Fashion Sale Hier klicken Neuerscheinungen Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More HI_PROJECT Hier klicken Strandspielzeug Fire Shop Kindle Sabaton Summer Sale 16

  • Hiob
  • Kundenrezensionen

Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
77
4,6 von 5 Sternen
Format: Sondereinband|Ändern
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

TOP 1000 REZENSENTam 15. Dezember 2005
Das ist die Geschichte eines Mannes, der Gott fürchtet und von ihm geprüft wird, wie Hiob im alten Testament. Mendel ist keiner, der stolz ist auf seine Individualität. Im Gegenteil, er will nur ein ganz gewöhnlicher Jude sein unter anderen Juden.
Anfänglich gelingt ihm das auch, er heiratet, er unterrichtet, er hat Kinder, tut, was sein Vater tat, denkt, was dieser schon dachte. Doch dann bricht das Unheil über sein Haus herein. Sein jüngster Sohn lernt nie sprechen, seine Tochter macht mit Kosaken herum, sein erster Sohn meldet sich freiwillig zur Armee und mit dem zweiten wandert er nach Amerika aus. Beide fallen im ersten Weltkrieg und Mendel hadert mit Gott. Er, der gottesfürchtige Jude, fängt an, zu schmähen, was er früher verehrte. Doch eines Tages steht der Jüngste wieder vor der Tür, der Jüngste, der nie sprechen konnte, jetzt aber ...
Roth erzählt uns die Geschichte mit biblischer Wucht; schafft es mit seiner Sprache, uns in die längst vergangene Welt des Stetls zu versetzen, taucht den Leser ein in eine Welt, die so ganz anders ist als alles, was er kennt. „Hiob“ ist nicht nur ein einmaliges Zeitzeugnis, es ist auch ein wundervolles Beispiel gelungener Literatur, die auch heute noch, nach fünfundsiebzig Jahren, den Leser zu fesseln weiß.
Fazit: Archaische Erzählung aus Osteuropa, das die Zeit vor dem ersten Weltkrieg lebendig werden lässt.
(C) Hans Peter Roentgen
11 Kommentar| 51 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 1. Februar 2012
Joseph Roth erzählt die Lebensgeschichte seines Protagonisten in märchenhafter Einfachheit mit linearem Handlungsablauf und in scheinbar schlichter Sprache.
Die Hauptfigur Mendel Singer lebt in Zuchnow, einem fiktiven Stetl in Russland um 1900. Er ist ein streng religiös lebender Religionslehrer ohne Ehrgeiz,der versucht, alles Unjüdische seinem Leben und seiner Familie fern zu halten. Von ihm heißt es im Roman: Er lehrte mit ehrlichem Eifer und ohne aufsehnerregenden Erfolg. Hunderttausende vor ihm hatten wie er gelebt und unterrichtet.

Doch es ist eine Zeit der Veränderungen, die auch vor Zuchnow nicht halt machen.
Mendel Singer hat eine Frau, zwei Söhne und eine Tochter und lebt treu nach dem Gesetz der Vorväter, bis hin zur Bestrafung der Söhne nach (u.a.) Sprüche 13, 24: Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn. Wer ihn liebt, sollte ihn schon von klein auf züchtigen - in Mendels Fall mit dem Gürtel, ab und an.

Doch dann wird ihm ein dritter Sohn geboren, und der ist behindert.
Während seine Frau Deborah verzweifelt sucht, Hilfe für den behinderten Sohn Menuchim zu bekommen, sieht Mendel in dem Kind seine Strafe Gottes, die es zu ertragen gilt. Ein Angebot eines Arztes, das Kind in einem Krankenhaus kostenlos zu behandeln lehnt er ab, denn es würde dort nicht 'koscher' ernährt und von Nichtjuden beeinflusst werden.Gott wird es schon richten...
Den Geschwistern ist der Bruder peinlich, sie quälen ihn, weil sie sich seiner schämen, die Mutter ist ganz mit Menuchim beschäftigt, dass sie ihre sonstigen Aufgaben nicht mehr erfüllen kann, Mendel trägt sein Schicksal ergeben und verliert die Liebe zu und das körperliche Interesse an seiner Frau.

Doch das 'Fremde' bedrängt sein Leben weiterhin. Die Söhne sollen zur Armee des Zaren gezogen werden, für einen religiösen Juden undenkbar. Sein ältester Sohn findet aber an der russischen Lebensweise und am Militär Gefallen, sein jüngerer Sohn flieht vor dem Wehrdienst nach Amerika und wird Geschäftsmann mit einigem Erfolg. Die Tochter ist ebenfalls herangewachsen und beginnt sich mit Kosaken herumzutreiben. Mendel sieht in dem Angebot, mit Tochter und Ehefrau nach Amerika zu gehen, die einzigste Möglichkeit dieser Schande und dem wirtschaftlichem Elend zu entgehen, auch wenn es bedeutet, dass der behinderte Sohn zurückbleiben muss.
Alles, was dann erzählt wird, bezieht sich wie ein Spiegel auf das bisher erzählte, schlussendlich wird Menuchim gesund, reich und berühmt und wird zu Mendels letztem Glück'

Für mich ist das noch mehr eine kaum erzählte Entwicklungsgeschichte des Sohnes Menuchim, als die Lebensgeschichte seines Vaters Mendel.So, wie sich der biblische Josef erst entwickeln konnte, als ihn seine neidischen Brüder in den Brunnen geworfen hatten.
Der Sohn Menuchim musste die religiös begründeten Entscheidungen seines Vaters erleiden und konnte sich erst entwickeln, als dieser keinen Einfluss mehr auf ihn hatte. Trotzdem ist er dem Vater dankbar und verbunden, denn dieser hatte ihn diesen einen, besonderen Seelenton hören lassen, der nun seine Musik so besonders macht.

Dieser Roman wirkt durch sein fantastisches Ende märchenhaft und wie in guten Märchen steckt in ihm eine Wahrheit, die nur in dieser märchenhaften Form so vielschichtig und breitdeutbar erzählt werden kann.
0Kommentar| 18 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. März 2014
Joseph Roth hat sich einen Spaß gemacht. Er hat die biblische Geschichte ins 20. Jahrhundert adaptiert. Anfang des Jahrhunderts irgendwo an der damaligen russischen Grenze zu Europa. Eine jüdische Familie, bitterarm, gläubig, guter Dinge in einem Kaff, einen Tagesmarsch von der KuK-Grenze entfernt.

Mendel Singer - jüdischer Lehrer, die Frau Deborah, die Söhne Jonas und Mescharjah, die Tochter Mirjam und der verspätete "Unfall" Menuchim. Aber der Unfall Menuchim, der sabbernde Krüppel, häßlich, scheinbar dumm, unfähig zu sprechen, der zurückgelassen wird in Europa, als man nach Amerika übersiedelt, der birgt die Hoffnung für die ganze Familie in sich. Jonas - hat die Familie verlassen, um Soldat zu werden und geht im Ersten Weltkrieg verschollen. Schemarjah fällt auf der Seite der Alliierten in Frankreich. Die Mutter stirbt im Alter, die Tochter wird wahnsinnig und kommt in die Irrenanstalt. . .

Wer wissen will, wie es ausgeht, der sollte entweder in der Bibel oder das Buch lesen. Ich habe es verschlungen, obwohl ich weder Jude bin, noch ein sonderlich frommer Mensch.
Gerade in der heutigen, gottlosen, schnelllebigen und meist grausam-sinnentleerten Zeit sollte man das Buch lesen - und auf sich wirken lassen.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 19. Januar 2016
Eine Wette soll es gewesen sein, zwischen Gott und dem Teufel.
Der fromme Hiob sollte geprüft werden, wie stark denn nun sein Glaube sei. Und Gott oder der Teufel ließen allerlei Unheil auf den frommen Mann regnen und obwohl Hiob verzweifelte, soll er stark im Glauben geblieben sein.
Das war kein Spaß mehr, was sich die hohen Herren mit dem armen Hiob leisteten. Und es ist auch völlig unnötig, dass Gott oder der Teufel von oben herab sein Unheil auf uns regnen lässt. So ein kleiner Krieg (wie ja im Buch auch beschrieben) reicht völlig, um das Leben der Menschen zu zerbrechen. Und Krieg haben wir bisher ohne Hilfe von oben immer noch selber angezettelt.
Aber neben den ganzen theologischen Überlegungen begeisterte mich dieses Buch, welches wie ein alter Holzschnitt in einer alten Bibel wirkt.
Das liest sich flotter als ein gut gemachter Thriller.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. Juni 2015
ROTH, Joseph: „Hiob“, München 2014
Vor fast 100 Jahren geschrieben. Ein anderer Stil, aber trotzdem angenehm und schön zum Lesen. Eine Welt, die heute nicht mehr existiert und die exotisch auf heutige Menschen wirkt. Aber es ist ein lesenswertes Buch. Großartig geschrieben und beeindruckend im Aufbau.
Das Buch hat zwei Teile. Im ersten wird die Geschichte der Familie eines armen, aber gläubigen Juden in Ostgallizien erzählt. Er verdient sein Geld durch Unterrichtsstunden. Die Familie bleibt aber arm. Ein Sohn wandert nach Amerika aus und im zweiten Teil wird die Familie nachgeholt. Das behinderte Kind bleibt zurück und der dritte Sohn ist zur Armee eingerückt ohne dass die Familie weiß wo er ist. So kommt der arme Jude in New York zu seinem reichen Sohn und erlebt ein neues Leben, bis dieser im Ersten Weltkrieg, wo er sich freiwillig gemeldet hatte, umkommt. Die Tochter wird verrückt und kommt ins Irrenhaus. Die Ehefrau des Juden stirbt und er selbst zieht sich zurück und verliert seinen Glauben. Als Bettler und Aushilfskraft verdient er sich durchs Leben bis eines Tages sein behinderter Sohn als musikalische Wunderkind auftaucht … Ein großes Buch.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Die Parallelen zum biblischen Hiob (und anderen biblischen Geschichten) sind deutlich, aufschlussreich sind aber die Abweichungen. Mendel Singer ist nicht wie Hiob reich und mächtig, sondern ein unbedeutender kleiner Toralehrer, der im Vergleich zu seiner Familie - der vitalen, ehrgeizigen Frau Deborah, der lebensgierigen Tochter Mirjam, den beiden gesunden Söhnen Schemarjah und Jonas reichlich schwächlich und weltfremd wirkt. Nur in dem geistig und physisch behinderten Kind Menuchim kann er sich wiedererkennen: "Du bist mein wirklicher Sohn!" (43).

Mendels Entschluss, nach Amerika zu gehen, ist kein Versuch, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und sein Glück zu machen, sondern eher ein Weglaufen vor den Problemen in seinem Leben: Er möchte nicht, dass Mirjam sich mit den Kosaken einlässt, und er lässt Menuchim in der Pflege fremder Leute zurück.

In Amerika geht es den Singers nicht eigentlich schlecht: Schemarjah hat zunächst Erfolg, Mirjam nimmt sich alle Freiheiten, die sie braucht. Daran und an den Zeitläuften gehen Mendel und seine Familie aber zu Grunde: die Söhne fallen im Krieg (vom zweiten gesunden Sohn Jonas nimmt Mendel es an), Mirjams "Freiheit" schlägt in Verzweiflung und Irrsinn um, und Mendel, der sich ohnehin in Amerika immer als Fremder fühlte, wird zusehends von Schuldgefühlen geplagt, weil er Menuchim verlassen hat. Mendels Unglücksschläge sind also - im Gegensatz zu Hiobs - teilweise selbst verschuldet: Er hat sich nicht aktiv um Deborah und Mirjam gekümmert und ist seiner moralischen Verantwortung für Menuchim nicht gerecht geworden.

Als Mendel wie Hiob von den Unglücksschlägen heimgesucht wird - seine ganze Familie wird in gewisser Weise dahingerafft -, verliert er - im Gegensatz zu Hiob - fast gänzlich seinen Glauben: Er verwünscht Gott und vegetiert nur noch dahin. Als er sich endlich entschließt, noch einmal Menuchim in der alten Heimat aufzusuchen, also letztlich seiner moralischen Verantwortung gerecht zu werden, geschieht das "Wunder", das ihm die Augen öffnet. Und im Zuge dieser wunderbaren Ereignisse wird Mendel dem Leben wiedergeschenkt. Auf einmal öffnet sich ihm die amerikanische Gegenwart, die ihm bis dato nur fremd und sogar unheimlich gewesen war, und Mendel erkennt: "Ein schlechter Vater war ich" (187). Dabei denkt er an Menuchim und Mirjam.
Der biblische Hiob musste reich und schuldlos sein, um seine Fallhöhe im Unglück und seine Unerschütterlichkeit im Festhalten an Gott zu demonstrieren. Mendel Singer ist ein Durchschnittsmensch, sein Glaube ist erschütterbar, seine eigene Schuld und sein Schicksal sind untrennbar miteinander verwoben.

Joseph Roths Buch ist ein Klassiker, weil die "Legende" in einem einprägsamen, sinnlich-anschaulichen Stil geschrieben ist. Sie ist holzschnitthaft-einfach geschildert - vielleicht auch immer nah an Stereotypen - aber voller emotionaler Tiefe. Das "Wunder" am Schluss ist auf meisterliche Art und Weise in Szene gesetzt, so dass einem beim Lesen die Tränen kommen können. Auch wenn man an dem Status dieses wunderbaren Buches nicht rütteln mag, so frage ich mich doch, wie die Geschichte ausgegangen wäre, wenn sich das Wunder nicht ereignet hätte - wie es ja wohl im wirklichen Leben zu gehen pflegt.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 14. Januar 2011
"Hiob" von Joseph Roth ist ein wunderbares Buch. Die Handlung ist an die biblische Geschichte von Hiob angelehnt, aber in unsere Zeit übertragen. Man ist sofort mitten drin und emotional stark beteiligt. Die Figuren sind alle sehr complex und farbig charakterisiert. Sie kämpfen ums Überleben, verzweifeln an ihrem Schicksal, nur Hiob verliert seinen Glauben nicht. Als aber die Tragödie weiterschreitet und er quasi alles verloren hat, hadert er mit Gott und dem Glauben an ihn. Genau dann nimmt die Handlung eine überraschende Wendung. Es ist also keine deprimierende Geschichte. Sie ist spannend bis zum Schluss, der Text sehr dicht und von unglaublicher Poesie. Das schönste Buch, das ich seit langem gelesen habe!
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Juni 2012
......der Schmerz wird ihn weise machen, die Hässlichkeit gütig, die Bitternis milde und die Krankheit stark hatte der Rabbi von Kluczscic prophezeit. Seinesgleichen werde es nicht viele geben, er werde nach langer Zeit gesund werden. Deborah solle ihren Sohn nicht verlassen auch wenn er eine grosse Last sei. Von Menuchim ist die Rede, dem jüngsten von vier Kindern, dem epileptischen Sohn.
Einer der älteren Söhne wird über die Grenze "geschmuggelt" um sich dem Militärdienst zu entziehen. Er emigriert nach Amerika, die Eltern kommen später nach. Sie nehmen Mirjam, die Tochter mit, den kranken Menuchim lassen sie bei Freunden zurück.
In Amerika werden sie nicht heimisch. Schicksalsschläge verdunkeln das Leben des schliesslich einsamen Mendel Singers bis sich doch noch ein Lichtblick auftut.

Ein ergreifender Roman über das Leben eines einfachen Mannes - und über das seiner Familie -, ein russischer Jude, der sein Leben nach seinem unerschütterlichen Glauben eingerichtet hat. Die Geschichte eines Hiob von New York der mit Gott hadert, die erdrückende Last seines Lebens aber trägt Ein meisterhafter Roman.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. August 2015
Entstanden in den Jahren 1928/1929, veröffentlicht dann 1930, gehört “Hiob” neben “Radetzkymarsch” zu den am meisten gelesenen Büchern von Joseph Roth. Durch mein Studium der modernen hebräischen Literatur (Oz, Yehoshua, Shalev, Agnon, Tammuz) bin ich bereits vor vielen Jahren immer wieder in Kontakt mit Autoren gekommen, die das Leben osteuropäischer Juden innerhalb ihres “Shtetl” beleuchteten. Der von jüdischem Glauben und jüdischer Tradition geprägte Lebensraum, der immer wieder Bedrohungen von außen unterworfen ist, spielt nun auch in “Hiob” eine tragende Rolle, beginnt die Geschichte doch im russischen Zarenreich um 1890 – und endet nach dem Ersten Weltkrieg im Exil in New York. Eine nicht nur für jüdische Gemeinden enorm wechselhafte, konfliktreiche Epoche, in deren Verlauf neben den Vereinigten Staaten bekanntlich auch Palästina zum Sehnsuchtsort gerade in Russland und Polen beheimateter Juden wurde. Im Zentrum des Romans steht der glaubensfeste, am Rande des Existenzminimums lebende Toralehrer Mendele Singer, dessen Glaube – ganz nach dem Vorbild Hiobs – durch diverse Schicksalsschläge auf eine harte Probe gestellt wird. Der Zar nimmt ihm die Söhne, die Kosaken verführen ihm die Tochter, er und seine Frau sind der Willkür von Staatsbeamten und Ärzten ausgeliefert. Und zu allem Überfluss wird ihm auch noch ein körperlich und geistig behinderter Sohn, Menuchim, geboren. Roth erzählt in nüchterner – bisweilen bewusst an den Erzählstil der Bibel angelehnter – Sprache von den Zerwürfnissen eines Mannes, der sich, zerrieben zwischen Selbstanspruch und modernen Herausforderungen, nicht nur von seiner Frau und seinen Kindern, sondern auch von sich selbst zunehmend entfernt, zu einem verängstigten, vergrämten und mitunter gar verwirrten Geist wird. Bis er es zum Schluss schließlich sogar wagt Gott zu lästern, sich ihm zu entsagen.

Was besonders gefällt an Roths Roman und seinem Erzählstil ist ein Ansinnen, das zunehmend aus der Mode gekommen zu sein scheint über die Jahrzehnte: Mendele ist weder Held noch Anti-Held, keiner, der sich beständig aufschwingen will hier oder dorthin. Und auch niemand, der sich selbst beständig niedermacht, kein Jammerer, kein zynischer Zeterer. Mendele ist ein Mann, der gar nicht mehr erstrebt als rechtschaffen zu sein. Durchschnitt. Und somit nicht zuletzt auch: Stütze der Gesellschaft. Wie heißt es so schön im Roman: “Er lehrte mit ehrlichem Eifer und ohne aufsehenerregenden Erfolg”.

Wer auf der Suche nach frischen Lebenseinsichten ist, der wird aus der Lektüre von „Hiob“ nicht sonderlich viele neue Eindrücke mitnehmen. Das Leben ist hart, es hagelt Niederschläge – wohl dem, dem es gelingt nicht vollkommen abzudrehen, ein halbwegs vernünftiger Zeitgenosse zu bleiben. Dann gibt es gen Ende vielleicht sogar eine kleine Belohnung, für irgendetwas lohnt die ganze Mühsal eben doch. Sehr empfehlenswert ist „Hiob“ dennoch, um einen Einblick in das bereits benannte Leben osteuropäischer Juden zu erhalten, zu verstehen, warum gerade sie die ersten jüdischen Einwanderungswellen in die USA und natürlich Palästina in Gang setzten.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 14. Juli 2014
Die ersten 50 Seiten sind vielleicht etwas langatmig und man muss sich erst in die Zeit, den Ort (Galizien) und die damaligen jüdischen Gegebenheiten einlesen. Aber der Rest des Buches entschädigt für die anfänglichen Mühen voll und ganz. Das Buch wird spannend und man profitiert bei der Lektüre durch die Menschenkenntnisse Roths. Das Buch ist keine einfache Lektüre, aber sehr zu empfehlen.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen


Benötigen sie kundenservice? Hier klicken