Sale Sale Hier klicken Jetzt informieren Book Spring Store 2017 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More HI_PROJECT Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicUnlimitedEcho BundesligaLive wint17

Kundenrezensionen

4,7 von 5 Sternen
6
Kampfplätze der Philosophie: Große Kontroversen von Augustin bis Voltaire
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:24,90 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 16. April 2015
Diese Buch hat mich dazu gebracht manche Nächte bis morgens um 3 Uhr durchzulesen. Kurt Flasch hat viele Informationen zusammengetragen, die sonst nicht leicht zugänglich sind. Dadurch, dass er die Kontroversen zu wichtigen Themen beschreibt, wird das Ganze sehr lebendig. Viele Meinungen, die wir als gegeben hinnehmen waren am Anfang sehr umstritten, z. B. Sexualmoral von Augustinus. Wie sich seine Ansicht durchsetzte ist sehr interessant zu verfolgen.
Kurt Flasch hat sich, trotz seiner immensen Gelehrtheit, eine lebendige und anschauliche Sprache bewahrt.
Das Buch würde ich jedem empfehlen, der wissen will, wie wir zu unseren heutigen Ansichten gekommen sind.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 2. März 2013
Das Buch beschäftigt sich sehr fundiert nicht nur mit den großen Denkern und Lehrern sondern erklärt deutlich die geschichtlichen Gegebenheiten der jeweiligen Zeit und die Auswirkungen. Ein großartiges Buch, welches nicht nur das spannende Umfeld des Mittelalters und ihrer Denker beschreibt, sondern auch Freude am Lesen bereitet.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 10. Juli 2017
*** Ich habe nur Teile des Buches gelesen. ***

Leseerlebnis:
Klare Darstellung von Argumenten mit einer Fülle von Hinweisen zu Primär- und Sekundärquellen. Es zeigt sich, dass kein Mensch ohne Denkvoraussetzungen und entsprechenden Standpunkt an eine Problematik herangeht. Ich habe dies anhand des Beispiels von Julian und Augustin aufzuzeigen versucht.

Die Ankündigungen des Autors
• Es zeigt Philosophie als eine Serie von Konflikten. Es analysiert grosse Konflikte zwischen Augustin und Voltaire.
• Vorgehen: Wichtigste Argumente beider Seiten sichtbar machen; Zeit, die zwischen den Konstellationen verflossen ist
• Keine vermuteten Zusammenhänge, nur die von den Protagonisten selbst erstellten
• Was zählt, sind die ausgesprochenen Massstäbe, nicht die der Historiker.
• Es besteht die Neigung, sich die Zeit vor Kant als statische, agrarische und fromme Zeit zu stilisieren
• „Ich belasse die älteren Theorien in ihrem belegten Kontext; ich rette keine ihrer Einsichten ins Heute.“

Beispiel: Der Konflikt zwischen Julian und Augustin

a) Position Augustins:

• In Adam sündigte die gesamte Menschheit. Sie geschah aus paradiesischer Freiheit und wiegt als freie Tat der Gesamtmenschheit ungeheuer schwer.
• Adams Ungehorsam wird bestraft durch den dauernden Aufstand der Begierde gegen den Geist.
• Adams Sünde wird durch sexuelle Fortpflanzung auf alle Menschen übertragen.
• Die Menschen sind zwar Ebenbilder Gottes, aber schon die Neugeborenen sind schuldig; sie sind als Erbsünder Kinder des Zorns.
• Gott rettet aus unvordenklichen Gründen aus dieser Sündermasse (mass damnationis), wen er will, und das ist seine allmächtige Güte.
• Ohne Taufe fahren alle zur Hölle. Die Taufe nimmt die Schuld weg, aber nicht die Strafe.
• Die Zahl der Geretteten ist kleiner als die Zahl der Verdammten.
• Daraus folgt das Frageverbot: „Wer bist du, dass du…?“ (Römer 9)

b) Position Julians

• Die manichäische Verteufelung der Sexualität entspreche der Lehre Augustins von der Begierde. Die Theorie der Übertragung sei manichäisch, nicht christlich.
• Für Julian ist die Gerechtigkeit eine Norm, die für Gott und die Menschen gilt. Er zieht daraus Konsequenzen, während Augustin es zugunsten der unerforschlichen Allmacht Gottes entleert. Nach Julian gibt es keinen Menschen, der für einen Gott, der unschuldige Kinder verfolgt, sein Leben hingibt.
• Für Julian war der Mensch nur schlecht, wenn er schlecht sein wollte. (Er warf Augustin vor, seine frühere Position – Sünde als Willensentscheidung – verändert zu haben.) Der Mensch ist der Tugend fähig wie des Lasters.
• Wer die Wahl nicht nach beiden Seiten frei habe – die Gebote entweder einzuhalten oder zu übertreten -, der sei nicht wirklich frei. Der freie Wille sei nach Adams Sünde so vollständig erhalten wie zuvor. Ein Wille, der nur zum Sündigen frei sei, könne nicht als frei bezeichnet werden. Gott schafft also einen freien Willen und kommt dem Menschen ständig auf vielfache Weise zu Hilfe.
• Adam wäre gestorben, auch wenn er nicht gesündigt hätte.

Die Kommentare des Autors

Flasch schreibt: "Augustin hatte seit 397 eine neue Interpretation des Christentums vorgelegt. Sie war unvereinbar mit dem Welt- und dem Vernunftbegriff der antiken Philosophie, von dem er herkam... Die neue Gnadentheorie ... reduzierte den Anspruch der Vernunft; sie ruinierte mit Berufung auf Paulus das frühere, vernunftfreundliche Bild von Gott und menschlicher Selbstbestimmung. ... Der fromme Laie Pelagius ... hatte ein anderes Konzept von Christentum, und zwar aus monastisch-asketischen Motiven. Denn wenn die Gnade allein entschied, verlor die ethisch-religiöse Aufgabe der Selbstgestaltung ihren Sinn." (In Klammern eigene Hinzufügungen: Augustinus allerdings sagte, dass Gott dem erlösten Menschen das gab, was er benötigte, um freudig nach seinem Willen zu streben.)

Die beiden Bischöfe Augustin und Julian, so Flasch weiter, "streiten um die Gnade und schlagen gnadenlos aufeinander ein. ... so entfalteten sich in ihrem Streit zwei grundverschiedene Auffassungen der Welt, des Menschen und des Christentums. ... Augustin dominierte die Folgezeit, aber Julian hatte bleibende Fragen aufgeworfen: Augustin hatte behauptet, Sünde und Schuld seien vererbbar. Er hatte die Übertragung der Erbsünde an den Geschlechtsverkehr gebunden und damit den Vorrang des jungfräulichen Lebens begründet. Er hatte die geschlechtliche Begierde als das Böse verteufelt..."
"Augustin erklärte die Begierde für schlecht, als Folge der Sünde und als Drang zu neuen Sünden; Julian hielt sie für die von Gott vorgesehene Antriebskraft aller Lebewesen, der Menschen wie der Tiere. Wer sie verlästere, verleumde den Schöpfergott." Augustin unterwerfe die Sexualität "der Idealvorstellung technomorpher Körperbeherrschung: Im Paradies gab es ... nicht die discordia von libido und Wille. Wäre dort die Zeit für den von Gott empfohlenen Geschlechtsverkehr gewesen, hätte er ohne unbesonnene Glut der Leidenschaft stattgefunden." (Ich denke hierzu, dass Augustin in Teilen tatsächlich irrte - Sexualität inkl. der leiblichen Freude ist ein Gottesgeschenk; richtig lag er darin, dass der Sündenfall auch die Sexualität betrifft.)

Augustin stürzte sich "auf das einzige Detail der biblischen Erzählung, das für seine Theorie verwertbar schien, auf die Scham, die Feigenblätter und die von Gott vor der Vertreibung geschneiderten Felle." (Tatsächlich ein sehr wichtiges Detail der Sündenfallsgeschichte.) "Augustin benützte unseren ahnungslosen Ahnen Adam als Projektionstypus für sein ideal lückenloser Körperbeherrschung." (Nein, hier ging es um einen heilsgeschichtlichen Wendepunkt; Augustin argumentierte zu Recht mit Römer 5,12.)

Nach Julian "gehört der Tod von Natur zum menschlichen Leben; er ist nicht die Strafe für die Untat des fernen Ahnen." (Kein biblischer Gedanke.) Darüber hinaus ereifert sich Flasch: "Alle Menschen, sofern sie nicht von einer Jungfrau geboren waren, waren eine verlorene, eine verurteilte Masse, eine massa dammnata. Dieser Schuldkollektivismus bedeutete: Jedes Neugeborene, das vor der Taufe starb, sollte auf ewig verloren sein. Darin sah Julian eine Re-Archaisierung, eine lebens- und vernunftfeindliche Neuerung in der Auslegung des Christentums, der er widerstehen wollte, auch wenn er darüber sein Bischofsamt und seine Heimat verlor." (Auch in der Sache mit der Taufe irrte Augustin; dass er jedoch sämtliche Menschen unter Gottes Zorn sah, ist biblisch begründet.)

Nach Flasch entschied ihr Ausgang "gegen Vernunftpositionen, deren Wiedergewinnung den Schweiss und auch das Blut der folgenden Jahrhunderte gekostet hat". Dass nach Augustin wir schon in den Lenden Adams gewesen seien, bezeichnet Flasch als „sexistische Obsession“. „Augustins Re-Mythisierung des Denkens und seine Archaisierung der Werte setzte sich durch und fand noch im 20. Jahrhundert Verteidiger. Es bedurfte einer langen intellektuellen Arbeit, sie zurückzudrängen. Die intellektuelle Geschichte Europas war die geduldige und leidvolle Arbeit, die antike Idee von Verantwortlichkeit und Freiheit, die Augustin verdrängt hatte, wenigstens stückweise zurückzuholen.“

(Tatsächlich hat der Disput zwischen Augustin und Julian eine grundsätzliche Trennung zwischen zwei Weltbildern zutage gebracht: Zwischen einem autonomen, sich für eine schlechte Tat entscheidenden, und einem grundsätzlich verderbten, in Bezug auf das Heil völlig der Gnade Gottes ausgelieferten Menschen.)
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 9. Mai 2011
Kurt Flasch hat die Gabe, seine Themen allgemeinverständlich darzustellen, ohne dabei Wesentliches zu reduzieren. Die direkte und chronologische Gegenüberstellung verschiedener Denkrichtungen ist großartig, oft stellen sich "AHA"-Erlebnisse ein, wenn einem der Bezug zur Gegenwart klar wird. Das Buch kann man jedem empfehlen, der sich auch nur ein bisschen für die Ursprünge unserer Weltsicht interessiert.
0Kommentar| 17 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 28. Dezember 2010
Ein hochinteressantes Buch in verständlicher Sprache und sehr guter drucktechnischer Aufmachung. Es hat mir über weitere Bücher von Flasch wie "Logik des Schreckens" und "Augustin" den Zugang zu dem zerküfteten Werk von Augustinus eröffnet, diesem großen Schriftsteller, Philosophen und Kirchenlehrer .Diese "weltgeschichtliche Persönlichkeit" (Peter Sloterdijk), hat offenbar in den folgenden Jahrhunderten bis auf den heutigen Tag eine unvergleichliche Wirkung erzielt.Augustinus ist mit seiner Gnadenlehre der große Seelenbeschwerer und Seelenverdüsterer für anderthalb Jahrtausende gewesen. Ein unerbittlicher Bestreiter, daß man sich Gnade verdienen könne. Wenn man sich für Philosophie interessiert,kommt man an den "Kampfplätzen" und den anderen genannten Büchern wohl kaum vorbei.
0Kommentar| 19 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 5. Oktober 2010
Hier präsentiert Kurt Flasch eine Geschichte der Philosophie, die sich entfaltet vor der Kulisse welthistorischer Ereignisse. Sehr spannend!
0Kommentar| 9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden



Brauchen Sie weitere HilfeHier klicken