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Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen
2
Autismus: Ein sehr kurze Einführung (Sehr kurze Einführungen)
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:9,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 10. Oktober 2017
Sehr gute Einführung in das komplexe Thema Autismus. Gute Darstellung und wissenschaftlicher Stand hervorragend herausgearbeitet anhand von sehr plausiblen Beispielen.
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TOP 1000 REZENSENTam 27. Februar 2014
Das vorliegende Bändchen im ungefähren Reclam-Format ist eine Übersetzung aus der renommierten Very-Short-Introduction-Reihe von Oxford University Press. Das Renommee der Reihe gründet auf dem Umstand, dass hier in der Regel Spitzenforscher popularisierende Darstellungen ihrer Disziplinen oder Forschungsfelder verfassen. In Deutschland dürfte aus dieser Reihe die Übersetzung von Thomas Nagels Darstellung des Philosophierens (Was bedeutet das alles?) eine besonders große Verbreitung haben.

Uta Frith (*1941) ist Entwicklungspsychologin. Sie arbeitet am Londoner ›Institute of Cognitive Neuroscience‹ und gilt als eine der angesehensten Autismusforscherinnen. Zu ihren Schülerinnen und Schülern zählen die bekannten Autismusforscher Tony Attwood, Simon Baron-Cohen und Francesca Happé.

Frith schildert in ihrem Buch zunächst die zentralen Symptome des Autismus, wobei sie sich zur Verdeutlichung einiger Fallbeispiele bedient, auf die sie im weiteren Verlauf des Buchs immer wieder zurückkommt. Auch die Elternperspektive und die Frage der Diagnostizierbarkeit wird gleich zu Beginn angesprochen. Das zweite Kapitel liefert einen konzisen Abriss zur Geschichte der Autismusforschung. Das dritte Kapitel trägt den etwas irritierenden Titel ›Die Autismusepidemie‹, was auf die Frage hinweisen soll, wie die immer noch steigende Zahl an Autismusdiagnosen zu erklären sei. Frith verweist dabei auf die zunehmende Verfeinerung der diagnostischen Instrumente und sieht für Erklärungen, die externe Ursachen wie etwa Umweltgifte für die Zunahme der Fälle verantwortlich machen, keine wissenschaftlich tragfähige Belegbasis.

Mit den Erläuterungen in den Kapiteln 4 bis 6 bewegt sich Frith im Kernbereich ihres Forschungsgebiets. Sie legt zunächst die neurologischen Grundlagen der Autismusspektrumstörung dar, bevor sie in den folgenden Kapiteln den derzeitigen Forschungsstand erläutert. Sie macht darauf aufmerksam, dass es noch keine ›übergreifende Theorie‹ des Autismus gebe. Diejenigen Erklärungsansätze, die aktuell als plausibelste gelten, werden mit allen Vorzügen und Nachteilen geschildert. Auch den von ihr selbst favorisierten Ansatz (S. 150 ff.) erläutert Frith mit aller gebotenen Zurückhaltung, d. h. nicht ohne auch die Kritik daran zu erwähnen. Kapitel 7 fasst die Erklärungsansätze und -probleme noch einmal griffig zusammen, markiert Forschungsdesiderate und äußert sich zu den Fragen eines angemessenen individuellen wie gesellschaftlichen Umgangs mit dem Phänomen.

Frith' Forschungsperspektive ist die der kognitiven Neurowissenschaft. Die Autorin scheut sich nicht, von einer neurologischen Störung und von mentalen Defiziten zu sprechen. Für diese Betrachtungsweise führt sie gute Gründe an. Die Idee, Autismus als bloßes ›Anderssein‹ zu betrachten, kann ihrer Ansicht nach der Situation der betroffenen Menschen nicht gerecht werden. Die Rede von Defiziten dürfe jedoch keinesfalls als Herabwürdigung verstanden werden. Der Umgang mit Menschen mit Autismusspektrumstörung müsse nichtsdestoweniger bei deren Fähigkeiten und Ressourcen ansetzen.

Überhaupt überzeugt das Buch dadurch, dass Frith die naturwissenschaftliche Perspektive immer wieder auf die Erfahrungswelt der Betroffenen bezieht und im Zweifelsfall die Unsicherheit und Unvollständigkeit wissenschaftlicher Erklärungen betont. Die behutsame Thematisierung findet eine Entsprechung in der sprachlichen Zugänglichkeit, die Fachtermini selten unerläutert lässt.

Die Übersetzung scheint mir gelungen, auch wenn kleine Fehler auftreten (auf S. 56 wird bspw. aus Kim Peek ein Kim Perkin und in der Grafik auf S. 68 dürften die Kurven falsch beschriftet sein). Anders als angegeben handelt es sich im Übrigen nicht um ein gebundenes Buch, sondern um ein Paperback.
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