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am 24. November 2009
Der neue Henkel liest sich wie ein Krimi. Ich habe ihn mir gleich nach der positiven Besprechung in Focus" gekauft und konnte dann nicht mehr aufhören zu lesen. Wie Henkel die Ursachen der globalen Wirtschaftskrise beschreibt, ist an Spannung kaum zu übertreffen. Wie ein Detektiv verfolgt er die Spuren dieses riesenhaften Betrugs. Er deckt auf, dass nicht die Geldgier" der Kapitalisten am Anfang stand, sondern der Wunsch der amerikanischen Präsidenten, etwas für die Soziale Gerechtigkeit" (und ihr Wahlergebnis) zu tun. Das brachte die Finanzordnung durcheinander, öffnete die Türe für raffinierte Spekulanten und heizte die Märkte an. Die Frage war nur noch, wann die Billionen-Blase platzen würde. Henkel beschreibt diesen Vorgang dramatisch, der die Weltwirtschaft fast zum Einsturz brachte, und geht von da direkt zu seiner persönlichen Story über. Als Aufsichtsratsmitglied betroffener Banken (IKB) und Unternehmen (Conti) hat er alles hautnah" miterlebt. Im Rückblick kann er genau nachweisen, welche individuellen Fehler zur Katastrophe beigetragen haben. Für mich bildet dieser Insiderbericht den eigentlichen Höhepunkt des Buches. So etwas hat man noch nirgends lesen können. Da Henkel sich nicht scheut, Namen zu nennen, wird das Buch zu einer Abrechnung mit den Schuldigen hierzulande. Schonungslos prangert er das Fehlverhalten von Managern an, die Fahrlässigkeit der (vor allem staatlichen) Banker und die Verantwortungslosigkeit der (vor allem sozialdemokratischen) Politiker, die unserer Volkswirtschaft Milliardenverluste einbrachten. Wie gesagt, ich habe das Buch in einem Zug gelesen, und mir blieb oft genug die Spucke weg". Ich bin sicher, es geht jedem so, der es liest. Für mich der Wirtschaftskrimi des Jahres".
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am 28. Februar 2010
Soeben habe ich die Lektüre des Buches beendet. Vom Buch bin ich begeistert. Noch nie habe ich eine derart verständliche Beschreibung der gegenwärtigen Finanzkrise gelesen, auch wurde von Herrn Henkel verständlich dargelegt, wie es dazu kommen konnte und welche Rolle dabei unter anderem subprime credits gespielt haben.

Verdienstvoll finde auch seine Schilderung der Rolle, die unsere unfehlbaren Politiker und unsere vorbildlichen staatlichen Banken (im Gegensatz zu den privaten)dabei gespielt haben und wie die Verursacher der ganzen Misere sich jetz als die Retter darstellen.

Derweil wird vom Steuerzahler selbstverständlich erwartet, daß er widerspruchslos die Zeche zahlt. Die Politiker hingegen verteilen weiterhin fremdes Geld mit beiden Händen unter das Volk und verschieben eine Problemlösung auf die Zukunft und kommende Generationen.

Was werden unsere Kinder einst zu diesem Erbe sagen?
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am 27. November 2010
Der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel plädiert in seinem Buch "Die Abwracker" neben vielen neoliberalen Forderungen, wie sie von FDP und CDU/CSU gefordert werden, auch für:

1. Verstaatlichung des gesamten deutschen Bankensektors im Notfall

2. europäische, staatlich-finanzierte Ratingagentur

3. nicht mehr so hohe Managergehälter und Boni

4. globale Aufsichtsinstanz beim IWF oder als eigenständige Organisation (z.B. WFO)

5. Lockerung der Basel-II-Regeln für die EU

6. globale Aufführung von finanziellen Risiken in der Unternehmensbilanz

7. TÜV für Finanzprodukte (wobei auch hier die Neutralität und Objektivität der Prüfer anzuzweifeln ist - D.V.)

8. Gesetz, wonach der Zwischenhändler entweder einen bestimmten Prozentsatz der weiterverkauften Papiere im eigenen Portefeuille behalten muss oder aber auf andere Weise am Risiko der verkauften Ware beteiligt wird.

Außerdem hält Henkel die Beteiligung der Arbeiter am Produktivvermögen über Aktien etc. für ungeeignet. Stattdessen bevorzugt er die Idee einer Betriebsente. Außerdem zeigt er auf S. 206, dass Deutschland trotz manipulierter Statistik im Jahr 2010 rund 5 Millionen Arbeitslose haben wird. Er vermutet wegen entstandenen Blasen im Beschäftigungs-, Sozial- und Verschuldungsbereich sogar, dass nach Platzen dieser Blasen ähnlich den Folgen der Abwrackprämie nach deren Auslaufen noch mehr Arbeitslose zu verzeichnen sind. Siehe das schon vorher marode Unternehmen Opel. Daher der Titel seines Buches Die Abwracker". So wurden der deutschen Realwirtschaft bisher ungefähr 10 Milliarden Euro (S. 246) zum Auffangen der Krise bereitgestellt (5 Mrd. für Abwrackprämie, 5 Mrd. für andere Unternehmen s.S.184). Auch die Statistik der wieder ansteigenden Exportüberschüsse widerlegt Henkel, indem er darstellt, dass in die Exportquote schon in die immer noch schwache Importquote eingerechnet wird. Ebenfalls wundert er sich, dass die durch die Wettbewerbsverzerrung staatlicher Eingriffe nicht betroffenen Unternehmen nicht Sturm laufen gegen diese Ungerechtigkeit. Ebenfalls fordert er bei den staatlichen Rettungsmaßnahmen eine strenge Unterscheidung zwischen Finanz- und Realwirtschaft. Die Banken seien systemrelevant, die anderen Unternehmen eben nicht und daher sollten diese auch nicht gerettet werden. Dies bezeichnet Henkel mit Schumpeters Worten als schöpferische Zerstörung". Auch Ludwig Erhard habe bedeutende Unternehmen wie die Borgward-Werke nicht gerettet. Auf S. 220 ist zu lesen: Der Grad der Infektion" mit toxischen Papieren ist bei der WestLB, der LBBW, der HSH Nordbank und der Bayrischen Landesbank inzwischen höher als bei allen großen Geldinstituten der Welt, gleich ob in Staats- oder Privatbesitz." Auf Seite 99 steht dann: Bis 2008 wurden von deutschen Banken vermutlich rund 300 Milliarden Euro in die wackeligen Verbriefungen investiert."

(Zum Vergleich: der Bankenrettungsschirm hat einen Umfang von 480 Mrd. Euro; ca. 102 Mrd. Euro wurden bereits für die HRE-Rettung bezahlt - D.V.)
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am 2. Dezember 2009
Ein gut zu lesendes Buch, dass Denkanstöße gibt!

Mit gefällt, wie Henkel gegen den Strich bürstet und zu allem, was man bisher über die Finanzkrise und ihre Ursachen gehört hat, eine alternative, großenteils überzeugende Deutung bietet. Zwei Dinge fand ich besonders bemerkenswert:

1) Eine "Hall of Shame" der Wirtschaft einzuführen, wo jährlich die Schwarzen Schafe, also die Steuerhinterzieher, In-die-eigene-Tasche-Wirtschafter und Arbeitsplatzvernichter ihren verdienten Ehrenplatz bekommen. Auch mit den Namen, die Henkel hier nennt - Middelhoff, Schrempp und Piech - bin ich einverstanden. Dass mit Henkel ein Wirtschaftsvertreter derlei anregt, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Warum nur schont der Verfasser hier die bekannt-berüchtigten Vertreter von Banken, die ihr ureigenes Geschäft schon lange aus dem Auge verloren haben (nämlich Unternehmen Geld zu leihen, damit diese etwas "unternehmen" können)?

2) Henkel widersteht der Versuchung, nur populistisch Prominenten-bashing zu betreiben. Er belässt es nicht damit, nur Namen zu nennen, sondern liefert auch Lösungsansätze! Einige Passagen lieferten für mich und meine Freunde Stoff für rege Diskussionen.

Vielleicht entwickelt die "Elite", die Führung unserer Wirtschaft ja Selbstheilungskräfte. Das Buch wäre jedenfalls ein guter Anfang!
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am 3. Januar 2010
Das Buch hat mir wirklich gut gefallen.
Es liest sich sehr unterhaltsam, nimmt kein Blatt vor den Mund und erklärt dabei die Zusammenhänge der heutigen Wirtschaftkrise knapp und gut verständlich. Ich hoffe, dass auch viele Politiker sich die Zeit nehmen, es sorgfältig zu studieren. Denn das, was uns erwartet, wird eben von Herrn Henkel klar beschrieben und diese Aussichten sind nicht rosig.
Die Marktwirtschaft Ludwig Erhards und deren altbewährte Rezepte müssen wieder in den Fokus kommen, denn eine "DDR Light" hat nun wirklich keinen Charm. Besonders in Erinnerung sollte man sich das Zitat von David Ricardo auf Seite 91 halten, denn das trifft gerade bei unserer heutigen Politik den Nagel auf den Kopf. Jetzt bin ich mal gespannt, ob es wirklich zu einer Hall of Shame kommen wird!
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am 19. September 2015
Hallo, habe das Buch so bekommen wie beschrieben ! Pünktlich ,alles bestens ! jederzeit wieder ! ( 4 Wörter verbleiben )
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am 17. Januar 2010
Das Buch von Olaf Henkel: "Die Abwrackler" erklärt aus seiner Sicht die Ursachen der aktuellen Finanzkrise, die sich nach Henkels Worten bis in die Amtszeit von US-Präsident Jimmy Carter (1977-1981) zurückverfolgen lassen. Der Politik wirft er angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise Versagen vor, da sie an einem "Neosozialismus" festhalte und die Grundprinzipien der sozialen Marktwirtschaft, zu deren Vätern er neben Ludwig Erhard auch Ökonomen wie Smith, Ricardo und Schumpeter rechnet, nicht mehr einhielten. Man müsse - so Henkel - zur Erhardschen Markwritschaft zurückkehren. Dafür verwendet er den Begriff "Retroliberalismus" (S. 230).
Mehrere Vorschläge unterbreitet Henkel, die Deutschland aus seiner Sicht aus der Krise helfen würden:
1.) Lockerung des Kündigungsschutzes, der mehr Arbeitsplätze schaffe und dafür sorge, dass Arbeitslose auch in Krisenzeiten in wenigen Wochen eine neue Stelle fänden.
2.) Abkehr von inflexiblen Flächentarifverträgen und Einführung individuellerer Lösungen für Unternehmen
3.) Reduzierung von Sozialabgaben und Veränderungen im Gesundheitssystem: nur für medizinische Grundversorgung und Absicherung der hauptrisiken soll jeder den gleichen Grundbetrag zahlen und sich darüber hinaus privat versichern. Im übrigen favorisiert er ein flexibles Renteneintrittsalter und die Einführung einer Betriebsrente als zusätzliche Altersvorsorge.
4.) Eine Finanzverfassungsreform zur Konsolidierung der Staatsfinanzen.
5.) Für die Finanzwirtschaft müsse gelten: Kaufe und verkaufe keine Produkte, von denen sie nichts versteht. Abschaffung der undurchsichtigen "Verbriefungen"
6.) Aussagefähigere Bilanzen, in der alle Risiken der Geschäfte der Finanzwirtschaft (etwa, welche Gefahren sich hinter sogenannten "Auslagerungen", den sogenannten Conduits verbergen) offengelegt werden müssen
7.) Bei Weizterverkauf von sogenannten Asset Backed Securities, also Zertifikaten und Verbriefungen, muss das verkaufende Institut ein bleibendes Interesse an der Seriosität dieser Papiere auch nach deren Verkauf haben, etwa dadurch, dass der Zwischenhändler einen bestimmten Prozentsatz der weiterverkauften Papiere im eigenen Portefeuille behalten muss.
8.) Wirklich unabhängige Rating-Agenturen, die staatlich organisiert sind und nicht von Firmen, die sie zu bewerten haben, abhängig sind
9.) Schaffung einer globalen Aufsichtsinstanz für den globalen Finanzsektor, etwa einer World Finance Organizazion. Diese soll die Einhaltung strikter Regelungen im Finanzbereich übernehmen.
10.) Größere Flexibilität bei eingeführten Regeln. Wenn sie in einer unvorhergesehenen Krise krisenverschärfend wirken (Beispiel: die sogenannten Basel-II-Regelungen), sollen sie schneller korrigiert und bei Bedarf abgestellt werden können, um die Krise nicht zu verschärfen.
11.) Größere Verantwortung bei der Festsetzung von Managergehältern und Aushandlung von Bonuszahlungen
12.) In Sachen staatlicher Intervention in den Bankensektor plädiert Henkel für ein Entweder-Oder: entweder keine Verstaatlichung von Banken oder Verstaatlichung aller Banken, aber Schaffung gleicher "Grundlagen" für alle Banken. Alle Banken müssen "gleichbehandelt" werden und ein tragfähiges Geschäftsmodell haben, auch die Landesbanken.
13.) Frühwarnsystem für Blasen und Hypes. Zusammenarbeit der Wirtschaftsinstitute mit psychologischen Forschungsinstituten, um die Gefahren "böser" Überraschungen durch Nicht-Berücksichtigung psychologischer Elemente in der Wirtschaft zu vermeiden.
14.) Vorbilder und abschreckende Beispiele von Wirtschaftsführern gleichermaßen benennen. Die Wirtschaft soll sich deutlicher und entschiedener von ihren "scharzen Schafen" distanzieren und diese auch deutlich in einer "Hall of Shame" benennen und an den Pranger stellen.

Das Buch ist in jedem Fall hochinteressant zu lesen. Insbesondere die Erfahrungen Henkels als Aufsichtsratschef und ehemaliger Präsident des BDI fließen, etwa bei der Affäre der IKB oder der Bewertung des Conti-Scheffler-Übernahme-Krimis mit ein.

Was mir gefällt, ist die deutliche Sprache. Ungeschnörkelt kommt Henkel zur "Sache" und benennt die Probleme, die sich aus seiner Sicht - nicht erst seit der Finanzkrise - ergeben haben und bietet Lösungsvorschläge an.

Um nicht mißverstanden zu werden: der Leser muss mit diesen Lösungsvorschlägen nicht einverstanden sein und sollte auch andere Bücher über die Wirtschafts- und Finanzkrise lesen, um sich mit den Gegenargumenten zu Henkels Thesen vertraut zu machen und somit ein differenzierteres Bild zu machen. So bietet sich als parallele Lektüre etwa das Buch von Lucas Zeise: "Ende der Party" an, der aus der von Henkel kritiserten "neosozialistischen" Perspektive argumentiert und teilweise zu entgegengesetzten Schlüssen kommt wie Henkel, in einigen Punkten - etwa in Bezug auf das Desaster bei der IKB - aber ähnliche Auffasungen wie Henkel vertritt.

Insofern: eine anregende Lektüre eines streitlustigen Mannes, der sehr klar auspricht, was er denkt und dabei neben Politikern auch Wirtschaftsführer - etwa den früheren Daimler-Chef Schrempp, deutlich kritisiert. "Ausgewogenheit" in dem Sinne, dass Henkel differenziert auf Gegenargumente eingeht, kann man von diesem Buch nicht erwarten, wohl aber erfrischende Offenheit und Klarheit in der an sich stimmigen Analyse. Daher lesenswert.
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am 11. Februar 2015
Hans-Olaf Henkel hat als gut vernetzter Industrieller den Beginn der Finanzkrise 2008 hautnah miterlebt. Hier berichtet er, wie sich die Dinge aus seiner Sicht entwickelten, und wie er die Lage einschätzt. Der Leser lernt hier ganz andere Einblicke und Sichtweisen kennen, als sie gemeinhin verbreitet werden. Da Henkel auch in den USA lebte, kann er auch von dort aus unmittelbar eigenem Erleben berichten.

Einsicht Nr. 1 ist, dass der Hauptschuldige an der Finanzkrise von 2008 nicht etwa der "Kapitalismus" oder "Gier" waren, sondern im Gegenteil der von Henkel so genannte "Neosozialismus" der Politiker. Die Politiker hatten die Blasen, die 2008 platzten, selbst durch unrealistische Gesetze verursacht, mit denen sie sich beim Wahlvolk beliebt machen wollten. Hinzu kommt, dass ausgerechnet die deutschen Staatsbanken am tiefsten in den faulen US-Papieren investiert waren - auf Anraten von Finanzminister Steinbrück (SPD) unter Einsatz staatlich garantierter Kredite.

Auch wenn Henkel übersehen hat, dass die Fördergesetze in den USA nur einen Teil der Immobilienblase direkt verursachten, so ist doch richtig, dass sie der Trigger zum allgemeinen Kredit-Run waren, weil alle mitziehen mussten, um am Markt zu bleiben. Vom Schattenbankensystem sagt Henkel leider nichts. Generell liegt Henkel aber richtig damit, dass die Risikobewertungssysteme der Banken systematisch falsch waren, und damit maßgeblich zum Crash beitrugen, ob nun Schattenbank oder nicht. Der Fehler war, dass sie die Abhängigkeiten von Risiken außer Acht ließen. Die Risiken verschiedener Kreditobjekte wurden gegeneinander verrechnet, doch mit der Möglichkeit, dass ganze Märkte einbrechen, rechnete keiner.

Henkel prägt für das naiv-soziale Verhalten der Politiker den Wählern gegenüber einen neuen Begriff, nämlich "Neosozialismus". Paradoxerweise jammern jedoch alle, dass wir in "schlimmen" "neoliberalen" bzw. "kapitalistischen" Zeiten leben würden ... das ist kaum der Fall. Dass z.B. das Ziel von 25% Rendite von Deutsche-Bank-Chef Ackermann auf das Eigenkapital und nicht auf die Gesamtbilanz bezogen war, hört man in allgemeinen Medien nicht.

Aber auch die Wirtschaft bleibt von Kritik nicht verschont. Henkel nennt u.a. Namen für eine Hall of Shame von Unternehmensvorständen, die sich als Abwracker betätigt hatten.

Am Ende des Buches unterbreitet Henkel einige konkrete Vorschläge, wie man der Probleme Herr werden könnte. Der wichtigste davon wird wohl der Wunsch nach einer besseren ökonomischen Bildung der Menschen sein. Denn nur auf dieser Grundlage kann man die Probleme und die notwendigen Lösungen überhaupt verstehen und entsprechende politische Mehrheiten finden. Daran mangelt es heute erheblich. Zur Behebung dieses Mangels trägt das Buch einiges bei.
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am 1. Dezember 2009
Dieses Buch, packend geschrieben und prallvoll mit Selbsterlebtem, erspart einem eine ganze Bibliothek wirtschaftswissenschaftlicher Fachbücher! Nie zuvor habe ich in solcher Klarheit die Ursachen der globalen Finanzkrise dargestellt gesehen oder ähnliche Einblicke in die wahren Hintergründe der beispiellosen Geldvernichtung erhalten. Henkel beschreibt die dramatischen Ereignisse nicht aus der Perspektive des Betrachters, sondern von innen, als Aufsichtsrat in Banken und globalen Unternehmen. Was mich besonders beeindruckt, ist die Offenheit, mit der er über die Fehler spricht, die gerade auch in Deutschland begangen wurden. Nicht nur vielen Banken kreidet Henkel ihr krasses Fehlverhalten an, das er weniger in der berühmten Geldgier als in Naivität und Vertrauensseligkeit begründet sieht. Er deckt auch die fatale Rolle auf, die ausgerechnet Peer Steinbrücks Finanzministerium beim Import der amerikanischen Giftpapiere gespielt hat. Nach Lektüre dieses spannenden Buches wird jeder Leser sein Fazit teilen: Eine Krise wie diese ist der ideale Ausgangspunkt, um die Menschen davon zu überzeugen, dass es nicht so weitergehen darf wie bisher. Keiner leistet diese Überzeugungsarbeit besser als Hans-Olaf Henkel in seinem neuen Buch.
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am 17. Juli 2012
Henkel ist, wen wundert's, nicht staatsgläubig sondern marktgläubig.

Zwischen diesen beiden "Glaubenssätzen" gibt es der modernen ökonomischen Lehre nach in der echten/realen Welt keine Alternativen. Henkel beschreibt in diesem Buch seine Sicht auf die "Welt" predigt den "Gott" der Freiheit. Mit Ihr würden wir die Verstetigung der Vollbeschäftigung erleben. Henkel tritt argumentatorisch und biographisch an um zu erläutern das wir -und jetzt kommt es, was es eigentlich nicht geben darf- überwiegend zuviel und teilweise zu wenig Regulierung haben. Dieses Halsverrenkende Kunststück "neoliberale Anhänger" hat mich schon lange Interessiert und wird hier argumentatorisch vorgeführt. Wen es interessiert, wird ein wenig von diesen "Halsverrenkungen" finden können.

Hans-Olaf Henkel erkennt in den Ideen der neoliberalen Wirtschaftsordnung sowohl Vor- als auch Nachteile und befindet, dass es diese wirtschafsliberale Kultur in Deutschland mittlerweile nicht mehr gibt. Stattdessen ist in Deutschland, nach Auffassung Henkels, der Ungeist des von ihm so benannten "Neosozialismus" nunmehr vorherrschend und dieser hat für Herrn Henkel ausschließlich wohlstandsgefährdende Nachteile.

In Henkels Worten lautet das dann so: "Der Ausbruch der Finanzkrise brachte den Deutschen eine erhebliche Ausweitung staatlicher Eingriffe, um nicht zu sagen Übergriffe. Dei Mehrheit hat es gutgeheißen" und "Ich fürchte, durch die derzeitige Krise hat sich dieses Bild vom Staat in den Köpfen vieler Deutscher endgültig festgesetzt." "Die Linken hätten [den Staat] gern noch etwas zentralistischer gestaltet, so dass die Gesellschaft jeder Lebenslage weiß, was man denkt, anzieht und wo es langgeht. [...] [Sie fordern:] "Der Staat muss Mindestlöhne und faire Tarife durchsetzen, Firmenschließungen verhindern, Arbeitsplätze schaffen und erhalten, möglichst das Weltklima retten." (siehe: S. 164 der 3. Auflage). Henkel widerspricht: "Ohne eine gründliche Wiederherstellung des einst funktionierenden, heute aber überregulierten Arbeitsmarkts sowie der einst angemessenen proportionierten, heute aber ausgeuferten sozialen Sicherungssysteme werden wir keine Besserung der [Wirtschafts-]Lage (dh. insbesondere kein absinken der Massenarbeitslosigkeit) erreichen.

Henkel sieht um die Krisenanfälligkeit Deutschlands zu beenden den folgenden Ausweg: I. [Deutschlands] "extrem großzügiger" und "übertriebene Kündigungsschutz" ist "ein Haupthindernis für neue Arbeitsplätze" und muss geändert werden. II. Die "Flächentarifverträge müssen individuellen Lösungen" weichen [...] damit "Die Gleichmacherei durch Tarifverträge und staatliche Auflagen [endet, die] ein Resultat neosozialistischer Ideologie ist". III.a. Die Lohn[zusatz]kosten müssen sinken [d.h. im Klärtext: Die Löhne müssen/sollen sinken]. III.b. Entlastung gäbe z.B. der Vorschlag der Herzog-Kommission für die medizinische Grundversorgung zur Absicherung der Hauptrisiken mit einen fur jeden gleichen Grundbetrag [d.h. Notfallstabilisierung, eine nicht akute Behandlung findet nicht mehr statt muss also selbst bezahlt werden... ohne Ausgleich nach Leistungsfähigkeitsprinzip] (siehe: S. 232 ff). Darüber hinaus muss IV. eine gesetzliche Finanzmarktregulierung vorsehen das im Wertpapierhandel die Banken von den verkauften Papieren einen bestimmten Prozentsatz der Papiere im eigenen Portefeuille behalten muss [im Klartext: Zwang statt (Vertrags-)Freiheit...die uns im Übrigen die einst verhasste "Deutschland-AG" wiederbringt nur noch im viel größeren Dimensionen...der Dt.Bank-Chef entscheidet dann wieder über Großprojekte = Arbeitsplätze die entweder entstehen oder nicht entstehen je nach Befindnis des Chefs] V.a. wir brauchen eine europäische Rating-Agentur, die staatlich organisiert ist (siehe: S. 242) V.b. die Agentur muss u.a. die Zukunftsaussichten eines Unternehmens prognostizieren (d.h. möglichst gut raten... was logischer Weise nur im Rahmen von Zufallsgesetzmäßigkeiten gelingen kann, so wie es "Systemspieler" bei der Lotterie oder am Casinotisch fröhlich durch rumrechnen probieren sich richtig zu entscheiden ...Einfluss auf den Zufall haben sie dabei jedoch nicht) V.c. am Prozess der Gutachtenerstellung sollten sich Soziologen und Psychologen beteiligen um besser Zocker-typische Verhaltensweisen zu Identifizieren VI. Außenhandelspolitisch empfiehlt Henkel "in Zukunft viel energischer als bisher auf jedes Anzeichen von nationalem Protektionismus zu reagieren und im Bedarfsfall auch mal >mit der Faust auf den Tisch zu hauen<. Da bei uns jeder vierte Arbeitsplatz vom EXPORT(-überschuss) abhängt. [d.h. Subventionsverbot auch im Falle von Krisenabwehr, vorsichtiger Einsatz von Handels- und Warennormen]

Werden diese Vorschläge umgesetzt würde man erreichen das aus den bereits vorhandenen Blasen (nämlich die Beschäftigungsblase, die Sozialblase und die Schuldenblase) wohlstandsgefährdende Luft entweichen kann.

Allein was eine Beschäftigungsblase sein soll mag ich nicht nachzuvollziehen können.... eigentlich hieße das ja das in die breite Bevölkerung daran glaubt das in Deutschland um ein vielfaches mehr als es Einwohner gibt es gleichfalls Erwerbstätige gibt. Oder so???? Erklärt wird so manches nicht und so manches ist ordnungspolitisch einseitig ohne einen jeglichen störenden Blick "auf die andere Seite der Medialen". Teilweise sind die Schilderungen unplausibel und der Autor tritt nach nicht nachvollziehbaren / willkürlichen Gesichtspunkten mal für mehr Freiheit und Eigenverantwortung ein und an anderen Punkten für Überwachung, Kontrolle, Regulierung und gesetzlichen Zwang ein. Hier mehr Staat, da weniger mit keinen oder wenigen Argumenten gestützt die häufig jemand der kritisch eingestellt ist nicht überzeugen brauchen.

Lesen lässt sich das Buch sehr flüssig, allein die Lust dazu vergeht einem zwischendurch immer mal wieder (zumindest bei mir war das so). Die Meinung, Argumente, Analysen und Vorschläge von Herrn Henkel sind teils schon sehr abgedroschen und simpel in der Analyse.

Was ich sagen will ist folgendes:
Unabhängig von den Schilderungen, Meinungen und Schlussfolgerungen hat das Buch erhebliche Mängel nicht zuletzt in der Überzeugungskraft der dargelegten Ideen und Konzepte. Und ich glaube diese Überzeugungskraft wurde aus Leichtfertigkeit vernachlässigt. Im Ergebnis hoffe ich doch sehr, dass es bessere Bücher gibt über das wirtschaftspolitische System Deutschlands im 21. Jahrhundert.
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