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VINE-PRODUKTTESTERam 8. Dezember 2008
Bei den Erinnerungen von Celeste Albaret handelt es sich nicht um sentimentale Memoiren einer verblichenen Liebe,sondern um interessante Einblicke in die Welt des Boulevard Haussman während der Entstehung des zentralen Romanwerks von Proust. Albaret ist zunächst eine nüchterne, pragmatisch denkende Frau, die den nachtschwärmerischen Lebenswandel Prousts sehr scharf beobachtet. Sie findet zu dieser komplizierten Persönlichkeit vor allem aufgrund ihres ausgeprägt mütterlichen Instinkts einen ganz besonderen Zugang. In seltener Präzision erfährt der Leser von der Arbeitsweise Prousts, von seinen asketischen Lebensgewohnheiten (ein Milchkaffee und ein Croissant reichen häufig als Tagesration) und seinen extravaganten Vorlieben. Dazu zählt etwa die Privataufführung des Streichquartetts von Cesar Franck, weil Proust daraus die unsterbliche Melodie aus Swanns Welt geschöpft haben soll usw.

Was vor allem beeindruckt, ist die Darstellung der fast hypnotischen Wirkung der Persönlichkeit Prousts. Von ausgesuchter Liebenswürdigkeit und fast Zartheit, hat er doch ein intensives Gespür für schlechte Charaktere, die er sich konsequent vom Leib hält. Seine Vorstellungen vom eigenen Leben sind klar und unverhandelbar; ganz selbstverständlich bindet er andere Menschen in diese ein. Wer die persönliche Bewunderung Albarets erkennt, versteht, wie dieser Mensch Zugang zu den innersten seelischen Geheimnissen seiner Mitmenschen finden konnte, die er später für sein Buch benutzt hat.

Gleichzeitig verschließt sich Albaret aber in ihrer Darstellung ganz bewusst vor der homosexuellen Seite Prousts und seinem triebhaften Herumirren in der Halbwelt von Paris, die für ihn mindestens so wichtig ist, wie die Welt der großen Salons. Nichts ist daher von seiner Beteiligung an einem Bordell zu erfahren, nichts von seinen Affairen und Schwärmerein für diverse Sekretäre.

Wenn damit insgesamt ein Schleier naiver Verklärung über dem Buch bleibt, schadet dies nicht, weil man auch an ihm die Wirkung des Menschen Proust ablesen kann. Ich kann das Werk daher als Kontrapunkt zur wissenschaftlich-analytischen Darstellung in den Biographien Haymanns oder Tadiés nur empfehlen! Denn so interessant und spannend diese beiden Werke selbst sind, so wenig können sie doch den Autor als faszinierenden Menschen unmittelbar greifbar machen. Dies aber gelingt Albaret.
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am 14. Juli 2009
Nach fünfzig langen Jahren hat sich Céleste Albaret, die langjährige Haushälterin Marcel Prousts,1972 zur Niederschrift ihrer Erinnerungen an ihre Arbeit im Hause Prousts bereit gefunden.

Als sie sich jung verheiratet in den ersten Jahren ihrer Ehe in Paris langweilt, gelangt sie durch Vermittlung ihres Ehemannes 1913 in den Haushalt Marcel Prousts. Damals ist sie 22 Jahre alt.
M. Proust, der berühmte und nachgerade legendäre Schriftsteller seines Erinnerungsromans '"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit,'" zeigt ihr von Beginn an seine feinfühlige und sensible Aufmerksamkeit. Was als vorsichtige Annäherung beginnt, das wächst zu einem dauerhaften und nachhaltigen Arbeitsbündnis zusammen.
Als der erste Weltkrieg ausbricht und Celestes Mann und auch die männlichen Diener Marcel Prousts in den Krieg ziehen müssen, wird die anfänglich nur vorübergehend gedachte Betreuung für den kranken Sonderling allmählich zum Dauerzustand.
Nach anfänglichem Zaudern von beiden Seiten gewinnt Céleste mehr und mehr Vertrauen zu M. Proust und lernt den exzentrischen und in seinen Gewohnheiten sehr eigenen Mann näher kennen. Er seinerseits findet in ihr eine fürsorgliche und vertrauensvolle Seele. Seine Lebensgewohnheiten sind äußerst ungewöhnlich, da er tagsüber schläft und nachts arbeitet und ausgeht. Er hat Asthmaanfälle, die ihm eine strenge Lebensführung und besondere Hilfsmaßnahmen abverlangen.

Die Geschichte der Annäherung der beiden ungleichen Protagonisten ist von eigenwilligem Charme und einer höchst amüsanten Heiterkeit. Sie respektiert seine Sonderwünsche und ist ihm stets zu Diensten; er seinerseits scheint zu ihr eine Art kumpelhafter Freundschaft zu entwickeln. Er teilt ihr Gedanken und Gefühle mit, zeigt ihr die Schönheiten der Natur und versucht, sie an die Kunst heranzuführen. Sie wird später zu seiner engsten Vertrauten und Lektorin, ohne dass sie gegenseitige je die Distanz verletzen.

In ihren Erinnerungen zeigt Céleste Albaret eine tiefe Verehrung für den Meister der empfindsamen Poesie.
Zur Ergänzung des Porträts eines ungewöhnlichen Schriftstellers sind ihre Erinnerungen von unschätzbarem Wert! Neugierig und begeistert wirft man einen Blick durchs Schlüsselloch in die geheimen Gemächer des Dichters und freut sich, dass man auch seinem Alltag ein wenig näher kommt.
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am 16. Juli 2009
Angeblich war sie neben seiner Mutter die einzige Frau, die er jemals liebte. Als er starb, wollte auch sie nicht mehr leben. Denn ohne ihn wirkte alles andere sehr banal. Dabei war sie nur seine Haushälterin: Céleste Albaret. Ihre Ehrfurcht vor "Monsieur Proust" war so groß, dass sie ein halbes Jahrhundert zögerte, ihre Memoiren zu veröffentlichen.

Aufgrund seiner Hypersensibilität war Proust leicht zu kränken. Darum konnte er die Schattenseiten der Liebe so brillant beschreiben. Die Beziehung zu Céleste war jedoch schmerzfrei, denn sie folgte der Logik von Schopenhauers Stachelschwein-Parabel. Demnach sind Menschen wie Stachelschweine: Wenn sie einander zu nahe kommen, fügen sie sich gegenseitig Schmerzen zu. Also gilt es, die Distanz zu wahren.

Céleste liebte Proust dezent, selbstlos, platonisch, ohne ihn jemals zu berühren. Für ihn, der schwerkrank, desillusioniert und rund um die Uhr mit einem Opus von dreitausend Seiten beschäftigt war, konnte es nichts Besseres geben: Eine Liebe auf Distanz und ohne Leiden. Grandios!
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