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am 28. Januar 2013
Wer ob des Titels ein weiteres Buch erwartet, welches sich ausschließlich um Kirchensteuern, Grundbesitz und Pfründe der großen Kirchen bewegt, sieht sich schon zu Beginn der Lektüre und bei den ersten Blicken ins Buch angenehm enttäuscht.

Unter „hohen Nebenkosten“ ist, im Sinne der Autorin, nicht nur zu verstehen, dass die großen Kirchen als zweitgrößter Arbeitgeber in Deutschland fungieren und nicht nur, dass die großen, verfassten Kirchen in diesem Zusammenhang auch mehr und mehr Einnahmen durch Refinanzierungen generieren (was sicherlich eine Rolle spielt und im Buch von Eva Müller aus fundiert und sorgfältig recherchiert dargelegt wird). Unter „Nebenkosten“ ist vor allem auch „zu verbuchen“, wie sehr und wie viele Menschen von leicht bis bitter enttäuscht sich wiederfinden, so sie mit den „Formalia“ der Kirchen aneinandergeraten. Und eben auch in Form solcher zermürbender Erfahrungen „zahlen“.

Formalia, die, das wird eindeutig und klar herausgestellt durch Eva Müller, tatsächlich nicht nur in den „inneren Werten“, sondern auch im ganz offiziellen, rechtlich formalen Vollzug eine Art „Sonderwelt“ in der Gesellschaft Deutschlands darstellen.
Eine Welt, in der kompetente Mitarbeiter, die sich im Rahmen ihrer Tätigkeit nichts haben zuschulden kommen lassen, aufgrund „privater“ Entscheidungen entlassen werden können. Und das anscheinend in einer „Gleichstellungs“- und Antidiskriminierungsgesellschaft“ völlig im Einklang mit geltendem, bürgerlichem und öffentlichem Recht.

Da zieht die geachtete und hoch geschätzte Kindergartenleiterin eines katholischen Kindergartens privat mit einem Mitglied des Kirchenvorstands in „eheähnliche“ Gemeinschaft und wird umgehend gekündigt. Aufgrund dieses privaten Weges.

Damit aber nicht genug, dies ist ja nur der „Aufhänger“, der Beginn des Buches, das in Form einer Reportage nun einerseits den Weg der Interessensgemeinschaft der Eltern nachzeichnet (die ihre Leiterin wieder haben wollen, bis dahin, den Kindergarten aus der Trägerschaft der katholischen Kirche zu lösen), mitsamt deren „Kampf gegen Windmühlen“ und vor allem ignoranter „Buchstabenauslegung“ mittelalterlich anmutenden Kirchenrechts durch den konkreten Kirchenvorstand samt Pfarrer der Gemeinde.
Andererseits nutzt Müller den roten Faden dieser konkreten „Geschichte aus dem Leben“ um sachlich und unaufgeregt, mit fundierten Zahlen unterfüttert, diese „Parallelwelt“ Schritt für Schritt aufzuzeigen. Und dabei auch mit der ein oder anderen Mär vom (gerade auch finanziellen) „Einsatz“ der Kirchen aufzuräumen.

Durchaus erhellend stellt der Leser fest, dass die großen Kirchen in Deutschland Zug um Zug ihre eigenen Investitionen in die soziale Arbeit und den Unterhalt von Kindergärten zurückgefahren haben, mehr und mehr (auch über eigentlich gesetzte Grenzen hinaus) öffentliche Gelder zugeführt bekamen und bekommen. Mit dem sanften Nachdruck, das man „ansonsten die Einrichtung eben schließen oder in kommunale Obhut alleine zurückgeben müsse“. Immer wieder von der Schilderung begleitet, wie die Initiative der Eltern in Fragen ihrer Kindergartenleiterin „abgebügelt“ wird.

Einerseits also, salopp formuliert, wird die Hand weit aufgehalten für eine Finanzierung aus öffentlichen Geldern, aus Steuern und damit aus der Gesellschaft heraus , anderseits wird sich energisch dagegen verwehrt, dass moderne Werte eben dieser Geldgeber oder deren Interessen an einer vor allem kompetenten Mitarbeiterschaft einen Einfluss auf „innerkirchliche“ Vorgänge haben dürften. Was im Übrigen, wie das Ende der Geschichte zeigt, nicht nur für die ( eher im Mittelpunkt dieses Buches stehende) katholische Kirche gilt.

„Bislang gibt es in Deutschland kein Gerichtsurteil, das das besondere kirchliche Arbeitsrecht grundsätzlich anzweifelt“.

Eva Müller legt hier sicher nicht das einzige Buch zum Thema vor. Eine Vielzahl von Auseinandersetzungen mit der öffentlichen Finanzierung, dem Umgang mit Finanzen, Ressourcen und Mitarbeitern und der „ganz eigenen Gesetzgebung“ der Kirchen in Deutschland hat es schon gegeben.
Beeindruckend aber ist an diesem Buch die durchgehaltne konkret Geschichte, die von Anfang bis Ende erzählt wird und an deren Verlauf die hinzutretenden Fakten ein fassbares und stimmig verknüpftes Bild einer „Parallelwelt“ im öffentlichen Recht ergeben.

Ein wichtiges, im Stil flüssig zu lesendes und fundiertes Buch.
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TOP 100 REZENSENTam 9. Januar 2013
Die Kirche ist neben dem Staat der größte Arbeitgeber in Deutschland. Über eine Million Menschen arbeiten in sozialen Einrichtungen für die Kirchen - in Kindergärten, Krankenhäusern, Schulen und Altersheimen. Sie alle unterliegen einem besonderen Arbeitsrecht, vom dem die Öffentlichkeit nicht viel erfährt. Außer, wenn einzelne Arbeitnehmer gegen die Regeln verstoßen und gekündigt werden, wie im Fall von Bernadette K., welcher durch die Presse ging und vom dem im Buch berichtet wird.

Sie leitete einen katholischen Kindergarten in Königswinter, ist beliebt und geschätzt, und wird trotzdem entlassen, weil sie gegen die Glaubenslehre der Kirche verstoßen hat. Sie hat sich nämlich in einen anderen Mann verliebt und scheiden lassen. Die Autorin Eva Müller fragt daher in ihrem Buch, was sind das für Arbeitsbedingungen, die so strenge Anforderungen an das Privatleben des beschäftigten Personals stellen? Und vor allem: sind diese gerechtfertigt?

Die Frage stellt sich nicht zuletzt im Lichte der Finanzierung der kirchlichen Einrichtungen. Der Kindergarten, in dem Bernadette K. arbeitete, wird zu 100 % aus öffentlichen Geldern finanziert. Bei Caritas und Diakonie finanziert die Kirche in der Regel selbst nur noch etwa zwei Prozent des Etats. Wenn die Allgemeinheit also fast alles zahlt, warum dürfen die Kirchen allein bestimmen, unter welchen Bedingungen sie ihre Arbeitnehmer einstellen - und entlassen. Und vor allem: wofür gibt die Kirche das eigene Geld aus, also die Einnahmen aus der Kirchensteuer?

Es sind solche interessanten und selten gestellten Fragen, die das Buch zu einer lesenswerten Lektüre machen und dabei das durchaus nicht spannungsfreie Verhältnis zwischen Kirche und Staat beleuchten.
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am 29. Juni 2013
der Fall der braven katholischen Kindergartenleiterin, die nach ihrer Scheidung mit ihrem neuen Lebenspartner einen gemeinsamen Hausstand begründen möchte und dafür von der Kirche die Kündigung erhält, ist hinlänglich durch die Medien bekannt gemacht worden, es existiert auch eine längere filmische Dokumentation.

Das Buch kann dem nur wenig an Hintergründen hinzufügen, es hangelt sich die meiste Zeit an der Erzählung dieses konkreten Falles entlang.

Trotzdem für brave Kirchensteuerzahler und undogmatische Christen eigentlich Pflichtlektüre und ein weiterer Beleg für die dringendst zu vollziehende Entflechtung von Kirche und Staat sowie der Abschaffung von Sonderrechten der Kirchen, sei es im Arbeitsrecht oder auf anderen Gebieten.
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am 12. Februar 2013
...jeweils durchbrochen von Zusatzinformationen, die den Kontext durchleuchten.

Ein sehr flüssig geschriebenes, durch mehrere Fallbeispiele aufgelockertes Sachbuch,
das dem Leser die Probleme zwischen Kirche und Staat von allen beteiligten Positionen
anschaulich näherbringt.

Um welche Probleme geht es hier?
Zum einen um die beiden christlichen Amtskirchen und ihren Einrichtungen mit den dort Beschäftigten,
den zusätzlichen Sonderregeln, die für solche Arbeitnehmer im Rahmen ihrer Beschäftigung
bei einem kirchlichen Träger gelten - und die die Kirchen auch unnachgiebig einfordern.
Zum anderen geht es um die Frage, wer denn tatsächlich die Kosten für diese Einrichtungen trägt,
auf denen zwar "Kirche" draufsteht, und in denen den Kirchen nach ihrem per Grundgesetz der BRD
zugestandenen Sonderrechten auch bestimmen können, wie es für die dort Beschäftigten bis hin
in die private Lebensgestaltung zu laufen hat.

Wie geht so etwas an, wenn man erfährt, dass die Kirchen ihre Einrichtungen nur minimalst selbst
finanzieren, der Löwenanteil von 90-98% vom Steuerzahler kommt, die Kirchen aber weiterhin auf ihr
rigoroses Selbstbestimmungsrecht pochen?
Wie geht so etwas an in Zeiten, wo es immer mehr Kirchenaustritte gibt, wo Lebensentwürfe nicht mehr
den geforderten christlichen Idealen entsprechen, wo der soziale Leistungs- und Arbeitsbereich bald von kirchlichen Trägern dominiert wird, und Andersgläubige oder gar atheistische Arbeitnehmer aber kaum die
Chance haben, dort noch einen Arbeitsplatz zu erhalten?

Wie geht es an, dass ein Aufschrei der Entrüstung durch die Republik fegte, als die Methode-Schlecker publik wurde, mit der Arbeitskräfte zu Dumpinglöhnen wiederbeschäftigt worden waren - doch bei der Diakonie, die exakt dasselbe tut bei ihren sozialen Einrichtungen, indem Bereiche als Tochterunternehmen ausgegliedert, und die ausgegliederten Arbeitskräfte dort zu Niedriglöhnen wiederbeschäftigt werden, da gibt es keine entsprechende Presse.

Und wie gehen vorgelebte Christlichkeit und das Folgende zusammen, wenn einer Kindergärtnerin, die mit ihrem Pfarrer und Arbeitgeber wegen privater Probleme ein klärendes Gespräch sucht,
statt anteilnehmender Seelsorge zur Antwort gegeben wird:
"Sie sind ein schädliches Ärgernis und daher müssen Sie gehen."
Derselbe Pfarrer wird kurze Zeit später einen Teil seiner Gemeinde vor den Kopf stoßen mit den Worten: "Diejenigen, die Konsequenzen ziehen, sind keine echten Katholiken, auf die kann die Kirche verzichten."
Und als sich abzeichnet, dass die Schäfchen der Herde gegen den Hirten aufbegehren und noch immer nicht zum rechten Katholizismus finden wollen, ja, als sie in der Kommune und über politische Hebel gar erfolgreich die Kirche als Träger ihres zu 100% öffentlich finanzierten Kindergartens kündigen wollen, greift die Kirche zu mittelalterlichen Methoden:
Öffentlicher Pranger auf grünem Flugblatt, das in die Briefkästen der Gemeinde verteilt wird, in der Kirche offen ausliegt, auf der Webseite der Kölner Diözese eingestellt wird - worauf private Angelegenheiten der gekündigten Kindergärtnerin mit vollem Namen, dem ihres Lebenspartners nebst Wohnort angegeben sind!

Eine erzkatholische Juristin wird bemüht, die in ihrer unerbittlichen Heilsauslegung und dem elitären Anspruch an Höheres gar nicht merkt, wie sie sich der für Christen immerhin geltenden Todsünde des Stolzes in geradezu grotesker Weise unaufhörlich versündigt und so dem kirchlichen Anliegen sogar noch mehr schadet als nützt.

Ein großartiges Buch, in dem sich die, die es ja angeblich so viel besser wissen in ihrem erhabenen Vorbildanspruch, gnadenlos demaskieren und selbst ad absurdum führen.
Die Autorin musste gar nichts hinzufügen, als jeden einfach nur sprechen zu lassen.
Als Leser merkt man sehr schnell, was Sache ist.
Ich habe dieses Buch gestern in einem Rutsch gelesen und kann es jedem wärmstens empfehlen;
und für diejenigen, die noch mehr Details in Kirchenfinanzierung haben möchten, in Verbindung mit
Carsten Frerk: "Violettbuch Kirchenfinanzen"

Frerk wird in Frau Müllers Buch übrigens auch genannt, ihm wird neben Kritik von der Evangelischen Kirche insofern Respekt gezollt, als dass er in seinem Thema ein sehr kundiger Mann sei.
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am 4. Juni 2016
Ein hochinteressantes, aufklärungsreiches, sehr zu empfehlendes Buch!
Ich gehöre selbst der ev. Kirche an, muß jedoch nach dem Lesen diese Buches feststellen, daß auch die karitativen Einrichtungen beider Konfessionen die Ökonomie in den Vordergrund stellen - ich denke hierbei insbesondere an die Alten- und Pflegeheime.
Es steht zwar auf außen "evangelisch oder katholisch.... " Pflege-/Altrenheim, Kindergärten, jedoch werden diese Einrichtungen zu 98% vom Staat finanziert !!!!! Das muß man sich vorstellen !!!!!!
Der Staat hat jedoch keinen Einfluß auf die inneren Abläufe. Kein Angestellter darf einer Gewerkschaft angehören;
es werden überwiegend nur Mitarbeiter angestellt, die der Kirche angehören; das Lohngefüge liegt unter staatlichen Löhnen; Personalunterbesetzung aus ökonomischen Gründen, wenig Zeit für die eigentliche christliche Betreuung; gestreikt werden darf nicht; es wird nicht gern gesehen Anträge auf Lohnerhöhung zu stellen, die Angestellten haben Angst um ihren Arbeitsplatz.
Fazit:
.-Die christliche Nächstenliebe wird durch die Ökonomie verdrängt
-Wer bezahlt muß auch mitbestimmen, nämlich der Staat
Es ist für beide Konfessionen sehr beschämend
Ich denke auch daran, daß im Bistum Magdeburg über 80 Millionen Euro bei Spekulationen in den Sand gesetzt wurden.
...... und die Kirchen sind gut bemittelt, durch ständige Spenden und das Eintreiben der Kirchensteuern durch den Staat/Finanzamt.
Dieses Buch hat mir die Augen geöffnet. Die Kirchen brauchen sich nicht über die vielen Austritte zu wundern.
Aus meinem inneren christlichen Glauben, werde ich nicht austreten, meine Kirchensteuer weitere entrichten, mich aber bei Spenden zurück halten.
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am 4. Februar 2013
Anhand der Erfahrungen einer Leiterin eines katholischen Kindergartens zeigt Eva Müller auf, welche Probleme sich ergeben können, wenn der Staat sich aus wesentlichen Feldern teilweise oder gänzlich zurückzieht.

Eine allseits beliebte und auch durch ihre qualitativ hochwertige Arbeit sehr geschätzte Leiterin erhält nach langen Jahren erfolgreicher und engagierter Beschäftigung die Kündigung, nachdem sie sich hat scheiden lassen und zu ihrem neuen Lebenspartner gezogen ist.

Die Kirche beruft sich auf ihre Prinzipien, betont besonders eine elementare und sinnstiftende Bedeutung der Sakramente (in diesem Fall: des Sakraments der Ehe); sie verweist auf ihre sehr weitgehende Autonomie im kirchlichen Arbeitsrecht indem sie zusätzlich an ihren "Dritten Weg" der Regelung von Arbeitsbedingungen (gegenüber dem "Ersten Weg" einer weitgehend einseitigen Festlegung der Bedingungen durch den Arbeitgeber wie beispielsweise im Öffentlichen Dienst und einem "Zweiten Weg" des Aushandelns der Arbeitsrechte durch Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern) erinnert, mahnt "Vertragstreue" für eine Weiterbeschäftigung an und der örtliche Pfarrer spricht gar davon, daß die Gefahr "eines schädlichen Ärgernisses" gegeben sei und deshalb die Entlassung zu vollziehen wäre. Christ sei man nicht nur für sich selbst, sondern für alle anderen ebenso und der Herrgott sei für uns ein Gott der Treue und daher verstünden wir die Ehe als ein Abbild des Bundes Gottes mit den Menschen.
Was der Pfarrer, zuständig auch für den Nachbarort Rauschenbach / Königswinter, hier im selbstverliebten Pluralis ausspricht, kann und darf natürlich allenfalls für seine eigenen Glaubensangehörigen gelten, nicht jedoch für das Gesamt der Bevölkerung!

Eva Müller schildert in gut verständlicher Sprache und immer wieder mit nachvollziehbaren Beispielen belegt, wie letztlich in sehr vielen Fällen der Staat zahlt (den Kindergarten mit dem "schädlichen Ärgernis" gar zu 100 % und darauf noch 2% Verwaltungsgebührerstattung draufgesattelt!), die Kirche aber anschafft und bestimmt. Daß dies besonders in Gegenden, wo staatlicherseits keine säkulare Lösung angeboten werden, einer pluralistisch verstandenen Gesellschaft gegenüber kontraproduktiv wirken muß, ist mehr als deutlich.
Wem jedoch im vorliegenden Buch die Beispiele, was Finanzierung angeht, nicht genügend erscheinen, der sei zusätzlich auf das Buch von Carsten Frerk "Violettbuch Kirchenfinanzen - Wie der Staat die Kirchen finanziert" verwiesen; darin findet sich ausführliches, nachprüfbares Zahlenmaterial.

In Eva Müllers Veröffentlichung werden auch Fallbeispiele genannt, wo "Andersgläubige" (z.B. Protestanten) zwar für eine Aushilfsstelle lange Zeit beschäftigt wurden, ihnen jedoch dann - eben aus jenen Glaubensfestlegungen heraus - die gewünschte Festanstellung verwehrt wurde. Aushilfsweise für lange Zeit scheinen die ansonsten vorgebrachten Ablehnungsgründe plöztlich irrelevant zu sein! Verstehe das, wer wolle.
Völlig inakzeptabel sind auch homosexuelle / lesbische Orientierung - offensichtlich nicht zu dulden im Kontext christlicher Auslegung von Nächstenliebe und Beschäftigungsstruktur ...

Wäre es angesichts dieser Häufung von Trauerspielen mit freilich sehr konkreten Folgen für die Lebensgestaltung der Betroffenen nicht zynisch, könnte ich feststellen: Das Buch liest sich auch sehr spannend. Spannend nämlich insofern, als die Leser einen Prozeß begleiten können, dieser anschaulich in der Entwicklung (mit der Erwartung auf das, was als nächstes einem an Merkwürdigkeiten begegnet) und in seinem (Hoffnung machenden?) Ende hautnah erfahrbar wird.

Was jedoch einer besonderen Erwähnung bedarf: Die Solidarität, die Bernadette Knecht in ihrem Ort - über alle Glaubensgrenzen hinweg! - erfahren hat (und die im Buch wieder sehr "lebendig" wird!), die ist bewundernswert, sollte Schule machen und gibt Anlaß, sich zu überlegen, wo man selbst sich einschlägig engagieren kann und sollte und natürlich auch, wo man es besser bleiben läßt.

Wie man auch immer die Angelegenheit nach der Lektüre betrachten mag - klar dürfte sein, daß das Verhältnis von einem pluralen, weltlichen Rechtsstaat zur Kirche noch entscheidender Klärung und Korrekturen bedarf! Die Parteien, die in ihren Grundsatzprogrammen zu früherer Zeit darin sehr wohl einen Regelungsbedarf gesehen hatten, haben sich mittlerweile zumindest explizit von ihren alten grundsätzlichen Forderungen distanziert, sie verwässert, ohne daß hierfür sachimmanente Gründe zu sehen wären.
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am 25. Januar 2014
Nach dem Lesen dieses Buches fällt einem der Austritt wesentlich leichter.
Es ist nicht nachzuvollziehen, warum die Kirche so viel Entscheidungsgewalt in öffentlichen Leben hat, vor allem bei Arbeitsplätzen.
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am 8. März 2013
Eva Müller zeigt hier recht sachlich die Methodik auf, wie die Kirchen teils zu 100% staatliche Zuschüsse kassieren, auch die Personalkosten, um z.B. Einrichtungen wie einen Kindergarten, eine Schule usw. als christlicher Träger zu übernehmen oder neu zu eröffnen, diese Einrichtung dann "christlich" zu taufen und dem ganzen Gebilde das eigene Weltbild aufzuzwängen. Auch die Verstrickung mit dem Staat, der aus Kostengründen gerne zu diesem Mittel greift, wird aufgezeigt. Recht schnell versteht man, dass man dem Irrtum aufsaß, indem man meinte, die Kirche tue all dies aus Nächstenliebe, was die Kirche selbst ja immer so darstellt. Vereinfacht geht es einfach nur ums Geld, um Gewinnmaximierung. Wobei man auch anerkennen muss, dass dahinter eine intelligente und hinterlistige Strategie steckt, die Menschen für die eigenen "christlichen" Ziele gefügig zu machen, den Menschen quasi die eigenen Ziele aufzuzwängen und ihn an sich zu ketten (Wer nicht katholisch oder evangelisch ist, darf bei uns nicht arbeiten z.B.). Die sog. Elementarpädagogik, also der Kindergarten, ist deshalb ein beliebtes Ziel der Kirchen. Im Kern geht es aber um die Geschichte der ehemaligen Kindergartenleiterin Bernadette Knecht, die eines Tages gekündigt wird, weil sie erneut heiratete. Die Menschen in ihrer Umgebung protestieren, formieren sich zu einer Bürgerbewegung und versuchen die Kündigung rückgängig zu machen. Die Kirche fährt zunächst schwere juristische Geschütze auf, bis sie zum Schluß das Mittel der üblen Nachrede anwendet und die ehemalige Kindergartenleiterin per Hauspostverteilung öffentlich an den Pranger stellt. Nebenbei erfährt man sehr viel Lehrreiches über das Finanzsystem der Kirche in Deutschland und muss erfahren, dass man selbst als Ausgetretener an den unmenschlichen, machterhaltenden Machenschaften der Kirche durch Steuern und Finanzierung unfreiwillig mitwirkt. Die Kirche ist schon längst im 21. Jahrhundert angekommen, meine Meinung. Und davon, dass ihr das niemand zutraut, profitiert die Kirche ungemein.
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am 3. März 2013
Kirche im 21. Jahrhundert. Das Buch bietet tiefgreifende Einblicke in die Arbeitgebermentalität der Kirche und deren Widersprüche zu der nach außen hin vertretenen Lehre von Nächstenliebe, Toleranz und Vergebung. Wenn man diese Praktiken näher hinterfragt, kann man als Katholik ganz schön ins Grübeln kommen. Die Kritik richtet sich gewiss nicht gegen den fundamentalen Kern christlichen Glaubens und den daraus für den Alltag resultierenden Konsequenzen. Die Kritik richtet sich vielmehr gegen die einseitige und oftmals realitätsferne Auslegung und Interpretation dieser Glaubensgrundsätze und dem Bestreben, diese unter allen Umständen auf Lebenssituationen im 3. Jahrtausend anwenden zu wollen. Die Gralshüter dieser Ideologie scheinen der Wirklichkeit offenbar ebenso weit entrückt wie die Schar der Politiker, die aus populistischen Gründen vor dieser Problematik die Augen verschließen. Natürlich kann man darüber streiten, ob soziales Engagement (auch immer) ein finanzielles Geschäft sein muss. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung unseres Landes kommt man aber nicht umhin, sich mit dieser Frage auseinander zu setzen und die Rahmenbedingungen hierzu für die Betroffenen sozial verträglich zu gestalten. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Buch hierzu ein erster und ernst zu nehmender Anstoß ist, eine Pflichtlektüre für alle, die sich mit dem Berufsbild der "Sozialen Arbeit" beschäftigen und hier ihre berufliche Zukunft sehen!
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am 14. Februar 2013
Ich verstehe dieses Buch nicht als fundamentale und einseitige Kritik an der Kirche oder an kirchlichen Trägern und Wohlfahrtsverbänden. Vielmehr beleuchtet und hinterfragt die Autorin Zusammenhänge zwischen Kirche und Staat, die auch mir bislang nicht bekannt waren. So war mir nicht klar, dass Kin­der­gär­ten, Schu­len, Kran­ken­häuser und Al­ten­heime in Trä­ger­schaft der christ­li­chen Kir­chen und ihrer Wohl­fahrts­ver­bän­de zum überwiegend (zu 80 bis 100 %) nicht aus der Kir­chen­steu­er fi­nan­ziert werden, sondern aus staatlichen Geldtöpfen kommen - also von Bund, Län­dern, Kom­mu­nen und So­zi­al­ver­si­che­rungs­trä­gern.
Interessant für mich war zu erfahren, warum das so ist: Es ist häufig teurer einen städ­ti­schen Kin­der­gar­ten auf­zu­ma­chen und zu betreiben, weil der kom­mu­na­le Kin­der­gar­ten we­sent­lich ge­rin­ge­re Lan­des­zu­schüs­se be­kommt als die von der Kirche betriebenen Einrichtungen. Zudem müssten die Kommunen auch eine entsprechende Verwaltung/Organisation aufbauen.

Die Folge davon sei, dass die Kom­mu­ne zwar Geld spare, aber jeden Ein­fluss verlieren würde, erklärt die Autorin. Die Kir­che habe die Ho­heit über Per­so­nal­pla­nung und Or­ga­ni­sa­ti­on in den christ­li­chen Kin­der­gär­ten, weil dort trotz staat­li­cher Voll­fi­nan­zie­rung das kirch­li­che Ar­beits­recht gelte. Nachvollziehbar ist das Hauptpro­blem an die­ser Ko­ope­ra­ti­on: Die kirchlichen Son­der- und Lebens­re­ge­lun­gen stoßen in einer Zeit, in der es viele Kirchenaustritte oder immer mehr Menschen mit anderen Konfessionen gibt, an ihre Gren­zen. Denn nicht jeder, der in den Einrichtungen als Arzt, Erzieher, Altenpfleger etc. arbeiten will oder muss (z. B. aus örtlichen oder finanziellen Gründen), will dies im christ­li­chen Auf­trag bzw. unter den be­son­de­ren Ar­beits­be­din­gun­gen der Kir­chen tun. - Es geht hier nicht um Werte wie Nächstenliebe, sondern um strittige Bestimmungen, die ins Privatleben eingreifen (Ehe, Partnerschaft, sexuelle Ausrichtung etc.).
Aus meiner Sicht besteht überall dort Reformbedarf, wo es nicht um rein kirliche Einrichtungen geht, sondern wo die kirchlichen Träger im Auftrag der Stadt/Kommune eine Dienstleistung für alle Menschen und Konfessionen erbringen. Kirchliche Mitarbeiter dürfen in diesen Fällen keinesfalls missionarisch tätig sein.

Die Autorin beleuchtet auch, das Zusammenspiel zwischen Kirche und Politik, die solch heiße Eisen nicht anfassen wollen - zu groß sei noch die Angst, wichtige Wählergruppen zu vergraulen. Und natürlich weiß jeder, dass die Finanzen durcheinander geraten, wenn die Kirchen sich aus dem Sozialbereich zurückziehen. Ich bin der Ansicht, dass es auch viele ehrenamtlich tätige Menschen speziell in den christlichen Kirchen gibt, die auch zur Kostenentlastung (der öffentlichen Kassen) in sozialen Einrichtungen beitragen. An so einem System rüttelt keiner gern, vor allem nicht in Zeiten klammer kommunaler Kassen.

++++ Mein Fazit: Das Buch beleuchtet die symbiotischen Verflechtungen von Staat und Kirche, über die viele politischen Akteure (aus finanziellen und wahltaktischen Gründen) lieber den Mantel des Schweigens legen. Ich finde, dass es hinsichtlich der arbeitsrechtlichen Themen und der Arbeitsbedingungen einen Reformstau gibt. Doch wer könnte diesen auflösen? Vielleicht dauert es solange, bis der Arbeitsmarkt oder die Bürger in den Gemeinden Realitäten und Fakten schaffen, über die sich ein Arbeitgeber, der Arbeitskräfte benötigt, nicht mehr hinwegsetzen kann. - Eine Reform von "unten".

Ich finde es nicht pietätlos sondern zeitgemäß, die kirchlichen Arbeitgeber-Bedingungen zu hinterfragen, ohne die Kirchen und deren Leistungen grundsätzlich in Frage zu stellen. Sicherlich hätte die Autorin auch die langjährigen Verdienste und die Leistungen etwas (deutlicher) herausarbeiten können.
Einen Bewertungsstern ziehe ich ab, weil es an mehreren Stellen unnötige Wiederholungen gibt. Das Buch ist gut lesbar und enthält viele anschauliche Beispiele. Trotzdem fließen an manchen Stellen allgemeine Sachverhalte mit den Fallbeispielen etwas unglücklich (missverständlich) zusammen. Bei derart raschen Perspektivwechseln fällt es dann schwer, dem Text zu folgen.
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