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Kundenrezensionen

4,0 von 5 Sternen
21
4,0 von 5 Sternen
Der Marsch: Roman
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
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am 2. Juni 2017
Diese Beurteilung gestaltet sich besonders schwierig. Der Krieg wird in allen seinen Facetten und Grausamkeiten ziemlich realistisch dargestellt. Die Unions-Armee als eine barbarische Horde, die das Land, durch das sie zieht, verwüstet. Die Sklavenhalter, auf die man trifft, teils noch immer als peitschenschwingende Patrone, denen man am liebsten den Revolver ans Ohr setzen würde. Alles sicherlich zuteffend. Auch die von Doctorow gewählten Romanfiguren, deren Schicksal keineswegs immer ein glückliches Ende nahm - überzeugend und spannend. Doctorow muß, wie ich mal gelesen habe, für diesen Roman jahrelang recherchiert haben. Gut, gut. Und doch bleibt etwas beim Leser/Hörer zurück, das - wie soll ich es bloß ausdrücken - einen nachhallenden Mißklang verursacht. Nicht wegen der Grausamkeiten des Krieges. Sondern weil irgendetwas hier nicht stimmt. Mehr eine Sache des Instinks als des Verstands. Wird nicht General Sherman ein bißchen zu sehr verherrlicht, auch wenn er auf dem Marsch nicht mit goldenen Epauletten herumgerannt ist, sondern sich in eine einfache Soldatenuniform gekleidet hat ? Das hat Hitler auch, und seine Leute haben sich benommen wie die letzten Barbaren. So wie sich Soldateska immer benimmt, wenn sie in ein erobertes Land eindringt. Zurück bleibt anschließend immer die Philisophie der Sieger, egal, was sie getan haben. Worum ging es in diesem Krieg letztendlich: Um die Sklavenbefreiung ? Nein. Das war nur ein gefundenes Fressen für Lincoln, um sich moralisch auf die "richtige" Seite zu schlagen. Die Sklaven waren der Union - abgesehen von einigen Abolitionisten, hauptsächlich in Neuengland - völlig egal. Das ließ man vor Beginn des Bürgerkriegs die Leute vor Ort erledigen, wie in den 50er Jahren in Kansas. Hier ging es um ganz etwas anderes: Man wollte keine Konkurrenz auf dem eigenen Kontinent haben, denn der Westen harrte seiner Eroberung, bis hinüber zum Pazifik. Millionen, Abermillionen, Milliarden Dollars winkten denjenigen, die den nötigen Unternehmergeist mitbrachten. Indianer ? Noch unwichtiger als Schwarze. Hauptsache, man brachte die Industrialisierung voran und schuf die entsprechende Infrastruktur. Wer konnte da schon Patrone mit ihren Sklaven brauchen, die riesige Gewinne aus dem Baumwollverkauf zogen ? Die mußten also vorher erstmal weg, egal, um welchen Preis. Nicht die Sklaverei war es, die diesen schrecklichen Krieg mit 600.000 Toten in Gang brachte - es war der Dollar.
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am 2. Juli 2017
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Hab's in einem Rutsch gelesen. Wen das Thema "Civil War" interessiert wird es bestimmt sehr gefallen. Ähnlich wie beim Lied von Eis und Feuer weiß man nie, ob der die Personen im Kapitel am Ende des selben noch leben. Wie Sherman damals sagte : Krieg ist die Hölle.
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am 4. April 2012
Angsichts der stürmischen Rezensionen hier habe ich mehr erwartet. Die Druckausgabe des Buches fiel bei mir durch, da das Lektorat die Unart hatte, sämtliche wörtliche Rede ohne Anführungszeichen zu drucken. Dadurch wurde es für mich leider so schwer zu lesen, dass ich es aus der Hand legte. Als mir die Hörbuchversion in die Hände fiel, habe ich zugegriffen. V. Lechtenbrink ist als Vorleser genial, sehr gut zu hören mit einer ausdruckstarken Stimme - aber ich bin zugegebenermaßen ein alter Fan seiner Stimme! Das Buch selbst ist solide Hausmannskost, fügt sich in die Tradition von Shelby Foote ein, dessen Werke leider nicht vollständig auf Deutsch erschienen sind (hier ist besonders seine Novelle "Shilo" vorbildlich).
Doctorow steht deutlich in seiner Tradition und schreibt ein WErk, dass den WK I und WK II gestählten Mitteleuropäer nicht sonderlich überrascht. Dass Krieg die Zivilbevölkerung terrorisiert, ist für Europäer eine leidvolle Erfahrung.
Bemerkenswert im Buch ist die facettenreiche Darstellung von. T. Sherman, dessen Einstellung zum Krieg sehr bemerkenswert war, der furchtbar im Süden wütetet und der letzte war, der das nicht so sah.
Wer einen romanhaften Einstieg in die Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges möchte, greife lieber zu dem Werk "Vom Winde verweht" - von dem es auch eine bemerkenswerte Hörbuchfassung gibt. Gut geeignet sind auch die Werke von Shelby Foote; als Einführungswerk in die Thematik sei "Für die Freiheit sterben" von Mc. Pherson empfohlen.
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am 26. November 2009
VOM UNTERGANG EINER FEUDALEN WELT (LUDWIG WITZANI)
Wie "ein Wesen mit zigtausend Zellen, dass seine Arme wie Tentakel über die Staaten des Südens verbreitet", wie "eine ganze entwurzelte Zivilisation", dann wieder "wie eine große Herde in aller Ruhe äsender Wiederkäuer", so bewegt sich die Unionsarmee von General Sherman durch Georgia, South Carolina und North Carolina und durchschneidet 1864/5, im letzten Jahr des amerikanischen Bürgerkrieges, das Territorium der rebellischen Konföderation. Requisitionskompanien durchziehen die Ebenen, plündern Farmen und Dörfer, verfolgt von Freischärlern, die die Furagiere wo immer es ihnen gelingt, gefangen nehmen und lynchen. Uralte Familien verlassen ihre Herrenhäuser auf überladenen Karren, ohne zu wissen wohin sie sich wenden sollen. Auch ihre Sklaven packen ihre Habseligkeiten und folgen in einem gewaltigen Elendstross der Nordstaatenarmee, die wie ein großes Kehrblech die Reste der regulären Südstaatentruppen Norden treibt, wo die überlegene Macht von General Grant nur auf sie wartet, um sie zu vernichten.
Inmitten dieses Infernos versuchen ganz unterschiedliche Menschen so gut es nur geht zu überleben, und es beweist die Meisterschaft des Autors, ihre Geschichten und Erlebnisse so miteinander zu verweben, dass für den Leser das Gesamtpanorma des Geschehens nicht nur aus der Vogelperspektive sondern auch aus der Perspektive der Beteiligten anschaulich wird. Da ist die Farmertochter Emily Thompson, die es nach dem Tod ihres Vaters an die Seite des Nordstaatenarztes Sartorius Wrede verschlägt, einem fanatischen Forscher, der die Verstümmelten auf seinem Operationstisch als Inspirationsquelle für den medizinischen Fortschritt missbraucht. Da ist die weiße Negerin Pearl Jamesson, der Spross eines Südstaatenkonkubinats, die sich eine Zeitlang als Trommlerin und als Krankenschwester durchschlägt, da sind die Deserteure Will und Arly, die pausenlos die Uniformen wechseln und den Hinrichtungen immer aufs Neue entkommen, bis sie ihr Schicksal schließlich doch ereilt. Da ist die ehemaliger Sklavin Wilma und der schwarze Nordstaatensoldat Coalhouse Walker, die in die großen Städte des Norens ziehen wollen, der hässliche Furagieroffizier Kilpatrick, der den Südsattantefrauen nachstellt und schließlich General Sherman selbst, ein labiles, geniales, asthmatisches Genie, den seine Soldaten als "Onkel Billy" verehren.
Sie alle und noch viele andere mehr spielen ihren privaten Part im großen Marsch, in dessen Verlauf Georgia und die Hauptstadt Savahnnah erobert wird, ehe die Armee die Sümpfe Süd-Carolinas durchquert und Columbia, die Hauptstadt der Konföderation niederbrennt, Nach der letzten großen Schlacht von Bentonwille endet der Krieg mitten in Nord Carolina, der Süden kapituliert, und General Sherman und General Johnston, beide Absolventen von West Point, verhandeln mit vollendeten Manieren die Bedingungen der Kapitulation.
Soweit die Handlung. Wie aber wurde diese Darstellungsaufgabe literarisch gemeistert? Eigenwillig wie ich meine. Docotorow scheut keineswegs, gleich hundertfach, für ein oder zwei Absätze mal schnell in die Innenwelt eines Handlungsträgers hinein zu fahren, so dass die Figuren charakterlich flach bleiben und dem Treibgut eines Großen Strom gleichen, das mal an dieser, dann an jener Stelle kurz sichtbar wird, um dann ebenso folgendlos wieder zu verschwinden. Aber das macht nichts, denn im Zentrum des Romans stehen keine Personen sondern eben "der Marsch" oder die große Armee, die wie ein gefräßiges Monster den Krieg exekutiert, eine Konstruktion, die in einem rasanten und geradezu comicartigen Erzählrhythmus entfaltet wird und den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.
Nur ganz vage, fast verschwommen werden die Motive angedeutet, die Millionen Menschen dazu bewegten, sich in diesem Krieg zu engagieren: es geht um den Zusammenstoß zweier Welten, der städtisch-modernistischen Mentalität des Nordens und der feudalen Gefühlslage des alten Südens, meisterhaft fokussiert in der Ansprache eines Farmers aus South Carolina an seine Sklaven, die von den Unionssoldaten eigentlich befreit werden sollen und dann doch mehrheitlich bei ihrem alten Massa bleiben. (S. 252/253) Besser kann man die Antagonismen und die Paradoxien der heraufziehenden neuen Wirklichkeit kaum darstellen. Der lange Marsch ist noch lange nicht zu Ende.

NICHT GERADE EIN SPAZIERGANG (THOMAS REUTER)
Selten ist sich die Kritik so einhellig einig. "Der Marsch" von E.L. Doctorow ist ein Meisterwerk heißt es. Ganz große Literatur sagen alle - und niemand scheint zu widersprechen. Ich tu's mal: "Der Marsch" ist bei weitem nicht so brillant erzählt, wie es uns die Damen und Herren von der Literaturkritik erläutern. Es ist ein tolles Buch und es hat ein großartiges Thema. Aber es scheitert an seiner Konstruktion, für die es doch so gelobt wird. Erzählt werden soll der Krieg selber und Doctorow dient die Armee des General William Sherman, die sich im amerikanischen Bürgerkriegsjahr 1864 durch die Südstaaten Georgia, South Carolina und North Carolina kämpft, hierfür nur als Beispiel. Sicher ist es ein gut gewähltes Beispiel. Wie die Armee erbarmungslos durch das Feindesland zieht, evoziert sie fast unvermeidlich das Bild einer Allegorie des Krieges. Ein Krieg, der für alle Kriege stehen und alle Kriege beschreiben soll. Dennoch muss das ja alles auch erzählt werden. Und hierfür braucht man Figuren denen der Leser sich anvertraut. Doctorow springt nun aber permanent zwischen einer Vielzahl an Figuren, er orchestriert eine ganze Heeresschar von Südstaatlern, Nordstaatlern, Schwarzen, Weißen, Soldaten, Ärzten usw. Es soll ja keine Individualgeschichte sein, sondern die des Krieges. Letztlich wirkt es jedoch arg konstruiert. Andauernd geschehen Zufälle. Rein zufällig treffen sich in diesem Riesenheer dann doch immer wieder die selben Personen und diese sind, dem Autor wie dem Leser, letztlich egal.
Freilich, es gibt starke, ja unglaubliche Szenen. Aber für einen großen Roman fehlt dem ganzen dann doch auch das große Schicksal des Einzelnen. Nun gut, das hat Doctorow nicht schreiben wollen. Dennoch wollen wir es lesen.
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HALL OF FAME VINE-PRODUKTTESTERam 13. September 2007
Eigentlich kennen wir alle den Amerikanischen Bürgerkrieg aus dem Roman Vom Winde verweht". Margaret Mitchell wollte jedoch nicht vordergründig zeigen, mit welcher Heftigkeit ein Krieg die zivilisierte Welt in Schrecken und Barbarei stürzen kann, sondern es ging hier mehr um die Beziehungen von Red Butler und Scarlett O' Hara. In dem, mit dem PEN/ Faulkner Preis ausgezeichneten großen amerikanischen Antikriegsroman "Der Marsch" berichtet Doctorow über den vier Jahre dauernden amerikanischen Bürgerkrieg in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, in dem die Nord- und Südstaaten, um die Abschaffung der Sklaverei kämpften.

1865 marschiert General William T. Sherman mit seinen Unionstruppen, einer Armee von sechzigtausend Mann, durch North Carolina, South Carolina und Georgia und befreit, in einem blutigen und siegreichen "Marsch" der Nord- über die Südstaaten, die Sklaven. Das Land wird geplündert, die Plantagenbesitzer werden vertrieben oder ermordet. Schließlich führt der Sieg zur Abschaffung der Sklaverei. Doch letztlich sind alle Opfer dieses brutalen Krieges: Die Plantagenbesitzer als ehemalige Unterdrücker,die Sklaven, denen jetzt jede Lebensgrundlage genommen ist, sie sind zwar frei aber ärmer als vor dem Krieg, die geschundenen einfachen Soldaten ebenso wie ihre Generäle. Die Schwarzen wissen nicht mehr wohin sie gehen sollen, folgen ziellos der siegreichen Nordarmee. Eines Tages werden sie bedenkenlos in einem Fluss zurück gelassen, weil sie zur Last fallen, man kann sie nicht mehr gebrauchen.
Die Bewohner des Nordens leiden an den Folgen des Krieges ebenso wie die Bewohner des Südens, denn der Krieg kennt keine Menschlichkeit, das ist hinlänglich bekannt. Auch in dieser schmerzhaftesten Epoche der amerikanischen Geschichte zählt nur Strategie, nämlich das Ziel zum Sieg und so wird die zivilisierte Welt in Unzivilisiertheit, Barbarei, Anarchie und Chaos gestürzt.

Dieser Roman steht letztlich durchaus auch für andere Kriege mit ihren grausamen Schlachtenschilderungen, insbesondere auch für den Irak Krieg. Über alles allgemein Zutreffende hinaus, betrifft es insbesondere das Leben und die Grausamkeiten der Soldaten und die hinterhältigen Strategien der Generäle.

Der Roman erzählt in berührender Weise auch sehr viele furchtbare Einzelschicksale. So blicken wir in das Innere des General Sherman, der die Nordtruppen führt, was er denkt, wenn sich tausende von Soldaten, wie ein verschlingendes Ungeheuer, durch sein eigenes Land walzen. Er darf nicht einmal trauern als sein eigener Sohn fällt. Dann vermittelt uns der Autor Einblicke in das Leben des Truppenarztes, wie er mit viel Routine täglich Beine und Arme amputiert, Wunden versorgt. Ihm bleibt noch nicht einmal Zeit sich der geflohenen, ihn liebenden Farmertochter hinzugeben. Faszinierend ist die Geschichte der hellhäutigen Sklavin Pearl, ebenso wie das Schicksal des jungen Will, der je nachdem auf welche Truppenteile er stösst, die Uniformjacke wechselt.

Und jetzt erscheint Doctorow's Roman zu diesem nationalen Gemetzel. Ein gewaltiges Buch, über eine große Gewalt, bei dem der Autor anschaulich dokumentiert, dass ein solcher Bürgerkrieg der grausamste aller grausamen Kriege ist. Schließlich wurden die Generäle, mit den gleichen Strategien, an den gleichen Militärakademien ausgebildet. Nun legen sie im Strudel der Schlacht, einer dahinwälzenden Lawine gleich, ihr Vaterland in Schutt und Asche. E.L. Doctorow beschreibt auf vierhundert Seiten meisterhaft den ganzen Irrsinn des Krieges, das Verhängnis des Krieges mit seinen unterschiedlichsten Tötungsmaschinen, er berichtet über Männer die sich nicht einmal erlauben können Angst zu haben, denen weder Gefühle für Kummer noch Mitleid zugestanden werden, und er zeigt wie letztlich die Seelen der Kriegsführenden auf beiden Seiten getötet werden.

Ein großartiges Buch, das uns vor Augen führt mit welcher Gewalt jeder Krieg daherkommt und wie brutal er alle Zivilisation und unzählige Menschenleben zerstört. Ich empfehle das Buch, auch wegen seinen unterschiedlichsten Reflexionsebenen, mit Nachdruck und Leidenschaft.
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am 10. Februar 2012
Mit seinem 2005 in Amerika erschienen Roman "Der Marsch" widmet sich E.L. Doctorow einer der traumatischsten Ereignisse der amerikanischen Geschichte: General Shermans Marsch ans Meer. Bei dessen Feldzug nach Georgia am Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges riss sein Heer eine kilometerbreite Schneiße der Verwüstung durch drei südliche Bundesstaaten.
Doctorow erzählt diese Geschichte als Collage-Roman, in dem viele Stimmen zu Wort kommen. Die Geschichte einer befreiten Sklavin, die sich Shermans Armee anschließt wird ebenso erzählt wie die von zwei Soldaten der Konföderation, die zu überleben versuchen, indem sich sich als Unionssoldaten verkleiden. Auch Sherman selbst ist eine der Hauptfiguren des Romans. Einige Handlungsstränge erstrecken sich dabei über den ganzen Roman und geben ihm trotz seiner zersplitterten Struktur eine Einheit. Andere Figuren streifen die Geschichte dagegen nur, wie beispielsweise eine kurze Episode, die das Sterben eines Soldaten beschreibt. Dabei dauert es eine Weile bis die Charktere sich dem Leser erschließen. Lange blieb mein Eindruck oberflächlig. Nur nach und nach kommt Doctorows Talent fein ausbalancierte und differenzierte Charaktere zu gestalten, zum Vorschein.
Einziges Mankos: Die Sprache des Romans ist gelegentlich arg flappsig. Ich habe die deutsche Übersetzung gelesen, rechne diese Schwäche jedoch eher Doctorow selber als der eigentlich immer sehr gewissenhaften und sprachgewandten Übersetzerin Angela Praesent an.
Trotzdem lohnt sich die Lektüre für jeden, der Interesse an der amerikanischen Geschichte hat, ungemein! "Der Marsch" ist ebenso unterhaltsam wie historisch fundiert, auch wenn - was ja von einem Kriegsroman nicht anders zu erwarten ist - kein leichter Stoff!
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am 1. November 2013
E.L.Doctorows Roman schildert vor dem Hintergrund des Amerikanischen Bürgerkriegs von 1861 bis 1865 den Marsch der Truppen der Nordstaaten unter der Befehlsgewalt von General William T. Sherman in Richtung Savannah, Georgia. Wortgewaltig und mit einem guten Gespür für die Darstellung von Kampfszenen zeichnet Doctorow eine Vielzahl von Einzelschicksalen unterschiedlichster Couleur."Der Marsch" zeigt die Gewalt des Sezessionskrieges, die Orientierungslosigkeit der befreiten Sklaven in den Südstaaten und wirft die Frage nach uramerikanischen Werten auf. Es sind meines Erachtens gar nicht einmal die so häufig an "Der Marsch" gepriesenen Schlachtszenen, die Doctorows Werk zu einem sehr gelungenen Roman machen, sondern gerade die Passagen, in denen das Innehalten und die Reflexion angesichts der im Zuge des Bürgerkrieges entstehenden gewaltigen gesellschaftlichen Umwälzungen im Vordergrund stehen. Besonders konzentriert ist der Roman am Anfang und am Ende, wohingegen Doctorow sich meines Erachtens im Mittelteil so manche Undiszipliniertheit und Oberflächlichkeit bei der einen oder anderen Charakterdarstellung erlaubt. Eines der Highlights des Romans ist das recht kurze, aber sehr eindringlich und authentisch geschilderte Auftreten der Gestalt des Abraham Lincoln am Ende.
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am 21. März 2011
1865, der Amerikanische Bürgerkrieg liegt in den letzten Zügen. General William T. Sherman marschiert mit einer Armee von sechzigtausend Mann durch Georgia, South und North Carolina. Die notdürftig ausgestatteten Rebellen der Südstaaten haben keine Chance gegen die hochgerüstete Union. Und folglich führt Shermans Marsch zum Sieg der Nord- über die Südstaaten und zur Abschaffung der Sklaverei. Doch am Ende ist jeder Opfer des Krieges: einfache Soldaten ebenso wie hochstehende Generäle, befreite Sklaven ebenso wie ihre Unterdrücker, die Bewohner des Nordens wie des Südens.
Gelesen von Volker Lechtenbrink - grandios !!!
ähnliche Thematik wie "Vom Winder verweht" meiner Meinung nach besser, da nicht aus der Sicht nur einer Hauptfigur. Gekauft habe ich das Hörbuch ohne auch nur den Klappentext zu kennen allein weil es von Lechtenbrink gelesen wird.
Es hat sich gelohnt.
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am 27. Januar 2012
Der Amerikanische Bürgerkrieg kurz vor der Entscheidung -
im Jahre 1865 führt DER MARSCH von Georgia über South Carolina nach North Carolina.
Den Unionstruppen schliessen sich immer mehr (dann ehemalige) Sklaven an und es wird nur zu deutlich, dass dies nur der Schwächung der "Rebellen" diente und kein hehres Ziel der Nordstaaten war (nachher wurde es dann so "verkauft").
Letztlich sind sie nur zusätzliche Mäuler, die kaum gestopft werden können und es gilt sie loszuwerden.
Ihnen wird schmerzlich bewusst, dass ihre neue Freiheit eben auch Heimatlosigkeit bedeutet - in jeder Beziehung.
DER MARSCH ist ein Episodenroman, der unterschiedliche Schicksale beschreibt, die teilweise miteinander verwoben sind.
Die Beweggründe der einzelnen Personen (es gibt keinen Hauptprotagonisten, was wunderbar demokratisch ist) werden aufgezeigt, es gibt Gewalt, Liebe, Verzweiflung, Überlebenskämpfe, Nachsicht, Mitgefühl, Patriotismus, Opportunismus, Desertation, Verrat, Nächstenliebe......und wieder grausame Gewalt.
Was fühlt eine hellhäutige Ex-Sklavin, was ein Arzt im Lazarett, was ein Gutsherr, was ein Deserteur, was ein General, was eine Mutter, was eine "höhere" Tochter, was ein schon vorher freier Farbiger und so fort.....
Ihr Blick auf den furchtbaren Krieg, ihre Art damit umzugehen, ihre Art den Überlebenskampf aufzunehmen, ihre Art das Grauen zu verarbeiten, zu verdrängen......
davon handelt dieses sehr beeindruckende Buch.

Es ist ausgesprochen spannend, aber keineswegs sensationslüstern oder blutrünstig.
Die Sprache ist präzise, aber nicht kühl - sie ist mitfühlend, aber nicht schwülstig; perfekt getroffener Tonfall.

Ganz fabelhaft sind die Karten im Innendeckel - so kann man den Weg, den Marsch gedanklich besser verfolgen.

Zum Glück wird nicht ausufernd über Kriegsstrategien gefachsimpelt und so kann jedem Leser (auch den nicht sonderlich geschichtlich Interessierten) dieses Buch nur ans Herz gelegt werden. Grossartige Nachhilfe resp. Auffrischung ohne Lehrerattitüde.
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am 29. November 2011
Der Autor beschreibt aus verschiedenen Perspektiven die Ereignisse sehr anschaulich und überzeugend.
Obwohl es sich um einen Roman und um keine Dokumentation handelt, sind die Ereignisse detailreich
dargestellt und man kann sich als Leser sehr leicht in die handelnden Personen hineinversetzen.
Für das Leseverständnis ist es hilfreich, wenn man die Geschichte und Vorgeschichte des amerikanischen
Bürgerkrieges kennt inkl. der geografischen Verhältnisse im östlichen Süden der USA.
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