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Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
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am 9. Mai 2004
John Franklin, der Protagonist der Geschichte ist langsam, sehr langsam. Wenn die Kinder mit dem Ball spielen, kann er nur die Schnur halten. Diese hält er aber stundenlang, ohne dass sie sich auch nur ein bisschen regt. John ist langsam aber stetig. Die vermeintliche Behinderung hat aber auch Vorteile, die er langsam auszunützen weiss. John geht zur Marine und nimmt schon als Jugendlicher an Seeschlachten teil. Aber sein grosses Ziel bleibt die legendäre Nord-Westpassage zu entdecken.
Die positiven Aspekte der Langsamkeit scheinen in unserer Gesellschaft keine Existenzberechtigung zu haben, doch John kann uns eines Besseren belehren. Die Sicht auf das Detail und nicht nur die Ergründung der Oberflächlichkeit ist seine grosse Gabe. John verliert nicht an Zeit, er weiss sie einfach anders zu nutzen. Mit der Zeit schafft er es auch Situationen zu bewältigen, die schnelleres Handeln erfordern, dies auf seine eigene Art und Weise. Mit einer anderen, flexibleren Sicht auf die Probleme, die sich ihm stellen, schafft er diese schneller zu lösen, als manch anderer.
Sten Nadolny hat mit seiner subtilen Sprache dazu beigetragen, die Entwicklung der Langsamkeit im Buch mit zu erleben, sie zu verstehen. Der Roman ist zeitlos, obwohl die Handlung in einer geschichtlichen Epoche eingebettet ist. Dass der Roman auch jetzt noch hochaktuell ist, erstaunt mich nicht, denn das Streben nach Schnelligkeit ist ein jahrhundert altes Ziel der Menschheit.
Dass die Geschichte des Seefahrers John Franklin weitgehend auf wahre Begebenheiten beruht, übt eine weitere Faszination auf mich aus.
Ich empfehle dieses Buch zu lesen, denn es ermöglicht einem eine völlig neue Wahrnehmung der Zeit und ihrer Erscheinungen. Sich Zeit zu nehmen, eine Blüte einer Blume zu beobachten, diese im Detail zu studieren, das lehrt einem John. Die Kunst besteht darin, auch das zu lesen, was zwischen den Zeilen steht und dann entpuppt sich dieses Buch als Anreiz zu philosophieren.
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am 5. Juli 1999
Der Held des Romans ist eine Person der Geschichte, John Franklin, der Entdecker der Nordwest-Passage. Das Buch spielt zu Beginn des 19. Jhrds. Jedoch ist das Buch keine trockene Biographie, sondern der Versuch, sich mit Hilfe von J. Franklin dem Empfinden der Zeit zu nähern. Der Leser lernt sehr schnell, daß mit John etwas nicht stimmt: Er ist viel langsamer, als die übrigen Menschen. Wer sich jedoch die Mühe macht, in die Gedankenwelt von Franklin einzutauchen, entdeckt bald eine faszinierende Welt. Gerade am Ende des 20. Jhrds. in einer hektischen, von Maschinen geprägten Welt scheinen wir das perönliche Verhältnis zur Zeit verloren zu haben. Der Leser kann in diesem Buch entdecken, wie wundervoll es ist, sich Zeit für den eigenen Rhythmus, den eigenen Traum und das geruhvolle Entdecken der Umwelt zu nehmen. Entdecken Sie mit John Franklin auf seiner "Zeitreise" die fremdartige, faszinierende Welt der Langsamkeit.
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am 8. Januar 2001
Ich muss ehrlich sagen, selten habe ich ein Buch gelesen, das mich so ins Schwärmen gebracht hat. Es erzählt die Geschichte eines friedfertigen Jungen, der eine andere Sicht für die Dinge hat. Und ganz anders, als die Menschen vorschnell annehmen, ist seine Langsamkeit keine Schwäche, sondern eine bemerkenswerte Gabe. Gleichzeitig ist es ein Seefahrtsroman, der den endlosen Weg eines Entdeckers schildert, dabei mit poetischer Kraft die Seefahrt so wundervoll beschreibt, dass man sich selbst wünschte, man wäre mit John Franklin auf seinem Schiff. Diese Buch ist durchzogen von romantischen Bildern, Menschen und Geschichten, wenn man die Welt aus Franklins Sicht betrachtet und seine Geschichte erfährt, dann wird sie zu einem wunderbaren Traum.
Eines der beeindruckendsten Bücher, die ich je gelesen habe.
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am 11. Juni 2014
John Franklin ist langsam. Einen Ball kann er nicht fangen. So taugt er nur zum Halten der Schnur, über welche die Kinder flink den Ball werfen, dem John nicht einmal mit den Augen folgen kann. Die Welt ist zu schnell, John hastet ihr mit aufgerissenen Augen und keuchendem Atem hinterher, um doch beständig zu spät zu reagieren. So erntet er nur den Spott der Kinder und die Prügel des Vaters. Nur der Lehrer erkennt, was sich hinter Johns Trägheit für besondere Gaben verbergen, sein gutes Gedächtnis, seine gewaltige Ausdauer. Dr. Orme ist es auch der John dabei unterstützt, seinen großen Traum zu verwirklichen. So wird schließlich aus dem tumben Bauernjungen der Seemann, Kapitän und Entdecker Sir John Franklin.

Franklin ist schon zu Lebzeiten eine Legende gewesen. Als einer von Sir "Barrow`s Boys" (Fergus Fleming) wurde er mit vager Order und mangelhafter Ausrüstung ausgeschickt, das Nordmeer zu erkunden, vielleicht die Nord-West-Passage zu finden oder gar zum Nordpol vorzudringen. Er kehrt ergebnislos, aber unbeschadet zurück, was auch schon als Erfolg gelten durfte. Berühmt machte ihn seine zweite Expedition, bei der er im Norden Kanadas fast verhungerte. Gescheitert, aber ungebrochen wurde er nach seiner Rückkehr gefeiert als der "Mann, der seine Stiefel aß". Er wurde zum Ritter geschlagen und zum Gouverneur ernannt. Schließlich hätte er sich auf einem gut bestallten Posten ausruhen können. Doch Franklin schlug aus und übernahm ein letztes Kommando.

Nadolny hat sich vom abenteuerlichen Leben Franklins inspirieren lassen. Aber er wollte nicht Biograph, er wollte Erzähler sein. So hat er sich in Form des Romans die künstlerische Freiheit erhalten, seinen Helden mit einer seltenen Lasngsamkeit auszustatten. Halb träge, halb beschaulich hebt sich Franklin gerade wegen seines Handicaps von seinen Mitmenschen ab, aus dem vermeintlichen Nachteil macht er seinen universellen Vorzug. Nicht die spontanen, reflexartigen Antworten, sondern die durch eingehende Betrachtung und bedachtsame Durchdringung gewonnenen Urteile werden von Bestand sein. Nadolnys Plädoyer für die Langsamkeit stellt sich lesenswert auf gegen unsere Welt der sich jagenden Informationen und Kommentare in Medien und Internet. Ein Buch, das zum Innehalten anhält.
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am 15. Januar 2000
Immer gestreßt? Nie Zeit für irgend etwas? Unsere Zeit, das Informationszeitalter ist von Kurzlebigkeit gekennzeichnet, was vorhin noch galt ist schon längst überholt. Schon die Kinder haben einen Terminkalender. Doch das ist nicht gut. Auch wer langsam ist kann Erfolg haben. Das zeigt Sten Nadolny in dem Roman "Die Entdeckung der Langsamkeit". Die Geschichte orientiert sich am Leben des Sir John Fraklin, ein englischer Seefahrer, der tatsächlich gelebt hat, Ende des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Doch der Franklin aus Nadolnys Geschichte ist sehr langsam, so langsam das er als Kind z.B. keine Ballspiele spielen konnte, da er der Bewegung des Balls nicht folgen kann. Aber das macht ihn später zu einem einzigartigen und erstklassigen Seemann. Durch seinen Sprachstil zieht Nadolny denn Leser in seinen Bann und man folgt Franklin in seine Welt der Langsamkeit. Denn beim Lesen des Buches bleibt rund um einen die Zeit stehen, man erlebt mit dem "Helden" seine Abenteuer und geht mit ihm auf Reisen. Selten habe ich ein so fesselndes Buch gelesen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 23. Juli 2003
Auf meiner persönlichen Liste vollkommen unverzichtbarer Bücher rangiert dieses ziemlich weit oben. Gehetzte Manager bekommen es heute von ihren hochbezahlten Coaches geschenkt. An der Beschleunigung der Welt Verzweifelnde trösten sich an seinen Gedanken. Die Geschichte des John Franklin ist dabei im Grunde genommen beinahe schon zweitrangig. Fast alles, was dieses Buch ausmacht, steht zwischen den Zeilen der Handlung. Ein Makel, eine Behinderung - nämlich langsamer zu sein als andere, wird zum Vorteil, erweist sich als Stärke. Für mich war das Buch nicht nur ungeheuer sinnstiftend und beruhigend. Es ist schlicht große Literatur, denn es gibt nur selten Bücher, die einem so viel für das eigene Leben mitgeben, ohne belehrend oder besserwisserisch zu werden. Die einfach nur eine Geschichte erzählen. Über den Polarforscher John Franklin...
Wenn mich heute jemand fragt, was ich im Job für einer bin, kann ich ohne Zweifel sagen "ich bin ein langsamer Typ in einem schnellen Geschäft". Früher wäre das undenkbar gewesen, ohne sich damit ein Eigentor zu schießen. Es heute zu sagen ist fast eine Tugend. Nadolny hat daran ebenso großen Verdienst wie der Zusammenbruch der atemlosen New Economy. Nein eigentlich ist es sogar anders: Weil "Die Entdeckung der Langsamkeit" schon einige Jahre vor dem Dotcom-Wahn bekannt war, wirkt das Buch im Rückblick wie ein Mene Tekel...
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am 26. November 1999
Dieses Buch war noch nie "nicht verfügbar". Das liegt nicht daran, dass es keiner haben wollte, sondern weil die Nachfrage nie sinkt und deshalb bedenkenlos weitergedruckt werden kann. Sicherlich liegt das zum Teil an dem Kult-Status, den das Buch unter Führungskräften und Managern genießt als Portrait eines Führungsstils, nachdem alle Bereiche suchen: die Fähigkeit die Welt nicht auf der Ebene von isolierten Ereignissen zu beobachten, sondern auf einem Raum mit tiefer Struktur, in dem die Dynamik des ganzen Systems offenbart wird und Pläne auf dem Fundament besserer Information und grundlegendem Verständins gemacht werden. John Franklin ist wie gemacht für diese Rolle: von Geburt an "langsam" erfährt er seine Umwelt als endlosen Zirkel von Datenansammlungen, Reflektion und Aktion, fundiert auf den systematischen Mustern, die sich ihm in seiner langsamen Beobachtungsfähigkeit offenbaren. John Franklins Karriere macht er durch seine angeborene "Behinderung" zuerst als Seefahrer, dann als Held von Trafalgar, als Kapitän von drei Expeditionen auf der Suche nach der Nord West Passage, und als Governeur von Tasmanien. Der Autor ist genauso mit John Franklin's innere Reise der Anpassung an seine für ihn so rasend schnelle Umwelt als auch mit den externen Details seiner Lebensgeschichte beschäftigt, die ihn schließlich auf die schicksalhafte Expedition in die arktischen Regionen führt, die mit dem Verschwinden seiner ganzen Truppe im Jahre 1845 endet. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 30. Mai 2003
Man kann dieses Buch zweifellos als spannend bezeichnen, da es sich um einen Abenteuerroman handelt. Dabei greift Sten Nadolny biographische Dinge aus dem Leben des englischen Seefahrers und Nordpolforschers John Franklin (1786-1847) auf, ergänzt die Angaben der historischen Fakten aber um einen wichtigen Punkt: Franklin wird als langsamer Mensch vorgestellt, der zur Zeit der industriellen Revolution seiner Langsamkeit treu bleibt. Diese, zuerst als Schwäche bezeichnete Eigenschaft des Außenseiters wird jedoch durch Disziplin und Standhaftigkeit zur Stärke.
Mit Sprachlosigkeit verfolgt man das geographische Gedächtnis der Hauptperson, zum Beispiel beim nächtlichen Durchlaufen der Schiffsbegriffe, die er auswendig lernt um in Notfällen trotzdem schnell reagieren zu können.
Die spezielle Form der Langsamkeit findet man auch in der Sprache des Autors wieder. Geschickt zieht er eine kurze Gegebenheit durch viele Details, die einem schnellen Beobachter entgangen wären, in die Länge, damit man die Dinge genauso erleben kann, wie John Franklin. Der Seefahrer entzieht sich so oftmals der beschleunigten Gegenwart und nimmt sich andere Mittel zu Hilfe, zum Beispiel kann er seinen starren Blick einsetzen. Dabei folgt das Auge nicht der schnellen Bewegung eines Menschen oder Gegenstandes, sondern bleibt starr auf einen Punkt gerichtet, so konnte John den Überblick über das Geschehen behalten. Wenn jedoch viele Dinge auf einmal passieren verwirrt der starre Blick noch mehr, da man zu langsam Zusammenhänge verstehen kann. Irgendwann weiß man nicht mehr ob man gewisse Dinge getan hat oder nicht. Es gibt laut Franklin nämlich mehrere Arten von Blicken, den für das Einzelne, der das Neue entdeckt, den starren Blick, der gefährlich werden kann und den Überblick, der leicht zu viel übersieht. Deswegen traut er keinem und verlässt sich nur auf sich selbst. Alles was er einmal gesehen, gehört und verstanden hat, kann er nicht wieder loslassen, das heißt es bleibt ihm für immer im Gedächtnis erhalten. Irgendwann erkennt er, dass es oft nicht auf die bloße Schnelligkeit ankommt, sondern auf eine gründliche Überlegung und Vermeidung von Fehlern, die bei unüberlegtem Handeln häufig passieren. „Denn langsam und fehlerlos ist besser als schnell und zum letzen Mal."(S.118). Das komische daran ist, dass Franklin durch seine Langsamkeit niemals Zeit verliert, sondern sie nur anders nutzt.
Nach verschiedenen Ereignissen erkennt er, das er immer am Unglück anderer starr vorbeigesehen hat, um sich selbst davor zu schützen. So kann man den Roman auch als Entwicklungsroman bezeichnen. John schafft sich ein eigenes System, das er nach sich selbst benennt, das „Franklinsche System". Die erste Regel ist erst zu überlegen und dann zu handeln. Franklins Langsamkeit erscheint geradezu als Voraussetzung für eine menschenwürdige Gesellschaft, getragen vom Respekt und einem verantwortungsvollen Umgang der Menschen miteinander. Sein Prinzip bewährt sich sowohl auf der Polarexpedition wie auch in der Liebe. Nur in der Politik scheint das System nicht so recht zu funktionieren, da er Fehlentscheidungen als Gouverneur trifft. Dennoch bleibt letztlich die Botschaft, dass seine umsichtige, bedächtige Art zum Frieden zwischen den Menschen und Völkern beiträgt.
Alles in allem kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass „Die Entdeckung der Langsamkeit" eines meiner Lieblingsbücher ist, weil es den Sieg der Willensstärke über eine Schwäche beschreibt.
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am 25. September 2007
Ich habe das Buch erst jetzt gelesen, wie ich ueberhaupt Buecher gern lange nach ihrem Erscheinen lese, weil sie dann nicht nur billiger, sondern auch abgehangener sind.

Es ist sicher sprachlich auf hohem Niveau, auch die Perspektiven, die der Erzaehler einnimmt, sind oft ueberraschend, regen zum Denken an und sind daher attraktiv.

Das Werk hat aber auch einige unuebersehbare Schwaechen. Ich finde, dass der Autor die Idee der Langsamkeit als der den ganzen Menschen Franklin in postiver wie negativer Weise bestimmenden Eigenschaft uebertreibt und einfach zu sehr "auslutscht". So monokausal wie Nadolny den Franklin beschreibt, ist kein Mensch und seine Interpretation von dessen Persoenlichkeit wirkt schliesslich nur noch konstruiert und artifiziell.

Ganz allgemein veranlasst mich dieses Buch, so gut geschrieben es im Einzelnen auch ist, das Genre des "historischen Romans" insgesamt in Frage zu stellen. Die Vermischung von historisch gesicherten Tatsachen und reiner Fiktion in Bezug auf eine historische Persoenlichkeit, jedenfalls soweit diese vom Autor nicht klar auseinandergehalten werden, ist problematisch und unbefriedigend. Ich muesste eigentlich nach der Lektuere von Nadolnys Roman noch eine historische Abhandlung ueber Franklin lesen, um diesem gerecht zu werden. Dabei gibt es durchaus literarische Formen, die Reportage und literarisch anspruchsvolle Mutmassung in korrekter - weil offengelegter - Weise kombinieren. Das bekannteste Beispiel duerften Stefan Zweigs "Sternstunden der Menschheit" sein, aber auch Wassermanns "Kolumbus" gehoert dazu und schliesslich faellt mir auch Jungers wunderbare Reportage "Der Sturm" ein, in der dieser immer dann, wenn er die Fakten nicht kennen kann, das klar benennt und alternative und durchaus spannende Szenarien dessen entwirft, was geschehen sein koennte.

Am Ende wird die Beschreibung Nadolnys auch zu lang, repetitiv und ermuedend. Durch die letzten hundert Seiten habe ich mich regelrecht gequaelt. Immerhin habe ich es getan - bei einem weniger talentierten Schreiber haette ich es sicher nicht.
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am 11. Mai 2004
Ich finde es erstaunlich, wie der Autor es schafft, das Prinzip der Langsamkeit in sein Buch zu projizieren. Es entsteht der Eindruck, Teil vom Leben Franklins zu sein. Seine täglichen Erfahrungen, seine Vor- und Nachteile mitzuerleben. Später merkt man eine Anstrengung, die Langsamkeit zu durchbrechen und dem Leser wird dieses Gefühl erfahrbar gemacht.
Während der Lektüre drängte sich mir des öftern die Frage auf, ob es eigentlich Vor- oder Nachteile mit sich bringt, langsam zu sein. Ich merkte, dass ich meine gefasste Meinung des öftern revidieren musste und beschloss dann diese erst am Ende zu bilden. Die Langsamkeit - Eine Gabe, sich nicht von der Hektik des Lebens mitreisen zu lassen. John ist ein Lebenskünstler. Er bleibt seiner Person treu und fängt an mit seinem "Handicap" zu leben. Man sieht, dass wenn der Langsame nicht aufgibt, in manchen Situationen ihn der vermeintlich Schnellere nicht unterzukriegen vermag.
Ich könnte mir vorstellen, dass dies dem Vergleich des Fortschrittes und des Althergebrachten dient. Der Fortschritt versucht das Alte in den Hintergrund zu drängen, wird es aber nie vollständig erreichen.
Ein wertvolles Buch, von einem sagenhaften Autor. Ich bin völlig von der Wortgewalt, den Eindrücken und Erfahrungen, welche enstehen, gefesselt worden.
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