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TOP 100 REZENSENTam 30. Juni 2015
Das in Ostende herrliche Urlaubsflair von früher ist für den Schriftsteller Stefan Zweig nicht mehr. Die Freundschaft mit seinem besten belgischen Freund Èmile Verhaeren ist in Feindschaft geendet, der aufkommende Nationalsozialismus in Deutschland hat sie entzweit.

Stefan Zweig hat 1936 seinen in Amsterdam lebenden Freund und Pazifisten Joseph Roth zu sich nach Ostende in Belgien geholt. Roth ist gesundheitlich und finanziell am Ende. Seine Bücher werden wie viele seiner Kollegen nicht mehr in Deutschland verlegt und er ist auf seinen großzügigen Geldgeber Stefan Zweig angewiesen. Zehn Jahre besteht ihre Freundschaft und hat bislang manche Krise überstanden.

In Ostende finden sich mehrere deutschsprachige Dichter und Denker zusammen, zu denen nebst Stefan Zweig auch Arthur Koestler, Egon Erwin Kisch samt Ehefrau, Hermann Kesten, Ernst Toller und die junge, hübsche und lebenslustige Irmgard Keun als einzige Arierin gehört, in die sich Joseph Roth unsterblich verliebt. Sie alle halten Kontakt miteinander und sind verzweifelt, schreiben, diskutieren, sorgen sich und wollen über die fatale politische Entwicklung in Deutschland unterrichtet sein. Ihr jetziges Leben hat sich grundlegend verändert.

Sie sind eine Gemeinschaft von Fliehenden mit keiner Heimatzugehörigkeit mehr und versuchen dem Nationalsozialismus zu entkommen. Es sind Menschen jüdischen Glaubens im Exil und hier in Ostende, wo sie sich auch früher trafen, wollen sie mit simulierter Sorglosigkeit ein vorgetäuschtes Urlaubsflair wahrnehmen wollen. Optimismus ist Pflicht, den Strick haben sie im Koffer und erwähnen ihn nicht. Ihre Bücher werden in Deutschland verbrannt und nicht mehr verlegt, sie sind angewiesen auf ausländische Verlage, zu denen Stefan Zweig die besten Beziehungen hat.

Der Millionär Stefan Zweig animiert den alkoholabhängigen Trinker Joseph Roth zum Schreiben und unterstützt ihn finanziell in allen Lebenslagen. Er liebt und umsorgt ihn wie einen Bruder. Die beiden Männer sind von ihren Charakteren sehr unterschiedlich. Joseph Roth manipuliert seinen besten Freund und spottet über ihn, um nicht die eigene Selbstachtung zu verlieren.

Der Autor Volker Weidermann hat mit fundiertem Detailwissen die ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem Millionär und erfolgsverwöhnten Schriftsteller Stefan Zweig und dem recht erfolglosen und mittellosen Autor Joseph Roth beschrieben. Ihr zudem unstetes Familienleben hinterlässt verstoßene Ehefrauen und gewonnene Geliebte und hat somit Gemeinsamkeiten.

Volker Weidemann hat es meisterhaft verstanden das Leben dieses Freundeskreises und die glaubhaft und schillernden Charaktere seiner Protagonisten in der immer deutlich werdenden Aussichtslosigkeit ihrer Situation eindrucksvoll und sehr detailliert zu beschreiben und scharfsinnige Einblicke in deren Psyche zu gewähren.

Nach dem zuerst gelesenen Buch "Angst" von Stefan Zweig war ich fasziniert von dessen brillianter Schreibweise und seinem sagenhaften Einfühlungsvermögen in das Leben einer Frau. Es folgten weitere gelesene Bücher wie " Schachnovelle, Sternstunden der Menschheit, Ungeduld des Herzens und zuletzt die "Gesammelten Werke" von Stefan Zweig. Das Buch "Ostende: 1936, Sommer der Freundschaft" hatte ich mir aufgrund einer Rezensentenempfehlung gekauft. Das war ein hervorragender Tipp! Ich bin ein bekennender Stefan Zweig Fan.
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Sie sind schon ein seltsames Paar, die zwei Freunde, die unterschiedlicher nicht sein könnten, der erfolgsverwöhnte, kontrollierte Stefan Zweig und der stets am Rande des Bankrotts entlang lavierende Alkoholiker Joseph Roth, radikaler Pazifist der eine, "begnadeter Hasser" der andere. Zweig, dem Verpflichtungen gegenüber anderen Menschen eigentlich ein Greuel sind, ist die Aufgabe zugefallen, seinen Freund vor sich selbst zu schützen, was im Wesentlichen heißt, ihn von der Flasche fern- und zum Schreiben anzuhalten, ein nahezu aussichtsloses Unterfangen, zumindest was das Trinken angeht (er wird einige Monate vor Kriegsbeginn daran zugrunde gehen).

Zweig hat Roth nach Ostende eingeladen, wo er den Sommer 1936 verbringt. Hier hat sich eine kleine Gruppe von deutschsprachigen Schriftstellern zusammengefunden, denen der Nationalsozialismus die Heimat geraubt hat; Egon Erwin Kisch, Arthur Koestler, Irmgard Keun, Hermann Kesten und Ernst Toller gehören dazu. Während Deutschland und die Welt unaufhaltsam auf die Katastrophe zusteuern, haben sie hier eine kleine Idylle gefunden, die meisten von ihnen zum letzten Mal, in der sie diskutieren, schreiben, hoffen und, allen voran die frischverliebten Roth und Keun, trinken können.

Liebevoll und mit großem Detailwissen beschreibt Volker Weidermann die komplizierte Freundschaft zwischen den Stefan Zweig und Joseph Roth. Mit einfachen, knappen Worten zeichnet er ein atmosphärisch dichtes Bild zweier Menschen, die sich trotz der immer deutlicher werdenden Aussichtslosigkeit ihrer Situation Charakterstärke, Motivation und Kreativität bewahren können, und ihres kleinen, aber feinen und bei all den Widrigkeiten erstaunlich lebensfrohen Freundeskreises.

- Kostenloses Rezensionsexemplar -
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am 15. März 2016
Die Frauen zeigen sich schwächer als sie sind, damit die Männer sich stärker fühlen können.
Eine Gruppe deutscher Exil-Literaten im Ostende des Sommers 1936. Die Hauptpersonen sind Stefan Zweig und Joseph Roth. Für Zweig ist es ein Ausflug aus London, mit neuer Frau. Er ist immer noch ein Star und wohlhabend, wenngleich lädiert durch Verlust der österreichischen Heimat. Für Roth ist es fast schon das Ende...er ist verarmt, alkoholisiert, krank. Er kommt aus Amsterdam um Zweig anzupumpen, und bleibt eine Weile.
Was ist das, ein Stück Gruppenbiographie? Ein 'Gruppenbild mit Damen'? Fakten oder Fiktion?

In den Nebenrollen finden wir Keun, Kisch, Kesten, Koestler, Toller.
Keun tritt temporär in Roths Leben ein. Man fragt sich, wie er die aktive junge Frau bezirzt. Heldenverehrung spielt eine Rolle. Der Suff und die Liebe zur Einsamkeit sind die Basis der Gemeinsamkeit.
Kisch ist der einzige Mensch, der Roth Sepp nennt. Die Kommunistenclique macht sich über den Monarchisten Roth lustig.
Mir persönlich bedeutet Roth ungleich mehr als Zweig, dessen Stil und Themen ich meist nicht sehr mag. Roth hat einige schlechte Bücher geschrieben, aber alle in Not und Druck. Wenn er gut war, war er ein Riese. Wenn Zweig gut war, war er gut, nie gewaltig.
Diese kleine Sommergeschichte gibt uns nicht viel Neues, aber das tut sie recht gut. Alle wissen, dies ist kein 'Urlaub', aber keiner sagt es. Manche haben den Strick im Koffer, für alle Fälle.
So weit ich mich in den relevanten Biografien auskenne, bleibt die Erzählung sehr nahe bei den bekannten Ereignissen. Sie geht bei Zweig und Roth über den reinen Ostende Aufenthalt hinaus. Überschneidungen der Genres müssen uns nicht beunruhigen.
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Ist es ein Buch über Stefan Zweig, ist es eins über Joseph Roth, vielleicht über deren Beziehung oder ist es eins über die Schriftsteller der Emigration nach 1933? Lesen wir hier Prosa oder einen Sachbuchtext? Weidemann will mit Ostende wohl alles zugleich, und das ist auch die Schwäche des Buches.

Das Buch entwirft sehr gelungen die Atmosphäre jener Jahre, die Lebenssituation vieler Emmigranten, deren Sorgen und Nöte, die Diskussionen und Hoffnungen auf Änderung in Deutschland. Dadurch, auch durch die vielen Rückblenden, erfährt der Leser einiges über die in Ostende versammelten Schriftsteller. Ostende 1936 ist nur der Knoten, die Lebensfäden der Emmigranten davor und danach werden in dem Buch soweit verfolgt, dass ein prägnantes Bild jedenfalls von Stefan Zweig und Joseph Roth entsteht. Und sicher verlockt das Buch auch wieder einmal ein Buch eines der emmigrierten Schriftsteller zu lesen.

Sicher steht der scheue, menschenfreundliche Stefan Zweig, der 1936 anerkannte und renommierte Schriftsteller, im Mittelpunkt. Zu Beginn des Buches wird im Rückblick sein Sommer 1914 erzählt, sein erster Sommer in Ostende. Stefan Zweig war damals mit seiner romantischen Vorstellung vom Krieg genauso kriegsbegeistert wie andere zunächst auch. Er liebte eine verheiratete Frau, Friderike. 1936 ist die Ehe mit ihr längst erstorben. Zweig ist mit seiner Sekretärin Lotte zusammen und auf dem Sprung nach Südamerika .

Dann der osteuropäische Jude Joseph Roth mit seinem Alkoholismus, seinen ewigen Geldproblemen, seinen Liebschaften, seiner rasenden Eifersucht, seiner klaren, radikalen aber auch bösen Sicht auf die Realität der Welt. Zweig und Roth, völlig gegensätzliche Typen, eine seltsam fragile Schriftsteller-Freundschaft.

Das Jahr 1936 ist für Stefan Zweig und die meisten anderen ein Jahr des Abschiednehmens von Deutschland. Sie dürfen im Hitler-Deutschland nicht mehr publizieren. Wohin nur? Wie überleben ohne nennenswerte Möglichkeit zu veröffentlichen? Unter den kommunistischen Schriftstellern im Kreise Kischs wird in Ostende freilich auch heftig über Aktionen gegen den europäischen Faschismus diskutiert.

Das Manko des Buches ist die Sprache. Es wirkt auf mich manchmal hölzern und ungelenk. Das tritt besonders dann hervor, wenn es um Gefühle, um Liebe geht. Da ist etwa die junge, selbstbewußte, schöne, ebenfalls erfahrene Trinkerin Irmgard Keun. Sie lernt den viel älteren versoffenen Joseph Roth eines Abends kennen und sofort gehen die beiden eine Liebesbeziehung ein. Diese Annäherung, die entstehenden Gefühle der beiden, sagen wir es offen: die Liebe, wird seltsam kurz und sachlich dargestellt.

Ein weiteres Beispiel: es muss doch zwischen dem frisch verheirateten Ehepaar Ernst Toller und der Schauspielerin Christiane Grautoff enorme Spannungen und Krisen gegeben haben. Denn sie hatte bereits ein einjähriges Bühnenengagement in London angenommen und Toller wollte auf Vortragsreise nach Amerika. "Du musst zu Hause bleiben!" - "Zu Hause? Wo ist das?" fragt Ernst Toller zurück. Und im Oktober steht sie an Deck der SS Normandie.." So einfach ist das also. Literarisch wäre hier viel mehr zu erzählen gewesen. Wo bleiben die Emotionen, wo die Irrungen und Wirren bei diesem Paar, deren Lebenswege doch krass auseinanderzulaufen schien?
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am 6. Oktober 2015
Dieses Buch ist für alle interessant, die sich für die Schriftstellerszene zur Zeit der Naziherrschaft interessieren. man erfährt viel über die Seelnzustände, die Charaktere und die Art des Tagesablaufs dieser Exilanten, nicht nur in Ostenede, sondern in der Zeit 1936 - 1937; im Anhang erfährt man dann, was aus der Freundesgruppe bis heute geworden ist.
Auch berühmte Künstler sind nur Menschen, die mit mit den dem Leben und der Umgebung hadern können. einige haben Glück und werden reich, andere sind unbeugsam, kämpferisch, exotisch und werden nicht verlegt oder nur von wenigen gelesen - bleiben also mitellos.
Irgendwie beeinflussen sich die beiden Freunde Zweig und Roth sehr. Einige Bücher wären ohne die Ideen oder Anregungen der/ des Anderen nicht entstanden.
Der Stil des Buches ist flüssig und dennoch durch die knappen aber dennoch umfassenden Beschreibungen von Umgebungen, Stimmungen, Lebensumständen und Gefühlslagen so spannend, dass man nicht aufhören möchte zu lesen.
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Ostende, ein feudales, aber recht günstiges Seebad im neutralen Belgien im Jahr 1936. Hier treffen sich im Sommer Schriftsteller, deren Bücher man in Deutschland verbrannt hat und die damit den größten Teil ihres "Marktes" verloren haben. Eine Rückkehr in das nationalsozialistische Deutschland (oder in das austrofaschistische Österreich - siehe Stefan Zweig) ist unmöglich); somit bleibt nur das Exil.
Für Stefan Zweig, den erfolgreichsten dieser Schriftsteller, ist es bereits "der zweite Juli". Er verbrachte bereits den Juli 1914 in Ostende; er erlebte die überstürzte Abreise der Gäste knapp vor dem Kriegsausbruch.
22 Jahre sind seither vergangen; Zweig ist weltberühmt und diszipliniert; sein Freund Joseph Roth ebenfalls genial (und schwer alkoholkrank). Eine sonderbare Freundschaft, ja Liebe verbindet die beiden Männer. Zweig finanziert Roth, der immer in Geldnöten ist (auch weil sein größter Erfolg - "Radetzkymarsch" - in Deutschland verboten ist). Sie lesen sich gegenseitig aus ihre Schaffen vor; ja, sie schreiben sogar manchmal für den anderen (der das Geschriebene dann umarbeitet).
Und dann kommt noch eine schöne, schwierige, selbstbewusste Frau nach Ostende: Irmgard Keun. Auch ihre Bücher sind - obwohl sie keine Jüdin ist - in Deutschland verboten ("Asphaltliteratur"), ebenso die von Egon Erwin Kisch, der unweit von Ostende im Hotel wohnt. Irmgard Keun und Joseph Roth verlieben sich ineinander. Kein Mensch kann das verstehen - aber die beiden verbindet (auch) das Trinken. Die Freundschaft zwischen Zweig und Roth ist nicht mehr so, wie sie einmal war...
Volker Weidermann hat ein faszinierendes Buch über Künstler geschrieben, denen der Nationalsozialismus in Deutschland letztlich die Existenz zerstört hat. Aktuell können sie sich noch mehr schlecht als recht über Wasser halten; da ihnen aber der - deutschsprachige - Markt weitgehend entzogen wurde, sind ihre Aussichten düster.
War im Jahr 1936 für diese Schriftsteller der "letzte schöne Sommer"? Es war eher der letzte Sommer der Freundschaft zwischen ihnen (trotz aller Querelen), denn für die meisten von ihnen ging es ab nun nur mehr bergab (siehe Joseph Roth und Stefan Zweig).
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TOP 500 REZENSENTam 5. April 2014
Obwohl ich eigentlich weder Joseph Roth noch Stefan Zweig (wenn man einmal von der Schachnovelle absieht) gross kannte, so wirft dieses Buch doch einen Blick, auf die beiden Schriftsteller und damalige Schriftstellerkollegen, sowie auf die damalige Zeit, und lässt ein wenig ahnen, wie schwierig im Grunde das Leben unter dem Druck der Nazis für Schriftsteller immer mehr wurde und sie ins Exil zwang. Bücher wurden verbrannt und verboten, Ostende in Belgien am Meer, wird Zufluchtsort für viele Gestrandete, darunter etwa Irmgard Keun, Hermann Kesten, Arthur Koestler, Egon Erwin Kisch, Ernst Toller, Otto Katz, Willi Münzenberg, Kurt Wolff oder etwa die Schauspielerin Christiane Grautoff, nur um ein paar Namen zu nennen. Ostende wird Zufluchts- und Hoffnungsort, dem Leid, dem Druck ja der Katastrophe irgendwie zu entrinnen. Doch neben dem existenziellen Druck, dem sich die meisten ausgesetzt sahen, kamen auch Trennungen von Ehepartnern etwa zum Tragen und neue Beziehungen, die sich gerade bildeten. Weidermann stellt die etwas undurchschaubare Freundschaft Zweig-Roth ins Zentrum seines Buches, drum herum gestaltet all das, was diese Schriftsteller-Kollegen beschäftigt und leiden lässt. Roth der etwa an Geldmangel und Alkoholabhängigkeit leidet, oder eben z.B. eine Irmgard Keun, die sich durch ihr Bücherverbot in Deutschland trotz Protest und Einsprache, durch den Verlust ihrer dadurch bedingten Nichteinnahmen einer Existenz-Bedrohung, wie viele andere auch konfrontiert sieht. Jedes Verbot eines weiteren Drucks von Büchern, entzog den Schriftstellern ihre Existenzgrundlagen, die von den Nazis aus, in Deutschland immer bedrohender und konsequenter wurden.

Obwohl es oberflächlich gesehen eine schöne Urlaubsidylle ist, in der sich jene Künstlergruppierung durch die damalige Schicksalsentwicklung zusammen findet, so ist doch gleichzeitig der zunehmende Druck, das nahende Untergehen von allen spürbar und immer schwerer auszuhalten. Wird einem doch bei dieser Lektüre bewusst, unter welch immenser Belastung die Gruppe damals zusammenfand, um irgendwie überleben zu können. Doch gestaltet sich die Freundschaft Zweig-Roth zunehmend schwieriger, bis beide getrennte Wege gehen, auch wenn Zweig seinen Schriftstellerfreund noch eine Zeit lang mit Geld unterstützt, den Roth verliert immer mehr Boden unter den Füssen, verliert Möglichkeiten seine Bücher wenigstens in Amerika abzusetzen und wirkt gegen Ende immer mehr als Klette, die immer weniger lebensfähig ist. So erleben wir also , was sich in etwa in jenem Sommer, in jenem Ostende so alles zugetragen hat, und wie die dortige Zeit erlebt, genossen, getrunken, gearbeitet oder eben auch erlitten wurde. Dadurch erfahren wir so etwas wie lauter kleine Porträts, die neugierig machen, man bekommt Lust vielleicht einmal etwas von Irmgard Keun zu lesen, oder anderen die hier vorkommen. Doch der eigentlich Höhepunkt ist derjenige, wenn Volker Wiedermann im Zeitrafferverfahren, all jene Leben und deren Ausgänge schildert, von Menschen die wir vorher nur in jenem Urlaubs- und Badeort kennenlernten. Es ist spannend geschrieben, wo sich so manche Biographie hinbewegt hat, wer wie lange gelebt hat, oder wer sich auch suizidiert hat. Das hat auch eine traurige und deprimierende Note, macht es einfach einmal mehr deutlich, welch schwere Zeit all diese Menschen damals erlebt haben, obwohl sie eigentlich an einem traumhaften Ort für eine gewisse Zeit lebten, trügt es doch nicht an dem vorbei, welchem tragischen Schicksal viele damals einfach auch ausgesetzt waren. Zwischendurch habe ich es zwar kurzfristig ein wenig trocken erlebt zu lesen, und trotzdem hat Volker Weidermann das klasse gemacht.

Im Grunde ist es eine Schilderung jener Tragik, denen sich die damaligen Schriftsteller nicht oder nur in gewisser Weise entziehen konnten. Und dass ein Stefan Zweig sich im Jahre 1942 suizidiert hat, zeigt auch, dass selbst genügend materielle Einkünfte für einen bestärkten Lebenswillen nicht ausreichten, und wie sehr die Macht der Nationalsozialisten das Leben vieler Menschen, nicht nur von Schriftstellern, essentiell bedrohten, ja (innerlich) zerstörten. Volker Wiedermann will genau davon erzählen, und das ist gut so, denn es ist auch ein Stück Zeitgeschichte, das er uns da vor Augen führt, das berührt und betroffen, ja auch traurig macht. Natürlich ist es eine Mischung zwischen Roman und Sachbuch. Wie sehr jedoch sich der Autor an die Tatsachen gehalten hat, dürften wohl nur eingefleischte Literaturkenner, Stefan Zweig-oder Joseph Roth-Kenner, der damaligen Zeit beurteilen können.
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am 27. Februar 2015
Ich habe die Lektüre dieses Buches - die ja auch angenehm kurz ist - sehr genossen. Es liest sich einfach gut, es ist witzig, es ist anrührend. Und wenn man einen Bezug zu Ostende hat, vielleicht sogar schon Ensors Atelier besucht hat, hat man auch immer ein wenig die Stadt vor Augen - auch wenn, wie Weidermann resümiert, es Ostende eigentlich gar nicht mehr gibt.
Ich denke, dass "Ostende" vor allem die begeistern wird, die sich ein wenig mit Literaturgeschichte auskennen und Werke der erwähnten Schriftsteller gelesen haben. Aber obwohl meine Kenntnisse rudimentär sind, fand ich es überaus lesenswert. Zu Beginn hatte ich den Eindruck, Weidemann hat vor allem viel recherchiert und das wird jetzt eher ein dokumentarisches Werk, aber diese Erwartung musste ich zunehmend revidieren. Immer wieder hatte ich Tränen in den Augen stehen...
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am 17. April 2016
Ostende, der belgische Badeort an der Kanalküste, wurde 1944 durch alliierte Luftangriffe nahezu zerstört. Von der Bahnhofsfassade steht nur noch ein trauriger Rest. Der breite, mit roten Steinen gepflasterte Boulevard wird von weißen gesichtslosen Häusern gesäumt. Nach dem Hôtel de la Couronne, dem Maison Floréal oder dem Restaurant des italienischen Wirts Almondo in der Langestraat wird man heutzutage vergeblich suchen. Und doch waren all dies Lokalitäten im Sommer 1936 Zeugen der Begegnung einiger deutschsprachiger Schriftsteller, die eines gemein hatten. Sie wurden verfolgt, ihre Bücher verboten, hatten ihre Heimat verloren. Kurzum es waren Dichter auf der Flucht, Schriftsteller im Exil.

Der Spiegel-Feuilletonist Volker Weidermann erweckt auf 152 Seiten das Exil-Literatentreffen im Juli 1936 im friedlichen sonnigen Ostende zum Leben. In den Mittelpunkt rückt er die sonderbare Freundschaft zwischen dem Millionär Stefan Zweig und dem begnadeten Trinker Joseph Roth. Zu diesen österreichischen Schriftstellern gesellen sich Egon Erwin Kisch, der rasende Reporter, Arthur Koestler, Irmgard Keun, Ernst Toller, Christiane Grautoff, Willi Münzenberg und Hermann Kesten. Trotz der sich zuspitzenden politischen Lage entwickelt sich ein idyllischer Urlaub am Meer unter Freunden voller Trinkfreuden und anregender Gespräche. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Die junge leidenschaftliche 31-jährige Keun verliebt sich in den mehr als 10 Jahre älteren Roth.

Fazit: Es macht Spaß, mit dem früheren Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in die Zeit 3 Jahre vor Ausbruch des unseligen Krieges einzutauchen. Ganz offensichtlich hat sich der Autor von Florian Illies’ „1913 Der Sommer des Jahrhunderts“ inspirieren lassen, der sich einer grob vergleichbaren Thematik, nur einen Weltkrieg früher, angenommen hat. Das flüssig geschriebene und damit schnell lesbare Büchlein regt an, sich mit den Werken Zweigs und Roths zu befassen. Abgerundet wird es durch das 5-seitige Schlußkapitel ‚Mystery Train’, in dem das weitere Schicksal der obigen Protagonisten kurz und prägnant skizziert wird.
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TOP 500 REZENSENTam 18. Juni 2014
Im belgischen Küstenort Ostende treffen sich im Sommer 1936 Stefan Zweig und Joseph Roth, um dort gemeinsam die Ferien zu verbringen. Ich kenne die Biografien der beiden Literaten und habe immer wieder Probleme, mir diese beiden völlig unterschiedlichen Männer als Freunde vorzustellen. Joseph Roth zähle ich zu meinen Lieblingsautoren und auch Stefan Zweigs Werk schätze ich sehr. Die Runde wird durch Irmgard Keun, Hermann Kersten, Ernst Toller und Egon Erwin Kisch komplettiert. Sie sind Emigranten, weil sie – bis auf Irmgard Keun – Juden sind, weil ihre Bücher in Deutschland nicht mehr verlegt werden. So nah sie sich im Geiste sind, so sehr unterscheiden sie sich in ihrem Leben. Ost-Jude, West-Jude, Nicht-Jude, armer Jude, reicher Jude, Trinker und Pazifist, Liebende, Lebende, Verzweifelte sind sie. Und sie sind Freunde, wenn auch diese Freundschaft, insbesondere die zwischen Zweig und Roth, argen Belastungsproben ausgesetzt ist.

Diesen Roman habe ich sehr genossen. Ich fühlte mich Roth, Zweig und den anderen so nah, wie ich es durch das bloße Lesen ihrer Biografien nie war. Beeindruckend dabei ist, das Volker Weidermann mir dieses Leseerlebnis auf nur 160 Seiten bescherte. Es gibt keine überflüssigen Worte oder Dialoge und schon gar keine Längen. Die Urlaubsidylle ist jedoch nur scheinbar. Das wird sehr deutlich, wenn man von jedem der Protagonisten mehr Hintergrundinformationen erhält. Dieser Rückzugsort ist wie ein Mantel des Schweigens, der ihre eigentlichen Sehnsüchte verhüllt. Sein besonderes Flair hat Ostende nur durch die Gemeinschaft.

Für mich war es sehr interessant, ein wenig an den Gedanken und Gefühlen dieser literarischen Gemeinschaft teilhaben zu können. Ich habe ihre Hoffnungen, Wünsche, Abgründe und ganz persönliche Tragik erkennen können. Darüber hinaus bekam ich so ganz nebenbei einen kleinen Einblick in die Werke der Autoren und „Meine Freunde, die Poeten“ von Hermann Kersten ist sofort auf meinen Wunschzettel gewandert, weil es diesen Roman, den ich sehr gern weiterempfehle, noch einmal vertieft.
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