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am 14. Mai 2017
„Die Frau vom Weißen Meer“ heißt in der deutschen Übersetzung (im Original: La femme qui attendait) der Roman des 1957 in Sibirien geborenen, 1987 nach Frankreich emigrierten Schriftstellers Andreï Makine. Ein poetischer Titel, der eine geographische Entsprechung hat: Das Weiße Meer ist ein Randmeer des Arktischen Ozeans und liegt vor der nordwestlichen Küste Russlands, umgrenzt von Karelien, der Halbinsel Kola und der Region Archangelsk. In letztere, konkret in das verschlafene, nicht weit von der Küste gelegene Nest Mirnoe, verschlägt es Mitte der 1970er-Jahre den Ich-Erzähler, einen jungen Schriftsteller aus dem pro-westlichen Künstler- und Intellektuellenmilieu Leningrads. Er beabsichtigt, eine Reportage über die Brauchtümer und Bewohner der Region zu schreiben. Nach einer zerbrochenen Liebesbeziehung und einem latenten Großstadt- und Dissidentenüberdruss bietet sich für ihn der Aufenthalt in der tiefsten Provinz als willkommene Auszeit an. Doch vor Ort kommt alles anders, als erwartet.

Vera heißt die Frau, zwanzig Jahre älter als der Erzähler, die ihn sofort fasziniert. Und ihre Geschichte, die sie zu einer Art „Dorfheiligen“ gemacht hat. Im April 1945, kurz vor Kriegsende, wurde ihr damals achtzehnjähriger Freund in die Rote Armee eingezogen. Die Schlacht um Berlin. Er kam nie zurück, offiziell gilt er als „vermisst“. Seit nun dreißig Jahren wartet Vera kompromisslos auf ihren Soldaten und Geliebten. Vera, nomen est omen, der Name bedeutet im Russischen: Glaube, Vertrauen, Zuversicht. Vera ist für den Erzähler, je nach Perspektive, eine Frau mit oder ohne Vergangenheit. Alleinstehend hat sie es sich in ihrer Heimat eingerichtet, sie kümmert sich aufopferungsvoll um die Greisinnen des Dorfes und unterrichtet als Lehrerin die aus acht Personen bestehende Dorfjugend der Umgebung. Um zur Schule zu gelangen, die sich im nächsten Dorf befindet, rudert sie täglich über einen See. An dessen Ufer sieht der Schriftsteller Vera zum ersten Mal. Der Erzähler vermutet zuerst, ein Liebespaar überrascht zu haben.

„Im Gestrüpp, das am Seeufer wucherte, blitzte eine blendend weiße Hüfte auf, ich sah einen unter der Anstrengung gewölbten Oberkörper, ich hörte ein schweres Keuchen. Der Abend war klar geblieben, aber die tiefstehende und lohrote Sonne schraffierte den Anblick mit Schatten und Feuer, entflammte das Laub der Weiden. In diesem Schillern erschien plötzlich das Gesicht einer Frau, die mit dem Kinn beinahe den lehmigen Boden streifte, und mit einem Ruck warf sie ihren Kopf in den Nacken, dass ihr volles Haar nur so flog. Die Luft war warm, feucht …“

Doch die Situation entpuppt sich als eine andere: Vera holt ein Fischernetz aus dem See. Erotisch aufgeladen sind diese erste Begegnung und alle weiteren für den Erzähler trotzdem. Der in die Provinz verbannte Schwarzhändler Otar, der mit Pelzen handelte, von seiner Frau verraten wurde und als Alter Ego des Erzählers fungiert, berichtet ihm von Veras Geschichte des Wartens und des Verzichts. Für den Schriftsteller ist das ein rätselhaftes, asketisches Leben, das konträr zu seiner betont freizügigen und – soweit unter dem Sowjetregime möglich – weltoffenen Existenz in der Metropole Leningrad steht. Nach und nach kommt er Vera näher. Sein Hochmut, in diesem gott- und parteiverlassenen Landstrich der einzige Intellektuelle zu sein, verfliegt, als er erfährt, dass Vera eine aussichtsreiche Karriere als Linguistin (ausgerechnet in Leningrad) kurz vor ihrer Promotion bewusst aufgegeben hat, um wieder in ihr Heimatdorf zurückzukehren. Sie leiht ihm ein Buch von de Saussure aus, das er nie lesen wird. Er ist mehr an ihrem Körper und weniger an ihrem Geist interessiert, und vor allem an seiner Projektion, die er für sich von dieser Frau entworfen hat.

Andreï Makine hat einen grandiosen, wunderbaren Roman geschrieben. Er besticht durch seine Perspektive, denn der Ich-Erzähler berichtet rückblickend, älter und ‚klüger’ geworden als der damalige eitle und von sich zu sehr überzeugte Mittzwanziger, reflexiv und damit sehr facettenreich über diese Episode seines Lebens, was dem ganzen Buch zusätzlich Spannung bereitet (auch gelungen: der Leser weiß um die nachfolgende Perestroika, um Glasnost, den Zusammenbruch der UdSSR, doch schwingt all das ‚nur’ zwischen den Zeilen mit). Der Roman besticht auch durch seine eindrucksvollen, atmosphärischen Natur- und Landschaftsbeschreibungen, die den Spätsommer und Herbst einer abseits gelegenen Region nicht als bloßen ‚exotischen’ Hintergrund nutzen, sondern die Jahreszeiten, die Vergänglichkeit und den steten Neubeginn wesentlich in die Handlung integrieren. Am Ende bleibt das große, unausschöpfliche Thema Liebe, das sich im See bei Mirnoe widerspiegelt. Ein Willkommen-und-Abschied, „leise und unabänderlich“, wie es am Schluss des Romans heißt.
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Etwa schwächer ausgefallener Roman als die vorgänger wie das französische Testament,sowohl was den Bogen der Erzählweise anbelangt wie auch den Seitenumfang.
Highlights sind sicher die Worte mit denen der Autor die Liebe des fremden zur seit dreissig Jahren wartenden Frau des Soldaten beschreibt.
Trotzdem kommt man nicht umhin zu bemerken das das ganze eher wie ein zu langes Gedicht oder Essay erscheint.
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