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Kundenrezensionen

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VINE-PRODUKTTESTERam 12. März 2009
Gerade war ich etwas verblüfft, dass "Liebespaarungen" offensichtlich andere Leser nicht so begeistert hat wie mich. Ich finde diesen Roman großartig und absolut lesenswert. Wer stellt sich denn nicht die Frage "Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich mich in einer Situation anders entschieden hätte?" Und diese Frage ist das große Thema des Romans. Und meiner Meinung nach von der Autorin intelligent beantwortet. Am Anfang hatte ich leichte Anlaufschwierigkeiten mit dem Buch, aber je mehr Seiten ich gelesen habe, umso spannender fand ich es und konnte es zeitweise überhaupt nicht aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen musste, was mit Irina in ihrem "anderen" Leben passiert.
Und auch das Ende ist schlüssig und clever gelöst.
Mir hat es richtig viel Freude bereitet, diesen Roman zu lesen und er gehört für mich zu den Perlen in diesem Frühjahr.
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am 20. März 2009
In ihren ersten Roman seit "Wir müssen über Kevin reden" wagt Lionel Shriver sich an ein ganz anderes Thema, ein Beziehungsdrama in zwei Spielarten.

"Was wäre gewesen wenn...?"

Das ist die Frage, die sich die Hauptfigur Irina im Laufe des Romans "Liebespaarungen" immer wieder stellt. Was wäre passiert, wenn sie an dem einen Abend anders gehandelt hätte. Da es sich um einen Roman handelt, werden dem Leser beide Möglichkeiten geboten, in sich abwechselnden Kapiteln.

Irina lebt seit rund zehn Jahren mit Lawrence zusammen, einem Wirtschaftswissenschaftler. Beide sind Amerikaner, fühlen sich in London aber inzwischen heimisch. Einer ihrer besten Freunde ist Ramsey, ein professioneller Snooker-Spieler, der sich vor kurzem von seiner Frau Judy getrennt hat. Es hatte Tradition, dass alle vier sich an Ramseys Geburtstag treffen. Weil Lawrence geschäftlich unterwegs ist, trifft sich Irina widerwillig allein mit Ramsey. Überraschenderweise verläuft der Abend sehr angenehm und Irina fühlt sich zu Ramsey hingezogen. Als sich nach dem Essen noch zu Ramsey nach Hause fahren, kommt es dort zu einem Kuss. Dieser Kuss ist die Schlüsselszene.
In der einen Variante entscheidet sich Irina für Lawrence, ihren grundsoliden und etwas langweiligen Partner, obwohl sie unzufrieden ist, unter anderem weil Lawrence nicht heiraten will. In der anderen Variante fällt die Entscheidung zugunsten Ramseys aus.

Die eine Irina muss feststellen, dass die Kirschen in Nachbars Garten verlockend aussehen, anders aber nicht unbedingt besser schmecken. Ist es wichtiger, einen aufregenden Mann zu haben, der heiratswillig ist oder einen grundsoliden, der einen selbst als Person schätzt und unterstützt?

Die erste Hälfte las sich flüssig weg und die Fragestellung "Was wäre wenn?" war psychologisch interessant umgesetzt. Später stellte ich mir leider immer wieder Frage, was wäre, wenn das Buch ca. 200 Seiten kürzer gewesen wäre und viele Nebensächlichkeiten nicht so detailliert geschildert worden wären. Wenn die Schwarz-Weiß-Zeichnung der beiden Varianten nicht so deutlich und durchschaubar gewesen wäre. Wenn mir einige Hauptfiguren in einer der beiden Varianten nicht zunehmend unsympathisch geworden wären.

Sprachlich ist der Roman flüssig zu lesen. Die sprachlichen Gegensätze zwischen Ramsey (übertriebene Mischung verschiedener englischer Dialekte) und Lawrence (akademisches Amerikanisch) gehen in der Übersetzung verständlicherweise verloren, geben der Originalfassung noch einen besonderen Flair.

Alles in allem eine reizvolle Idee, mit einer durchaus realistischen Ausgangssituation. Ein Roman, der sich für lange Winterabende eignet.
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am 27. Mai 2013
Die amerikanische Autorin Margaret Ann Shriver hat im Alter von 15 Jahren beschlossen, dass sie lieber Lionel heißen möchte. Das ist dann aber fast auch schon das Interessanteste, was sich über sie bzw. ihr Buch „Liebespaarungen“ sagen lässt. Nun gut, man sollte noch erwähnen, dass Shriver mit ihrem Roman „We need to talk about Kevin“ von 2003 (verfilmt mit Tilda Swinton und Ezra Miller) ihren Durchbruch erreicht hat. Vier Jahre darauf folgte „The Post-Birthday World“, der in Deutschland unter dem dämlichen Titel „Liebespaarungen“ veröffentlicht wurde. Konnte ich der Verfilmung von „We need to talk about Kevin“ noch halbwegs etwas abgewinnen (die Buchvorlage kenne ich nicht), kann ich nun mit „Liebespaarungen“ rein gar nichts anfangen. Was vorrangig an Shrivers enervierender Schreibe liegt, die einen mit endlosen, komatösen Nebensächlichkeiten gekonnt in Morpheus Arme dirigiert. Und das, obwohl das Thema an sich interessant ist und man Shriver anmerkt, dass sie durchaus rhetorisches Talent hat. Es ist mir ein Rätsel, wie eine definitiv begabte Autorin ein spannendes Thema so grandios verhunzen kann.

1992: Irina McGovern ist Kinderbuchillustratorin, hat russisch-amerikanische Wurzeln, lebt aber seit Jahren mit ihrem Lebensgefährten Lawrence in London. Lawrence ist Politikwissenschaftler, hochintelligent, aber recht bieder und emotional unterkühlt. Das Paar ist seit fast 10 Jahren zusammen und bildet ein eingespieltes, aber auch schon in Routine erstarrtes Team. Bei einem Geburtstagsessen mit einem befreundeten Paar lernt Irina den Snooker-Spieler Ramsey kennen. Der Billardspieler löst irgendetwas in ihr aus, was im weiteren Verlauf der Handlung zu zwei verschiedenen Fortgängen der Geschichte führt. Die Geschichte wird nach diesem Geburtstagstreffen in zwei Varianten weitererzählt. Einmal entscheidet Irina sich dafür, mit Lawrence zusammen zu bleiben, obwohl sie nicht mehr wirklich glücklich mit ihm ist, einmal geht sie ihren Lebensweg mit Ramsey weiter. In 12 bzw. 24 Kapiteln (jedes Kapitel behandelt einmal die Lawrence- und einmal die Ramsey-Variante) geht die Geschichte über eine Dekade lang weiter und zeigt auf, wie Irinas Leben mit jedem der beiden Männer weiter verlaufen wäre…

…und das ist, egal in welcher Variante, ziemlich langweilig. Zumindest ist es langweilig geschrieben. Die Grundidee des „Was wäre, wenn“-Gedankens ist hochinteressant, denn wer fragt sich nicht mindestens einmal in seinem Leben, was wäre, wenn er sich an einem bestimmten Punkt anders entschieden hätte, als er es getan hat? Hier einmal beide Varianten aufgezeigt zu bekommen, ist daher eine ungewöhnliche und spannende Idee. Doch da Irina, wie sich letztendlich herausstellen soll, eh nur die Wahl zwischen Cholera und Pest hat, geht es mit der Spannung ziemlich schnell bergab.

Hilfreich wäre zum Beispiel gewesen, wenn auch nur einer der Charaktere sympathisch gewesen wäre. Leider jedoch zeichnet Shriver ihre Charaktere durch die Bank weg als unsympathische Egomanen, Snobs, Proleten oder Duckmäuser, so dass man für keinen der Protagonisten Empathie empfinden kann. Darüber hinaus verliert Irina zwischen diesen beiden Männern mehr und mehr an Kontur, so dass man ihre Figur nur verschwommen wahrzunehmen vermag. Zwar versucht sie, sich bei beiden Männern zu behaupten und ihre Wünsche kundzutun, leider ist sie damit in der Regel aber kaum erfolgreich. Entweder biedert sie sich intellektuell bei dem snobistischen und pragmatischen Lawrence an oder sie lässt sich von dem proletenhaften Ramsey demütigen und unter Druck setzen. Dadurch wird offenbar, dass keiner der beiden Männer ein großartiger Fang wäre. Lawrence ist fast ständig mit seiner Arbeit beschäftigt und langweilt einen mit endlosen politischen Statements und Analysen, wenn er nicht gerade mechanischen und uninspirierten Sex mit Irina hat. Sein Leben scheint in Gewohnheiten und emotionaler Unterkühlung erstarrt, er ist kaum in der Lage, sich gefühlsmäßig auf seine Partnerin einzulassen, geschweige denn, ihre Bedürfnisse zu erkennen. Ramsey hingegen ist ein in England sehr populärer und erfolgreicher Billardspieler, dessen intellektuelles Niveau aber kaum über das Südlondoner Unterschichtsviertel, in dem er geboren wurde, hinausgekommen ist. Er bedient sich gern und oft einer proletenhaften Gossensprache und vermag sich über Snooker hinaus für nichts anderes wirklich zu interessieren. Er reist ständig von Turnier zu Turnier und ergeht sich fortwährend in langweiligen Details seiner Spiele.

Nur allzu gern möchte man der emotional auch nicht ganz rund laufenden Irina zurufen, sie möge sich doch bitte für keinen der beiden Unsympathen entscheiden und einfach mal versuchen, ihr Leben alleine auf die Reihe zu kriegen. Denn der eine Mann verspricht Not, der andere Elend, keiner der Beiden scheint wirklich zu Irina zu passen oder zu wissen, wie man mit ihr umgehen muss.

Darüber hinaus gelingt es Shriver, den Leser derart mit entweder hochgestochenen oder fast primitiven Dialogen zu langweilen, dass man schon vor der wegweisenden Splittung der Geschichte das Interesse an ihr verliert. Die gekünstelten Dialoge zwischen Lawrence und Irina wirken unecht und überzogen, darüber hinaus penetriert Lawrence jeden, aber wirklich jeden, mit seinen politischen Theorien und Meinungen, ob derjenige es nun hören will oder nicht. Seitenlange politikwissenschaftliche Fachsimpelei wird nur unterbrochen von den aufgesetzten Dialogen, wenn das Paar alleine ist. Ramsey hingegen bedient sich oft einer derartig vulgären Sprache, dass alleine schon das Lesen seiner verbalen Ergüsse weh tut. Ein eingebildeter, flegelhafter, egoistischer Fatzke, der nicht wahrhaben will, dass er seine besten Jahre bereits hinter sich hat und der so dumm und plump daherredet, dass man ihm den Mund mit Seife auswaschen möchte. Wahre Traummänner, alle beide.

Durch die Splittung der Handlung auf zwei verschiedene Ebenen kommt man zusätzlich nicht umhin, diverse Abläufe immer gleich zweimal lesen zu müssen. Denn auch wenn Irina gewisse Dinge einmal mit Lawrence oder eben mit Ramsey erlebt, kommt es zu Überschneidungen. Es wird also nicht nur einmal, sondern gleich zweimal langweilig, famos.

Mir ist immer noch schleierhaft, wie man ein derart interessantes Thema in der Umsetzung so gegen die Wand fahren kann. Denn ausdrücken kann Frau Shriver sich, definitiv. Und sie hat auch sicherlich umfangreiche Nachforschungen für ihr Buch angestellt und sich ein profundes Wissen der damaligen politischen Situation und vor allem des Snookerspiels angeeignet. Leider ist es ihr so gut wie unmöglich, dem Leser dies auf spannende und kurzweilige Weise zu vermitteln. Endloses Gefasel über einen Sport, den fast keiner kennt und der kaum jemanden außerhalb Englands (wenn überhaupt) interessieren dürfte gepaart mit furztrockenen Diskussionen über das politische Weltgeschehen von vor 20 Jahren, das eigentlich nur der Profilierung des jeweils Redenden dient, das macht in der Summe fast durchgehende Langeweile auf endlosen 579 Seiten. Dazwischen werden ein bisschen Sinnkrise, ein bisschen Schicksal, ein paar familiäre Hintergründe bzw. Probleme und ein paar frivole Sexszenen eingestreut und Irinas ebenso diffuser und unentschlossener Charakter dazugeworfen und fertig ist ein Buch, das keiner braucht.

Schade, denn über Irinas zweifaches Schicksal hätte ich eigentlich gerne etwas gelesen, wenn es denn eben auch nur im Ansatz interessant geschrieben gewesen wäre. Letztendlich ist die Moral von der Geschichte so profan und beliebig, dass man wirklich froh ist, wenn man dieses schwafelige, schwermütige und enervierende „Werk“ endlich aus der Hand legen kann. Denn Frau Shriver meint offenbar: egal, wie man sich entscheidet, scheiße wird es irgendwie immer. Und: man will immer das, was man meint, nicht haben zu können. Für diese Erkenntnis allerdings braucht man sich nicht erst durch diese überlange, sich wiederholende, langweilige und unsympathische Geschichte zu quälen. Deshalb (und das auch nur aufgrund Shrivers durchschimmernden rhetorischen Talents) gerade mal noch eins von fünf Snooker-Turnieren, die genauso komatös langweilig sind wie „Liebespaarungen“.
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am 13. Juni 2009
In Bezug auf den Inhalt verweise ich auf die zahlreichen anderen Rezensionen. Was mich an dem Buch begeistert hat, ist die handwerkliche Umsetzung.
Zugegeben, der Roman liest sich nicht immer leicht, aber ich habe schon lange keine so gekonnte Figurenzeichnung erlebt. Vollkommen ohne Kitsch erschafft Shriver den charismatischen Ramsey, sie entwirft alle Figuren, bis hin zu den Nebenfiguren wie Irinas Mutter, ihre Schwester oder ihre beste Freundin mit guter Beobachtungsgabe. Mag sein, dass sie stellenweise in Klischees verfällt, aber nicht auf störende Art.
Im Mittelpunkt steht Irinas Beziehung zu zwei Männern, jeder auf seine Weise liebenswert und problematisch zugleich. Mir persönlich ging der perfekte Lawrence ja in beiden Handlungssträngen gehörig auf die Nerven. Aber Ramsey hat Nachwirkungen, sogar noch nach drei anderen Büchern ist er mir irgendwie gegenwärtig.
Ein Buch, das man nicht so leicht vergisst. Nicht wegen seiner Spannung, sondern wegen Figuren, die zum Leben erweckt werden, die den Leser bis über den Buchdeckel hinaus begleiten. Enttäuschend war für mich lediglich das Ende. Nicht der Inhalt an sich, der ist durchaus stimmig, aber dass die Autorin sich letztlich doch auf nüchterne Analyse beschränkt. Irina reflektiert ihre Wahl, ich hätte lieber mit ihr geweint.
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SPOILER
Eine Frau in einer festen Beziehung erlebt die durchaus auch erotische Spannung eines gemeinsamen Freundes. Fortan wird die Geschichte in zwei Versionen erzählt: In Version 1 entscheidet sie sich, ihren Partner zu verlassen und den anderen zu heiraten. In Version 2 bleibt sie bei ihrem Partner und verzichtet auf den Seitensprung.
In dieser interessanten Erzählsituation wechselt jedes Kapitel die Perspektive. Sogar dieselben Ereignisse werden abwechselnd aus der einen und aus der anderen Lebensperspektive erzählt.
Interessanterweise werden beide Erzählperspektiven (=Lebensverläufe) in einem gemeinsamen Ende zusammengeführt - das ist schon sehr kunstvoll gemacht. Der Inhalt wird hier aber nicht verraten.

Das Leben hätte immer auch anders kommen können - diese Einsicht ist hier im Roman exemplifitiert. 600 Seiten sind schon ein "starkes Buch", langweilig wurde mir nicht. Meine Lektüre innerhalb von drei Tagen hat allerdings auch zu einem dichten Leseerlebnis beigetragen. Der Stil des Buches ist leichtfüßig. Wegen der besonderes Erzähltechnik lohnt dieser Roman, ein paar Stunden dafür zu geben.
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am 6. November 2010
Da ich ein Gegner von sogenannanten "Frauenbüchern" bin, wurde ich positiv überrascht. Die Frage die sich immer wieder stellt: habe ich mich für den richtigen Weg entschieden, wird in diesem Buch wunderbar beantwortet. Es gibt kein richtig oder falsch, es gibt ein entweder, oder. Egal wie, es geht immer weiter.
Eine interessante Geschichte, die leider etwas schleppend anfing, aber nach ca. 80 Seiten zunehmend spannender wurde und man sich immer mehr fragte, wie es wohl ausgehen mag. Konnte ab der Mitte des Buches, dieses kaum noch aus der Hand legen. Ich kann dieses Buch nur empfehlen.
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am 27. Juli 2010
Liebespaarungen ist nicht die typische Dreiecksgeschichte und handelt dennoch von der Liebe einer Frau zu zwei grundverschiedenen Männern.

Das Buch beginnt mit dem geburtstag Ramseys. Seit Jahren haben sich die beiden Paare Ramsey und Jude und Lawrence und Irina jedes Jahr zu einem Essen getroffen. Mittlerweile sind Ramsey und Jude geschieden und Lawrence ist auf einer Konferenz im Ausland. Demnach findet das Essen dieses Jahr nur in einer zweierrunde statt. Irina und Ramsey hatten sich bisher nicht soviel zu erzählen, doch dieses Jahr - befreit von der Anwesenheit der Partner - liegen sie ganz auf einer Wellenlänge. Eine knisternde Atmosphüre baut sich zwischen den beiden auf und als Irina nach dem Essen noch zu Ramsey nach Hause geht, steht sie vor der wohl wichtigsten Entscheidung in ihrem Leben. Soll sie ihn küssen oder nicht.

An dieser Stelle teilt sich die Handlung. Ab sofort wird von Irinas 2 Lebensvarianten erzählt. In der ersten küsst sie Ramsey und verbringt nach kurzer Trennungsphase von Lawrence die nächsten 5 Jahre mit Ramsey, der Lebemann, Snookerspieler und Inbegriff eines Lebens ohne zweiten Gedanken an ein Morgen. Hier ist ihr Leben von Sinnlichkeit, Spontanität und emotionaler Denkweise geleitet

Bei der 2. Variante bleibt sie ihrem Lawrence treu und verbringt ihr Leben in wohlgeordneten Bahnen. Lawrence ist rational, vielleicht ein wenig eingestaubt und kein Freund von Veränderungen.

Der Aufbau des Buches erscheint zu weilen ein wenig zäh. Die Kapitel wechseln sich ab. Zuerst wird von der Ramsey-Variante erzählt, danach nochmals die Lawrence-Variante. Da die alterniereden Kapitel sich immer auf die gleiche Zeit beziehen, ist das Buch geprägt von Wiederholungen und Langatmigkeit. Zu oft versucht die Autorin gleiche Formulierungen zu verwenden - zum Teil vom jeweils anderen Gesprächspartner. Der Versuch beide Leben als parallele Entwicklungen darzustellen wird oft versucht mit solchen Aussagen wie: Ich habe das Gefühl in einem anderen Leben wäre es mein Part zu sagen, was du jetzt sagst. Manchmal denke ich, es existiert noch eine 2. Irina neben mir her und das auch ein anderes Leben möglich ist. (eigene Wortwahl und kein Zitat aus dem Buch). Durch solche Bemerkungen wirkt die Idee beide Leben darzustellen gezwungen und aufgesetzt. Dennoch gebe ich zu, dass die Idee beide Varianten zu erzählen viel Potenzial in sich birgt. Vor allem ist die Zusammenführung beider Leben am Ende des Buches eine interessante Möglichkeit die Erzählung zum Abschluss zu bringen. Und man fragt sich, welche Entscheidung stellt sich als die bessere heraus.

Sieht man einmal über die die etwas langen direkten Wiederholungen hinweg, ist das Buch leichte Unterhaltungskost an langen Winterabenden.
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am 4. Dezember 2011
IRINA - die Frau, um die es in diesem Roman geht, kann sich zwischen dem "zuverlässigen, in der Politik arbeitenden, Sicherheit gebenden Mann" und dem "snookerspielenden Lebemann, dem Mann für den Sex", nicht entscheiden. So lebt sie beide Leben, um zu sehen, ob sie letztendlich das OPTIMALE gefunden hat. Doch das gelingt ihr nur zum Teil - einen Mann aus den beiden zu machen, wäre ihr Traum .

Der Autor arbeitet mit zwei Erzählsträngen - gelesen von zwei Frauen, und daher leicht zu unterscheiden.
Kein großes künstlerisches Werk, aber Einsicht in das Leben von zwei Ehepaaren, das verschiedener nicht sein könnte, aber trotzdem viel Gemeinsamkeit beinhaltet.
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TOP 500 REZENSENTam 17. Oktober 2014
Ja, was wäre, wenn … ich einen anderen Partner gewählt hätte? Diesem Thema widmet Lionel Shriver seinen Roman:
Die Geschichte spielt Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. Irina McGovern ist Kinderbuchillustratorin, hat russisch-amerikanische Wurzeln, lebt aber seit Jahren mit ihrem Lebensgefährten Lawrence in London. Lawrence ist Politikwissenschaftler, hochintelligent, aber recht bieder und emotional unterkühlt. Das Paar ist seit fast 10 Jahren zusammen und bildet ein eingespieltes, aber auch schon in Routine erstarrtes Team. Bei einem Geburtstagsessen mit einem befreundeten Paar lernt Irina den Snooker-Spieler Ramsey kennen. Der Billardspieler löst irgendetwas in ihr aus, was im weiteren Verlauf der Handlung zu zwei verschiedenen Fortgängen der Geschichte führt.
Die Geschichte wird nach diesem Geburtstagstreffen in zwei Varianten weitererzählt. Einmal entscheidet Irina sich dafür, mit Lawrence zusammen zu bleiben, obwohl sie nicht mehr wirklich glücklich mit ihm ist, einmal geht sie ihren Lebensweg mit Ramsey weiter. In 12 bzw. 24 Kapiteln (jedes Kapitel behandelt einmal die Lawrence- und einmal die Ramsey-Variante) geht die Geschichte über eine Dekade lang weiter und zeigt auf, wie Irinas Leben mit jedem der beiden Männer weiter verlaufen wäre…
Lionel Shriver behandelt in diesem Roman die uralte Frage, ob Leidenschaften Schicksal sind. Auf diese Frage werden Sie als Leser keine eindeutige Antwort finden. Aber das Buch entführt uns in zwei Welten eines einzigen Lebens, zwei Alternativen, die von verschiedenen Männern geprägt sind, die verschiedene Lebensweisen und Interessen der Hauptfigur zum Leben erwecken.
Die Autorin ist eine exzellente Menschenbeobachterin und sie schreibt modern und realistisch - aber auch zu Herzen gehend und detailliert, wo Detailliertheit hingehört und auf den Punkt bringend, wo es notwendig ist.
Manche mögen das Ausmalen auch von Nichtereignissen in allen Einzelheiten als langweilig ansehen. Doch man gewöhnt sich an die langweiligeren Wegbiegungen und Schritt für Schritt schärft sich der Blick dafür, dass kein noch so vorsichtig agierendes Leben von unwillkommenen Überraschungen frei ist. Die Erkenntnis bleibt:
„Die romantische Liebe ist ein fest gespanntes Seil und in mancherlei Hinsicht ein Kampf, denn ständig wehrt man sich verzweifelt. Wenn nicht gegen den geliebten Menschen selbst, dann dagegen, zu seinem Sklaven zu werden.“ (Seite
Der Roman pendelt zwischen Selbstironie und Sarkasmus und zeigt englische Literatur in Bestform. Ein köstliches, humorvolles, gescheites, wunderbar geschriebenes Buch, der reinste Lesegenuss. Besonders erfreulich für langjährige Paare, aber alle anderen amüsieren sich wahrscheinlich auch sehr. Eine brillante Unterhaltungskost für lange Winterabende.
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am 17. März 2009
Seit 10 Jahren sind Irina und Lawrence ein Paar. Verheiratet sind sie allerdings nicht. Wie in vielen Partnerschaften hat sich auch hier die Langeweile eingeschlichen. Man arrangiert sich eben.

Jedes Jahr gehen sie mit einem befreundeten Paar, Jude, eine Kinderbuchautorin, und Ramsey, ein Snookerspieler, zu Ramseys Geburtstag essen. Eines tages ergibt es sich, dass Lawrence an eben diesem Tag beruflich unterwegs ist. Da sich Jude und Ramsey inzwischen getrennt haben, endet es damit, dass Irinia diesen Abend mit Ramsey allein verbringt. Wider erwarten wird es dann doch ein ganz netter Abend, der damit endet, dass Irinia noch mit Ramsey zu ihm nach hause fährt. Was als harmloser Abend anfängt, bringt nun ihr ganzes Leben ins Wanken, denn
sie fühlt sich inzwischen zu ihm hingezogen.

Hier beginnt das Buch dann 2 Richtungen zu erzählen. Haben sie sich geküsst? Oder haben sie doch nicht? Trennen sich Irina und Lawrence? Werden Irina und Ramsey ein Paar? Wie verändert es das Leben aller beteiligten? Welches Leben wäre das bessere? Wäre es überhaupt besser?
So passt auch Irinas Aussage "Na ja, egal mit wem die Frau am Ende dasitzt, sie wird sich immer fragen, ob es mit dem anderen nicht besser gewesen wäre". Letztendlich besteht das Leben eben aus Kompromissen. Ich denke mal das perfekte Leben gibt es nicht.

Nachdem mir die Leseprobe sehr gut gefallen hat, muss ich nun gestehen, dass das Buch selber nicht mein Fall war. Die Idee finde ich noch immer interessant, auch dass es 2 verschiedene Richtungen gab, hat mir gut gefallen. Allerdings fand ich das ganze am Ende ziemlich langatmig und ermüdend, Vielleicht bin ich da oberflächlich, aber es interessierte mich am Ende nicht mehr, was mit den inzwischen ewig nicht benutzten Gewürzen passiert, oder ob das Öl im Küchenschrank nun ranzig wird, weil es keiner mehr zum Kochen benutzt. Im übrigen finde ich die Bezeichnung Perle für eine Frau ganz furchtbar.

Kurz gesagt, es ist einfach kein Buch, das ich weiterempfehlen würde.
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