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Kundenrezensionen

3,6 von 5 Sternen
40
Lebenslauf
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:12,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 6. Februar 2018
Ich mag diese Frau. Sie hat Charisma und einen Dickschädel. Sie kann sich durchsetzen und im Buch ist ihr Leben sehr gut beschrieben. Interessant zu lesen auch mit lustigen "Einlagen".
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am 4. Juli 2016
Eigentlich ein schönes Buch, aber etwas langatmig. Zu Ende habe ich es dann nicht gelesen. Frau Schwarzer ist eine beeindruckende Frau und anhand dieses Buch kann man die Geschichte noch einmal aufrufen. Manchen Zusammenhänge waren mir nicht bewusst.
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am 29. April 2016
Irgendwie enttäuschend. Fad im Schreibstil. Hätte mir von einer Schwarzer mehr erwartet.
Langweilig. Quälend. Zieht sich wie Kaugummi. Fad. Uff.
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am 5. Januar 2013
Ein ehrlicher, schonungsloser Rückblick auf die eigene Lebensleistung, bei der auch die deutsche Geschichte im Nachkriegsdeutschland geschickt eingeflossen wird. Obwohl ich bisher nicht unbedingt zu den "Schwarzer-Fans" gehörte und ich Biografien Lebender sehr skeptisch gegenüber stehe, hat mir die Lektüre große Freude bereitet, was vielleicht daran liegen mag, dass man von Frau Schwarzer bisher ein eher skurriles Bild in der Öffentlichkeit hatte. Das Buch ist spannend geschrieben und in sich schlüssig. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass sich hier jemand mit der eigenen Person kritisch auseinander gesetzt hat. Manche Dinge sehe ich jetzt mit neuem Blick, und in Bezug auf Frauenthemen bin ich neugieriger geworden.
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am 4. April 2013
Da ich froh bin, dass es Alice Schwarzer gibt, habe ich ihr Buch gekauft, um sie so auch ein bisschen zu unterstützen, weil ich der Meinung bin, dass sie heutzutage wieder sehr wichtig ist. Außerdem ist es interessant zu lesen und etwas über sie zu erfahren.
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am 21. August 2014
Das Buch spiegelt die Lebensrealität einer Frau der Generation, die nach dem zweiten Weltkrieg aufwuchs. Außerdem ist es ein interessanter Bericht über das Entstehen und die Entwicklung der zweiten Frauenbewegung des letzten Jahrhunderts sowohl in Frankreich, als auch in Deutschland.
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am 24. April 2013
... sondern auch die lesenswerte Beschreibung der Epoche des Nachkriegsdeutschlands.

Man muss kein Fan der Alice Schwarzer sein, um dieses sehr unterhaltsam geschriebene Buch zu mögen, und es gerne zu lesen. Sie versteht es, den Leser in ihre Welt zu entführen, und an den Dingen teilzuhaben, die in ihrem Leben wichtig waren. Das hat mir sehr gut gefallen.
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TOP 1000 REZENSENTam 9. Dezember 2016
Mit der Veröffentlichtung ihrer Lebenserinnerungen hat mich die streitbare Feministin und Journalistin Alice Schwarzer positiv überrascht und bewegt. Ihre Memoiren sind nicht nur ein Blick zurück auf den persönlichen Lebensweg und die familiären unkoventionellen Verhältnisse, sondern auch ein spannendes Stück Politik- und Frauengeschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In ihrer Autobiographie fragt die meist gehasste Frau Deutschlands nach ihren Wurzeln und Prägungen und den Motiven, die dazu geführt haben, sich für die Rechte von Frauen in einer Zeit, in der die Frauen gesetzlich, gesellschaftlich und privat entmündigt und bevormundet waren, einzusetzen. Gleichzeitig ist das Buch eine diskrete Liebeserklärung an die relativ jungen Großeltern, ihre sozialen Eltern, und an den langjährigen Lebensgefährten Bruno aus Frankreich, mit dem sie eine emanzipierte Liebesbeziehung geführt hat, über die Alice Schwarzer hier zum ersten Mal öffentlich spricht.

Alice Schwarzer wächst in Wuppertal auf, ihre unverheiratete junge Mutter hat den Status einer Schwester und lässt die junge Alice von den Großeltern erziehen, zu denen sie Mama und Papa sagt. Bei den Großeltern, die zeit ihres Lebens Nazigegner waren, herrscht ein anderes Rollenverständnis. Da die hochpolitisierte Großmutter Grete null mütterlichen Ehrgeiz hat, auch nicht mit ihrer Enkelin, wird ihr liebenswürdiger Großvater Ernst zuständig für die mütterliche Versorgung seiner Enkelin und auch wenn die drei - "Mama, Papa und ich" - eine verschworene Gemeinschaft sind und viel Zeit gemeinsam verbringen, gesteht Alice Schwarzer, dass sie bei den dramatischen Eheszenen immer auf der Seite des Großvaters ist: "So wie er mich früher behütet und versorgt hat, so beschütze und tröste ich jetzt ihn. Ich bin die einzige, die die tobende Grete stoppen kann. Und so gerate ich zwischen die Mühlsteine dieses Ehedramas. Wir sind also weniger zwei Erwachsene und ein Kind, eher ein Schicksalstrio in einem sehr schwankenden Boot." Schwarzer fragt sich, wie man unter solchen Umständen Feministin werden kann. Sie sieht die Wurzeln in der Rollenumkehrung der klassischen Rollenverteilung in ihrer Familie: ihr Großvater als Hauptbezugsperson für die junge Alice arbeitet selbstverständlich im Haushalt und die Großmutter verbirgt nicht ihre intellektuellen und politischen Leidenschaften. Hinzu kommt dass, dass Alice nie die Erfahrung gemacht hatte, als Mädchen minderwetig zu sein. Ihre Großmutter hatte keine Frauenverachtung und dem Großvater war ein Überlegenheitsdenken als Mann fremd. Und schließlich: "Ich habe gesehen, wohin das führen kann, wenn eine potente Frau ins Haus eingesperrt ist. Vermutlich erfülle ich also auch das, was man in der Psychologie den "Auftrag der Mutter" nennt, nur dass es sich in diesem Fall um den (wortlosen) Auftrag der Großmutter handelt." Während der sensible Großvater mit Alice auf kindgerechte Weise über seine traumatischen Kriegserfahrungen redet, Stunden, wo "ich den Krieg so richtig hassen lerne", ist es vor allem die Großmutter, die mit ihren scharfsichtigen, kritischen Einschätzungen der politischen Ereignisse nach dem Krieg immer recht behalten soll und Alice in ihrem leidenschaftlichem Gerechtigkeitssinn prägen wird. Verwunderlich ist für Alice Schwarzer nur, dass trotz des politischen Klimas in dem familiären Haushalt, trotz der Parteinahme für die Unterdrückten der Welt, nie explizit über die Rechte der Frauen diskutiert wurde. Sowohl die Verabschiedung 1949 von Artikel 3 des Grundgesetzes, "Männer und Frauen sind gleichberechtigt", als auch die Umsetzung dieses hehren Grundsatzes in geltendes Recht sind kein Thema am Küchentisch der Großeltern: "Kann es sein, dass meine so hochpolitisierte und meinungsfreudige Großmutter bei der Frage der Emanzipation so still war, weil sie sich selbst in einer totalen ökonmischen und sozialen Abhängigkeit befand - und sich gar nicht erlauben konnte darüber auch nur nachzudenken?" Als ihr Großvater am 1. Juni 1970 stirbt, reist Alice Schwarzer aus ihrer zweiten Heimat, Paris, mit dem Flugzeug nach Düsseldorf "und bis heute kann ich nicht die Sonne über den Wolken aufgehen sehen, ohne in dieses bange Gefühl zurückgestoßen zu werden."

Ihre ersten Berufstätigkeiten sind gekennzeichnet von Ratlosigkeit und Unterforderung, dafür genießt Alice ihr frühes unabhängiges Leben in vollen Zügen. Während ihrer Mädchen-Cliquen-Zeit lernt sie ihren ersten Freund kennen, M., mit dem sie ihre erste sexuelle Erfahrung erlebt, über die sie folgendermaßen berichtet: "Und ich fahre noch in derselben Nacht mit M. in sein möbliertes Zimmer in Köln. Ich blute nicht. Das zum Mythos des Jungfernhäutchens. Am nächsten Morgen begleitet M. mich sehr verliebt und sehr fürsorglich zurück nach Wuppertal. Ich sitze ihm gegenber im Zug und scheine ein enttäuschtes Gesicht zu machen. Er fragt: "Hast du was?" Und ich maule: "Deswegen macht man so ein Theater..." ...Nein, ich kann mich über meinen Einstieg in die Sexualität wirklich nicht beschweren. Da bekomme ich später von den Frauen, die ich befrage, ganz andere Geschichten zu hören." Ihr eifersüchtiger Freund M. wird verstärkt aggressiv und besitzergreifend und auch wenn Schwarzer es nicht in aller Deutlichkeit und Direktheit sagt, erfährt sie in dieser ersten Partnerschaft bei einem Trennungsversuch in jener fatalen Nacht sexuelle Nötigung und Gewaltandrohung. Bereits vor dieser fatalen Nacht wäre Alice Schwarzer in Saint Tropez beinahe vergewaltigt worden, als sie sich an einem Badetag allein in eine Bucht zurückzieht um zu lesen: "Ich lese - und mache für einen Moment die Augen zu. Da ist er über mir. Es geht alles ganz schnell. Und nach der ersten Gegenwehr ist klar: Wenn ich mich nicht füge, erwürgt er mich. Er hat harte, schwielige Hände, ist sehr stark und offensichtlich ein Gastarbeiter aus Nordafrika. Ich spreche noch kaum Französisch und er spricht kein Englisch. Das alles spielt sich innerhalb von Sekunden ab. Mit einer Hand drückt er mir die Kehle zu, mit der anderen reißt er an meinem Bikini. Da mache ich ihm ein Zeichen. Ich bedeute ihm mit Gesten, dass der harte Felsen unter mir sehr unbequem für mich sei und ich lieber mit ihm rauf in den Kiefernwald gehen möchte. Er zögert und lässt los. Ich lächele und greife seine Hand. Und er geht tatsächlich mit mir den Felsen hoch Richtung Kiefernwald. Hand in Hand. Oben angekommen reiße ich mich los und laufe schreiend auf der anderen Seite den Felsen runter. ...Ich gehe zur Polizei. Doch was soll die tun. Die Würgemale am Hals werden erst rot, dann schwarz, dann gelb. Ich brauche Tage, um mich zu beruhigen." Kein Wunder, dass Alice Schwarzer später ganz besonders gegen die sexuelle Gewalt gegen Frauen innerhalb und außerhalb der Ehe kämpfen wird.
Die Kapitel mit dem Titel "Ganz Paris träumt von der Liebe und ich begegne ihr" und "Der Start in meinen Traumberuf und 1000 Briefe in drei Jahren" sind für mich die schönsten, weil sie hier die übelbeleumdete, als "Männerhasserin" und "Schwanzabschneiderin" diffamierte Frauenrechtlerin von einer anderen Seite zeigen, die all die bis heute zirkulierenden Klischees und Karikaturen ad absurdum führen. Paris wird für Alice Schwarzer nicht nur der Ort, wo sie ihre spätere Freundin und bekannte Autorin von "Das andere Geschlecht" (das feministische Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts) Simone de Beauvoir kennenlernen wird, nicht nur der Ort wo sie ihre wahre Berufung als Journalistin und Publizistin in Angriff nehmen wird, nicht nur der Ort wo sie ein Teil der aufkommenden französischen Frauenbewegung, von "Le Mouvement de Libération des Femmes (kurz MLF) sein wird, es ist auch der Ort, wo sie sich unsterblich in einen jungen französischen Jurastudenten namens Bruno verlieben wird. In Sainte Maxime begegnet sie zum ersten Mal ihrer "großen Liebe" Bruno, er ist für sie "die vollkommene Verkörperung meines Typs: groß, dunkel mit einem ausdrucksstarken Gesicht. Und er ist so geistreich, so charmant und so höflich - und trotzdem irgendwie schüchtern." Mit ihm teilt sie ihre politischen und kulturellen Interessen (und auch wenn sie dem damaligen Präsidenten de Gaulle kritisch gegenüberstehen, weil er ihnen viel zu konservativ ist, bekommt die frankophile Alice Schwarzer bei der Ansprache des amtierenden Präsidenten und einstigem Führer der militärischen Résistance anlässlich des 20. Jahrestages der Befreiung von den Deutschen "feuchte Augen") und wird mit ihm gemeinsam auf einer Straßendemonstration gegen den Vietnamkrieg von der Polizei inhaftiert. Als Alice Schwarzer zurück nach Deutschland fährt um ihr zweijähriges Volontariat in den "Düsseldorfer Nachrichten" anzutreten, um ihrem Traumberuf von der Journalistin auf dem für eine Frau nicht selbsverständlichen und steinigen Weg näher zu kommen, werden sich die beiden frisch Verliebten über 1000 Briefe, "echte Liebesbriefe", schreiben "um die Entfernung von 500 Kilometern nicht in eine Entfremdung zwischen uns umschlagen zu lassen." Es werden auch die unterschiedlichen Lebensrealitäten zwischen den beiden deutlich: Bruno ist "der vergötterte einzige Sohn und Bruder in einem Vier-Frauen-Haushalt plus Vater, erhält Taschengeld und wohnt vier Stockwerke über seiner Familie in einer Garconniére unterm Dach, mitten ihn Saint Germain. Ich bin seit meinem 16. Lebensjahr selbständig, auch wenn ich vorübergehend noch bei meiner Mutter wohne." Und noch etwas kristalissiert sich heraus: während die frankophile Familie von Alice die Verbindung mit dem Franzosen Bruno begrüßt, bekämft Brunos Familie "die "Mesalliance" mit der Deutschen Alice Schwarzer.

Trotz zahlreicher Briefe belastet die örtliche Trennung die Beziehung zwischen Bruno und Alice zunehmend. Am 2. Januar 1968 wird Bruno in den Militärdienst eingezogen, trotz Versuchen da rauszukommen: "Vergeblich. Kriegsdienstverweigerung ist zu der Zeit in Frankreich verboten." Der Paris-Student Bruno wird in die tiefste Provinz geschickt, wo er sich dem militärischen Drill und dem trostlosen Kasernenleben unterziehen und fügen muss. Die Briefe, die Alice während dieser Zeit von Bruno erhält, treiben ihr die Tränen in die Augen und als sie ihrem Großvater von dem mit der Situation todunglücklichen Bruno erzählt, sagt der: "Das ist ja schlimmer als bei den Preußen!" In der Tat, "die Grande Nation scheint nach dem Trauma der Niederlage im Zweiten Weltkrieg finster entschlossen, sich auf dem Feld nie mehr von den Boches besiegen zu lassen." Als Alice es nicht mehr länger aushält, fährt sie nach Straßburg um Bruno zu sehen. Auf dem Bahnsteig steht bereits Bruno: "In Uniform, blass und mit kurz geschorenem Haar. Als ich ihn umarmen will, wehrt er ab: "Wir dürfen in Uniform keine Frau anfassen." Uns bleiben nur wenige Stunden. Zu wenige, um uns zu erreichen." Dank einer Simulation kommt Bruno in die psychiatrische Abteilung des Pariser Militärhospitals Val de Grace und wird am 11. April 1968 als "untauglich" vom Militärdienst entlassen. Alice Schwarzer holt Bruno in den mittelalterlichen Gemäuern der guten alten Irrenanstalt ab, doch über die Zeit beim Militär wird Bruno nie mehr reden. Alice Schwarzer ist eine sehr einfühlsame, empathische und melancholische Frau, auch das Charakterzüge und Eigenschaften, die hier in der Autobiographie zum Vorschein kommmen. Nachdem sie Jahrzehnte später lesen wird, dass der von ihr geschätze Modeschöpfer Yves Saint-Laurent zur gleichen Zeit beim Militär und ebenfalls in der Psychiatrie von Val de Grace war, denkt sie über mögliche Paralellen nach: "Auch ihn (Saint-Laurent) hatte der Militärdienst traumatisiert. Er ist schikaniert worden, und sicherlich nicht nur von Vorgesetzten. Und ihn, den Homosexuellen, hatten sie im Val de Grace auch noch einer Behandlung mit Elektroschocks unterzogen, damit er "normal" wird. Ich bin im Nachhinein furchtbar erschrocken und habe mich natürlich gefragt, ob so etwas etwa auch dem so wenig "männlichen" und antimilitaristischen Bruno passiert sein könnte... Doch er schweigt. Bis heute."

Die beiden beabsichtigen sogar zu heiraten, allerdings unter der Bedingung, dass Alice ihren Namen behalten kann, indem sie, wie sie Bruno schreibt, eine Klage beim Straßburger Gerichtshof für Menschenrechte einreichen, für das Recht von Frauen auf ihren eigenen Namen. Doch Alice sind die gemeinsame Pläne dann viel zu bürgerlich. Sie will einen großen Schritt machen, wie sie in einem Brief an Bruno schreibt, sie will alles ändern, etwas neues, eine Befreiung. Die Rückkehr nach Deutschland bedeutet die Trennung von Bruno, steht aber gleichzeitig für einen neuen Anfang und eine neue Ära, beruflich und privat, denn in Deutschland verliebt sie sich wieder, diesmal in eine Frau, Ursula, die sie in ihrem lebenslangen Kampf für die Rechte von Frauen begleiten wird. Auf den nächsten Seiten steht somit nicht unbedingt die private Alice Schwarzer im Vordergrund, auch wenn sie immer wieder amüsante und interessante Anekdoten aus ihrem Leben und ihren Begegnungen (unter anderem mit Prominenten z.B. dem Ehepaar Mitscherlich) wiedergibt, sondern die politisch kämpferische Feministin mit ihrem journalistischen Engagement für die Entrechteten und Unterdrückten, zu denen die Frauen leider damals zählen. Die Stern-Aktion gegen den § 218, mit dem Bekenntnis von 374 Frauen: "Wir haben abgetrieben - und fordern das Recht dazu für jede Frau!" schlug wie eine Bombe ein und wurde zum Auslöser für die neue deutsche Frauenbewegung (nachdem die Spuren der historischen Frauenbewegung in Deutschland verschüttet wurden und erst von den neuen Feministinnen wieder mühsam ausgegraben werden mussten). Bei der Debatte um Abtreibung gibt es viele Missverständnisse. Alice Schwarzer betont, dass sie nicht FÜR Abtreibungen ist, sondern für das RECHT auf einen legalen Schwangerschaftsabbruch. Das Abtreibungsverbot, das bis heute in Deutschland gilt, wo im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern (darunter selbst das katholische Italien) deutsche Frauen "immer noch kein RECHT auf eine selbstbestimmte Mutterschaft" haben ("Man gewährt ihnen via "Pflichtberatung" bestenfalls die "Gnade"."), geht auf Kosten der Frauen. Abgetrieben wird nämlich sowieso, und vor allem in katholischen Ländern ist aufgrund des Verhütungsverbots und rigider Sexualmoral die Abtreibungsrate immer noch sehr hoch und fast immer waren und sind die Frauen allein mit den Abtreibungen. Alice Schwarzer schreibt zurecht: "Bei dem Recht auf Abtreibung geht es überhaupt nicht darum, OB Frauen abtreiben - denn das tun sie unter allen Umständen, wenn sie kein Kind wollen -, sondern nur darum, WIE Frauen abtreiben. Nämlich illegal und in Scham, Schande und Lebensgefahr - oder legal und mit maximalen medizinischen Beistand." Die Reaktionen auf diese mutige und notwendige Aktion verursachen, auch wenn man sie heute noch liest, nicht nur bei Frau Schwarzer Bauchschmerzen. Von "schamlosem Exhibitionismus" bis zum "Konsumwahn" ("Pelzmantel statt Kind") und "Vernichtung unwehrten Lebens" ist de Rede, für die katholische Kirche in Gestalt von Kardinal Jäger ist die Aktion 218 eine Art "neues Euthanasieprogramm."

Ein weiteres wichtiges Thema für Schwarzer wird die Funktion von Sexualität und Liebe im Leben von Frauen sein, mit dem sie sich in ihrem Bestseller "Der kleine Unterschied" (die Wahl des Titels resultierte aus einem Gespräch zwischen Schwarzer und Herbert Marcuse, nachdem Schwarzer ihre Thesen zur Sexualität vorgetragen hat, "guckt Marcuse mich an, lehnt sich zurück und sagt: "Aber, Alice, du willst doch nicht etwa den kleinen Unterschied abschaffen?") auseinandersetzen wird. Schwarzer zeigt ebenfalls ihre persönlichen Differenzen zu den vielseitigen Strömungen innerhalb der Frauenbewegung. Schon in Frankreich wird sie von den militanten Lesben in die "Hetero-Fraktion" gedrängt und "auch in Deutschland werde ich wenig später innerhalb der Frauenbewegung am schärfsten von den Polit-Lesben kritisiert werden. Denn ich bin - nicht zuletzt aufgrund meiner eigenen Lebenserfahrungen - nicht bereit, Homosexualität als Lösung der Frauenfrage zu propagieren und Beziehungen mit Männern zu dämonsieren. Wider den Zeitgeist plädiere ich für eine freie Sexualität, jenseits aller Festlegungen." Schon Simone de Beauvoir hat auf den Aspekt der freien Wahl in der Sexualität hingewiesen: "In Wirklichkeit ist die Homosexualität ebensowenig eine freimütige Perversion wie ein schicksalhafter Fluch. Sie ist eine aus der Situation heraus gewählte Haltung, eine Haltung also, die begründet und frei angenommen ist." (Das andere Geschlecht, S. 515) Ebenfalls in der Tradition von Simone de Beauvoir zählt sich Alice Schwarzer zu den Gleichheitsfeministinnen, den sogenannten "Universalistinnen bzw. Antibiologistinnen, die zwar die bestehenden realen und psychischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern sehen, diese Geschlechterrolen aber für kulturell gemacht und überwindbar halten und eine uneingeschränkte Chancengleichheit anstreben" im Gegensatz zu den sogenannten "Biologistinnen bzw. Differenzialistinnen, die von einer irreversiblen (angeborenen oder anerzogenen) "Weiblichkeit" bzw. "Männlichkeit" ausgehen und darum keine Gleichheit, sondern eine "Gleichwertigkeit" der sich ergänzenden Geschlechter anstreben."

Mögen die Memoiren auf den letzten Seiten etwas selbstgefällig werden, indem Schwarzer quasi mit dem erhobenem Zeigefinger auf die Errungenschaften und Leistungen der feministischen Zeitschrift EMMA hinweist (die, das muss man eingestehen, bis heute sich eine journalistische und politische Unabhängigkeit bewahrt hat), so machen das die ersten Seiten wieder weg, indem sie den Menschen Alice Schwarzer dem unvoreingenommenen Leser näherbringen. Eine absolut lohnenswerte Lektüre.
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am 14. Dezember 2012
Liebe Frau Schwarzer,
ich hoffe ja sehr, dass Sie die Rezensionen aus amazon lesen.

Ich bin mit Ihnen groß geworden. Sie waren immer irgendwie präsent. Der Stern lag jeden Donnerstag frisch im Briefkasten, man las viel (Böses) über Sie. Und trotzdem ich damals noch ein Kind war, konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass es Menschen geben soll, deren einziges Ziel im Leben das Abschneiden von Schwänzen ist.

Als ich mehr verstand, hab ich über Sie gelesen, wessen ich auch immer habhaft werden konnte. Ungerecht war vieles. Undifferenziert fast alles.

Wir beide sind uns bis heute nicht in allem einig, aber in den wesentlichen Fragen d'accord. Was will man mehr?

Ich danke Ihnen für Ihre Unermüdlichkeit, Ihre Unerschrockenheit, Ihre klugen Gedanken, Ihren unerschütterlichen Humor, Ihre Selbstkritik, Ihre Emma.
Und ich danke Ihnen für Ihr Buch. Ich habe es aus Interesse begonnen zu lesen und habe das Sahnehäubchen Lesevergnügen oben drauf bekommen.

Sie sind ein tolle Frau, ein Vorbild und Inspiration.

Machen Sie unbedingt weiter so!

Inken
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am 28. Juni 2013
Dieser Gedanke kam mir jedenfalls beim Lesen ...
Ein fesselndes Buch. Eine hübsche, freiheitsliebende, wehrhafte Frau - wie unbequem für die allgemein hingenommenen Verhältnisse!
Und dafür erntet sie unendlich viel: Häme, Verleumdungen, Hetze. Dieses Buch sollte man angesichts der vielen Negativpresse unbedingt gelesen haben. Ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung und ziehe meinen Hut vor so viel Resilienz. Vorbildlich!
Außerdem muss ich wohl nicht erwähnen, dass es gut geschrieben ist.
Erwähnen muss man aber heute, dass auch das Lektorat gut ist und das Buch einen sehr souveränen Eindruck macht.
Und auch nach ihrem Steuerfall bleibe ich dabei!
Es gibt andere ViPs, die wesentlich mehr "Kavaliersdelikte" unbeschadet überstanden haben!
Ist DAS nicht eigentlich Sexismus pur, dass eine Frau für ein Steuervergehen so angegriffen wird, Männer aber nicht?
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