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Kundenrezensionen

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am 28. März 2013
Ich muss vorausschicken, dass ich bereits mehrere Romane von Guterson gelsen habe und diese alle sehr gerne gelesen habe. Das liegt am Schreibstil Gutersons, der mir insgesamt zusagt und an seinem hervorragenden Geschick, Situationen, Dinge, Menschen, oder auch Landschaften, sehr präzise zu beschreiben. Man sieht die Romanwelt, noch mehr als bei vielen anderen Autoren, quasi vor dem eigen geistigen Auge entstehen. Außerdem habe ich den Nordwesten der USA oft besucht und liebe seine Natur und die Landschaften. Dies in Kombination, macht Guterson so interessant für mich als Autor.

Leider liest sich "Der Andere" nicht so leicht wie seine anderen Bücher. Das Buch erscheint insgesamt langatmig und in vielen Bereichen künstlich in die Länge gezogen. Für jemand, der wenig bis kein Interesse (und daher auch keine Kenntnisse) über Frühliteratur, alte Lyriker und Philosphen hat, wurde es in manchen Buchabschnitten regelrecht langweilig. Es ging dann endlos lang, z.B. überüber die "Gnostiker" etc.

Fazit: Insgesamt ein netter Roman mit spannender Geschichte, die aber durch die erwähnte Problematik , ausgebremst wird. Diesbezüglich kann ich ihn nicht jedem empfehlen, da es kein wirklich spannendes und fesselndes Buch ist.
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TOP 500 REZENSENTam 8. März 2013
David Guterson beschreibt in seinem neuesten Roman "Der Andere" die Geschichte einer Freundschaft. Neil Countryman und John William lernen sich als Jugendliche bei einer Sportveranstaltung kennen. Auf den ersten Blick scheint es so, als könnten sie nicht viele Gemeinsamkeiten haben, sind ihre Wurzeln doch so verschieden: Neil kommt aus einer einfachen Familie, John William ist der Sohn reicher Eltern.

Beide eint die Liebe zur Natur, und so lassen sie sich auf das Abenteuer Wildnis ein, bei dem sie mehrere Wochen, nur mit wenig Proviant versorgt, durch die Wälder streifen und das Überleben mit einfachsten Mitteln versuchen.

John William beeindruckt dieses Erlebnis nachhaltig, sodass er nach der Rückkehr in die Zivilisation immer mehr zu dem Schluss kommt, dass er dieses entfremdete, angepasste Leben nicht führen will. Er will mehr als "Birth, school, work, death" wie die englische Rockgruppe The Godfather singt und sehnt sich nach dem einfachen, aber selbstbestimmten Leben. Schließlich zieht er für sich die Konsequenz, gegen alle Widerstände zurück in die Wälder zu gehen und dort als Einsiedler zu leben.

Neil hingegen schlägt diesen konventionellen Weg ein: Studium, Beruf, Heirat, Kinder, hält aber immer Kontakt zu seinem Freund, den er in dessen selbstgewählter Einsamkeit aufsucht, um ihn mit Essen und Medikamenten zu versorgen oder bei Arbeiten zu helfen, die alleine nicht zu bewältigen sind.

John William bleibt seiner Überzeugung treu, stirbt sogar für diese und hinterlässt seinem Freund Neil ein Erbe in Höhe von 440 Millionen Dollar. Vielleicht als Versuchung, damit dieser seine begrabenen Träume doch noch verwirklichen kann?

Mich hat "Der Andere" sehr stark an Chris McCandless in Jon Krakauers Reportageroman "In die Wildnis" erinnert. Aber nicht nur, denn für viele junge Amerikaner scheint dieses Einswerden mit der Natur und Abkehr von der Zivilisation ein Thema zu sein, immer noch, muss man sagen, denn dieses Experiment hat ja bereit Henry D. Thoreau in Walden oder Leben in den Wäldern" Mitte des 19. Jahrhunderts gewagt und beschrieben.

Gutersons Stil ist gradlinig und klar und beeindruckt durch außergewöhnliche Naturbeschreibungen. Er lotet seine Hauptfiguren bis ins kleinste Detail aus und schafft es mühelos, deren Motivationen für den Leser verständlich und nachvollziehbar zu machen.

Das einfühlsame Porträt einer ungewöhnlichen Freundschaft - bis zum bitteren Ende.

Nachdrücklich empfohlen!
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am 21. Mai 2013
In 2012 war "Ed King" von David Guterson mein Buch des Jahres. Ich habe es trotz verhaltener Feuilleton-Rezensionen und sehr starker Konkurrenz ("Richard Ford "Kanada" mit sicher höherem literarischen Wert - wenn man so sagen kann) an Platz 1 gesetzt, weil mir seine intelligente, originelle, verwinkelte Umsetzung des Ödipus-Themas in ein modernes Setting sehr,sehr gut gefallen hat. 2013 nun "Der Andere", geschrieben bereits 2008, jetzt in deutscher Übersetzung vorliegend - ein Roman über Alter Egos, eine Freundschaft, Schuld und Sühne. Ein völlig anders konzipierter Roman, der die Wandelbarkeit und ganze Kunst dieses Autors zeigt. Ich will hier nicht auf den Klappentext mit Inhaltsangabe des Buches eingehen, man kann das leicht an anderer Stelle tun, Ich kann nur sagen: diese Buch ist ein Juwel, ein wunderbares Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen möchte.
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am 19. Februar 2013
Es gibt sicherlich Freunde, die sind sich ähnlicher als Neil und John William. Der eine kommt aus einer privilegierten Familie, besucht Privatschulen und hat keine finanziellen Sorgen, der Andere ist der erste aus der Familie, der ein College besuchen wird. Noch unterschiedlicher als ihre Herkunft, ist aber ihre Einstellung zum richtigen Leben. Im Laufe der Geschichte sagt sich John William immer mehr von der Welt los, lebt nach der Gnosis, einer alten religiösen Lehre, und entscheidet sich schließlich für ein Leben als Eremit in den Wäldern bei Seattle. Neils Leben hingegen entwickelt sich völlig bürgerlich: Ausbildung, Heirat und Kinder. Davon ist bei ihrem ersten Treffen bei einem Laufwettkampf noch nicht viel zu spüren. Neil ist anfangs fasziniert von John und seinen Ansichten, doch beschleichen ihn immer öfter Zweifel und versucht sogar, Neil sein Eremiten-Dasein auszureden.

David Guterson, der seinen Durchbruch als Autor mit seinem Roman „Schnee, der auf Zedern fällt“ schaffte, erzählt hier eine Freundschaftsgeschichte, bei der er ständig zwischen Heute und Früher wechselt. Er beschreibt die Stationen der Freundschaft ebenso, wie die Auswirkung dieser auf Neils späteres Leben. Mit einer feinen Sprache und mit hintergründiger Philosophie spürt er seinen Hauptpersonen nach und lässt den Leser an ihrer Entwicklung teilhaben.

Noch besser als der Freundschaftsteil des Buches, haben mir allerdings die Naturbeschreibungen, die es gibt, gefallen. Ob es die italienische Landschaft ist, die Neil nach seinem High-School-Abschluss erkundet, oder die Landschaft um Seattle, die Neil zusammen mit John mehrmals durchstreift – immer hat man das Gefühl dabei zu sein und wenn man die Augen schließt, sieht man die Bilder, die sich durch die detailreichen Beschreibungen eingebrannt haben.

In „Der Andere“ erzählt David Guterson eine spannende, gleichzeitig aber auch hintergründige Geschichte über Freundschaft, das Erwachsenwerden, und davon, welche Herausforderungen einem auf dieser Welt gestellt werden. Ein, wie ich finde, lesenswertes Buch.
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am 8. April 2013
David Guterson versteht es erstklassig, intensive Naturbetrachtungen mit dem Leser zu teilen und markante Charaktere zu erschaffen. Somit hätte sein neuer Roman >Der Andere< inhaltlich 5 Sterne verdient. Da die Erzählung aber Längen hat, die sich nur dadurch überbrücken lassen, dass man etwas für Wälder und Lyrik übrig hat, ziehe ich einen Bewertungsstern ab.

Bei einem Wettrennen um die letzten Plätze bei einem 800-Meter-Lauf treffen Neil Countryman und John William Barry zum ersten Mal aufeinander. Dies wird zur Schicksalsbegegnung der beiden jungen Männer unterschiedlichen sozialen Standes. Aus jugendlicher Unbeschwertheit mit Abenteuerausflügen im Olympic National Park im Nordwesten der USA wird eine Männerfreundschaft getragen vom gegenseitigen Vertrauen trotz verschiedenartiger Weltanschauung. Während Neil den klassischen Lebensweg einschlägt, ein angepasster Lehrer mit einer Ehefrau, zwei Kindern, Haus und Hund wird, kehrt John William der Gesellschaft den Rücken. Er bricht alle sozialen Kontakte (bis auf den zu Neil) ab, zieht sich in die Wildnis der Wälder zurück, und lebt ein Einsiedlerdasein in einer Steinhöhle in den nördlichen Cascaden. Neil versorgt ihn über all die Jahre mit Lebensmittel, menschlicher Nähe und steht ihm als Freund zur Seite, der seine Versprechen auch über den Tod hinaus hält.

Die beiden handelnden Personen sind profiliert herausgearbeitet. John, exzentrisch und zielstrebig in seinem Sein, entflieht der materiellen Welt in der er groß geworden ist, und die zugleich für seine innerliche Verstörtheit verantwortlich ist, um inmitten der Bäume zu einem ursprünglichen Leben ohne Kompromisse zurückzufinden. Neil hingegen lebt strukturiert in seinem geregelten Alltag, der lediglich durch die Lyrik so etwas wie Leidenschaft erfährt.

Es erstreckt sich bis zur Mitte des Buches, bis die Erzählung an Dynamik gewinnt, und doch bedarf es dem weitschweifigen Vorspann. Auffallend ist das erneute Aufflammen der Handlung zu einem Zeitpunkt, an dem die Geschichte augenscheinlich schon ihr Ende gefunden hat. Nicht aufs Erste offensichtlich sind die Zeitspannen und das jeweilige Lebensalter, ein Rückblick erfolgt 34 Jahre später und sorgt für abschließende Klarheit.

>Der Andere< ist eine anspruchsvolle Geschichte mit prägnant gezeichneten Landschaftsbilder und wesensstarken Figuren. Im Nachgang bleibt der Leser mit der Frage nach der "richtigen Art zu Leben" zurück. Das ist aufwühlend auf eine bedächtige Art und führt somit zu meiner Buchempfehlung.
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am 20. September 2013
das Thema des Buches, zwei Männer auf der Suche nach dem richtigen Lebensweg, Grundwerten und der Möglichkeit, bei all der Unterschiedlichkeit ihre Freundschaft zu erhalten, ist schon spannend. Aber der Einstieg im ersten Viertel des Buches fand ich langatmig und die Entwicklung der radikalen Selbstsuche auf oder über dem Grad zur psychischen Erkrankung schwer auszuhalten. Spannend jedoch die Frage, wieviel Freiheit gesteht man einem Freund zu und wann greift man ein, um ihn vielleicht vermeintlich zu "retten".
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David Guterson schreibt über den pazifischen Nordwesten der USA, eine Gegend, in der er selbst lebt – darum haben seine Bücher bei mir von vornherein einen Stein im Brett. „Der Andere“ hat mich zunächst zögern lassen, weil es nach Thoreaus „Walden“ in der Literatur bereits einige kauzige Einzelgänger gab, die sich aus der Zivilisation zurückziehen.

Den Icherzähler Neil Countryman und John William Barry verbindet eine ungewöhnliche Freundschaft. Die beiden wachsen in Gesellschaftsschichten Seattles auf, die nicht unterschiedlicher sein könnten und selten Kontakt miteinander haben. Neils irisch-stämmiger Familien-Clan arbeitet in Handwerksberufen, während John Williams Vater ein hohes Tier bei Boeing ist und seine Vorfahren zu den Gründern der Stadt gehörten. Die beiden Jungen lernen sich als 16-Jährige zufällig beim Laufen kennen. Ihre Wege sind vorgezeichnet, John wird die Elite-Uni Lakeside besuchen und dort karrieredienliche Kontakte knüpfen, Neil als erster seiner Familie ein Studium abschließen und es selbst finanzieren. Als Neil als Mittfünfziger seine Erinnerungen an seine Freundschaft mit John niederschreibt, hat er ein Berufsleben als Lehrer hinter sich und mehr als einen Roman geschrieben, ohne sich unter Druck zum Veröffentlichen zu fühlen. Er scheint mit sich und seinem Leben im Einklang zu stehen. Vor kurzem hat Neil unerwartet ein unvorstellbar hohes Vermögen geerbt und ist durch seine Freundschaft zum „Eremiten von Hoh“ unfreiwillig berühmt geworden.

John William war schon als Jugendlicher anstrengend für seine Mitmenschen. Ohne den bekannten Familiennamen im Hintergrund hätte man seine Entwicklung zum Soziopathen und späteren Straftäter befürchten können. Ich habe mich auch gefragt, welche Aussichten ein Junge aus Johns Verhältnissen gehabt hätte, der sein Leben lang im Schatten des erfolgreichen Vaters stehen würde. Die Lust, seine körperlichen Grenzen auszutesten, verbindet John mit Neil; gemeinsam besteigen die beiden alle Gipfel der Olympic Mountains. Während Neil studiert, zieht John in einen Wohnwagenanhänger am Fluss Hoh, der nach einem Indianerstamm benannt ist. Schließlich setzt John noch eins drauf, zieht in eine abgelegene Höhle im Nationalpark und verwischt mit Johns Hilfe endgültig seine Spuren. Das Projekt wirkt amerikanisch-bizarr, denn John ernährt sich nicht etwa von Tieren und Früchten des Waldes, sondern schichtet einen üppigen Vorrat an Toilettenpapier in seiner Höhle auf, sowie eine mannshohe Wand aus Lebensmittel-Konserven. John bleibt auf Gedeih und Verderb von Neil als Botengänger abhängig, der ihn mit praktischen Dingen der zivilisierten Welt versorgt.

Neil hat damals bereits darüber nachgedacht, ob Johns Rückzug Symptom einer psychischen Erkrankung sein könnte. Er entscheidet sich jedoch gegen den Verrat seines Freundes an die Parkverwaltung und lässt John in den undurchdringlichen Wäldern zurück im Bewusstsein, dass sein Freund und Blutsbruder im Fall von Krankheit oder Unfall dort keine Überlebenschance hat. Schließlich durchqueren junge Männer ihres Alters Wüsten mit dem Fahrrad, ohne dass jemand an deren Geisteszustand zweifelt, sagt sich Neil.

Guterson analysiert eine ungewöhnliche Männerfreundschaft, die ein aufsehenerregendes Ende nimmt. Sein zutiefst philosophischer Roman verknüpft mehrere Zeitebenen, die nicht immer sofort klar voneinander zu trennen sind. Der inzwischen gealterte Neil baut in seine Geschichte Ansichten seiner Frau Jamie über John ein, Auskünfte einer Jugendfreundin Johns und befragt schließlich Johns betagten Vater über die Familie. Mehrere Handlungsstränge spielen zu unterschiedlichen Zeiten in Neils Leben. Eine lineare Erzählung hätte dem Reiz der Geschichte meiner Ansicht nach nicht geschadet. Ich habe den Roman mit Gewinn gelesen, empfehle ihn jedoch aufgrund des verschachtelten Plots mit einiger Skepsis.

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Zitat
“Aus irgendeinem Grund ließen sich die Karten manchmal nur schwer von der Tischplatte aufnehmen, so dass Jamie sie mit ihrem Fingernagel anhob. Sie mischte, indem sie die beiden Hälften des Stapels mit den ihr zugewandten Ecken gegeneinander schob, und sie teilte mit flotten Würfen aus. Wenn man mit jemandem Karten spielt, beobachtet man beinahe automatisch seine Hände und die Bewegungen seiner Finger, und so fiel mir auf, dass Jamie manchmal eine Karte zinkte, indem sie sie zwischen der Kuppe ihres Mittelfingers und dem Nagel ihres Zeigefingers eindrückte, was mir ungewöhnlich vorkam. Ich wurde mir auch bewusst, wie grobschlächtig meine eigenen Hände waren. Es sind Countryman-Hände, gut, um Holz zuzuschneiden und widerstandsfähig gegen Kälte, aber unbestritten klobige Tischlerpfoten, bis hin zu den breiten Nägeln und knotigen Fingergelenken, den knochigen Auswüchsen am Handgelenk und den kräftigen Mittelhandknochen mit den dazwischen liegenden tiefen Furchen. Meine Hände sind echte Pranken, und wenn ich damit vor meinen Schülern gestikuliere, um etwas zu unterstreichen, fällt mir manchmal auf, dass sie jegliche Anmut vermissen lassen, und genau das gleiche empfand ich in der Wirtsstube am Monte Stella beim Kartenspiel mit Jamie.“ (S. 84)
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am 21. Oktober 2013
Handelt es sich wirklich um einen Roman oder vielleicht doch um eine Dokumentation, eventuell sogar mit starken autobiographischen Bezügen zum Autor? Zumindest könnte man dieser Idee nachgehen, denn der Ich-Erzähler Neil Countryman hat wie der Autor zuerst als Lehrer gearbeitet, aber schon immer den Wunsch gehabt, Schriftsteller zu werden. Auch der Zeitrahmen, in dem der Roman spielt, ist quasi deckungsgleich mit den Daten des Autors.

Wahrscheinlicher ist, daß Guterson, wie viele Schriftsteller, absichtlich mit solchen Paralellen spielt, auch in dem er den Roman im Stil einer dokumentarischen Erinnerung geschrieben hat. Ein vom Autor sicherlich beabsichtigtes Experiment, für mich aber über weite Strecken reizlos, fast anstrengend. Mehrfach war ich sogar kurz davor aufzugeben. Wie lange sollte ich der Einbahnstraße, in die John William gegangen war - im wahrsten Sinne des Wortes ein way of no return - noch folgen? Diese Mischung aus Gnostik, "Walden-Romantik", Auflehnung gegen die Eltern und Drogen nervte mich während des Hörens zunehmend.

Obwohl sich die Einbahnstraße dann tatsächlich in eine Sackgasse verwandelt und Neil seinen Freund tot in der Höhle findet und - natürlich - mit diesem fürchterlichen Erlebnis und der Entscheidung, ob er die Eltern informieren soll, überfordert ist, kam für mich die dramatische und ergreifende Wendung erst im letzten Viertel des Romans, nämlich mit den Erinnerungen, um nicht zu sagen der Beichte von John Williams Vater. Um anderen Lesern nicht die Spannung zu nehmen, möchte ich hier nicht auf Details eingehen, aber mir gingen diese Schilderungen sehr nahe.

Plötzlich bekam dieser Roman neben der Naturromantik und der Beschwörung von Freundschaft noch einen dritten - und für mich gewichtigeren - Aspekt: Das Erbe aus Elternhaus und Kindheit. Zuweilen so düster und unheilvoll, daß ein Leben offensichtlich nicht ausreicht, um damit fertig zu werden. Dieses Ende hat mich verstört zurückgelassen.

Welche Möglichkeiten hätte es gegeben, diese Story literarisch zu präsentieren! Nach meinem Dafürhalten ist Guterson mit der Als-ob-Doku deutlich hinter den Möglichkeiten geblieben.

Auch der Sprecher der Hörbuchs war eher anstrengend als überzeugend. Mit gleichbleibender, (oft zu) eindringlicher Stimme hat Stéphane Bittoun den "Anderen" eingelesen und verstärkt mit diesem unsensiblen Vortrag noch das "Dokugefühl". Auch dafür habe ich Punkte abgezogen. Aus meiner Sicht hat es nur noch für zwei Punkte gereicht.
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