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Kundenrezensionen

3,8 von 5 Sternen
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am 14. November 2014
Moses Herzog meint, er müsse auseinander fallen. Mit seinem Buch über die sozialen Ideen der Romantiker steckt er fest; seine zweite Frau hat sorgfältig die Scheidung vorbereitet und schickt ihn in die Wüste; für Psychiater und Rechtsanwalt ist er ein bereitwilliges Opfer. Nun sitzt er allein in seinem Haus im Berkshire-Gebirge und sein ganzes Leben scheint ihm fraglich zu sein. Hart geht er mit sich zu Gericht, denn er glaubt ein undankbares Kind, ein unzuverlässiger Vater, (zweimal) ein schlechter Ehemann gewesen zu sein. "Seinem Lande ein gleichgültiger Staatsbürger. … Seinen Freunden ein Egoist. In der Liebe träge. In der Klugheit dumm. Mit der Macht passiv. Mit der eigenen Seele ausweichend."

Bei aller Einsicht in die eigenen Unzulänglichkeiten hofft doch jeder Mensch darauf, kein Totalversager zu sein. Und so drängt es auch Herzog, "zu erläutern, auszufechten, zu rechtfertigen, ins rechte Licht zu rücken, zu klären, gutzumachen." Er möchte doch nur verstanden sein. Da sich aber das Gespräch mit all jenen, denen er sich zu erklären hätte, nicht ergeben will, schreibt er ihnen Gedankenbriefe. Anfangs noch kurze Notizen auf kleinen Zetteln weiten sich diese Ansprachen bald zu imaginären Monologen aus, in denen er endlich aussprechen kann, was er hätte schon längst sagen wollen. Und da ihn ausnahmsweise auch niemand unterbricht, macht er umfassend und in alle Richtungen von dieser Art der Aussprache Gebrauch.

Bellows Roman ist faktisch ein Buch ohne Handlung, in dem der Leser ausschließlich den verschlungenen Gedankengängen des Protagonisten folgt. Trotzdem ist man nie gelangweilt. Vielmehr wird man angeregt und angehalten, die eigenen Gedanken und Ansichten an den Auffassungen des Helden zu messen. Da sich auch die literarischen Stilmittel fortwährend ändern, Herzog sich mal erinnert, dann wieder einen Brief zu verfassen scheint oder sich tatsächlich einmal im Dialog befindet, verändert sich auch das eigene Leseempfinden auf kurzweilige Weise. Am Ende ist man überrascht, wie unterhaltsam es sein kann, wenn ein fremder Mensch seine Welt-Anschauung vor uns ausbreitet. Oder ist Herzog gar kein Fremder?
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am 13. Dezember 2013
Lieblingsroman meiner Jugend. Große Literatur mit allem, was den Geist berührt, erfreut und weiter bringt. Ein Buch für Genießer und Liebhaber guter Prosa.
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am 8. Oktober 2012
verschiedene Kategorien von Romanen:

erstens die Romane die gut sind
zweitens die Romane die magisch sind
und drittens die Romane die ewig und bleibend sind.

Saul Bellows "Herzog" gehört definitiv zu den letzteren.
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am 3. Januar 2015
Anfangs war es etwas schwierig zu folgen, weil der Erzähler öfter die Perspektive wechselt,
aber ansich ist es ein interessanter und spannender Roman
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TOP 1000 REZENSENTam 14. November 2016
Literaturkritik:
Der arme Mann. Was soll er nur machen, die Weiber sind weg. Zu seinen Kinder darf er nicht mehr.
Der beste Freund interessiert sich nur noch für eine andere Frau. Und um welche.Natürlich für die
verflossene von Herzog. Und seine Karriere ist ebenso desolat.Ja,dieser arme,arme Mann.
Aber auch finanzielle Nöte können ihn nicht erschüttern. Denn dem ist nicht so. Und doch ist er wieder
einmal fast am Ende.Aber ob das wirklich so ist. Denn aufgeben gibt es für den Herzog nicht.Der Autor
beginnt damit,uns die Welt mit all ihren Finsternissen zu zeigen.Und dies gelingt dem Autor bestens.
Der Autor führt uns auch zum Sein und dies unbeschwert.In seiner geistigen Krise sagt Herzog:
"Wenn ich den Verstand verloren habe,soll's mir auch recht sein." Dies setzt sich fort bis zu
Monologen,oder der Korrespondenz mit lebenden oder auch schon toten Wissenschaftlern.
Um zu sich selbst zu finden geht er in die Abgeschiedenheit der Berge.Er befindet sich in der
Krise des Denkens und dies ist gleichzusetzen, mit den Krisen die immer wieder unsere Welt
erschüttern.Was bei Herzog im kleinen passiert,passiert in der Welt im großen.Sollte gelesen
werden.

Fünf Sterne für diesen Roman von Saul Bellow.
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am 10. August 2017
«Das Kind in mir ist entzückt, der Erwachsene in mir ist skeptisch» war der Kommentar des US-amerikanischen Schriftstellers Saul Bellow zur Verleihung des Nobelpreises 1976. Mit «Herzog» gelang ihm 1964 der literarische Durchbruch, dieser Roman gilt heute als bedeutendstes Werk des jüdisch geprägten Autors und war zudem kommerziell erfolgreich, er machte ihn als Autor letztendlich auch in Deutschland bekannt. Wie in vielen anderen seiner Werke analysiert der hellsichtige Denker, - ein einsamer Solitär seiner nationalen Zunft -, hier die Lebensumstände einer dem Individuum immer weniger verständlichen, modernen Gesellschaft, in der seine intellektuellen Protagonisten hoffnungslos unterzugehen drohen.

«Wenn ich den Verstand verloren habe, soll’s mir auch recht sein, dachte Moses Herzog». Schon im ersten Satz ist ja, nach der Erkenntnis von Edgar Allen Poe, oft die ganze Geschichte enthalten, so auch hier. Ein an der Welt verzweifelnder, zerstreuter Professor mit Forschungsschwerpunkt Romantik hat nach der Scheidung von seiner zweiten Frau, die ihn mit seinem besten Freund betrogen hat, und nach einem von ihr erbarmungslos geführten Rosenkrieg, völlig den Boden unter den Füßen verloren. Der an Nabokovs «Pnin» erinnernde Held taumelt zunehmend orientierungslos durch das Leben, ist ständig in irgendwelche Gedankengänge verfangen und agiert meist völlig irrational, er scheitert am eigenen Unvermögen, was den profanen Alltag anbelangt. In Wissenschaftskreisen ist er weithin bekannt und hoch angesehen, und auch die Bindungen innerhalb der Familie sind sehr eng, seine durchweg lebenstüchtigen Brüder mögen ihn und helfen ihm, wo es geht. Bei schönen Frauen ist er überraschend erfolgreich, seine diversen Affären werden von Freunden recht neidisch registriert. Diese Frauen übrigens werden hinreißend beschrieben, fiel mir auf, aber Moses als Don Juan passt wirklich nicht so recht. Als der fünfmal verheiratete Saul Bellow mit 89 Jahren starb, hinterließ er eine 5-jährige Tochter (sic!), - das erklärt’s vielleicht, Charlie Chaplin lässt grüßen!

In immer wieder neuen Rückblenden wird die Vita eines tragisch-komischen Helden ohne religiöse Bindung vor uns ausgebreitet, der in vielerlei Aspekten übrigens unverkennbar ein Alter Ego des Autors ist. Mit brillanten philosophischen Exkursen hinterfragt Bellow in seinem Roman den Sinn des Lebens und erörtert soziologische Probleme der modernen Gesellschaft und der sich immer schneller wandelnden Lebensverhältnisse in den üppig wuchernden Metropolen der USA, - der Roman wirkt insoweit wie eine literarische Feldstudie des in Chikago beheimateten Autors. Diesen mühsamen Prozess der Selbstfindung realisiert der Autor sprachlich mit einem originellen Erzählstil, in dem er seinen verwirrten Helden Don Quichotte-artig immer neue Briefe an die unterschiedlichsten Personen schreiben lässt, ein wüstes Sammelsurium von Gedanken politischer, soziologischer und kultureller Art, ergänzt um viele wissenschaftliche Diskurse. Adressaten der fast immer nur imaginierten, nicht wirklich aufgeschriebenen und auch nie abgeschickten Briefe sind lebende wie auch tote Personen. Obwohl all diese inneren Monologe kursiv gesetzt und somit leicht erkennbar sind, erfordert die Lektüre doch einige Lesedisziplin nicht nur in Hinblick auf den geistigen Gehalt des Erzählten, sondern auch der abrupten Wechsel wegen, mit denen Bellow diese Gedankensplitter ins Textganze integriert.

Moses Herzog endet bei seiner Sinnsuche in einer Ablehnung des Nihilismus moderner Prägung, wie ihn Viele in seiner Umgebung praktizieren. Er beginnt nach dem Rückzug in sein entlegenes Landhaus die seelisch wohltuende Wirkung einsamer Natur zu entdecken, erkennt zudem den Wert selbstloser Liebe, wie sie ihm seine attraktive neue Freundin entgegenbringt, vor der er verstört dorthin geflüchtet war, - ein hoffnungsvoller Lichtblick am Ende des Tunnels seiner von Einweisung in die Psychiatrie bedrohten Existenzkrise.
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TOP 500 REZENSENTam 6. Oktober 2012
Zu den makabren Komödien des Lebens zählt das Miteinander eines gebildeten und verliebten Mannes mit einer sehr hübschen aber intellektuell durchschnittlichen und bösartigen Frau. Komödiantisch ist diese Beziehung, weil der Mann die künstlich aufgeblasenen Marotten seines stupiden Weibes, die kleinen erbärmlichen Schliche sofort durchschaut und sie in all ihrer Lächerlichkeit auf der Bühne seiner eigenen Reflexionsfähigkeit seziert. Makaber ist die Beziehung, weil der Mann den psychologischen Müll, mit dem ihn seine Frau tagtäglich konfrontiert, scheinbar ernst nehmen muss, denn er liebt diese Frau abgöttisch, giert nach ihrem Lachen, ihrer Freundlichkeit und vor allem nach ihrem Leib. Sie dagegen entdeckt, dass ihr die Rundungen ihres Hinterns alle Macht über ihren Mann zugeteilt haben und dass er sich vor der plebejischen Glorie ihres Körpers als devoter Schlappschwanz entpuppt. Weil risikolose Bösartigkeit, der nicht entgegengetreten wird, keine Grenzen mehr kennt, beginnt sie ihren Mann zu quälen und sich an seinem Leid zu weiden. Was für ein Hype, den verliebten Herrn Professor am Nasenring durch die öffentliche Mange zu führen. Bis sie sich schließlich - weil auch die Lust am Leid eines anderen dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens unterliegt - langweilt, ihn betrügt und verlässt.

So ungefähr funktioniert die Beziehung zwischen Professor Moses Herzog und seiner Frau Madelaine, eine schmerzliche Geschichte menschlicher Niedertracht, die in dem schließlich betrogenen und verlassenen Moses Herzog einen Tsunami des Leids entfesselt, den er auf der Klaviatur seiner Bildung durchspielt. Dieses selbstbezügliche Leid, sprachlich brillant und inhaltlich blitzgescheit und unterhaltsam dargeboten, steht im Mittelpunkt des vorliegenden Buches. Auf drei unterschiedlichen Ebenen folgt der Leser den Trauerreflexionen des morbiden aber liebenswerten Professors: zunächst auf der auktorialen Ebene einer gegenwärtigen Erzählung, dann auf der Ebene zahlreicher Rückblicke und schließlich in Gestalt unzähliger Brieffragmente, in denen Herzog Freunde und Feinde, Lebende und Tote anschreibt. So gleichsam im Schnittpunkt dreier Prismen begegnet der Leser an der Seite des deprimierten Moses Herzog dem Romanpersonal, einer Gesellschaft vorwiegend krummer Vögel, die sich aus an Herzogs Leiden weiden, aber auch dem gutmütigen Bruder Will und der Blumenhändlerin Ramona, die ihr Herz an den leidenden Professor verloren hat.
Doch Herzogs Grundbefindlichkeit bleibt unvermindert dieselbe. Ich bin in die Dornen des Lebens gefallen. Ich blute." Er irrt ziellos durch die Umgebung, besucht Freundinnen, um gleich wieder abzuhauen, fährt nach Chicago, um seine Frau und ihren Liebhaber zu erschießen, was dann aber doch lässt, sieht seine kleine Tochter und entschließt sich am Ende in sein verlassenes Haus in die Berkshires zurück zu kehren. Dieses Haus, grandios in seiner Substanz, aber ungepflegt und verfallen, ist nicht weiter als eine Metapher für den Zustand der Hauptperson selbst, so dass das Buch insofern mit einem optimistischen Ausblick endet, als der erschöpfte Professor am Ende beginnt, es mühsam wieder herzurichten. Ob es allerdings gelingt, bleibt offen.

Soweit der kurze Abriss der Handlung, die allerdings im Kontext des Werkes eher zweitrangig ist. Denn das Buch lebt in erster Linie von seiner unglaublichen Sprachlichkeit, seiner seismografischen Durchdringung der abgelegensten Gefühlsregungen, seinem Flanieren durch die Jahrhunderte der Geistesgeschichte und seiner Ernsthaftigkeit in der Suche nach einem verlorenen gegangenen Sinn. Der gesamte Roman ist zudem durchzogen von einer Galerie brillanter Aphorismen, die im Geist des überraschten Lesers wie Blitze zünden und Dinge erhellen, die bislang im trüben Dunkel vager Ahnung lagen.
Heute wundert man sich, dass ein derart differenziertes reflexions- und gedankengesättigtes Werk wie Herzog" sofort nach seinem Erscheinen in den USA ein derartiger Kassenschlagerwerden konnte. Wahrscheinlich traf es den Nerv unzähliger Intellektueller, die in ihrem eigenen Leben ebenfalls erfahren mussten, wie leicht die Gleichung von Liebe und Geist misslingen kann. Zugleich ist das Werk stilbildend geworden: Woody Allen, Philip Roth und viele andere, die uns heute als Originale erscheinen, besitzen hier ihren Ursprung. Seine sprachliche Meisterschaft, seine funkelnde literarische Essayistik aber sind bis heute unerreicht. Alles in allem ist das vorliegende Werk nicht mehr und nicht weniger als ein Höhepunkt eines Leselebens: ein Erlebnis für jeden, der in Büchern nicht zuletzt auch das Gespräch mit seinem eigenen Leben sucht.
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VINE-PRODUKTTESTERam 12. Dezember 2013
Herzog ist ein Don Quichote, der den Kampf gegen die Welt auf sich nimmt. Er ist ein einsamer Kämpfer gegen den Verlust traditioneller Werte, die Menschlichkeit. Ein Professor und Gelehrter, der von seinen Buchprojekten über die Romantik und das Christentum absorbiert ist, und ein Gentleman den Frauen gegenüber, über deren Motive er sich jedoch häufig nicht im Klaren ist. So hat er nicht erkannt, wie kalt und egozentrisch seine zweite Frau, Madeleine, sein konnte, die sich gerade von ihm hat scheiden lassen. Herzog pendelt nun zwischen New York und Chicago, um mit dem Scheitern auch seiner zweiten Ehe fertig zu werden. Schließlich wird er von der Chicagoer Polizei in Haft genommen, weil er mit einem vorsintflutlichen Revolver in seiner Brusttasche in der Nähe von Madeleines neuer Wohnstätte angetroffen wurde...

Der Roman ist vor allem wegen der berüchtigten Protestbriefe noch in Erinnerung, die Herzog an die Lebendigen und die Toten schreibt - ein Kampf gegen Windmühlen. Diese Briefe sind oft so pathetisch und exzentrisch, dass man sie kaum ernstnehmen kann, oder einige befassen sich mit den speziellen Themen aus der Domäne des Professors, so dass ich kaum Lust verspürte, mich mit ihnen genauer zu befassen. Ich denke, die Briefe sollten in erster Linie als Zeichen für Herzogs zeitweilige Verstörtheit und Entrüstung gelesen werden. Er merkt, wie nutzlos sie sind, indem er sie niemals abschickt. Am Ende gibt er auch das Briefeschreiben auf - ein Zeichen seines wiedergewonnenen seelischen Gleichgewichts.

Gleichzeitig ist aber auch klar, dass Herzog/Bellow ein Moralist ist. Zur Erinnerung: Es waren die sechziger Jahre. Der Weltkrieg mit der grausamen Ermordung der Juden war zeitlich noch nah. Da Bellow sich seiner eigenen jüdischen Herkunft intensiv bewusst war, muss dieser Krieg tiefe Spuren hinterlassen haben. Schließlich fühlten Bellow und andere berühmte Geistesarbeiter sich in einer Weise für die geistige Haltung der Massengesellschaft verantwortlich, die heute nicht mehr ohne Weiteres nachvollziehbar ist.

Der Erzähler konzentriert sich ganz auf Herzog. Gleichzeitig vermittelt er aber auch ein vital-lebendiges, oft komisches Gesamtbild von der damaligen Zeit. Aus diesem Grund war die Lektüre des Buches, das nächstens 50 Jahre alt ist, für mich immer noch ein großes Vergnügen. Und Stoff zum Nachdenken ist ebenfalls reichlich vorhanden.
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am 19. September 2012
Gelesen wurde zunächst die englische Originalversion, später auszugsweise die deutsche Übersetzung, um wirklich alle Einzelheiten des für den nicht Native Speaker zeitweise schwierigen Erzählstils zu verstehen.
Der Roman ist in gewisser Weise atemberaubend. Es ist eine Rahmenhandlung, die in einem entlegenen Haus im Wald und in den Bergen etwa drei Autostunden von New York entfernt spielt. Herzog berichtet über seine Ehen, seine Kinder, sein Leben. Dabei ist er im ständigen Dialog mit lebenden und toten Menschen, Philosophen, Präsidenten, Schriftstellern. Er diktiert Briefe, die nie abgeschickt werden. Es ist wie ein permanentes Selbstgespräch, welches auch Menschen um uns herum teilweise laut zu führen pflegen. Wer hat nicht schon laut mit einem vermeintlichen Gegenüber diskutiert, vor allem dann, wenn man im realen Gespräch nicht gut bestanden hat.
Er streitet mit Nietzsche, mit Präsident Eisenhower, mit Zeitgenossen und Konkurrenten. Einen durchgehenden Handlungsfaden gibt es nicht, aber es erschließt sich doch ein genaues Abbild seines Lebens. Eigentlich ist er ein halb-gescheiterter Universitätsprofessor der philosophisch-historischen Fakultät.Er befasst sich mit der Epoche der Romantik in Europa, sein wirklich großes Werk wird nie geschrieben und endet unvollständig in einem leeren Koffer. Er ist Jude, voller Komplexe und vermeintlicher Fehler.
Er ist gestrandet, kommt mit dem Leben nicht zurecht, findet sich jedoch am Schluss schließlich selbst wieder.Alles endet in Ruhe und Harmonie in Eintracht mit der Natur.
Zeitweise ist es schwierig seinen Gedankengängen zu folgen, zeitweise sind diese außerordentlich erhellend. Ein ungewöhnliches, dramatisches Buch.

Zitate:

Für ihn war der immer währende Gedanke an den Tod eine Sünde. Lenke deinen Karren und deinen Flug über die Gebeine der Toten.

S. saß unter endlosen Reihen von juristischen Büchern in einem großen Sessel. Der Mensch wird geboren, um Waise zu werden und Waisen zu hinterlassen, aber ein Sessel wie dieser ist ein großer Trost.

Er sehnte sich nach dem Atlantik - dem Sand, dem Dunst des Salzwassers, der Therapie des kalten Wassers. Er wusste, dass er bessere, klare Gedanken fassen würde, wenn er im Meer gebadet hatte

Es berührte ihn sehr komisch und er musste lachen als er sein polizeikontrolliertes kompliziertes Schloss (an der Tür seines New Yorker Apartments) anbrachte. Milliarden menschliche Wesen existieren, jeder hat einen kleinen Besitz, jeder lebt in seinem eigenen kleinen Mikrokosmos, jeder in sich in gewisser Weise wertvoll. Milliarden kleiner Existenzen, jeder sucht seine Nische zum Leben, jeder hütet seinen minimalen Besitz, mal winzig klein, mal sehr groß. Und das alles ist umsonst.

Ein großartiger Roman.
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am 21. August 1999
Half way through this book. I shared some of the doubts expressed by other reviewers. Yes it is well written, but it appeared to be too narrow in its focus. A book whose sole topic is the protagonist's ego is hard to sustain for 340 pages. It cried out for social or political contexts into which the eccentric character could be absorbed. However all my early doubts were dealt with as the book progressed. His love for his daughter, brother and mother give Herzog greater depth and the reader starts to realise that Moses is not just a self-pitying, self obsessive. He is a man out of his depth , an intellectual in an anti-intellectual age. He is a Jew with a long family history of suffering, a "schooling in grief" yet even this proud history of struggle seems trivial because as Herzog notes: "What happened during the War abolished Father Herzog's claim to exceptional suffering". This is one of many aspects of personal history that troubles Moses
The early chapters lay the foundations for the wonderful latter parts of the book. Herzog is one of the most extraordinary literary creations of modern times. Bellow has created a multi-layered madman, pathetic yet loveable, a man of great intellect; solipsistic, moving, pedantic, gentle and above all believable. One moment he is plotting to murder the wife he loathes; the next he is showing the depth of his love for his daughter; then he writes to Nietszche telling the long dead philosopher that he is lying in a hammock in rural Massachusetts. He also writes to God, Heidegger, Eisenhower, ex-lovers and many of the personal and professional rivals he wishes to settle scores with. These letters (never posted), like the wife's one legged lover and Herzog's monkey kissing friend add much dark humour to what is often a very serious and moving narrative. This is a difficult, intense novel, but well worth the effort.
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