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am 17. Oktober 2012
Nach dem überzeugendem ersten Teil der „Geschichte des politischen Denkens“, in dem Ottmann zwar bereits einige Entwicklungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit skizzierte, im Kern aber das Denken bis etwa zur Mitte des letzten Jahrhunderts darstellte, spannt er nun den Rahmen von der „Kritischen Theorie“ bis hin zur Globalisierung.
Mithin legt Ottmann fundiert und in gut nachvollziehbarer Darstellung jene politischen und systemischen Entwicklungen vor, welche die Welt der Gegenwart entscheidend mit geprägt haben,

Henning Ottmann legt im nun 8. Teilband, dem 2. Band zum 20. Jahrhundert, seiner „Geschichte des politischen Denkens“ diese Entwicklungen der „modernen Gesellschaft“ vor allem unter der sich ständig weiter entwickelnden Globalisierung profunder, verständlicher und breit dargestellter Weise vor. Und setzt ein beim „Existentialismus“, verbunden mit den Namen Heidegger, Jaspers, Sartre und Camus. Ein Entwicklung, innerhalb derer durchaus das „Ende der Metaphysik“ abgelöst wurde vom „Willen zur Macht“, eine innere Haltung, die durchaus in der Gegenwart ja breit anzutreffen ist und hier ihre gedanklichen Wurzeln mit findet.

Ein Seinsverständnis, dass aufgenommen, umgeformt und in dialektische Gedankengebäude gegossen wurde durch die Frankfurter Schule, Horkheimer, Adorno, Marcuse seien hier nur als Stellvertreter genannt. Wobei gerade dann später Jürgen Habermas mit seinen Arbeiten zum Strukturwandel, zur Erkenntnis u.a. noch einmal seine Zeit intensiv motivierte, die „Verhältnisse“ dem „Gedanken“ folgen zu lassen, mithin ideologisch vorzugehen. Mit bekannten positiven (Reformen) und negativen Folgen.

Im Folgenden vertieft Ottmann Betrachtungen zum kritischen Rationalismus (Karl Popper), zum Feminismus (in vielfachen Ausprägungen) und in „Utopien“, einem wahren „Sammelsurium“ der verschiedensten Denk- und Geistesrichtungen.

Strukturierter wirkt im Lauf der Zeit die Theorie der Postmoderne durch Lyotard und Cocault, vor allem dann aber in den letzten beiden, großen Kapiteln des Buches verweist Ottmann intensiv auf jene Theorierichtungen, in denen vielleicht eine konstruktive Entwicklung für die Zukunft mitschwingen kann. Die „Grenzen der Freiheit“ im Rahmen von Rawls „New Contractarians“, innerhalb dessen die individuelle Freiheit mit schwierigen Folgen überbetont wurde, könnte hier Impulse geben, durchaus aber auch der „Kommunitarismus“. Jene Gedankenrichtung der „Orientierung an einer Idee des guten Lebens“ mit der Leitfrage: „Wie viel Gemeinschaft benötigt die Demokratie“? Durchaus mehr als zur Zeit, könnte man konstatieren und in den vielfältigen Überlegungen der Kommunitaristen wieder Kerngedanken für die zukünftige Entwicklung suchen (und wohl auch finden).

Henning Ottmann selbst vermeidet es in bester Weise und tunlichst, pauschale Kennzeichnungen und Werturteile abzuleiten. Gerade diese Kraft zur differenzierenden Betrachtung auch eher obskurer Denkansätze (vor allem im Teil „Utopisches“ im Buch gibt dem Buch seinen eigentlichen Gehalt. Offen und objektiv legt Ottmann Verbindungen, Verflechtungen, Strukturen des Denkens dar, öffnet den Blick für jene Geistesentwicklungen, die zu äußeren Verwerfungen führten, aber auch für jene, die nur äußeren Ereignissen erklärend nachfolgten.

Wie im ersten Band Wissenschaftlich gründlich und umfassend erarbeitet und in logischer Abfolge dargestellt, ist das Buch sprachlich nicht einfach nach zu vollziehen. Bei Konzentrierter Erarbeitung aber stellt sich heraus, dass es des (hervorragenden) Literaturverzeichnisses zur Weiterarbeit fast nicht bedarf, da Ottmann so gut wie alles Wesentliche zum einzelnen Thema aufnimmt und rezipiert. Für die wissenschaftliche Arbeit bestens geeignet, aber letztlich für jeden politisch interessierten Menschen ein Gewinn zum Verständnis der breiteren Zusammenhänge weltweiter Entwicklungen. Gerade angesichts der vielfachen Verwerfungen der Gegenwart.
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