Sale Sale Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Jetzt informieren Book Spring Store 2017 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More Hier klicken HI_PROJECT Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle Unlimited BundesligaLive wint17

Vom Ende einer Geschichte: Roman
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:18,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 27. Mai 2017
So ab vierzig kennen wir das: Kindheit, Jugend, Studienjahre schrumpfen zu einem Set an Vignetten, die Erinnerung "spuckt uns immer wieder denselben Stoff aus". Über eine Verkettung von Umständen, wird Tony Webster mit seiner Vergangenheit und seinem früheren ich konfrontiert. Schnell bröckelt das Narrativ, auf dem die Sicherheit seiner späten Jahren nach einem recht durchschnittlichen Leben ruht. Bezugsfiguren wie ein Jugendfreund oder seine Geliebte während des Studiums beginnen zu changieren, seine bequemen Zuweisungen und abschließenden Urteile zu ihnen - und damit seine eigene Identität - verlieren die scheinbar gesicherten Konturen.

Julian Barnes "Vom Ende einer Geschichte" ist am Beginn ein Genuss, in der Mitte ein stilistisch und dramaturgisch routiniert geschürtes Versprechen, welche das Ende nicht einlöst.Für mein Gefühl beginnt der Erzählfluss ausgesprochen dicht, arbeitet im Verlauf der Geschichte aber immer mehr mit Füll- und Streckmaterial, um LeserInnen noch und noch ein paar Seiten auf die Folter zu spannen. Gegen Ende ist das Verhalten der Figuren kaum mehr als plausibel zu akzeptieren. Festzuhalten bleibt aber: Julian Barnes ist ein kluger Geschichtenerzähler und souveräner Stilist. Und die Geschichte bietet ausreichend Substanz, um mich in ein inspirierendes Nachdenken über die "Co-Worker" persönliche Erinnerung und persönliche Identität zu locken.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 28. November 2014
England in den fünfziger Jahren: Zwischen Intellektuellen-Diskussionen und ersten Vorstößen in der Liebe in einer Ära der noch dominierenden Prüderie und Keuschheit entspinnt sich eine Dreiecksgeschichte. Der brillante und etwas undurchschaubare Adrian wird von der schönen Veronica erwählt, nachdem sie mit dem Ich-Erzähler Tony eine kurze, oberflächliche Affäre hatte. Adrian, ein korrekter Mensch, bittet ihn in diese Verbindung einzuwilligen. Er schreibt einen neckischen Brief zurück und hakt die Geschichte ab. Ein Kind wird geboren, wenig später begeht Adrian völlig überraschend Selbstmord. Die Motive bleiben unklar.

Als Tony, im England der Gegenwart, nach dem Tod von Veronicas Mutter ein Tagebuch erbt, das sich als vergifteter Pfeil erweisen wird, erhebt die Geschichte von damals sich aus der Versenkung. Lange Zeit weigert sich Veronica, Tonys Wunsch nach einem privaten Treffen nachzukommen. Nach und nach wird klar, warum: Er hat keine besonders rühmliche Rolle gespielt bei der vermeintlich harmlosen Dreiecksgeschichte von einst. Und dann kommt noch ein behindertes Kind ins Spiel, das offenbar mit der ganzen Geschichte von damals etwas zu tun hat...

Der meisterhafte Roman von Julian Barnes beschäftigt sich auf raffinierte Weise mit dem menschlichen Gedächtnis und nährt im Leser die beängstigende Erkenntnis, dass alles in Wahrheit ganz anders gewesen sein könnte, als man es abgespeichert hat. Virtuos spaltet Barnes erinnertes und erinnerndes Ich, die zwei in der Erzähltheorie unterschiedenen Seiten des Ich-Erzählers, auf, um aus den Diskontinuitäten und Inkongruenzen zwischen beiden eine packende Erzählung zu schmieden. Das alles in kristallklarer und schnörkelloser Sprache und bescheidener Konzentration auf die kleine und doch beklemmend vielschichtige Geschichte – ein Kleinod der zeitgenössischen Literatur!
0Kommentar| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 12. Mai 2014
Der Protagonist ist ein Durchschnittstyp. Er ist ebenso ein Antiheld, wie die meisten Leser, die bis zum Ende dieser Geschichte durchhalten. Die spontane Frage „Bin ich auch so?“ wird im Verlauf des Buches schonungslos beantwortet: „Ja, leider, irgendwie schon!“

Zuerst einmal geht es um die Lebensbilanz, die wir wohl alle am Ende unseres Lebens erstellen werden:

„Als ich Ende zwanzig war, kam ein Moment, in dem ich mir eingestand, dass meine Abenteuerlust längst im Sande verlaufen war. Ich würde nie tun, was die Jugend sich erträumt hatte. Stattdessen mähte ich den Rasen, ich machte Urlaub, ich hatte mein Leben“ (S. 115).

Ist diese Erkenntnis schon bitter genug, folgt gleich die zweite: „Was habe ich sonst noch falsch gemacht?“ (S.181)
Und zufällig erkennt der Ich-Erzähler, dass ihm nicht nur der Mut gefehlt hat, ein ganz anderes Leben zu führen, sondern er findet heraus, dass er leichtfertig Menschen gedemütigt hat, die ihm einst sehr nahe standen.

Was kann man daraus lernen? Lebe achtsam und sei mutig!

Ein gutes Buch, obwohl die Figuren kaum sympathisch wirken und die Erzähltechnik zuweilen ein wenig ermüdend ist.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 15. Dezember 2011
Wenn ein Buch den bekannten Booker Prize erhält, dürften daran hohe Erwartungen aber auch Neugierde verknüpft werden, was sich an Thema, Schreibstil und Thematik dahinter verbirgt. Julian Barnes, ein für mich bis dato unbekannter Autor, lässt eine Lebensreflektion vor den Augen des Lesers aufsteigen, angesichts dem Suizid eines ehemaligen Jugendfreundes. Tony Webster der Hauptprotagonist, reflektiert über seinen Jugendfreund Adrian, der sich das Leben nimmt. Ein gelebtes Leben, wird noch mal zurückerinnert, Tony erinnert sich an Jugendtage, erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, zerbrochenen Beziehungen, einer gescheiterten Ehe, der ersten Liebe. Ein Buch, das wie eine Verflüchtigung erscheint, mit vielen feinen Nuancen, Lebenszeichnungen und Andeutungen aufwartet, denen man deren Tiefgründigkeit nicht wirklich ihre Dimension einzuschätzen vermag. Fast so, als ob man die Absicht des Buches nicht wirklich begreifen, sondern nur erahnen würde, wie ein unsichtbares sensibles Wesen, das eher vor dem Leser flüchtet als da bleibt und konfrontiert..

Wirklich gepackt und überzeugt hat mich dieses preisgekrönte Buch nun wirklich nicht. Eine anspruchsvoll, nachdenklich machende Lektüre, die den Leser in die Vergangenheit eines gelebten Lebens führt, Fragen zu Selbstbild aber auch Selbsttäuschung aufwirft, beizeiten irritiert, aber auch durch die eigene Reflektion erkenntnis suchend, die vergangene Lebensatmosphäre abzutasten scheint. Tony ist ein Beziehungsgescheiterter, der zwar nochmal bemüht ist, zu seinen vergangenen Frauenbeziehungen Veronika, seiner ersten Jugendliebe und Margaret, seiner von ihm geschiedenen Frau innerlich wie noch mal näher zu kommen, dabei aber nicht wirklich erfolgreich ist. Dass bei realisierter Selbsttäuschung eine gewisse Irritation zu Stande kommt, dürfte dabei kaum erstaunen. Tod, Vergänglichkeit, Suizid und Lebensaufgabe, Ungewolltes, (wie etwa eine ungewollte Schwangerschaft) Lebensströmungen und Erinnerungen an die eigene Lebenszeit, der Beschäftigung des einstigen Jugendfreundes, wo man noch jung war, scheinen wie ineinander zu fliessen. Obwohl ich es interessant fand zu lesen, gut geschrieben ist, kann ich die hier veröffentlichte Begeisterung nicht teilen, vielmehr empfand ich diese Lektüre in gewissem Sinn verflüchtigend, mich hat es dennoch, nicht wirklich begeistert, Booker-Preis hin oder her...
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 8. Oktober 2012
Irgendwann kommt ein Zeitpunkt, an dem man feststellt, dass die noch vor einem liegende Lebensspanne deutlich kürzer ist als die bereits vergangene. Es ist der Moment, ab dem man beginnt, sich öfter auf das Vergangene zu besinnen und sich Fragen stellt wie: Bin ich zufrieden mit meinem Leben? War es erfüllt? Lebte ICH oder wurde ich gelebt? Was wurde aus meinen Träumen, Wünschen, Sehnsüchten?
Tony Webster, um die 60 und im Ruhestand, geschieden, im Großen und Ganzen mit sich im Reinen, ereilt dieser Moment, als er einen Brief eines Anwaltbüros erhält, in dem ihm mitgeteilt wird, dass er von der Mutter einer früheren Freundin eine kleine Erbschaft zu erwarten hat: 500 Pfund und das Tagebuch seines bewunderten Jugendfreundes Adrian. Wie diese in den Besitz des Buches kam, ist Tony völlig unklar und er beginnt mit Nachforschungen, die ihn in seine eigene Vergangenheit zurückführen und mit manchem konfrontieren, das er in völlig anderer Erinnerung hat.
Je intensiver er sich damit befasst, umso mehr muss er erkennen, dass seine Wahrheit nicht unbedingt die einzige und wahre ist und in schonungsloser Offenheit macht er sich klar, wieviel Selbsttäuschung in seinem Leben herrscht. Immer wieder kommen Fragen auf, die man sich auch selbst stellen kann und deren Beantwortung die Lesezeit des doch recht dünnen Büchleins (174 Seiten) deutlich verlängern können.
Es ist eine leise, zurückhaltende Geschichte ohne großen Spannungsbogen und vergleichsweise handlungsarm. Dennoch hat sie einen (zumindest für mich) überraschenden Schluss und es fiel mir schwer, das Buch vor dem Ende aus der Hand zu legen. Es regt zum Nachdenken über das eigene Leben an - und hoffentlich, bevor es zu spät ist.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 3. September 2015
Julian Barnes schreibt und schreibt und schreibt und schreibt und schreibt ... seit über dreißig Jahren. Als "Flauberts Papagei" damals in den Achtzigern auch in die kontinentaleuropäische Literaturwelt förmlich hineindonnerte, waren Thema und Stil noch neu: Postmoderne Antihelden blicken auf im Wesentlichen halbgescheiterte Lebensläufe zurück (meist schlecht verlaufene Ehen) und finden durch alterskluge Abgeklärtheit am Schluss doch noch ein bisschen Restfrieden; das Ganze auf vollkommen unbritische Weise dargeboten. Danach hat sich Barnes nicht mehr weiterentwickelt, sondern nur noch, um ein Diktum Strawinskys abzuwandeln, sein Leben damit verbracht, immer wieder dasselbe Buch zu schreiben (vielleicht mit Ausnahme vom "Stachelschwein"). Mit der Zeit wurde es für den Booker Prize unumgänglich, gleichermaßen für das gesamte Lebenswerk einmal auch Julian Barnes auszuzeichnen (they could not ignore him any more), und da es dafür - im Gegensatz zu den Film-Oscars - keine eigene Kategorie gibt, kam eben dieses Buch zeitlich gerade recht. Das ist alles hübsch und recht, aber trotz aller amüsanten Einfälle keine große Literatur, und Julian Barnes empfiehlt sich auch mit dem vorliegenden Werk ganz eindrücklich für einen Spitzenplatz in der Liste der meistüberschätzten Autoren unserer Zeit.
0Kommentar| 9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 25. März 2016
Es geht im Wesentlichen um eine Lebensbilanz, und zwar um eine mindestens gedanklich fatale. Fatal insofern, als dass sich der Held, Tony Webster, letztlich entscheidende Irrtümer eingestehen muss. Und das nicht etwa, weil er stumpfsinnig, gar kaltherzig oder ignorant wäre. Nein, im Gegenteil, dieser Mensch ist klarsichtig und eigentlich empfindungsstark, was ihn allerdings nicht davor feit, seinen eigenen Konstruktionen über Welt und Mitmensch in die Falle zu gehen, eben mit der Folge, dass er sich irrt und mindestes sein erwachsenes Leben auf falschen Prämissen baut. Gewissermaßen geht es also um eine „Unschärferelation“, die uns vertraut ist: Im Akt unseres beständigen Wahrnehmens und vor allem Urteilens verändern wir subjektiv das, was wir allzu kurzschlüssig für objektiv halten.

Wenn das gekonnt beschrieben ist, lieben es die Leser. Es gibt dafür große Beispiele, Max Frischs „Homo Faber“ etwa oder die den Leser in schwierige Perspektiven und wiederum Irrtümer einstrickenden Bücher von Javiar Marias.

In konsequenter Ich-Perspektive, bei einer Lebensbilanz unumgänglich, wird zunächst rückschauend die Freundschaft begabter Schüler beschrieben. Zu einem Dreiergespann tritt ein Vierter, ein Neuer, Adrian, dessen philosophisch dichte Unterrichtsbeiträge über die süffisante Altklugheit der anderen hinausweisen und selbst die Lehrer berücken. Vom Englischlehrer provokant nach dem Sinn des Lebens befragt, verweist dieser sinistre Adrian etwa so konsequent mythisch wie freudianisch auf „Eros und Thanatos“, also auf Liebe resp. Sex und Tod, in der Geschichtsschreibung erkennt er die „Summe der Lügen der Sieger“; aber für die Aussage des Buches dürfte mehr noch von Belang sein, dass er meint, Geschichte wäre die „Gewissheit, die dort entsteht, wo die Unvollkommenheiten der Erinnerung auf die Unzulänglichkeiten der Dokumentation treffen.“ – Dies alles aus dem Munde des bewunderten stillen Genies Adrian, Sätze also, die einem Schüler, selbst als literarische Figur, kaum abzunehmen sind, ebensowenig wie sein später Camus’ philosophische Freiheits- und Verantwortungsbegrifflichkeit zitierender Selbstmord, nachdem er, Adrian, doch so erfolgreich alles erreicht zu haben schien.

Tony, der Ich-Erzähler, hat sein Leben jedenfalls recht bürgerlich und also eher mittelmäßig gelebt; seine Ehe mit Margaret ist gescheitert, obwohl die beiden miteinander vertraut bleiben. Er verwirklicht sich als glatzköpfiger Pensionär in einem Ehrenamt, als ihn ein Testament aufstört: Die Mutter seiner enervierenden Jugendliebe Veronica nämlich vermacht ihm das Tagebuch des verklärten Jugendfreundes Adrian, der ihm zum einen Vorbild war und dem er zum anderen schmerzlich seine Veronica als Frau übergab, was ihn offenbar schlimm kränkte, fühlte er sich doch selbst von Veronica stets auf Distanz gehalten. Also riss er sich in einem echauffierten Brief an beide zu allerlei Schmähungen hin und wünschte deren Beziehung alles Schlechte.

Tony möchte sich unbedingt in den Besitz des ihm überschriebenen Tagebuchs des einstigen Freundes, Konkurrenten und Selbstmörders bringen, weil er sich daraus allerlei wesentlichen Aufschluss erhofft. Der Weg dorthin führt aber nur über die neuerliche Konfrontation mit Adrians Witwe Veronica, die ihm, Tony, schon immer Grenzen aufzeigte und deren innere Distanziertheit in früher kränkte. Kurz: Alles, was sich Tony im Zusammentreffen mit seiner einstigen Jugendliebe zusammenreimt udn was er für genauste Aufschlüsse hält, stellt sich letztlich als völlig verkehrt heraus; und von diesen Missdeutungen, die auf seine eigene Ignoranz zurückgehen, wird Tony aufs Entscheidendste für den Rest seines Lebens belehrt.

Er hat verstanden: „Was wusste ich schon vom Leben, ich, der so vorsichtig gelebt hatte? Der weder gewonnen noch verloren hatte, sondern das Leben einfach geschehen ließ? Der die üblichen Ambitionen gehabt und sich allzu rasch damit abgefunden hatte, dass sie sich nicht erfüllten? Der Verletzungen aus dem Wege ging und das Überlebensfähigkeit nannte? Der seine Rechnungen bezahlte, sich möglichst mit jedermann gut stellte, für den Verzückung und Verzweiflung bald bloße Worte waren, die er einst in Romanen gelesen hatte? Ein Mensch, dessen Selbstvorwürfe nie wirklich schmerzhaft waren? Ja, über all das musste ich nachdenken, während ich eine besondere Art der Reue empfand: den Schmerz, der am Ende einem Menschen zugefügt wird, der immer zu wissen glaubte, wie man Schmerzen vermeidet – und der ihm aus ebendiesem Grund zugefügt wird.“

Also ein alltagsphilosophisches Buch. Ja, durchaus konstruiert wirkend, eher aus dem Nachdenken als aus dem Leben selbst kommend, beschwert mit dem Nachsinnen über Verantwortung, Schuld, Reue, Schmerz. Viel wird darüber meditiert, was man in der Jugend und im Unterschied dazu im Alter will. Mitunter finden sich auch altersweise Seichtheiten und seichte Altersweisheit und etwas gerontologisch klingende Pointen. Und viel unglücklich frustrierte Masturbation, im engeren wie im weiteren Sinne. Dieser Hang zur Lebensweisheit erinnert freilich eher an Coelhos Klitterungen aus Stoa und Lebensphilosophie als an Schopenhauer. Das meint hier: Alles bleibt doch sehr beschaulich. Keine Katastrophen, vielmehr erstauntes, aber mildes Resümieren. Im Sinne des großen Kopfschüttelns über ein verstrichenes Leben, in dem man irrtümlich meinte, richtig zu liegen.

Typische Bestsellerliteratur. Also sehr gut zu lesen, nur etwas, nun ja, gefällig.
0Kommentar| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 19. Oktober 2014
Was ist Geschichte?
"Geschichte ist die Summe der Lügen der Sieger."
oder:
"Geschichte ist die Gewissheit, die dort entsteht, wo die Unvollkommenheiten der Erinnerung auf die Unzulänglichkeiten der Dokumentation treffen."
Julian Barnes schreibt ein geniales Buch, das letzteren Satz treffend illustriert. Notabene mit einem überraschenden Ende, das sich erst auf den allerletzten Seiten offenbart. Wer mit den hintersten Seiten zu lesen beginnt, beraubt sich eines wunderbaren Leseabenteuers.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 24. August 2013
Was ich an angelsächsischer Literatur oft so gut finde ist, dass sie so schnell ins Thema führt, dass sie lebensnah und praktisch relevant ist – ohne oberflächlich zu sein. Julian Barnes Buch „Vom Ende einer Geschichte“ ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Nach kaum 30 Seiten ist der Leser tief im Schicksal der Hauptperson verstrickt, ohne sich mit langatmigen Vorreden, Beschreibungen oder Eitelkeiten auseinandersetzen zu müssen (wie man sie von deutschen Autoren oft erdulden muss). Das ist erzählerische Meisterschaft.

Gleichzeitig ist Literatur für mich immer dann gut, wenn sie nicht nur unterhält, sondern auch Vergleiche mit dem eigenen Leben auslöst. Auch dafür ist Julian Barnes Buch ein gutes Beispiel. Der Rückblick auf Freunde in der Schulzeit, eigene erste Lieben und welche Spuren sie in uns hinterlassen haben – all das löst dieses Buch aus.

Sein Fokus allerdings liegt auf einer anderen Frage: Was können wir aufgrund unserer Erfahrungen und Erinnerungen wirklich über uns und andere wissen? Barnes zeigt am Beispiel der Hauptperson Tony Webster, dessen besten Schulfreundes Adrian und seiner Freundin Veronica, wie man sich jahrelang eine bestimmtes Bild von sich und Geschehnissen macht, das sich am Ende dann als falsch herausstellt.

Julian Barnes hat für das „Ende einer Geschichte“ 2011 den Booker-Preis gewonnen, und das völlig zurecht. Kluge Reflexionen, genaue Beobachtungen und treffende Schilderung menschlicher Beziehungen und Verhältnisse gehen hier eine perfekte Synthese ein.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 4. Januar 2017
Reflexion eines Lebens, Prüfung der Erinnerungen. Eigentlich besteht das ganze Buch aus Fragen: Was ist mein Leben wert? Hat sich das alles gelohnt, die Hoffnungen, das Streben, die Kompromisse, die Kämpfe, die Abschiede, die Neuanfänge? Können Fehler wiedergutgemacht werden? Können Täuschungen entlarvt werden? Bleiben wir im Grunde dieselben? Können wir überhaupt lernen, das Richtige zu tun?
Wer die Analyse einer Lebensgeschichte interessant findet, wird das Buch sicher bis zur letzten Seite zufrieden und angeregt lesen. Sprachlich ein einziger Gedankenfluß, von Gertraude Krueger wunderbar übersetzt, soweit bin ich mit den "offiziellen" Rezensenten einig. Ich war allerdings nach spätestens der Hälfte leicht gelangweilt: Aktion findet kaum statt, doch das ist ja weder Ziel noch Mittel des Ich-Erzählers, also vermutlich mein Fehler - vielleicht nicht die richtige Stimmung für DIESES Buch.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

Lebensstufen
9,99 €

Brauchen Sie weitere HilfeHier klicken