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am 18. Oktober 2009
In Alaska wird die Stadt Sitka als die Hauptstadt der Juden ausgegeben. Auch so könnte man sich also die Gründung eines Judenstaates vorstellen: nach dem Holocaust und dem Zusammenbruch des Staates Israel 1948 gründen die Juden in Alaska vorübergehend einen neuen Staat. Inzwischen droht auch hier die erneute Ausweisung.
Verrückt mutet das Szenario an und ist doch durchaus vorstellbar: überall in der Welt könnte ein Judenstaat entstehen. Und immer wieder würde das Dasein der Menschen eines Tages durch Vertreibung enden. Visionäre Ausblicke!

Mit erheblichem Aufruhr beginnt der Roman von Michael Chabon, der in diesem fiktiven Staat spielt: in einem Hotel in der Stadt wird ein ehemaliges Schach-Wunderkind ermodert aufgefunden! Und Kriminalkommissar Meyer Landsman rätselt, wer der Mörder sein könnte!

Meyer Landsman und sein Kollege geraten bei der Suche nach dem Mörder an den Vater des Opfers: es ist der angesehene Rabbi Heskel Shpilman, ein feister Koloss von einem Mann.
Die Todesnachricht überrascht ihn nicht. Er hat den Sohn schon vor Jahren für tot erklärt und das Kaddisch über ihn gesprochen, weil er auf die schiefe Bahn geraten war.
Landsman bleibt beharrlich auf seinem Kurs. Ihm scheinen die äußeren Bedingungen für den Mord rätselhaft. So habe der Sohn als kleiner Junge gewisse Anzeichen von sich gegeben, dass er der ersehnte Tzaddik ha-Dor, Gerechter seiner Generation, eine Art Messias, sein könne.

Bei der nachfolgenden Suche nach dem Mörder von Mendel Shpilman verstrickt sich Landsman in weit reichende Schwierigkeiten. Eine ausgedehnte Intrige und Vertuschung bei der Aufklärung des Mordes von ganz oben wird ihm zum Verhängnis. Er wird vom Dienst suspendiert, lässt aber nicht locker. Seine Frau Bina schützt ihn. In einer sehr anrührenden Szene begegnet Landsman seiner Ex Frau Bina, die neuerdings seine Vorgesetzte in der Mordkommission ist. Immer noch spürt man die Zärtlichkeit, die sie einst verbunden hat. Verhalten und scheu bleiben sie sich ferne, und nur die Sehnsucht nach ihr ist immer noch spürbar,---und bleibt es bis zuletzt!

Auf abenteuerlichen Wegen gelangt Landsman in eine abgelegene Gegend, erlebt spannende Suchoptionen, erfährt vom Tod seiner Schwester und deckt ein weit verzweigtes Netz von spinnerten und abwegigen jüdischen Religionsfanatikern mit politischen Absichten auf. Ein Abenteuer löst das andere ab und bietet Spannung pur.

Landsman kommt seinem Wunsch, die Aufklärung des Mordes an Mendel Shpilman voran zu treiben, immer näher.
Das Buch ist voller hintergründiger Einzelheiten und Anspielungen auf die jüdische Religion, Geschichte und Tradition. Abenteuerliche Winkelzüge und kaum vorstellbare Verwicklungen führen den Leser an der Nase herum.
Scharfzüngig und geistreich reiht sich eine Spitze an die andere. Szenen voller Tiefenschärfe und geheimnisvoller Rituale verlangen dem Leser einige Kenntnis über jüdisches Brauchtum ab.
Die eigentliche Kriminalgeschichte ist eingebettet in die fiktive Geschichte dieses imaginierten jüdischen Staates in Alaska. Befreiungs- und Erlösertheorien wechseln ab mit kriminellen und politischen Machenschaften, und das Ende ist gut.

Michael Chabon, der Pulitzerpreisträger, sprüht über vor Ideen, wenn es darum geht, eine Fantasiegeschichte zu erfinden.
Seine Prosa, durchmischt mit vielen jiddischen Ausdrücken, die nicht jeder immer gleich übersetzen kann,--aber dazu gibt es ein Anmerkungsverzeichnis, --- ist temporeich und witzig. Man sollte auf der Hut sein, zu glauben, dass man die Geschichte gleich versteht. Der Autor verlangt uns Wissen um die jüdische Geschichte, Witz und Humor ab, um die vielen skurrilen Einzelheiten zu begreifen. Hat man sich aber einmal eingelesen, kann man von dem Text nicht mehr lassen!
Eine Leistung ist die Übersetzung von Andrea Fischer, die sich wieder einmal als ein hervorragendes Sprachgenie erweist.
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am 30. April 2008
Michael Chabon Die Vereinigung jiddischer Polizisten
Kiepenheur&Witsch ISBN 3462039725

In Alaska wird die Stadt Sitka als die Hauptstadt der Juden ausgegeben. Auch so könnte man sich also die Gründung eines Judenstaates vorstellen: nach dem Holocaust und dem Zusammenbruch des Staates Israel 1948 gründen die Juden in Alaska vorübergehend einen neuen Staat. Inzwischen droht auch hier die erneute Ausweisung.
Verrückt mutet das Szenario an und ist doch durchaus vorstellbar: überall in der Welt könnte ein Judenstaat entstehen. Und immer wieder würde das Dasein der Menschen eines Tages durch Vertreibung enden. Visionäre Ausblicke!

Mit erheblichem Aufruhr beginnt der Roman von Michael Chabon, der in diesem fiktiven Staat spielt: in einem Hotel in der Stadt wird ein ehemaliges Schach-Wunderkind ermodert aufgefunden! Und Kriminalkommissar Meyer Landsman rätselt, wer der Mörder sein könnte!

Meyer Landsman und sein Kollege geraten bei der Suche nach dem Mörder an den Vater des Opfers: es ist der angesehene Rabbi Heskel Shpilman, ein feister Koloss von einem Mann.
Die Todesnachricht überrascht ihn nicht. Er hat den Sohn schon vor Jahren für tot erklärt und das Kaddisch über ihn gesprochen, weil er auf die schiefe Bahn geraten war.
Landsman bleibt beharrlich auf seinem Kurs. Ihm scheinen die äußeren Bedingungen für den Mord rätselhaft. So habe der Sohn als kleiner Junge gewisse Anzeichen von sich gegeben, dass er der ersehnte Tzaddik ha-Dor, Gerechter seiner Generation, eine Art Messias, sein könne.

Bei der nachfolgenden Suche nach dem Mörder von Mendel Shpilman verstrickt sich Landsman in weit reichende Schwierigkeiten. Eine ausgedehnte Intrige und Vertuschung bei der Aufklärung des Mordes von ganz oben wird ihm zum Verhängnis. Er wird vom Dienst suspendiert, lässt aber nicht locker. Seine Frau Bina schützt ihn. In einer sehr anrührenden Szene begegnet Landsman seiner Ex Frau Bina, die neuerdings seine Vorgesetzte in der Mordkommission ist. Immer noch spürt man die Zärtlichkeit, die sie einst verbunden hat. Verhalten und scheu bleiben sie sich ferne, und nur die Sehnsucht nach ihr ist immer noch spürbar,---und bleibt es bis zuletzt!

Auf abenteuerlichen Wegen gelangt Landsman in eine abgelegene Gegend, erlebt spannende Suchoptionen, erfährt vom Tod seiner Schwester und deckt ein weit verzweigtes Netz von spinnerten und abwegigen jüdischen Religionsfanatikern mit politischen Absichten auf. Ein Abenteuer löst das andere ab und bietet Spannung pur.
Landsman kommt seinem Wunsch, die Aufklärung des Mordes an Mendel Shpilman voran zu treiben, immer näher.
Das Buch ist voller hintergründiger Einzelheiten und Anspielungen auf die jüdische Religion, Geschichte und Tradition. Abenteuerliche Winkelzüge und kaum vorstellbare Verwicklungen führen den Leser an der Nase herum.
Scharfzüngig und geistreich reiht sich eine Spitze an die andere. Szenen voller Tiefenschärfe und geheimnisvoller Rituale verlangen dem Leser einige Kenntnis über jüdisches Brauchtum ab.
Die eigentliche Kriminalgeschichte ist eingebettet in die fiktive Geschichte dieses imaginierten jüdischen Staates in Alaska. Befreiungs- und Erlösertheorien wechseln ab mit kriminellen und politischen Machenschaften, und das Ende ist gut.

Michael Chabon, der Pulitzerpreisträger, sprüht über vor Ideen, wenn es darum geht, eine Fantasiegeschichte zu erfinden.
Seine Prosa, durchmischt mit vielen jiddischen Ausdrücken, die nicht jeder immer gleich übersetzen kann,--aber dazu gibt es ein Anmerkungsverzeichnis, --- ist temporeich und witzig. Man sollte auf der Hut sein, zu glauben, dass man die Geschichte gleich versteht. Der Autor verlangt uns Wissen um die jüdische Geschichte, Witz und Humor ab, um die vielen skurrilen Einzelheiten zu begreifen. Hat man sich aber einmal eingelesen, kann man von dem Text nicht mehr lassen!
Eine Leistung ist die Übersetzung von Andrea Fischer, die sich wieder einmal als hervorragendes Sprachgenie erweist.
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am 11. Februar 2016
Die Inhaltsbeschreibung versprach eine gute Geschichte, doch die Schriftgröße des Buches ist für einen Leser mit Brille beschwerlich und so konnte ich die Geschichte leider nicht zu Ende lesen..also Finger weg von dieser Ausgabe, wenn das Augenlicht bereits nachgelassen hat;o)
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am 6. Oktober 2009
Mit Sujets geht Michael Chabon fürwahr nicht knausrig um, und das Erzählen kann er auch: Da wäre zunächst der hardboiled-Krimi mit einem Ermittler ganz in der Tradition eines Sam Spade, der eigentlich schon genug zu tun hätte mit seinen eigenen Problemen und seiner eigenen verkorksten Vergangenheit. Meyer Landsman ist ein heruntergekommener Polizist, der seinen Instinkten und Assoziationen folgt. Seine geschiedene Frau ist neuerdings seine Chefin, und natürlich liebt er sie immer noch -- und wie's um ihre Gefühle steht, das wäre auch ein Fall für die Ermittler. Und jetzt gibt's einen Mord an einem zunächst namenlosen Junkie, der kein Mord sein darf und an dessen Vertuschung "man" an höchster Stelle (und zwar wirklich an höchster Stelle!) interessiert ist. Alles ist schmuddelig und verkommen: Der Tote, die Absteige, der Ermittler... Und sie haben noch mehr gemeinsam als nur die Hoffnungen, die einstmals in sie gesetzt worden sind: Die Junkie-Absteige "Hotel Zamenhof", benannt nach dem Esperanto-Erfinder, der zur weltweiten Verständigung der Menschheit beitragen wollte. Das vielversprechende Schach-Talent Meyer Landsman, die Hoffnung seiner Eltern, die den Holocaust und die vereinigten arabischen Armeen überstanden hatten. Und der ermordete Junkie, der womöglich der "Zaddik ha-Dor" hätte sein können, der hoffnungstillende "Gerechte seiner Generation". Kein Wunder, dass Landsman sich den Anordnungen von ganz oben widersetzt und auf eigene Faust ermittelt... und kein Wunder, dass eine improvisierte Schachfigur mehr bedeutet als nur ein Springer, und dass Zugzwang auf vielen Handlungsebenen dieses Romans angesagt ist. Meist handelt sich's um tatsächlichen Zugzwang, manchmal ist der Zugzwang aber auch nur Schein. Man wird sehen, beziehungsweise lesen.

So weit also der Schwarze-Serie-Aspekt. Aber Chabon setzt noch einen drauf: Der Krimi spielt in Sitka, im südwestlichen Ausläufer Alaskas. Aber nicht in dem Alaska, das wir kennen, oder jederzeit kennenlernen könnten.
"Die Vereinigung jiddischer Polizisten" ist nämlich nicht nur ein Krimi, in dem obendrein Schachzüge auch im konkreten Sinn eine wichtige Rolle spielen, sondern Chabon schreibt hier auch kontrafaktische Geschichte ("wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn..."): Ende des Zweiten Weltkrieges wurde eine Atombombe auf Deutschland abgeworfen, die Sowjetunion ist erstens kleiner, zweitens keine Weltmacht, hat also drittens keinen Einfluss auf die osteuropäischen Staaten, irgendwie hat sich die Mandschurei etabliert, und noch einiges mehr -- eben eine andere Geschichte.
Entscheidend ist jedoch: Der Staat Israel wurde bereits 1948 wieder von den vereinigten arabischen Armeen vernichtet, und aufgrund einer makabren Laune der Geschichte wurde der Distrikt Sitka zur neuen provisorischen Heimstatt wider Willen für jene Juden, die nicht nur den Holocaust überlebt hatten, sondern die auch noch 1948 entkommen konnten. Und wäre ein betrunkener Schlemil nicht in ein New Yorker Taxi gestolpert, so gäbe es nichtmal dieses Alaska-Provisorium...
Während in Palästina offensichtlich konkurrierende Richtungen des Islam und arabische Regionalmächte um die Vorherrschaft kämpfen, entwickelt sich in Sitka ein Szenario, das in manchen (manchen!) Aspekten an Entwicklungen im realen Israel erinnert -- seien es bewaffnete Konflikte zwischen jüdischen Immigranten und indianischer Tlingit-Bevölkerung, die womöglich so spontan nicht entstanden sind, sei es das ganze Spektrum der israelischen Gesellschaft, versetzt in dieses imaginäre Alaska: Einerseits die Frommen ("Schwarzhüte"), von Bilderbuch-Chassiden bis hin zu strenggläubigen militanten Orthodoxen, die nicht viel gemeinsam haben mit dem Fiedler-auf-dem-Dach-Klischee und die zwecks Tempel-Wiederaufbau (ohne Tempel kein Messias!) auch zum Al-Aksa-Moschee-Sprengen samt Weltkriegs-Zündeln bereit wären. Dazu natürlich all die genervten Normalsterblichen quer durch die Gesellschaftsschichten, und die letzten altgedienten säkularen Zionisten unterschiedlichster politischer Couleur; Warschauer-Ghetto-Veteranen und KZ-Überlebende -- und jede Menge Halb- und Unterwelt; halbseidene Ganoven mit eigener Hierarchie, wohin man nicht schaut.
Und selbstverständlich mischen überall undurchschaubare Geheimdienstler mit, deren Auftraggeber man nicht so recht zuordnen machen kann, und trotz aller Feindschaft gibt es sogar gelegentliche Mischehen zwischen Juden und Indianern; einer dieser Ehen davon entstammt Landsmans bester Freund, Kollege und Cousin Berko. Dass der am Ende eine Identitätskrise übergestülpt bekommt, mit der nicht nur er selber überfordert ist, sondern auch die Handlung... nunja, man kann nicht alles wollen.
Selbstverständlich haben all diese und noch andere Interessensgruppen ihre großzügigen, finanzkräftigen und idealerweise auch einflussreichen Förderer andernorts sitzen. Und selbstverständlich ist dieses imaginäre Sitka kein subarktisches Abziehbild des realen Palästina, denn dann hätte Chabon sich mit seiner Stofffülle tatsächlich verhoben. Die Anspielungen sind nicht zu übersehen, aber sie entwickeln sich anders, denn die ganze vorangegangene Geschichte ist ja anders verlaufen.
Sitka ist allerdings eine provisorische Heimstatt, deren Tage nun gezählt sind: Der neue US-Präsident will das Statut aufheben, der Sitka-Distrikt soll den Tlingit zugesprochen werden. Wieder einmal wird die Frage aktuell, welches Land wieviele Juden aufnimmt. Die Atmosphäre ist aufgeheizt und lethargisch zugleich; zahllose unsichtbare Fäden sind quer durch den Sitka-Distrikt gespannt. Und aus diesen Fäden wird ein Muster gewebt, das Landsman, seine Ex-Frau und Berko erst allmählich erkennen können, und mit ihnen der Leser. Ein ob seiner Größe kaum erkennbares Muster, oder genauer: Eine Zugzwang-Falle in einem überdimensionierten Schachspiel wird dermaßen schlau aufgebaut, dass die Figuren zwangsläufig hineintappen. Bleibt freilich die Frage, ob sie sich als regelkonforme Verlierer an die Regeln halten wollen...

Chabon hat den Stoff ganz gut geschultert, obwohl der Roman ausgerechnet gegen Ende nicht genug Fahrt aufnimmt und obwohl gerade gegen Ende gelegentlich der erzählerische Motor stottert, weil er zuviel Trivialpsychologie den Berg hochwuchten soll. Obendrein muss dann auch noch der durchaus plausible Identitätskonflikt eines Halbindianers auf viel zu engen Raum gequetscht werden. Da will der Autor einfach zu viel. Noch eine Verstrickung, noch ein psychologischer Konflikt... und irgendwann ist eine Figur zuviel in Spiel.
Das Vergnügen an der Lektüre leidet darunter aber kaum, denn das auch erzähltechnisch gewagte Unternehmen ist gelungen: Von der leichten Unwucht gegen Ende des Romans und unwesentlichen Längen mal abgesehen, bietet dieser Roman beste Unterhaltung, und das gleich auf mehreren Ebenen, eben weil man ihn unter mehreren Aspekten lesen kann.
Meyer Landsman, der jiddische Sam Spade nimmt die Leser mit auf seinen Schleuder-Parcours, und der Leser lässt sich gern mitnehmen, obwohl er weiß, dass er jede Menge Blessuren riskiert. Das liegt sicher daran, dass die Atmosphäre stimmt. Man muss sich das erst einmal trauen: Einen halbautonomen Judenstaat in Alaska erfinden, ihm eine glaubwürdige Entstehungsgeschichte verpassen und das Ganze überzeugend an die subarktischen Bedingungen anpassen... und dort dann so ziemlich all jene Gruppierungen aufeinanderprallen lassen, die auch im aschkenasischen Bevölkerungsteil der heutigen israelischen Gesellschaft aufeinanderprallen.
Dass diese imaginäre Welt einen so glaubwürdigen Schauplatz abgibt, liegt sicher auch an Chabons gründlichen Recherchen im Vorfeld; er hat nicht einfach drauflos fabuliert und bei Bedarf bzw. nach Gutdünken einen gefilten Fisch in den Topf beordert, wie das ein schlechterer Autor hingepfuscht hätte -- nein, das hier überzeugt. (Nunja, fast -- ein Auto unbehelligt kurz vor Sabbatbeginn durchs Orthodoxenviertel fahren lassen... ein einsamer Schönheitsfehler nur)
Dennoch wird einem das nötige Hintergrundwissen nicht nach der Karl-May-Methode vermittelt, sondern geschickt in die Handlung integriert, je nach Situation auf verschiedene Arten. Die meisten -- leider nicht alle -- Begriffe mit eventuellem Erläuterungsbedarf werden im Anhang außerdem kurz aber ausreichend erläutert.
Und dann besticht natürlich die Sprache des Romans. Chabon geht souverän mit Metaphern um, ohne je zu übertreiben, wenn er "seinen" Meyer Landsman erzählen lässt, oder genauer: wenn man Landsmans inneren Monologen und Wahrnehmungen folgt: "Sie dunsten ein so schweres Schweigen aus, dass Landsman spürt, wie es seitlich gegen seinen Kopf drückt. Er hört, wie der Schnee zischt, er hört jede Schneeflocke knistern, die auf die Gaslampe fällt. Die Männer stellen böse Blicke, unschuldige Blicke und so leere Blicke zur Schau, dass alle Luft aus Landsmans Lungen gesogen zu werden droht."
Das jiddische Vokabular und die Neubildungen (z.B. "Untershtot" statt "downtown") fallen sofort auf, aber auch inneren Monologen liegt oft eine jiddische Syntax zugrunde, oder ein spezifischer Rededuktus. Man bemerkt das erst, wenn man genau hinschaut, aber wirken tut's auch unbemerkt; gelegentlich hat man's sogar mit verschiedenen jiddischen Dialekten zu tun. Langsames Lesen, gründliches Wörterkauen ist also dringend geraten. Die Übersetzerin Andrea Fischer hat jedenfalls ordentliche Arbeit geleistet. Wenn sie (und der Lektor!) außerdem noch die Untugend ablegte, ständig "anscheinend" und "scheinbar" zu verwechseln, und wenn sie außerdem Landsmans schnoddrige "hardboiled"-Bemerkungen nicht immer anfangen ließe mit einem hüftsteifen "Schätze, dass..." -- nun, dann wäre die Übersetzung sogar hervorragend.

Übrigens, es ist kein schlechter Scherz von Chabon, wenn von einem Buch mit dem Titel "Kampf" die Rede ist. Allerdings ist damit ein philosophisches Werk des Schachgroßmeisters Emanuel Lasker gemeint, und unter dem Pseudonym "Emanuel Lasker" logierte wiederum der vermeintliche "Gerechte seiner Generation" im "Hotel Zamenhof", als er ermordet wurde. Und außerdem... aber ich hör ja schon auf. Zugzwang.
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am 6. Oktober 2009
Mit Sujets geht Michael Chabon fürwahr nicht knausrig um, und das Erzählen kann er auch: Da wäre zunächst der hardboiled-Krimi mit einem Ermittler ganz in der Tradition eines Sam Spade, der eigentlich schon genug zu tun hätte mit seinen eigenen Problemen und seiner eigenen verkorksten Vergangenheit. Meyer Landsman ist ein heruntergekommener Polizist, der seinen Instinkten und Assoziationen folgt. Seine geschiedene Frau ist neuerdings seine Chefin, und natürlich liebt er sie immer noch -- und wie's um ihre Gefühle steht, das wäre auch ein Fall für die Ermittler. Und jetzt gibt's einen Mord an einem zunächst namenlosen Junkie, der kein Mord sein darf und an dessen Vertuschung "man" an höchster Stelle (und zwar wirklich an höchster Stelle!) interessiert ist. Alles ist schmuddelig und verkommen: Der Tote, die Absteige, der Ermittler... Und sie haben noch mehr gemeinsam als nur die Hoffnungen, die einstmals in sie gesetzt worden sind: Die Junkie-Absteige "Hotel Zamenhof", benannt nach dem Esperanto-Erfinder, der zur weltweiten Verständigung der Menschheit beitragen wollte. Das vielversprechende Schach-Talent Meyer Landsman, die Hoffnung seiner Eltern, die den Holocaust und die vereinigten arabischen Armeen überstanden hatten. Und der ermordete Junkie, der womöglich der "Zaddik ha-Dor" hätte sein können, der hoffnungstillende "Gerechte seiner Generation". Kein Wunder, dass Landsman sich den Anordnungen von ganz oben widersetzt und auf eigene Faust ermittelt... und kein Wunder, dass eine improvisierte Schachfigur mehr bedeutet als nur ein Springer, und dass Zugzwang auf vielen Handlungsebenen dieses Romans angesagt ist. Meist handelt sich's um tatsächlichen Zugzwang, manchmal ist der Zugzwang aber auch nur Schein. Man wird sehen, beziehungsweise lesen.

So weit also der Schwarze-Serie-Aspekt. Aber Chabon setzt noch einen drauf: Der Krimi spielt in Sitka, im südwestlichen Ausläufer Alaskas. Aber nicht in dem Alaska, das wir kennen, oder jederzeit kennenlernen könnten.
"Die Vereinigung jiddischer Polizisten" ist nämlich nicht nur ein Krimi, in dem obendrein Schachzüge auch im konkreten Sinn eine wichtige Rolle spielen, sondern Chabon schreibt hier auch kontrafaktische Geschichte ("wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn..."): Ende des Zweiten Weltkrieges wurde eine Atombombe auf Deutschland abgeworfen, die Sowjetunion ist erstens kleiner, zweitens keine Weltmacht, hat also drittens keinen Einfluss auf die osteuropäischen Staaten, irgendwie hat sich die Mandschurei etabliert, und noch einiges mehr -- eben eine andere Geschichte.
Entscheidend ist jedoch: Der Staat Israel wurde bereits 1948 wieder von den vereinigten arabischen Armeen vernichtet, und aufgrund einer makabren Laune der Geschichte wurde der Distrikt Sitka zur neuen provisorischen Heimstatt wider Willen für jene Juden, die nicht nur den Holocaust überlebt hatten, sondern die auch noch 1948 entkommen konnten. Und wäre ein betrunkener Schlemil nicht in ein New Yorker Taxi gestolpert, so gäbe es nichtmal dieses Alaska-Provisorium...
Während in Palästina offensichtlich konkurrierende Richtungen des Islam und arabische Regionalmächte um die Vorherrschaft kämpfen, entwickelt sich in Sitka ein Szenario, das in manchen (manchen!) Aspekten an Entwicklungen im realen Israel erinnert -- seien es bewaffnete Konflikte zwischen jüdischen Immigranten und indianischer Tlingit-Bevölkerung, die womöglich so spontan nicht entstanden sind, sei es das ganze Spektrum der israelischen Gesellschaft, versetzt in dieses imaginäre Alaska: Einerseits die Frommen ("Schwarzhüte"), von Bilderbuch-Chassiden bis hin zu strenggläubigen militanten Orthodoxen, die nicht viel gemeinsam haben mit dem Fiedler-auf-dem-Dach-Klischee und die zwecks Tempel-Wiederaufbau (ohne Tempel kein Messias!) auch zum Al-Aksa-Moschee-Sprengen samt Weltkriegs-Zündeln bereit wären. Dazu natürlich all die genervten Normalsterblichen quer durch die Gesellschaftsschichten, und die letzten altgedienten säkularen Zionisten unterschiedlichster politischer Couleur; Warschauer-Ghetto-Veteranen und KZ-Überlebende -- und jede Menge Halb- und Unterwelt; halbseidene Ganoven mit eigener Hierarchie, wohin man nicht schaut.
Und selbstverständlich mischen überall undurchschaubare Geheimdienstler mit, deren Auftraggeber man nicht so recht zuordnen machen kann, und trotz aller Feindschaft gibt es sogar gelegentliche Mischehen zwischen Juden und Indianern; einer dieser Ehen davon entstammt Landsmans bester Freund, Kollege und Cousin Berko. Dass der am Ende eine Identitätskrise übergestülpt bekommt, mit der nicht nur er selber überfordert ist, sondern auch die Handlung... nunja, man kann nicht alles wollen.
Selbstverständlich haben all diese und noch andere Interessensgruppen ihre großzügigen, finanzkräftigen und idealerweise auch einflussreichen Förderer andernorts sitzen. Und selbstverständlich ist dieses imaginäre Sitka kein subarktisches Abziehbild des realen Palästina, denn dann hätte Chabon sich mit seiner Stofffülle tatsächlich verhoben. Die Anspielungen sind nicht zu übersehen, aber sie entwickeln sich anders, denn die ganze vorangegangene Geschichte ist ja anders verlaufen.
Sitka ist allerdings eine provisorische Heimstatt, deren Tage nun gezählt sind: Der neue US-Präsident will das Statut aufheben, der Sitka-Distrikt soll den Tlingit zugesprochen werden. Wieder einmal wird die Frage aktuell, welches Land wieviele Juden aufnimmt. Die Atmosphäre ist aufgeheizt und lethargisch zugleich; zahllose unsichtbare Fäden sind quer durch den Sitka-Distrikt gespannt. Und aus diesen Fäden wird ein Muster gewebt, das Landsman, seine Ex-Frau und Berko erst allmählich erkennen können, und mit ihnen der Leser. Ein ob seiner Größe kaum erkennbares Muster, oder genauer: Eine Zugzwang-Falle in einem überdimensionierten Schachspiel wird dermaßen schlau aufgebaut, dass die Figuren zwangsläufig hineintappen. Bleibt freilich die Frage, ob sie sich als regelkonforme Verlierer an die Regeln halten wollen...

Chabon hat den Stoff ganz gut geschultert, obwohl der Roman ausgerechnet gegen Ende nicht genug Fahrt aufnimmt und obwohl gerade gegen Ende gelegentlich der erzählerische Motor stottert, weil er zuviel Trivialpsychologie den Berg hochwuchten soll. Obendrein muss dann auch noch der durchaus plausible Identitätskonflikt eines Halbindianers auf viel zu engen Raum gequetscht werden. Da will der Autor einfach zu viel. Noch eine Verstrickung, noch ein psychologischer Konflikt... und irgendwann ist eine Figur zuviel in Spiel.
Das Vergnügen an der Lektüre leidet darunter aber kaum, denn das auch erzähltechnisch gewagte Unternehmen ist gelungen: Von der leichten Unwucht gegen Ende des Romans und unwesentlichen Längen mal abgesehen, bietet dieser Roman beste Unterhaltung, und das gleich auf mehreren Ebenen, eben weil man ihn unter mehreren Aspekten lesen kann.
Meyer Landsman, der jiddische Sam Spade nimmt die Leser mit auf seinen Schleuder-Parcours, und der Leser lässt sich gern mitnehmen, obwohl er weiß, dass er jede Menge Blessuren riskiert. Das liegt sicher daran, dass die Atmosphäre stimmt. Man muss sich das erst einmal trauen: Einen halbautonomen Judenstaat in Alaska erfinden, ihm eine glaubwürdige Entstehungsgeschichte verpassen und das Ganze überzeugend an die subarktischen Bedingungen anpassen... und dort dann so ziemlich all jene Gruppierungen aufeinanderprallen lassen, die auch im aschkenasischen Bevölkerungsteil der heutigen israelischen Gesellschaft aufeinanderprallen.
Dass diese imaginäre Welt einen so glaubwürdigen Schauplatz abgibt, liegt sicher auch an Chabons gründlichen Recherchen im Vorfeld; er hat nicht einfach drauflos fabuliert und bei Bedarf bzw. nach Gutdünken einen gefilten Fisch in den Topf beordert, wie das ein schlechterer Autor hingepfuscht hätte -- nein, das hier überzeugt. (Nunja, fast -- ein Auto unbehelligt kurz vor Sabbatbeginn durchs Orthodoxenviertel fahren lassen... ein einsamer Schönheitsfehler nur)
Dennoch wird einem das nötige Hintergrundwissen nicht nach der Karl-May-Methode vermittelt, sondern geschickt in die Handlung integriert, je nach Situation auf verschiedene Arten. Die meisten -- leider nicht alle -- Begriffe mit eventuellem Erläuterungsbedarf werden im Anhang außerdem kurz aber ausreichend erläutert.
Und dann besticht natürlich die Sprache des Romans. Chabon geht souverän mit Metaphern um, ohne je zu übertreiben, wenn er "seinen" Meyer Landsman erzählen lässt, oder genauer: wenn man Landsmans inneren Monologen und Wahrnehmungen folgt: "Sie dunsten ein so schweres Schweigen aus, dass Landsman spürt, wie es seitlich gegen seinen Kopf drückt. Er hört, wie der Schnee zischt, er hört jede Schneeflocke knistern, die auf die Gaslampe fällt. Die Männer stellen böse Blicke, unschuldige Blicke und so leere Blicke zur Schau, dass alle Luft aus Landsmans Lungen gesogen zu werden droht."
Das jiddische Vokabular und die Neubildungen (z.B. "Untershtot" statt "downtown") fallen sofort auf, aber auch inneren Monologen liegt oft eine jiddische Syntax zugrunde, oder ein spezifischer Rededuktus. Man bemerkt das erst, wenn man genau hinschaut, aber wirken tut's auch unbemerkt; gelegentlich hat man's sogar mit verschiedenen jiddischen Dialekten zu tun. Langsames Lesen, gründliches Wörterkauen ist also dringend geraten. Die Übersetzerin Andrea Fischer hat jedenfalls ordentliche Arbeit geleistet. Wenn sie (und der Lektor!) außerdem noch die Untugend ablegte, ständig "anscheinend" und "scheinbar" zu verwechseln, und wenn sie außerdem Landsmans schnoddrige "hardboiled"-Bemerkungen nicht immer anfangen ließe mit einem hüftsteifen "Schätze, dass..." -- nun, dann wäre die Übersetzung sogar hervorragend.

Übrigens, es ist kein schlechter Scherz von Chabon, wenn von einem Buch mit dem Titel "Kampf" die Rede ist. Allerdings ist damit ein philosophisches Werk des Schachgroßmeisters Emanuel Lasker gemeint, und unter dem Pseudonym "Emanuel Lasker" logierte wiederum der vermeintliche "Gerechte seiner Generation" im "Hotel Zamenhof", als er ermordet wurde. Und außerdem... aber ich hör ja schon auf. Zugzwang.
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am 8. Mai 2009
Im Jahr 1940 ventilierte der amerikanische Innenminister Harold Ickes aus der Regierung des Präsidenten Roosevelt den Plan, jüdische Flüchtlinge aus Europa für einen bestimmten Zeitraum auf dem damaligen Territorium von Alaska anzusiedeln, um sie nach dem Krieg wieder zurückkehren zu lassen. Es gab einen entsprechenden Antrag im amerikanischen Kongress, der allerdings keine Mehrheit fand und so geriet dieser Vorschlag in die Akten und später in Vergessenheit.

Der amerikanische Autor Michael Chabon, 45 Jahr alt und Pulitzer-Preisträger geht nun in seinem neuen Roman "Die Vereinigung jiddischer Polizisten" der immer wieder die Literatur faszinierenden Frage nach, was wäre gewesen, wenn dieser Vorschlag eine Mehrheit gefunden und dann auch Realität geworden wäre. Er verlegt den jüdischen Staat nach Alaska und macht ihn zum Schauspiel eines Kriminalromans. Chabons fabelhafter Trick besteht darin, dass er diese hybride, jüdisch-subpolare Welt bis in das kleinste Detail so ausgestaltet, so überzeugend, dass einem beim Lesen alles völlig realistisch erscheint. Ein Roman ist so entstanden über eine Welt, in der es außer dem Exil keine Option gibt.

Irgendwann habe er in einer Fußnote davon gelesen, die Idee habe ihn begeistert, erzählt Chabon in einem Interview. Dazu kam, dass ihm etwa zur gleichen Zeit ein Sprachführer aus dem Jahr 1958 in die Hände fiel mit dem Titel "Say it in Yiddish". Er fand das Buch amüsant, es hat ihn nicht mehr losgelassen. Weil es ja implizierte, dass es einen Ort gibt, an dem man es benutzen kann, wenn zum Beispiel das Auto kaputtgeht und man mit einem Mechaniker verhandeln muss. Er schrieb einen Essay über diesen Ort, griff die Ickes'sche Idee dazu auf und irgendwann, so berichtet er, war er bereit für einen Roman.

Der liegt nun in deutscher Übersetzung vor. Ein wunderbarer Kriminalroman, der vielleicht nicht ganz zufällig 60 Jahre nach der Gründung des Staates Israel erscheint. In dem schon erwähnten fiktiven Staat in Alaska wird eines Tages in einem Hotel in der Stadt ein ehemaliges Wunderkind des Schachs tot aufgefunden. Kriminalkommissar Meyer Landsman geht sofort der Frage nach, wer der Mörder dieses Talents sein könnte. Bald schon stoßen Meyer Landsman und sein Kollege auf den Vater des Toten, den angesehenen Rabbi Heskel Shpilman, ein dicker, beeindruckender Mann. Den allerdings überrascht die Nachricht vom Tod seines Sohnes überhaupt, nicht. Er erzählt den staunenden Polizisten, dass er schon vor Jahren seinen Sohn für tot erklärt, den Kaddisch über ihn gesprochen und dann aus seiner Erinnerung getilgt habe, weil dieser auf die schiefe Bahn geraten sei.

Die Ermittlungen komplizieren sich. Von oben bekommt Meyer Landsman Schwierigkeiten, er wird suspendiert. Das hindert ihn aber nicht, seine abenteuerlichen Ermittlungen fortzusetzen. Dabei führt Chabon den gespannten und zunehmend begeisterten Leser von einer Überraschung zur nächsten. Da begegnen wir jüdischen Religionsfanatikern mit politischen Absichten und noch vielen anderen seltsamen Figuren. Das ganze Buch ist voll von hintergründigen Einzelheiten und vielen Anspielungen auf die jüdische Religion, ihre Geschichte und ihre Traditionen.
Dabei ist die eigentliche Kriminalgeschichte, wie schon am Anfang gesagt, eingebettet in die fiktive Geschichte eines imaginierten jüdischen Staates in Alaska. Verschiedene Befreiungs- und Erlösungstheorien wechseln sich ab mit kriminellen und politischen Machenschaften.

Die Lektüre dieses oft skurrilen Romans macht enorm viel Spaß, auch wenn man sagen muss, dass es schon einige Zeit braucht, um in die Geschichte hineinzukommen.
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am 19. November 2015
, ein munteres Pendant zu Robert Harris' " Vaterland", wenn man weiter zurückgreifen mag, böte sich Alfred Kubin an, " Die andere Seite",
die Übersetzung ins Deutsche scheint mir etwas holperig, lässt Komplexität stellenweise in leichte Wirrnis umschlagen; ich habe es trotzdem verschlungen, ohne bis heute bleibende Schäden zu bemerken...
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am 27. Juli 2013
Überraschende Metaphern, schnoddrige Dialoge, spannender Plot: der Eintritt in eine fremde Welt mit vertrauten menschlichen Regungen. Besonders als Hörbuch uneingeschränkt zu empfehlen. Dennoch keine leichte Kost, man muss den sprachlichen Umwegen des Autors folgen wollen. Ich folge gerne ... immer wieder.
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am 16. Dezember 2013
"Die Vereinigung jiddischer Polizisten" ist ein sehr vielschichtiger Roman, denn Chabon hat nicht nur einen komplizierten Kriminalfall ersonnnen, sondern diesen auch in ein alternatives Paralelluniversum eingefügt, in einen Stadtstaat in Alaska mit Namen Sitka, in dem mehrere Millionen Juden leben und Jiddisch Amtssprache ist. Als Leser ist man zunächst verwirrt, weil alles so detailgetreu beschrieben ist und man sich fragt, ob man vielleicht in Erdkunde nicht aufgepasst hat.
Von gesellschaftlichen Konflikten zwischen indianischer Bevölkerung und eingewanderten Juden bis hin zu zionistischen Verschwörungslagern behandelt der Roman viele (fiktive) Themen in einem dystopischen, zweiten Israel.
Auch wenn sich der Autor an manchen Stellen zu verzetteln scheint, wenn er versucht, die Geschichte seines Protagonisten mit der historischen Entwicklung Sitkas und dem Kriminalfall zu verknüpfen, ist dieser Roman auch wegen seines beißenden Sarkasmus und den tiefgründigen Charakteren ein Meisterwerk. Als Leser findet man sich sehr schnell in Sitka zurecht und liest sich gewissermaßen ein. Für alle, die Dystopien, Noir, exzentrische Kommissare und den hohen Norden lieben, ist dieser Roman eine kurzweilige Zeitverschönerung.
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Dieses Buch von Michael Chabon spielt in einer Welt, in der Israel nach fünf Jahren gescheitert ist. Stattdessen wurde eine Judenenklave in Alaska eröffnet. Die allerdings zeitlich begrenzt, nach einigen Generationen fällt das Gebiet wieder an die USA zurück und die Juden müssen sehen, wo sie bleiben.
Trotz des Szenarios ist das Buch kein Science Fiction - Roman oder eine Gesellschaftskritik oder so, sondern ein echte Krimi Noir: Der Protagonist ist ein Komissar, der nach seiner Scheidung in einer billigen Absteige wohnt, in der ein Junkie anscheinend von einem Profi hingerichtet wurde. Obwohl der Zeitpunkt der Gebietsrückgabe naht und seine Vorgesetzte (und Exfrau) dazu nicht will, dass es zu unnötogem Papierkram kommt (und ihm eine Aufklärung verbietet), ermittelt er in der Sache. Leider sind einige mächtige Leute in den Fall verwickelt und der Kommissar gerät mehr und mehr in Schwierigkeiten...

Michael Chabon hat ganze Arbeit geleistet und einen Roman geschrieben, wie ich ihn mag: Originell und spannend, sehr ausdrucksstarke Sprache. Warum dann "nur" 4 Sterne? Zum einen ist das Erzähltempo zum Teil etwas zu langsam, was eben auch an der blumigen Sprache liegt, die oft lieber eine Analogie gibt, als einfach zum Punkt zu kommen. Auch bin ich kein Freund von großen Verschwörungstheorien und versuche lieber den Mörder zu raten. Die ganze Nummer ist aber einfach etwas zu gro, für meinen Geschmack.
Dennoch würde ich die Vereinigung der jüdischen Polizisten jedem empfehlen, der gerne Krimis oder einfach intelligente Bücher (die auch Krimis sein dürfen) liest!
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