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Kundenrezensionen

3,9 von 5 Sternen
7
3,9 von 5 Sternen
Wüste
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:8,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 4. Januar 2009
Ich habe das Buch auf Französisch gelesen und es in jeglicher Hinsicht als außergewöhnlich empfunden. Es geht um die irdischen und zum Teil fast übersinnlichen Erfahrungen zweier junger Nomaden in der Wüste. Die selbstbewusste und gläubige Lalla lernt über einen Freund die Tier- und Pflanzenwelt der Wüste lernen und lieben. Über das rote Kreuz gelangt sie nach Marseille und wird zum begehrten Fotomodell, ohne jedoch ihren Hintergrund und ihre tiefgründige Seele zu verlieren. Auch mit dem Jungen Nour erfahren wir alles über das Leben in der Wüste: Menschen, Tiere, Pflanzen, Sand, Sterne, Hunger, Hitze und Kälte, Gebete und Leid werden immer wieder auf wunderschöne dichterische Art und Weise beschrieben. Insgesamt ein sehr nachdenklich machendes Buch, das aufgrund einiger Zeitsprünge nicht immer einfach zu verstehen ist. Ein Buch fast wie Meditation - nach den ersten 150 Seiten, in denen es ausschließlich um die Beschreibung der Wüste in allen Einzelheiten geht, erwartet der Leser vom 'poetischen Abenteurer' Le Cléziot Spannung und Handlung, die sich dann bei etwas ansteigendem Erzähltempo in der zweiten Romanhälfte endlich entwickelt.
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TOP 500 REZENSENTam 19. April 2009
Ich war sicher nicht der einzige, der bei der Nobelpreisverleihung 2008 fragte: LeClezio? Wer ist das? Die Lektüre des vorliegenden Buches sollte mir die Frage beantworten. Aber um die Wahrheit zu sagen: nachdem ich das Buch gelesen habe, bin ich auch nicht viel weiter. LeClezio? Wer ist das? Und vor allem: was soll das vorliegende Buch?
Wie jeder allein schon aus dem Seiten-layout ersehen kann, handelt es sich bei dem vorliegenden Roman auf jeden Fall um zwei Bücher, deren einzelne Kapitel ineinander verschachtelt erzählt werden. Kapitel 1,3, 5 (und so weiter) handelt von einem Nomadenstamm aus dem Süden Marokkos, dessen Lebensgrundlagen verdorren und der sich unter der Führung des Weisen Ma-el Ainin in einem entbehrungseichen Marsch nach Norden aufmacht, nur um vor den Mauern Tarudants und Marrakeschs keine Hilfe und schließlich in Dünen vor Agadir den Tod durch französische Kolonialtruppen zu finden.
Im Mittelpunkt von Kapitel 2,4, 6 (und so weiter) steht Lalla, ein junges marokkanisches Mädchen, das in einer Barackensiedlung am Rande des Ozeans lebt. Lalla lauscht den Erzählungen des Fischers Narma und besucht den "Hartani", einen schwarzen Hirten, den ein Krieger dereinst am Oasenbrunnen ablegte. Lalla saugt sich voll mit den Mythen der Wüste, berauscht sich den Geräuschen, dem Wind, den Tieren, den Pflanzen am Rande der absoluten Kargheit und ist glücklich, wenn sie bei Sonnenaufgang über die noch nachtharten Dünen laufen kann. Als sie an einen ungeliebten Mann verheiratet werden soll, flieht sie nach Frankreich, wo sie sich eine zeitlang in Marseille herumtreibt. In der Stadt, die ihr wie eine Zone des Todes erscheint, leidet sie an die Masse der Menschen, sie spürt die Leere und die Verzweiflung der Einheimischen und der Zuwanderer, die Einsamkeit, die Feuchtigkeit und die Gewalt, die in den schmalen Gassen lauern. Am Ende kehrt sie, hochschwanger nach Marokko zurück und gebiert auf einer Düne ihr Kind.
Soweit die Grundzüge der Handlung, die durchweg in poetischer Prosa erzählt wird. Am beeindruckendsten für mich war die dezidierte Entgegensetzung von Wüste und Stadt, von Weite und Enge, von Licht und Dunkelheit. Wo Lalla in pantheistischer Lebensbejahung über die heißen Dünen läuft, verkriecht sie sich in der Stadt in die hintersten Ecken, um die Unwirtlichkeit des Urbanen überhaupt überleben zu können. Was LeClezio über die Aura der Stadt, über Abfälle, die Geräusche, Ethnien und Einzelschicksale ( vgl. vor allem S. 292ff: ) schreibt, ist für mich große Literatur, weil der Leser diese Dinge auf eine neue und überraschende Weise mit den Augen eines Wüstenmädchens sehen lernt.
Ein Problem allerdings habe ich mit der Sprache. Le Clezio ist berühmt für seine nach landläufigen Begriffen "schöne" Sprache, er schreibt Sätze, die wie ein guter Rotwein auf der Zunge vergehen, er konstruiert Nebensätze, die harmonisch wie ein Oasenbach den Sinn umspielen. Nun verhält es sich aber mit der gehobenen Prosa ein wenig wie mit Maggi-Würfeln. Einmal hin und wieder ist ok, aber dauernd, das stumpft ein wenig ab. Über Hunderte von Seiten LeClezios gehobene Wüstenprosa zu lesen, kam mir ein wenig so vor, als höre ich die Stundenlang Ouvertüre und Finale auf einmal. Auf die Dauer ist das schwer erträglich.
Und schließlich hatte ich, je langer ich in "Wüste" las, das unbestimmte Gefühl, dass ich diese Diktion bereits kenne. Erst am Ende des Buches fiel mir auf: die Sprache, in der LeClezios das vorliegende Buch erzählt, ist die Sprache von Antoine de Saint Exupery in "Die Stadt in "Wüste." Wer will, kann die beiden Bücher wahllos nebeneinander aufschlagen und einzelne Passagen vergleichen, er wird frappierende Übereinstimmungen finden.
Wie immer man diese Übereinstimmungen auch bewerten mag, insgesamt hat mich das Buch nur teilweise überzeugt. Wer sich für die Wüste interessiert, wen die Hektik der urbanen Welt nervt, wer eine Reise durch Marokko, nach Tarudant oder Marrakesch unternehmen will, wird das Werk sicher mit Gewinn lesen. Aber ich hatte mir ehrlich gesagt, mehr versprochen.
33 Kommentare| 21 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
Nour der Nomadenjunge, vom Stamm der Touareg begleitet seinen Stammesscheich auf der Flucht vor den Franzosen anfang des 20Jahrhunderts quer durch die Wüste.
70 Jahre später bricht ein Mädchen aus der marrokanischen Vorstadt auf um nach Mareille zu gehen.
Sie wird dort Fotomodell ,flüchtet aber zurück in die Wüste als sie merkt das die sogenannte Zivilisation ihre Seele für den Preis des Erfolges haben möchte.
In diesem Roman schafft es Le Clezio sein exentiallistisches Weltbild mit Sozialromantik und Wüstensagas abgemildert an den Leser zu bringen.
Der Roman trägt durch die arabisch angehauchte dichterische Sprache den Leser mühelos durch die gut 300 Seiten.
Ein schönes Buch bestehend aus bildhaften Metaphern die uns die Gedanken des genialen Autors näherbringen ohne jedoch dessen Radikalität einzufordern. Bewegend und nachdenklich.
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am 4. Dezember 2012
Faszinierend ist die Geschichte von Lalla.

Wo kommt sie genau her? Irgendwo aus Marokko vielleicht? Jedenfalls wird sie in den Slums am Rand einer großen Stadt im nördlichen Afrika groß. Trotz der Armut verbringt sie eine wundervolle Kindheit am Rand der Wüste. Doch als sie ins heiratsfähige Alter kommt, versucht ihre Tante sie an einen reichen Mann zu verkaufen. Doch Lalla läuft weg und geht nach Marseille. Die Armut geht mir ihr mit. Doch die traurige Realität zwischen den Häusern macht sie unglücklich und sie beschließt zurück zu kehren.

Neben der Geschichte von Lalla wird auch ein Teil der Geschichte ihres Volkes, eines Nomadenstammes, erzählt. Es ist der traurige Teil, wo die Stämme vernichtet werden. Erzählt wird aus der Sicht eines ihrer Vorfahren wie er noch ein Kind ist.

Die Geschichte von Lalla zeigt den Zustand der Nomadenvölker Nordafrikas heute. Die faszinierende Schreibweise von Clezio bringt einem den Gemütszustand dieses Volkes näher und versucht Verständnis für ihre Lebensart zu erwirken. Die eindringlichen und unglaublich schönen Beschreibungen der Landschaft und Gefühle liest sich wie ein zartes Musikstück. Mit viel Genuss kann man sich von Wort zu Wort schwingen.

Wüste ist ein wundervoller, trauriger Roman mit tiefen Einblicken in die Seele von Nomandenvölkern und ausgesprochen lesenswert.
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am 9. November 2015
Mit dem Titel hat der Autor nicht beabsichtigt, die Langweiligkeit einer Wüste herauf zu beschwören. Aber Herausgekommen ist es trotzdem. Ganz so einfach ist es indessen nicht.

Es beginnt mit schmaler gedruckten Seiten: 'Sagiet el-Hamra, Winter 1909-1910; Sie sind auf dem Gipfel der Düne aufgetaucht.' Sie, das sind die Tuareg auf der Flucht vor den bösen, aggressiven Christen. Diese ganze Fluchtgeschichte ist von einer ausgesuchten Langweile und sie endet in Agadir, wo die Tuareg unter Beschuss eines Kanonenbootes gerieten.

Interessanter ist die andere Geschichte, mit einer jungen Frau im Mittelpunkt. Aber hier wie dort ist dieser elegisch-bedeutunghuberische Schwamm über alles gelegt, das den einen als poetisch gilt, auch dem Klappentext. Dazu kommt ein super idyllisches Afrika und ein komplett heruntergekommener Westen, den Lalla, die junge Frau, in Marseille erlebt, wohin sie geflohen ist vor einer Zwangsehe. Wie bitte, in der Idylle eine Zwangsehe? Eben: Le Clézio merkt nicht, dass sich dieses Hell-Dunkel nicht durchhalten lässt. Nicht alles Afrikanische ist gut und alles Europäische ist schlecht. Dann gibt es den Ziegenhirten, den Lalla gut findet. Dieser Ziegenhirt nun ist wieder so ein Zuckertyp, wie es ihn in der Realität nicht gibt. Dennoch geht er ihr auf der Flucht nach Europa verloren.

Mich hat Le Clézio an "Jeanne" von George Sand erinnert. Auch dort gibt es viel ursprüngliche Natur und eine penetrant idealistische Frauenfigur, die sich gegen Ende selbst mit der heiligen Theresa vergleicht.

Le Clézio, ein einäugiger Idylliker mit schwärmerischem Satzgeklingel.

Und das war das Buch, mit dem dem Autor der Durchbruch gelang, dem späteren Nobelpreisträger (2008). Die Franzosen lieben Idylliker und Idealisten offenbar, dafür haben sie mit der Realität nicht soviel am Hut.

Kurz danach hat ein anderer Franzose den Literaturnobelpreis bekommen. Lesen sie den!
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am 8. Dezember 2009
SAINT EXUPERY FÜR TASCHENBUCHLESER (LUDWIG WITZANI)
Ich war sicher nicht der einzige, der bei der Nobelpreisverleihung 2008 fragte: LeClezio? Wer ist das? Die Lektüre des vorliegenden Buches sollte mir die Frage beantworten. Aber um die Wahrheit zu sagen: nachdem ich das Buch gelesen habe, bin ich auch nicht viel weiter. LeClezio? Wer ist das? Und vor allem: was soll das vorliegende Buch?
Wie jeder allein schon aus dem Seiten-layout ersehen kann, handelt es sich bei dem vorliegenden Roman auf jeden Fall um zwei Bücher, deren einzelne Kapitel ineinander verschachtelt erzählt werden. Kapitel 1,3, 5 (und so weiter) handelt von einem Nomadenstamm aus dem Süden Marokkos, dessen Lebensgrundlagen verdorren und der sich unter der Führung des Weisen Ma-el Ainin in einem entbehrungseichen Marsch nach Norden aufmacht, nur um vor den Mauern Tarudants und Marrakeschs keine Hilfe und schließlich in Dünen vor Agadir den Tod durch französische Kolonialtruppen zu finden.
Im Mittelpunkt von Kapitel 2,4, 6 (und so weiter) steht Lalla, ein junges marokkanisches Mädchen, das in einer Barackensiedlung am Rande des Ozeans lebt. Lalla lauscht den Erzählungen des Fischers Narma und besucht den "Hartani", einen schwarzen Hirten, den ein Krieger dereinst am Oasenbrunnen ablegte. Lalla saugt sich voll mit den Mythen der Wüste, berauscht sich den Geräuschen, dem Wind, den Tieren, den Pflanzen am Rande der absoluten Kargheit und ist glücklich, wenn sie bei Sonnenaufgang über die noch nachtharten Dünen laufen kann. Als sie an einen ungeliebten Mann verheiratet werden soll, flieht sie nach Frankreich, wo sie sich eine zeitlang in Marseille herumtreibt. In der Stadt, die ihr wie eine Zone des Todes erscheint, leidet sie an die Masse der Menschen, sie spürt die Leere und die Verzweiflung der Einheimischen und der Zuwanderer, die Einsamkeit, die Feuchtigkeit und die Gewalt, die in den schmalen Gassen lauern. Am Ende kehrt sie, hochschwanger nach Marokko zurück und gebiert auf einer Düne ihr Kind.
Soweit die Grundzüge der Handlung, die durchweg in poetischer Prosa erzählt wird. Am beeindruckendsten für mich war die dezidierte Entgegensetzung von Wüste und Stadt, von Weite und Enge, von Licht und Dunkelheit. Wo Lalla in pantheistischer Lebensbejahung über die heißen Dünen läuft, verkriecht sie sich in der Stadt in die hintersten Ecken, um die Unwirtlichkeit des Urbanen überhaupt überleben zu können. Was LeClezio über die Aura der Stadt, über Abfälle, die Geräusche, Ethnien und Einzelschicksale ( vgl. vor allem S. 292ff: ) schreibt, ist für mich große Literatur, weil der Leser diese Dinge auf eine neue und überraschende Weise mit den Augen eines Wüstenmädchens sehen lernt.
Ein Problem allerdings habe ich mit der Sprache. Le Clezio ist berühmt für seine nach landläufigen Begriffen "schöne" Sprache, er schreibt Sätze, die wie ein guter Rotwein auf der Zunge vergehen, er konstruiert Nebensätze, die harmonisch wie ein Oasenbach den Sinn umspielen. Nun verhält es sich aber mit der gehobenen Prosa ein wenig wie mit Maggi-Würfeln. Einmal hin und wieder ist ok, aber dauernd, das stumpft ein wenig ab. Über Hunderte von Seiten LeClezios gehobene Wüstenprosa zu lesen, kam mir ein wenig so vor, als höre ich die Stundenlang Ouvertüre und Finale auf einmal. Auf die Dauer ist das schwer erträglich.
Und schließlich hatte ich, je langer ich in "Wüste" las, das unbestimmte Gefühl, dass ich diese Diktion bereits kenne. Erst am Ende des Buches fiel mir auf: die Sprache, in der LeClezios das vorliegende Buch erzählt, ist die Sprache von Antoine de Saint Exupery in "Die Stadt in "Wüste." Wer will, kann die beiden Bücher wahllos nebeneinander aufschlagen und einzelne Passagen vergleichen, er wird frappierende Übereinstimmungen finden.
Wie immer man diese Übereinstimmungen auch bewerten mag, insgesamt hat mich das Buch nur teilweise überzeugt. Wer sich für die Wüste interessiert, wen die Hektik der urbanen Welt nervt, wer eine Reise durch Marokko, nach Tarudant oder Marrakesch unternehmen will, wird das Werk sicher mit Gewinn lesen. Aber ich hatte mir ehrlich gesagt, mehr versprochen.
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am 9. März 2009
Es sind 2 Geschichten, die nebeneinander laufen und sich am Ende treffen. Le Clézio erzählt von einer Welt, die viele von uns nicht kennen, mit vielem Respekt und Verständnis.Die Situationen werden klar beschrieben und
lassen dem Leser Platz zum nachdenken... Ich werde bestimmt mehr Bücher von diesem Autor lesen.
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