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Kundenrezensionen

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am 6. September 2009
Ein neuer Hornby,und dazu auch noch einer der von Musik handelt.
Oh Freude.Bei Hornby geht es mir wie bei meinen Lieblingsbands,man weiss das Erscheinungsdatum,rennt in der ersten Woche in den Laden,und wenn man das Buch das erste mal in der Hand hält,fühlt man sich wie an Weihnachten...
Zum Buch:Ein mittelaltes Paar aus einem englischen Nest führt eine eher weniger befriedigende Beziehung,sie fühlt die biologische Uhr immer lauter,und er geht völlig auf in seiner Bewunderung für einen amerikanischen Songwriter aus den achtzigern namens Tucker Crowe,der vor langer Zeit untergetaucht ist.
Seit der Erfindung des Internets findet jedes Interesse auch Gleichgesinnte,so ist er hauptsächlich damit beschäftigt,mit Gleichgesinnten alles über Tucker Crowes Leben besser zu wissen und den wildesten Gerüchten Glauben zu schenken.
Als er ein altes Demotape mit Crowes Rohfassungen seines einzigen Achtungserfolge findet,lobt er es im Netz in den Himmel.
Annie,seine Lebensabschnittsgefährtin findet diese Lobhudelei so überzogen,dass sie auch eine Kritik schreibt,wohlwollend aber objektiv.
Und der echte Tucker(der seine Fans für abgedrehte Spinner hält)antwortet ihr.Dies führt natürlich zu einigen Komplikationen.
Nick Hornby ist älter geworden,seine Protagonisten sind keine jungen Männer mehr sondern befinden sich in der Lebensmitte.
Über die zwanghafte Beschäftigung mit Musik kann er so gut schreiben wie kein anderer.Was mich ein bisschen nachdenkllich stimmt,ist dass weder Fan noch der Musiker ein halbwegs befriedigendes Erwachsenenleben führen.Eigentlich sind es 50jährige die die innere Reife von Teenagern haben.Man könnte fast meinen eine ganze Generation weigert sich mit Händen und Füssen erwachsen zu werden.
Was mir besonders gelungen erscheint ist der Kontrast zwichen den Fanlegenden und dem Leben,das Tucker Crowe tatsächlich geführt hat.
Im Gegensatz zu Hornby's letzten 3 Büchern,wo mir die Handlung doch ein bisschen konstruiert erschien,hat er wieder ein Thema gefunden zu dem er einen eigenen Zugang hat,deswegen sind auch alle Charaktere nachvollziehbar.
Wunderbar zum lesen und viel zu schnell aus,und leider gibts keine einzige Bestenliste,an High fidelity und fever pitch kann es sich nicht messen,aber es ist nah dran.
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Nick Hornby ist ein begnadeter Plauderer. So empfinde ich das Lesen seiner Bücher immer als federleicht. Die Texte sind witzig, skurril, amüsant und immer wieder muss man laut auflachen, weil er eine Situation so wunderbar treffend beschrieben hat.

"Juliet, Naked" ist eine insgesamt eher wenig Ereignisse enthaltene Story, die sich liest, als wenn man ein nettes, amüsantes Gespräch belauscht. Doch Hornby erreicht weit mehr, denn er charakterisiert seine Durchschnittsfiguren" (Duncan, Anni und ihre Bekannten) sehr treffend und legt ihren Kern offen.

Anni lebt mit Duncan ein langweiliges, ereignisloses Leben in einer langweiligen englischen Küstenstadt. Das Leben plätschert vor sich hin. Man arrangiert sich mit der Langeweile und den Enttäuschungen. Ihr Partner - Duncan - lebt zwei Leben, sein langweiliges und eines im Internet als "Experte" von dem nur noch Insidern bekannten "Tucker Crowe". Durch einen Zufall und natürlich das Internet beginnen sich die Dinge aber zu verschieben, was dazu führt, dass alle drei Hauptpersonen (Anni, Duncan, Tucker Crowe) sich ihrem jeweiligen Leben stellen müssen.

Katalysator von der Verwandlung von Anni (der Hauptperson) ist der zunächst nur mailtechnische Kontakt mit Tucker Crowe, einem ausgebrannten ehemaligen, fast berühmten Sing-Songwriter, der - wie Anni - seine schon Jahre währende Sinnkrise langsam begreift.

Nick Hornby thematisiert aber nicht nur die Lebenskrise seiner Hauptpersonen, auch das Internet als Reflektions- oder Ersatz-Medium wird pointiert aufgegriffen.

Ein tolle Buch über das Leben und wie man es leben sollte, und wie vielleicht eher nicht.
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TOP 500 REZENSENTam 11. April 2013
"Unsere Zeit hier ist so verdammt kurz. [...] Sie selbst würde noch die nächsten zwei Stunden verschwenden, weil es nicht anders ging, aber ab dann würde sie nie wieder auch nur eine Sekunde Zeit verschwenden, egal, wie viel ihr noch blieb. Es sei denn, es kam irgendwie so, dass sie wieder mir Duncan zusammenkam, für den Rest ihres Lebens diesen Job machte, an verregneten Sonntagen Eastenders guckte, irgendwas anderes als King Lear las, ihre Fußnägel lackierte, länger als eine Minute brauchte, um im Restaurant etwas von der Speisekarte zu wählen oder... Das Leben war wirklich eine hoffnungslose Angelegenheit. Alles war falsch eingerichtet."
(Seite 131/32)

Nach dem einzigen wirklichen Flop in seiner Romankarriere (obwohl ich das Buch gar nicht so schlecht fand, wie es möglicherweise im Kontext seines restlichen Werkes aussehen mag) How to be good, wagte sich Nick Hornby in "Juliet Naked" zum zweiten Mal daran, die Geschichte (zum Teil) aus der Perspektive einer Frau zu erzählen. Popmusik, etwas, dass seine Bücher mal mehr mal weniger durchzieht, von Feverpitch über High Fidelty, 31 Songs bis zu A long way down, spielt wieder eine wichtige Rolle - und die Protagonisten sind wiederum einmal mehr Menschen, die mitten im Leben stehen und doch irgendwie abseits (und immer wenn man einen Hornby Roman liest, fragt man sich in manchen Situationen, ob wir nicht alle solche Menschen sind; und wahrscheinlich ist es so, wahrscheinlich besteht der größte Teil der Menschheit aus dieser Diskrepanz).

Es gibt eine einfache Qualität, die ich immer wieder an Roman von Nick Hornby bewundere: ihre Authentizität, ihre leichtsolide Echtheit, auch im Angesicht einer eher unwahrscheinlichen Geschichte. "A long way down" und "About a boy" sind z.B. weder sehr wahrscheinliche, noch auffallend konzeptierte Geschichten - wenn sie aber passieren würden, wenn man diese Menschen zusammenbringen würde, warum sollte es dann nicht so ablaufen, wie Hornby es in seinen Dialogen und Wendungen weiterspinnt?
"High Fidelty" und "Slam" und auch "How to be good" sind, wohlgemerkt, eine andere Form von Roman und haben klarere Konturen und Problemstrukturen - und Juliet, Naked bewegt sich genau zwischen diesen beiden Kategorien in Hornbys Werk.

Denn auch hier werden zwei Personen und Welten zusammengebracht, aber die Problemstruktur ist doch ziemlich deutlich, wenn auch in ihren Facetten sehr vielschichtig: Was macht man aus seinem Leben? Dies natürlich nicht in einem langen Roman ausgebreitet, von der Wiege bis zur Bahre, sondern auf klassische Hornby-Manier, die einen ganz speziellen Moment im Leben der Protagonisten anpeilt, einen Übergang. Fast immer zeigen seine Bücher Menschen im Umbruch, ästhetisch ausgedrückt: in Zeiten von Reflexion, Katharsis und neuen Wegen, in Zeiten, in denen irgendetwas ihr Leben verändert.
In wie weit kann man sein Leben, kann man sich, verändern und in weit kann man etwas über sich selbst lernen, wenn es zu solchen Umbrüchen kommt? - Fragen, die in Hornbys Werk eine wiederkehrende Rolle spielen und die er mit sehr guten Dialogen und einer fast unverkündbaren Brillanz in Sachen Situationsbeschreibung und -komik verbindet.

Jeder neue Hornby zeigt, dass das Leben keine Beweisrede von Idealen ist, sondern eine schwierige Angelegenheit, nicht hoffnungslos, aber eben unkontrollierbarer als man denkt und öfter von einem selbst abhängig als man es gerne hätte; es ist ein schwieriger Mix aus dem, was wir sind und was wir wollen und dem, was wir erreichen und wie wir uns entscheiden. In "Juliet Naked" kommt dieses alles besonders klar zum Vorschein, vielleicht weil die Rahmenhandlung sehr schnell hinter das Innenleben der Protagonisten zurücktritt. Was nicht schlecht ist, aber es kann den Roman durchaus anfangs etwas langwierig wirken lassen und etwas substanzlos - was Hornby meiner Meinung nach in den Dialogen und der wieder einmal unvergleichlichen Unversiertheit und Unsicherheit (die fast Hilflosigkeit ist, aber in diesem Balanceakt sehr lebensecht) seiner Charaktere mehr als aufwiegt. Aber man sollte es erwähnen, auch weil der Roman insgesamt etwas seichter ist, als Hornbys gewöhnliche Kontroversen.

Letztlich kann man es alles zusammenfassen mit den Worten/Chiffren: Ein sehr guter, etwas nach innen gekehrter Hornby, mit der richtigen Portion Komik und dem richtigen Maß an Verständnis für seine Figuren. Ein Roman über die verlorenen Jahre und das Recht immer wieder neu anzufangen; über das Leben als Spielplatz von zu viel Möglichkeiten mit zuwenig Abwechslungen; und etc. etc., denn sicherlich ist meinem Auge in den Zwischenzeilen noch einiges entgangen und manches kann sich nur im Augenblick des Lesens dieser und jener Szene wirklich offenbaren, weil es tiefere Gründe hat als die der Ansicht, Gründe die im Teilnehmen liegen.
Also: Nehmen sie Teil an Juliet, naked or clothed.
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am 24. September 2015
In die Antihelden dieses Romans kann man sich wunderbar einfühlen. Es wird die wohlige Gewissheit vermittelt, dass andere Menschen die gleichen Problemen haben. Die eigene Belanglosigkeit wird zur Ansichtssache.
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am 23. September 2010
Der Enddreißiger Duncan ist zugleich das Beste und Schlimmste, was der Musikindustrie passieren kann: Superfan. Er kennt jedes Detail, jedes Gerücht, jede Theorie und kann auf jedweder, illegaler Liveaufnahme die feinen Nuancen in der Stimmung seines Idols Tucker Crowe bestimmen. Man könnte sagen, er kennt Tucker Crowe besser, als dieser sich selbst. Noch schlimmer: In Zeiten der digitalen Meinungsverbreitung hat Duncan weitere "Crowologen" gefunden, mit denen er sich austauschen und fachsimpeln kann. Hauptleidende ist Annie, Tuckers Beinahe-Frau. Die beiden führen mehr oder weniger eine Zweckbeziehung, die allerdings trotz all der gesellschaftlichen Sicherheit ihren Reiz verloren hat. Sollte sie jemals welchen besessen haben. Nun, zumindest findet Annie das Crowe-Album "Juliet" erstaunlich.

Als die Plattenfirma auf die glorreiche Idee kommt, die ursprünglichen Demoaufnahmen unter dem Titel "Juliet, Naked" zu veröffentlichen (die Beatles lassen grüßen), wird die schon brüchige Verbindung Duncan-Annie schwer auf die Probe gestellt: Wie kann ein solches Meisterwerk (laut Duncan) denn so gar nicht bei Annie ankommen? Und wie erdreistet sie sich, in Duncans Webforum direkt nach seiner Lobeshymne einen derartigen Verriss zu schreiben? Ein Verriss, der vor allem einer Person äußerst gut gefällt: Tucker Crowe selbst, der sich daraufhin per E-Mail bei ihr bedankt und der Fanwelt seit über 20 Jahren Abstinenz sein erstes Lebenszeichen gibt.

Schon auf den ersten Seiten lässt Nick Hornby wieder sein unglaubliches Wissen über die Musikindustrie und die Fanwelt auf höchstironische Art und Weise spielen. Wenn er im legendären "High Fidelity" noch eine eindrucksvolle Einsicht in die Welt des Plattensammlers gegeben hat, versucht er nun in "Juliet, Naked" die Leute zur charakterisieren, die nicht nur massig Platten besitze, sondern vor allem von einer bestimmten Platte eine Menge. Man kann ja nie genug Variationen seiner Lieblingsscheibe haben. Ich gestehe, ich gehöre dazu: Die 120 Led Zeppelin Tonträger in meinem Schrank unterscheiden sich auch oft nur im Detail, aber hey, auf dieses Detail kommt es immerhin an. Und wenn ich bei "One Night in Paris" nicht sofort an einen Hobbyschmuddelstreifen mit der Hilton Tochter denke, sondern eher an ein äußerst gelungenen Zep-Mitschnitt aus dem französischen Radio Anno 1971, wer kann es mir verdenken?

Hornby nimmt also die ganze Welt der Superfans aufs Korn, nicht böse-bissig, sondern verständnisvoll und mit britischer Nonchalance auf eine Art "Das ist halt so". Dabei werden vor allem auch die Möglichkeiten, die es seit dem Einzug des Internets gibt nicht ausgelassen, und so mancher Onlinerezensent könnte sich vielleicht den einen oder anderen Gedankenstoß aus dem Roman holen. Von diversen Rezensionsportalen ganz zu schweigen.

Doch wie immer bei Nick Hornby bietet dieses Umfeld nur den Rahmen, um fein gezeichnete Charaktere und deren Alltagsschwierigkeiten und Beziehungsprobleme genauer zu beleuchten. Hat er bei "About a boy" und "High Fidelity" noch von den großen Jungs gesprochen, die ihre Mühe mit dem Erwachsenwerden hatten, zeigt er hier vor allem Leute, die im Erwachsensein allesamt gescheitert sind. Was bringen gesellschaftliche Formen und Pflichten, wenn man am Ende ohne Antrieb, Motivation und Liebe auskommen muss. Gerade Tucker Crowe ist nicht nur wunderbares Beispiel für dieses Los, sondern auch gleichzeitig Katalysator für die Erkenntnis bei Annie und Duncan zugleich, und das jeweils auf seine eigene Art.

Der aktuelle Hornby liefert alles, was ich von einem seiner Bücher erwarte: Pointierte und humorvolle Betrachtungen der Popkultur, auch als Zeitdokument, sowie tiefgehende Psychogramme der Allerweltspersonen, die mit ihrem Leben und ihren Beziehungen auf Kriegsfuß stehen. Zum Lachen und zum Lernen. "High Fidelity" hat mich in den letzten zehn Jahren begleitet, gut möglich, dass "Juliet, Naked" das in den kommenden zehn machen wird.
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am 18. Oktober 2009
Nick Hornby ist einer der erfolgreichsten britischen Autoren und hat unter anderem "High Fidelity", "About a Boy" und "A long way down" geschrieben. Mit "Juliet, Naked" erschien nun im September sein zehnter Roman.

Annie findet sich nach 15 Jahren einer langweiligen Beziehung ohne Kind und ohne Ehering in einem einsamen Städtchen an der Küste Englands wieder. Mit dem Gefühl etwas verpasst zu haben und einem Mann namens Duncan an der Seite, der einem verschwundenem Rockstar mehr Aufmerksamkeit widmet als ihr, will sie ihr Leben ändern. Als eine nagelneue CD von besagtem Rockstar Tucker Crowe erscheint, bekommt Duncan eines der ersten Exemplare nach Hause geschickt. Nach mehrmaligem Anhören veröffentlicht er eine Rezension zu der CD "Juliet, Naked", eine Rohfassung zu dem erfolgreichen Album "Juliet", welches das Letzte von Tucker Crowe vor seinem Verschwinden war, im Internet. Nach Annies Meinung ist diese unrealistisch und falsch, da Duncan "Juliet, Naked" besser findet als "Juliet". Dies ist der Grund, weshalb Annie sich dazu verpflichtet fühlt, ebenfalls ihre Meinung auf der Plattform preiszugeben. Auf ihre Besprechung hin meldet sich Tucker Crowe per E-Mail bei ihr, da er sich von Annie verstanden fühlt. So nehmen die Dinge ihren Lauf.

Das Cover des Buches sagt alles aus, was der Leser über den Inhalt wissen muss - es geht um Liebe und Musik. Die Musik wird durch die abgebildeten Kopfhörer dargestellt und die Liebe durch die sich küssenden Gesichter, welche aus den Kopfhörern geformt sind. Die drei Farben schwarz, pink und weiß lassen vermuten, dass es sich um Rockmusik handelt, da die schwarz-pink Kombination am meisten in diesem Genre vertreten ist. Entfernt der Betrachter den Schutzumschlag, strahlt ihm ein hochkant gestreiftes schwarz-pinkes Zebramuster entgegen, was ebenfalls rockig wirkt.
Der Roman ist in lediglich 15 Kapitel unterteilt, somit sind diese auch relativ lang.

Nach "High Fidelity" erschien nun endlich ein neuer Roman von Nick Hornby zum Thema Rock- und Popmusik. Während "High Fidelity" aus der Sicht eines Mannes in den Mittdreißigern geschrieben ist, sind die Protagonisten des neuen Romans "Juliet, Naked" älter geworden. Aus der Sicht von Annie und Duncan, beide in den 40ern und Tucker Crowe bereits über 50, beschreibt Nick Hornby wunderbar witzig und oftmals ironisch die Gefühlswelten der Drei. Durch das Abwechseln der erzählenden Person erhält der Leser die Möglichkeit jede der Perspektiven zu verstehen und kann sich so sehr gut in Annie, Duncan und Tucker hineinversetzen. Trotz der Tatsache, dass die Protagonisten älter geworden sind, sind sie nicht erwachsener geworden, was meiner Meinung nach ein wenig an der Glaubwürdigkeit des Buches kratzt. Dennoch sollten "High Fidelity" Liebhaber auch "Juliet, Naked" lesen. Obwohl das Buch wenige Höhepunkte hat, so ist es dennoch Pflichtlektüre für Nick Hornby Fans und auch erheiternd für welche, die es noch werden wollen.

© Corinna Müller
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am 9. Januar 2011
Hinsichtlich meiner Motivation, die Bücher von Hornby zu lesen möchte ich mich, um Wiederholungen zu vermeiden, dem sehr schön formulierten ersten Absatz der Rezension von 'Tobias Nazemi' anschließen. Was den Inhalt anbelangt, wird er ebenfalls von anderen Rezensenten hinreichend beschrieben (lustig in dem Zusammenhang scheint mir, über Parallelen nachzudenken, wenn man hier seine Meinung öffentlich kund tut).

Aus meiner Sicht kommt es auf die Story aber nur insofern an, als sie eben die Aufgabe hat, den Inhalt zu transportieren. Und so wenig wahrscheinlich die erzählte Geschichte auch ist, so gut eignet sie sich doch als Medium für den Hauptgedanken: da fragen sich Menschen in ihrer Lebensmitte (die sich als solche natürlich erst erweist, wenn der Endpunkt bekannt ist - also besser in der empirischen Mitte, wobei das Wissen um die durchschnittliche Lebenserwartung wiederum das Gefühl für diesen Zeitpunkt beeinflussen dürfte), ob sie denn bisher das Beste aus Ihrem Leben gemacht haben. Da geht es um die individuellen Potentiale, um die Nutzung der gegebenen Möglichkeiten, um Erkenntnis und die Fähigkeit oder Unfähigkeit zur Konsequenz. Interessant ist der Versuch der Protagonistin (möglicherweise) verschwendeter Lebenszeit einen Wert zuzuordnen und diesen Wert dem ausgemachten Verursacher dieses "Verlustes" in Rechnung zu stellen. Diese betriebswirtschaftliche Herangehensweise entspricht schließlich der seit vielen Jahren gepflegten Praxis der Heerscharen von Unternehmensberatern mit ihrem mechanistischen Bild des Menschen und seinen Kernkompetenzen, Zieldefinitionen und optimierter Ressourcenausschöpfung, auf den Punkt gebracht durch die Bezeichnung HR. Im Gegenzug besonders schön deswegen noch einmal das Herausarbeiten des Gedankens, daß es im Leben doch nicht darauf ankommen kann, am Ende zu resümieren, es hätte wenig Schwierigkeiten gegeben und es gäbe wenig Grund zur Reue, immer gut gegen jede Fährnis versichert.

Das Ganze wird im typischen Hornby-Stil, geprägt von vielen Dialogen in Alltagssprache, erzählt, flüssig, amüsant und so interessant, daß man immer wissen möchte, wie es denn nun weitergeht - das ist wieder Hornby wie wir ihn lieben, (fast) auf dem Niveau von Fever Pitch, About a boy, How to be good und A long way down. Und zum Glück viel, viel besser als Slam; daß es sehr schwierig ist, sich ständig weiterzuentwickeln, sehen wir bei vielen Kreativen, seien es Literaten, Musiker oder Künstler, insofern freue ich mich, daß er es noch kann.
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am 7. November 2010
Es gibt diese Romane, oder eben Autoren, die in der Lage sind, einen umfassend zu unterhalten, auch intellektuell; und die, sagen wir mal, folgendes Talent haben: die komplizierten Dynamiken des sozialen und gesellschaftlichen Lebens, also die existierende versammelte Ungerechtigkeit der Welt, komplett außen vor zu lassen. Und man freut sich beim lesen wie ein Kind. Bei den deutschen Pendants ging es mir so bei Sven Regeners Herr Lehmann", bei Tom Liehrs Idiotentest" oder auch bei Heinz Strunk und sein Fleisch ist mein Gemüse". Alle drei, da halte ich jede Wette, sind Fans von Nick Hornby und ich setze noch 100 zum sehen, dass alle drei auch Juliet Naked" gelesen haben. Ich will nicht weiter auf Hornbys high fidelity", oder fever pitch" und About a boy" eingehen. Sind schon Klassiker. Muss man eigentlich gelesen haben. Und wieder bedient sich Hornby bei seinen Figuren und ihrer Beschreibung aus der Riesenasservatenkammer des sympathischen Losers, des schrulligen Mittvierzigers und älter, des charmanten outsiders, der irgendwie durchs Leben stolpert und dessen Marotten, Lebensfehlplanungen bei gleichzeitiger genialer Naivität, wir alle so gut kennen. Es ist tatsächlich der Spiegel, in den ich sehe, wenn ich Hornby lese. Ich finde mich natürlich in der Figur des vor zig Jahren abgetauchten Rhythm `n blues - singer/songwriter Tucker Crowe wieder, und ich kenne auch eine Annie, die andere Hauptperson dieser wunderbar absurd konstruierten Geschichte. Andere mögen sich eher dem verrückten Duncan zuwenden und sich in der manischen Sammelwut wiederfinden, die heute durch das Internet so explodiert ist. Da gibt es Foren, die so unglaublich sind und eine davon handelt von dem ominösen Tucker Crowe, den Duncan und seine weltweiten Mitstreiter derart heroisieren, wie es eben nur im Internet möglich ist. Da wird der Mythos gepflegt und die Verschwörung zum Diktat gerufen. Tucker Crowe selbst allerdings ist eben der, aber nicht der, den das Internet meint zu bloggen, sondern ein biederer Familienvater, bzw. wenn es nur so wäre, denn von seinen im Laufe seines Lebens mittlerweile fünf gezeugten Kindern bei vier verschiedenen Müttern, lebt nur noch der kleine Jackson bei ihm, der auch ständig Angst hat, dass Dad plötzlich stirbt. Nun gut, es gibt so wunderbare Dialoge in dem Roman, nehmen wir einfach mal die Seiten 256 und 346 im Taschenbuch, dass ich, obwohl ich alleine war, so laut gelacht habe, wie selten. Und ich habe im Moment nicht viel zu lachen. Deshalb kam Juliet Naked grade recht. Manchmal fasse ich mich auch an den Kopf wenn ich im Internet über mich lese, dass in irgendwelchen Liedermacherforen einer fragt, kennt einer Fred Ape? Er habe gestern den und den Song gehört. Tage später ein Sturm von Antworten, mit zum Teil völligen Quatsch, ich hätte doch alle Songs für die und die Band geschrieben aber auch, dass ich irgendwen sein Leben lang begleitet habe, bis hin, dass ich durch ein Lied sogar Leben gerettet haben soll. Mhm. Tucker Crowe kommt auch spät zu der Einsicht, das sein Leben, seine als Alkoholiker vernebelten 20 Jahre, doch einige Qualität besitzt und er kommt durch sein Zusammentreffen mit dem vermeintlich bescheuerten Überfan Duncan, doch drauf, das sein Leben was wert ist. Was wollen wir mehr am Ende des Tages?
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am 26. November 2009
Manche behaupten, Nick Hornby könne nur Musikromane schreiben. Der neue Roman von Hornby, 'Juliet, Naked', kann diese Behauptung keinesfalls widerlegen, denn er erzählt tatsächlich wieder eine Geschichte, die nicht ohne Musik auskommt, sondern vielmehr von der Musik lebt. Die Umsetzung dieses Romans als Hörbuch kommt aber interessanter Weise komplett ohne Hintergrund- oder Übergangsmusik aus. Eigentlich schade, denn gerade bei einem Musikroman sollte ein bisschen musikalische Untermalung nicht fehlen. Aber zurück zum Inhalt von 'Juliet, Naked'. Es geht um das Leben des (fiktiven) amerikanischen Rock'n'Roll Musikers Tucker Crowe, der in den 80er Jahren ein Herzschmerz-Album namens 'Juliet' veröffentlichte und sich dann von einem auf den anderen Tag vollständig aus dem Musik-Business zurückzog. Fans von überall auf der Welt haben seitdem in Internetforen darüber spekuliert, was Tucker Crowe zu seinem Ausstieg veranlasst haben könnte. Im Laufe des Romans wird der Leidensweg um Tucker Crowe nach und nach aufgefächert. Und zwar zunächst nur von einem britischen Ehepaar, das eine Reise in die USA unternommen hat, um auf den Spuren von Crowe zu wandern. Später, etwa im zweiten Drittel des Romans taucht die Person Tucker Crowe aber auch selbst aktiv im Geschehen auf. Die Plattenfirma von Crowe entschließt sich ein Album namens 'Juliet, Naked' zu veröffentlichen, eine Kollektion von Rohversionen der letzten LP. Simultan zu dieser Erscheinung beginnt Crowe über sein Leben nachzudenken und über die vielen Menschen, die er enttäuscht hat. Allen voran seine zahlreichen Kinder von vielen verschiedenen Müttern.
Hornby nutzt diesen Roman, um seine Gabe, Songs zu interpretieren und ihre Hintergründe zu entschlüsseln einmal mehr zu demonstrieren. So wie er es auch schon in seinen Romanen '31 Songs' und 'High Fidelity' getan hat; nur dass es dieses Mal fiktive Songs sind. Umrahmt werden Hornby's Musikrezensionen mit zwischenmenschlichen Beziehungskrisen, einer Priese Sex und ein paar absehbaren Handlungssträngen. Ehemalige Freunde entfernen sich, ehemalige Feinde werden zu Freunden.
Helmut Zierl macht seinen Job in dieser Produktion gewohnt gut. Er liest die Dialoge nicht nur herunter, sondern spielt sie und taucht so immer wieder in das Geschehen ein. Das macht natürlich Spaß beim Hören. Jedoch spricht er die Rollen mit unterschiedlichen Stimmen und kommt dabei manchmal durcheinander, z.B. wenn er zwei weibliche Stimmen in einem Dialog imitiert.

Fazit: Ein unterhaltsamer Roman für Musikliebhaber, der letztlich aber nicht mit anderen Hornby Erfolgskindern wie 'High Fidelity' oder 'About a Boy' mithalten kann.
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am 10. Oktober 2012
Das war mal wieder ein Buch, das ich erst nicht aus der Hand legen konnte und bei dem ich etwas traurig war, als ich es ausgelesen hatte.
Nick Hornby beschreibt in Juliet, Naked einen Ausschnitt aus dem Leben des kinderlosen Paares Duncan und Annie und dem ehemaligen Singer-Songwriter Tucker Crowe. Duncan ist Fan des Rockstars und versucht ihn auch auf einer wissenschaftlichen Ebene zu analysieren und betreibt eine Fan-Website. Seine Freundin Annie ist zwar teilweise genervt von seiner Leidenschaft, lässt sich aber trotzdem auf eine „Pilgerreise“ nach Amerika ein. Nachdem ein unveröffentlichtes Album von Tucker erscheint, möchte auch sie eine Rezension auf Duncans Website zu veröffentlichen und kommt so in Kontakt mit dem Musiker.
Wie immer gibt Nick Hornby tolle Innenansichten in die einzelnen Personen, zu ihren Gefühlen, Gedanken und Beweggründen. Man kann sich in alle drei hineinversetzen und fühlt mit ihnen mit. Hornby analysiert warum Menschen tun was sie tun und zeigt, dass sie dabei selten rational vorgehen. Wie schon bei High Fidelity merkt man auch hier, dass Hornby selbst ein Musikfan ist. Und auch der Humor kommt wieder nicht zu kurz.
Der Schreibstil war sehr flüssig und gut zu lesen, aufgelockert wurde der Text durch einige Wikipedia-Einträge und die E-Mails zwischen Tucker und Annie. Das Einzige, was gefehlt hat, war der passende Soundtrack zum Buch…
Insgesamt kann ich dieses Buch nur jedem empfehlen, dem High Fidelity gefallen hat!
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