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Kundenrezensionen

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TOP 500 REZENSENTam 11. Januar 2011
"Wir kommen ungefragt in dieses Leben, und wenn wir Glück haben, finden wir eine Bestimmung jenseits von Hunger, Elend und frühem Tod, die, das wollen wir nicht vergessen, den meisten beschieden sind. Ich bin aufgewachsen und habe meine Bestimmung gefunden, und die bestand darin, Arzt zu werden. Es ging mir nicht darum, die Welt zu retten, sondern selbst gesund zu werden. Nur wenige Ärzte werden es eingestehen, und gewiß nicht die jungen, doch unterbewußt, bei Eintritt in diesen Berufsstand, müssen wir glauben, dass der Dienst an anderen unsere eigenen Verletzungen heilt. Und das kann er auch. Aber er kann sie auch vertiefen."

Die Worte stammen von Marion Stone, dem Ich-Erzähler dieser Geschichte. In seinem fünfzigsten Lebensjahr hat er diesen Bericht erstellt. Er ist der Sohn eines Chirurgen und einer Nonne, einer OP-Schwester, welche die Geburt aufgrund von Komplikationen nicht überlebte. Der Vater verlässt das Missions-Krankenhaus (Missing genannt) in Äthiopien überstürzt. Marion und sein Zwillingsbruder Shiva werden von zwei seiner Kollegen aufgezogen. Zwei Indern, Hema und Ghosh. In ausschweifenden Worten berichtet Marion von seiner Kindheit und Jugend. Von seinem ungewöhnlichen Zwillingsbruder, von Genet, der Nachbarstochter, auch von dem Bruch mit seinem Bruder wegen dieses Mädchens. Und davon wie ihn der Pflegevater liebevoll fördert und frühzeitig in seine Arbeit als Arzt einbezieht. "Was auch immer die Zukunft der beiden bringen mag", so sprach einst ein Astrologe über die Zukunft der Buben, "sie ist mit ihrem Vater verknüpft, da können Sie sicher sein." Damit ist nicht Ghosh gemeint, sondern Thomas Stone, der leibliche Vater. Und in der Tat wird es ein Wiedersehen geben, wenn Marion, nachdem er Äthiopien überstürzt vor Abschluss seiner medizinischen Ausbildung verlassen muss, schließlich in den USA an einem Krankenhaus arbeitet ...

Wer dieses Buch lesen will, sollte Freude an detaillierten und ausführlichen Beschreibungen von Operationen oder Behandlungen haben. Es klingt beeindruckend, auch wenn ich nicht beurteilen kann, ob alles korrekt wiedergegeben, benannt wird. Daneben thematisiert der Autor die medizinische Versorgung in einem Entwicklungsland im Vergleich zu den Vereinigten Staaten. Das Krankenhaus in Bronx, wo Marion unterkommt, ein Krankenhaus für die Armen, wo der Hubschrauberlandeplatz von den "reichen" Krankenhäusern finanziert wird, damit Transplantationsorgane einfacher und schneller abgeholt werden können. Schließlich die an Universitäten angegliederten Krankenhäuser, wo sich die wohlhabende Bevölkerungsschicht behandeln lässt. Immer wieder lässt Abraham Verghese Dinge einfließen, die ihm wichtig sind: zum Beispiel der Kontakt zum Patienten. In einer Szene hilft der kleine Bub Marion einer Mutter, deren Kind im Missing behandelt wird. Er stützt sie, spricht ihr Trost zu. Sein Vater Thomas Stone wird später in den USA eine Studentengruppe fragen, wie man Erste Hilfe durch das Ohr leisten kann. Marion weiß als Einziger die Antwort: Trost zusprechen. Kein Wunder, hat er doch das von seinem Vater geschriebene Lehrbuch verinnerlicht. Als Kind jedoch tat er intuitiv das Richtige. Der Mensch im Mittelpunkt, und nicht die Technik. Medizin als Berufung.

Wie viele autobiografische Details hat Abraham Verghese wohl in diesem Buch verarbeitet? Seine Eltern waren Lehrer aus einer christlichen Region in Indien. Aufgewachsen ist er in Äthiopien, wo er auch seine medizinische Ausbildung begann. Während der Unruhen im Jahre 1973 musste er fliehen, zunächst nach New Jersey. Seine medizinische Ausbildung nahm er später wieder auf: in Madras, Indien. Dort erfuhr er die Bedeutung von Visiten am Bett des Kranken. Die darauffolgenden Jahre verbrachte Verghese an verschiedenen Orten in den USA. Er erlebte Mitte der Achtziger Jahre die Auswirkungen von AIDS / HIV. Seine Erfahrungen hielt er in seinem ersten Buch, welches auch verfilmt wurde, My Own Country: A Doctor's Story fest. Zuvor hatte er an einem Autoren-Workshop der Universität Iowa teilgenommen. Anderthalb Jahre widmete er dem Schreiben bevor er zur klinischen Arbeit zurückkehrte. Heute ist Abraham Verghese Professor an der Stanford Universität. Seinen Lebenslauf sowie die hier aufgeführten Informationen finden Sie auf der dortigen Webseite.

Der Originaltitels des Buches Cutting for Stone spielt auf den Eid des Hippokrates an sowie auf den Namen des Vaters, Thomas Stone: I will not cut for stone, even for patients in whom the disease is manifest ... (Deutsch: Ich werde niemals Kranke schneiden, die an Blasenstein leiden, ...). Schade, dass diese Bedeutung bei der Übersetzung verloren gegangen ist.

Mein Gesamteindruck:

Es ist eine berührende Geschichte. Verrat und Loyalität, Verlassen und Trennung, Liebe und Unterstützung. Die Protagonisten sind keine Helden, jeder hat seine Stärken und Schwächen, seine Fehler, seine Zweifel. Ein weit gespanntes Familiendrama, in dem menschliches Verhalten in seinen verschiedensten Ausprägungen thematisiert wird. Abraham Verghese ist es außerdem gelungen das Beste und Schlechteste aus der Medizin in diesem Buch zu vereinen, um das weiterzugeben, was ihm am Herzen liegt. Mehr kann sich ein Autor nicht wünschen.
Eine großartige, bewegende Geschichte.

"Nur das Erzählen kann den Riß heilen, der meinen Bruder und mich getrennt hat. Ja, ich habe unendliches Vertrauen in das chirurgische Handwerk, aber kein Chirurg kann die Wunde heilen, die zwei Brüder trennt. Wo Seide und Stahl scheitern, muß die Erzählung glücken. Um am Anfang anzufangen ..."
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am 25. August 2009
Dieser Roman hat mich berührt wie schon lange kein Roman zuvor.
Er erzählt die Geschichte von Zwillingsbrüdern, die in einem Missionskrankenhaus in Addis Abeba heranwachsen. Es handelt sich hierbei aber nicht nur um einen Adoleszenzroman, sondern um das Leben dieser Brüder hat der Autor ganz viele Geschichten herumdrapiert. Diese Geschichten sind teilweise traurig, manche humorvoll, viele sind informativ und alle sind irgendwie spannend. Trotz der vielen Geschichten verliert der Autor aber nie den roten Faden und der ganze Roman ist in sich stimmig.
Da der Autor auch gleichzeitig Mediziner ist, werden die Vorgänge im Krankenhaus und auch die Operationen sehr anschaulich beschrieben. Hier liegt sowohl die Stärke als auch die Schwäche des Romans, denn ein Leser, der sich nicht für medizinische Belange interessiert, mag sich an manchen Stellen langweilen. Die Stärke deshalb, weil der Autor weiß von was er schreibt.
Die Romanfiguren sind alle sehr liebevoll gezeichnet und es überfiel mich eine leichte Trauer, als ich den Roman beendet hatte und mich von allen liebgewordenen Personen verabschieden musste.
Ich wünsche diesem Roman viele Leser, die dann hoffentlich genauso begeistert sind wie ich.
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am 29. Dezember 2010
Abraham Verghese hat mit seinem Roman "Rückkehr nach Missing" eine Familiengeschichte geschrieben, die dem Leser im Gedächtnis bleiben wird.
Erzählt wird das Leben von Marion und Shiva, Zwillingsbrüdern die unter dramatischen Umständen geboren werden und danach als Halbwaisen im Missionskrankenhaus "Missing" in Äthiopien aufwachsen. Allein ihre Herkunft ist schon brisant, denn ihre Mutter war Sr. Mary Joseph Praise und ihr Vater der begnadete Chirurg Dr. Stone, dem Sr. Mary jahrlang im OP assistiert hat.
Als nun Sr. Mary die Geburt nicht überlebt, verliert Dr. Stone die Nerven und seinen Halt und verschwindet spurlos und läßt die Kinder allein im Krankenhaus zurück, sieht er doch in ihnen die Schuld von Mary`s Tod.
Hema und Ghosh, die Gynäkologin und der Internist des Krankenhauses nehmen die beiden Brüder an Kindes statt an und ermöglichen ihnen ein Familienleben in Geborgenheit und Liebe. So wachsen beide realtiv unbeschwert heran und erst als die Liebe in Gestalt des Mädchens Genet in ihr Leben tritt, trennen sich die Wege der Zwillinge, die ein Leben lang fast symbiotisch miteinander verbunden waren.

Der Autor läßt die Geschichte aus Marions Sicht erzählen und man begleitet die beiden Brüder durch fast 50 Jahre ihres Lebens, das geprägt ist von Liebe, Freundschaft, Feindschaft, Verzicht und einer Annäherung nach langer Zeit der Trennung. Beide Männer wurden Ärzte, Chirurgen und doch war ihr Leben komplett verschieden und beide mußten in ihrem Leben tiefe Einschnitte hinnehmen. Marion verschlägt es nach Amerika während Shiva in Äthiopien bleibt und so begegnet auch Marion seinem Vater als erster der beiden Brüder wieder...

Man merkt das der Autor selbst Arzt ist, denn die detailgenaue Beschreibung von Operationen und Behandlungsmethoden nehmen Raum ein, aber ohne das es langweilt oder als zuviel erscheint.
Der Schreibstil von Abraham Verghese ist wunderschön elegant, blumig und poetisch, (so das es ein Genuß ist ihn zu lesen), ohne dabei kitschig zu wirken. Für alle Protagonisten nimmt sich der Autor sehr viel Zeit in seiner Beschreibung, da es allerdings in einer so wunderschönen Sprache geschieht, nimmt man gewisse Längen gerne hin. Doch alle Handlungsstränge laufen am Ende geschickt zusammen und ergeben für den Leser ein vollständiges Bild und ein Ende, das wohl nur so und nicht anders sein kann...

Fazit: Ein Familienepos der besonderen Art und ein Autor von dem man noch mehr lesen möchte!
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Epochale Familiensagas sind eigentlich so ganz und gar nicht meine Sache. Zu lang, zu breit, zu kitschig - normalerweise! Der Handlungsort Äthiopien hat mich allerdings neugierig gemacht, zum Glück, denn "Rückkehr nach Missing" ist zwar lang und opulent, aber keineswegs kitschig.

Zur Handlung: Am 19. September 1954 wird in einem Krankenhaus in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ein Zwillingspärchen geboren - von einer Nonne. Die Mutter verstirbt bei der Geburt, die Knaben, Marion und Shiva, überleben knapp und wachsen bei der Gynäkologin auf, die sie zur Welt gebracht hat. Aus der Sicht Marions wird die Geschichte der Familie entfaltet. Dr. Thomas Stone, der leibliche Vater, der während des Geburtsvorganges wie gelähmt ist und schließlich spurlos verschwindet, die aus Indien stammende Schwester Mary Joseph Praise, die ihre Schwangerschaft bis zuletzt verheimlicht hat und die Adoptiveltern Hema und Gosh, zwei indische Ärzte, die das "Missing" am Laufen halten und die Jungen zu fabelhaften Chirurgen heranziehen - jeder wird hier ausführlich charakterisiert, bis zum Schluss, verschiedene Handlungsfäden zusammenlaufen und eine Geschichte ergeben, die es in sich hat.
Alles geschieht vor dem Hintergrund der schweren politischen Krisen und Umstürze, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Äthiopien erschütterten. Nach der Machtergreifung Major Mengistus muss Marion kurzfristig das Land verlassen. Er tut es schweren Herzens - und gelangt schließlich nach New York, wo er überraschenderweise seinem Vater begegnet.
Genet, Marions große Liebe aus Kindertagen prägt das Leben des aufstrebenden Chirurgen ebenso, wie sein eineiiger Zwilling Shiva. Bis zuletzt wird der Leser in den Bann der Geschichte geschlagen - bis zur Rückkehr nach Missing...

Vergheses bildhafte Sprache harmoniert sehr gut mit dem Inhalt. Besonders bemerkenswert sind die eingehenden Schilderungen zahlreicher Operationen. Wer so etwas nicht gerne hört oder sieht, wird hier vielleicht Probleme haben, denn der Autor ist Arzt und kann wirklich sehr "lebensecht" berichten.

Fazit: Eine OPulente Familiensaga vor dem Hintergrund der politischen Unruhen in Äthiopien. Inhaltlich und sprachlich ausgesprochen gelungen und authentisch. Für Liebhaber von Romanen wie z.B. Middlesex o.ä. sehr zu empfehlen!
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am 18. Januar 2011
Die Sprache der Liebe und die Sprache der Medizin hat Abraham Verghese in seinem 800 Seiten umfassenden Epos verknüpft und zu Papier gebracht. Abraham Verghese wurde als Sohn indischer Eltern in Äthiopien geboren, studierte Medizin und ging nach Amerika, wo er sich als Arzt niederließ. So weiß der Autor wohl, wovon er spricht. Und dies tut er mit großem Einfühlungsvermögen und umfangreicher Sachkenntnis. Er entführt seine Leser in eine Welt, die sich von Äthiopien bis Amerika erstreckt, und von der Geburt bis zum Tod alles umschließt.

Die opulente Geschichte hat ihre Ursprünge in Äthiopien in den sechziger Jahren im Missionskrankenhaus "Missing". Dort wachsen die eineiigen Zwillingsbrüder Marion und Shiva bei den Zieheltern Gosh und Hema auf. Bei der Geburt ist ihre Mutter Marie Praise, eine Missionsschwester, verstorben. Ihr Vater Thomas Stone, ein begnadeter Chirurg der Klinik, hat die Neugeborenen zurückgelassen bevor er verschwand. Beide Zwillinge spüren früh ihre Berufung zur Medizin. Die unglückliche Liebe zu ihrer beider Freundin Genet treibt einen Keil zwischen die jugendlichen Brüder, die fortan getrennte Wege gehen. Während Shiva weiterhin in Addis Abeba lebt und in der Frauenheilkunde tätig ist, wird Marion ein erfolgreicher Chirurg in Amerika. Jahre später holt ihn dort seine Vergangenheit ein. Sein Leben liegt schließlich in den Händen seines Bruders, der ihn vor langer Zeit hintergangen hat, sowie seines Vaters, der ihn verlassen hat.

Verghese`s Leidenschaft für die Medizin ist der rote Faden, der sich durch die gesamte Handlung zieht. Anatomische Details wie medizinische Fakten sind in bildhafter, sehr ausführlicher Sprache dargestellt und mit gefühlvoll gezeichneten Figuren verwoben. Die Fülle der Eindrücke, was die Orte, Kulturen und nicht zuletzt die Heilkunst anbelangt, verlangt, dass der Roman langsam gelesen werden will. Ausschweifende Schilderungen des Lebens und der Lebensbedingungen lassen die Erzählung komplex werden.
>Rückkehr nach Missing< ist von fremdartiger Schönheit und üppiger Lebendigkeit, stellt den Menschen in den Mittelpunkt und die Medizin als Berufung dar.

Das Buch wurde mir von mehreren Buchhändlerinnen als Lesetipp 2011 ans Herz gelegt. Mein persönliches Fazit: es lohnt zu lesen (auch wenn es für meinen Geschmack gelegentlich zu umfangreich war), bedarf aber Zeit und Muse, um es in der Gänze wahrnehmen zu können.
11 Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. Juli 2009
Es handelt sich bei dem Roman, um die Lebensgeschichte einer Familie von Ärzten, die eng mit einem Äthiopischen Hospital namens Missing verknüpft ist. Der Roman spannt sich fast über ein halbes Jahrhundert von Mitte des 20 Jahrhunderts bis heute. Die Geschichte passt dabei fast mythologisch perfekt ineinander und offenbart dabei eine Art tieferen leuchtenden Sinn.

Die Geschichte ist sie wunderschön erzählt. Der Roman erzählt langsam, verlangsamt manchmal bis zu Unerträglichkeit ins Detail und erzeugt damit überrschaschenderweise Spannung. Die Bildlichkeit der Erzählung ist enorm, wenn zum Beispiel die Krankheit der vesicovaginale Fisteln und deren Wirkungen bei Afrikanischen Frauen beschrieben wird.

Ich habe mir gewünscht, dass der Roman nicht aufhört, sondern länger dauert. Es gehasst, wenn die Seiten wengier wurden. Das ist schon langen nicht mehr passiert. Ein toller Roman. Eine uneingeschränkte Empfehlung die echte Erzählkunst lieben. (Rezension bezieht sich auf die englische Fassung)
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am 6. Juni 2011
Ein phantastischer Roman! Die Sprache sehr üppig, vollmundig, begnadet, vereinigt orientalisch-asiatische Erzählkunst mit der Sprachgewalt von afrikanischen Griots, Geschichtenerzählern, weiß man zuerst nicht Recht, wo man hier eigentlich gelandet ist: In einem Märchen, einer Geschichte mit Fantasy-Elementen, oder doch nur in einem Familiendrama - jedenfalls ging es mir so.Weger der schönen Sprache habe ich aber immer weitergelesen und wenn man erst mal "drin" ist in dieser großen Saga über Familie, Berufung, Medizin, Leidenschaft, Liebe, Schuld, Sühne und Vergebung, dann kann man einfach nicht mehr aufhören - man verschlingt das Werk geradezu! Keiner kann das Lesen, ohne berührt zu sein! Mich hat wenig so sehr ins Mark getroffen - und ich bin Vielleser!
Dazu erfährt man noch etwas über Geschichte und Politik in einem Land, das bei uns selten ins Bewußtsein rückt: Äthiopien.
Dieser Roman ist das Beste, was seit langem auf dem Markt ist und ist absolut und uneingeschränkt zu empfehlen!
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am 12. Oktober 2009
Abraham Verghese: Rückkehr nach Missing

Im Addis Abbeba der 19- fünfziger Jahre geschieht das denkbar Unwahrscheinlichste: aus dem unschuldigen Schoss der indisch-christlichen Missionsschwester werden die siamesischen Zwillinge MarionShiva herausgerettet von der Frau, die ihre Adoptivmutter sein wird, nachdem die Mutter nach der Geburt stirbt. Der Vater flieht schockiert, die Zwillinge werden liebevoll von ihren Ersatzeltern, der Gynäkologin Hema und dem Arzt- für- alles Gosh unter dem Dach des Missionsspitals 'Missing' aufgezogen. Im verfallenden Kaiserreich unter Haile Selassies werden aus den eineiigen unzertrennlichen Zwillingsbrüdern junge Männer. Die wie eine Schwester mit ihnen aufgewachsene Genet wird ihnen beiden zum Verhängnis, ihrer aller Leben ist auf schicksalhafte Weise verknüpft. Wegen ihr muss Marion aus Äthiopien fliehen, er kommt nach Amerika und dort in einem Hospital 'Our Lady' unter, in dem nur ausländische Ärzte sich unter für Amerika widrigen Umständen um die Armen kümmern. Während einer kritischen Operation begegnet er dem Pioneer der Transplantationschirurgie Thomas Stone - seinem Vater! Den beiden fällt eine Annäherung schwer, über Jahre bleiben sie eher auf Distanz. Die grösste Prüfung steht ihnen noch bevor. Das Schicksal nimmt seinen Lauf, als Genet bei Marion auftaucht..

Hier schreibt ein Wandler zwischen den Welten, der von seiner eigenen Biographie vieles zu erzählen hat. Er sinniert über die Identität von Menschen, die nicht in ihrer Heimat aufwachsen, fliehen und diese in der Fremde finden müssen, über Liebe, Vertrauen und deren unheilvollen Verlust, über gesellschaftlichen Fall und Aufstieg.
Hier schreibt ein Arzt über die seltsame Welt der Mediziner, in der Liebe, Leid, Errettung und Tod aufs Engste nebeneinander existieren und über den 'Wert' des Menschen, dessen Rettung in der kritischen Situation doch so sehr abhängt von den sozioökonomischen Bedingungen, in denen er lebt. Medizinische sind zentrale Themen, sowohl die der dritten Welt mit ihren epidemisch todbringenden Infektionskrankheiten ebenso wie frauenverachtende gesellschaftliche Rituale z.B. Genitalverstümmelung oder Verheiratung von Kind-Frauen, die nach komplizierten Geburten vesiko-vaginale Fisteln und Infektionen erleiden, was Unfruchtbarkeit, Ausstoss aus der Gemeinschaft und am Ende Tod der jungen Frau bedeuten, als auch sozialkritische Aspekte der medizinischen Zwei-Klassengesellschaft der USA.

Hier schreibt kein Literat, aber ein leidenschaftlicher Autor eine ins Absurde gesteigerte Verknüpfung von Zufällen, Begegnungen und medizinischen Begebenheiten zu einem vor malerischer und historischer Kulisse spielenden seitenstarken Roman zusammen. Trotz seiner literarischen Schwächen kann der Roman in seinen Bann ziehen, ist der Atem lang genug, in all die Winkel des Missing Hospitals, der Operationsfelder und der Seelen der Figuren zu schauen.
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am 18. November 2013
Die Handlung beginnt Anfang der 1960er-Jahre. Thomas Stone ist Chirurg in einem Missionskrankenhaus in Addis Abeba in Äthiopien. Das Missionskrankenhaus, das von Spenden lebt, wird von allen „Missing“ genannt.

Die Person, die ihm während der Operationen als Operationsschwester unterstützend zur Seite steht, ist die katholische Nonne Mary Praise.

Eines Tages jedoch ereilen Mary Praise die Wehen. Ihre Schwangerschaft konnte sie monatelang geheim halten. Der Gynäkologin Hema, einer Inderin, gelingt es, Mary Praises eineiige Zwillinge in letzter Sekunde zu retten – die beiden Jungen Marion und Shiva. Jedoch stirbt Mary Praise – und der Chirurg Thomas Stone, von dem vermutet wird, er sei der Vater der Zwillinge, macht sich panisch aus dem Staub und geht in die USA.

Um die Zwillinge Marion und Shiva kümmern sich Hema und Ghosh. Ghosh wird – nach der Flucht von Thomas Stone – leitender Chirurg im „Missing“. Er und Hema heiraten und übernehmen die Elternrolle für Marion und Shiva. Ihnen gelingt es, das Interesse an der Medizin bei beiden Jungen zu wecken – und so werden sie später selbst Ärzte.

In ihrem Leben gibt es Licht und Schatten. Es gibt nicht nur Patienten, die geheilt werden können – und denen sie nicht mehr helfen können. Es gibt auch politische Umstürze in Äthiopien (der Landesteil Erithrea will unabhängig werden – wenn nötig, durch Gewalt von Terroristen) – und das Mädchen Genet, um deren Gunst sowohl Marion, als auch Shiva buhlen. Diese Liebe treibt einen Keil zwischen die beiden. Und eines Tages muss Marion überstürzt in die USA fliehen.

Über diverse Rezensionen wurde ich auf das Buch aufmerksam und bestellte die Taschenbuchausgabe.

Die 841 Seiten waren erstklassige Urlaubslektüre. Von Anfang an war ich gefesselt von den Ereignissen in und rund um das Krankenhaus „Missing“. Der Ich-Erzähler Marion erinnert sich zurück – sein Stil ist ausschmückend und teilweise auch ausschweifend, die in der Vergangenheit erzählte Handlung wird aber nie langweilig.

Bei der Lektüre musste ich mich daran gewöhnen, dass medizinische Zusammenhänge ausführlicher, als ich sie bisher in anderen Büchern las, beschrieben werden. So wird also nicht nur geschrieben „XY wurde wegen eines Wasserbruchs operiert“, sondern ich erfahre als Leserin genauer, wie das vor sich geht. Der Operateur nimmt mit einem Skalpell einen Schnitt an der Medianlinie vor, sieht dann das Bauchfell, die Wundseiten werden später mit Kompressen bedeckt – und so weiter. Diese medizinischen Details erstaunten mich beim Lesen zuerst, störten mich aber nicht – verwunderten mich eher – und nachdem ich sie gelesen hatte, vergaß ich sie schnell wieder. Wäre ich Chirurgin, hätte ich wohl in Gedanken philosophiert, ob die Vorgehensweise des Operateurs den heutigen Operationsstandards entspricht oder schon überholt ist.

Wen solche Ausschweifungen nicht stören, den erwartet eine spannende Familien- und Krankenhausstory. Denn der Autor verliert nie seinen „roten Faden“, er verliert sich nie in langweiligen Nebenhandlungen.

Der Schluss des Buches hat mich erschüttert – hier tritt nochmals eine Wendung ein, mit der ich absolut nicht gerechnet hatte.

„Rückkehr nach Missing“ ist für mich eines der besten Bücher, das ich 2011 gelesen habe. Ich vergebe 5 Sterne und eine Leseempfehlung (P.S.: Diese Rezension ist in einer längeren Version schon 2011 beim Verbraucherportal Ciao.de erschienen, für das ich unter dem Nicknamen Sydneysider47 schreibe).
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am 13. Dezember 2012
Ein Buch das lange nachklingt.
Der Schreiber erzählt immer neue Geschichten, in der Geschichte die jede einen neuen Spannungsbogen bietet . Wodurch die Spannung nie versandet und immer wieder mittreißt.
Ein Buch über Liebe und untrennbare Verbundenheit.
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