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am 8. Mai 2012
Die Literatur zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist geprägt von Männern. Sowohl als Gegenstand der Beschreibung als auch als Autoren. Frauen erscheinen bis auf wenige Ausnahmen fast nur als mehr oder weniger passive Ehefrauen von Widerständlern oder als in wenig bedeutenden Funktionen tätig wie Botengängen, Abtippen von Dokumenten u.a.. Aber selbst damit riskierten sie ihr Leben bzw. waren mit Sippenhaft bedroht und sind uns trotzdem nur wenig bekannt. Eine der wenigen Ausnahme bilden hier u.a. Nina und Melitta Schenk Gräfinnen von Stauffenberg, Marion Gräfin von Dönhoff oder Freya Gräfin von Moltke.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit liegt beim militärischen Widerstand der im 20. Juli gipfelte und beim Kreisauer Kreis. In beiden Gruppen spielten Frauen aktiv tatsächlich kaum eine Rolle. Gleiches gilt für die zivilen Kreisen (z.B. um Karl-Friedrich Goerdeler u.a.), die in Verbindung mit dem militärischen Widerstand standen, sowie für die Bekennende Kirche. Auch diese Gruppen sind, wenn auch in zweiter Linie, häufiger Gegenstand der Betrachtungen.
Dass der Schwerpunkt der Betrachtung beim militärischen Widerstand und beim Kreisauer Kreis liegt wird in jüngster Zeit durch die Tatsache betont, dass die Frauen in diesem Umfeld (siehe die "genannten Gräfinnen" oder das Buch "Mit dem Mut des Herzens" von Dorothee von Meding) mittlerweile mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Eine Ausnahme sind Sophie Scholl und die Weiße Rose. Sowohl die Gruppe als auch Sophie Scholl stehen schon lange im Mittelpunkt des Interesses.

Die zahlreichen einzelnen Menschen im Widerstand bzw. die vielen Widerstandsgruppen sowie diejenigen, die Verfolgten geholfen haben deren Leben unter Einsatz des eigenen Lebens zu retten, erfahren deutlich weniger Aufmerksamkeit, sind oftmals nur Experten bekannt oder sind völlig dem Vergessen anheim gefallen. Viele dieser Mutigen waren Frauen. So ist das Bild entstanden, dass Frauen bis auf wenige Ausnahmen sich gar nicht oder nur in sehr untergeordneter Rolle am Widerstand beteiligt hätten. Mit ihrem Buch leistet Martha Schad einen wichtigen Beitrag daran zu erinnern, dass Frauen ihr Leben sehr wohl im Widerstand sowie bei der Hilfe für Verfolgten riskiert und allzu oft auch verloren haben. Es wurde Zeit, dass diese Frauen eine Stimme bekamen und dem drohenden Vergessen entrissen werden.

Anhand der Schicksale verschiedener Frauen, die sich auf unterschiedlichste Weise gegen das menschenverachtende Regime aufgelehnt haben, bekommt der Leser einen guten Überblick über die mutigen Aktivitäten dieser Frauen. Jede von ihnen war mit dem Tod bedroht und viele von ihnen bezahlten ihren Mut und ihr Engagement mit dem Leben. Die Autorin würdigt die Taten dieser Frauen mit viel Einfühlungsvermögen und schildert die Brutalität des Regimes deutlich. Das Buch beinhaltet eine Menge an Informationen und neben den Hauptlebensläufen werden die Schicksale vieler weiterer mutiger Frauen erwähnt.

Allerdings bin ich etwas enttäuscht von der Oberflächlichkeit der allgemeinen Aussagen zu verschiedenen Aspekten des Widerstands, die mir nicht richtig bzw. oft zu unpräzise erscheinen. So ist z.B. die Aussage, der "Kreisauer Kreis war der zivile Arm der Hitler-Attentäter" so nicht richtig und dürfte eigentlich in so einer historischen Betrachtung nicht stehen. Auch gab es hin und wieder kleinere Passagen, die ich auch nach mehrmaligen lesen nicht sinnvoll interpretieren konnte. Ich habe schon andere Werke von Martha Schad gelesen, die mich bisher immer mit ihren historischen Fakten als auch mit der schriftstellerischen Leistung beeindruckt haben.

Eine weitere Kritik richtet sich gegen den Verlag wegen der häufigen Rechtschreibfehler, die auch Namen umfassen, die sogar erst richtig und dann falsch geschrieben werden.

Doch trotz der Kritik ist meiner Ansicht nach das Buch unbedingt zu empfehlen und ein wichtiger Beitrag zum Geschichtsverständnis. Ich bin sehr froh es gelesen zu haben.
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am 15. Juni 2010
Den Namen Sophie Scholl kennen schon einige. Der Name steht für den weiblichen studentischen Widerstand der sogenannten "Weißen Rose" gegen das Dritte Reich und den Führer Adolf Hitler. Aber wer waren Hanna Solf, Bella Fromm, Libertas Schulze-Boysen, Ruth Andreas-Friedrich, Hilde Coppi, Lina Haag und Elfriede Scholz?

"In den Jahren 1934 bis 1944" scheibt die Autorin in ihrem Vorwort, "fanden 11.900 Hinrichtungen im Deutschen Reich statt - nicht einbezogen die Militärgerichtsurteile und nicht die Tötungshandlungen der SS sowie die Ermordung von Juden." Unter diesen rund 11.900 Hingerichteten der Hitlerzeit befanden sich fast 1.100 Frauen; "meist sind sie unbekannt geblieben."

Die für das Buch ausgewählten Frauen und ihre "Schicksale" stehen auch für die Namenlosen, die bereits in der Weimarer Republik und nicht erst ab 1933, der zielgerichteten Umgestaltung Deutschlands zu einem totalitären Terrorstaat, die politischen Fähigkeiten Adolf Hitlers bezweifelten, sondern auch den Mut hatten, ihn und sein elitäres Regime selbsternannter Herrenmenschen zu kritisieren und sich letztlich in den Widerstand zu begeben.

Unter Widerstand wird dabei heute, so die Autorin, allgemein jedes aktive oder passive Verhalten verstanden, das die Ablehnung des gleichgeschalteten NS-Regimes oder eines Teilbereiches der NS-Ideologie erkennen lässt und mit gewissen Risiken verbunden war. Deshalb ist es auch nicht möglich, die im Widerstand Tätigen streng in Kategorien einzuteilen, die Übergänge sind fließend, denn auch die Motivation für den Widerstand gegen Hitler, seinen braunen Terrorstaat und seine sozialdarwinistische Ideologie war unterschiedlich. Die Frauen widersetzten sich aus "politischen, weltanschaulichen Gründen, oder sie agierten aus einer zutiefst humanitären Haltung heraus", schreibt die Autorin im Vorwort weiter.

Das Buch versucht, in Lebensskizzen Dimensionen einer Entscheidung deutlich werden zu lassen, deren Voraussetzungen sich die Nachgeborenen in einer Republik, die sich seit ihrer Gründung als demokratisch und sozial bezeichnet, immer wieder neu vor Augen führen sollten und müssen.

Das Buch beinhaltet auch zahlreiche Fotodokumente, vor allem Portraits. Enthalten ist auch eine Abbildung bzw. Fotokopie der "Kostenrechnung in der Strafsache Scholz wegen Wehrkraftzersetzung" über 495,80 Reichsmark. "Zahlungspflichtig: Nachlaß der Damenschneidermeisterin Elfriede Scholz geb. Remark".

Elfriede Scholz war eine Schwester des damals im Exil in New York lebenden Schriftstellers Erich Maria Remarque (eigentlich Erich Paul Remark), der mit dem 1928/29 erschienen Roman "Im Westen nichts Neues." die Schrecken des (1. Welt-)Krieges aus der Sicht des jungen Frontsoldaten Paul Bäumer schildert und vor allem deswegen von den Nazis verfemt wurde.

Elfriede Scholz wurde zwar 1943 denunziert und angezeigt wegen defätistischer Äußerungen (»Will dieser Idiot [Hitler] etwa noch alle unsere Städte kaputt werfen lassen, ehe er Frieden macht?«) vom Ehemann einer vom Faschismus besessenen Offiziersfrau, "nicht weil sie Remarques Schwester war. Letztlich spielte der Name Remark doch eine Rolle." schreibt die Autorin am Ende des Kapitels. Denn bei der Urteilsverkündung sagte der spätere berüchtigte Präsident des Volksgerichtshofes, Roland Freisler, zynisch zur Angeklagten Elfriede Scholz: »Ihr Bruder ist uns leider entwischt. Sie aber werden uns nicht entwischen.«

Allein der Untertitel "Schicksale im Nationalsozialismus" ist missverständlich und etwas unglücklich gewählt. Die Begriff Schicksal meint zwar auch das Veränderbare. Die meisten verstehen darunter aber das Unausweichliche und eine nicht beeinflussbare Bestimmung durch irgendeine höhere Macht.

Das Buch belegt aber dadurch, dass im Dritten Reich Widerstand nicht unmöglich war und es tatsächlich Widerstand auf unterschiedlichen Gebieten gab, gerade das Gegenteil. Die Tatsache, dass dieser Widerstand nach dem Zweiten Weltkrieg größtenteils totgeschwiegen wurde und auch heute manche Leute nichts davon hören wollen, beruht sehr wahrscheinlich auf der größten deutschen Tugend, dem Pflichtbewußtsein, die zugleich die größte Charakterschwäche der Deutschen ist: die Autoritätsgläubigkeit und der Geist des Untertanen.
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am 19. Januar 2003
Am Verlauf der Weltgeschichte haben sie nichts geändert, die in Martha Schads Buch porträtierten Frauen aus allen sozialen Schichten, ebenso wenig wie die bekannter gewordenen Männer aus ihren Kreisen wie etwa ein v. Stauffenberg oder v. Moltke. Doch sie haben ihre Opfer nicht umsonst gebracht, denn sie haben jede für sich Zeichen für die Menschlichkeit, für Aufrichtigkeit und Zivilcourage gesetzt. Den einen oder anderen ihrer Namen kennt man natürlich, aber detaillierte Informationen über ihre Vitae erhält man kaum einmal. Insofern ist Martha Schad die Zusammenstellung einer wirklich lesenswerten Sammlung von oftmals sehr tragischen, einzigartigen Lebensbildern gelungen. Wer sich für das Dritte Reich interessiert, sollte dieses Buch als ein wichtiges Puzzleteilchen im Gesamtbild nutzen.
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