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Kundenrezensionen

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am 8. November 2001
Vor ein paar Stunden habe ich den vierten Teil von Williams' monmentalem Cyper-Epos beendet, allerdings in englischer Sprache. Daher möchte ich jeden warnen, der mit dem Gedanken spielt, mit "Stadt der Goldenen Schatten" zu beginnen: Die Otherland-Tetralogie verlangt dem Leser viel Kraft und Durchhaltevermögen ab, weil man nach dem Ende des erstens Teils wie süchtig nach Auflösung der Geschichte verlangen wird. Wer es bis dorthin schafft, wird nicht umhin können, den Rest auch zu lesen, egal wie oft man das Buch auch für immer weglegen möchte.
Williams' Charaktere, auch die Nebencharaktere, sind vielschichtig, ungewöhnlich und interessant. Williams selbst hat sich seit Memory, Sorrow & Thorn literarisch weiterentwickelt und präsentiert dem geneigten Leser amtosphärisch dichte Phantasie-Welten, bisweilen sogar in einem recht sprachgewaltigen, bildhaften Stil. Außerdem ist seine Sicht der nahen Zukunft, der des Informationszeitalters, stimmig und nachvollziehbar, wenn auch nicht in allen Aspekten wünschenswert. Trotz Cyberpunk & SF bleibt Williams größtenteils im Rahmen der Vorstellbarkeit, zumindest was das RL (Real Life) angeht. Das mögen alles gute Gründe sein, sich des Werkes anzunehmen, und jedem, der die nun folgenden Kritikpunkte für weniger relevant hält, kann ich die Lektüre nur wärmstens ans Herz legen.
Deutliche Schwächen gibt es im Plot, oder vielmehr bei der Aufrechterhaltung des Spannungsbogens. Am Ende des ersten Teils sind die meisten Fragen gestellt - unsere Hauptcharaktere befinden sich mittem im Getummel einer immer verrückter werdenden Geschichte: Welche Rolle spielt der mysteriöse Mr. Sellars ? Wer ist der verlorene Paul Jonas, der sich selbst nich zu kennen scheint ? Welche Ziele verfolgt die mysteriöse Gralsbruderschaft, ein weltweites konspiratives Konsortium aus Industriemagnaten, und ihr Kopf, der reichste und älteste Mann der Welt - Felix Jongleur ? Und was hat das alles mit dem Zustand von Renies (eine der Hauptakteure) Bruder zu tun ? Der Leser hat, wie die Charaktere, viele dunkle Vorahnungen, aber nur wenig Greifbares in der Hand.
Als Leser hofft man, einige Antworten in Teil 2 zu erhalten... und wird bitter enttäuscht. Dieser ist der schwächste der vier Teile. Die Akteure werden durch eine Vielzahl virtueller Welten geschleudert, die Anlehnungen an Märchen, Mysterien, Sagen und Geschichte in sich vereinigen. Diese sind für sich Kleinode schrifstellerischer Imagination, doch als man sich dem Ende zweiten Teils nähert, hat man zwar viele dieser Welten mit den Charakteren bereist - mehr oder weniger willentlich -, aber immer noch keine wirklichen Antworten. Das Prinzip "Trenne die Gruppe und beschäftige den Leser damit, wie sich die Teilgruppen wiederfinden" hat Williams dabei deutlich überstrapaziert, und den nach Aufklärung lechzenden Leser gleich mit: Es kostet Kraft, diesen zweiten Teil zu beenden - weniger wäre deutlich mehr gewesen.
Leider geht es auch in Teil 3 nicht viel besser weiter. Immer mehr Fragen, immer mehr Verwirrung bis Williams - endlich - im letzten Drittel wieder zur Sache kommt. Langsam verknüpfen sich die Handlungstränge, und damit passen auch die einzelnen Mosaiksteine endlich zusammen. Der Übergang zum letzten Teil ist fast nahtlos, und hier geht es nun wirklich los. Williams treibt die Handlung extrem schnell voran, und jagt von einem zum anderen Höhepunkt - man möchte während keiner der 900 Seiten das Buch zur Seite legen. Harte Arbeit wird belohnt - es gibt endlich die ersehnten Antworten, und alles ist noch viel, viel unglaublicher, als man bisher vermuten konnte.
Wer gewillt ist, sich auf diese lange, faszinierende Reise nach Otherland zu begeben, wird im vierten Teil endlich für die Mühen entschädigt. Und wenn man die letzte Seite umdreht, beschleicht einen der allbekannte Wehmut, dass diese grandiose Geschichte nun zu Ende ist.
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am 17. Juni 2006
Ich habe mir die Otherland-Serie geholt, weil sie mir von verschiedenen Seiten empfohlen wurde und insgesamt wurden diese hohen Erwartungen nur teilweise bestätigt.

Meiner Meinung bietet der Stoff von Otherland sehr großes Potential, dies zeigt sich in der glaubwürdigen, sehr detaillierten Darstellung dieses ‚Universums’ und der verstrickten, wendungsreichen Handlung.

Der Fehler Williams liegt jedoch bei der Länge der Bände: Die Auflösung aller Fragen erwartet den Leser erst nach >3000 Seiten. Zeitweilig durchreisen die Protagonisten ohne erkennbaren Grund (es wirkt recht beliebig, alles andere als zielstrebig) verschiedene 'Welten', wobei jeweils ~100 Seiten zu lesen sind nur damit ein Schlüsselereignis stattfindet, welches die Handlung weiter bringt. Es wird dabei zur Regel, dass die Charaktere aussichtlosen Situation (mal wieder) ganz knapp entkommen. Das an sich ist kein Problem, macht eher das Buch spannend, verliert aber nicht erst beim 10. Mal an Glaubwürdigkeit. Auflockerungen bieten hierbei der Wechsel der Perspektive, oft mehrmals je Kapitel. Dadurch wird immens Spannung an manchen stellen durch cliffhanger aufgebaut, kann aber auch zum Teil nerven, da an einer spannenden Stelle zu einem anderen Handlungsstrang gewechselt wird, der für den Leser zum Teil alles andere als interessant in diesem Moment ist. Gut gelungen sind die Nachrichten-Einschübe zu Beginn jedes Kapitels, diese versetzen einen vor allem zu Beginn der Bücher in die Welt von Otherland.

Fazit: Otherland ist lesenwert, für alle, die in eine sehr detaillierte, fantastische und zukunftskritische Welt kombiniert mit einer interessanten Kernhandlung eintauchen wollen und nicht vor den zum Teil langen ‚Durststrecken’ in der Mitte der Reihe zurückschrecken.
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am 1. Februar 2005
Ich muss zunächst mal anmerken, dass ich mir die Hörspielfassung hauptsächlich deswegen zugelegt habe, weil ich beim Lesen der Bücher nicht über den ersten Teil hinausgekommen bin. Ich hatte die Hoffnung, dass die durchaus gelungene Grundidee der Story in der Hörfassung besser rüberkommt. Vor allem war da die Hoffnung, die für die Umsetzung sicher notwendigen Kürzungen würden für so etwas wie einen Spannungsbogen sorgen. Im Nachhinein kann ich nur sagen:
War wohl nichts.
Man muss um der ganzen Sache gerecht zu werden, fairerweise zwischen der literarischen Vorlage und der Umsetzung trennen. Ich fand den ersten Teil des Buches schon kaum erträglich. Die Beschreibungen der Cyberwelten und der eigentlich vollkommen unerheblichen Details ist einfach zu viel des Guten. Handlungen in mehreren Ebenen mag ich eigentlich sehr, sofern der Autor diese Erzählweise beherrscht. Dies ist hier leider nicht der Fall. Die Handlung ist konfuss und der rote Faden (sollte es da überhaupt einen geben?) wird mehr als einmal völlig verloren.
Die Hörspielfassung ist zunächst beeindruckend, wenn man sich den
Produktionsumfang vor Augen führt. Die Sprecher sind in der Mehrzahl wirklich sehr gut. Was mir persönlich sauer aufstösst, ist die Tatsache, dass die Soundeffekte völlig übertrieben eingesetzt werden und dadurch einige Dialoge praktisch nicht zu verstehen sind. Bevor ich jetzt wie ein anderer kritischer Rezensent an dieser Stelle was auf den Deckel kriege: ja, ich hab mich hingesetzt und in aller Ruhe das komplette Hörspiel konzentriert verfolgt! Einige Dialoge hab ich trotzdem einfach nicht verstanden!!!
Fazit: Für Fans der Reihe sicher zu empfehlen, für Leser/Hörer die besseres gewöhnt sind (und dies auch wollen) gibt es das bei anderen Autoren.
Warum 3 Sterne? 2 für die Story 4 für die Umsetzung
Eine kleine Anmerkung sei mir an dieser Stelle noch gestattet: bei der Lektüre der anderen Rezensionen, die Stellenweise sehr unterschiedlich ausfallen, kam ich nicht umhin festszustellen, dass eine kritische Rezension als "Frechheit" bezeichnet wurde. Dazu möchte ich nur sagen, dass solche Dinge an dieser Stelle völlig unangebracht sind. Es geht hier meiner Meinung nach um ehrliche Rezensionen und nicht die Seelenmassage eingeschworener Fans.
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am 22. September 2004
Otherland ist ein Netzweltimperium, in dem man sich jede (Fantasie-)Welt erschaffen kann. Man muss nur das nötige Kleingeld haben. Und so wird diese Welt von den reichsten Männern und Frauen der Welt regiert. Diese Gruppe, die sich Gralsbrüderschaft nennt, hat ein Ziel: Die Unsterblichkeit. Nach ihrem Tod möchten sie in dem gigantischen Netzwerk weiterleben. Doch für den Erhalt nutzen sie die Energie von Kindern.
Nur einige haben überhaupt eine Ahnung, dass es Otherland gibt und welche Gefahren es in sich birgt. Und so macht sich eine Gruppe von Leuten auf, die hinter das Geheimnis von Otherland kommen will.
Renie Sulaweyo ist eine von ihnen. Sie wollte nie eine Heldin werden, doch als ihr kleinen Bruder an jener geheimnisvollen Krankheit erkrankt, will sie ihn retten. Zusammen mit dem Buchmann !Xabbu und der blinden Französin Martine Desroubins begibt sie sich ins „Otherland". Dort treffen sie auf Verbündete, aber auch auf echte Feinde.
Die Lage spitzt sich zu, als sie merken, dass sie nicht mehr in die reale Welt zurückkönnen und die virtuellen Gefahren sie töten können. Die Zeit wird knapp, aber unbeirrt setzen sie ihren Weg fort, bis es schließlich zum großen Countdown kommt.
Ein gigantisches Vorhaben. Vier Bücher, das sind mehr als 3500 Seiten, die ergaben ein 24 stündiges Hörspiel, das in drei Monaten Produktionszeit vertont werden musste. Mehr als 250 Schauspieler wirkten an diesem Hörspiel. Bekannte Namen wie: Sylvester Groth, Sophie Rois, Ernst Jacobi, Matthias Habich, Maria Schrader, Rufus Beck, Thomas D., Julia Hummer, Andreas Pietschmann, Udo Schenk, Marc Hosemann, Jutta Hoffmann um nur einige zu nennen.
Produziert vom Hessischen Rundfunk, ist es das längste Hörspiel in der Geschichte der ARD. In einem Interview betont der Regisseur Walter Adler, dass es im aber nicht um das „Rekord-Hörspiel" ging, sondern ihm besonders die gesellschaftspolitische Brisanz des Buches am Herzen lag. Er sieht in Otherland „eine sehr genaue Analyse der bestehenden Verhältnisse, was Macht will und kann, wie Macht unmoralisch ohne jede Zurückhaltung, ohne irgendeine moralische Bremse sich ausbreiten kann, wenn sie nicht kontrolliert wird."
Mit sehr viel Liebe zum Detail und Authentizität lässt uns der Regisseur in die Welt von Otherland eintauchen. Wer die Bücher mochte, wird dieses Hörspiel bestimmt lieben. Und wer zu faul war, sich durch die Wälzer zu lesen, hat nun endlich die Möglichkeit durch die Hörspiele in den Genuss dieser fantastischen Geschichte zu kommen.
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am 10. Oktober 2005
Das Hörspiel ist eine sehr gute Umsetzung der Roman-Vorlage. Das kann man aber erst schätzen, wenn man das Buch gelesen hat. Die Figurenvielfalt ist beim ersten Hören sehr schwer mitzuvollziehen, hinzu kommt, daß man die Sprecher teilweise sehr schwer versteht, sei es wegen zusätzlicher Soundeffekte, Verzerrungen oder aber gewollt hektischen Sprechens. Hat man das Buch gelesen, ist es faszinierend, die Charaktere auf diese Art zum Leben erweckt zu sehen, hat man es nicht gelesen, ist es häufig verwirrend, zumal auch Szenen ausgelassen werden, die eigentlich zum Verständnis der Handlung notwendig wären, so daß es bisweilen recht große Zeit- und Handlungssprünge gibt. Beim ersten Hören stellt sich somit auch eher Frust als Genuß ein. Was noch unverständlich erscheint, ist die Tatsache, daß das Ende des ersten Hörspielteils noch viele Fragen offen läßt, die das Ende des ersten Bandes der Romanvorlage aber beantwortet. Daher bekommt dieses Hörspiel auch nur 3 Sterne, obwohl es von der Qualität und dem Aufwand her eigentlich mehr verdient hätte
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am 12. Juni 2005
Ein (wie von den ARD-Anstalten gewohnt) sehr gutes Hörspiel - mit erstklassigen Effekten, fantastischer Originalmusik und vor allem hervorragenden Sprechern. Dieses Hörspiel beeindruckt genauso wie die SWR/WDR-Umsetzung vom Herrn der Ringe. (Wobei dies der einzige Vergleich zwischen den beiden Werken ist, den ich ziehen möchte.) Die Sprecherriege umfaßt Namen wie Hans Peter Hallwachs (gut bekannt als Aragorn im "Herr der Ringe"-Hörspiel), Dietmar Mues (ebd. der Gollum), Matthias Habich (Alberto Knox in "Sophies Welt"), Michael Quast (eigentlich eher auf Kabarett-Böden zuhause), Charles Brauer (bekannt aus dem "Tatort" mit Manfred Krug) - und im zweiten Teil dann auch noch Meret Becker und Felix Mannteufel (Arthur Dent im "Anhalter"). Die Namen zeugen von Professionalität - und der Hörer wird nicht enttäuscht werden.
Unter der Regie von Walter Adler entsteht so eine vielschichtige Welt in der Zukunft - in der das Internet eine noch viel größere Ausdehnung und Bedeutung hat als in unseren Tagen. Die Geschichte wurde ja bereits ausgiebig wiedergegeben, weshalb ich hierauf verzichte.
Allein einen halben Punkt Abzug würde ich geben (wenn dies möglich wäre), da die Story für jemanden, der zwar Fantasy- und ScienceFiction-Erfahrung hat, aber die Bücher von Williams nicht gelesen hat, sehr verworren daherkommt. Es gibt ca sechs verschiedene Handlungsstränge, die alle innerhalb der ersten halben Stunde begonnen werden. Zwar bekommt jede Handlung einen eigenen Erzähler (eine sehr gute dramaturgische Entscheidung, die das Verstehen durchaus erleichtert) - nichtsdestotrotz hat man seine liebe Mühe, zu begreifen, was in welcher Zeitepoche (es gibt mehrere, vom ersten Weltkrieg bis zur fernen Zukunft)tatsächlich geschieht. Von Verbindungen der einzelnen Stränge ganz zu schweigen. So mußte ich die erste CD dreimal anhören, bis ich mich zur zweiten vortasten konnte - und es ist ein absoluter Irrglaube, zu denken, man könne dieses gigantische Hörspiel "nebenher" konsumieren.
Für diesen Umstand einen ganzen Stern abzuziehen, wäre aber in höchstem Maße unfair - zumal es in der Vorlage selbst begründet ist, nicht in der Hörspielumsetzung.
Alles in allem: Beste, perfekte Hörspielunterhaltung für Menschen, die phantastische Geschichten mögen. Tip: Eine Tasse Tee machen, Kekse holen, ab ins warme Bett - und es ist unerheblich, ob der Sommer denn nun doch noch kommt oder nicht...
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VINE-PRODUKTTESTERam 26. November 2003
Stadt der goldenen Schatten der spannende Anfangsband einer intelligenten, wenn auch sehr komplizierten Geschichte. Aber für solche Bücher ist Tad Williams (Osten Ard) ja bekannt.
Wortgewaltig und wie üblich auf vielen, vielen Seiten erzählt Williams die Geschichte einer Verschwörung mächtiger Männer (der Gralsbruderschaft), die das Simulationsnetzwerk Otherland entwickelt haben. Und dieses ist wirklich ein "anderes Land", denn seine Benutzer treten ein in eine virtuelle Welt der unbegrenzten Möglichkeiten.
Der erste Band dient größtenteils der Vorstellung jener neun Menschen, die sich der mächtigen Gralsbruderschaft entgegenstellen werden. Unter ihnen sind Bürger Afrikas, wie die Lehrerin Renie Sulaweyo und ihr Schüler, ein Buschmann namens !Xabbu, der versucht, seine von der immer fortschrittlicher werdenden Welt bedrohte Kultur zu erhalten. Auch ein kranker Junge namens Orlando, der - ans Bett gefesselt - in der virtuellen Welt von Otherland ein muskelstrotzender Krieger ist, gehört zu diesem Personenkreis.
Ich kann am Ende von Stadt der goldenen Schatten nur über Williams Einfallsreichtum staunen! Unendlich viele Ideen breitet er vor seinen Lesern aus und relativ einleuchtend gelingt es ihm, die Cyberwelt zu erklären. Zusätzliche Atmosphäre schafft er durch Netfeed, ein Newsticker, der jedem Kapitel voran gestellt ist und - von der Geschichte unabhängige - Nachrichten verkündet, die irgendwie auch in unsere Zeit gehören könnten. Ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Band, denn in Band eins scheint Williams nur den Grundstein für eine komplexe Geschichte gelegt zu haben (weshalb ich mich mit der Benotung auch noch ein wenig zurück halte).
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am 3. April 2007
Was für eine Produktion der Superlative: das aufwändigste Hörspiel, die meisten und bekanntesten Sprecher, das größte Hörspiel überhaupt. Mit "Otherland" werden wirklich neue Masstäbe gesetzt, was die Produktion von Hörspielen angeht. Doch Viel und Groß kann auch überanstrengen.

Kümmern wir uns aber zunächst mal um die - zugegeben - etwas verworrene Geschichte. Dem potentiellen, interessierten Leser/Hörer nicht zu viel zu verraten, ist dieses mal ausnahmsweise nicht so schwer, denn Tad Williams hat mit "Stadt der goldenen Schatten" ein dramaturgisches Labyrinth zu bauen begonnen: eine kaum durschaubare Handlungsverwickelung unzähliger Charaktere, die mit jedem Kapitel noch verworrener wird, so dass sich mir irgendwann die Frage aufdrängte, wie der gute Mann denn das noch ent-wickeln will. Nun gut, da kommen ja noch 3 mal 6 CDs.

Otherland spielt in einer Zukunft in der zahlreiche virtuelle Netzwerkwelten Lebensmittelpunkt der meisten Menschen sind. Wenn man die entsprechende Ausrüstung hat kann man diese computergeneriereten Simulationen so authetisch erleben, dass kein Unterschied zur Wirklichkeit auffällt. Nur sind viele diese Welten überaus grotesk, oder die Simulation von Mythologien. Die Person als die man sich im Netz zu erkennen gibt, muss in keinster Weise dem realen Ich entsprechen: so können beispielsweise 14 jährige Jungen als muskelbepackte supercoole Barbaren herumlaufen, oder moderne Buschmänner in Paviangestalt agieren.

In dieser Welt lebt Reni, die bald damit konfrontiert werden, dass Kinder scheinbar grundlos ins Koma fallen. Zusammen mit ihrem Schüler dem Buschmann !Xabu (das ! steht für einen Schnalzlaut, den die Sprecher großteils computertechnisch gestützt bewältigen) macht sich Reni auf die Suche nach Erklärungen. Schon bald ist sie verstrickt in eine große Verschwörung mächtiger Personen, wie es scheint.

Reni ist nicht die einzige Hauptperson der Geschichte. Williams hat in diesem ersten Roman eine unglaubliche Flut von Personen eingeführt, und mit dem Hören der ersten 6 CDs ist bei weitem noch nicht klar, welche von ihnen noch größere Wichtigkeit bekommen werden. Darum möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel erzählen.

Einige der Handlungsstränge dieser Personen treffen sich aber schon in diesem ersten Teil der Geschichte: eine Gruppe von Personen die - so wie Reni auch - Bilder einer goldenen Stadt zugespielt wurden, und die sich auf die Suche danach machten. Es scheint so, als wäre diese Gruppe ausgewählt, die Verschwörung zu verhindern.

Williams' Welt ist ein Feuerwerk an Phantasie. Eine unglaubliche Idee reiht sich an die nächste, so dass man als Zuhörer erschlagen wird von der schieren Masse an Informationen. Manchmal erschwerte mir das, der Geschichte zu folgen. Die unglaublich verworrene und sehr undurchsichtige Dramaturgie erzeugte allerdings Spannung, und machte mich stets neugierig auf das nächste Kapitel.

Was dieses Hörpsiel wirklich von Anderen unterscheidet ist das hohe technische Niveau der Aufnahmen und Abmischungen. Leider liegt hier auch eine große Schwierigkeit der Produktion. Manchmal hat es die Regie mit gewissen Effekten zu gut gemeint. Geräusche die - Stereo sei dank - nur über eine Lautsprecher-Seite laufen, während Sprache auf der anderen Lautsprecher-Seite abläuft, oder endloses nervtötendes Geschrei, Maschinengewehrsalben oder andere atmosphärische Klangteppiche, stellten meine Nervenstärke mehr als nur einmal tatsächlich auf die Probe, und auch die gewollte überzogene Spielweise mancher Sprecher kombiniert mit computertechnischer Stimmmodulierung ließ in mir mitunter leichte Aggressionen aufkommen. Vermutlich lag es daran, dass ich die CDs zum Laufen hörte und den Ton direkt via Kopfhörer ins Hirn gehämmert bekam.

Fazit: Irgendwie will sich trotz all der Superlative und der Perfektion der Sprecher, der Regie und der gesamten Produktion bei mir trotzdem nicht so recht Euphorie einstellen. Das liegt einfach daran, das Williams' seine Geschichte zu groß aufgeblasen hat, und stellenweise die Absicht des Autors ein großes monumentales Epos zu verfassen sehr stark sichtbar wird. Das in Verbindung mit den bereits erwähnten nervtötenden Eigenarten, erklärt die mit drei Sternen sehr schlechte Bewertung für eine Produktion mit diesem enormen Aufwand.
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am 10. November 2006
Da ich Otherland gelesen hatte als der vierte Teil noch nicht draussen war und nun diesen irgendwann auch lesen wollte, dachte ich, ich höre einfach das Hörspiel, um mir die komplexe Handlung wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Da ich neben Hörspielen mich immer noch anderweitig beschäftige (abwaschen, aufräumen, was weiss ich...) ist meine Aufmerksamkeit zugegebenermaßen nicht vollständig. Dennoch kann ich normalerweise ganz gut folgen. Doch obwohl ich eigentlich die Vorlage kenne, konnte ich teilweise die Handlung überhaupt nicht einordnen, fand den roten Faden nicht oder wusste nicht, wer gerade spricht. Vielzuviele Hintergrundgeräusche und zu viele verzerrte Stimmen. Trotz äußerster Konzentration konnte ich Orlandos "Käfer" nicht verstehen, was mich jedes Mal verärgert hat.

Die Konsequenz ist, das Tad Williams Werk meines Erachtens nicht so "rüberkommt", wie es verdient wäre. Es wirkt zu sinnlos aneinandergereiht, und besonders der NETFFEED (im Buch sind es kurze Ausschnitte, wie aus Zeitungen aus dem normalen Leben dieser Zeit, in der sich die verkommene, ans abartige grenzende Gesellschaft zu erkennen gibt) wirkt deplaziert und verwirrend, da weder ein Zusammenhang oder eine Kapitelabgrenzung erkennbar sind. Wünschenswert wäre ein häufigerer Einsatz des Erzählers, der mehr Struktur geben kann, gewesen.

Fazit: Trotz Kenntnis des Buches nicht nachvollziehbar. Kennt man es nicht, so kann ich mir nicht vorstellen, dass man nach diesem Hörspiel jemals das Buch lesen möchte... Schade.
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am 26. März 2006
Es sagt sich leicht und schnell, und es steht leider auf jedem langen Hörspiel hinten drauf - aber das ist wirklich ein Meilenstein. Von diesen vier Mal sechs CDs wird man noch Jahre reden.

Das andere grosse Fantasy-Hörspiel, das sich immer noch gut verkauft, "Der Herr der Ringe", zehrt nur von seiner Vorlage. Es ist weder so gut gekürzt, noch so gut dirigiert oder gesprochen. Es wurde hier bereits viel über die vorzüglichen "Otherland"-Sprecher gesagt. Aber die ausserordentlich fantasiereiche Klanglandschaft tut das Ihrige dazu. Die Tatsache, dass manches in ihr untergeht oder nicht auf Anhieb verständlich ist, verstärkt den Realismus nur. Das ist keine Hype, das ist sorgfältige Arbeit. Ich kann vor dem "Otherland"-Team nur den Hut ziehen.

Wenn es für manche Kundenrezensenten zu sehr zischt oder quietscht oder fiept in dieser Geschichte, wenn es ihnen zuviele Stimmen sind, so muss man sich schon wundern, was sie denn erwartet haben von einer Geschichte, die sich in Dutzenden Handlungssträngen mit einer Unzahl Protagonisten hauptsächlich in Computern und virtueller Realität abspielt? Wie hätte man das alles sonst lösen können? Der Kniff, mit zahlreichen Erzählern zu arbeiten, die dem Geschlecht der jeweiligen Hauptperson entsprechen, ist geradezu genial. Es versetzt einen in die Lage, sofort umzustellen auf eine neue Ebene, sogar mehrere Handlungen ineinander verschlungen zu erzählen - bloss zu erzählen! Wie bequem wäre es gewesen, "Otherland" genauso als unvertonbar abzutun, wie es als unverfilmbar gilt. Aber das wäre kein Respekt gewesen, sondern Fantasielosigkeit. Diese Crew hat es gewagt - und gewonnen!

Tatsächlich fordert dieses Hörspiel Aufmerksamkeit. Nicht selten musste ich eine Nummer zurückskippen (das kann man, das ist keine Schande!), weil ich festgestellt hatte, das mir etwas entgangen war. Und ohne Zweifel werde ich dieses Riesenwerk - und ich rede hier von allen vier "Otherland"-Teilen - irgendwann noch einmal hören. Aber das ist seine Stärke, keine Schwäche. Zum ersten Mal fühle ich mich so ernst genommen wie ein Leser. Die üblichen dahinplätschernden und überexpliziten Hörspiele haben ab jetzt Konkurrenz bekommen.

Ich schreibe das eigentlich in Wehmut. Viele Wochen haben mich die "Otherland"-Charaktere jetzt begleitet. Von den rätselhaften und oft tatsächlich unangenehmen Anfängen (eine fröhliche Geschichte ist das nicht!) bis zum bewegenden Schluss. Jetzt komme ich mir auf einsamen Autoreisen noch einsamer vor und muss nach Ersatz suchen.

Und trotzdem: Ich kann nur empfehlen, den Schritt in Tad Williams' Meisterwerk zu wagen. Notfalls kann man ja wieder von vorne beginnen...
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