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am 19. September 2013
Der Jesuit und Philosoph Michael Bordt hat gerade im Zabert Sandman Verlag ein kleines Buch mit dem Titel „Die Kunst sich selbst auszuhalten. Ein Weg zur inneren Freiheit“ veröffentlicht, in dem er verständliche und praktikable Hinweise und Anweisungen gibt, wie man sich auf einen „Weg zur inneren Freiheit“ machen kann und dann auch nicht mehr von ihm abweicht, wenn die Zeiten hart werden. Er sagt: „Freiheit gibt es nicht umsonst. Innerlich immer freier zu werden, um auch in unserem Tun frei zu sein, ist, wie wir gesehen haben, ein durchaus anspruchsvoller, zum Teil konfrontativer, manchmal auch schmerzhafte Prozess. Es ist verständlich, wenn Menschen diesem Prozess lieber ausweichen.“

Nicht nur er, sondern auch die beiden Autoren des vorliegenden Übungsbuches sind davon überzeugt, dass es sich lohnt, diesen Weg zu sich selbst zu gehen. Und weil es oft so schwierig ist, das ohne eine Anleitung und Ermutigung zu tun, haben sie auf der Grundlage einer von ihnen entwickelte Methode (Mindful-Based Compassionate Living) ein Mitgefühltraining entwickelt, das der Leser und die Leserin in insgesamt acht Kurseinheiten durcharbeiten kann.

Bei Bordt stehen am Anfang folgende Schritte: Die Angst vor der Einsamkeit überwinden, aus der Opferrolle herauskommen, einen Abstand zu den eigenen Gefühlen bekommen, um sie dann genau anzuschauen und verstehen zu können, die Brüche des eigenen Lebens annehmen und integrieren, statt sie weiter abzuspalten.

Auch hier bei van den Brink und Koster geht es vordergründig darum, die Risse und Brüche im eigenen Leben mit sich selbst mitfühlend anzunehmen und ins Leben zu integrieren. Denn wer in der Begegnung mit dem Schmerz und dem Leid im eigenen Leben und auch bei anderen ein offenes, freundliches Herz bewahren kann, der erlebt mehr Verbundenheit, innere Ruhe und Wohlbefinden. Mitgefühl (compassion) ist somit einer der wichtigsten Voraussetzungen für seelische Gesundheit.

Mit ihren praktischen Übungen, die sich in ihrer Praxis bewährt haben bei Menschen mit Neigung zur Selbstkritik, bei Menschen mit Schuld- und Schamgefühlen und bei Burnout-Gefährdeten, wollen die Autoren die Fähigkeit ihrer Leser stärken, Mitgefühl zu empfinden, zu entwickeln und zu vertiefen.

Was die Autoren vermitteln ist eine uralte, spirituelle und heilende Weisheit. Hier wird sie in einer modernen, therapeutischen Form auch nicht-spirituellen Menschen nahegebracht.
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am 2. Juli 2014
Ein wunderbar reiches, einfühlsames Übungs- und Lesebuch, das vor allem Leser im Bereich Achtsamkeitspraxis ansprechen wird. Ideal einerseits für MBSR-LehrerInnen, die eine Fülle an wichtigen Informationen und detaillierten Übungen zur Mitgefühlspraxis finden, zugleich aber auch für alle, denen klar ist, dass es auf lange Sicht wenig hilft, wenn wir versuchen, alten Verletzungen oder Gefühlen von Mangel, Scham und Ungenügendsein stets auszuweichen. Wenn wir uns trauen, sie anzuschauen, unseren eigenen Schmerz vielleicht sogar schrittweise liebevoll und mit Mitgefühl annehmen können, sind Veränderungs- und Heilungsschritte möglich, an die wir vielleicht schon nicht mehr geglaubt haben. Mir gefällt, wie persönlich die Autoren auch von ihrer eigenen Praxis schreiben, man merkt zudem ihre große Erfahrung beim Anleiten der Übungen.
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Dieses Buch habe ich mir erst gekauft, nachdem ich bei einem Freund die Möglichkeit hatte, stundenlang darin "zu schmökern".
Vorher dachte ich, die Bücher (und CDs) von Germer, von Neff und von Gilbert reichen mir.

Aber dieses Buch nimmt die besten Ideen der drei genannten Autoren und bilden daraus ein in sich geschlossenes Ganzes und hat mich überzeugt.

In diesem Buch werden die Selbstmitgefühlsübungen von Germer und Neff hervorragend mit den evolutionären Erklärungen von Gilbert verbunden.

Vielen meiner Patienten fehlt jegliches Selbst-Mitgefühl - und damit auch Mitgefühl für andere. Vielleicht haben sie noch Selbst-Mitleid und Mitleid für andere, aber Mitgefühl und Mitleid hören sich zwar ähnlich an, sind aber zwei Paar Schuhe.

Das fehlende Mitgefühl scheint leider gesellschaftlich stark verbreitet zu sein. Nicht nur Pegida und ihre Ableger standen/stehen für fehlendes Mitgefühl. Gerade las ich, dass bei einem Unfall auf der Autobahn die Menschen statt den Verletzten zu helfen von ihnen Fotos gemacht haben. Ich bin sicher, dass diesen Menschen nicht nur das Mitgefühl mit den dort Leidenden gefehlt hat, sondern dass ihnen auch Selbst-Mitgefühl fehlt. (Bitte, es soll keine Moralansage sein, richtig ist, sie tun mir leid.)

Wenn wir überleben wollen als Gattung, wenn wir gut leben wollen mit uns selbst, in Familien und anderen Gemeinschaften, dann ist es wichtig, dass wir Selbst- Mitgefühl entwickeln.

Zwar wird dies in allen spirituellen Lehren und Religionen gefordert, aber wie sieht die Wirklichkeit aus ... Und wie kann dies in einer zeitgemäßen und auch frei von Religion vermittelt werden? Van den Brink und Koster wie auch Neff, Gilbert und Germer, auf deren Schulter die Autoren stehen geben uns eine Antwort, die praktikabel aber nicht einfach umzusetzen ist.

Ich bezweifele, dass man durch das Lesen dieses Buches oder der Bücher der anderen Genannten eine Veränderung erreichen kann, denn die inneren Widerstände sind nicht zu unterschätzen.

Deshalb bin ich froh, dass immer mehr Psychotherapeuten und Pädagogen Kurse anbieten, die uns dabei unterstützen können, diese wichtige Haltung wieder zurück zu gewinnen und zur Handlungsmaxime zu machen.
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