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Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
36
Hannah Arendt oder die Liebe zur Welt
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:10,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 19. Dezember 2017
Diese Biografie ist sehr lesenswert! Sie verbindet die biografische Erzählung mit Hannah Arendts theoretischen Texten. Aber so, dass es auch für philosophische Laien verständlich bleibt.
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am 1. September 2017
Alois Prinz zeichnet auf ca. 300 Seiten das Portrait der jüdischen Intellektuellen. Beigegeben sind einige Fotos, eine Zeittafel und weiterführende Literaturhinwiese. Der Text gewährt bei gegebenem begrenztem Umfang einen guten Überblick über Leben und Werk. Prinz geht chronologisch vor. Die Darstellung hält sich wenn immer möglich an Fakten. Da wo ihr Denken ins Blickfeld kommt, werden ihre Arbeiten, etwa ihr grundlegendes Werk zu den Ursprüngen totalitäre Gewalt oder die Protokolle und Kommentare zum Eichmann-Prozess, nachvollziehbar und gut lesbar erläutert. Der Umfang des Buches gestattet keine wissenschaftliche Fleißarbeit, der Stil des Biographen Prinz keine Überfülle von Querverweisen und originellen Spekulationen. Beides ist ein Vorzug. Natürlich gibt es genügend komplexe und delikate Momente und Situationen, die Fingerspitzengefühl und Differenzierung erfordern – Hannahs Verhältnis zu Heidegger, die kritische Rezeption ihrer Eichmann-Protokolle und des von ihr geprägten Begriffs der „Banalität des Bösen“. Ihnen wird Prinz vollkommen gerecht, in einer klaren, unaufwändigen, jeden schmückenden Ballast meidenden Sprache. Als Beispiel soll die Charakterisierung des Lebensgefühls vieler gebildeter und oft auch vermögender deutscher Juden dienen.
Prinz schreibt: „ Besonders in den gutbürgerlichen deutsch-jüdischen Familien wird das Erbe der Väter mitgeschleppt wie eine Auszeichnung, die man schlecht zurückweisen kann und die man doch am liebsten loswerden möchte. Und so hält man widerwillig, mit innerer Verbissenheit daran fest, und gleichzeitig ist aller sozialer Ehrgeiz darauf gerichtet, in einer nicht-jüdischen Gesellschaft anerkannt zu werden und es s o weit wie möglich zu bringen. Diese Mischung aus Verbissenheit im Innern und Selbstgefühl nach außen, so sieht es Hannah Arendt später, macht blind für Tatsachen wie den Judenhass, wozu die Wohlhabenheit dieser Schicht noch beiträgt.“

Diese besondere Ortlosigkeit der deutsch-jüdischen Bildungsbürger und Etablierten hatte ganz unterschiedliche Konsequenzen. Hohen sozialen Ehrgeiz und „Erfolg“, dessen Schutzwirkung gleichzeitig in aufgeklärt-bildungsbürgerlichem Selbstbewußtsein überschätzt wurde. Das stellt Prinz hier sehr gut heraus.

Auch anderen Themenfelder werden ähnlich differenziert und hellsichtig erläutert. Insgesamt ein sehr anregendes, kundiges Buch zum Kennenlernen dieser bemerkenswerten Philosophin und Politologin, das Lust macht, das eine oder andere von ihr im Orginal zu
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VINE-PRODUKTTESTERam 26. Februar 2013
Die vorliegende Biografie über die große Denkerin Hannah Arendt von Alois Prinz stammt ursprünglich aus dem Jahr 1998. Der Film von Margarethe von Trotta über die Philosophin hat wohl den Verlag dazu gebracht, eine Neuauflage herauszubringen. Prinz beleuchtet im Gegensatz zum Film Arendt gesamtes Leben, beginnend mit einem Einblick in ihre Herkunft, vor allem ein Kapitel zu ihren Eltern, über ihr Heranwachsen und ihren hindernisreichen Einstieg in die Wissenschaft.

Hannah Arendt wird in Königsberg geboren, ihre Familie ist alteingesessen, gebildet, wohlhabend. Und jüdisch. Bevor dies jedoch zum lebensbedrohlichen Thema wird, studiert Hannah in Marburg bei Martin Heidegger Philosophie. Und es entwickelt sich eine lebenslange Verbindung zwischen den beiden, nicht nur auf einer abstrakten, sondern auf einer sehr persönlichen, intimen Ebene. Neben Heidegger wird Arendt vor allem beeinflusst durch Karl Jaspers, zu dem sie ebenfalls über viele Jahrzehnte ein enges Verhältnis pflegt.

Die Schreckensherrschaft in Deutschland in den 30er Jahren zwingt Hannah Arendt und ihren Partner Heinrich Blücher zur Flucht nach Frankreich, wo sie beide getrennt voneinander in Internierungslager gesteckt werden und schließlich in die Vereinigten Staaten flüchten können. Dort baut sich Arendt dank ihres großen Verstands und ihrer Fähigkeit, andere für sich zu interessieren und zu begeistern, eine Position als Denkerin, Professorin und Autorin auf. Die beiden leben in New York, umgeben von vielen Freunden, darunter auch die berühmte Schriftstellerin und Feministin Mary McCarthy.

Arendts Hang zu klaren Positionen bringt sie in den 60er Jahren in eine nahezu isolierte Position, als sie für eine New Yorker Zeitung mehrmals nach Jerusalem reist, um dort von Prozessen gegen Adolf Eichmann zu berichten. Die Tatsache, dass ihr dieser eher lächerlich als grausam vorkommt, verarbeitet sie in entsprechenden Berichten und Artikeln, die auch in ein legendäres Buch, "Die Banalität des Bösen", münden. Mit dieser Haltung bringt sie weltweit die Juden gegen sich, die Jüdin, auf. Aber das kann ihren Mythos bis heute nicht verringern, im Gegenteil.

Die Biografie bleibt doch recht stark an der Oberfläche, was Lesern, die sich zwar für das Leben und die Person Hannah Arendts interessieren, das Studium vereinfacht, andererseits aber eben auch immer dort aufhört, wo es spannend wird. Ein guter erster Überblick in und über diese faszinierende Frau. Wer sich wirklich für sie interessiert, wird an Primär-, mindestens aber an Sekundärliteratur nicht vorbeikommen.
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TOP 100 REZENSENTam 30. Januar 2013
...dem wir bis zuletzt die Treue halten konnten." (Hannah Arendt)

Es ist eine der besten Biografien, die ich bereits mehrfach gelesen habe. Sie greift einen weiten Horizont des gesamten letzten Jahrhunderts heraus, vom aufsteigenden wirtschaftlichen Erfolg der Deutschen und dem eher beschränkten letzten (Militär-) König bis hin zu einer Ehe, die als beispielhaft anzusehen ist, mit jenen Elementen, die Partnerschaften wirklich gelingen lassen. Insgesamt faszinierend geschrieben und in mehrfacher Weise spannend zu entdecken, von Königsberg, Paris bis New York, von Jerusalem bis Marbach am Neckar.

Die Quellen für Erfolg, Standhaftigkeit, Mut und menschliches Verhalten sprudeln immer in der Kindheit. Eine eher schwache Mutter begleitet die Tochter Hannah, schreibt sorgfältig alle Regungen auf, um sie aber doch immer wieder zu den Großeltern zu geben. Der Vater stirbt an Syphillis. Hannah Arendt hat viele Bezugspersonen für ihre Erziehung genießen dürfen, sie war ein frühbegabtes Kind, viele Steine in ihrem Weg werden genutzt, um Treppen in höhere Erkenntnissphären zu bauen, die sie insb. mit ihrem zweiten Ehemann Heinrich Blücher in schönster Weise zu zweit genießen kann.

Das Buch eröffnet mit dem Unfall im Jahr 1962 im Central Park / NY, aus dem HA aufwacht in der Erkenntnis, sichtbar zu werden, sich einzubringen, in Gesprächen ihre Gedanken zu vermitteln, sie zu modifizieren, sich gemeinsam mit anderen in der Öffentlichkeit "einzumischen". Der aktuell im Kino laufende Film über HA zeigt nur einen relativ kleinen (aber gelungenen) Ausschnitt aus ihrem Leben rund um den Eichmann-Prozess. Dieses Buch ist die dazu notwendige Gesamtschau!
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am 18. Juli 2001
Dieses Buch schildert auf bemerkenswert packende Weise das schwere aber erfüllte Leben der Hannah Arendt. Sie wuchs in gutbehüteten Familienverhältnissen auf. Da sie jedoch Jüdin war, hatte sie es in der Schule nicht leicht. Ihre Mutter ermutigte sie immer und immer wieder und befahl ihr sogar, sofort die Schule zu verlassen und Heimzukommen, wenn der Lehrer etwas abfälliges über Juden sagte. So wurde sie zu einer selbstbewußten jungen Frau. Auf ihrem Weg und der Suche nach dem "Glück" erfährt sie, was Liebe ist, was es heißt, ausgenutzt zu werden, und was das Leben so lebenswert macht. Schließlich findet sie ihre große Liebe und das Diskutieren mit ihrem Mann wird zu einem Erlebnis. Es ist ein Buch, aus dem man viel lernen und für's Leben mitnehmen kann. "Heinrich ist während Hannahs Abwesenheit klar geworden, dass Einsamkeit etwas ganz anderes ist als Verlassenheit. Wenn er einsam sei, so schreibt er einmal in einem Brief, dann genieße er das. Unter seiner Verlassenheit aber leide er." [Seite 148, 1. Absatz] Es ist ein Buch, das nicht ganz einfach ist, weil es vieles gibt, bei dem "einfach nur lesen" eben nicht reicht. Man muß darüber nachdenken, man findet sich selbst wieder und man lernt NIE aus.
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am 9. November 2017
Hervorragend gelungene Verbindung von zeitgeschichtlichem Hintergrund und biografischen Fakten. Ein wahrer Lesegenuss. Alois Prinz lässt Hannah Arendt auf eine beeindruckende Weise lebendig werden.
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TOP 500 REZENSENTam 24. April 2013
"Am Ende unseres Lebens wissen wir, dass nur das wahr war, dem wir bis zuletzt die Treue halten konnten."

Bewegende Geschichten großer Menschen sind eine der Errungenschaften der Literatur (und das meine ich nicht ironisch und nicht pathetisch, denn wenn Rührung und Anteilnahme aus der Lebensgeschichte selbst kommen und nicht aus der Darstellungs und Untermalung, kann man die Anerkennung und Würdigung eines Menschen wohl kaum als pathetisch bezeichnen). Sie führen uns vor Augen, dass Tugenden & Glück und Unglück anderer Meschen eine wesentlich größere Emotion in uns wecken können, als es unser ebenfalls nicht unbedeutendes Interesse für geschichtliche Zusammenhänge oder z.B. Kriege, Tyrannen und Politik vermag. Denn obgleich jeder von uns in einer anderen Welt lebt, haben diese Welten die verschiedensten Brücken, die sie verbinden; und die größten dieser Brücken entstehen nun einmal im Sinnbild bedeutender Persönlichkeiten.

Hannah Arendt war eine dieser Persönlichkeiten und mit dem Thema des "Gemeinsam" und "Einsam" sind wir auch schon beinahe bei den Thematiken, mit denen sie sich ein Leben lang beschäftigt. Unverkrampft, wenn auch sehr theoretisch, muten viele ihrer Systeme und Gedanken zu gesellschaftlichen und menschlichen Verhaltensmustern an und mit Begriffen wie "Banalität des Bösen" hat sie auch immer wieder Kontroversen der Sprache und Ansicht hervorgerufen. Dass sie diese Klippen des Lebens stehst mit einer einachen und unaufgsetzten Entschlossenheit und Bestimmtheit umschiffte, was manche ihr fälschlicherweise als Gleichgültigkeit attestierten, ist einer ihrer hervorstechendsten Charakterzüge. Nein, man weiß nicht, ob man sie gemocht hätte, dafür gibt uns Alois Prinz mit seiner Darstellung genug Unwägbarkeiten und Ambivalenzen ihres Charakters an die Hand. Aber zweifellos ist ihr Lebensweg, genauso wie ihre Idealität sehr interessant und in der Lektüre diese kleines Buches gut kennenzulernen, wenn auch nicht unbedingt zu vertiefen.

Neben den Stationen ihres Lebens und den Menschen mit denen sie viel verband und die immer wieder ebenso porträtiert werden wie sie selbst, geht das Buch häufig auch auf Einflüsse und Werke Arendst ein, was Prinz mit einem bemerkenswerten Drahtseilakt bewältigt, was das ganze Buch manchmal etwas unhomogen anmuten lässt, aber auch abwechslungsreich und vielschichtig. Viele, aber nicht übermäßig viele Zitate und Randgeschichten, machen das Buch insgesamt zu einem wirklich kompackten Ausgangspunkt, um sich der vielleicht bedeutendsten Philosophin dieses Jahrhunderts zu nähern.

"Sie war durchdrungen von einer merkwürdig ziellosen Sehnsucht. >>Ich meine nicht Sehnsucht nach einen bestimmten Was<<, erklärt sie in "Die Schatten",>>sondern Sehnsucht als das, was ein Leben ausmachen, für es konstitutiv werden kann.<<"

Wenn ein Buch es schafft, von Mensch zu Mensch zu sprechen (nicht unbedingt wortwörtlich, aber in seiner Stimme, seiner Auffassung), ist es meist ein gutes Buch und ein bereicherndes. Philosophen und Schriftsteller bringen uns das nahe, was uns alle angeht, auch wenn wir es noch nicht wissen oder nur unterbewusst erlebt haben, aber noch keine Form gefunden haben, um es auch als eine bewusste Tatsache, Empfindng oder Ansicht zu erkennen.
Und immer wieder schenken uns Bücher einen wirklichen Eindruck von der Wichtigkeit, zentrale Punkte menschlichen Wesens zu refklektieren und für sich selbst wiederzufinden. Zum Tod ihres Mannes schrieb Arendt so eine sehr bemerkenswerte Passage, mit der ich diese Rezension beenden will:

"Beklage dich nicht, wenn etwas genommen wird, dass dir gegeben war, das du aber nicht notwendigerweise besaßest. und vergiss nicht, um genommen zu werden, musste es erst gegeben werden. Wenn du zu besitzen glaubtest, wenn du vergessen hast, dass es gegeben war, dann ist es eben schlimm für dich."

P.S. Ein grober Fehler ist mir aufgefallen: Das Todesdatum Franz Kafkas wird hier mit 1928 angegeben, ist aber 1924 (Meine Ausgabe von 2002).
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am 24. Juli 2003
Einfühlsam, fesselnd, und doch am Leitfaden einer getreuen Sachlichkeit führt Alois Prinz die Lesenden durch das Leben einer beeindruckenden Frau, einer politischen Denkerin, die wie kaum eine Zweite, frei von Opfer-Hass und Ressentiment,
den philosophischen Blick auf die Geschehnisse des letzten Jahrhunderts bewahrt hat.
Dank klug gewählter Auszüge aus Arendts Briefverkehr mit Heinrich Blücher, Karl Jaspers oder Martin Heidegger bleiben die Schilderungen durchgehend lebendig. Auch stellt der Autor seine Fähigkeit unter Beweis, die komplexen philosophischen Strömungen des letzten Jahrhunderts als Reaktionen auf historische Kontexte zu deuten, was ihm ermöglicht Philosophie zu erzählen, wie man Geschichten erzählt - spannend, voll innerer Bewegung.
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am 2. Dezember 2017
....über eine wunderbare Frau.
Es ist eins meiner lieblingsbücher. Man fühlt sich richtig verbunden mit dieser tollen Frau.
Wer sich für Hannah Arendt interessiert sollte es unbedingt lesen.
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am 16. Januar 2013
Hannah Arendt schöpft in ihren Werken aus ihren eigenen Lebenserfahrungen. Es empfiehlt sich also durchaus, sich mit ihrer Lebensgeschichte zu beschäftigen.
Diese ist hier verlagstypisch als leicht verdauliche Kost dargestellt. Sie liest sich so an einem Wochenende weg.
Dabei lässt sich erkennen, dass Arendt auch ohne ihre Bedeutung als Philosophin einfach ein spannender Mensch ist.
So gesehen kann man es bei der Lektüre dieser Biographie belassen oder man ist neugierig geworden und will sich nun auch mit ihren Abhandlungen beschäftigen. Das Buch kann (außerordentlich gut) Neugierde entfachen - kann (und will) sie aber nicht stillen.

Das Buch ist auch schon etwas für junge Leser ab 14 Jahre, sofern der Jugendliche sich schon ein wenig mit dem Thema Nationalsozhialismus auseinandergesetzt hat.
Gerade Arendts Lebensfreude trotz "beschissener politischer Lage" und drohenden Atomkrieg kann in dem Alter Mut machen.
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