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am 14. Mai 2014
nur sind die üblichen Ausgaben dieses Wälzers mit derartig kleiner Schrift publiziert, daß man so schnell ermüdet - auch mit Brille.
Mit der Kindle -Edition konnte ich diesen Weltliteratur -Roman endlich genießen. Grandios!
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Warum morden Menschen? Warum wird Leben ausgelöscht, wenn man doch selbst so sehr an seinem eigenen hängt? Wer diesen großartigen Roman Dostojewskis liest, erhält hierzu einige Antworten. Er spielt ebenso die ungeheuren Gewissensbisse durch, die ein vernünftiger und grundsätzlich moralischer Mensch erleidet, wenn er denn nun einmal aus welchem Grund auch immer tötet. Und schließlich behandelt der Roman die Frage, wie angesichts eines schrecklichen Verbrechens Sühne und Wiedergutmachung möglich sein kann. Wie kann das Böse besiegt werden?

Der junge ehemalige Student Raskolnikow erschlägt mit einem Beil eine alte Pfandleiherin und dessen Schwester, die zufällig am Tatort erscheint. Ihm gelingt trotz vieler Fehler das fast perfekte Verbrechen. Dostojewski hält die Spannung hoch mit der Frage nach dem Motiv dieser schrecklichen Tat. Warum also, wenn Raskolnikow sich schon vor der Tat vor sich selbst ekelt und sich für widerwärtig hält?
Ein Grund für seine Tat mag darin liegen, dass Raskolnikow eine sehr gespaltene Figur ist. Einerseits ist er großherzig und hilfsbereit, im Zweifel steht er grundsätzlich auf der Seite der Schwachen und Getretenen. Aber er ist auch schrecklich einzelgängerisch, wortkarg und auch wieder am Schicksal anderer Menschen nicht im geringsten interessiert. Er ist ein Sonderling, der im Grunde außerhalb der menschlichen Gesellschaft lebt, er ist abweisend und verletzend selbst zur eigenen Mutter und Schwester. „Meine Mutter, meine Schwester, wie habe ich sie geliebt! Warum hasse ich sie jetzt?“ Er hasst – wie es an einer Stelle heißt - „alle“.
Erst ganz am Ende des Romans wird er diesen Hass in der Liebe zu Sonja überwinden. Nur in der konkreten Liebe zu Menschen liegt der Schlüssel für Sühne und neuem Leben.

Die Petersburger Gesellschaft kommt bei Dostojewski, der gezwungenermaßen zur Zeit der Abfassung des Romans im Ausland lebte, sehr schlecht weg. Eine junge, betrunken gemachte Frau wird auf der Straße belästigt und von einem Mann mit eindeutigen Absichten verfolgt. „Wie komme ich dazu, mich aufzudrängen? Bin ich denn jemand, der helfen kann? Habe ich das Recht zu helfen? Sollen sie sich doch einander bei lebendigem Leibe auffressen – was geht mich das an!“ Polizisten nehmen Schmiergelder und besonders der Karrierist Luschin wird als eitler und böser Mensch dargestellt. Sinnbild einer rohen, verlotterten Gesellschaft ist ein Traum Raskolnikows, in dem einige angeheiterte oder besoffene Männer auf ein hilfloses altes Pferd wie von Sinnen ungemein grausam drauf los peitschen, bis zur eigenen Erschöpfung – und bis das arme Pferd jämmerlich verendet. Es sind solch eindringliche Szenen des Romans, die ans Herz greifen. Es sind solche Geschichten, in denen klar wird, zu welch grausamen, sinnlosen Taten Menschen fähig sein können. Leider, muss man sagen, ist der Roman auch hier sehr modern.

Der Roman ist zwar düster, wie viele Romane Dostojewskis, aber er bietet auch Hoffnung. Denn die Menschen mit gutem Herzen wie Dunja, die Schwester Raskolnikows, die ihren Bruder aufrichtig liebt, heiratet schließlich den „guten“ Rasumichin. Und die herzensgute herzensgute Sonja erwirbt die Liebe Raskolnikows.
Der feine, psychologisierende Tanz Raskolnikows mit Porfirij Petrowitsch, dem leitenden Untersuchungsbeamten, hält die Spannung hoch. Immer fragt sich der Leser mit Raskolnikow: was wissen die anderen schon alles? Sind Sie Raskolnikow schon auf der Spur oder ist das nur seine Einbildung. Schließlich jedoch macht er sich durch seine Unbeherrschtheit verdächtig.

Was ist aber nun mit dem Motiv Raskolnikows für seine Bluttat? Ist es seine Armut, sind es die erniedrigenden sozialen Verhältnisse, ist es sein Wille, etwas „außergewöhnliches“ zu tun oder die Vereinsamung und das Fehlen einer korrigierenden Bezugsperson? Sicher, diese Motive mögen eine Rolle spielen.
Hauptmotiv ist aber eine Ideologie, die sich Raskolnikow zurecht legt. In diesem Zusammenhang muss man darauf aufmerksam machen, dass Dostojewski die Vernunft, die ratio auch dafür verantwortlich macht, dass Menschen morden. Die Vernunft, auf die sich der aufgeklärte Mensch so viel zugute hält, ist nicht die Lösung des Bösen im Menschen, sondern Teil des Problems. Hellsichtig das grausame weltkriegsgebeutelte 20. Jahrhundert vorwegnehmend sieht Dostojewski, dass man alles Mögliche vernünftig begründen kann. Moralisches Handeln ist keine Folge der Vernunft oder anders gesagt Vernunft ohne moralische Bindung ist blind für das Schreckliche.

Im Grunde zeigt Dostojewski, dass jede rationale Begründung für einen Mord zurückgewiesen werden muss, und zwar im Namen von etwas Höherem. Er zeigt, dass keine Ideologie oder Idee, welche auch immer, es rechtfertigt, Menschen umzubringen. In einer Kneipe wird Raskolnikow Zeuge folgender Wort eines Studenten: „Auf der einen Seite ein dummes, unnützes, nichtswürdiges, böses und krankes altes Weib, das kein Mensch braucht und … das morgen sowieso sterben wird…Auf der anderen Seite junge, frische Kräfte, die einfach zugrunde gehen, weil es für sie keine Hilfe gibt…Dutzende von Familien, die vor Verfall, Zersetzung, Untergang, Laster…gerettet werden könnten - und das alles mit ihrem Geld!... Glaubst du nicht, dass ein einziges, allerwinzigstes Verbrechen durch tausende von guten Taten wettgemacht wird?“ Das ist die Ideologie, die meint, man könne einen Mord mit guten Taten oder Folgen rechtfertigen. Wer sich darauf einlässt, ist schon moralisch verloren.

Raskolnikows eigene Theorie geht in eine ähnliche Richtung: es gibt bestimmte Persönlichkeiten, die zu jedem Verbrechen das größte Recht haben, wenn die Verwirklichung ihrer Idee es erfordert. Die größten Wohltäter der Menschheit haben besonders viel Blut vergossen. „Man muss ein Verbrecher sein, um aus den alten Bahnen auszubrechen“, denn sie stoßen die Tür zur Zukunft auf. In diesem Zusammenhang taucht öfters der Name Napoleons auf, der Hunderttausende für seine große Idee in den Tot schickte. Raskolnikows Übermensch oder Ausnahmemensch darf nicht nur alles, er bringt auch die Menschheit voran. Raskolnikow trägt hier die Ideologie des Machtmenschen vor, dem alles erlaubt ist, um sich und seine Ideologie voran zu bringen. Wir kennen solche Leute heute genauso wie aus der Geschichte. Es scheint, dass menschliche Gemeinschaften diesen Fluch einfach nicht abschütteln können.
Anders als Tolstoi moralisiert Dostojewski aber nicht. Er erzählt einfach nur, was Schreckliches passiert, wenn man sich auf darauf einlässt, dass eine Idee oder Ideologie vor das Einzelschicksal eines Menschen geht. Er zeigt, was passieren kann, wenn man seine Vernunft gebraucht ohne moralischen Kompass und Maßstab.

Neben dem Motiv steht die Verarbeitung, die Sühne Raskolnikows im Mittelpunkt des Romans. Da ist zunächst die einfache Verdrängung des Mordes. Das will ihm nicht recht gelingen, denn dafür meldet sich bei ihm glücklicherweise immer wieder sein Gewissen zu Wort.
Die zweite Reaktion ist die des Wettmachens durch gute Taten. So hilft Raskolnikow dem unter ein Pferd geratenen schwer verletzten Marmeladow und dessen mehrköpfiger armer Familie: er war „erfüllt von der einen, neuen, unermesslichen Empfindung eines plötzlich aufbrandenden, vollen und mächtigen Lebens.“ „Es gibt Leben! … Das Reich der Vernunft und des Lichtes bricht an und … des Willens und der Kraft…“ Jetzt wird er kämpfen, heißt es.
Ist tätige Hilfe, sind gute Taten ohne Sühne ein Ausweg? Nein, Raskolnikow kann auch nicht durch tausend gute Taten das Unrecht gut machen. Er würde seinen Willen, seinen Lebenskraft einfach nur auf andere Felder umleiten. Er kann das Geschehene nur sühnen durch das Tragen der Konsequenz, durch das Ertragen seiner Schuld, kurz durch Strafe. Nicht Vernunft und Wille, nicht das Ego ist der Bereich, in dem Sühne geschieht, sondern nur das demütige Hinnehmen der Folgen, das passive Erdulden. Es ist dies eine entscheidende philosophische Einsicht des Romans: nur durch eine völlige Umwendung des Menschen, durch eine radikale Wende von der Tat, vom Eigenwillen hin zum Erdulden und Hinnehmen geschieht eine Wiedergeburt des Menschen. Nebenbei gesagt: dem liederlichen Swidrigajlow gelingt diese Erlösung gerade nicht. Er bringt sich daher schließlich um.

Sonja schließlich ist es, die Raskolnikow diese schwere Wende möglich macht. Die gläubige Sonja ist ähnlich wie Fürst Myschkin in „Der Idiot“ eine sehr selten anzutreffende liebende und offenherzige Person, zu der man sich unwillkürlich hingezogen fühlt. Im Gegensatz zu Raskolnikow, der niemanden liebt, begegnet sie allem trotz aller Widrigkeiten des eigenen Lebens offen und liebend. Nur eine solche Person ist fähig Raskolnikow nicht nur nicht zu verstoßen, sondern mit ihm nach Sibirien zu gehen. Der Glaube an Gott gibt ihr die Kraft, trotz aller Armut lebt sie ihm Licht, während Raskolnikow einen düsteren Katechismus des Kampfes und der Vernunft lebt.

Selbst im Zuchthaus in Sibirien hat Raskolnikow noch nicht den rechten Weg gefunden. Er bleibt der Eigenbrötler, der sich in seinem Stolz verletzt fühlt und der sein Verbrechen nicht bereut. Erst ganz am Ende des Romans erfährt er seine „Auferstehung“. „Die Liebe hatte sie auferweckt; das Herz des einen barg unerschöpfliche Lebensquellen für das Herz des anderen.“ Nur in der Liebe zu anderen Menschen kann ein Mensch auferstehen aus Schuld und Bosheit.

Der Roman ist insofern „die Geschichte der allmählichen Erneuerung eines Menschen, die Geschichte seiner allmählichen Wiedergeburt, des allmählichen Übergangs aus einer Welt in eine andere, der Entdeckung einer neuen, bisher gänzlich ungekannten Wirklichkeit.“ Wer der Welt offen und liebend begegnet, wer auf Kampf und Durchsetzung vernünftiger Ansprüche verzichtet, wer sich abkehrt von sich als Tat- oder Machtmensch, der wird eine neue Welt sehen, der wird in einer neuen Wirklichkeit leben. Der Roman beschreibt eine geistige, transzendente Wandlung des Menschen.

Kurz und knapp: das Wichtigste von allem ist die Liebe. Nur wer in ihr lebt, kann dem Bösen widerstehen.
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am 1. Juli 2013
Rodion Raskolnikoff, ehemaliger Jura-Student in Sankt Petersburg, entschließt sich zu einem Mord an einer Pfandleiherin, um sie auszurauben und damit sein Studium weiterhin finanzieren zu können. Als ihm ihre Schwester in die Quere kommt, tötet er sie ebenfalls mit einem Beil. Nach der Tat hat er zunehmends ein schlechtes Gewissen, plaudert doppeldeutig über seine Tat mit Studienkollegen, Familie und Bekannten, er kapselt sich von der Gesellschaft ab und bemerkt letztendlich nur durch Sühne seine Schuld abtragen und als völlig freier Mensch leben zu können, der er schließlich auch nur wird als er mit der Prostituierten Sonja zusammenkommt, welche ihm (neben dem Arbeitslager) sein gutes Gewissen wieder zurückgibt...

Dostojewskis Roman ist eine psychologische, philosophische, religiöse und zugleich soziale Studie. Der Roman ist eine Wucht, bedenkt man die Zeit in der jener verfasst und das prekäre Thema, das nie zuvor so einprägsam für Leser geschrieben wurde. Es könnte als Psychothriller und guter Kriminalroman aus dem 19. Jahrhundert bezeichnet werden. Das Buch wirft Fragen auf, bringt (für damalige Zeiten) neue Themen an die Oberfläche, die debattiert werden müssen und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Situationen in denen Raskolnikoff sich als Mörder nahezu preisgibt, es dennoch niemand bemerkt, weil es so unglaublich wirken würde diese These anzunehmen und die engen Dialoge zwischen Raskolnikoff und den Polizeibeamten, seinen Bekannten etc. in denen er als Verrückter agiert, sich aber keiner erklären kann warum er so wirres, ja nahezu komisches Zeug redet sind schlicht phänomenal. Man fiebert als Leser mit und denkt sich: "Warum merken die Menschen denn nicht, dass er der Mörder ist?" Eben weil er weiß wie er in letzter Sekunde den Verdacht von sich abzuwenden hat, und doch hinterlässt er einen Schimmer an Wahnsinn bei den anderen Figuren, die letztendlich alle nicht mehr wissen was sie glauben sollen und nicht. Obwohl Dostojewski, der dieses Werk an autobiographischen Einflüssen nicht unbefriedigt ließ, für dieses Werk nur etwa 100 Bögen bzw. die Form einer Novelle vorgesehen hat, wurde der Sühne-Teil fünfmal länger als der Schuld-Teil und erst so gereicht dieses Werk einem Meisterwerke. Ja, obwohl es ein langwieriges Buch ist, ist die Spannung und die Atmosphäre da, die eine Dichte konzipiert, wie ich sie aus Poes Novellen kenne: Novellen des Todes.

~Bücher-Liebhaberin~
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am 14. März 2017
Zu Dostojewskis Werk muss ich nichts sagen, das haben Andere vor mir ausreichend und ganz sicher besser getan, als ich es könnte.
Vor 40 Jahren legte mein Vater es mir in die Hände. Der Idiot und der Spieler kannte ich schon und wusste, was auf mich zukam. Ich las es mit großer Spannung und Ausdauer, die durchaus erforderlich ist. Später las ich es noch einmal.
Doch nun habe ich es mir von Frank Arnold vorlesen lassen. Seine Interpretation der russischen Seele hat mich nicht nur sehr begeistert, sondern in die Straßen, Gassen, Wirtshäuser und Wohnungen versetzt, an die Seite der Personen und manchmal sogar in ihre Mitte.
Es gibt Hörer, denen es stellenweise gar nicht gefallen hat, weil es zu laut war; das kann ich ein wenig nachvollziehen. Allerdings habe ich russische Freunde und erlebe genau diese situationsbedingte Lautstärke im Streiten, leidenschaftlichen Reden und feuchtfröhlichen Feieren, aber auch ihre, Geborgenheit ausstrahlende Ruhe. Und deshalb fühlte ich mich so richtig schön nach Petersburg versetzt.
Vielen Dank, Frank Arnold!
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am 25. Januar 2007
Schauplatz des Romans ist Sankt Petersburg um 1860. Es geht um die Geschichte des bitterarmen, aber überdurchschnittlich begabten Studenten der Juristerei -- Rodion Romanowitsch Raskolnikow, kurz Raskolnikow. Die Mischung aus Armut und Überlegenheitsdünkel (er vergleicht sich selbst mit Napoleon Bonnaparte) spaltet ihn zunehmend von der Gesellschaft ab, was eigentlich der Urgrund allen Übels ist und gleichzeitig auch eine Spirale mit starkem psychischen Abwärtstrieb. Außerdem muss er tatenlos mit ansehen, wie seine Schwester von einem alten Lüstling bedrängt wird, der sie zur Heirat nötigen will (die Familie ist seit dem Tod des Vaters nämlich völlig verarmt und lebt weit unter den früheren Verhältnissen). Unter dem starken Eindruck eines von ihm zufällig belauschten Wirtshausgesprächs entwickelt er eine Theorie der "außergewöhnlichen" Menschen, die im Sinne des allgemein-menschlichen Fortschritts natürliche Vorrechte genießen sollten. Diese Vorrechte, sollen sie vor den übrigen Menschen, dem allgemeinen Pöbel (Läuse, wie er sie zu bezeichnen pflegt). auszeichnen Er selbst, jung und talentiert, doch mit Armut geschlagen, sieht sich als solchermaßen Privilegierter. Diese gehegte Wahnvorstellung wird ihm allmählich im Verborgenen zur Lebensmaxime.

In starkem Kontrast zu diesem inneren Selbstanspruch stehen freilich die bedrückenden äußeren Umstände. Seine Kleidung ist völlig zerlumpt und er haust in einem Zimmer von sargähnlicher Enge, in dem er sich nicht einmal vollends aufzurichten vermag. Die finanziell prekäre Situation zwingt Raskolnikow, sich an eine alte wucherische Pfandleiherin zu wenden. Jene ist eine geizige und herzlose Alte, die nur dafür lebt, ein immer größeres Vermögen zusammenzuraffen (wiederum ein Aspekt, in dem sich die tiefe christliche Überzeugung des Autors widerspiegelt). Für Raskolnikow ist sie der Inbegriff einer oben genannte "Laus", eines wertlosen Menschen, über dessen Leben die wirklich großen Menschen rücksichtslos hinweggehen dürfen, da sich jener nur parasitär von der Gesellschaft ernähr ohne selbst etwas zu schaffen.. Von dieser Weltanschauung getrieben, drängt sich ihm der Entschluss zum Mord immer mehr auf. Motiv für das Verbrechen ist dabei letztlich eine perverse Art der Selbstfindung, wie er später seiner Geliebten Sonja Mermeladowna gesteht, einem jungen Mädchen, welches sich auf Grund von Geldnöten ihrer Familie prostituiert.

Unter einem Vorwand besucht er die Alte erneut, erschlägt sie genauso wie ihre zufällig erscheinende, geistig zurückgebliebene Schwester mit einer Axt und raubt ihre Wertsachen. Nur mit großem Glück kann er unentdeckt aus dem vierten Stock des Wohnhauses entkommen, wobei seine nervliche Anspannung fast in Wahnsinn mündet. So fällt er nach gelungener Tat in einen mehrtägigen fiebrigen Dämmerzustand, ein Delirium, das die innere Abscheu vor der eigenen Tat widerspiegelt. Immer mehr zeigt sich, dass er seiner eigenen Theorie nicht gewachsen ist. Er ist nicht der Mensch ohne Gewissen, der er zu sein glaubte. Außerdem hat ihn seine Tat verändert. Wenngleich Raskolnikow ein scheinbar perfektes Verbrechen gelungen ist, empfindet er als Doppelmörder die gesellschaftliche Abspaltung innerlich nun umso schmerzhafter.

Nach der Mordtat findet er keine Ruhe mehr, selbst seine eigene Mutter verwirft er und gerät mit ihr in Streit. So dauert es nicht lange und er wird von einem Ermittlungsrichter als Schuldiger erkannt, obwohl jener Raskolnikows Täterschaft nicht zu beweisen vermag. Beiden, Täter wie Ermittler, ist dies bewusst, auch wenn es nicht offen ausgesprochen wird. Stattdessen steigert sich das intellektuelle Gefecht zwischen den Widersachern zu einem subtilen psychologischen Spiel, welches Raskolnikow, wiewohl er nach äußerlichem Stand der Untersuchungen beruhigt sein könnte, immer mehr in die Enge treibt. Die gläubige, sich für Ihre Familie selbst aufopfernde Prostituierte Sonja, welche er kennen und lieben lernt, rät ihm schließlich, sich zu stellen um für seine Sünden zu "bezahlen". In der Haft in einem sibirischen Arbeitslager folgt die Wandlung Raskolnikows zum Christen.

Fazit: Ein tiefer Einblick in die menschliche Psyche, noch lange bevor die Freudschen Thesen der Psychoanalyse überhaupt Fuß gefasst hatten. Noch dazu einer der spannendsten Kriminalromane aller Zeiten, in dem das Motiv aus dutzenden Blickwinkeln plausibel betrachtet wird.

Die Reclam - Ausgabe ist meines Erachtens beim Lesen wegen der kleinen Schrift etwas ermüdend. Aber auch sie erfüllt natürlich ihren Zweck bestens! Top!
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am 25. Oktober 2010
Nachdem mir die Schule nachhaltig alle Lust auf Literatur genommen hat und ich auch im Studium mich fast nur noch mit Fach- und Sachbüchern umgeben haben, habe ich sehr zögerlich dieses Buch aus dem Regal gezogen. Der gewichtige Author und ein nahezu erdrückend schwerer Titel haben es nicht leicht gemacht. Nach wenigen Seiten aber war diese Angst vorbei.
Es ist ein fesselndes Werk, einer erdrückende Geschichte. Geschrieben ist es aber mit der Kunst die größten Sympathien einem Charakter teil werden zu lassen, dessen Handlungen man rundweg ablehnt.
Ohne dieses Buch würde ich immer noch einen großen Bogen um große Namen machen und in Ehrfurcht erstarren anstatt einfach zu lesen und mich über die Geschichten zu freuen.
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am 16. September 2013
Mich hat das Buch gefesselt. Die Geschichte des bitterarmen ehemaligen Studenten Raskolnikow, der sich für andere aufopfert und aus durchaus verständlichen Gründen zum Mörder wird, ist eine, die mir nahe ging. Vor allem ist er nicht der kaltblütige Mörder, sondern jemand, den seine Lebensumstände erniedrigt haben. Die Geschichte wird sehr detailliert geschildert. Die fünf Sterne hat sich das Buch verdient, weil es mich, wie nur wenige andere, gepackt hat.
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am 19. Juli 2013
Es geht eben nichts über die Großen. Ich habe das Buch als Jugenliche gelesen, Dostojewki steht auf meiner Liste fast ganz oben, nach Thomas Mann und Robert Musil.
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am 3. Dezember 2007
es bedarf wirklich des echten vorsatzes und willens, solch ein buch zu lesen. man braucht am besten viel zusammenhängende zeit, um nicht immer wieder den faden zu verlieren. hat man es dann geschafft, so kommen die fragen. ich liebe solche bücher, weil sie nicht in diesem rudimentären sprachenbrei der neuzeit geschrieben sind, nicht so bemüht sind darin, irgendwie originell sein zu müssen, sondern weil hier einfach aber mit der großen kraft, die sprache in sich trägt, erzählt wird. es ist eine kunst, eine an sich so banale tat und ihre folgen für den täter und sein umfeld auf über siebenhundert seiten zu erzählen, und nicht langweilig zu werden. zugegeben muß man sich darüber im klaren sein, dass es sich um russische literatur handelt, die ihre eigenheiten hat. so sind einem vielleicht nicht gleich die namen geläufig zu lesen, man hat vor- und vatersnamen, dann die üblichen koseformen, die dem nicht im russischen geübten schon schwierigkeiten machen können ( aber bei den entsprechenden franzosen wie balzac hat man doch als ungeübter deutscher nicht auch probleme, vor allem mit der gedanklichen aussprache von namen?)
alles in allem haben wir es hier mit der beschreibung eines menschen zu tun, der eine tat begeht von einem offenbar irrigen ansatz aus, und der dadurch nur noch mehr probleme mit sich und seiner umwelt bekommt. wir erfahren aber auch sehr viel über das leben einfacher und klein- bürger im rußland mitte des 19.jahrhunderts, ihre denkweise, ihre zwänge, es kommen einige sehr gut gezeichnete charaktere vor, die der autor gekonnt zusammenführt. es wird von großem unglück und elend erzählt, aber auch von großer, zarter liebe, die letztendlich den schuldigen erretten wird. soweit dostojewski. auch noch so erbärmliche gestalten werden liebevoll dargestellt, man spürt die tiefe menschliche anteilnahme des erzählers, es ist ein genuß, so etwas zu lesen. am ende bleibt manche frage scheinbar offen. da hilft es, sich eigene gedanken zu machen, oder noch einmal von vorn anzufangen.
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Rodion Raskolnikoff, ehemaliger Jura-Student in Sankt Petersburg, entschließt sich zu einem Mord an einer Pfandleiherin, um sie auszurauben und damit sein Studium weiterhin finanzieren zu können. Als ihm ihre Schwester in die Quere kommt, tötet er sie ebenfalls mit einem Beil. Nach der Tat hat er zunehmends ein schlechtes Gewissen, plaudert doppeldeutig über seine Tat mit Studienkollegen, Familie und Bekannten, er kapselt sich von der Gesellschaft ab und bemerkt letztendlich nur durch Sühne seine Schuld abtragen und als völlig freier Mensch leben zu können, der er schließlich auch nur wird als er mit der Prostituierten Sonja zusammenkommt, welche ihm (neben dem Arbeitslager) sein gutes Gewissen wieder zurückgibt...

Dostojewskis Roman ist eine psychologische, philosophische, religiöse und zugleich soziale Studie. Der Roman ist eine Wucht, bedenkt man die Zeit in der jener verfasst und das prekäre Thema, das nie zuvor so einprägsam für Leser geschrieben wurde. Es könnte als Psychothriller und guter Kriminalroman aus dem 19. Jahrhundert bezeichnet werden. Das Buch wirft Fragen auf, bringt (für damalige Zeiten) neue Themen an die Oberfläche, die debattiert werden müssen und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Situationen in denen Raskolnikoff sich als Mörder nahezu preisgibt, es dennoch niemand bemerkt, weil es so unglaublich wirken würde diese These anzunehmen und die engen Dialoge zwischen Raskolnikoff und den Polizeibeamten, seinen Bekannten etc. in denen er als Verrückter agiert, sich aber keiner erklären kann warum er so wirres, ja nahezu komisches Zeug redet sind schlicht phänomenal. Man fiebert als Leser mit und denkt sich: "Warum merken die Menschen denn nicht, dass er der Mörder ist?" Eben weil er weiß wie er in letzter Sekunde den Verdacht von sich abzuwenden hat, und doch hinterlässt er einen Schimmer an Wahnsinn bei den anderen Figuren, die letztendlich alle nicht mehr wissen was sie glauben sollen und nicht. Obwohl Dostojewski, der dieses Werk an autobiographischen Einflüssen nicht unbefriedigt ließ, für dieses Werk nur etwa 100 Bögen bzw. die Form einer Novelle vorgesehen hat, wurde der Sühne-Teil fünfmal länger als der Schuld-Teil und erst so gereicht dieses Werk einem Meisterwerke. Ja, obwohl es ein langwieriges Buch ist, ist die Spannung und die Atmosphäre da, die eine Dichte konzipiert, wie ich sie aus Poes Novellen kenne: Novellen des Todes.

~Bücher-Liebhaberin~
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