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Kundenrezensionen

3,7 von 5 Sternen
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am 27. März 2017
Die Brenner-Romane sind ja bekannterweise ein literarischer Augenschmaus, aber das hier topt alle Wolf Haas Bücher. Mein literarisches Highlight der letzen Jahre. Danke Herr Haas!
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am 2. Februar 2014
Eine gute story, wie immer, ohne dass da was Überflüssiges wäre, jedes Wort exakt passend. Spannend, nur zu empfehlen, ein echter Wolf Haas!
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am 24. September 2012
Der Titel dieser Rezension fasst die sog. "Sapir-Whorf-Hypothese" zusammen, benannt u.a. nach dem (Freizeit-)Linguisten Benjamin Lee Whorf, der sie in den Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts formulierte. Übrigens hat Whorf bei Edward Sapir, mit dem er gemeinsam die Hypothese formulierte, indianische Sprachen studiert, unter anderem zusammen mit einer Frau namens Mary Rosamund Haas, die aber wohl nicht mit dem Autor der berühmten "Brenner"-Roman verwandt ist, heißt es doch in Wolf Haas' Biografie, beide Elternteile hätten in Mariazell als Kellner gearbeitet.

Um solche möglichen, oft nur vermuteten Beziehungen geht es in "Verteidigung der Missionarsstellung", wenn es denn überhaupt etwas gibt, um das es, wie man so schön sagt, "geht" - der Roman verweigert sich nicht nur inhaltlich einer oberflächlichen Klassifizierung. Auch seine Typografie zeigt an, dass es das Spiel mit Sinn, Form, Zusammenhang und Bedeutung ist, das Haas hier mit dem Leser treibt, etwa, wenn sich ein abermals erzählter Textabschnitt bis zur Unlesbarkeit verdichtet oder sich - wirklich sehr, sehr originell - das Geschehen in einem Aufzug als über mehrere Seiten herabfallendes Buchstabenfragment präsentiert. Zudem enthält das Buch oft sehr amüsante "Überarbeitungskommentare" in eckigen Klammern und Kapitälchen, die zuweilen viel trefflicher veranschaulichen, was an diese Stellen gehört, als das ein ausführlicher Prosatext hätte leisten können. Den - natürlich beabsichtigten - experimentellen Charakter dieser Elemente verstehe ich als Hinweis auf die Unzulänglichkeit und immanente Unfertigkeit sprachlicher Äußerungen, aber ich fürchte auch, letztlich nicht ganz verstanden zu haben, worauf der Autor eigentlich hinauswill.

Hauptfigur ist Benjamin Lee Baumgartner, bester Freund des auch im Buch auftretenden Autors Wolf Haas seit der gemeinsamen Studienzeit. Baumgartner ähnelt Will Sampson, dem Darsteller von "Häuptling" Chief Bramson in "Einer flog über das Kuckucksnest" (1975) - derjenigen Figur also, die fast den ganzen Film über stumm bleibt. Diesen Vergleich bekommt Baumgartner immer wieder zu hören; benannt ist er nach dem Hopi-Forscher Whorf, und er glaubt lange die Geschichte seiner Mutter, die in den Siebzigern auf Whorfs Spuren wandelte, nämlich selbst zur Hälfte oder wenigstens einem Viertel indianischen Ursprungs zu sein.

Das Buch beginnt damit, dass wir Baumgartner erleben, wie er im Greenwich der ausgehenden Achtziger eine hinreißende, namenlos bleibende Burgerverkäuferin kennenlernt. Während ich diesen Abschnitt las, war ich sicher, dass Haas letztlich ein altes Manuskript aus der eigenen Jugendzeit ausgegraben und an den Verlag verkauft hat. Seitenlang folgen wir den adoleszenzhumorigen Dialogen zwischen Benjamin Lee und der jungen Frau, wobei einen hohen Anteil auch noch das hat, was Baumgartner nur denkt, sich aber nicht zu sagen traut oder sagen will. Der Hinweis auf die Filmfigur ist auch hier plakativ; das Ende dieser Begegnung bleibt vorläufig offen, aber später glaubt man dann, "die Baum", wie Baumgartner seine etwa zu dieser Zeit akquirierte Ehefrau nennt, wäre jenes Mädchen - ein Irrtum, wie sich alsbald herausstellt. Und auch die Tatsache, dass Baumgartner immer vor Ort ist, wenn irgendwo eine vermeintliche Pandemie ausbricht (BSE, Schweinegrippe, Vogelgrippe, Ehec), stellt wohl keine Kausalität dar, sondern nur ein zeitgleiches Auftreten voneinander unabhängiger Ereignisse.

Haas erzählt die Erlebnisse Baumgartners bis zur Jetztzeit, wo sie sich mit dem Erleben und der Biografie des Autors zu vermischen scheinen. Die Episoden berichten hauptsächlich davon, wie sich der vermutete Halbindianer sehr plötzlich verliebt, während (aber nicht: weil) um ihn herum eine Seuche ausbricht; zwischen diesen Episoden überspringt der Autor Jahre und Jahrzehnte. Baumgartner bleibt dabei letztlich so unscharf (unecht?) wie die Erzählfigur; verlässlich ist an diesem Text ohnehin wenig, und jeder Deutungsversuch führt schnurgerade auf dünnstes Eis, vor allem, wenn man den überdeutlichen Spuren folgt, die Haas legt - und zuweilen auch noch explizit kennzeichnet. Das wirkt sperrig und anstrengend, übt aber nach und nach eine merkwürdige Faszination aus, die vom - selbst für Haas-Verhältnisse äußerst subtilen - Humor vorangetrieben wird. Er findet sich in den "Überarbeitungshinweisen", aber auch in den Ausführungen über Sprache (temporale vs. kausale Konjunktive) und seinen Auslassungen über Sätze, die etwas über sich selbst aussagen (Alle Kreter sind Lügner, sagte der Kreter).

Übrigens gilt die "Sapir-Whorf-Hypothese" als widerlegt. Was "Verteidigung der Missionarsstellung" widerlegen oder beweisen will, weiß ich nicht, um ehrlich zu sein, aber ich vermute: nichts. Dieser Roman, der keiner ist, wirkt in seiner spielerischen, exaltierten und eben auch typografischen Konstruiertheit wie ein Text, der eigentlich nie für Leser gedacht war, und er scheint zu rufen: Was auch immer Du, Leser, Dir dabei denkst, ist ebenso richtig wie falsch. Zusammenhänge entstehen in unseren Köpfen, und wie ein Verschwörungstheoretiker ist man nach der Lektüre geneigt, nach Beweisen für die eigene Auffassung zu suchen, statt den umgekehrten (und häufig richtigeren) Weg zu gehen.

Zugegeben, erst war ich verärgert, als ich das Buch beendet hatte. Das mag auch daran liegen, was ich von Haas erwartet hatte. Aber - was war das eigentlich? Haas ist Haas; die "Brenner"-Romane oder das kongeniale "Das Wetter vor fünfzehn Jahren" waren, abseits vom vordergründigen Geschehen/Humor ja auch bereits Bücher, die vor allem aufgrund ihrer Sprache und dem Umgang mit derselben beeindruckten. Das leistet "Verteidigung der Missionarsstellung" zweifelsohne auch; ob die Geschichte, insofern eine auszumachen ist, an diejenige der anderen Bücher herankommt, ist eine andere Frage, die man sich meiner Meinung nach aber überhaupt nicht stellen sollte: Das Buch ist originell genug auch ohne das.
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am 24. Oktober 2012
Die weit in ihrer Meinung auseinander klaffenden Rezensionen zeigen: Es ist schwer zu entscheiden, ob das neue Buch (ich schreibe bewusst NICHT „Roman“) von Wolf Haas großartig oder bescheuert ist.
Also beginne ich meinen Versuch, dem Werk gerecht zu werden, mit einer (beinahe objektiven) Bestandsaufnahme (ACHTUNG: Es wird Bezug auf den Inhalt genommen – wer sich komplett überraschen lassen mag, sollte nur das Fazit lesen):

1. Da gibt es diese typografischen Besonderheiten, die überall im Buch auftauchen und den Inhalt unterstreichen, verbildlichen oder einfach den Leser amüsieren sollen. Oft sind sie gelungen, manchmal wirken sie aber auch zwanghaft um der Masche Willen eingefügt.

2. Da verwurschteln sich verschiedene Geschichten ineinander, so dass man sich am Ende fragt, worum es eigentlich geht. Um den Herrn Baumgartner und dessen indianische Herkunft? Um die Anbahnungen seiner Liebesbeziehungen? Um seine Freundschaft zu dem Autor des Buches? Um den Autor des Buches und dessen Vater, von dem man sich fragt, was der eigentlich in der Geschichte zu suchen hat?

3. Korrespondierend zu den lose aneinander geknüpften Handlungssträngen sind die einzelnen Kapitel in sehr unterschiedlichen Stilen geschrieben. Da gibt es gleich im ersten diesen Manierismus des imaginären Dialogs und des tatsächlich geführten, der zunächst lustig ist, sich nach der dritten Wiederholung aber genauso abnutzt wie ein immer wieder erzählter Witz. Da gibt es den fiktiven Wolf Haas, der in recht normaler Sprache über das Bücherschreiben philosophiert. Und da gibt es das Kapitel, das wie der von einer Seite aus gehörte eine Teil eines Telefonats wirkt, in dem der vermeintlich reale Protagonist mit dem Autor bespricht, was ins Buch soll und was nicht.

4. Auch finden sich immer wieder diese Kommentare in eckigen Klammern, quasi Post-its des Autors, mit denen er sich daran erinnert, hier und da den Text noch zu überarbeiten. So muss der Leser Absätze lesen, über die es dann heißt „lieber streichen“. Oder aber er wird damit konfrontiert, sich die Hälfte einer Szene selbst denken zu müssen, weil der Autor lediglich vermerkt „Hier noch Atmosphäre einfügen“ – was so dreist wie genial ist, weil es funktioniert. Wo andere Autoren sich tatsächlich abmühen und Details beschreiben, wirft Wolf Haas drei Stichworte hin, und das Bild im Kopf des Lesers entsteht trotzdem. Da dreht der Autor seinen Kollegen eine lange Nase, erspart sich eine Menge Arbeit und entschuldigt nebenbei alles Misslungene mit „ist ja noch nicht fertig“.

Alles in allem wirkt „Verteidigung der Missionarsstellung“ wie eine Materialsammlung. Eine Rohfassung von etwas, das noch kräftig beackert werden muss. Und genauso unverschämt wie es Wolf Haas gelingt, seine bescheuertsten Sätze durch ein eingefügtes „unbedingt streichen“ unangreifbar im Buch zu belassen, rechtfertigt er den Zustand seines Werkes: Indem er die Entstehung der Geschichte zur Geschichte selbst erklärt.
Das Gekonnte daran ist, dass man am Ende nicht entscheiden kann: Ist die „Verteidigung der Missionarsstellung“ das Machwerk eines Genies, das eine originelle, moderne und sehr humorvolle Poetologie des Romane-Schreibens vorgelegt hat? Oder ist da ein Autor an seinem Material gescheitert, kam dem Abgabetermin des Verlags gefährlich nahe und hat deshalb zu seinem Lektor gesagt: „Du, hör zu, wir veröffentlichen es jetzt einfach so und behaupten, es sei so gewollt“?
In beiden Fällen ist die Veröffentlichung ein mutiges Experiment, dass ich schlussendlich doch großartig und nur ein kleines bisschen bescheuert finde.

FAZIT:

Leser, die einen konventionellen Roman lesen wollen, sollten die Finger von diesem Buch lassen.
„Verteidigung der Missionarsstellung“ liest sich vielmehr wie die Stoffsammlung zu einem Roman (deswegen hat das Buch ja auch kein eigenes Cover, sondern seinen Autor, der es in die Kamera hält). Das ist herrlich dreist, das ist Kunst, das ist Sprachwitz, das ist Unfug, das ist nachdenklich, bisweilen tiefgründig und das ist stellenweise sehr lustig. Und das ist so ungewöhnlich, dass es 5 Sterne verdient.
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am 10. Februar 2013
Ich frage mich, ob der Herr Haas gerade ein Haus gebaut hat und Geld brauchte. Der Titel garantiert ja schon mal Aufmerksamkeit (sex sells) . So hat er nach einer Werbung im art-Magazin auch meine erregt. "Die originellste Liebesgeschichte in Deutscher Sprache seit Goethes Werther" (Denis Schreck)? Naja, dass ist ja ein vielversprechender Satz auf dem Rücken des Buches! Dann kam noch die Empfehlung von meinem Freund, dem brillanten (theoretischen) Physiker Dr. S. und ich habe es gekauft. Fazit vorweg: naja, ganz nett. Mich stört die Möchtegern-Kalligraphie die jedenfalls mir eher peinlich vorkam und ich mich dem Gedanken nicht erwehren konnte, das so "Seiten geschunden" werden sollen. Auch die ewigen Zwischenbemerkungen in eckigen Klammer, die sich Haas wohl als witziges Element dachte, konnten mich nicht überzeugen. Auch frage ich mich, was Seitenweise chinesisch soll. Auch wenn wohl zwischen den (mir) nicht verständlichen Zeichen hin und wieder Deutsch auftaucht, das das ganze "selbsterklärend" machen soll, blieb mir der Sinn verschlossen. Und die Story? Nicht gerade der Wahnsinn ... aber das ist sehr persönlich.

Nein, das war nicht so überzeugend. Vielleicht nicht nur einen Stern, dafür sind dann doch so ein paar Ansätze von Humor drin. Auch die Bilder die er entstehen lässt sind schon ganz gut. Manchmal, in China.
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TOP 500 REZENSENTam 5. September 2012
Ein Buchtitel, der überdirekt wirkt und neugierig macht, ein Autor der die verschiedensten Dimensionen von Sprache unter die Lupe nimmt, es ist die Anwendung, die Bedeutung von Sprache, auch ihre Kreativität, der Leser wird mit einer Riesengaudi empfangen, und letztendlich in eine Beziehungsgeschichte genommen, von ihren jungfräulichen Anfängen bis hin zum blassen Ausklingen. In gewisser Weise ein Dialog zwischen Protagonist und Erzähler, wo uns Haas durch seine Grossbuchstabeneinschübe wie in die Karten blicken lässt...was anfangs rein literarisch ein wirklich humorvolles Juwel ist, verblasst mit der Zeit und triftet immer mehr ins Fade ab, als ob der begonnene Esprit langsam auslaufen würde...

Hier wird mit Sprach und Witz experimentiert, dem Leser so mancher Lacher entlockt, irgendwie eine richtig gut Unterhaltungslektüre...ein richtiger Lesespass, wenn's ums Ausprobieren von Sprache, von Worte und Sätzen geht: "Als ich mich das erste Mal verliebte, war ich in England, und da ist die Rinderseuche ausgebrochen. Als ich mich das zweite Mal verliebte, war ich in China, und da ist die Vogelgrippe ausgebrochen. Und drei Jahre später war ich das erste registrierte Opfer der Schweinegrippe. Sollte ich je wieder Symptome von Verliebtheit zeigen, musst du sofort die Gesundheitspolizei verständigen, versprich mir das." Dies ist zweifellos einer der stärksten Sätze in diesem Buch, und zeigt etwas vom Witz, der Komik und dem Esprit, den Haas hier verströmt.

Hauptfigur Benjamin Lee Baumgartner ist 23 Jahre, er ist in London, und verliebt sich in eine Burgerverkäuferin...er will seinen Namen nicht sagen, denn dann könnte ja der ganze Zauber verflogen sein...sämtlichen Leuten denen er begegnet, erinnert er an den Indianer aus dem Film "Ein flog übers Kuckucksnest"....denn angeblich war sein Vater ein Indianer, naja halb Navajo und halb Hopi irgendwie.."Ich hab ja sowieso irgendwie geglaubt, dass ich irgendwas." Rein zufällig ist er natürlich der bester Freund des Erzählers, der es sich im Grunde zur Aufgabe macht, die Geschichte von Benjamin und seiner Flamme aufzuschreiben...Haas wechselt die Perspektiven, mal lesen wir aus der Sicht von Benjamin, mal aus der Sicht des Erzählers...bis dahin, dass Benjamin Texte an den Erzähler weitergibt, der eben das alles aufschreiben soll, Anweisungen inklusive...

Was mich an diesem Buch gestört hat, waren die unlesbaren chinesischen Schriftzeichen, oder hat jeder Leser heute ein Chinesich-Lexikon zuhause? Wiederholende Textstellen, in aufeinanderfolgenden typographischen Abbildungen, haben mich persönlich eher unberührt gelassen oder schon nichtssagend zurück gelassen. Einer immer kleiner werdenden Schrift zu folgen, hat sicherlich seine ganz eigene Wirkung, nur war der Text schon vorher für den Leser lesbar...Haas kann Worte zaubern, die das Herz beflügeln... wir lesen von Herauslächelfenstern, von Wärmespürdistanz, von gehirnerweichten Zonen und Wunschhineinsprechfenstern. Wir lesen Sätze wie: "Ein Satz darf also nie über sich selbst sprechen. (..) Das Denken verscheucht den Gedanken. (..) Weil mein Zimmernachbar Tag und Nacht stundenlang seine aus England mitgebrachte Freundin bu*ste, kam ich mit meiner Arbeit gut voran."

Und nicht zuletzt lesen wir herzerwärmende Dialoge: "Seit wir untergehakt sind, sprichst du nicht mehr, sagte sie nachdenklich. Bist du traurig?
Warum soll ich traurig sein?
Weil du die Stirn runzelst.
Man ist nicht traurig, weil man die Stirn runzelt. Man runzelt die Stirn, weil man traurig ist."

Das erste Kapitel mit dem Namen "London 1988" wo die ganze Story beginnt, ist mir Sicherheit das stärkste Kapitel. Der Autor versprüht mit seiner Experimentierfreudigkeit, eine Kreativität beim Leser, die einen einfach freut und beflügelt, auch wenn mich der ganze Typografie-Firlefanz im Grunde nicht überzeugt hat, bereichernd ist diese Lektüre allemal...
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am 3. März 2015
Das mit abstand schlechteste Buch, was ich je gelesen habe. Mein Deutschlehrer (12. Klasse, FOS) erzählte uns begeistert von dem Buch, auch der Titel wirkte sehr ansprechend, also entschieden wir uns es als Klassen-Lektüre zu lesen. Schon von Beginn an, konnte ich (sowie der Rest meiner Klasse) sich nicht mit dem Buch anfreunden. Handlung ist nur kaum vorhanden, kein wenig anregend oder spannend. Zudem ist durch den sehr "modernen" Schreibstil alles sehr unübersichtlich und wirr. Die Erzählperspektiven wechseln beinahe sinnlos hin und her, ebenso wie Zeit und Ort immer wieder wechseln. Ich lese in meiner Freizeit gerne, man kann also nicht sagen dass ich die typische "lese faule Schülerin bin", dennoch war es mir kaum möglich, mich zu überwinden dieses Buch zu Ende zu lesen.
Was die künstlerischen Teile angeht, in denen Dinge schräg gedruckt sind, in lustigen Mustern o.ä. bin ich mir nicht sicher was ich davon halten soll. Einerseits ist es sehr gut um das Geschriebene zu verdeutlichen, oder eben einfach interessanter zu machen. Auf den ersten Blick also eigentlich ganz schön. Andererseits glaube ich, dass das nicht hätte sein müssen, Papierverschwendung, egal wie bunt, oder kreativ man das Buch gestaltet, es ist und bleibt grottenschlecht.
Alles in Allem lässt sich sagen, dass ich das Buch ohne meinen Deutschlehrer wohl nie zu Ende gelesen hätte (oder überhaupt angefangen) außerdem erfordert es recht viel Allgemeinwissen, damit man alles versteht. Ohne die vielen Erklärungen und Kommentare meines Lehrers wäre das Buch vermutlich ein ganz anderes gewesen. Ich rate dem Durchschnittsleser von diesem Buch ab. Für Leser, welche den Perpektivenwechsel (Personaler Erzähler/ Ich-Erzähler), und den modernen Stil mögen, könnte das Buch eine Bereicherung sein.
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Nachdem ich am Anfang den Stil und die Sprache sehr witzig fand, ging mir selbiges nach etwa 50 Seiten auf die Nerven, und ich hätte beinahe aufgegeben. Das ändert sich aber, und ich bin froh, durchgehalten zu haben, denn aufs Ganze gesehen habe ich das Buch sehr gerne gelesen.
Viel Handlung hat der Roman nicht. Aber das macht nichts. Er lebt von außergewöhnlichem Sprach- und Dialogwitz und einigen sehr überraschenden Twists in der spärlichen Handlung. Der Autor arbeitet mit sprachlichen Raffinessen, die zugleich Teil des Layouts sind.

Benjamin Lee Baumgartner, Halbindianer, ist immer zur Stelle, wenn irgendwo auf der Welt eine Seuche ausbricht, und meistens verliebt er sich zu diesem Zeitpunkt auch: 1988 ist er gerade in London und verliebt sich in eine Burger-Verkäuferin, als in England der Rinderwahn diagnostiziert wird. Achtzehn Jahre später bricht in China die Vogelgrippe aus, und der Übersetzer Benjamin Lee Baumgartner hält sich zu diesem Zeitpunkt beruflich dort auf und verliebt sich dieses Mal in eine Kollegin – beide haben eine tierischen Erkältung. Im Jahr 2009 reist er in die USA, um den Spuren seines verschwundenen Indianervaters zu folgen, als er dort zum ersten registrierten Opfer der Schweinegrippe wird und etwas Überraschendes findet. Schließlich arbeitet er 2011 auf einer Sprossenfarm nahe Hamburg, als zahlreiche Ehec-Fälle Norddeutschland erschüttern. Was die gesprochene Sprache angeht, bleibt Baumgartner recht schlicht und kurz angebunden, doch in seinem Kopf entwickeln sich wahre Wortkaskaden von höchster Perfektion. Das alles ist gewürzt mit Liebes- und Ehegeschichten des Protagonisten, jedoch völlig fern von Kitsch, und einigen Anekdoten des Autors, in dessen Perspektive die Handlung später wechselt. Haas bringt sich also selbst als Figur ein. Ich finde das sehr spannend und innovativ.

Dieser Roman ist besonders auf seine Art. Ich finde ihn witzig, klug und unterhaltsam. Allerdings würde ich ihn nicht jedem Leser gleichermaßen empfehlen, man sollte die literarischen Vorlieben und Neigungen der Zielperson einschätzen können.
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am 1. Februar 2013
Na bitte, es geht doch! Ein pseudo-philosophischer Roman der Postmoderne à la Jonathan Safran Foer, von einem österreichischen Schriftsteller geschrieben, ein Sprachwissenschaftler, Werbetexter und hoch gelobter Krimiautor außerdem. Da sage noch einer, die heutige deutschsprachige Literatur sei nicht kreativ und avantgardistisch! Dieses werbewirksam betitelte Buch wirkt wie eine literarische Anwendung des Paisleymusters, dessen Ornamentik sich geradezu klassisch im vielfach auf sich selbst zurückführenden Text spiegelt, ein Tabubruch mithin, folgt man Alfred Tarski, dem Hohepriester der logischen Semantik. Aber was ist denn nun das Besondere an diesem Roman?

Wolf Haas hat die absurde Konstruktion seiner Geschichte mit unendlich vielen Sprachspielereien derart auf die Spitze getrieben, dass der Leser seine liebe Not hat, dem Plot zu folgen, wenn er es nicht sowieso vorzieht, sich einfach nur amüsiert im Fluss der Worte treiben zu lassen, ohne überhaupt irgend etwas verstehen zu wollen. Die Erzählperspektive wechselt ständig, Wahres und Fiktives sind kaum unterscheidbar, man gerät in sprachliche Fallen, erlebt dauernde Abschweifungen, endlose Zirkel und Spiegelungen. Immer wieder gibt es bei den Dialogen zwei Versionen, der nur imaginierte und der dann tatsächlich gesprochene Text. Eine weitere Skurrilität sind die häufigen, in eckige Klammern gesetzten Überarbeitungskommentare und Korrekturanmerkungen, mit denen der Autor geschickt die Phantasie des Lesers in seine überbordende Story einbezieht und die Entstehung der Geschichte selbst zur Geschichte wird. Man blickt dem Autor quasi über die Schulter, der gelesene Text wirkt wie ein vorläufiger Entwurf. Kein Wunder also, dass Wolf Haas als Figur höchstpersönlich den Roman bevölkert.

An einer Stelle des Buches (Seite 119) taucht das Verb herunteraxolotln auf, eine nette Wortschöpfung des Autors, die auf die Plagiatsaffäre um den Roman Axolotl Roadkill von Helene Hegemann hinweist. Was die eigenwillige Typografie und die verschiedenen Layout-Spielchen anbelangt sind allerdings auch in Falle Haas die Anleihen bei Foer nicht zu übersehen. Vertikal und diagonal angeordnete Sätze, bis zur Unlesbarkeit verkleinerte Schrift, chinesische Schriftzeichen zwischendurch, aber auch auf ganze Seiten ausgedehnt, fahrstuhlartig sich verschiebende Textblöcke über mehrere Seiten. All das könnte man euphorisch als eine grandiose typografische Spielwiese bezeichnen, auf der eine liebenswerte Verarschung des Lesers stattfindet, aber auch als pure Seiten-Schinderei des Autors und seines Verlages, immerhin sind es fast 50 von insgesamt 239 Seiten, auf denen man nichts zu lesen braucht, weil sie entweder leer sind oder nichts Sinnvolles enthalten.

Skurril, satirisch, originell, amüsant, unterhaltsam, intelligent, tiefgründig könnte man den Roman wohlwollend nennen, ein Höhepunkt der deutschsprachigen Produktion des Jahres 2012. Man hätte auch Recht, wenn man sagt, der Roman ist manieriert, überdreht, wirr, abstrus, durchgeknallt, entsetzlich, unerträglich, weil man partout keinen persönlichen Zugang dazu findet, einen konventionellen Text bevorzugt. Ernsthaftigkeit ist jedenfalls keine kennzeichnende Eigenschaft dieses ungewöhnlichen Romans, es kommt hier wirklich nur auf den Leser an. Denn all die vielen Rezensionen sind absolut wahr, ganz im Sinne von Alfred Tarski!
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am 17. September 2012
Als Kind oder Jugendlicher war ich oft traurig, wenn ein Buch zu Ende war. Bei vielen Büchern die ich heute lese, bin ich froh, wenn sie zu Ende sind. Manchmal sind 1.314 Seiten einfach über LIMIT und dann, irgendwann, endlich vorbei. Beim neuen Haas bin ich nach 239 Seiten gleich wieder von vorne angefangen, obwohl sich eh alles im Kreis dreht.

Während in den „Brenner-Krimis“ (1996-2003) von Wolf Haas, mir sein künstlicher „Wiener Schmäh“ anfangs doch sehr zu schaffen machte, ist dieser “Dialekt“ hier fast völlig verschwunden, ohne das Wortwitz und Wortschöpfungen auf der Strecke bleiben.

Dass seit der „Kuhekrankheit“ (1988) bereits 24 Jahre vergangen sind und wir danach schon mehrere Weltuntergangspandemien überlebt haben, an denen natürlich ein Einzelner, hier Ben Lee Baumgartner, schuld ist, wurde mir erst durch das Buch wieder klar.

Gelernt habe ich auch:
was diagonal-, quer-, und schräglesen bedeutet,
wie sich ein Gespräch im Aufzug darstellen lässt und
wie es sich anfühlt, wenn man den Dialogen einer chinesisch sprechenden Holländerin mit Schaffner, Kellner und Portier zu folgen versucht und kein Wort versteht.

Apropos chinesisch: Kann man chinesische Wörter eigentlich im Wörterbuch nachschlagen, wenn man nicht chinesisch schreiben kann?

Alles in allem war es für mich ein kurzweiliges - manchmal schräges - Buch, von dem ich gar nicht genug bekommen konnte.
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