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Kundenrezensionen

3,3 von 5 Sternen
12
Existiert Gott?: Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit
Format: Taschenbuch|Ändern
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TOP 500 REZENSENTam 1. Mai 2015
Eine sehr gelungene Auseinandersetzung mit dem Atheismus liefert Hans Küng in diesem Werk. Er setzt sich mit den unterschiedlichen Philosophien von Descartes, Pascal, Hegel, Feuerbach, Marx, Nietzsche und Freud auseinander. Und natürlich setzt er den christlichen Glauben als Alternative dem Atheismus gegenüber.
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am 4. Mai 2014
Es ist wohl schon zwei Jahrzehnte her, dass ich dieses Buch gelesen habe, heute bin ich auf die Rezensionen hier gestoßen und war von einigen sehr überrascht: Welche nur mühsam kaschierte Gehässigkeit gegenüber dem Autor (und nicht selten gegenüber "Gott") da durchschlägt!

Meine Erinnerung weist in eine andere Richtung: Ich hätte das Buch am liebsten "am Stück" verschlungen, hätte der Umfang des Werkes dies nicht verunmöglicht. Ich fand und finde es interessant und absolut redlich-bemüht geschrieben. Ich kannte den Autor und dessen Hintergrund zu dieser Zeit noch nicht und fragte mich deshalb bis zum letzten Kapitel: Was meint er nun, existiert Gott oder nicht? (Das Vorwort, in dem angeblich die Antwort schon vorweggenommen ist, scheine ich übersprungen zu haben). Weil Küng eben nicht versucht zu indoktrinieren, sondern die Entwicklung des Gottesbegriffes durch die Zeit und in verschiedenen Kulturen sauber und sachlich darzulegen (dass er dabei die Außerirdischen nicht mit einbezieht, wie doch tatsächlich in einer Rezension heftig kritisiert wird, verzeihe ich ihm durchaus...:-).

Ich würde mir wünschen, allen Glaubensfanatikern wie auch allen Atheisten gelänge es, ihren Standpunkt mit diesem Maß an Sachlichkeit, Neutralität, ja nahezu Objektivität darzulegen, wie Küng dies tut.

Deshalb absolut empfehlenswert für jene, die sich für den Vergleich des Gottesbegriffs in verschiedenen Kulturen und Zeiten auf auch dem theologisch-philosophischen Laien verständlichen Niveau interessieren.

Den Schlussfolgerungen von Küng kann man sich anschließen - oder halt nicht; er versucht an keiner Stelle zu missionieren oder zu indoktrinieren. Somit hat er die Verunglimpfungen seiner Person und seines Werkes, wie sie hier teilweise stattfinden, sicherlich nicht verdient. Diese sind allenfalls Indiz für die (in Glaubensfragen ja leider dauernd anzutreffende) Engstirnigkeit und Intoleranz von Menschen, die ihre Position in der Frage als die allein denkbare, gültige und richtige betrachten, sich damit aber nur selbst und gut erkennbar disqualifizieren; in diesem Wesenszug treffen einander übrigens Religionsfanatiker und strenge Atheisten in trauter Einigkeit ...:-(

Starke Leseempfehlung!
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am 18. Februar 2015
"So könnte und müßte man fortfahren, um in tausend Abwandlungen das eine Urerlebnis des Menschen anzudeuten, in dem die Offenheit seines Daseins in das unbegreifliche Geheimnis hinein aufgeht, in dem er merkt, daß er nur dann der Gefangene seiner erschreckenden Endlichkeit ist (die es gibt, die grausam quält), wenn er an der unendlichen Unbegreiflichkeit vorbeisieht, die ihn überall umgibt, oder wenn er sich vor ihr fürchtet, weil sie schweigend und unverfügbar alles durchwaltet." (Karl Rahner "Gotteserfahrung heute:" S. 36)

Hans Küngs Buch "Existiert Gott?" beginnt mit einem hervorragenden und gut lesbaren Einblick in die neuere Philosophiegeschichte. (S. 21 bis 469. Die eingestreuten kirchenkritischen Passagen sollte man zunächst nicht beachten.) Sehr anschaulich beschreibt der Autor das Weltbild (A. Vernunft und Glaube:) des Rene Descartes und Blaise Pascal. Komplementär dazu behandelt er den logischen Empirismus und Positivismus sowie die Wissenschaftstheorien von Karl Popper und Thomas S. Kuhn. Seinen Gang durch die Geistesgeschichte setzt er fort mit einer Streifzug durch die Philosophiegeschichte des 19. Jahrhunderts: (B. Das Neue Weltbild:) unter anderen mit August Comte und dem von Küng so verehrten Georg Friedrich Wilhelm Hegel, um dann (C. Herausforderung des Atheismus:) Ludwig Feuerbach, Karl Marx und Sigmund Freud zu besprechen sowie (D. Nihilismus, Konsequenz des Atheismus:) Charles Darwin, Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche.

Das Buch sollte nur bis zu Ende lesen, wer als Anhänger des ontologischen Realismus (Inhärentismus = Sinn in den Dingen) die Argumente der konstruktivistischen Gegenposition (Voluntarismus = Kult des Willens) kennenlernen will. Hans Küng bietet dazu reichlich Anschauungsmaterial. Das Buch ist aufgrund seiner Konzeption kaum geeignet, Gottvertrauen und religiösen Glauben zu fördern, weil der Autor das Vertrauen auf einen ewigen Gott, auf die absolute Vernunft (Logos) und auf das absolute Gute als vermeintlich nicht mehr zeitgemäß ablehnt. Hans Küng glaubt ernsthaft, die moderne Glaubenskrise durch den Subjektivismus eines nominalistischen, "neuzeitlich-dynamischen Gottesverständnisses" (S. 218) kurieren zu können, weil es sich bei Gott um "keine über-geschichtliche Person" handle (S. 218) - und weil die "unveränderliche Idee des Guten" irrig sei. (S. 218) Und er verwirrt uns mit solchen Phrasen: "Der von Feuerbach behaupteten Auflösung von Theologie in Anthropologie, setzt die Theologie nicht die Auflösung der Anthropologie in Theologie, wohl aber die sachliche Priorität der Theologie vor der Anthropologie entgegen: nicht um eines defizienten Menschseins, sondern um eines Mehr an Menschsein willen!" (S. 249) Doch wenn der Voluntarist Küng hier "um des Menschseins willen" dem theologischen Kult des menschlichen Willens "die sachliche Priorität" zuschreibt - dann muss letztlich jede sachliche Argumentation scheitern.

Fazit:

Während der marxistische Philosoph und Humanist Erich Fromm im Geiste des Judentums gläubige und atheistische Humanisten dazu ermahnt, mit niemals ermüdender Zuversicht nach dem absoluten Guten zu streben ("Ihr werdet sein wie Gott", S. 192ff), bietet uns Hans Küng ein "neuzeitlich-dynamisches" Gottesbild (S. 218) mit einer arbiträren und schwammigen Formel für den "neuen christlichen Lebensstil", das auch für Ideen wie Individualismus, Libertarismus, Egoismus, Sozialdarwinismus und die Dialektik permanenter marxistischer Klassenkämpfe vereinnahmt werden könnte. Gerade weil Küng so sehr betont: "Als ob Jesus selber mit der Verkündigung seines Ethos [der Bergpredigt] nicht gescheitert wäre" (S. 755), lässt er uns im Unklaren, was denn nun "seine Sache" ist; und er ignoriert das christliche Glaubensbekenntnis (Credo) - als ob die geschichtliche Person Jesus Christus nicht in das ewige Geheimnis hinüberreichen würde. Küng über seine neuzeitlich-fortschrittliche Religion: "Das Kriterium christlicher Ethik ist also die Nachfolge Christi. Dieser Christus Jesus ist in Person die lebendige, maßgebende Verkörperung seiner Sache: Verkörperung einer neuen Lebenseinstellung und eines neuen Lebensstils. Als konkrete geschichtliche Person besitzt Jesus Christus eine Anschaulichkeit, Vernehmbarkeit und Realisierbarkeit, die einer ewigen Idee, einem abstrakten Prinzip, einer allgemeinen Norm, einem gedanklichen System abgeht." (S. 756f)

Doch Hans Küng irrt, wenn er glaubt, dass vor allem eine vermeintlich autoritäre und wissenschaftsfeindliche katholische Kirche für die Verdunstung der Religion verantwortlich sei. Der Kulturphilosoph Max Picard schrieb schon 1960 über die Gegenwartsmenschen, sie hätten das Gefühl für das Transzendente verloren, dass in jedem Ding der Schöpfung mehr ist, als es brauchte, um so zu sein, wie es ist: "Es ist kein Raum mehr frei, in dem noch das Unerwartete geschehen könnte, ja, in dem überhaupt noch etwas geschehen kann. Ein ungeheures Potential ist entstanden durch die Masse der Menschen, der Maschinen, der Waren, der wissenschaftlichen Ergebnisse, durch die Masse der Nachrichten, der Worte, Geräusche, die von Minute zu Minute produziert werden." ("Wo stehen wir heute?", S. 95ff) Und ganz aktuell stellt der Kulturkritiker Terry Eagleton fest, dass seit der Postmoderne (seit Mitte der 1970-er Jahre) viele Menschen jedes Nachdenken über Geist und Sinn leidenschaftlich und schroff zurückweisen. Es sei anrüchig und sinnlos über eine geistige Tiefe nachzudenken, die es nie gegeben habe. Es könne keine Oberflächlichkeit geben, da es keine wirkliche Tiefe gebe. Wahrheit sei nur eine erdrückende Illusion. Ohne eine solche Garantie zu leben, heiße frei sein. ("Der Sinn des Lebens", S. 37, 86)

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Zusammenfassung: Ein Leitfaden zu Hans Küng "Existiert Gott?"

Religion und Welterkenntnis: das Universalienproblem

Das Verhältnis von Vernunft und Glaube ist schon seit dem späten Mittelalter unter Philosophen und Theologen sehr umstritten: Universalienstreit. Weil Küng in seinem Buch die abstrakten Begriffe (Universalien) des "Konstruktivismus" (Nominalismus, Subjektivismus, Relativismus, Voluntarismus = Kult des Willens, Scotismus, Ockhamismus) und die Begriffe des "Inhärentismus" (Realismus, Thomismus) voraussetzt, ist für die Leser vielleicht eine ganz kurze Einführung in das Universalienproblem hilfreich:
"Sogar der Postmodernismus [und postmoderne Kulturalismus], für manche seiner Propheten nicht nur der neueste Schrei unserer Zeit, sondern definitiv auch der letzte, kann mit ebenso viel Recht als schal gewordene Kultur einer spätbürgerlichen Welt angesehen werden. -- Andererseits könnte man ihn auch als ein ziemlich traditionsverhaftetes Credo betrachten. In mancher Hinsicht ist er lediglich die jüngste Offensive jenes nominalistischen Lagers, das im Mittelalter die ontologischen Realisten bekriegte. Frank Farrell hat denn auch überzeugend dargetan, dass Modernismus wie Postmodernismus in Wirklichkeit spätmittelalterlichen Ursprungs sind. Unter den mittelalterlichen Theologen unterschied man jene, für die die Welt dünn und nicht determiniert war, und jene, für die sie dicht und determiniert war; was bei diesem Streit auf dem Spiel stand, war die Freiheit Gottes. Wenn die Welt in sich selbst sinnhaft ist, erscheinen die Freiheit Gottes, mit ihr nach Seinem Belieben zu verfahren, und damit Seine Allmacht drastisch eingeschränkt. Wenn die Wirklichkeit hingegen arbiträr und nur schwach definiert ist, setzt sie dem göttlichen Willen keinen Widerstand entgegen, so dass die absolute Freiheit Gottes als gesichert erscheint. Entweder behauptet man, dass Gott bei Seinem Handeln die inneren Eigenschaften Seiner Welt berücksichtigen muss, oder man behauptet, dass die Welt keine anderen Eigenschaften hat als diejenigen, die Er ihr in freien Stücken mitgibt. Das Ganze ist also eine Variante der uralten moralischen Frage, ob Gott etwas will, weil es gut ist, oder ob es gut ist, weil Gott es will. Die katholische Tradition hält es im großen und ganzen mit der ersteren, »realistischen« Auffassung, während die letztere, »konstruktivistische« Position den Übergang zum Protestantismus darstellt. -- Das moderne, protestantisch-individualistische Selbst wird damit zu einer Art Ersatzgottheit, die eine ihrer »dichten« Bedeutungen und sinnlichen Eigenschaften entkleidete Welt mit arbitärem Sinn erfüllt. Der Rationalismus entdeckt in der Welt nur eine dünne, begriffliche, mathematische Art der Determiniertheit, die sie zwar ihres materiellen Reichtums beraubt, sie aber als Rohstoff für eine rastlose Produktivität des Subjekts bestehen lässt. Dieses Subjekt ist jetzt die einzige Quelle, aus der Sinn und Wert hervorgehen, und kennt in seiner absoluten, gottähnlichen Freiheit keine Einschränkung." (Terry Eagleton, "Was ist Kultur?: Eine Einführung", S117f)

Religion und Realismus: das göttliche Mysterium

Zweifellos waren die Verfasser des Pentateuch vor zweieinhalb Jahrtausenden davon überzeugt, dass kein Mensch je darüber Auskunft geben könnte, ob die Welt ewig ist oder ob sie geschaffen wurde. Die Schöpfungslegenden wurden als Gleichnisse verstanden, die den Ursprung des Lebens in das unzugängliche Geheimnis das Göttlichen entrücken. (Nach dem damaligen Weltbild sah man zwischen den beiden Erzählungen von der Erschaffung des Menschen in Buch Genesis 1,27 und 2,2 keinen Widerspruch, es ging um Wirklichkeit und nicht um Mechanismen.) Ihr gesunder Menschenverstand sagte den Israeliten, dass die offensichtlich so geordnete Welt das Ergebnis einer schöpferischen Gestaltung sein musste, dass aber ihr mit dem "Lebensatem" (Gen 2,2) empfangener Geist nur als etwas Ewiges und Beständiges vorstellbar war. Dagegen scheint Küng jene Demut zu fehlen, die um das ewige Mysterium der Entstehung von Geist und Materie weiß. Als ob unser Schicksal nicht voller Geheimnisse wäre, schreibt er: "[Gott] ist nicht zu finden in einem übergeschichtlichen Bereich, von dem aus er in die Geschichte von Mensch und Welt mirakulös eingreift." (S. 218) Bei seiner Behauptung, dass Vernunft und Ethik dynamische, geschichtlich sich entwickelnde Ideen seien (S.702f), übersieht er, dass weder die Verlässlichkeit der Vernunft noch die physikalisch-chemische Natur der Welt von irgendeiner unserer Beschreibungen abhängt.

"Der Realismus ist, wenn wir ihn auf eine einfache Formel bringen, die Auffassung, daß die Welt von unserem Geist unabhängig ist. -- Ein solches Weltbild enthält uns Menschen zwar als Bestandteile der Welt, die in der Lage sind, ein Stück von ihr objektiv zu erfassen, aber ein wesentlicher Ausschnitt der Welt könnte uns aus konstitutionell bedingten Gründen für immer unzugänglich bleiben", stellt der atheistische Philosoph Thomas Nagel fest. ("Der Blick von nirgendwo", S. 157, 181)

Küng zweifelt am auch heute durchaus vernünftigen Realismus der katholischen Kirche mit der Lehre, dass es ein ewiges Geheimnis gibt. Wie ein positivistischer Naturwissenschaftler, der die eigene "unbegründete Annahme" nicht wahrhaben will, wirft er der Kirche vor, dass sie sich an demnächst beseitigte Wissenslücken klammere. Küng "postuliert", dass Gott keinerlei Bezug zur Realität dieser Welt habe: "Eine unbegründete Annahme ist es - darin wäre Monod zuzustimmen - aufgrund des Übergangs von der unbelebten Welt zur Biosphäre oder auch aufgrund der molekularen Unbestimmtheit die Existenz Gottes zu postulieren; dies wäre nur erneut der unselige Lückenbüßergott." Und wenn ein namhafter theoretischer Physiker wie Pascal Jordan überzeugend darlegt, dass auch die Naturwissenschaften inzwischen vor dem absoluten Geheimnis stehen, dann tut das Professor Küng nur mit einer kurzen Randnotiz im kleingedruckten Anhang ab: "Gottes Wirken darf nicht im Zufall, in den »Spielräumen« der Naturgesetzlichkeiten angesiedelt sein, wie das bei P. Jordan "Der Naturwissenschaftler vor der religiösen Frage" geschieht." (S. 706 mit Fußnote 58)

Religion und Naturforschung: Entgöttlichung der Welt

Retrospektiv wäre es vielleicht besser gewesen, wenn manche Theologen zur Zeit Galileis die politische Machtfrage noch mehr mit den Augen Jesu Christi betrachtet hätten, den seine Kritik am Beziehungsgeflecht von weltlicher Macht und Religion an den Galgen (Kreuzigung) gebracht hatte. Glaubten doch viele zu Beginn der Neuzeit in der Kirche und besonders im bibeltreuen protestantischen Kreisen weniger an den in Jesus Christus offenbarten Gott, der die Welt transzendiert, als an das eigene anthropomorphe geozentrische Weltbild - Gott als Teil der Welt. In wortwörtlicher Interpretation des Alten Testaments übersah man dabei, dass die Verfasser der Bibel das absolute Geheimnis in symbolischer Sprache verkünden wollten. Ganz besonders die wortwörtlich bibelgläubigen Reformatoren im Gefolge Luthers hielten das kopernikanische Weltbild für eine "Narretei". (Hat sich je ein Reformator für die jüdische Interpretation des Pentateuchs interessiert?)

Für Küng ist es eine ausgemachte Sache, dass das Verhalten der Kirche im Fall Galilei entscheidend zum Vertrauensverlust der Kirche beigetragen hat. Allerdings lassen sich moderne Atheisten eher durch das entgöttlichte naturwissenschaftliche Weltbild vom Glauben abhalten als durch den Fall Galilei. Wenn aber Küng den Autoritätsverlust des Papst in Glaubensfragen nur bis zum Fall Galilei zurückverfolgt, ist das eine grobe Vereinfachung der Geschichte: Schließlich hatte Luther da schon längst die symbolische Autorität des Papstes in Fragen einer allumfassenden Wahrheit mit Argumenten des Voluntarismus und des moralischen Subjektivismus in Frage gestellt. (Wahrheit kann aber nicht als Plebiszit von widersprüchlichen individuellen Willensäußerungen gedacht werden.) Und in den Kriegen im Gefolge der Reformation (Reformationskriege, Dreißigjähriger Krieg) ging es um politische Macht und keinesfalls um das neue kopernikanische Weltbild.

Religion und Gemeinschaft: Entgöttlichung der Herrschaft

Andersdenkende werden in totalitären Systemen prinzipiell als Bedrohung der Staatsmacht verstanden. Wenn auch weltliche Herrschaftsstrukturen selten etwas Religiöses an sich haben, muss man Hans Küng doch zustimmen, dass die Religion zwar den sozialen Zusammenhalt fördert, aber dennoch kein messianisches Gottesreich hervorgebracht hat. Die Religionsfeindlichkeit der französischen Revolution strebte nach der Beseitigung der Kirche, weil sie die willfährige Komplizin einer absolutistischen Machtpolitik war, an der sich der skrupellose Kardinal Richelieu maßgeblich beteiligte. (Hans Küng schreibt darüber sehr einfühlsam im Kapitel über Blaise Pascal.) Dem politischen Konservativismus verpflichtet, war die Kirche zweifellos meist näher bei den Herrschenden als bei den Unterdrückten; da unterscheiden sich Protestantismus und Katholizismus kaum. Und möglicherweise verführte das aristotelische hierarchische Weltbild einige größenwahnsinnige und skrupellose 'Sonnenkönige' zur Idee des Gottesgnadentums. Doch warum verschweigt Küng, dass gerade jener durch das Kreuz gesalbte Messias des Christentums - Jesus Christus - die personifizierte Dekonstruktion eines traditionellen Herrscherbildes ist: Ein Herrscher der nicht für den Machterhalt sterben lässt, sondern der Hirte, der in Treue sein Leben für seine Untergebenen (seine Freunde) hingibt?

Religion und Wahrheit: Vernunft und Glaube

Das Konzilsdokument "Dogmatische Konstitution Dei Filius" des I. Vatikanum von 1870 wird von Küng als glaubensfeindlich verurteilt. Küng verschweigt dabei, dass das I. Vatikanische Konzil sehr differenzierte Aussagen über das Verhältnis von Vernunft und Glaube gemacht hat: "Aber auch wenn der Glaube über der Vernunft steht, so kann es dennoch niemals eine wahre Unstimmigkeit zwischen Glauben und Vernunft geben." Der von Küng kritisierte Satz: "Wer sagt, der eine und wahre Gott könne mit den natürlichen Licht der menschlichen Vernunft durch das was geschaffen ist, sicherlich (certo) nicht erkannt werden, der sei verdammt", ist kontextbezogen eindeutig keine Verherrlichung der Rationalität, es geht hier vielmehr um jenen vernunftfeindlichen Voluntarismus und Fideismus, mit dem Küng sympathisiert. (Übrigens interpretiert Küng "certo" nicht als "sicherlich" sondern missverständlich als "mit Gewissheit".)

Der Marxist und Katholik Terry Eagleton erklärt den Voluntarismus: "Das moderne, protestantisch-individualistische Selbst wird damit zu einer Art Ersatzgottheit, die eine ihrer »dichten« Bedeutungen und sinnlichen Eigenschaften entkleidete Welt mit arbitärem Sinn erfüllt. Der Rationalismus entdeckt in der Welt nur eine dünne, begriffliche, mathematische Art der Determiniertheit, die sie zwar ihres materiellen Reichtums beraubt, sie aber als Rohstoff für eine rastlose Produktivität des Subjekts bestehen lässt." (siehe Abschnitt oben: Universalienproblem) Ganz in diesem Sinne bekennt sich Küng zum Protestantismus des Theologen Karl Barth, der laut Küng glaubte, dass die Gräueltaten des Nationalsozialismus die Unzuverlässigkeit der Vernunft bewiesen hätten. (S. 567) Hier muss von Seiten des ontologischen Realismus richtig gestellt werden: Der gesunde Menschenverstand ist viel mehr als reine Vernunft, rationales Kalkül und Logik. Vernunft im Sinne der jüdisch-christlichen Lehre ist nicht nur Rationalität, sie ist auch Klugheit und Weisheit. Es kann keinen gesunden Menschenverstand geben ohne Mitmenschlichkeit, ohne Humor, ohne Berücksichtigung aller Tatsachen und ohne die Erfahrungen aus der Geschichte der Menschheit.

Auch der rationalistische (analytische) Philosoph Bertrand Russell, den Küng gegen die Lehre der katholischen Kirche zu Wort kommen lässt (S. 561f), würde Küngs Eintreten für den Nominalismus (Voluntarismus) zurückweisen:
"Die Welt, die den Gegenstand unserer Forschung darstellt, ist nicht von uns geschaffen. Aber unsere Fehler und Illusionen ersinnen wir selbst, und es ist oft schwer zu erkennen, dass wir irren. Soviel Lust und Behagen ein Glaube uns auch verschaffen mag, er muß deshalb noch lange nicht wahr sein. Was die Forschung herausfindet, ist zwar manchmal auch Irrtum, aber das macht sie noch nicht subjektiv befangen. Wer [allerdings] darauf besteht, dass die Wahrheit etwas Geschmeidiges und Subjektives ist, dem entgeht die Erkenntnis, dass auf Grund seiner Ansicht alle Forschung unmöglich ist." (S. 422, "Denker des Abendlandes: Eine Geschichte der Philosophie")

Religion und Idealismus: die Konstruktion eines neuen Gottesbilds

Irgendwie scheint Hans Küng ganz vergessen zu haben, dass sich die Wirklichkeit von Gott und Welt nicht nach unseren Beschreibungen und Vorstellungen richtet. Im Widerspruch zum epistemologischen Realismus der katholischen Kirche vertritt Küng die protestantische Gegenposition in gestalt des Subjektivismus und Voluntarismus, wobei er sich auf das idealistische Hegelsche System und dessen widersprüchliche dialektische Logik einlässt. Im Geiste Hegels fordert Küng: "Ein System, das grundsätzlich alle denkbaren Gegensätze im absoluten Geist versöhnt und das bei alledem nichts anderes als wissende, philosophische Religion sein will: das sich selbst denkende und wissende Christentum! (S. 183) ' Gott in der Welt und die Welt in Gott, die Transzendenz in Immanenz." (S. 709) Dagegegen weiß Küng natürlich ganz genau, was Karl Popper mit der logischen Methode nachgewiesen hat: dass Hegels dialektische "Logik" jede beliebige Schlussfolgerung zulässt. Eine solche "Logik" postuliert im Glauben an die "göttliche" Gnadengabe eines grenzenlos freien Willens (Voluntarismus) die Aufhebung der Gegensatzpaare Wahrheit und Lüge sowie Gut und Böse. (Karl R. Popper "Was ist Dialektik?", siehe Internet)

Grundsätzlich lehnt der Theologe Küng alle überkommenen und bewährten Maßstäbe für das menschliche Tun ab: das absolut Gute, die absolute Wahrheit und die allumfassende Vernunft (Logos). Der Hegelsche Zeitgeist sei ein "listiger Gott", ein dynamischer sozialdarwinistischer Evolutionsfaktor, für den das Leid der Menschen bedeutungslos zu sein scheint. Küng fasst zusammen: "Gott ist kein unbeweglicher Beweger und keine unveränderliche Idee des Guten ohne Bezug zu Mensch und Welt und ihrer Geschichtlichkeit. Gott ist nicht das statische Sein selbst, das jedes Werden und jede echte Zukunft aufschließt: kein Gott, der zwar die Welt erkennt und liebt, in sich jedoch unbeweglich und unveränderlich bleibt. Er ist nicht zu finden in einem übergeschichtlichen Bereich, von dem aus er in die Geschichte von Mensch und Welt mirakulös eingreift. Keine Über-Geschichtlichkeit Gottes: also kein mittelalterlicher Gottesbegriff! Für das Handeln der Menschen bedeutet dies: Gott ist keine übergeschichtliche Person, die kraft ihrer Schöpfermacht den geschichtlichen Menschen und die Völker auch gegen Ordnungen und Gesetze von Welt und Natur überfällt und überwältigt." (S. 218)

Religion und Zeitgeist: das fortschrittsgläubige evolutionäre Mysterium

"Alles hängt also von der Unterstellung ab, dass schlechterdings jedes bemerkenswerte Merkmal menschlicher und anderer Organismen auch eine darwinistische Erklärung haben müsse. Doch welchen Grund gibt es eigentlich dafür, an so etwas zu glauben?" fragt der atheistische Philosoph Thomas Nagel. ("Der Blick von nirgendwo", S. 141) Ganz in diesem Sinne warnt der renommierte Biologe und Naturphilosoph Adolf Portmann vor Wissenschaftsgläubigkeit: "Es fällt vielen Menschen, darunter auch vielen Naturforschern schwer, auf die Idee zu verzichten, die Verwandlung des Lebendigen, die Evolution sei in den Grundzügen des Geschehens durchschaut. Die Versuchung ist groß, aus dem Angebot an verstandenen Teilphänomenen ein Gesamtbild zu formen, das sich lediglich aus diesen durchschauten Anteilen aufbaut. Und doch ist die erste Voraussetzung für eine dem Geheimnis der Wirklichkeit gemäßere Haltung der Verzicht auf dieses reduzierende Vorgehen. Aber dieser Verzicht setzt beträchtliche Wandlungen in der Rangordnung der Lebensmerkmale voraus, er fordert eine Auffassung des Ganzen der Natur, die dem Unbekannten gegenüber offen stehen will, dem heute noch Unbekannten ebenso wie auch dem auf immer Verschlossenen." (Adolf Portmann 'Portmann, Adolf: Neue Wege der Biologie', S. 211)

Mit prinzipienloser Leichtigkeit übergeht Küng die jüdisch-christliche Lehre, dass der Geist die Materie transzendiert, indem er den ewigen Gott des Juden-Christentums gegen einen 'fortschrittlichen' sich aus der Materie selbst entfaltenden pantheistischen Zeitgeist Hegelscher Prägung austauscht. Küng glaubt, dass nach dem Streit um das heliozentrische Weltbild sämtliche traditionellen philosophischen und theologischen Lehren zu Vernunft, Wahrheit und Moral über Bord zu werfen seien. In grenzenloser Wissenschaftsgläubigkeit warnt er die Kirche vor "ständigen theologischen Rückzugsgefechten". Seinen ausgeprägten Skeptizismus äußert er, wie es so seine Art ist, auch hier als Suggestivfrage: "Sollte man sich jetzt noch wirklich darauf versteifen, dass eben doch der Menschengeist ("Seele") oder zumindest das Leben durch unmittelbaren Eingriff, eine direkte Intervention des Schöpfers entstanden sind?" (S. 703)

Und dies ist dann Küngs "Antwort" auf die Frage, wie der Mensch seinen Geist und seine Seele erhält: "Aus Raumgründen konzentrieren wir uns auf die Frage der Entstehung des Lebens; die Frage der Entstehung des Menschengeistes wäre analog zu beantworten." (S. 703. Heißt das nun, dass Küng an einen Leib-Seele-Dualismus glaubt, den er zuvor kritisiert hat? S.48f) Offensichtlich outet Küng sich hier als Mystiker eines unberechenbaren, in Entwicklung befindlichen Weltgeists: Erst entstand das Leben aus der Materie und dann erst - irgendwie sollte es ja geschehen sein - aus dem Leben der Geist. Trotz seiner Furcht vor "ständigen theologischen Rückzugsgefechten" , widersetzt sich der Theologe Küng im "Fall Darwin" überraschenderweise dem modernen wissenschaftlichen Dogmatismus, der durch Reduktionismus, Naturalismus und Neodarwinismus geprägt ist. (Geist ein Zufallsprodukt der Materie durch die Selektion von Genmutationen) Hans Küng bekennt sich nämlich zum "Intelligent Design" und zur aristotelischen Entelechie (Teleologie), die er als "Richtungssinn", "Selbstorganisation der Materie' und als "Zusammenwirken von notwendigem Zufall und zufälliger Notwendigkeit" umschreibt. (S. 705f)

Die Verlässlichkeit der Vernunft

Der Philosoph Thomas Nagel hat in "Geist und Kosmos: Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist" überzeugend dargelegt, dass alle reduktionistischen Theorien - Idealismus und Materialismus - am Leib-Seele-Problem gescheitert sind. Für diesen atheistischen Philosophen ist die Verlässlichkeit der Vernunft allerdings anders als für Rene Descartes keine religiöse Angelegenheit: Aus Sicht der Philosophie gründet sich die Verlässlichkeit der Vernunft auf einen A-priori-Beweis. Wir verlassen uns wie selbstverständlich auf den gesunden Menschenverstand ohne nach irgendeiner evolutionären Theorie zu fragen. Doch Vernunft kann nur dann verlässlich sein, wenn sie zeitlos gültige Maßstäbe hat. Deshalb lehnt der gesunde Menschenverstand Hegels Geschichtsphilosophie von einem sich in Widersprüchen entfaltenden "listigen Zeitgeist" ab. Und Hans Küng erfindet für Hegels Zeitgeist nur einen anderen Namen: "neuzeitlich-dynamisches Gottesverständnis" von "Gott in der Welt und die Welt in Gott, die Transzendenz in Immanenz".

Küng stellt jedes vernünftige Denken und jedes Wertesystem infrage; er befürchtet offensichtlich, dass das, was heute wahr und richtig ist, in Zukunft falsch sein könnte. Aber der gesunde Menschenverstand warnt uns vor Küngs "neuzeitlichem" Weltbild: "Und da es weder Sinn und Logik in den Dingen gibt, fehlt es ihnen auch an Vorhersagbarkeit. Deshalb bewegt sich das protestantische Ich ängstlich in einer verdunkelten Welt aus Zufallskräften, verfolgt vom Gespenst eines verborgenen Gottes und seiner eigenen Erlösung unsicher." (Terry Eagleton "Der Sinn des Lebens", S. 109)
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am 15. Juli 2010
Auf gewundenen Wegen und unter einen beträchtlichen Aufwand an großen Worten versucht der Autor abzuleiten, dass sein Gottesglaube rational verantwortbar ist. Einerseits widmet er der doch eigentlich weithin verbreiteten und akzeptierten Erkenntnis, dass die Existenz Gottes streng weder zu beweisen, noch zu widerlegen ist, sehr viel Raum, andererseits scheint er die Bedeutung von Beweisen zu hoch zu bewerten, gerade so als wären Indizien für rationale Betrachtungen völlig irrelevant und ein rationales Argumentieren nur in Zusammenhang mit einer Beweisführung möglich. Seine Exkursionen durch die halbe philosophische Weltgeschichte wirken gelehrt und bringen seine Bücher auf eine beträchtliche Dicke, ohne jedoch seine einzelnen Argumentationsschritte erkennbar zu stützen. Im Folgenden gehe ich näher auf einzelne Schwachstellen der Küngschen Argumentation ein:

Grundvertrauen zur Wirklichkeit vs. Grundmisstrauen & Nihilismus - das Dilemma als klassische Argumentationsfigur
Das Dilemma ist eine in der Theologie häufig verwendete, aber eigentlich eher schwache Argumentationsfigur. Man behauptet, es gäbe genau 2 Möglichkeiten, von denen die eine aus naheliegenden Gründen ausscheidet oder zumindest sehr unwahrscheinlich ist. Natürlich gibt es fast immer viel mehr Möglichkeiten. In unserem Fall stellt uns Hans Küng vor die Wahl zwischen dem Grundvertrauen zur Wirklichkeit (aus dem letztendlich die Existenz Gottes erschließbar sei) oder dem Nihilismus in der Form, dass man sonst an die "Nichtigkeit, Zwiespältigkeit, Sinnlosigkeit und Wertlosigkeit der Wirklichkeit in jedem Sinne des Wortes" glauben müsse (im Buch S.431). Selbstverständlich gibt es auch in diesem Fall viele weitere Alternativen. Hinzu kommt, dass der beschriebene Nihilismus sich nicht zwingend aus Atheismus ergibt, denn für jemand, der nicht an Gott glaubt, fällt nur Gott als gesetzgebende, sinngebende und wertsetzende Instanz weg. Derjenige muss aber keineswegs die Wirklichkeit als solche, ihre Einheit oder "Identität" oder was sonst noch damit zusammenhängt, leugnen, wie Küng fälschlich behauptet.
Es ist sicherlich richtig, dass man mit dem Verwerfen der Gotteshypothese auch die Annahme eines von außen her gegebenen objektiven Sinnes der Gesamtwirklichkeit und damit verbundener objektiver Werte, die einer solchen Wirklichkeit innewohnen, verwirft. Das bedeutet aber nur, dass die Beschaffenheit dieser Wirklichkeit in der Perspektive des Atheismus und des aus ihm folgenden Nihilismus eine andere ist, als das im üblichen Gottesglauben angenommen wird, nicht mehr und nicht weniger. Menschen können dennoch sich Ziele setzen, Wertgesichtspunkte geltend machen, Ideale aufstellen und sie zu erreichen suchen sowie sinnvolle Kulturleistungen aller Art vollbringen, ohne dass man(/Küng) dazu berechtigt wäre, eine solche Praxis als illusorisch zu charakterisieren. Menschen, die so denken, werden es nur tunlichst vermeiden, ihre Ziele, Werte und Ideale und dergleichen als Quasi-Fakten in die Natur zu projizieren. Sie verzichten lediglich darauf, Sinnzusammenhänge aller Art in die Gesamtwirklichkeit hineinzulegen, um auf diese Weise die eigenen Zielsetzungen, Wertungen und Ideale darin verankern zu können.

Gott als Sinnstifter (und Moralstifter) ?
Völlig unklar bleibt im Buch auch, warum bzw. in welchem Sinne ein Gottesglaube das menschliche Leben sinnvoll macht. Wenn man eine Vorstellung von Gott hat, der zu folge dieser Gott in das Weltgeschehen eingreift und unter gewissen Bedingungen Belohnungen und Bestrafungen austeilt, dann ist es vielleicht in einem gewissen Sinn durchaus sinnvoll für den Menschen, seinem Willen Rechnung zu tragen. Aber es bleibt unklar, inwiefern dadurch dieses Leben an sich sinnvoller würde. Auch wenn dieser Gott nur oder auch darüber hinaus transzendente Belohnungen und Bestrafungen für menschliche Handlungen in Aussicht stellt - also zum Beispiel ewige Seligkeit, ewige Verdammnis oder auch nur zeitweiliges Verharren im Fegefeuer - dann sieht die Sache unter dem Gesichtspunkt der Sinnhaftigkeit unserer Existenz nicht anders aus.
Um die transzendente Verankerung der Moral steht es, wie vor allem schon Kant gesehen hat, ganz ähnlich. Insbesondere bleibt im Buch auch völlig unklar, warum eine Moral, die durch transzendente Verankerung gesichert erscheint, jeder anderen vorzuziehen sei. Es sind bekanntlich in der Weltgeschichte so viele Grausamkeiten größten Ausmaßes im Namen der Götter oder des einzig wahren Gottes begangen worden - und zwar von Leuten, denen man einen echten Glauben kaum absprechen kann -, dass derart haltlose Annahmen nicht akzeptabel erscheinen.

Die Küngschen Gottesdefinitionen
Definition 1: "Gott in der Welt, Transzendenz in der Immanenz, Jenseitigkeit in der Diesseitigkeit"
Was will uns der Autor damit sagen? Wenn schon gefordert wird, dass Gott in der Welt anzunehmen sei, dann bedeutet das nach üblicher Verwendung der Begriffe, dass er der Welt immanent, daher nicht transzendent und damit über- oder außerweltlich ist. Das scheint aber offenbar unserem Kritiker veralteter Gottesvorstellungen nicht zu genügen, so dass er auch noch die Transzendenz selbst in die Immanenz, die Jenseitigkeit in die Diesseitigkeit verlegt, als ob das ohne Erläuterungen verständlich sei.
Definition 2: "Gott ist in dieser Welt und diese Welt ist in Gott. Gott ist die absolut-relative, diesseitig-jenseitige, transzendent-immanente, allesumgreifend-allesdurchwaltende, wirklichste (!) Wirklichkeit im Herzen der Dinge, im Menschen, in der Menschheitsgeschichte, in der Welt"
Ist der Autor sich dessen bewusst, dass eine solche paradoxe Kombination von Merkmalen nicht unbedingt Klarheit über seinen Gottesbegriff verbreitet?
Definition 3: "Der Absolute ist somit der Welttragende, Welthaltende und Weltgleitende. Gott ist der nah-ferne, weltlich-unweltliche Gott, der als der Tragende, Haltende, Gleitende uns in allem Leben und Bewegen, Scheitern und Fallen schon immer gegenwärtig ist und uns umfängt" (im Buch S. 216)
Man beachte bei dieser Definition, dass der Autor das Wort "somit" voranstellt und damit suggeriert, dass hier eine Schlussfolgerung vorläge, obwohl tatsächlich nur eine nicht weiter begründete aber eben sehr weitreichende Behauptung aufgestellt wird.
Definition 4: "Gott ist der in der Identität Lebendige, der in der Geschichte dynamisch Wirkliche und stetig Wirkende" (Buch S. 218)
Mit dieser Definition sollte aber nicht das Missverständnis einhergehen, das Küng damit etwa Gott die Verantwortung für unerfreulichen Geschehnisse zuschreiben wolle, was im nächsten Absatz über Küngs Verhältnis zum Theodizee-Problem diskutiert wird.
Man pflegt heute im Allgemeinen zwischen der Bildung von Begriffen und der Aufstellung von Behauptungen scharf zu unterscheiden. Dies scheint Hans Küng zumindest im Hinblick auf seine Gottesbegriffe nicht recht bewusst gewesen zu sein.

Hans Küng und das Theodizee-Problem
Im Hinblick auf das Theodizee-Problem argumentiert Hans Küng aus meiner Sicht besonders erfrischend in seiner Unbefangenheit. Er bezeichnet das Leid auf der Welt als den Testfall für das Grundvertrauen und Gottesvertrauen (im Buch S.757ff), aber die Tatsache, dass Gott, obwohl er als barmherzig angesehen wird, das unendliche Leid nicht verhindert hat, das in der Weltgeschichte zum Vorschein kommt, einen negativen Ausgang dieses Tests involviert, wird von ihm scheinbar als unerheblich angesehen. Er verweist sonst nur auf einen möglichen verborgenen Sinn. Das Theodizee-Problem als starkes Indiz gegen die Gotteshypothese wird in seiner vollen Tragweite von Küng offensichtlich überhaupt nicht wahr- oder ernstgenommen.

Küng wünscht sich seinen Gott herbei
Die bisher von Küng vorgenommenen Gottesdefintionen implizieren eigentlich schon die Existenz Gottes ohne sie rational zu begründen.
Damit dies nicht zu offensichtlich wird, spricht Küng zunächst weiter von einer Gotteshypothese, wenn auch nicht von einer Hypothese im üblichen Sinn des Wortes (d.h. einer zu überprüfenden Annahme), sondern eher im Sinn einer "wenn, dann"-Aussage. Er behauptet, die großen Lebensfragen können nur von der Gottesfrage her beantwortet werden (im Buch S.619), schildert dann alle möglichen Wünsche und Sehnsüchte der Menschen und behauptet ohne weitere Begründung, sie wären erfüllbar, wenn Gott existierte. Der Kern seine Hyothese (Buch S. 622):
"Wenn Gott existiere, dann wäre die gründende Wirklichkeit selbst nicht mehr letztlich unbegründet; wäre die sich haltende Wirklichkeit nicht mehr letztlich haltlos; wäre die sich entwickelnde Wirklichkeit nicht mehr letztlich ziellos; wäre die zwischen Sein und Nichtsein schwebende Wirklichkeit nicht mehr letztlich der Nichtigkeit verdächtig."
Auf die Frage, warum dies so sei, verweist Hans Küng in allen 4 Fällen auf unterschiedliche Bestandteile seiner Gottesdefinitionen, natürlich ohne zu erwähnen, dass seine Gottesdefinitionen letztlich unbegründet und von ihm nur auf die oben erwähnten Erklärungsleistungen hin konstruiert worden sind. Hätte Hans Küng sich einer schlichteren und klareren Ausdrucksweise bedient, dann wäre nicht nur der Leser besser darüber informiert worden, was er da getan hat, sondern er hätte selbst vermutlich etwas größere Klarheit über den Charakter seiner Resultate gewinnen können. Leider hat der Autor es vorgezogen, den Leser an vielen Stellen seines Buches mit einem Wortschwall einzudecken, statt ihm Klarheit über seine Thesen zu verschaffen.

Da ich in der Kürze einer Buchrezension nicht auf alle Schwachstellen der Küngschen Argumentation eingehen kann, verweise ich auf:
Das Elend der Theologie: Kritische Auseinandersetzung mit Hans Küng
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am 9. Mai 2011
Der Autor sollte endlich lernen, das die Bibel erstens: unglaubwürdig, widersprüchlich, und fast (unerträglich) patriarchalisch eingestellt ist, und zweitens ist die Bibel das am meisten überschätzte Buch der Weltliteratur; Jesus der Nazoräer die am meisten überschätzte Person der Weltgeschichte und die Kirchen sind Formen der organisierten Irrationalität. Die Kirchen glauben an eine von ihnen selbst geschaffene Fiktion und halten diesen Glauben für eine Tugend. Für Küng: Die Bibel enthält nahezu nichts, was nicht schon frühere Religionen zu ihrem Gedanken- und Glaubensgut zählten: Jungfräuliche Zeugung, Krippengeburt, Heiligmässiger Erdenwandel als "Sohn Gottes", Weissagungen, Wunderheilungen, Auferweckung von Toten, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt. Sogar die Dreifaltigkeit - alles schon gehabt. Göttersöhne sollen übrigens nach dem Tod zu Hauf wieder auferstanden sein. Und - schmunzeln sei erlaubt - sogar der Stein vor dem Grabmal Jesu ist ein Relikt aus einer älteren Religion. In den Mysterienreligionen wurde die Eucharistie nahezu gleich gefeiert wie in der katholischen Kirche, sogar das Kreuzzeichen fehlte nicht. Einzig die aufgerufene Gottheit hatte verständlicherweise einen anderen Namen. Denn, und dies nur mal so nebenbei gesagt: Wer auch immer noch glaubt, dass es einen Schöpfer oder meinetwegen, wie es der Autor meint, persönlichen Gott gebraucht, der also konkret formuliert unser ca. 14 Milliarden Jahre altes Universum geschöpft hat, sowie darüber hinaus ernsthaft meint und glaubt, dass dieser Schöpfer seinen Sohn als halluzinierenden Frömmler vor ca. 2000 Jahren ausgerechnet auf diesen Mückenschiss von Sonnensystem zu den Schafhirten des Orients geschickt hat, um ihn dann an ein Kreuz nageln zu lassen, der hat zuviel Fantasieromane gelesen. Mit Astronomie hat er sich bestimmt noch nicht beschäftigt. Wie größenwahnsinnig muss man denn sein, sich für so wichtig zu halten? So eine großkotzige Einstellung macht mich wütend. Ich fasse meine Skepsis gegenüber einer frauenfeindlichen und zutiefst patriarchalischen naiven-dümmlichen klerikalen Kirche sowie allem theistischen wie gleich einem allzu vermenschlichten Gottesbegriff in folgende Worte: Der Begriff Gott ist eine vermenschlichte Vorstellung des unvorstellbaren Göttlichen. Theologie ist die endlose Diskussion Taubstummer über die Neunte Symphonie.

Man lese die patriarchalische Bibel selbst und frage sich, ob es nicht sie selbst ist, die das religiöse Gefühl verletzt, und weniger derjenige der sie referiert.
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Karlheinz Deschner schrieb einmal: Ein sehr bekannter Kirchenkritiker sagte einmal so klug wie er ja ist, dazu. Freilich: Gläubigen geht es fast nie um historische, philosophische, ethische Probleme, um Wahrheit oder, bescheidener gesagt, Wahrscheinlichkeit, sondern um ihr eigenes Problem. Sie glauben, sie könnten ohne ihren Glauben nicht leben. Obwohl sie ja, als Inder etwa, wahrscheinlich einen ganz anderen Glauben hätten. Und als Afrikaner wieder einen anderen - ein Aspekt, der jeden Glauben von vornherein relativiert." Aber...was soll`s, denn liebe Gläubigen und an den Autor, sollten sich anstatt dieses Buch zu lesen, sich die Anfangssequenz von dem Film - The CONTACT - anschauen, um sich zu vergegenwärtigen, wie unbedeutend und mickrig klein, vergleichbar nicht einmal einem kleinen Bakterium WIR im Gegenüber des weiten Universums sind.
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Und so weiß ich sehr wohl, das der Autor andere spirituelle Vorstellung an sich respektiert, doch leider blicken Theologen, vornehmlich die der patriarchalisch orientierten, verächtlich auf andere Vorstellungen. Andre Vorstellungen werden sogleich lächerlich gemacht. Küng ist absolut überschätzt, genau wie die Philosophie. Leider kommt in diesem Buch nicht die "Panspermie" vor, wonach man davon ausgeht, dass das Leben bereits "fertig" hierher gekommen ist. Zunächst fällt an Küngs Büchern immer wieder auf, dass er um so mehr in einen hymnischen, verunklarend-emotionalisierenden Predigtton verfällt, je schwächer seine Argumentationsbasis erscheint: Anstelle überzeugender Argumente soll offenbar die Erzeugung einer global-positiven, erhaben-feierlichen Gemütslage für die Akzeptierung der von ihm vermittelten Thesen sorgen. Küng versucht zunächst einmal, unter Verweis auf Jesus eine 'praktische' (?) Antwort auf die Theodizeefrage zu vermitteln. Ein Glanzbeispiel geradezu abenteuerlich 'dialektischer' theologischer Argumentation findet sich auf Seite 736.

Man muß diese Ausführungen Küngs zweimal lesen, weil man angesichts der Abenteuerlichkeit und der Zumutung der hier gebotenen 'Argumentation' zunächst seinen Augen nicht traut. Jesus kennt alle Grausamkeit, alles Leid und allen Schmerz dieser Welt. Er glaubt an einen Gott, der der allmächtig-absolute und allwissende Lenker alles Geschehenes ist, der sich um jeden Sperling und jedes Haar kümmert, 'der zum alles in dieser so gar nicht heilen Welt weiß und ohne den nichts geschieht'. Anstatt nun die für jeden noch einigermaßen klar denkenden notwendige Schlussfolgerung zu ziehen, dass dieser Gott entweder nicht existieren oder nicht gleichzeitig allmächtig und allwissend und unendlich gütig und liebevoll sein kann, setzt sich dieser Küngsche Jesus einfach über diesen eindeutigen Sachverhalt hinweg und behauptet angesichts des unendlichen, von Gott selbst bewirkten oder nicht verhinderten Leids ('ohne den nichts geschieht'), dieser Gott sei ein fürsorglicher, unendlicher gütiger Vater, auf den man sich vertrauensvoll verlassen könne, ja, der unsere Sorgen als überflüssig erscheinen lässt.' Diesen Denkverzicht, d.h. den Verzicht , die argumentativ allein möglichen Schlüsse zu ziehen und statt dessen einfach in logisch absurder Weise das Gegenteil zu behaupten, diesen Sprung aus dem radikal-klaren Denken in das bare Wunschdenken, basierend auf dem Bedürfnis, angesichts der aufgezählten Leiden bei einem himmlischen fürsorglichen Übervater seine Zuflucht und Anlehnung zu finden, diese Abdankung und Bankrotterklärung des eigenen Denkens nennt Küng eine 'praktische Antwort auf die Theodizeefrage'

Und:

Nicht weniger umgereimt und absurd, falls man nicht zuvor in diesem Punkt auf den Gebrauch seines Verstandes verzichtet hat, scheint der andere Versuch Küngs, die Tatsache des unendlichen Leidens und die Qual der menschlichen und außermenschlichen Kreatur mit der christlichen Lehre eines absolut souveränen, allmächtigen und gleichzeitig unendlich gütigen und liebevollen Gottes vereinbar erscheinen zu lassen. Es ist der Hinweiss auf das Leiden, das Kreuz Jesu.

Zunächst fällt gerade bei der entsprechenden Passage in Küngs Buch (Küng, 1987a, S. 526ff.) der oben schon angesprochene, in reichem Ausmaß emotionalisierende Assoziationen anstelle klarer Argumente anbietende 'Predigtstil' auf. Entsprechend dieser bei Theologen aller Stufen nicht gerade unbeliebten Strategie wird zunächst einfach wiederholt behauptet, 'von Jesus definitiver Passion, seinem Leiden und Sterben her, könnte die Passion eine jeden Menschen, die Menschheitspassion überhaupt einen Sinn enthalten...' (S. 526)

Man fragt sich als 'oberflächlich-aufgeklärter' denkender Mensch, dem es an echter deutscher und christlicher 'Tiefe' mangelt, warum durch die extrem grausame Hinrichtung eines Menschen, des eigenen Sohns Gottes, alles andere menschliche Leiden einen Sinn erhalte. Und worin soll denn der Sinn dieses grausamen Sterbens liegen, wenn nicht entsprechend der biblisch-eindeutigen Interpretation in einem von Gott gewünschten und akzeptierten Sühneopfer, eine archaische Vorstellung, deren Unvereinbarkeit mit heutigen, auch bescheidenen menschlichen unethischen Standards oben schon ausführlich ausgeführt wurde? Worin sonst soll der Sinn dieses Leidens und Sterbens liegen?

Hören wir Küng zu auf S. 526, 527.

Läßt man sich durch den hier wieder besonders intensiv eingesetzten vagen, emotionalisierenden und gezielt basale Bedürfnisse nach Sinn und göttlicher Zuwendung ansprechenden (Predigt-) Stil nicht einlullen, sondern behält einen klaren Kopf und verlangt eine klare argumentative-befriedigende Antwort auf die Frage, worin denn nun letztlich und endlich dieser von Küng einfach behauptete Sinn liege, so entpuppt sich auch diese 'Antwort' Küngs als völlig unbefriedigend, als 'Wortnebel' : Wieso und warum erhält denn dieser selbe Mensch, nachdem er diese Folterqualen und den Tord erlitten hat, dann wieder zu neuem Leben erweckt wird, oder wenigstens daran glaubt, dass derselbe Gott, nach dessen ausdrücklicher Willen diese grausame Hinrichtung vollzogen wurde, Jesus entgegen dessen eindeutiger subjektiver Wahrnehmung doch nicht verlassen hatte, 'in seiner öffentlichen Abwesenheit verborgen anwesend geblieben war'. Küng lässt den Leser, der sich nicht durch den genannten emotionalisierenden, vagen Sprachduktus, durch die stetigen, teils impliziten, teils expliziten Apelle an tröstlichen Wunschdenken einfangen lässt, sondern weiter hartnäckig nach rational akzeptierbarer Argumentation fragt, weiterhin ohne befriedigende Antwort.

Es gibt indessen Hinwiese, dass dieser fatale Sachverhalt auch Küng selbst ' zumindest unterschwellig ' bewusst ist. Dafür spricht neben dem schon ausgeführten vagen und emotionalisierenden Predigtstil, daß Küng anstelle überzeugender Argumente einfach unbegründete und immer wiederholte Behauptungen aufstellt. Dafür spricht weiter, dass er zu einer Taktik greift die ebenfalls bei modernen Theologen sehr beliebt, weil bei vielen weniger kritischen Lesern und Hörern im allgemeinen recht effizient zu sein scheint; das, was man implizit tatsächlich tut, durch explizite Aussagen abzustreiten ('nicht, dass ich ihnen Angst einjagen möchte, aber es gibt nun einmal die Hölle') : 'Was soll hier menschliches Wunschdenken befriedigt...kein psychisches Beruhigungsmittel und kein billiger Trost vermittelt werden, wohl aber ein freibleibendes Sinn-Angebot' (S. 527)

Was die Motive angeht, aus denen heraus ein Mensch dieses 'freibleibende Sinn-Angebot' ablehnen kann, so macht es sich Küng an dieser Stelle doch etwas zu leicht: 'Der Mensch hat zu entscheiden - er kann diesen ' verborgenen ' Sinn ablehnen: trotz Zynismus oder Verzweiflung' (S. 527)

Durch diese dreifache Angebot an Motivationsmöglichkeiten suggeriert Küng psychologisch geschickt ' weil implizit und nicht direkt ausgesprochen und so als quasi-selbstveständlicher Tatbestand bei Mangelnder kritischer Wachsamkeit sehr effizient -, ein solches Sinnangebot sei aus objektiv-irrationalen Gründen geschehen. Aus mehr oder minder blindem Trotz oder aus voreingenommen-vorurteilshaftem, böswilligen Zynismus oder aus einem das klare Denken ebenfalls beeinträchtigenden Zustand der Verzweiflung. Dass man dieses 'verborgen', 'freibleibende Sinn-Angebot' aus schlichter intellektueller Redlichkeit ablehnen könnte, aus der Weigerung heraus, das erforderliche sacrifcum intellectus zu erbringen, aus der Ablehnung einer Leidenserklärung, die darüber hinaus nur mit archaischer-inhumanen Implikationen und/ oder einer sklavisch unterwerfenden Haltung akzeptiert werden kann. Diese Möglichkeit lässt Küng außer acht.

Gott ist weder anthropomorph, noch männlich, noch frauenfeindlich und patriarchalisch wie die meisten Religionen es überdeutlich sind - gerade das Christentum, Islam, judentum (Frauen haben dort zum patriarchalischen Heiligtum keinen Zutritt), noch droht das mit ewigen Höllenquallen (Neues Testament). Ich denke mal, dass Gott, was auch immer das sein soll, in der Schöpfung immanent ist, also nicht getrennt, aber Unpersönlich agiert. Siehe Theodizee-Thematik. Theismus ist unlogisch und naiv. Wir können nicht ausschließen, das wir dass Produkt genetischer Experimente sind. Dort draußen gibt es so viele Steren und Galaxien, das selbst eine Wissenschaftlerin wie Ich, nicht sagen kann, ob wir nicht schon irgendwann in der Vergangenheit besuch von Außerirdischen hatten. Es ist also durchaus möglich, das jemand oder etwas ' hier gelandet ist und diese Organismen manipuliert hat. Wenn eine außerirdische Spezies durch den interstellaren Raum fliegen konnte, dann hätte sie höchstwahrscheinlich auch eine DNA-Rekombinationstechnologie. Natürlich wäre Voraussetzung, das sie eine ähnliche Genetik wie wir besaßen. Doch wenn sie hinreichend chemische und physikalische Kenntnisse hatte, wäre aller Wahrscheinlichkeit nach - eine Veränderung unserer DNA einfach gewesen

Das Problem besteht in Folgendem: Um sowohl der naturwissenschaft als auch der Existenz eines Gottes - oder eines anderen äußeren Geistes ' beizupflichten, der das Universum oder das menschliche Handeln steuert, muss man sich der Frage stellen, an welchem Punkt die Gottheit eingreift, und wie sie das tut. Wenn Gene, die unser Verhalten beeinflussen, ein Resultat zufälliger Mutationen sind, die die Evolution einer Art ermöglichen, kann der materialistischen, mechanistischen Perspektive der Wissenschaft zufolge Gott für unser Verhalten nur dann verantwortlich sein, wenn er physikalisch interveniert, indem er diese scheinbar zufälligen Mutationen hervorbringt. Um unsere heutigen Handlungen zu leiten, musste Gott die angeblich zufälligen Mutationen beeinflussen, die für unsere Entwicklung entscheidend waren. Wenn er das tat, wie hat er es dann getan? Wendet er eine Kraft an oder übertrug er Energie? Manipuliert Gott elektrische Prozesse in unserem Gehirn? Drängt er uns, auf eine bestimmte Weise zu handeln, oder erzeugt er für jedes einzelne Individuum ein Unwetter, so dass es sein Ziel nicht erreichen kann? Auf einer umfassenderen Ebene stellt sich die Frage, wie Gott seinen Willen zur Geltung bringt, wenn er dem Universum einen Zweck verleiht. Das Problem besteht nicht nur darin, dass ein Grossteil dieser Vorstellungen albern zu sein scheint, sondern dass diese Fragen keine vernünftige Antwort zu haben scheinen, die mit der Naturwissenschaft, wie wir sie verstehen, vereinbar sind. Wie könnte die 'göttliche Magie' möglicherweise funktionieren?

Und bei allem Respekt vor Küng und der Mühe, welche er sich mit diesem fast 900 Seiten starken Buch gemacht hat; dennoch ist dieses Buch der Titelfrage doch sehr fern und, zu fern möchte ich dazu meinen (!.) Denn warum er in nur - knappen dreißig Seiten - ohne jeglichen Respekt und zugleich ohne den geringsten Sachverstand etwas von anderen spirituellen Formen erwähnt und überhaupt nebenbei nichts von auch Außerirdischem Leben, das irgendwo ganz sicher existiert, berichtet, kann nur in seinem theologischen Hintergrund zu finden sein. Der Mann hat ANGST um sein Weltbild. Ein Gott als Person ist für mich ' in Anbetracht der Dimensionen des Kosmos ' eine naive, eine noch nicht überwundene kindliche Vorstellung, darüber hinaus die Folge von Suggestion und Autosuggestion; die Bezeichnung ' persönlicher Gott ' benutze ich möglichst nicht mehr, seit mir bei einer Diskussion mit Christen aufging, daß das Adjektiv - persönlicher - zu Mißverständnissen führen kann, ja, semantisch sogar dazu führen muß. (Beispiel: das ist mein persönlicher Besitz, oder: das ist ganz persönlich gemeint.) So erklärten mir einige der Gesprächspartner, sie hätten einen persönlichen Gott, d.i. einen eigenen. Um ein solches Missverständnis zu vermeiden, rede ich jetzt von einem Gott als Person, der für mich nicht denkbar ist. Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten und Büchern haben auch das Weltbild vieler meiner Freunde beeinflusst, die noch heute eine rege Aufklärungsarbeit im Rahmen der Humanistischen Union entwickelt. Sie bezeichnen sich als Atheisten, weil sie sich bei dem vielen Leid auf der Welt einen Gott, jedenfalls den rein persönlichen, nicht vorstellen kann. Die Natur ist dem einzelnen gegenüber gleichgültig. Ich würde mit Goethe sagen, man solle das Erforschliche erforschen, aber das Unerforschliche kann ich zwar bestaunen, aber mir schaudert auch bei dem Gedanken, ein wie winziges Korn unsere Erde im riesigen Weltall mit seinen Billionen von Sonnensystemen ist.

Theodizee:
Gott der Allmächtige liebt die Kinder, so habe ich es immer wieder von der Kanzel gehört. Doch in den Entwicklungsländern sterben laut UNICEF derzeit täglich (!) etwa 22000 Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten, das sind etwa 8 Millionen jährlich. Der Welthunger-INDEX 2010 gibt an, dass weltweit täglich (!) etwa 6000 Kinder an Unterernährung sterben, das sind jährlich 2,2 Millionen. Gott liebt die Kinder? Wo blieb seine Liebe, seine Fürsorge, als in Hamburg ein kleines Mädchen, es hieß Jessica, in einer verdunkelten Kammer jahrelang eingesperrt leben musste und nur so viel zu essen und zu trinken bekam, dass es nicht gleich verhungerte? Nach einem für mesnchliche Begriffe unfassbaren Martyrium aus grausamsten seelischen Misshandlungen und systematischer Vernachlässigung erlöste es schließlich ein gnädiger Tod von seinem für uns unvorstellbaren Leiden. In diesen Jahren der Dunkelheit ist es von seinen Eltern zu einem körperlichen und seelischem Krüppel gemacht worden, dessen Menschenähnlichkeit schließlich, wie eine Zeitung schrieb, kaum noch zu erkennen war. Es starb siebenjährig an Isolation und Unterernährung. Wieso sieht Gott, der doch angeblich die Kinder so liebt, so etwas nicht? Was könnte ein Kind mit drei, vier Jahren an Schuld auf sich geladen haben, dass ihm solch ein Schicksal zuteil wird? Der Widerspruch zwischen kirchlicher und christlichrer Verkündigung und Wirklichkeit könnte nicht eklatanter sein.

Der völlig überschätzte Theeologe Hans Küng, schrieb ins einem Buch - Credo: "...ich gestehe, darüber hinaus, das sich nach Ausschwitz, dem Gulag, und zwei Weltkriegen erst recht nicht mehr vollmundig von - Gott, dem Allmächtigen reden kann, der da als - ab-soluter Machthaber - losgelöst, unberührt von allem Leid, doch alles dirigiert, alles macht oder mindestens alles machen könnte, wenn er wollte, und der dann doch angesichts größter Naturkatastrophen und Menschheitsverbrechen nicht eingreift, sondern schweigt und schweigt und schweigt..." Und das Küngsche Buch war von, meine ich - 1992. da kamen ja noch die Abschlachtungen, die in Ruanada passierten, wie der Krieg in Jugoslawien, wo auch zigtausende eleding zerstückelt wurden oder die Tsunamis 2004

Aber wissen Sie was? Die Tatsache, dass Gott wissenschaftlich nicht wiederlegt werden kann, gilt vielen Gläubigen bereits als Beleg für dessen Existenz. Dahinter steckt aber wohl eher der Wunsch: Ich brauche Gott, also existiert er. Von dem französischen Dichter und Kunstkritiker Charles Baudelaire (1821-1867) stammt der bemerkenswerte Satz: "Gott ist das einzige Wesen, das, um zu herrschen, noch nicht einmal selbst zu existieren braucht."

Schließlich enthält die Bergpredigt das Vaterunser (Mt. 6,5), wie wir es alle kennen. Aber auch beim Lesen dieser Zeilen fragt sich der Zweifelnde, warum wir Gottes Namen immer wieder preisen müssen; warum diese endlose Unterwürfigkeit? Warum rufen wir weiter (Mt. 6,10): "Dein Reich komme", obwohl es nach 2000 Jahren noch immer nicht errichtet worden ist? Das Vaterunser billigt ihm die ganze Macht über unser tägliches Brot, unsere Schulden und das Böse der Welt. Trotz dieser Machtfülle wendet er die Mühsal des Lebens nicht von seinen Menschen. Einem Gott im täglichen Gebet für sein Tun zu danken, scheint mir angesichts des Leides und Schmerzes dieser Welt ein Hohn sondergleichen.

Und:

Der Religionskritiker und Atheist J. Kahl
"...Der empirische Beweis zielt auf den unerlösten, elenden Zustand der Welt, das herzzerreißende, unschuldige Leiden und Sterben von Tier und Mensch, die mit dem Glauben an einen zugleich allgütigen, allwissenden, allwirksamen und allmächtigen Gott nicht vereinbar sind. Der Atheismus findet seine eigentliche Begründung in der Wirklichkeit selbst, in der blut- und tränengetränkten Geschichte des Tier- und Menschenreiches. Wie kann ein angeblich liebender Gott, bei dem kein Ding unmöglich ist, die Lebewesen, die er doch geschaffen hat, so unsäglich leiden lassen? Entweder er ist nicht allmächtig und kann die Leiden nicht verhindern, oder er ist nicht allgütig und will die Leiden nicht verhindern.

Auf diese Zwickmühle innerhalb des Gottesglaubens hat erstmals der griechische Philosoph Epikur um 300 vor unserer Zeitrechnung in aller begrifflichen Klarheit aufmerksam gemacht.

An Epikurs Religionskritik anknüpfend hat viel später der deutsche Dichter Georg Büchner das Leiden eindrucksvoll als den "Fels des Atheismus" bezeichnet. In dem berühmten "Philosophengespräch" seines Dramas "Dantons Tod" heißt es: "Schafft das Unvollkommene weg, dann allein könnt Ihr Gott demonstrieren ... Man kann das Böse leugnen, aber nicht den Schmerz ... Warum leide ich? Das ist der Fels des Atheismus. Das leiseste Zucken des Schmerzes, und rege es sich in einem Atom, macht einen Riss in der Schöpfung von oben bis unten." (J. Kahl)

Diesen Einwand soll schon der griechische Philosoph Epikur (ca. 341-270 v.u.Z.) mit Überlegungen der folgenden Art untermauert haben: kann Prof-lennoch oder Amazon leser das beantworten?.:

Warum sorgt Gott nicht dafür,
dass es diesen Menschen und Tieren besser geht?
Kann er nicht, oder will er nicht?
Wenn er nicht helfen kann, dann ist er nicht allmächtig.
Wenn er nicht helfen will, dann ist er nicht gütig.
Wenn er helfen kann und will,
warum tut er es dann nicht?
Wenn er es seit jeher kann und will,
warum hat er es nicht längst getan?
Warum hat er es dann überhaupt dazu kommen lassen,
dass es einigen Menschen und Tieren so schlecht geht?

Ein weiteres erschreckendes Beispiel ist das Elend der Prostituierten Frauen, die in Indien, Mumbai sei genannt, unter widerlichen, und unmenschlichen Bedingungen gezwungen werden anzuschaffen. Lest euch den Stern Report durch, in welchem es vor kurzem ausführlich geschrieben stand, und erklärt mir sodann, wo bitte der allmächtige Theistische Gott gewesen ist?. Antwort: es gibt IHN sowieso nicht. Wer am Glauben an einen allmächtigen und zugleich gütigen Gott festhalten will, sieht sich durch diese Überlegungen vor ein Problem gestellt.

Oder: Unterliegt Gott auch einer Evolution und wäre Theismus daher unlogisch, und ist vom Menschen erdacht worden? Ist Gott etwa PAN-oder PANEN-theistisch? Den Gott den der Autor vorschlägt, ist unbeweisbar, zugleich neigt der Autor zu einem anthropomorphen Gottesglauben!?...Letztlich führt die Logik des Beweises zu einem unendlichen Regress. Wenn das Argument gültig wäre, dann müsste Gott ihn selbst anerkennen. Das führt dazu, dass er einen »Superschöpfer« akzeptieren müsste. Wenn nun ein Gläubiger sagt, dass Gott eben alles weiß und daher auch, dass er der einzige Gott ist ' dann zeigt dieses Wissen, dass das Argument fehlerhaft sein muss. Es bedeutet, dass Wissen existiert, das den Beweis ungültig macht. Jedes Argument, mit dem man etablieren könnte, dass für Gott kein Superschöpfer existiert, ist ein Argument gegen das Designargument. Denn man kann dieses Argument auch auf das Universum selbst anwenden. Man kann sich nicht damit herausreden, dass Gott eben das höchste Wesen ist, das existiert. Denn das setzt Wissen voraus, dass wir nicht haben (können). Gott selbst kann das auch nicht wissen, denn dazu müsste er wissen, dass er alles weiß. Das aber ist logisch unmöglich, weil er dazu auch das wissen müsste, was er nicht weiß.
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am 22. November 2008
Bücher veralten nicht. Dieses Wort gilt in besonderer Weise dem großen Werk des Schweizer Theologen Hans Küng, der in seiner Wahlheimat Tübingen wohnt. 30 Jahre alt ist dieses Buch in diesem Jahr (2008) und es hat nichts von seiner Bedeutung, ja fast möchte ich sagen: von seinem "Glanz" verloren. Wie kaum ein Zweiter hat Küng die Gottesfrage als die zentrale Frage aller Religion bearbeitet und dabei ein unglaublich weites Feld ausgeschritten. Über unzählige Wege des Denkens der Moderne zielt Küng auf das Grund- und Urvertrauen als tiefstem Grund, sich auf Gott einzulassen. Letztlich entscheidet sich in einem zwar nicht mit naturwissenschaftlichen Methoden beweisbarem Vertrauen auf einen Gott als letzte und erste Wirklichkeit, der allem, was existiert einen "Grund" verleiht und "Sinn-voll" macht, die Grundeinstellung des Menschen zu sich selbst und zu seiner Welt, die ihn umgibt. Küng erarbeitet die Schwerpunkte seiner Frage nach Gott in der Auseinandersetzung mit großen neuzeitlichen Infragestellungen aller Gottesvorstellung. Anhand der Religionskritik von Feuerbach und Marx, Freud und Nietzsche, zeigt Küng die berechtigten Anliegen dieser großen Denker auf, wenn sie glauben, die Existenz Gottes abzulehnen, um dem Menschen zu seinem Recht zu verhelfen. Aber er zeigt auch die Schwachpunkte oder Einseitigkeiten dieser Ansätze auf, indem er herausarbeitet, dass Gott - zumindest der Gott im biblischen Zeugnis - ein Gott für die Menschen ist und dass der Mensch im Glauben an Gott nichts verliert, sondern vielmehr alles (Wesentliche) gewinnt: Nämlich ein begründetes und vernünftiges Vertrauen in einen ersten und letzten Sinn aller Wirklichkeit. Das Ja zu einem letzten Woher und Wohin von Mensch und Welt fällt mit einem Ja zu Gott zusammen,ob sich der Mensch dessen bewusst ist oder nicht. Diesen Zusammenhang aufgezeigt und in bewundernswerter Bearbeitung des modernen Denkens herausgearbeitet zu haben, ist das Verdienst des Buches von Küng. Dieses Vermächtnis hat auch 30 Jahre nach seinem Erscheinen nichts an Aktualität verloren. So wünsche ich diesem wichtigen Buch zu seinem 30. Geburtstag viele Leser, die sich an der Hand von Hans Küng auf den Gipfel der Gottesfrage führen lassen. Es wird zwar ein fast 900 seitiger anstrengender Weg sein, aber die "Aussicht auf dem Gipfel" belohnt alle Mühe. Danke, Hans Küng, der heuer 80 Jahre alt wurde, für dieses großartige Buch - und: Ad multos annos.
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am 10. August 2007
Hans Küng braucht man gewiss nicht vorzustellen. Keine Frage, dass für ihn Gott existiert. Über seinen Glauben lässt er den Leser auch keinen Augenblick im Zweifel. Aber wie sag ichs meinem Kinde? Braucht es Gott überhaupt (Moral ohne Religion)? Gibt es die ausserweltliche, d.h. letzte und unbedingte Verankerung?
Ein fantastisches Buch, das jedem mit fundierten Erklärungen und doch einfachen Worten den Glauben glaubhaft machen kann, und zwar ohne Gott beweisen zu wollen, sondern durch die Darlegung logischer (Vernunft-)Gründe. Zum Beispiel konfrontiert er die Zweifler, Negierer und Verweigerer mit der Aufforderung zum Gegenbeweis. Dass bei solchen Fragen der Boden des Rationalen verlassen wird, liegt in der Natur des Themas selbst. Es geht hier schliesslich nicht um das Wissen, sondern um den Glauben.
Äussert spannend ist es, Küngs Begründungen von Vernunft und Glaube sowie auch ihrer Gegenüberstellung zu folgen. Dabei greift Küng tief in die Geschichte zurück und lässt die namhaften Philosophen ausführlich zu Wort kommen. Sehr viel Raum gewährt er dabei seinen Gedanken über Atheismus und dem daraus resultierenden Nihilismus. Ohne erhobenen Zeigefinger überlässt er dem Leser die Wahl seiner Entscheidung, denn niemand besitzt schliesslich die absolute Wahrheit.

Fazit: Ein absolut überzeugendes Buch - Glaubenssache!
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am 11. November 2013
Küng versteht Zweiflern die Frage nach der Existenz Gottes in überzeugender Art zu erklären und zu erläutern.
Das Werk gehört in die Hand von überzeugten Verfechtern der exakten Wissenschaften, die letztlich auf ihrem langen Weg des Forschens immer wieder auf das "was darnach" stossen.
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am 8. September 2008
Wenn Sie einen Überblick über die Geschichte von Argumenten für und wider die Existenz Gottes wollen, dann ist Küngs Buch dafür gut geeignet, aber nicht, wenn Sie die Gottesfrage aus existenziellem Interesse und für Ihr eigenes Leben stellen. Denn obwohl Küng die Frage "existiert Gott?" richtigerweise mit "ja" beantwortet, lassen die Argumente, die Küng präsentiert, diese Antwort beinah unbegründet erscheinen. Dies zum Einen deshalb, weil Küng die Kritik an den Argumenten für die Existenz Gottes allzu ernst nimmt und die Schwächen und Aporien, mit denen diese Kritik selbst behaftet ist, recht großzügig übersieht(eine gute Replik auf die Kritik z.B. von Kant bietet W. Norris Clarke's Artikel "Is a natural theology still possible today" in Russell et al. "Physics, philosophy and theology"). Konsequenterweise heißt denn eines der Kapitel in diesem Buch auch "Atheismus - ernstzunehmen".
Zum anderen übersieht Küng eine ganze Dimension der Apologetik - neben der Philosophie gibt es ja auch die Geschichte! Und zwar einerseits die Geschichte des Lebens, Wirkens und der Auferstehung Jesu, die man bei genauerer Betrachtung nicht einfach als Legende wird abtun können (nicht zufällig konvertierte der Historiker Frank Morison im Zuge seiner Recherchen auf diesem Gebiet); und andererseits die Wunder und Erscheinungen (von Calanda, Zeitoun etc.), die in der Geschichte der Kirche geschehen sind (wenn Sie das interessiert, siehe zB den Artikel "miracles" auf disf.org).
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am 26. September 2010
Als bekennender Atheist (wie übrigens die meisten Wisseschaftstheoretiker) halte ich Theologie nicht für eine Wissenschaft, das bereits sagt ja schon die Begriffsbezeichnung aus. Dennoch lese ich sehr gern, was die "andere" Seite zu sagen hat.

Küng schreibt sehr ansprechend, doch in allen Büchern die ich von ihm gelesen habe, so auch in diesem, wird ständig darüber diskutiert, welche Farbe Rotkäppchens Haare hat, anstatt sich damit auseinanderzusetzen, ob Rotkäppchen überhaupt existiert.

Das Buch ist interessant, jedoch nicht überzeugend.

Es gibt keinen erkennbaren Gott, das sollte jedem denkenden Menschen klar sein. Und wer wirklich glaubt, ernsthaft darüber diskutieren zu können, ob Maria leibhaftig in den Himmel aufgefahren ist, ob Jesus Tote auferweckt hat, und ob der Papst unfehlbar ist, der disqualifiziert sich damit selbst. Die christliche Religion hat ganze Kulturen ausgerottet, ich finde, jetzt sollte langsam Schluss damit sein.

Auch Küngs Christentum erzieht den Menschen nur zur Unselbstständigkeit.

Aber -- die nächste der monotheistischen Bedrohungen steht ja bereits schon vor der Tür.
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