thema. Doch behandelt wird es 'nur' aus der Sicht der Ehefrau des Betroffenen. Die Leserinnen und Leser wissen so viel, wie sie von ihrem Mann erfährt, man lernt ihre Gefühls- und Gedankenwelt kennen. Und so entsteht ein recht bruchstückhaftes Bild wie es zu diesem 'Kriegszustand' (lt. ihrem Mann) in seinem Büro kommen konnte, aber im Gegensatz dazu ein umso vollständigeres über eine Beziehung, die díeser Belastung (und vermutlich auch anderen) wohl nicht standhalten wird.
In Rückblenden und Momentaufnahmen beschreibt die namenlose Ich-Erzählerin das gemeinsame Leben mit ihren beiden kleinen Kindern, ihrem Mann Jo und die immer stärker werdende Zerrüttung an seinem Arbeitsplatz. Seine neue Chefin ist die Ursache des Ganzen, sie mag ihn nicht, versucht ihn kaltzustellen ebenso wie seinen Kollegen und Freund. Doch ganz so einfach ist es nicht mit der Schuldzuweisung: Immer wieder klingt durch, dass auch Jo kein einfacher Charakter ist. Er wirkt rechthaberisch, unnachgiebig, geht direkt auf Konfrontationskurs. Von seiner Frau erwartet er von Beginn an dass sie uneingeschränkt auf seiner Seite steht. Kommen kritische Fragen blockt er ab und redet nicht weiter, sein eigenes Verhalten scheint er nicht zu reflektieren . Doch auch als die Sache eskaliert, er seine Kündigung erhält, steht sie noch immer nicht völlig hinter ihm, sie kann sein Verhalten nicht nachvollziehen (Ein häufig wiederkehrender Satz ist: '...obwohl er doch jetzt Zeit hätte.') Doch auch sie ist nun ohne Rückhalt: Das wofür sie ihn geliebt hat, existiert nicht mehr (ihr Kraft und Rückhalt zu geben, seine Entschlossenheit usw.).
Dass eine Liebe nicht nur im Alltag sondern gerade auch unter besonderen Belastungen zerbricht, zeigt dieses kleine Büchlein mehr als deutlich. Beiden Seiten gelingt es nicht, sich in die Position des jeweils Anderen zu versetzen, ohne das eigene Ich in den Vordergrund zu stellen. Jeder sieht sein eigenes Leid als das jeweils Schwerste an, die Unverstandenheit der eigenen Bürde wächst und das Verständnis für die Last des Anderen sinkt. So währt es nicht lange und die Schuldzuweisungen beginnen.
Alles in allem ein ausgesprochen bedrückendes Buch - aber gerade deshalb sehr lehrreich.
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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am 2. Mai 2009
Ich habe das Buch durch Zufall in die Hände bekommen, war zunächst ein wenig abgeschreckt von dem (angeblichen) "Thema" (über das alle reden bei diesem Buch), dem "Mobbing". Das klingt so unpoetisch, so nach Programm. ABER: das Buch ist ganz anders als ich dachte (und auch sehr poetisch auf seine Weise!). Es ist ein sehr elementares Buch über unsere Gegenwart, über unsere Welt! In dem die Gegenwart anhand einer einzelnen, konkreten Geschichte, dem Niedergang Jos, meisterhaft seziert wird. Es geht dabei um eine existentielle (Not-)Situation eines einzelnen Menschen - und von dort aus gesesehen zeigt sich unsere Gegenwart besser und genauer als in jeder soziologischen Studie!!!
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am 21. November 2007
Nach außen ist es das typische Mittelstandsidyll: Ehepaar mit zwei kleinen Kindern, Reihenhaus, Freunde. Doch die Idylle ist gefährdet: der Mann kommt an seinem Arbeitsplatz unter Druck, er wird sukzessive gemobbt und gedemütigt, letztlich auch gekündigt.
Annette Pehnts "Mobbing", leicht und gut lesbar, nimmt sich eines aktuellen Themas an, das sich in der Literatur gar nicht so häufig findet.
Oberflächlich betrachtet ist der Text Hausfrauen- und Mütterprosa: selten liest man derart ausführliche Beschreibungen des Alltagslebens mit kleinen Kindern. Doch rasch wird klar, dass das Festhalten an den Ritualen der "Kinderaufzucht" das Einzige ist, was dem Ehepaar in den Zeiten der Krise bleibt, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Indem sie ihren Alltag durchorganisiert bewältigen, fühlen sie sich als Teil der Gesellschaft, die sie allerdings immer mehr meidet. Die berufliche Krise wird zu einer privaten.
Annette Pehnts Prosa ist flüssig fakturiert, mit kurzen Sätzen und Dialogen ohne Anführungszeichen. Gesagtes, Gedachtes und Getanes geht fließend ineinander über - das Ganze liest sich wie aus einem Guss. Selten hat mich ein scheinbar leicht konsumierbarer Text so nachdenklich gestimmt.

NB: Ärgerlich: wieso wird ein Buch wie Annette Pehnts "Mobbing" vom Verlag und/oder der Autorin eigentlich als ROMAN klassifiziert? Ein Text in einem kleinformatigen Büchlein, knapp 160 Seiten, in großen Lettern gedruckt. In einem "normal" gedruckten Buch würde das Ganze höchstens 60, 70 Seiten füllen. Von den Verlagen hört man, dass im deutschen Sprachraum Novellen bzw. Erzählungen kaum zu verkaufen sind. So nimmt man offenbar den Etikettenschwindel in Kauf, nennt es "Roman" und kann den vollen Preis dafür verlangen. Fair ist das nicht.
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HALL OF FAMETOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 17. Oktober 2007
Die Autorin Annette Pehnt, eine mehrfach preisgekrönte Schriftstellerin, behandelte in ihrem dritten Roman "Haus der Schildkröten", ein großes Unantastbarkeitsthema, nämlich das langsame Ende des Lebens und die Konfrontation mit dem Tod. Auch in ihrem neuen Roman "Mobbing" geht sie ein heikles und nicht unumstrittenes Thema an. Eine allgemein anerkannte Definition für Mobbing gibt es bis heute nicht. Mobbing ist Schikane, Psychoterror, Intrige, insbesondere am Arbeitsplatz und in Schulen. Die Wissenschaftler sind sich dabei uneinig, ob der vermeintliche Mobber stets bewusst handelt.

Mobbing" ist eine beklemmende Studie über einen Fall von Mobbing und der entscheidende Kunstgriff der Autorin besteht darin, dass das ganze Buch nicht aus der Perspektive des Opfers, des Ehemanns Joachim, erzählt wird, sondern aus der Perspektive seiner Frau. Als Joachim eines Tages den Briefumschlag, mit den Worten,"jetzt haben sie endliche erreicht was sie wollten", auf den Küchentisch schmeißt, da weiß die Ehefrau aus den vergangenen Erzählungen ihres Mannes vermeintlich genau was geschehen ist. Das Opfer hatte, aufgrund der ungleichen Machtverteilung, Schwierigkeiten sich zu verteidigen. Und das was die Ehefrau nun über den Fall an den Leser weitergeben kann, weiß sie nur aus den Erzählungen des Opfers. Und nach und nach schleichen sich, und das ist ganz typisch für Mobbingfälle, Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Darstellung ein. Es sickern Zweifel in die Ehe und in die Familie. Man fragt sich, ist das wirklich alles so wie Joachim das sieht, empfindet, schildert? Haben nicht vielleicht auch die andern in irgendwelchen Punkten Recht? Wie würden die anderen den Fall aus ihrer Sichtweise schildern?

Und bei allen seelischen und körperlichen Folgeerkrankungen des Opfers zeigt sich auf beklemmende und eindrucksvolle Weise, das das was Mobbing in der Familie anrichtet viel, viel schlimmer ist als das was am Arbeitsplatz, in der Schule oder in den Büros stattgefunden hat oder in welcher Form auch immer empfunden wurde.

Um welche Art von Mobbing es sich auch handelt, die Handlungen gelten als unethisch, aggressiv, destruktiv und feindselig und Annette Pehnt ist es mit diesem Roman auf virtuose Art gelungen, in Verbindung aus engagierter Interessiertheit und schriftstellerischer Distanziertheit viel zur Behandlung dieses akuten Themas beizutragen. Es ist ein Buch das ausgesprochen atmosphärisch arbeitet. Es sind düstere Atmosphären und sehr viele unterschiedliche Reflektionsebenen und es ist wieder ein glänzender Roman von Annette Pehnt.
11 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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HALL OF FAMETOP 1000 REZENSENTam 10. Dezember 2007
Durch Annette Pehnts "Mobbing" bin ich wie mit angehaltenem Atem gehetzt. Hier werden gesellschaftliche Gegebenheiten aufgegriffen und dermaßen exakt analysiert, dass man in den Strudel der Ereignisse mitgerissen wird.
Joachim Rühler, ein Angestellter bei der Stadt, bekommt die fristlose Kündigung und empfindet diese zunächst als Befreiung von der unerträglichen Situation an seinem Arbeitsplatz. Eine neue Vorgesetzte, die dem Leser nicht näher vorgestellt wird, hat ihm das Leben zur Hölle gemacht. Seine Kompetenzen werden ihm entzogen, Kollegen wenden sich ab, Jo verliert den Boden unter den Füßen. All das wird aus der Perspektive seiner Frau geschildert. Der geregelte Alltag der Familie gerät aus den Fugen, Jo und seine Frau werden durch die Situation förmlich zerrieben. Die Erzählerin bemerkt Veränderungen an ihrem Mann. Die einstige Unbeschwertheit ist dahin. Zurückgeblieben ist ein Wrack. Sie versucht zunächst noch den sicheren Boden der Alltäglichkeit zu bewahren, scheitert aber. Muss scheitern, denn eine andere Möglichkeit des Umgangs mit Mobbing und Arbeitslosigkeit gibt es in der Gesellschaft nicht. Durch ein Arbeitsgerichtsverfahren erhält Jo zwar eine Arbeit, doch nicht die, die er verloren hat. Stattdessen muss er in einem Container sitzen und sinnlose Übersetzungen anfertigen, die kein Mensch liest. Der "Sieg" ist ein Pyrrhussieg, der "Krieg" im Grunde genommen verloren. Daran zerbricht Jo und letztlich auch seine Frau.
Zahlreiche Details lassen den Leser am alltäglichen Leben der Familie teilhaben. Das Buch geht an die Substanz. Hochaktuelle Themen wie Macht und Machtmissbrauch, Respekt, Demütigung und Ausgrenzung werden hier meisterhaft abgehandelt.
Sprachlich und psychologisch hervorragend gestaltet, zählt Annette Pehnts "Mobbing" zu den besten Büchern, die ich in diesem Jahr gelesen habe.
7 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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