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Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
82
4,3 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
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am 24. April 2015
"Locke Lamoras Faustregel lautete folgendermaßen - ein gelungener Schwindel erforderte drei Monate Planung, drei Wochen, um ihn einzustudieren, und zum Schluss drei Sekunden, in denen sich entschied, ob man das Vertrauen seines Opfers gewann oder für immer verspielte. Bei seinem jüngsten Trick wollte er sich drei Sekunden lang erwürgen lassen." So beginnt das erste Kapitel von Scott Lynchs wunderbarem Buch "Die Lügen des Locke Lamora". Und sofort wird klar, dass es sich bei Locke und seinen Gentlemen-Ganoven nicht um Taschendiebe und Kleinkriminelle handelt: hier werden verwickelte Pläne ersonnen und mit Täuschung und doppelten Boden in die Tat umgesetzt. Und genauso wie Locke seine Opfer in sein Ränkespiel verwickelt, spielt Lynch mit dem Leser, führt ihn auf falsche Fährten und wenn man denkt, ihn dabei ertappt zu haben, zieht er immer noch ein Ass aus dem Ärmel.
Lockes Gang wuchs mir sofort ans Herz und ich folgte ihnen begeistert durch Camorr. In dieser Stadt ist das Verbrechen so gut durchorganisiert wie ein Hofstaat. Dieses Gefüge wird erschüttert, als der sogenannte "graue König" auftaucht und nicht nur für den bisherigen "König der Verbrecher" zur Gefahr wird. Gleichzeitig versuchen die Gentlemen-Ganoven einen ehrgeizigen Coup durchzuziehen. bei dem sie ständig auf Messers Schneide balancieren.
Beworben wurde das Buch mit "Für Fans von George R. R. Martin" und in der Regel schätze ich diese Vergleiche nicht. Lange Zeit sah ich auch keine Parallele zwischen beiden Serien. Aber im Verlauf des Buches musste ich leider feststellen, dass auch Scott Lynch nicht davor zurück schreckt, Charaktere zu opfern, die unantastbar erschienen. Ebenfalls gelingt es dem Autor, in seiner Geschichte kleine Andeutungen zu verstecken, die erst viel später (manchmal erst in einem Folgeband) ihr ganzes Potential entfalten.
Nachdem ich Band 1 beendet hatte, habe ich mir sofort Band 2 bestellt, weil ich unbedingt wissen musste, wie es mit den Gentlemen-Ganoven weitergeht. Ein größeres Kompliment kann ich einem Buch nicht machen.
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am 15. Juli 2017
Leider ist es mir nie gelungen den roten Faden, den jede Geschichte haben sollte, zu finden. Ausschweifende Beschreibungen und noch ausschweifendere Umschreibung von völlig irrelevanten Nebengeräuschen aka Sitten und Traditionen, haben das wirkungsvoll und eindringlich verhindert.
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am 10. April 2014
Meine eigene Meinung, ob mir ein Buch gefallen könnte oder nicht, bilde ich mir am liebsten über Freunde mit einem ähnlichen Büchergeschmack. Hier also zuerst ein paar Punkte die ich an diesem Buch gut/schlecht fand und anschließend eine kleine Auflistung von bekannten Büchern und meiner Meinung zu diesen.

++ sehr guter Schreibstil (wenn auch bei weitem nicht auf Rothfuss-Niveau)
+ kreatives Setting
+ gut ausgearbeitete Welt (Low-Fantasy)
+ wendungsreiche und komplexe Handlung
+ Handlung abgeschlossen, kein Cliffhanger
+ guter Lesefluss

- oft nicht glaubwürdig
- überzeichnete Charaktere
- Schlüsselszene absolut unglaubhaft
- habe keinen der Charaktere "liebgewonnen"

Fazit: Gebe dem Buch 3,5 Sterne und empfehle es denjenigen weiter, die gerade nichts Besseres zur Hand haben.

Hier noch zum "Geschmacksvergleich" meine Meinung zu ein paar bekannten Buchreihen:
Patrick Rothfuss - Kingkiller Chronicles: 5 Sterne
Tad Williams - Osten Ard Saga: 5 Sterne
Tad Williams - Otherland: 5 Sterne
George R.R. Martin - Lied von Eis und Feuer (Game of Thrones): 4 Sterne
J.R.R. Tolkien - Herr der Ringe: 3,5 Sterne
Bernhard Hennen - Die Elfen: 3,5 Sterne
Harry Potter: 3 Sterne
Markus Heitz - Ulldart: 0 Sterne

Ich hoffe ich konnte bei der Kaufentscheidung helfen.
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am 27. April 2017
Leider kann ich die deutsche Übersetzung dieses Buches überhaupt nicht empfehlen. Jeder, der der englischen Sprache mächtig ist, sollte dieses Buch auch in Englisch lesen. Ich könnte glaube es gibt in diesem Buch keine einzige Seite, auf der nicht mindestens ein schwerer Übersetzungsfehler zu finden ist. Beim Lesen kommt man deshalb ständig ins Stocken oder ist verwirrt.
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am 27. Juni 2016
Von den zahlreichen positiven Rezessionen bei amazon "angefixt" hab ich mich mit großer Freude auf dieses Buch gestürzt und wurde irgendwie doch nicht so richtig warm mit dem Schreibstil des Autors. Die Hauptfigur wirkt auf mich sehr unsympathisch. Der Ort an dem das Buch spielt erinnert zwar an ein altes Italien (zumindest mich), aber dennoch passt meiner Meinung nach die Handlung nicht dazu.

Ich hab es nicht geschafft das Buch fertig zu lesen, was eher selten vorkommt.
Vielleicht habe ich zuviel erwartet und mir ein neues "Kinder des Nebels" oder "Der Name des Windes" versprochen. Ist es aber für mich nicht.
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am 8. Februar 2014
Als ich die Rezension zu „Die Lügen des Locke Lamora“ von Scott Lynch vorbereitete, stieß ich erstmals auf die Unterscheidung zwischen High und Low Fantasy. Mir war bisher nicht bewusst, dass es hierbei Unterschiede gibt; ich dachte, alle Fantasy-Romane, die die Konstruktion einer neuen oder völlig anderen Welt beinhalten, zähle man zur High Fantasy. Tatsächlich ist dieser Punkt durchaus ein Merkmal der High Fantasy, ebenso wie das Erschaffen einer eigenen Sprache und eines eigenständigen Ökosystems; nicht zu vergessen das Auftauchen fantastischer, fiktiver Völker. Die Handlung ist meist von einer abenteuerlichen und gefährlichen Reise der heldenhaften Protagonisten geprägt, die ein bestimmtes Ziel erreichen oder verfolgen müssen, um die Welt zu retten. Als Schlüsselroman der High Fantasy wird – wie könnte es anders sein – „Der Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien genannt. Die Low Fantasy hingegen bietet dem Leser weniger gradlinige Helden und Bösewichte an. Die Charaktere sind eher ambivalent; sie haben sowohl positive als auch negative Eigenschaften. Im Mittelpunkt steht in der Regel nicht die Rettung der Welt, sondern das Leben und Schicksal der Protagonisten.

In Bezug auf „Die Lügen des Locke Lamora“ musste ich dementsprechend einsehen, dass es sich hierbei eher um einen Low Fantasy Roman handelt als um einen Vertreter der High Fantasy. Der Protagonist Locke Lamora lebt nach seinen eigenen Regeln. Er ist ein Lügner, ein Dieb, ein Schuft und der Anführer der „Gentleman-Ganoven“, einer Gruppe Diebe, die sich aus ihm und seinen Freunden Jean, Bug und den Zwillingen Calo und Galdo Sanza zusammensetzt. Mit viel Charme und Witz schröpfen sie gemeinsam die Reichen und Mächtigen der Stadt Camorr um ihr Geld, obwohl dies durch den Geheimen Frieden und den Capa Camorrs eigentlich strengstens verboten ist. Als sich die Machtstrukturen innerhalb Lockes Heimatstadt verschieben, wird er vor die gefährlichste und trickreichste Aufgabe seines bisherigen Lebens gestellt; eine Aufgabe, die seinen gewitzten Verstand über alle Maßen fordert. Kann Locke diese lösen, ohne sein Leben und das seiner Freunde aufs Spiel zu setzen und damit verhindern, dass Camorr in Flammen aufgeht?

Scott Lynch teilte seinen ersten Band der Gentleman-Ganoven-Reihe in vier Bücher sowie Prolog und Epilog ein. Diese sind jeweils noch in Kapitel, Zwischenspiele und Abschnitte strukturiert. Da meine deutsche Taschenbuch-Ausgabe 848 Seiten umfasst, empfand ich diese Organisation des Buches als wirklich hilfreich; ein so dicker Schmöker liest sich doch leichter, wenn die Kapitel kürzer sind und man zwischen den Handlungssträngen ein paar Augenblicke hat, in denen man Luft holen und überlegen kann, was eigentlich auf den letzten Seiten passiert ist.
Die Handlung an sich teilt sich in Gegenwart und Vergangenheit, der Leser begegnet Locke sowohl als Kind als auch als erwachsenem Mann und Dieb. Hier zeigt sich auch Scott Lynchs großes Talent, er spielt auf faszinierende Weise mit der Erwartungshaltung seiner Leser. Er nimmt sich viel Zeit, wohlüberlegte Spannungsbögen aufzubauen, arbeitet dann eine überraschende Wendung ein und kippt somit jegliche Erwartungen, die der Leser bis dahin entwickelt hatte. Ich habe noch während der Lektüre bemerkt, dass ich vom Autor manipuliert wurde; es hat unglaublich viel Spaß gemacht, mich selbst dabei zu beobachten, wie ich Lynch auf den Leim ging und seine Strategien bei mir voll und ganz griffen.
Szenen und Charaktere sind den kompletten Roman über rund und detailliert gestaltet; es gab keinen einzigen Moment, in dem ich an deren Nachvollziehbarkeit und Logik zweifelte. Der Protagonist Locke Lamora ist darüber hinaus eine wirklich außergewöhnliche Figur: körperlich eher wenig beeindruckend, liegt seine Stärke in seiner bestechenden Intelligenz. Nicht umsonst ist Locke der Kopf der Gentleman-Ganoven; all ihre umfangreichen, diebischen Pläne entstammen seinem Verstand, welche er bis ins kleinste Detail ausarbeitet und dabei alle möglichen Konsequenzen einkalkuliert. Er ist ein wahres Chamäleon, ein Verkleidungskünstler, was es ihm erlaubt, die ganze Stadt Camorr zum Narren zu halten.
Nicht weniger beeindruckend sind Lockes Freunde und die restlichen Charaktere des Buches gestaltet, wobei heraussticht, dass auch weibliche Figuren auftauchen, die über den für Low Fantasy typischen Status als Amazone, Sexobjekt oder Fräulein in Not hinausgehen. Ich würde mich nicht dazu hinreißen lassen, die Frauenrolle in „Die Lügen des Locke Lamora“ als emanzipiert zu bezeichnen, es fällt jedoch auf, dass Frauen häufiger und in wichtigeren Positionen auftreten als in vielen anderen Fantasy Romanen.

Insgesamt hat mir Scott Lynchs Erstlingswerk ausnehmend gut gefallen; ich habe mit Locke geweint, gelacht, gelitten und gebangt. Lynch hat mich komplett abgeholt und mir eine Woche lang wunderbaren Lesespaß beschert. Obwohl es ein Fantasy Roman ist, sind die fantastischen Elemente eher rar gestreut, was sicher vielen entgegen kommt, die sonst Probleme damit haben, sich eine magiegeschützte Handlung vorzustellen. Ich bewundere seine innovativen Ideen; wie kommt man beispielsweise darauf, einen Gladiatorenkampf gegen Haie in einer schwimmenden Arena stattfinden zu lassen? Ich empfehle dieses Buch an alle weiter, die zwiespältige Charaktere und eine umfangreiche, fein ausgeklügelte Handlung lieben. Die Venedig-gleiche Stadt Camorr wird euch mit offenen Armen empfangen.
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am 29. November 2012
„Die Lügen des Locke Lamora“ ist der erste Teil einer Fantasy Reihe und der erste Roman von Scott Lynch. Für mich hat dieses Erstlingswerk des Autors eingeschlagen wie eine Bombe. Das Buch hat mich von Anfang an nicht mehr losgelassen. Viele gute Bücher sind wie Fenster, die den Blick in eine andere Welt erlauben. Dieses Buch öffnet gleich Tür und Tor, während der Lehrherr der Diebe den Leser nach Camorr begleitet: „Meine Damen und Herren, willkommen in der Stadt des Henkerswindes. Mein Rat: Achten Sie auf Ihre Geldbörsen.“

Inhalt
Die Stadt Camorr ist Heimat von Dieben, Räubern und Halsabschneidern. Capa Barsavi herrscht über die „Richtigen Leute“ als eine Art Pate. Von seinem schwimmenden Grab aus sorgt er dafür, dass die Banden immer ihren Anteil an ihn abtreten und vor allem, dass der Geheime Frieden eingehalten wird. Der Geheime Frieden ist ein Abkommen zwischen dem Capa und dem Adel der Stadt Camorr, der beiden Seiten eine gewisse Sicherheit verspricht. Locke Lamora und seine Gentlemen Ganoven sind nur eine der unzähligen Banden die den ehrlichen Leuten von Camorr das Leben schwer machen. Sie unterscheiden allerdings in einem ganz wesentlichen Punkt…sie nehmen den Adel nach Strich und Faden aus und treten den geheimen Frieden mit Füßen. Da sie ihr „Geschäft“ vor den Augen des Capas betreiben müssen, haben sie ein geniales Geflecht von Täuschungen und Lügen gesponnen. Ihr neuester Coup ist natürlich wieder entsprechend intelligent, kreativ und unglaublich kompliziert aufgezogen. Zunächst scheint auch alles nach Plan zu verlaufen, bis eine Gestalt auf die Bühne der Diebe und Ganoven von Camorr tritt, die auch Lockes Pläne zu vereiteln droht. Mehr werde ich hier zum Inhalt gar nicht schreiben, nur so viel: von dieser Seite an wird der Leser kaum noch zu Atem kommen. Locke Lamora und seine Leute geraten in etwas hinein, was sicherlich niemand von ihnen für möglich gehalten hätte.
In „Zwischenspielen“ erfährt man insbesondere einiges über Lockes Vergangenheit. Wie er zu Vater Chains kam und schließlich ein Priester des Dreizehnten namenlosen Gottes wurde. Wie er lernt seine Fähigkeiten als Dieb und Betrüger einzusetzen und wie die Gentlemen Ganoven schließlich zusammengefunden haben.

Meine Meinung
Für mich ist das Buch der Anfang einer großartigen Fantasy-Reihe für Erwachsene mit Tiefgang. Die Charaktere beschreibt Scott Lynch glaubwürdig und liebenswert, so dass es leicht ist zu jedem von ihnen eine Beziehung aufzubauen. Vielleicht gerade weil es sich bei Locke nicht um den typischen kitschigen Helden-Typen handelt, macht ihn das so sympathisch. Ein wenig kleiner als die anderen und immer auch ein wenig schwächer, aber sicherlich nie auf den Mund gefallen. Jeder der Gentlemen Ganoven hat seine Stärken und seine Schwächen. Aber wenn sie diese gemeinsam und klug einsetzen führt sie das zum gewünschten Erfolg.
Die Stadt Camorr, die auf die Überreste einer alten Kultur gebaut wurde, werden so dicht und atmosphärisch beschrieben, dass man das Gefühl bekommt man steht selbst im Truglicht auf einer Elderglasbrücke und blickt auf den Hafen, während einem der Henkerswind um dies Nase weht. Ich habe selten beim Lesen so sehr das Gefühl gehabt, dass der Autor selbst wahnsinnig viel Freude an seiner Geschichte gehabt haben muss.
In der ersten Hälfte des Buches lässt sich die Geschichte etwas langsamer an, ohne dabei schwerfällig zu werden. Der Leser bekommt so die Gelegenheit Camorr und seine Bewohner ein wenig kennen zu lernen, bevor die Handlung in der zweiten Hälfte richtig Fahrt auf nimmt. Spätestens jetzt hatte mich Scott Lynch am Haken. Die Handlung ist nicht vorhersehbar, überraschend, schockierend, witzig und tragisch zu gleich. Ich konnte einfach nicht anders als bis zur letzten Zeile mitzufiebern.
Kritikpunkte habe ich nur wenige. Ein einziges Mal kann ich die Handlungsweise von Locke Lamora überhaupt nicht nachvollziehen. Für einen Mann der als so intelligent beschrieben wird war das einfach nur unglaublich (und sehr offensichtlich) dumm. Was besonders schade ist, weil es eine in sich stimmige und gut entwickelte Erzählung unterbricht und mich mit einigen Fragezeichen zurückgelassen hat. Es hinterlässt bei mit den Eindruck, der Autor wusste an dieser Stelle zwar wohin er will, allerdings nicht wie er dahin kommen soll. Ich möchte hier gar nicht mehr dazu schreiben, da dies das Ende des Buches betrifft und ich die Spannung nicht verderben werde. Teilweise habe ich auch ein wenig Schwierigkeiten mit der Übersetzung, aber hierüber kann ich im Hinblick auf die dichte Story hinwegsehen.

Mein Fazit
Am liebsten hätte ich für dieses Buch 4,5 Sterne gegeben. Zu 95 % ist es für mich die Neuentdeckung schlechthin auf dem Gebiet der Fantasy. Da ich aber leider keine halben Sterne abziehen kann gebe ich dem Buch 5 Sterne. 4 Sterne wären für dieses grandiose Werk definitiv zu wenig. Ich freue mich auf die Forstsetzung.
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am 18. Juli 2010
Locke Lamora ist ein Meisterdieb mit überragenden schauspielerischen Fähigkeiten und voller Phantasie.

"Eines Tages, Locke Lamora", orakelt sein alter Meister, "wirst du in deinem maßlosen Ehrgeiz einen so großen, so herrlichen, so überwältigenden Mist bauen, dass die Himmel brennen, die Monde im Kreis tanzen und die Götter höchstselbst voller Begeisterung Kometen scheißen werden. Ich hoffe nur, dass ich das noch erleben darf."

Mit seinen Freunden, den Gentleman-Ganoven, legt Locke reiche Adlige auf so vielfach verwundene und trickreiche Weise herein, dass einem beim Lesen vor Freude die Tränen in die Augen steigen. So hortet die Bande bald den Schatz eines Königs in ihren Kellern, doch sie haben nie gelernt, das Geld auszugeben. Es treibt sie die Freude an ihrem Handwerk, die Herausforderung, nicht die Gier nach Gold. Die Gentleman-Ganoven sehen sich als echte Priester des unoffiziellen 13. Gottes von Camorr, des Schutzherrn der Diebe.
Doch mitten in Lockes größten Coup platzt ein unvorhergesehenes Problem: Der geheimnisvolle graue König will die Macht in der Unterwelt von Camorr an sich reißen und dafür braucht er Locke und seine einzigartigen Fähigkeiten, sich in jeden denkbaren Charakter zu verwandeln. Locke wird erpresst, ihm bleibt keine Wahl. Doch damit fangen die Probleme erst an. Bald steht seine Welt lichterloh in Flammen und er braucht all sein Geschick und mehr als nur ein bisschen Glück, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen...

Dieses Buch ist anders als gewohnte Fantasy. Man muss sich darauf einlassen, auf die bunte Welt, auf die ungewöhnliche Erzählweise, die zwischen Gegenwart und Vergangenheit springt, aber damit bald eine so atemberaubende Spannung schafft, dass man sich überhaupt nicht mehr von den Seiten lösen kann und jedes Mal, wenn ein Kapitel endet, man wie wild vorblättern möchte, um zu sehen, wie dieser Handlungsstrang weitergeht.

Der hemdsärmelige Witz, die Situationskomik, die immer wieder an unerwarteter Stelle aufspringt, ist einfach köstlich und eine willkommende Abwechslung von dramatischen Momenten, an denen man so tief in der Geschichte versinkt, dass man einfach kaum ertragen kann, was den Helden nun wieder zustößt.
"Die Lügen des Locke Lamora" ist eines der Bücher, an denen man zum Ende hin so von den Helden gefangen ist, dass man gemeinsam mit ihnen um die Toten weinen möchte, dass man vor Rachsucht brennt, so wie sie auch brennen und dann, wenn sie den Bösewicht endlich in die Hände kriegen, laut schreien will - ja! Hack dem Dreckskerl die Finger ab. Einzeln! Und dann schlitz ihm die Kehle auf. Aber langsam. Lass ihn leiden! Selbst wenn man eher pazifistisch veranlagt ist ;)

Das ist großes Kino, episch und unterhaltsam und überraschend und mit einer sehr eigenen Erzählstimme, der man sich nicht mehr entziehen kann, wenn man sich anfänglich die Geduld genommen hat, ihr zuzuhören.
Ganz tolle Fantasy.
Und die Fortsetzung ist auch schon zu haben - Sturm über roten Wassern.
Ich hab sie mir sofort bestellt.
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Locke Lamora ist ein Dieb. Nein, Locke Lamora ist kein Dieb. Locke Lamora ist ein Gentleman-Ganove. Im Herzogtum Camorr muss sich kein Adeliger vor Dieben, Räubern oder Betrügern fürchten. Dafür sorgt der geheime Frieden zwischen dem Capa (eine Art oberster Maffiaboss) und der Adel. Niemand würde es wagen den geheimen Frieden zu brechen und den Zorn des Capas auf sich zu ziehen. Und jeder weis, dass niemand es wagen würde. Das wissen auch Locke Lamora und seine Freunde von den Gentlemen-Gannoven und so wagen sie es nun schon seit einigen Jahren mit großem Erfolg. Zurecht halten sie sich für unantastbar bis eines Tages ein neuer Spieler die Spielfläche betritt...

Die Lügen des Locke Lamora ist ein Fantasyroman bei dem die Fantasyelemente wichtig sind aber nicht im Vordergrund stehen. Es gibt Magie aber diese ist einigen wenigen vorbehalten. Viel wichtiger ist die Alchemie, die immer neue Wunder wie Leuchtkugeln, alkoholhaltiges Obst oder Tier-Tier-Hybride hervorbringt. Das alles ergibt ein spannendes und stimmiges Bild. Auch ansonsten ist die Welt gut durchdacht und vieles, das für die Geschichte wichtig ist, wird in kleinen Zwischenspielen vorgestellt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht aber der "Titelheld" Locke Lamora. Diesen lernen wir sowohl als Kind als auch als gestandenen Mann kennen. Zunächst laufen diese beiden Erzählstränge parallel. Im späteren Verlauf werden die Episoden aus seiner Kindheit/Jugend immer seltener und das Buch beschäftigt sich primär mit den "aktuellen" Ereignissen. Auch diese werden aber nicht chronologisch erzählt. Scott Lynch versteht es meisterhaft, so zwischen Zeiten und Orten zu springen, dass es der Spannung maximal dient.

Kommen wir zu meinem Urteil. Scott Lynch präsentiert eine interessante und gut durchdachte Welt. Nach einem etwas zähen Anfang von 250 Seiten, während derer man noch nicht versteht, warum das gelesene wichtig ist, nimmt die Geschichte dann mächtig Fahrt auf und versteht sehr gut zu unterhalten. Alles in allem ist das Buch mehr eine Abenteuer- als eine Fantasygeschichte; auch wenn einige der Fantasyelemente sehr wichtig für die Geschichte sind. In vielerlei Hinsicht hat das Buch volle 5 Sterne verdient, da ich aber die ersten 250 Seiten (immerhin mehr als ein Viertel des Buchs) als zäh empfunden habe, vergebe ich 4 Sterne.
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am 5. Juli 2015
Die Lügen des Locke Lamora…

Auf mehr als 800 Seiten wird die Geschichte von Locke und seinen Freunden erzählt, die in der Unterschicht der Metropole Camorra aufwachsen. Das weltliche Vorbild dieses Molochs waren vermutlich die italienischen Stadtstaaten des Mittelalters, zumindest deuten Namensgebung, Politik und technischer Stand darauf hin.

Generell wirkt das Buch sehr durchdacht. Das äußert sich nicht nur in den ausführlich beschriebenen Diebestouren, sondern auch im Schreibstil. Nebensächliche Ereignisse, die in wenigen Sätzen abgehandelt werden könnten, werden seitenlang ausformuliert – das ist nicht unbedingt langweilig, wäre aber auch nicht nötig gewesen. Als Leser bekommt man so aber das Gefühl, dass der Autor noch mehr mit seiner Welt vorhat, und sie deshalb so sorgfältig ausbaut. Als Beispiel hierfür sei das Elderglas genannt, das sicher noch einige verborgene Eigenschaften besitzt.

Obwohl das Buch zeitgemäß als „Für Fans von Game-of-Thrones“ beworben wurde, sind mir eher Parallelen zu Joe Abercombie aufgefallen.
- So sind denn auch die fantastischen Elemente des Romans entsprechend eingegliedert: Magie existiert zwar und gibt den Zauberern große Macht, ist aber nicht alltäglich, im Gegenteil: Die meisten Charaktere begegnen einem angeblichen Zaubertrick mit der gleichen Skepsis wie wir heute. Stattdessen ist die Alchemie als eine Art Ersatz-Magie dargestellt und beinhaltet Aspekte moderner Wissenschaft, wie etwa Elektrizität oder Gentechnik.
- Was sich am Anfang wie eine Robin-Hood-Geschichte liest, nimmt im Laufe der Zeit deutlich an Brutalität zu. Das ist zwar nachvollziehbar, wäre in meinen Augen aber nicht unbedingt nötig gewesen.
- Die förmliche Anrede lautet „Sie“ anstatt „Ihr“. Während man dies noch mit der Fortschrittlichkeit der Welt begründen kann, empfand ich Begriffe wie „Big Boss“ oder „Killer“ als zu modern und damit fehl am Platz.

Trotz vieler Chancen schafft es das Buch jedoch lange Zeit nicht, den Leser zu fesseln. Das liegt vor allem daran, dass der Gegenspieler schier übermächtig ist und die Protagonisten ihm hilflos ausgeliefert sind. Auch wurde auf eine weibliche Hauptfigur verzichtet, und somit auch auf eine, wie auch immer geartete, Liebesgeschichte.

Eine Karte der Stadt Camorra gibt es leider nicht, obwohl ein Lageplan der einzelnen Bezirke sicher nützlich gewesen wäre.

Alles in allem ein Buch, das eindeutig Potential hat, dieses jedoch nicht vollständig ausschöpfen kann. Ca. ein Drittel des Buches nehmen die Raubzüge der Gentlemen-Ganoven ein, ein weiteres Drittel werden sie vom Grauen König herumkommandiert, und erst im letzten Teil nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt zu. Die Welt dagegen ist sehr detailliert dargestellt, was mir gefallen hat. Insgesamt gibt es damit vier Punkte.
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