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am 17. April 2009
Ein Geniestreich, ein Meisterwerk, ein Monument: David Gemmells Trilogie über den Trojanischen Krieg stellt alles in den Schatten, was bisher in dieser Form darüber geschrieben wurde. Und das Ganze in drei Bänden: Unterhaltung, Spannung, Staunen und Herzrasen bis zum Abwinken. Gemmells letztes Werk sieht ihn auf dem Zenit seines Könnens. Alles Bisherige aus seiner Feder hält dem Vergleich nicht stand. Eine buntere, vielschichtigere und realistischere Darstellung der Antike findet sich nicht. Jede der Figuren erweckt den Anschein, als habe sich alles genauso zugetragen, als lese man in der Tat das reale Geschehen, das Homer und andere dann zur fantastisch-mythischen Ausgestaltung motivierte. Der Kern der Sage gleichsam, so mitreißend erzählt, dass einem bisweilen die Spucke wegbleibt.
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am 19. Juli 2006
Um es ganz kurz zu machen: ich habe das Buch förmlich verschlungen.

Ein wundervoller Roman der in drei Bänden angelegt ist. Für weniger eingefleischte Gemmell-Leser kann dieses Buch aber auch als in sich abgeschlossen gesehen werden. Schon (fast) alle bekannten Personen haben einen Auftritt (Agamemnon,Hektor usw.) und auf seine unvergleichliche Weise strickt der Autor neue Charaktere ein, die einem ans Herz wachsen und mit denen man sofort mitleidet.

Ich warte mehr als sehnsüchtig auf Band zwei und hoffe, dass es nicht gar so lange dauert.
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am 19. Juli 2006
Obwohl man erwartet in einem "Troja"-Roman etwas über die Achilles und Hector (hier nur eine Nebenfigur) zu lesen,
dreht sich der erste Teil von Gemmells historischer Trilogie um den dardanischen Prinzen Helikaon alias Aeneas.
Von seinem königlichen Vater einst verschmäht und später vom legendärem Odysseus unter die Fittiche genommen,
segelt Helikaon, den man wegen seines sagenhaften Glücks und wirtschaftlichen Erfolgs auch "Goldener" nennt, als Händler zwischen den griechischen Inseln umher. Ein Dorn im Auge sind ihm die mykenischen Piratenschiffe des Agamemnon, die plündernd fremde Ländereien, wie auch seine Handelsschiffe überfallen.
Als während eines solchen Überfalls der Mykener Alektruon vom Goldenen getötet wird, sinnt der mykenische König Agamemnon auf Rache, zumal er durch die Prophezeiung eines Sehers in Helikaon eine ernste Gefahr für sich sieht.
Er beauftragt seinen Vertrauten Kolanos, einem gnadenlosen Schlächter, den Dardaner zur Strecke zu bringen.
Daraufhin kommt es zwischen Helikaon und seinen Leuten auf der einen Seite und den Mykenern auf der Anderen, zu immer blutigeren Auseinandersetzungen, in der auch viele Unschuldige ihr Leben verlieren.
Helikaon, der sich durch eine Reihe von tragischen Ereignissen, plötzlich in der nicht gewollten Rolle des Königs von Dardania sieht, gelangt im späteren Verlauf der Geschichte nach Troja, um an den Trauerfeierlichkeiten für den verschollenen und für tot erklärten Hector teilzunehmen.
Dort wird er in eine Palastrevolte gegen den trojanischen König Priamos hineingezogen und sieht sich plötzlich als Verteidiger des Königs mit nur Hundert Getreuen einer Übermacht von 1200 trakischen und mykenischen Kriegern gegenüber.
Ein beispielloses Gemetzel beginnt. Es ist die Zeit für Helden...

Kein anderer Autor schreibt solche heroische Fantasy wie Gemmell, hat er doch das Genre praktisch ins Leben gerufen.
Seine Romanfiguren sind oft einsame Charaktere, die sich fast immer einer grenzenlosen Übermacht stellen müssen und doch, ,auch im Angesicht des sicheren Todes, nie zurückweichen.
Genau das liebt und erwartet der Fan von Gemmell-Büchern und wird auch hier nicht enttäuscht.
Die zahlreichen, beschriebenen Kämpfe sind packend, detailreich und realistisch.
Gemmell packt in seinen Roman große Gefühle. Liebe, Hass, Ehre, Mut, Aufopferung und Hoffnungslosigkeit...es ist alles dabei.
Die großen Namen der griechischen Antike und ihre Geschichten erstehen in seinem Roman in ansprechender und oft auch überraschender Weise neu und erfrischend anders. So zum Beispiel Odysseus, der hier als alternder Geschichtenerzähler beschrieben wird, der zwar viele Kämpfe bestanden, aber seine großen monströsen Abenteuer sich allesamt aus den Fingern gesogen hat. Ein Märchenerzähler also.

Negativ aufgefallen ist mir die Übersetzung des englischen Titels LORD OF THE SILVER BOW. Der Heyne-Verlag machte daraus DER SILBERNE BOGEN. Schade eigentlich, denn Gemmell hat sich bei der Titelgebung schon etwas gedacht.
Einen ähnliche Pleite leistete sich damals der Verlag Bastei-Lübbe, als sie aus Gemmells MIDNIGHT FALCON einfach
DIE NACHT DES FALKEN machten. Die Verantwortlichen hätten nur das Buch lesen müssen, um zu begreifen, was sie da eigentlich verbocken.
Die Covergestaltung wirkt edel und ansprechend, aber gegenüber der englischsprachigen Taschenbuchausgabe etwas dröge.
Die dortige Fotomontage macht optisch schon mehr her.

Aber, jeder Fan spannender, unterhaltsamer Abenteuer-Literatur kann hier bedenkenlos zugreifen. Er wird auf seine Kosten kommen. Garantiert!
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am 21. April 2011
Ich habe mit der Troja Serie zum ersten Mal etwas von David Gemmell gelesen. Ich bin 100% begeistert und werde definitiv alle anderen Bücher von ihm lesen. Einfach ein toller Autor mit super Stil
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am 8. Oktober 2006
Dieses Alterswerk von Gemmell und leider eines seiner letzten Bücher(Gemmell verstarb in diesem August nach einer OP im Alter von 57) ist wirklich - man kann es wirklich nicht anders sagen - ein Meisterwerk.

Gemmell hat als Grundlage für seine Geschichte sozusagen den Vorabend des Trojanischen Krieges aus Homers "Illias" gewählt. Die sog. Schlacht um Troja findet hier jedoch noch nicht statt.

G. hat diesem mythologischen Thema 3 Bände gewidmet. Der zweite ist bereits im englischen Original erschienen. Der dritte war bei Gemmells Tod nur zu 70% fertiggestellt. Da G. die wesentlichen Ideen für den Abschluss des dritten Bandes bereits vorliegen hatte, ist geplant, diesen trotzdem herauszugeben. Wer jetzt abgeschreckt sein sollte, dem sei gesagt, daß die Bände problemlos als eigenständige, abgeschlossene Bücher gelesen werden können, wie schon Gemmells "Rigante-Zyklus".

Hauptfigur und "roter Faden" der Geschichte ist "Aeneas", eine mythologische Figur aus der Illias, der auch den Beinamen "Held von Troja" hat. Aeneas heißt in dem Buch auch offiziell so, wird aber hauptsächlich als Helikaon bezeichnet (Spitz-/Jugendname!?). Helikaon als Prinz eines zu/mit Troja beanchbarten und verbündeten Königreiches ist Krieger und verdient sozusagen sein Geld als Besitzer einer großen Handelsflotte.

Das Buch ist kein Fantasyroman im herkömmlichen Sinne. Die einzigen fantasymäßigen Dinge sind hier etwas hellseherische oder wahrsagerische Elemente. Dies ist hier auch nicht nötig und würde auch nicht zur Story passen. Wer jetzt meint: Och die trojanische Sage kenn ich doch schon oder is ja gar keine richtige Fantasy., kommt vorschnell zu einem falschen ersten Eindruck. David G. ist nämlich ein genialer Geschichtenerzähler, der in Anlehnung an die Trojasage eine völlig eigenständige, fast neue Geschichte erzählt. Gemmell schaft es z.B., eine eigentlich banale "Jungfernfahrt", inklusive Sturm, der von Helikaon in auftraggegebenen, jemals größten gebauten Gallere ungemein spannend und fesselnd zu beschreiben.

Nebenbei hat Gemmell den guten Odysseus vom mythologischen Roß heruntergeholt und die Figur herlich sowie für den Leser schmunzelnd neu interpretiert. Odysseus ist zwar immer noch König von Ithaka, aber auch ein altender und altersweiser Seebär und Handelsfahrer, der in der beschriebenen Welt als großer Geschichten- und Sagenerzähler bekannt ist, nämlich witzigerweiser der uns bekannten Odysseussagen, .

Sowieso sind Gemmells Figuren für Fantasyniveau regelmäßig recht komplexe und natürliche Charaktere, mit normalen menschlichen "hellen" und "dunklen" Seiten ihres Charakters. Es ist auch immer wieder erstaunlich, wie wenig Text Gemmell benötigt, um seine Figuren treffgenau in die Handlung, in Abhängigkeit ihrer Bedeutung für diese, einzuführen.

Abschließend muss auch nochmal lobend festgestellt werden, wie fast einzigartig Gemmell darin ist, Bände eines Zyklus als eigenständige Bücher mit erstmal abgeschlossener Story zu schreiben.
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am 24. Mai 2012
Die Geschichte Trojas ist seit der Entstehung jener Werke, die wir einem unbekannten Dichter namens Homer zuschreiben, eines der häufigsten Sujets im westlichen Kulturkreis. Mittelalterliche Fürsten führten ihre Vorfahren auf den entkommenen Trojaner Eneas zurück. Trojaner erobern das Internet. Pitt Brad steckte seinen geölten Sixpack in Achilles' Brustpanzer. Und diese Aufzählung ist noch unvollständig...
Egentlich sollte man meinen, dass man nicht noch ein Buch über Troja lesen sollte. Doch David Gemmell schafft es tatsächlich, der alten, schon tausendfach erzählten Geschichte das tausendundeinste Gesicht zu verliehen. Sein routiniert wirkender, detailreicher Stil (bzw. der Stil des Übersetzers Michael Koseler) ist fesselnd in Beschriebungen, brutal in Kriegsszenen und hektisch während der Flucht. Hervorragend zum Miterleben der Geschichte.
Die Figuren sind so ganz anders gezeichnet, als klassische Troja-Romane und -Filme es tun. Auch die Erzählperspektive ist interessant gewählt. Meist folgt man nicht Agamemnon, Achilles oder Hektor, sondern dem Händler, der "der Goldene" genannt wird und sich erst nach einigen Seiten als ein wichtiges Mitglied der Troja-Sage zu erkennen gibt. Ein netter Schachzug, der den Leser in die Geschichte einführt, ohne gleich alle Assoziationen zu wecken, die bis heute allein mit Namen wie "Helena" geweckt werden.
Absolute Kaufempfehlung!
Nachtrag für Vampir-Fans und andere: Auch wenn Paris vorkommt, ist das weder Frankreich noch die Hilton!
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am 24. April 2014
Ich muss den meisten Rezensenten widersprechen: Gemmel schildert nicht den aus der Antike überlieferten Kampf um Troja! Er erzählt, durchaus spannend, von einem Krieg zwischen Mykene und Troja; dabei lässt er die homerischen Personen auftreten, stattet sie aber mit ganz eigenen, neuen Biographien aus.

Odysseus ist im Roman ein alter, hässlicher, krummbeiniger Seefahrer und Händler. Seine Irrfahrten, die Homer in der Odyssee besingt, haben nie stattgefunden.
Die Schöne Helena, die dreitausend Jahre lang das Synonym für die jeweils schönste lebende Frau war, ist bei Gemmel ein reizloses Mädchen (Bd II, S. 224), ein paar Jahre später eine reizlose Frau mit einem fülligen Körper". - Was bin ich froh, dass Wolfgang Petersen für seinen Trojafilm Diane Kruger auswählte und nicht Trude Herr oder Cindy aus Marzahn.
Wie Agamemnon der Sage nach stirbt und welche großen Dramen der Weltliteratur sich darum ranken, weiß Gemmel nicht oder es interessiert ihn nicht; er erzählt eine ganz andere Geschichte.
Am übelsten spielt Gemmel dem trojanischen Helden Hektor mit: den lässt er schon als Jüngling entmannen.
Äneas kann aus Troja fliehen. Nach der Mythologie verschlägt es ihn nach Karthago, wo er eine Liebesbeziehung mit der Königin Dido erlebt, die durch die Götter tragisch beendet wird. - Nichts davon bei Gemmel; hier segelt der Held gleich zu seiner Siedlung auf den sieben Hügeln - und ich frage mich: Wie soll 450 Jahre später Äneas' Nachfahre Romulus dann noch Rom gründen?

Der Krieg (Beginn Mitte des 2. Bandes) zwischen Mykene und Troja findet zunächst in der Ägäis statt - das ist plausibel und zulässiges Spielen" mit den antiken Mythen. Dann landen Agamemnon und seine Verbündeten vor Troja. Ein paar Monate später wird die Stadt überrannt. Es gibt kein Trojanisches Pferd! Ja, Sie lesen richtig. Dabei brauchen wir dieses Bild doch ständig im Alltag und bei jedem zweiten Gedanken an unsere Computer.
Also Gemmels Umgang mit dem antiken Stoff ist verdammt eigenwillig.
Mit dem wenig bekannten historischen Hintergrund der Zeit um 1200 v.Chr. geht Gemmel auch sehr frei um. So lässt er beispielsweise den Vulkan auf Thera im Roman ausbrechen; tatsächlich geschah das aber mehr als 400 Jahre früher.

Weiterer Mangel der drei Bände: Sie sind recht schlampig formuliert. Insbesondere tauchen immer wieder Anachronismen auf, Begriffe, die nicht in die Zeit des Romans passen: Pfeile werden nicht abgefeuert. Säbel sind keine Waffen der Zeit. Also kann auch kein Ohr abgesäbelt werden. Champion ist kein Titel der damaligen Zeit. Sensen wurden erst im Mittelalter erfunden (Sichel wäre möglich). General, Offizier, Kompanie, Regiment, Duell, Duellant, das Fort sind Begriffe der modernen Militärgeschichte. Renegat. Wagenlenker berechnen" ihren Wendepunkt nicht, Krebs (Bd II, 376 unten) war als Krankheit damals unbekannt. Chirurg. Student. Die Phalanx wird erst Jahrhunderte später entwickelt. Pergament wird erst Jahrhunderte später erfunden. Usw.

Was Gemmel geschrieben hat, möchte ich abschließend mit einem Vergleich erläutern: Hätte Gemmel einen Roman über Deutschland in der Gegenwart geschrieben, dann wäre Adenauer ein bedeutender Schriftsteller. Durch seine Vermittlung hätten der Bundespräsident und Erich Honecker in Bonn geheiratet. Durch diese eingetragene Partnerschaft wäre die Teilung Deutschlands überwunden worden. Honeckers Tochter Angela Merkel wird die erste Bundeskanzlerin des wiedervereinigten Deutschlands. Sie heiratet ihrerseits den französischen Präsidenten, womit die deutsch-französische Freundschaft beginnt. - Also wer daran Freude hat, dem wird auch Gemmels Trojaroman gefallen.

Ich habe mich mehr geärgert, als dass ich mich gut unterhalten fühlte.

Die homerischen Geschichten haben dreitausend Jahre überdauert. In Gemmels Roman ist keine einzige Episode, an die ich mich in sechs Monaten noch erinnern werde.
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am 16. Dezember 2010
Die Namen sind bekannt, die Helden werden anders gesehen und erlebt. Gute Idee, um uns Menschen des Altertums menschlich nahezubringen.
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am 1. Juli 2015
es ist ein Geschenk, also kann ich nichts darüber schreiben. Es scheint spannend zu sein, was ich auch erhoffe !
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am 20. August 2012
Das Buch, Band 1 einer Trilogie, spielt einige Jahre vor dem Trojanischen Krieg und behandelt den Stoff ziemlich frei. Aeneas, genannt Helikaon, und Odysseus kreuzen mit ihren Handelsschiffen im Mittelmeer, Andromache lernt auf Thera Reiten und Bogenschießen (und noch ein paar andere Dinge). Das Leben könnte schön sein, würden nicht die Mykener als grausame Piraten das Mittelmeer unsicher machen: Helikaon steht auf Agamemnons Todesliste, Meuchelmörder sind ihm und seinen Freunden auf der Spur - doch er selbst, wenngleich der "Goldene" genannt, hat ebenfalls eine dunkle Seite, die man besser nicht gereizt hätte ...

Gemmell, sonst durch Fantasy-Romane bekannt, behandelt den Troja-Stoff "historisch": Die Götter spielen bei ihm keine Rolle (bzw. werden etwas platt rationalistisch gedeutet), die Situation Trojas insgesamt wird im Kräftefeld der damaligen Großmächte - das sinkende Hethiterreich, Ägypten und die aufstrebende Macht Mykenes - beschrieben; und am Ende des Buches ahnen wir, dass Helena in Gemmells Version des Trojanischen Krieges wohl keine Hauptrolle spielen wird. Realistisch" ist die Darstellung trotzdem nicht: im Zentrum des Romans steht, wie immer bei Gemmell, eine Abenteuergeschichte und die Figuren, die sie tragen; es sind alles typische Gemmell-Helden, tapfer in der Schlacht, sanftmütig zu den Schwachen, ernsthaft und romantisch in der Liebe; oder zumindest sieht so das Ideal aus, an dem sie sich und andere messen. Ich persönlich empfinde das durchaus als angenehm - jedenfalls angenehmer, als wenn einem eine Aneinanderreihung von Metzelszenen als historischer Realismus verkauft wird -, aber natürlich ist es hoffnungslos unbronzezeitlich.

Das ist die Stärke und zugleich Schwäche von Gemmells Version der Trojasage (d.h. Bd. 1 davon):
Er behandelt den Stoff souverän und füllt ihn aus seiner eigenen Phantasie heraus mit Leben, er schafft Figuren, denen man gerne folgt, und legt eine spannende Abenteuergeschichte hin, die nicht mit einem Übermaß gelehrter Überlieferung beschwert ist. Interessant auch, wie er bestimmte mythische Figuren behandelt, vor allem Aeneas, dessen "dunkle" und "helle" Züge in einer sehr langen, bis auf Vergils Aeneis zurückreichenden Tradition stehen.

Andererseits entfernt sich Gemmell so weit von der Überlieferung, dass seine Geschichte teilweise völlig den Bezug dazu verliert (das mag sich in den späteren Büchern noch ändern): nicht nur die Handlung, auch einige zentrale Figuren (wie Argyrios, Gershom, Zidantas oder Xander) sind völlig frei erfunden, andere sind zwar als Namen der Überlieferung entnommen, haben aber weiter keinen Bezug dazu (Laodike), manchmal wundert man sich und weiß nicht, ist es Unkenntnis oder Absicht: Andromache stammt aus unerfindlichen Gründen aus Kreta, der Minotaurus ist ein vulkanisches Monster auf Thera, und Atreus, der berüchtigte Kindermörder des Mythos, hat erstaunlicherweise nur positive Erinnerungen hinterlassen ...

FAZIT: Das Buch ist spannend, manchmal bewegend, mit den typischen Gemmell-Zutaten ("wahre Liebe" allerdings ein wenig überdosiert), Gemmell-Liebhaber kommen auf ihre Kosten. Der Antike-Liebhaber (oder Philologe) aber eher weniger: Profunde Kenntnis, gar Raffinesse im Umgang mit einer äußerst reichhaltigen und vielfältigen Überlieferung findet man hier nicht. Gemmell schreibt, als wäre er der erste, der diese Geschichte erzählt, und das hat etwas Erfrischendes; ich habe das Buch deshalb gerne gelesen und werde mir wohl auch die Folgebände zu Gemüte führen. Aber ein Buch, das uns den Trojanischen Krieg und seine Helden neu sehen lässt, das den Blick schärft, vertieft, den Horizont erweitert, sich gewichtig in eine literarische Tradition einreiht, kurz ein Buch, das man zu diesem Thema unbedingt gelesen haben sollte, ist es nicht.
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