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am 26. November 2009
Manche behaupten, Nick Hornby könne nur Musikromane schreiben. Der neue Roman von Hornby, 'Juliet, Naked', kann diese Behauptung keinesfalls widerlegen, denn er erzählt tatsächlich wieder eine Geschichte, die nicht ohne Musik auskommt, sondern vielmehr von der Musik lebt. Die Umsetzung dieses Romans als Hörbuch kommt aber interessanter Weise komplett ohne Hintergrund- oder Übergangsmusik aus. Eigentlich schade, denn gerade bei einem Musikroman sollte ein bisschen musikalische Untermalung nicht fehlen. Aber zurück zum Inhalt von 'Juliet, Naked'. Es geht um das Leben des (fiktiven) amerikanischen Rock'n'Roll Musikers Tucker Crowe, der in den 80er Jahren ein Herzschmerz-Album namens 'Juliet' veröffentlichte und sich dann von einem auf den anderen Tag vollständig aus dem Musik-Business zurückzog. Fans von überall auf der Welt haben seitdem in Internetforen darüber spekuliert, was Tucker Crowe zu seinem Ausstieg veranlasst haben könnte. Im Laufe des Romans wird der Leidensweg um Tucker Crowe nach und nach aufgefächert. Und zwar zunächst nur von einem britischen Ehepaar, das eine Reise in die USA unternommen hat, um auf den Spuren von Crowe zu wandern. Später, etwa im zweiten Drittel des Romans taucht die Person Tucker Crowe aber auch selbst aktiv im Geschehen auf. Die Plattenfirma von Crowe entschließt sich ein Album namens 'Juliet, Naked' zu veröffentlichen, eine Kollektion von Rohversionen der letzten LP. Simultan zu dieser Erscheinung beginnt Crowe über sein Leben nachzudenken und über die vielen Menschen, die er enttäuscht hat. Allen voran seine zahlreichen Kinder von vielen verschiedenen Müttern.
Hornby nutzt diesen Roman, um seine Gabe, Songs zu interpretieren und ihre Hintergründe zu entschlüsseln einmal mehr zu demonstrieren. So wie er es auch schon in seinen Romanen '31 Songs' und 'High Fidelity' getan hat; nur dass es dieses Mal fiktive Songs sind. Umrahmt werden Hornby's Musikrezensionen mit zwischenmenschlichen Beziehungskrisen, einer Priese Sex und ein paar absehbaren Handlungssträngen. Ehemalige Freunde entfernen sich, ehemalige Feinde werden zu Freunden.
Helmut Zierl macht seinen Job in dieser Produktion gewohnt gut. Er liest die Dialoge nicht nur herunter, sondern spielt sie und taucht so immer wieder in das Geschehen ein. Das macht natürlich Spaß beim Hören. Jedoch spricht er die Rollen mit unterschiedlichen Stimmen und kommt dabei manchmal durcheinander, z.B. wenn er zwei weibliche Stimmen in einem Dialog imitiert.

Fazit: Ein unterhaltsamer Roman für Musikliebhaber, der letztlich aber nicht mit anderen Hornby Erfolgskindern wie 'High Fidelity' oder 'About a Boy' mithalten kann.
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am 8. Februar 2010
Duncan und Annie sind seit fünfzehn Jahren ein Paar, aber die große Liebe oder Leidenschaft gab es nie. Im tristen englischen Badeort Gooleness, der als Metapher für die Trägheit der Beziehung steht, geschieht auch sonst nichts Bemerkenswertes. Annie plant als Kuratorin des Heimatmuseums eine Ausstellung über das Jahr 1964, in dem die Rolling Stones auftraten und ein sechs Meter langer Hai an Land gespült wurde. Doch nicht einmal die Nostalgie will so recht funktionieren.

Der etwas merkbefreite und ein bisschen zu dicke Duncan hat ein Hobby: Er ist Crowologe. Dieser Begriff versammelt die restlichen Fans eines amerikanischen Singer-Songwriters, der im Jahr 1986 auf mysteriöse Art seine Karriere beendete, quasi auf dem Gipfel seines Schaffens, und der seitdem von der Bildfläche verschwunden ist: Tucker Crowe. Im Internet mutmaßen die Crowologen über den Verbleib des Musikers, analysieren auch Jahrzehnte später noch die Songtexte und tauschen miese Bootlegs der Konzerte oder geheimnisvolle Fotos von Crowe-Lookalikes aus. Kern der Angelegenheit ist das letzte und erfolgreichste Album Crowes mit dem Titel "Juliet", das er nach der Trennung von einem Topmodel namens Julie schrieb. Und jetzt, 25 Jahre danach, wirft die Plattenfirma neues Material auf den Markt: "Juliet, Naked", ein Album mit den aufpolierten Demos zu "Juliet". Wie es der Zufall will, hört Annie das Duncan zugedachte Rezensionsexemplar vor ihm, was die zerrüttete Beziehung auf eine harte Probe stellt. Sie zerbricht, als Annie der begeisterten Besprechung ihres Partners einen Verriss des Albums folgen lässt - und ausgerechnet ihre Sicht findet großen Zuspruch. Sogar weit mehr, als Duncan und alle versammelten Crowologen ahnen: Tucker Crowe selbst reagiert und schreibt Annie private Mails. Der ehemalige Star lebt, fast pleite, irgendwo in Amerika auf dem Land, bewältigt gerade das Scheitern der x-ten Beziehung und hat kaum Kontakt mit seinen vielen Kindern. Annie muss die Sensation geheimhalten; nach und nach verliebt sie sich allerdings in den alternden Musiker. Der dann auch noch einen Trip nach London ankündigt und Annie um ein Date bittet ...

Es kommt, wie es kommen muss. Die fade, lineare und erbärmlich schlecht geschriebene Aschenputtel-Story mäandert auf ein Ende zu, das so vorhersehbar ist wie die jährliche Stones-Abschiedstournee. Aber nicht einmal der Weg dorthin macht Spaß, ganz im Gegenteil: Belangloses Geschwätz und sinnfreie Selbstbetrachtungen - etwa Annies "Sexplan" oder ihre wenig nachvollziehbaren Gedanken über die mathematische Berechnung des zeitlichen Verlusts, der am Ende einer fruchtlosen Beziehung steht - füllen Seite um Seite, und das in einer Sprache, die jede Originalität und Kunstfertigkeit vermissen lässt.
Sehr vorsichtig gesagt.

Der arme Nick Hornby. Da hat er zwei wirklich bemerkenswerte Romane geschrieben und danach den Punkt verpasst, an dem er besser aufgehört hätte. Schlimmer noch, denn eigentlich karikiert er sich mit Büchern wie "Juliet, Naked" selbst, dessen Figuren - wie offenbar auch Hornby - in einer Zeit gefangen scheinen, die längst vorbei ist. Mag ja sein, dass die Popmusik früher ehrlicher, bodenständiger, besser und vielleicht auch bedeutsamer war, aber zum zehnten Mal muss man sich das nicht anhören, und durch die fortwährende Wiederholung wird es auch nicht glaubhafter, sondern nervtötend, wie das Gelaber eines Ewiggestrigen, der ständig vor sich hingrummelt, dass früher alles besser war. War es nämlich nicht.

Ein schlimmes, langweiliges Buch, angefüllt mit empathiefreiem Blabla und wirklich schrundigen, quälenden Selbstbetrachtungen schablonenhafter Figuren, von denen wirklich keine mehr als ein Abziehbild ist. Halbwegs originell und ansatzweise gelungen ist bestenfalls der Blick auf die Fan-Kultur, aber auch das geschieht so pofig und ironiearm, dass es nicht geeignet ist, dieses gründlich misslungene Machwerk zu retten. Im Gegensatz zu den häufig zitierten Rolling Stones bietet der früh vergreiste, in den Siebzigern und Achtzigern gefangene Hornby kein Amüsement und nicht einmal Originalität, sondern mediokre Larmoyanz gepaart mit blässlichen Selbstzitaten. Mitleiderregend.
77 Kommentare| 12 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. September 2009
Ein neuer Hornby,und dazu auch noch einer der von Musik handelt.
Oh Freude.Bei Hornby geht es mir wie bei meinen Lieblingsbands,man weiss das Erscheinungsdatum,rennt in der ersten Woche in den Laden,und wenn man das Buch das erste mal in der Hand hält,fühlt man sich wie an Weihnachten...
Zum Buch:Ein mittelaltes Paar aus einem englischen Nest führt eine eher weniger befriedigende Beziehung,sie fühlt die biologische Uhr immer lauter,und er geht völlig auf in seiner Bewunderung für einen amerikanischen Songwriter aus den achtzigern namens Tucker Crowe,der vor langer Zeit untergetaucht ist.
Seit der Erfindung des Internets findet jedes Interesse auch Gleichgesinnte,so ist er hauptsächlich damit beschäftigt,mit Gleichgesinnten alles über Tucker Crowes Leben besser zu wissen und den wildesten Gerüchten Glauben zu schenken.
Als er ein altes Demotape mit Crowes Rohfassungen seines einzigen Achtungserfolge findet,lobt er es im Netz in den Himmel.
Annie,seine Lebensabschnittsgefährtin findet diese Lobhudelei so überzogen,dass sie auch eine Kritik schreibt,wohlwollend aber objektiv.
Und der echte Tucker(der seine Fans für abgedrehte Spinner hält)antwortet ihr.Dies führt natürlich zu einigen Komplikationen.
Nick Hornby ist älter geworden,seine Protagonisten sind keine jungen Männer mehr sondern befinden sich in der Lebensmitte.
Über die zwanghafte Beschäftigung mit Musik kann er so gut schreiben wie kein anderer.Was mich ein bisschen nachdenkllich stimmt,ist dass weder Fan noch der Musiker ein halbwegs befriedigendes Erwachsenenleben führen.Eigentlich sind es 50jährige die die innere Reife von Teenagern haben.Man könnte fast meinen eine ganze Generation weigert sich mit Händen und Füssen erwachsen zu werden.
Was mir besonders gelungen erscheint ist der Kontrast zwichen den Fanlegenden und dem Leben,das Tucker Crowe tatsächlich geführt hat.
Im Gegensatz zu Hornby's letzten 3 Büchern,wo mir die Handlung doch ein bisschen konstruiert erschien,hat er wieder ein Thema gefunden zu dem er einen eigenen Zugang hat,deswegen sind auch alle Charaktere nachvollziehbar.
Wunderbar zum lesen und viel zu schnell aus,und leider gibts keine einzige Bestenliste,an High fidelity und fever pitch kann es sich nicht messen,aber es ist nah dran.
22 Kommentare| 42 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. Januar 2011
Hinsichtlich meiner Motivation, die Bücher von Hornby zu lesen möchte ich mich, um Wiederholungen zu vermeiden, dem sehr schön formulierten ersten Absatz der Rezension von 'Tobias Nazemi' anschließen. Was den Inhalt anbelangt, wird er ebenfalls von anderen Rezensenten hinreichend beschrieben (lustig in dem Zusammenhang scheint mir, über Parallelen nachzudenken, wenn man hier seine Meinung öffentlich kund tut).

Aus meiner Sicht kommt es auf die Story aber nur insofern an, als sie eben die Aufgabe hat, den Inhalt zu transportieren. Und so wenig wahrscheinlich die erzählte Geschichte auch ist, so gut eignet sie sich doch als Medium für den Hauptgedanken: da fragen sich Menschen in ihrer Lebensmitte (die sich als solche natürlich erst erweist, wenn der Endpunkt bekannt ist - also besser in der empirischen Mitte, wobei das Wissen um die durchschnittliche Lebenserwartung wiederum das Gefühl für diesen Zeitpunkt beeinflussen dürfte), ob sie denn bisher das Beste aus Ihrem Leben gemacht haben. Da geht es um die individuellen Potentiale, um die Nutzung der gegebenen Möglichkeiten, um Erkenntnis und die Fähigkeit oder Unfähigkeit zur Konsequenz. Interessant ist der Versuch der Protagonistin (möglicherweise) verschwendeter Lebenszeit einen Wert zuzuordnen und diesen Wert dem ausgemachten Verursacher dieses "Verlustes" in Rechnung zu stellen. Diese betriebswirtschaftliche Herangehensweise entspricht schließlich der seit vielen Jahren gepflegten Praxis der Heerscharen von Unternehmensberatern mit ihrem mechanistischen Bild des Menschen und seinen Kernkompetenzen, Zieldefinitionen und optimierter Ressourcenausschöpfung, auf den Punkt gebracht durch die Bezeichnung HR. Im Gegenzug besonders schön deswegen noch einmal das Herausarbeiten des Gedankens, daß es im Leben doch nicht darauf ankommen kann, am Ende zu resümieren, es hätte wenig Schwierigkeiten gegeben und es gäbe wenig Grund zur Reue, immer gut gegen jede Fährnis versichert.

Das Ganze wird im typischen Hornby-Stil, geprägt von vielen Dialogen in Alltagssprache, erzählt, flüssig, amüsant und so interessant, daß man immer wissen möchte, wie es denn nun weitergeht - das ist wieder Hornby wie wir ihn lieben, (fast) auf dem Niveau von Fever Pitch, About a boy, How to be good und A long way down. Und zum Glück viel, viel besser als Slam; daß es sehr schwierig ist, sich ständig weiterzuentwickeln, sehen wir bei vielen Kreativen, seien es Literaten, Musiker oder Künstler, insofern freue ich mich, daß er es noch kann.
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am 7. November 2010
Es gibt diese Romane, oder eben Autoren, die in der Lage sind, einen umfassend zu unterhalten, auch intellektuell; und die, sagen wir mal, folgendes Talent haben: die komplizierten Dynamiken des sozialen und gesellschaftlichen Lebens, also die existierende versammelte Ungerechtigkeit der Welt, komplett außen vor zu lassen. Und man freut sich beim lesen wie ein Kind. Bei den deutschen Pendants ging es mir so bei Sven Regeners Herr Lehmann", bei Tom Liehrs Idiotentest" oder auch bei Heinz Strunk und sein Fleisch ist mein Gemüse". Alle drei, da halte ich jede Wette, sind Fans von Nick Hornby und ich setze noch 100 zum sehen, dass alle drei auch Juliet Naked" gelesen haben. Ich will nicht weiter auf Hornbys high fidelity", oder fever pitch" und About a boy" eingehen. Sind schon Klassiker. Muss man eigentlich gelesen haben. Und wieder bedient sich Hornby bei seinen Figuren und ihrer Beschreibung aus der Riesenasservatenkammer des sympathischen Losers, des schrulligen Mittvierzigers und älter, des charmanten outsiders, der irgendwie durchs Leben stolpert und dessen Marotten, Lebensfehlplanungen bei gleichzeitiger genialer Naivität, wir alle so gut kennen. Es ist tatsächlich der Spiegel, in den ich sehe, wenn ich Hornby lese. Ich finde mich natürlich in der Figur des vor zig Jahren abgetauchten Rhythm `n blues - singer/songwriter Tucker Crowe wieder, und ich kenne auch eine Annie, die andere Hauptperson dieser wunderbar absurd konstruierten Geschichte. Andere mögen sich eher dem verrückten Duncan zuwenden und sich in der manischen Sammelwut wiederfinden, die heute durch das Internet so explodiert ist. Da gibt es Foren, die so unglaublich sind und eine davon handelt von dem ominösen Tucker Crowe, den Duncan und seine weltweiten Mitstreiter derart heroisieren, wie es eben nur im Internet möglich ist. Da wird der Mythos gepflegt und die Verschwörung zum Diktat gerufen. Tucker Crowe selbst allerdings ist eben der, aber nicht der, den das Internet meint zu bloggen, sondern ein biederer Familienvater, bzw. wenn es nur so wäre, denn von seinen im Laufe seines Lebens mittlerweile fünf gezeugten Kindern bei vier verschiedenen Müttern, lebt nur noch der kleine Jackson bei ihm, der auch ständig Angst hat, dass Dad plötzlich stirbt. Nun gut, es gibt so wunderbare Dialoge in dem Roman, nehmen wir einfach mal die Seiten 256 und 346 im Taschenbuch, dass ich, obwohl ich alleine war, so laut gelacht habe, wie selten. Und ich habe im Moment nicht viel zu lachen. Deshalb kam Juliet Naked grade recht. Manchmal fasse ich mich auch an den Kopf wenn ich im Internet über mich lese, dass in irgendwelchen Liedermacherforen einer fragt, kennt einer Fred Ape? Er habe gestern den und den Song gehört. Tage später ein Sturm von Antworten, mit zum Teil völligen Quatsch, ich hätte doch alle Songs für die und die Band geschrieben aber auch, dass ich irgendwen sein Leben lang begleitet habe, bis hin, dass ich durch ein Lied sogar Leben gerettet haben soll. Mhm. Tucker Crowe kommt auch spät zu der Einsicht, das sein Leben, seine als Alkoholiker vernebelten 20 Jahre, doch einige Qualität besitzt und er kommt durch sein Zusammentreffen mit dem vermeintlich bescheuerten Überfan Duncan, doch drauf, das sein Leben was wert ist. Was wollen wir mehr am Ende des Tages?
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TOP 500 REZENSENTam 11. April 2013
"Unsere Zeit hier ist so verdammt kurz. [...] Sie selbst würde noch die nächsten zwei Stunden verschwenden, weil es nicht anders ging, aber ab dann würde sie nie wieder auch nur eine Sekunde Zeit verschwenden, egal, wie viel ihr noch blieb. Es sei denn, es kam irgendwie so, dass sie wieder mir Duncan zusammenkam, für den Rest ihres Lebens diesen Job machte, an verregneten Sonntagen Eastenders guckte, irgendwas anderes als King Lear las, ihre Fußnägel lackierte, länger als eine Minute brauchte, um im Restaurant etwas von der Speisekarte zu wählen oder... Das Leben war wirklich eine hoffnungslose Angelegenheit. Alles war falsch eingerichtet."
(Seite 131/32)

Nach dem einzigen wirklichen Flop in seiner Romankarriere (obwohl ich das Buch gar nicht so schlecht fand, wie es möglicherweise im Kontext seines restlichen Werkes aussehen mag) How to be good, wagte sich Nick Hornby in "Juliet Naked" zum zweiten Mal daran, die Geschichte (zum Teil) aus der Perspektive einer Frau zu erzählen. Popmusik, etwas, dass seine Bücher mal mehr mal weniger durchzieht, von Feverpitch über High Fidelty, 31 Songs bis zu A long way down, spielt wieder eine wichtige Rolle - und die Protagonisten sind wiederum einmal mehr Menschen, die mitten im Leben stehen und doch irgendwie abseits (und immer wenn man einen Hornby Roman liest, fragt man sich in manchen Situationen, ob wir nicht alle solche Menschen sind; und wahrscheinlich ist es so, wahrscheinlich besteht der größte Teil der Menschheit aus dieser Diskrepanz).

Es gibt eine einfache Qualität, die ich immer wieder an Roman von Nick Hornby bewundere: ihre Authentizität, ihre leichtsolide Echtheit, auch im Angesicht einer eher unwahrscheinlichen Geschichte. "A long way down" und "About a boy" sind z.B. weder sehr wahrscheinliche, noch auffallend konzeptierte Geschichten - wenn sie aber passieren würden, wenn man diese Menschen zusammenbringen würde, warum sollte es dann nicht so ablaufen, wie Hornby es in seinen Dialogen und Wendungen weiterspinnt?
"High Fidelty" und "Slam" und auch "How to be good" sind, wohlgemerkt, eine andere Form von Roman und haben klarere Konturen und Problemstrukturen - und Juliet, Naked bewegt sich genau zwischen diesen beiden Kategorien in Hornbys Werk.

Denn auch hier werden zwei Personen und Welten zusammengebracht, aber die Problemstruktur ist doch ziemlich deutlich, wenn auch in ihren Facetten sehr vielschichtig: Was macht man aus seinem Leben? Dies natürlich nicht in einem langen Roman ausgebreitet, von der Wiege bis zur Bahre, sondern auf klassische Hornby-Manier, die einen ganz speziellen Moment im Leben der Protagonisten anpeilt, einen Übergang. Fast immer zeigen seine Bücher Menschen im Umbruch, ästhetisch ausgedrückt: in Zeiten von Reflexion, Katharsis und neuen Wegen, in Zeiten, in denen irgendetwas ihr Leben verändert.
In wie weit kann man sein Leben, kann man sich, verändern und in weit kann man etwas über sich selbst lernen, wenn es zu solchen Umbrüchen kommt? - Fragen, die in Hornbys Werk eine wiederkehrende Rolle spielen und die er mit sehr guten Dialogen und einer fast unverkündbaren Brillanz in Sachen Situationsbeschreibung und -komik verbindet.

Jeder neue Hornby zeigt, dass das Leben keine Beweisrede von Idealen ist, sondern eine schwierige Angelegenheit, nicht hoffnungslos, aber eben unkontrollierbarer als man denkt und öfter von einem selbst abhängig als man es gerne hätte; es ist ein schwieriger Mix aus dem, was wir sind und was wir wollen und dem, was wir erreichen und wie wir uns entscheiden. In "Juliet Naked" kommt dieses alles besonders klar zum Vorschein, vielleicht weil die Rahmenhandlung sehr schnell hinter das Innenleben der Protagonisten zurücktritt. Was nicht schlecht ist, aber es kann den Roman durchaus anfangs etwas langwierig wirken lassen und etwas substanzlos - was Hornby meiner Meinung nach in den Dialogen und der wieder einmal unvergleichlichen Unversiertheit und Unsicherheit (die fast Hilflosigkeit ist, aber in diesem Balanceakt sehr lebensecht) seiner Charaktere mehr als aufwiegt. Aber man sollte es erwähnen, auch weil der Roman insgesamt etwas seichter ist, als Hornbys gewöhnliche Kontroversen.

Letztlich kann man es alles zusammenfassen mit den Worten/Chiffren: Ein sehr guter, etwas nach innen gekehrter Hornby, mit der richtigen Portion Komik und dem richtigen Maß an Verständnis für seine Figuren. Ein Roman über die verlorenen Jahre und das Recht immer wieder neu anzufangen; über das Leben als Spielplatz von zu viel Möglichkeiten mit zuwenig Abwechslungen; und etc. etc., denn sicherlich ist meinem Auge in den Zwischenzeilen noch einiges entgangen und manches kann sich nur im Augenblick des Lesens dieser und jener Szene wirklich offenbaren, weil es tiefere Gründe hat als die der Ansicht, Gründe die im Teilnehmen liegen.
Also: Nehmen sie Teil an Juliet, naked or clothed.
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am 12. September 2012
Das Buch beginnt mit der Besichtigung einer Toilette, deren Besuch den Rockstar Tucker Crowe vor zwanzig Jahren dazu veranlasst haben soll, seine Karriere aufzugeben. Duncan, der ultimative Fan, schleppt seine langjährige Freundin Annie an diesen und andere wichtige Schauplätze im Leben seines Idols. Annie erträgt die Leidenschaft ihres Freundes, auch wenn sie gelegentlich genervt davon ist.
Als sie in Duncans Post das Vorabexemplar einer neuen Veröffentlichung des untergetauchten Rockstars findet, hört sie sich die CD an. Es handelt sich um die akustische Rohfassung des späteren Erfolgsalbums Juliet und soll nun unter dem Titel Juliet, naked veröffentlicht werden.
Annie ist wenig begeistert, doch Duncan hält diese Version für die bessere, wenn nicht sogar für das beste Album aller Zeiten und wirft seiner Freundin vor, diese Brillanz nicht erkennen zu können. Verärgert stellt Annie ihre Einschätzung ins Netz und erhält kurz darauf eine E-Mail – von Tucker Crowe.

Hornby beleuchtet in seiner Geschichte beide Seiten des Fantums. Den Fan selbst und dessen Partner, die damit zurecht kommen müssen. Er findet zahlreiche Weisheiten zu diesem Thema, genauso wie zu Partnerschaft und Musik im Allgemeinen. Die Manirismen eines Fans werden ernstgenommen und trotzdem durch den Kakao gezogen. Man merkt deutlich, dass Hornby selbst ein begeisterter Fan ist. Allerdings mit der Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbstironie.
Den Humor von Nick Hornby kann man nicht häufig genug loben, da er so entwaffnend und sympathisch daherkommt und nicht auf eine schnelle Pointe aus ist. Seine Figuren blamieren sich dermaßen, dass man als Leser mit dem Fremdschämen nicht hinterherkommt, aber sie werden nie ihrer Würde beraubt. Sie verhalten sich alle dämlich, gemein, vorbildlich und bewunderswert, ohne dass Hornby einen von ihnen bevorzugen würde. Man hat sie längst alle ins Herz geschlossen, wie gute Freunde, die, was auch immer sie anstellen, trotzdem weiter mag.

Helmut Zierl liefert als Sprecher eine hervorragende Leistung ab, indem er hinter der Handlung zurücktritt und nicht durch Überbetonung oder andere Mätzchen auf sich aufmerksam macht. So kann man völlig in die Geschichte versinken und merkt erst im Nachhinein, dass er "Juliet,naked" die perfekte Stimme gegeben hat.
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am 28. Februar 2010
Hat sich Kultautor Nick Hornby innerhalb seines letzten Romans "Slam" noch in die Zeit der Jugend zurückkatapultiert, um sich dort einem Jungen zu widmen, der viel zu früh Vater geworden ist, nimmt er sich in "Juliet, Naked" nun seiner kinderlosen Protagonistin Annie an, die sich zunächst von ihrem langjährigen Lebensgefährten trennt, um anschließend in wilde Schwärmereien für einen anderen Mann zu verfallen. Doch Nick Hornby wäre nicht Nick Hornby, wenn neben all dem Gefühls- und Beziehungschaos nicht auch die Musik eine wesentliche und zentrale Rolle einnehmen würde. Und so ist der andere Mann, in den sich Annie verliebt, eben ein in die Jahre gekommener Rockmusiker, der den Zenit seiner Karriere schon vor langer Zeit überschritten hat. Herrlich komisch, kurzweilig und flüssig verbindet Nick Hornby die verschiedenen Ebenen seiner Geschichte. Herausgekommen ist dabei ein sehr vielschichtiger Roman, der ebenso romantisch wie verzweifelt sein darf - der seine traurigen ebenso wie seine herrlich komischen Momente hat.

Mit "Juliet, Naked" beweist Nick Hornby auf ein Neues sein Talent für großartig unterhaltende Geschichten, die er wieder einmal so ansehnlich verpackt, dass man dieses Buch kaum mehr zur Seite legen mag. Seine Protagonisten sind mit all ihren Ecken und Kanten, so interessant und authentisch gestaltet, dass man sie sofort sympathisch findet. Die Geschichte vermischt ernsthafte Themen mit einer gelungen pointierten Sprache, die kurzweilig das sagt, was gesagt werden muss.

"Juliet, Naked": Stilistisch ebenso wie inhaltlich ein waschechter Hornby!
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am 10. Oktober 2012
Das war mal wieder ein Buch, das ich erst nicht aus der Hand legen konnte und bei dem ich etwas traurig war, als ich es ausgelesen hatte.
Nick Hornby beschreibt in Juliet, Naked einen Ausschnitt aus dem Leben des kinderlosen Paares Duncan und Annie und dem ehemaligen Singer-Songwriter Tucker Crowe. Duncan ist Fan des Rockstars und versucht ihn auch auf einer wissenschaftlichen Ebene zu analysieren und betreibt eine Fan-Website. Seine Freundin Annie ist zwar teilweise genervt von seiner Leidenschaft, lässt sich aber trotzdem auf eine „Pilgerreise“ nach Amerika ein. Nachdem ein unveröffentlichtes Album von Tucker erscheint, möchte auch sie eine Rezension auf Duncans Website zu veröffentlichen und kommt so in Kontakt mit dem Musiker.
Wie immer gibt Nick Hornby tolle Innenansichten in die einzelnen Personen, zu ihren Gefühlen, Gedanken und Beweggründen. Man kann sich in alle drei hineinversetzen und fühlt mit ihnen mit. Hornby analysiert warum Menschen tun was sie tun und zeigt, dass sie dabei selten rational vorgehen. Wie schon bei High Fidelity merkt man auch hier, dass Hornby selbst ein Musikfan ist. Und auch der Humor kommt wieder nicht zu kurz.
Der Schreibstil war sehr flüssig und gut zu lesen, aufgelockert wurde der Text durch einige Wikipedia-Einträge und die E-Mails zwischen Tucker und Annie. Das Einzige, was gefehlt hat, war der passende Soundtrack zum Buch…
Insgesamt kann ich dieses Buch nur jedem empfehlen, dem High Fidelity gefallen hat!
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TOP 500 REZENSENTam 11. April 2011
Diese Buch ist eine Liebesgeschichte, aber nicht kitschig-romatisch, sondern augenzwinkernd-humorvoll! Ein Roman für Menschen jenseits der 30, die mal wieder bei einem netten Buch abschalten wollen. Nicht so anspruchsvoll wie 'A Long Way Down', aber das richtige Buch für laue Sommerabende. Komik entsteht vor allem durch das Absurde der Situationen, dass fängt schon im ersten Kapitel an, in dem ein Klo besichtigt wird und Annie sich fragt, ob sie jetzt allen Ernstes ihren Freund neben diesem Klo - des letzten dokumentierten Aufenthaltorts des untergetauchten Musikers Tocker - fotografieren soll (sie soll...).

Die Entwicklung mag vorhersehbar sein, aber die Figuren sind liebenswert und ihren Weg zu verfolgen macht (mir) einfach Freude. Was mir besonders an dem Buch gefällt, ist, dass die Figuren trotz aller Absurdität lebensecht rüberkommen und man sich vorstellen könnte, mit ihnen befreundet zu sein. Nicht perfekte Menschen, denen das ach so böse Schicksal übel mitgespielt hat, sondern eher liebenswerte Spinner von Nebenan und ihre netten Mitmenschen.

Eines dieser Bücher, die man bedenkenlos einer Freundin in die Hand drücken kann, welche was Neues zu lesen sucht. Prima auch als 'Hornby für Einsteiger'!
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