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am 16. Februar 2017
Tja, was soll ich sagen, es ist mein Lieblingsbuch. Es hat mich oft tief berührt, meinen Weltanschauungshorizont erweitert, mich auf meinem Weg andere zu verstehen weitergebracht und mich nicht zuletzt immer wieder veranlasst zu Gott aufzuschauen. Viele WOW-Momente. Ansonsten ist es einfach schlichtweg brilliant wenn die Charaktere und ihre psychologische und ethische Lage beschrieben werden. Die Vielzahl der Charaktere ist besser zu überschauen wenn man beim lesen nicht zu große Pausen macht oder sich einen Personenverzeichnis danebenlegt.
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Wir leben in einer Welt, in der es den Wissenschaften schwer fällt, Wahrheiten zu finden, die die Zeit überdauern. Althergebrachte Erkenntnisse werden in immer kürzeren Zeitabständen in Frage gestellt. Gibt es Wissen ohne Verfallsdatum? Dostojewski entwickelt in seinem im 19. Jahrhundert entstandenen Roman eine zeitlose Perspektive auf die Seele des Menschen. Seine Beschreibungen haben auch im 21. Jahrhundert ihre Bedeutung nicht verloren.
Der Roman handelt von den drei unterschiedlichen Söhnen des alten Karamasow, ihren glaubens- und charakterbedingten Auseinandersetzungen und gipfelt in einem perfektes Verbrechen, dem Mord am Vater. Die polizeilichen Untersuchungen führen zur Festnahme eines der drei Söhne. Die anschließende Gerichtsverhandlung ist, wegen ihrer Mehrdeutigkeit, einer der Höhepunkte des Romans. Die Erzählungen sind phasenweise recht spannend, selbst wenn man vorher weiß, wer der Mörder ist. Warum ist das so? Weil es neben der realen äußeren Handlungsbeschreibung um die innere Auseinandersetzung geht, um die Schuldfrage, die nicht so eindeutig ist. Ist der Verurteilte auch der Mörder? Ist der Mörder der eigentlich Schuldige?
Das Thema "Gut und Böse" wird an unterschiedlichen Stellen des Romans beleuchtet. Mutig und lehrreich ist die kurze Abhandlung "Der Großinquisitor", in der zentrale menschliche Fragen behandelt werden. Ist die Freiheit des Menschen ein Fluch? Ist der Mensch mit dieser Freiheit überfordert? Hätte "Er" (gemeint ist der Gottessohn), der in dieser Geschichte auf die Erde zurückkehrt und vom Großinquisitor verhaftet wird, das nicht wissen müssen?
Der Roman ist auf der Handlungsebene leicht verständlich geschrieben. Man erhält einen Einblick in die russische Kultur und Mentalität der Menschen. Auf der sinnbildlichen Ebene handelt es sich um ein äußerst anspruchsvolles Werk. Dies dürfte der Grund dafür sein, dass der Roman seine Faszination bis heute nicht verloren hat.
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am 12. März 2013
"Die Brüder Karamasov" von Dostojewski ist definitiv eines der genialsten Werke, die ich je das Vergnügen hatte, lesen zu dürfen.

Meine negative Bewertung bezieht sich nur auf die KINDLE-EDITION: Sie ist voll von Textfehlern, Rechtschreibfehlern und Interpunktionsfehlern! Ganz offenbar hat die automatische Texterkennung bei der Digitalisierung nicht optimal funktioniert: So wurde z.B. sehr oft aus "mir" ein "mit" und umgekehrt, und man konnte kaum eine Seite lesen, ohne über solche Schnitzer zu stolpern. Kommata waren teils an den unmöglichsten Stellen gesetzt, andererorts fehlten obligatorische Kommata jedoch wiederum.

Eigentlich sollte nach digitaler Texterkennung ja noch jemand ordentlich korrekturlesen und solche Dinge ausbessern. Dies ist hier anscheinend entweder kaum oder durch eine des Deutschen nicht mächtige Person geschehen. Das Lesevergnügen wird durch solche ständigen Fehler durchaus signifikant getrübt, auch wenn alles in allem ein relativ flüssiges Lesen möglich war.

Das Buch - also inhaltich - würde weit mehr als 5 Sterne verdienen.

Die Kindle-Ausgabe jedoch leider weit weniger. Für den günstigen Preis gerade noch 2 Sterne - aber ich hätte definitiv lieber 2 Euro mehr gezahlt und dafür eine fehlerfreie Digitalausgabe gekauft.
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am 18. Februar 2016
Ich habe mir die e-Book Verison von Null-Papier gekauft und bis jetzt 60 % durchgelesen. Die Version ist mit 0,99 Euro so günstig, weil es sich um eine Übersetzung von 1924 handelt, bei der die Autorenrechte abgelaufen sind.
Die Aufbereitung in der Version von Null-Papier ist wirklich gut. Ja, es gibt ab und zu mal ein paar orthografische Fehler, aber es handelt sich immer nur um einen Buchstaben, der falsch ist. Man kann also ohne Probleme verstehen, welches Wort gemeint ist.

Wie gesagt, ich habe erst 60 % der Brüder Karamasow gelesen, aber ich möchte trotzdem mal eine Zwischenbilanz ziehen:
Es handelt sich wirklich um ein Familienepos. Die Geschichte geht um die drei Brüder Karamasow, die alle in einem schwierigen Verhältnis zu ihrem Vater stehen und selbst in ihren eigenen Leben noch orientieren müssen.
In größeren Abschnitten wird am Anfang jeder der Brüder vorgestellt. Es passiert letztendlich nicht allzu viel, doch trotzdem habe ich bis jetzt immer weiter gelesen, denn diese Personenkonstellationen sind durchaus interessant.
Mir gefällt die Ruhe und Gelassenheit, mit der Dostojewski die ganzen Ereignisse schildert. Es kommt keine Hektik auf.
Die Übersetzung von 1924 lässt sich gut lesen, wobei eine neuere Übersetzung sicherlich flüssiger und manchmal leicht veständlicher wäre. Aber ich komme damit zurecht.

Ob ich die Brüder Karamasow wirklich gut finde und empfehlen kann, das werde ich aber erst wissen, wenn ich das Buch zu Ende gelesen haben werde.
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am 16. April 2017
Der Roman "Die Brüder Karamasow" von Dostojewskij spielt die meiste Zeit in der kleinen Stadt Skotoprigonjewsk im späten 19. Jahrhundert. Das Buch handelt von drei Brüdern, die alle schuldig und unschuldig am Mord ihres Vaters sind. Alle drei Brüder haben kontrastierende und faszinierende Persönlichkeiten. Das Buch ist ein spannender Kriminalroman, enthält aber auch Diskussionen über Religion, Philosophie und (wie immer bei Dostojewskij) Psychologie. Dostojewskij ist ein ungemein starker Erzähler und viele Literaturkritiker halten "Die Brüder Karamasow" für den besten Roman der Welt. Das Buch ist nicht schwer zu lesen und wie man an den Bewertungen sehen kann, kommt der Roman auch bei normalen Lesern gut an.
Die Übersetzung von Swetlana Geier kann ich nicht beurteilen.
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am 11. Oktober 2004
Nachdem ich vor vielen Jahren die angestaubt antiquierten Übersetzungen der Dostojewski-Romane eher mit Mühe gelesen hatte, sind mir vor etwa 5 Jahren die neuen und lebendigen Übersetzungen von Swetlana Geier aufgefallen. Zuerst "Der Idiot", dann "Verbrechen und Strafe" und schliesslich "Böse Geister". Plötzlich wurde mir klar, weshalb Dostojewskis Romane Meisterwerke genannt werden und weshalb dies zu Recht geschieht. Nun habe ich mich endlich an die "Brüder Karamasow" herangewagt und wurde nicht enttäuscht. So schön, so lebendig, so modern und zeitgemäss habe ich noch keine der Übersetzungen empfunden. Ein echter Lesegenuss, und keine Minute Langeweile. Swetlana Geier hat hier ein übersetzerisches Meisterwerk geschaffen, indem sie einen dichten und schwer zugänglichen, komplexen Roman in eine Sprache übertragen hat, die den Zugang leichter (wenn auch nicht mühelos) macht.
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am 5. Oktober 2012
Ich wollte nicht die Taschenbuchausgabe weiter lesen, weil zu eng gedruckt und es zu kleine Buchstaben hat, außerdem liegt es nicht so gut in der Hand, sehr dick, viele Seiten usw. Nun habe ich mir einen langersehnten Wunsch erfüllt, und ein Kindle - Lesegerät gekauft und dann sofort das Buch weitergelesen. Es ist sehr schön, ich liebe es, aber leider ist die Kindle Ausgabe eher ernüchternd, ich bezahlte nur 0,99 EUR dafür. Tippfehler und teilweise sind auch die Sätze nicht so wie im Buch, die wurden anders ausgedrückt. Ich bin über die Tatsache sehr traurig, das ist schon unprofessionell, ich lese Weltliteratur auf einem eBook mit Tippfehlern und nicht einmal der Satzbau ist 1:1. Wenn die gesamte schöne Literatur für eBooks so aufgearbeitet worden ist, können wir uns ja schämen, im Hightech-Zeitalter.
Die zwei Sterne sind nicht für die schöne Literatur, sondern für die ebook - Ausgabe.
Gruß anne
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am 1. Juli 2010
Es kommt bei großen Literaten recht selten vor das sie kurz vor ihrem Tod ihr größtes Werk verfassen, umso mystischer wirkt es dadurch, so als könnte der Autor mit Vollendung des letzten großen Werks nun zufrieden sterben.
So geschah es beim großen Goethe und seinem Faust, und so war es auch bei Dostojewski und seinen karamasow'schen Brüdern.

Die Handlung ist eigentlich recht flott erzählt:
Die Familie Karamasow ist zerüttet, der Vater Fjodor und sein ältester Sohn Dmitri stehen im Streit um Geld und um ein Weib. Die beiden anderen Brüder, der intelektuelle Iwan und der religöse Aljoscha können nicht schlichten und es kommt zur Ermordung des Vaters.
Der Clou den vermeintliche Täter, der den Vater in aller Öffentlichkeit den Tod androhenden Dmitri, trifft keine Schuld...
Daraus entwickelt sich eine spannende Kriminalgeschichte an deren Ende eine große Überraschung steht.

Doch das ist es nicht allein, was diesen (je nach Ausgaben) über tausend Seiten füllenden Roman auszeichnet.
In zahlreichen Nebenhandlungen und Streitgesprächen werden alle typischen Eigenarten, Ansichten, Reflexionen und Gedanken zum Leben, zur Liebe, zu Frauen, zum Glauben, zu Strafe, zu ..., erörtert und behandelt.
Dabei entsteht ein Querschnitt durch die tiefen der russischen und auch der Weltseele, so fein und genau wie mit dem Skalpell geschnitten.
Alle Schichten der Gesellschaft und alle möglichen Menschentypen werden gezeigt und erklärt.
Dabei geht der Autor vorsichtig und doch virtuos vor.
So wird die Psyche der verschiedenen Charaktere aufs genauste untersucht.
Zu Recht Freuds Lieblingsklassiker.
Beim Lesen tritt trotz der riesigen Seitenzahl niemals langeweile auf, denn die besprochenen Themen wie Liebe oder Glauben sind auch noch über hundert Jahre nach erscheinen, top aktuell.

Außerdem findet man in diesem Buch ein ganzes Sammelsurium von Zitaten die merkwürdig sind im wahrsten Sinne des Wortes:
"Bei uns in Rußland sind die Trinker die besten Menschen. Die besten Menschen sind bei uns die schlimmsten Trinker." oder
"ich will dennoch weiterleben und diesen Becher, den ich nun einmal zu trinken angefangen habe, nicht vom Mund nehmen, ehe ich ihn vollkommen geleert habe!"
Und viele weitere wunderbare Zitate.

Ein Buch zum lesen vor dem schlafen gehen ist dieses Monumentalwerk der russischen Literatur wahrlich nicht, man braucht Geduld und Zeit, und man sollte es diesem gewaltigen Buch auch zu gestehen, sich allein auf den wahrlich großen (in jeder Hinsicht) Inhalt zu konzentrieren.

Zur Ausgabe: Lange habe ich gesucht nach einer optisch attraktiven Hardcover Ausgabe der "Brüder Karamasow", und tatsächlich, Anaconda hat meinen Wunsch erhört, der sehr günstige Preis spielt dabei keine Rolle ist aber sehr lobenswert.
Alles in Allem ein wunderschönes Buch in einer wunderschönen Aufmachung.
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am 3. Juli 2008
Das ist typisch Dostojewskij - ein Buch über 1300 Seiten schreiben, dessen grober Inhalt auch in 300 Seiten hätte niedergeschrieben werden können. Doch es ist ebenso typisch Dostojewskij, dass diese Tatsache niemanden stört, im Gegenteil. Autoren wie Dostojewskij und sein russischer Meisterkollege Tolstoi sind Wort- und Gedankenkünstler, deren Werke sich erst in angemessener Länge wirklich entfalten. Dies gilt besonders für "Die Brüder Karamasow", dessen düstere Faszination den Leser immer tiefer in die Handlung zieht, je weiter die Seitenanzahl sich dem Ende neigt. Die Handlung, zu der ich mich nicht allzu ausführlich äußern möchte, ist an sich relativ schlicht - doch welch tiefsinniges, psychologisches Porträt einer Familie, deren konträre Neigungen und Eigenschaften sich zu einem beklemmenden Konflikt entwickeln, in einer Greueltat gipfelnd, schafft Dostojewskij in diesem Werk!

Der Ausgangspunkt des Romanes ist die Heimkehr der drei Karamasow-Brüder in das Haus ihres Vaters. Keiner der drei Brüder, ob es nun der fromme, gutmütige Mönch Alexej "Aljosha", der rationale Gelehrte Iwan oder der impulsive Dmitri "Mitja" ist, kann in dem trinkenden Lüstling Vater Karamasow einen ehrbaren Bürger erkennen und gerät in Konflikte mit ihm. Dies gilt insbesondere für den ältesten Sohn Mitja, denn die Leidenschaft des alten Karamasow für die junge Sirene Gruschenka ist ihm ein gewaltiger Dorn im Auge - ist er doch selbst unsterblich in sie verliebt und befürchtet, sie könne sich - aufgrund dessen Wohlstandes - für seinen Vater entscheiden. Nach einer gespenstischen nächtlichen Szenerie wird der alte Karamasow ermordet in seinem Haus aufgefunden. Für die Polizei und die Bekannten der Familie steht fest: Dmitri muss der Täter sein. Tatsächlich sprechen auch alle Beweise gegen ihn, doch Mitja beteuert seine Unschuld am Mord seines Vaters. Eine beklemmende Gerichtsverhandlung entbrennt. Doch auch Aljosha und Iwan kommen, ausgelöst durch den Tod ihres Vaters, nicht darum herum, mit sich selbst und ihrer Auffassung von Leben und Glauben ins Gericht zu gehen...

Zu dieser groben Schilderung der Handlung kommen natürlich noch zahlreiche Nebenhandlungsstränge (der Tod von Starez Sossima, das geistliche Vorbild Aljoshas, die Eskaparden des Schülers Kolja Krossotkin, Aljoshas Besuche bei Madame Chochlakowa und ihrer kränklichen Tochter Lisa), die sich jedoch vorzüglich in die Haupthandlung einfügen und die erstaunlichen Dimensionen dieses Romans untermalen. Philosophisch gesehen hält "Die Brüder Karamasow" ebenfalls, was Dostojewskijs sonstige Werke versprechen. Es werden Gedanken, Gefühle und (Lebens-)Theorien geschildert, die einerseits immer noch alltäglich und aktuell sind (oft hatte ich beim Lesen gewisser philosophischer Fragen den Gedanken, dass auch mir solche Fragen schon durch den Kopf gegangen sind), andererseits so genial subtil sind, dass man sich fragt, wieso man sich um solche Dinge selbst noch nie Gedanken gemacht hat. Diesbezüglich nimmt man also sehr viel aus diesem Roman mit.
Auch vom literarischen Aspekt ist der Roman typisch Dostojewskij, also in recht schlichter, aber treffender Manier, gleichzeitig sehr bildhaft und erhaben. Über die Qualität von Swetlana Geiers Übersetzung kann ich persönlich nichts sagen, da ich weder dem Russischen mächtig bin noch andere Übersetzungen kenne - was ich jedoch sagen kann, ist, dass das Lesen des Romans mich mit Erstaunen und tiefem Respekt gegenüber solch tiefgründiger Worte erfüllt hat, was nicht zuletzt auch Frau Geier zu verdanken ist. Dementsprechend bin ich überzeugt, dass sie die Lorbeeren für ihre Dostojewskij-Übersetzungen mehr als verdient hat. Überhaupt muss ich am Schluss noch ein großes Lob an den Fischer-Verlag aussprechen, denn er hat mit diesem Band ein schönes, ansprechendes Gesamtpaket veröffentlicht, abgerundet mit einem interessanten und ausführlichen Anhang, in welchem sogar Bilder sind, und einer Namensliste mit den wichtigsten handelnden Personen (die Nützligkeit dieser Liste sollte man nicht unterschätzen).
Dieses Buch sollte man definitiv gelesen haben, denn es eröffnet einem Weisheit und Gedankenansätze, die niemanden unberührt lassen, auch wenn man mit der moralischen Meinung Dostojewskijs vielleicht nicht übereinstimmt. Meine Empfehlung ist jedoch, dass man dem Buch genug Zeit und Aufmerksamkeit widmen sollte, damit es sich auch entfalten kann. Dann wird man die gewidmete Zeit jedoch auch nicht bereuen.
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am 31. Mai 2009
Dostojewskis letzter Roman, veröffentlicht nur zwei Jahre vor seinem Tod, ist zugleich die Quintessenz seiner ganzen literarischen Laufbahn. Alle Ideen, alle Motive, alle großen Themen geht er hier erneut an und vereint sie zu einem Werk, daß heute als eine der größten Errungenschaften der Literaturgeschichte gilt. Es ist der womöglich beste Roman, der je geschrieben wurde.

Hermann Hesse wunderte sich und hielt es kaum für möglich, daß "Die Brüder Karamasow" von nur einem einzigen Menschen geschrieben wurde. Sigmund Freud bezeichnete es als den besten Roman, der je geschrieben wurde. Friedrich Nietzsche gestand, daß Dostojewski der einzige Psychologe war, von dem selbst er noch etwas lernen konnte. Kafka, Camus, Hemingway, Marquez und viele andere Giganten der Weltliteratur haben dem Russen gehuldigt und schreiben ihm maßgeblichen Einfluss auf ihr eigenes Schaffen zu.

Was ist dem noch hinzuzufügen?

"Die Brüder Karamasow" ist im Wesentlichen die Geschichte von einem Vatermord. Fjodor, der ein großer Schurke ist und moralisch verkommen, hat vier Söhne. Dimitri, Soldat, Lebemann, nicht sehr gebildet, dafür temperamentvoll und ein großes Herz. Iwan, Student, Intellektueller und erklärter Atheist, der im Stillen zweifelt. Aljoscha, Novize im nahen Kloster, ist der Schlichter und Versöhner, das Gewissen, der gute Mensch. Und schließlich Smerdjakow, unehelich gezeugt, der als Koch und später als Diener für den Vater in seinem Haus arbeitet.

Dostojewski, der die menschliche Psyche kannte wie kaum ein zweiter Schriftsteller, leuchtet seine Figuren über viele hundert Seiten aus, mit all ihrem Glanz und auch Abgründen. Selbst den kleinsten Nebenfiguren widmet er viel Aufmerksamkeit. Mitunter agieren sie am Rande des Wahnsinns, sie funktionieren dennoch, weil sie glaubwürdig und vielgestaltig sind.

Als all diese unterschiedlichen Charaktere im Dorfe des Vaters aufeinandertreffen, bleiben Konflikte nicht aus, es kommt zu allerlei Reibereien, Überwerfungen und schließlich zum Mord. Dies ist der lose Handlungsrahmen, ein bis zuletzt spannender Kriminalroman ganz im Stile von "Schuld und Sühne". Wer Dostojewski kennt, weiß aber das sich seine Romane solch einer strikten Einteilung entziehen.

Kunstvoll baut er wieder unzählige Nebenhandlungen ein und verwebt diese miteinander. Es sind nicht nur die unterschiedlichen Charaktere und somit Welten, die hier aufeinanderprallen. Dostojewski beschäftigt sich auch wieder mit den großen Themen der Religion, des Lebens und der Liebe in all ihren Formen. Besonders hervorzuheben ist die "Legende vom Großinquisitor", in denen sich Dostojewski mit dem Theodizee-Problem auseinandersetzt.

Auf rund tausend Seiten verflechtet der Autor Gott und Teufel, Glauben und Nichtglauben, Schuld und Sühne, Liebe, Hass und Auferstehung zu einem vollkommenen, polyphonen Roman. Man muss sich Zeit nehmen, es ist kein Buch, das man nebenbei liest. Es funktioniert auf vielen Ebenen, aber erst wenn man tiefer schürft und alle Handlungsstränge im Zusammenhang sieht, erahnt man die ungeheure Größe der Brüder Karamasow. Das Leseerlebnis ist sehr intensiv, vereinnahmt einen völlig, zieht einen wie ein Sog hinab. Es scheint mir undenkbar, daß jemand aus der Lektüre dieses Romanes unverändert hervorgeht.

Dostojewski hatte es in Russland nie ganz einfach. Als ihm im Ausland längst der gebührende Ruhm zuteil ward, wurde er im Heimatland immer wieder kritisiert und angefeindet. Mit dem Erscheinen seines letzten Romans schließlich verstummten auch die letzten Zweifler.

An seinem Begräbnis nahmen rund 60000 Menschen teil und huldigten jenem Mann, der heute als größter Psychologe der Literaturgeschichte gilt, dessen Romane allesamt Klassiker der Weltliteratur sind und ohne den die Literatur des 20. Jahrhunderts, so wie wir sie kennen, nicht möglich gewesen wäre.

"Die Brüder Karamasow" ist sein reifstes, tiefgründigstes, intensivstes Werk. Eine vollendete Komposition.
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