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am 20. Januar 2016
Wer von einem Buch mehr als leichtverdauliche 0815 Fantasysprache erwartet, wer bereit ist einen Satz auch 2 Mal zu lesen und sich mit dem extravaganten Schreibstil des Autors, der es sich durchaus auch mal erlaubt auf die Nerven zu gehen, auseinander zu setzen, wird hier auf seine Kosten kommen.
Christoph Marzi spielt mit Sprache, und was in manch einer Rezension als störend empfunden wurde, sind Stilmittel die dem Leser etwas abverlangen. Packend schreiben kann jeder, es nicht zu tun und denoch ein packendes Buch abzuliefern ist Kunst.
Es fordert sich in den rasanten Zeiten- & Perspektivenwechseln zurecht zufinden und alte Bekannte aus anderen Geschichten oder sogar deren ganze Geschichte in neuem Kontext wiederzuentdecken.
Wer sich hier beschwert dass "geklaut" wurde ruft auch die Polizei wenn im Radio ein Cover eines bekannten Liedes läuft.
Marzi nimmt Altbekanntes, bedient sich dabei bei der Dickens, Standard-Fantasyliteratur, John Milton und sogar der Bibel und schafft etwas großes Neues, schlägt Bögen die schon fast Kreise sind und stellt Zusammenhänge her wo vorher Widersprüche waren, das alles in einer beklemmenden Stimmung mit verstörenden Protagonisten vor einer aberwitzigen Kulisse.
Das ist große Kunst fordert aber einen wachsamen, geduldigen und an Sprache interessierten Leser...-Nichts für Fans von Harry Potter oder Eragon, wer sich berieseln lassen will ist hier falsch.

Kleiner Tipp: Die Fahrt wird nicht weniger spannend und mit dem Ortswechsel nach Paris und Prag werden auch für diese Städte spezifische historische Ereignisse, Gestalten und Schriftsteller aufgegriffen.(Wunderschöne Verknüfung von Kafkas Verwandlund und Kafkas Prozess so feinfühlig in die Prager Handlung eingebettet dass es jedem der diese Bücher nicht kennt nie auffallen würde.)
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Ich besitze das Buch Lycidas noch mit dem alten Cover und ich muss sagen das es mir besser gefiel als das jetzige. Aber das ist eben reine Geschmackssache. Wie schon gesagt das alte Cover finde ich wunderschön. Insgesamt die ganze Aufmachung des Buches den Klappentext mit einbezogen-super! Lädt wirklich zum Lesen ein, jedenfalls erging es mir so. Dann als ich mit dem lesen begann, hatte ich so meine Probleme. Christoph Marzis Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Die abgehackten Sätze störten mich am Anfang sehr. Auch muss ich sagen das ich den ersten Teil des Buches sehr langatmig fand. Ich weiß der Autor soll durch Beschreibung der Umgebung den Leser mitnehmen. Aber ich fand es im ersten Teil des Buches einfach zuviel des Guten. Auch die häufigen Wiederholungen im Buch nervten ein wenig. Zugeben muss ich auch das ich bei den ersten 250 Seiten öfters mit dem Gedanken spielte das Buch zur Seite zu legen und nicht mehr weiter zu lesen. Dann aber, weil ich durchhielt begann ich ab den zweiten Teil,,Lilith'' das Buch zu lieben. Wirklich es erfasste mich, wurde immer spannender und ich genoss es weiter zu lesen. Ich konnte es kaum abwarten erfahren wie es mit Emily Lang und den anderen Charakteren weiter geht.So sehr das ich mir auch den zweiten Teil(wieder mit alten Cover) besorgt habe. Alles in allem. Ein tolles Buch. wer den ersten Teil des Buches durchhält wird es lieben.
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am 5. Mai 2013
Ein Buch, das Lust auf mehr macht! Lange war ich eher Krimis zugetan, obwohl ich doch auch gerne Fantasy lese (Terry Pratchett hauptsächlich). Aber irgendwann wurden mir die erfundenen Geschichten auf der Scheibenwelt zu langweilig. Ich griff zu Alternativen ("Kind des Raben"), aber das enttäuschte mich nur noch mehr. Also las ich nur noch Krimis. Eines Tages jedoch entdeckte ich das eingestaubte, vergessene Buch "Lycidas". Ich wusste nicht um was es geht, ich kannte den Autor nicht. Ich begann trotzdem zu lesen. Und siehe da! Ich war von der ersten Seite an gefesselt! Mit der Sprache des Erzählers war ich sofort Freund! Genau mein Stil, wenn auch ein wenig hochgestochen. Egal, wunderbar erzählt. Mit Höhen und Tiefen. Eine Wahnsinnsgeschichte, die gut und nachvollziehbar erzählt wird! Tolle Charaktere, faszinierend und spannend. Auch Bösewichte kriegen ihre Chance. Man hat sogar ein wenig Mitgefühl mit ihnen und versteht, warum sie handeln, wie sie es nun mal tun.
Ein Buch für Erwachsene! Gar keine Frage! Für Kinder und Jugendliche völlig ungeeignet, weil viel zu "brutal"! Für alle anderen sehr zu empfehlen!
Sehr gefesselt hat mich außerdem die Tatsache, dass (sprechende) Ratten zu den Charakteren zählen. Vielleicht hat mir das Buch deshalb so gut gefallen, weil ich ein großer Rattenliebhaber bin. Ich weiß es nicht. Für mich enthält das Buch die perfekte Mischung. Wunderbare Charaktere, für jeden was dabei! Die Story ausschweifend, aber zusammenhängend. Ein bißchen wie in dem Film "Die Stadt der verlorenen Kinder" mit Ron Perlman (wer beides kennt, weiß was ich meine :o).
Alles in allem, grandioses Buch! Ich werde, inspiriert von diesem einen Buch, wieder öfter Fantasy-Romane lesen!
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am 3. Mai 2008
'Lycidas' ist ein ungewöhnliches Buch - in mehrerlei Hinsicht.
Zunächst die Welt, in der es spielt. Sie fühlt sich zuerst viktorianisch an, man gewinnt den Eindruck, die Protagonisten seien im London des neunzehnten Jahrhunderts unterwegs, zwischen Wehrwölfen und Gespenstern und all diesen Dingen ...
Aber es ist ganz anders. Tatsächlich handelt die Geschichte im Hier und Jetzt, in einem modernen London, das jedoch erweitert ist um die 'Uralte Metropole', eine Stadt unter der Stadt, Heimstätte mystischer Rassen und Kreaturen, die sich aber erstaunlich nahtlos mit der Oberstadt verzahnt. Marzi's Phantasiewesen gehen ganz selbstverständlich mit der Moderne um, denn sie sind schon immer dagewesen, haben Zeitalter kommen und gehen gesehen. Und in seinem Universum verbringen Engel ihre Tage eben damit, als Straßenmusikanten Sonne in die Herzen der Passanten zu spielen. Manchmal.
Dieses Universum und seine Bewohner sind spannend und anders als alles, was man aus dem Genre kennt. Der Autor spielt mit bekannten Referenzen, verändert sie gleichzeitig aber so subtil, dass tatsächlich etwas Neues entsteht.

Auch die Erzählweise besitzt einen ganz eigenen Charme.
Mit unbekümmerter Leichtigkeit wirft der Autor alles über den Haufen, was die Theorie des Schreibens gemeinhin für gut und richtig hält. Er wirbelt durch Zeiten und Perspektiven, und das Erstaunliche daran ist, dass es funktioniert. Sogar erstaunlich gut.
Auf den ersten Seiten hat mich dieser Erzählstil befremdet, doch dann entwickelt er immer mehr Charme und vermag den Leser schließlich so sehr zu fesseln, dass der das Buch nicht mehr zur Seite legen mag.

Schließlich die Handlung selbst.
Ich könnte 'Lycidas' nicht auf Anhieb in ein Genre einordnen - es ist düstere Fantasy, Märchen und Krimi zugleich, wobei ich Krimi im Sinne der Sherlock-Holmes-Geschichten interpretiere.
Aber auch das trägt zur Faszination bei. Gerade weil das Buch keiner Genre-Regel eindeutig folgt, kann es sich Überraschungen leisten, spannende Wendungen und aufregende Bilder.

'Lycidas' ist eines dieser Bücher, das man abends im Bett zu lesen beginnt und plötzlich bemerkt, dass es schon vier Uhr morgens ist. Und sich dann denkt - ach egal, nur noch zehn Minuten...
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am 29. September 2011
Eines der besten und fantasiereichsten Bücher, die ich je in meinem Leben gelesen habe. Die Geschichte der kleinen Emily, die mir nichts, dir nichts aus ihrem gewohnten Leben gerissen wird, ist einfach zauberhaft. Man fiebert als Leser bei jedem Schritt der Hauptfigur mit. Ärgert sich über Charaktere. Fürchtet sich. Man ist von der Abenteuerlust gepackt, wenn es darum geht, immer weiter in die alte Metropole hinabzusteigen.
Christoph Marzi hat eine wunderbare Welt geschaffen, in der man auch bekannte Figuren aus unterschiedlichsten Geschichten findet. Sei es Mythologie oder schlicht und einfach Dorian Gray von Oscar Wilde!
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am 26. November 2013
Für mich unübersichtlich geschrieben und zu langatmig. Ich empfand die Sache mit den Engeln als verwirrend. Schade das ich das Buch gekauft habe.
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VINE-PRODUKTTESTERam 24. Mai 2012
Teil 1 von 3 und einem Ableger der Romane um die uralte Metropole. Wo die alten Götter sich zum Chef der Handelsgilden aufschwingen, Spinnen Kolonien bilden und die Zeit anders läuft als im Rest der Welt...

Man muss sich bei diesem Buch eine Sache vor Augen halten, was sich auch in den Rezessionen widerspiegelt: Man liebt dieses Buch oder man hasst es. Ich habe nie, wirklich nie die Antwort erhalten "so lala.".

Emily Laing, Waisenkind aus dem verlotterten Stadtteil Rotherhithe (man möge mir verzeihen, falls falsch geschrieben) in London, flieht auf Anraten einer Ratte namens Lord Brewster aus dem Waisenhaus und wird von dem verschrobenen Alchemisten Wittgenstein aufgelesen.
Von da an taucht das junge Mädchen ein in die Stadt unter der Stadt. Die Uralte Metropole war immer und wird immer sein.
Bevölkert von sagenhaften Gestalten und Göttern, kann man dort unten sein Glück machen, oder einen schrecklichen Tod finden.
Und dann hält eine grausame Mordserie beide Städte in Atem. Wem kann man trauen? Die Antwort ist denkbar simpel: niemandem...

Ich habe vor einigen Jahren versehentlich zuerst das dritte Buch "Lumen" gelesen, da mir nicht bewusst war, dass es sich um den Abschlussband einer Triologie handelt.
Und ich habe mich sofort in Marzi's Uralte Metropolo verliebt! Bis heute sind die Bücher einige meiner Liebsten, die schon so zerlesen sind, dass man sie niemandem mehr ausleihen kann und die ich immer wieder gerne zur Hand nehme.

Einige der Leute, die die Bücher hassen, werfen dem Autor Diebstahl an den großen Weltklassikern vor. Doch ich sehe das ganze anders, auch wenn Gemeinsamkeiten kaum von der Hand zu weisen sind.
Marzi liebt Märchen und Legenden. Er liebt sie so sehr, dass er den großen Erzählern der letzten 3.000 Jahre eine neue Plattform geben wollte.
Wer verbietet es ihm Dickens wieder ins Leben zu rufen? Warum sollte er nicht die Legende von Rattenfänger aufgreifen? Wieso nicht Milton und Dante zitieren?
Marzi hat nie behauptet, dass er nicht einige Motive aufgegriffen hat, vielmehr gesteht er den alten Meistern mit einer Verbeugung seine lebenslange Liebe.

Ich mag Emily und muss sagen, dass ich mir ihr sehr verbunden fühle. Das Schicksal war zu ihr und ihren Gefährten sehr grausam und Emily opfert alles, was sie liebt für die, die sie liebt.
Wittgenstein mit seinem schrägen und trockenen Humor muss man einfach liebgewinnen.

Viele Gestalten bleiben jedoch im ersten Band etwas undurchsichtig, was jedoch seinen Sinn hat. Ich kann Ihnen versprechen, dass die Geschichte mit jedem Band noch viel, viel besser wird.

Marzi's Schreibstil ist der Grund, warum man das Buch liebt oder hasst. Er schreibt unglaublich prosaisch und bildhaft. Er benutzt ohne Ende Metaphern und erfindet den Begriff "Blumige Sprache" fast ganz neu. Man muss es eben mögen.

Fazit: Ich liebe, liebe, liebe diese Bücher und möchte sie jedem warm ans Herz legen. Egal, wie alt Sie sind, egal, welchem Geschlecht Sie angehören, wenn Sie sich ein bisschen für die Märchen Ihrer Kindheit zu öffnen vermögen, dann geben Sie dem Buch eine Chance!
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am 23. Februar 2015
Das Schicksal hat es nicht gut gemeint mit Emily Laing. Das einäugige zwölfjährige Mädchen lebt in einem Waisenhaus in London unter der Fuchtel eines sadistischen Reverend Dombey. Doch eines Nachts bekommt sie Besuch von einer sprechenden Ratte, und ein anderes Waisenmädchen wird von einem Werwolf entführt – und Emily findet sich in einer ganz und gar phantastischen Welt wieder. Tief unter London liegt die Uralte Metropole, eine uralte unterirdische Stadt, bevölkert von Lichtengeln und gefallenen Engeln, von aristokratischen Ratten und wohlwollenden Spinnen, antiken Göttern und insektenartigen Ungeheuern. Gemeinsam mit ihrer Freundin Aurora, dem Alchemisten Wittgenstein, dem Elfen Maurice Mickelwhite und dem Irrlicht Dinsdale dringt Emily in dieses bizarre Labyrinth vor. Denn diese Welt ist bedroht. Zunächst einmal scheint es nur um die Fehde zwischen zwei verfeindeten Elfenhäusern zu gehen. Doch ganz tief unten lauert etwas noch viel Bedrohlicheres. Welche Rolle spielt Emily in diesem großen unterirdischen Spiel um Macht und Leben?
Atemberaubend, wie der Autor Mythen und Überlieferungen aus allen möglichen Kulturkreisen aufgreift und zusammenrührt. Luzifer selbst und Adams erste Frau Lilith geben sich ein Stelldichein, ebenso wie Dante, John Milton, John Dee, Anubis, Rabbi Löw und der Golem, Admiral Nelson und die Tauben vom Trafalgar Square, der Rattenfänger von Hameln, und auch Anspielungen auf „Oliver Twist“, „Dorian Grey“ und „Schneewittchen“ bleiben nicht aus – und alles hängt irgendwie miteinander zusammen. Also zunächst einmal eine grandiose abend- und morgenländischen Mythenrevue.
Leider weist “Lycidas” auch große handwerkliche Schwächen im Erzählerischen und im Sprachlichen auf. Es gelingt dem Autor nicht, seinen Spannungsbogen durchgehend aufrecht zu erhalten. Es ist zwar richtig, dass es wunderbar und sehr spannend geschilderte Situationen und wirklich interessante Personen und Motive gibt. Dazwischen aber verheddert sich die Handlung aber immer wieder im Dickicht von Handlungsabläufen und Beweggründen, bei denen es teilweise schwierig ist nachzuvollziehen, wer sich warum wie verhält und warum Emily dauernd durch die Londoner Unterwelt stolpern muss.
Die Wahl von Emilys Mentor Wittgenstein als Ich-Erzähler ist ziemlich unglücklich, da dieser einen großen Teil von Emilys Abenteuern gar nicht selber miterlebt. Dass er trotzdem immer bis ins Innerste hinein weiß, was Emily erlebt und empfindet wirkt, gelinde gesagt merkwürdig. Dass über ein umfängliches Wissen über die Intrige, in die Emily verwickelt ist, verfügt, aber immer nur dann damit herausrückt, wenn es dem Autor gerade dramaturgisch in den Kram passt, ist schon eher ärgerlich. Überhaupt weist der Autor eine gewisse Neigung dazu auf, immer wenn er sich in einen erzählerischen Engpass hineingeschrieben hat, irgendjemanden auftauchen zu lassen, der bereits gewonnene Erkenntnisstände mit neuen Informationen wieder verwirrt. Das verkompliziert das Ganze zusätzlich. Wohlgemerkt: es gibt eine große Linie, einen roten Faden, aber es fällt manchmal schwer, diesem zu folgen.
Was den Stil anbelangt, so fällt ziemlich bald auf, dass der Autor eine Schwäche für ständige Zeilenumbrüche hat. Immer wieder sind Absätze auf einen einzigen Satz oder gar ein einziges Wort reduziert. Zum Beispiel:

„Dann kam es aus dem Schatten heraus.
Behände.
Drohend.“

Oder:
„Emily sah mich an.
Verwirrt.
Ängstlich. „

Dazu kommt, dass öfter auch mal das Subjekt eines Satzes weggelassen wird. Zum Beispiel:
„Emily schwieg.
Starrte nur.
Sog jede Sekunde des Schauspiels in sich auf.“

Es mag sein, dass der Autor dies als Stilmittel einsetzt, um eine Atmosphäre atemloser Spannung zu erzeugen. Auf mich wirkt dies
Holprig.
Ungeschickt.
Nervtötend.
Auf Dauer jedenfalls.

Es führte auch dazu, dass ich auch über Schwächen in der Wortfindung oder –bildung (Beispiele: eine Schuluniform sei „traditionsverheißend“ oder Licht sei „flutend“), und sich ständig wiederholende dämlich Füllsel wie „Nun denn“, die ich ansonsten sicherlich übersehen hätte, stolperte.
Und trotzdem: unterhaltsam ist das Ganze allemal. Die zahlreichen Längen und Ärgernisse im Erzählfluss werden nämlich durch den Erfindungsreichtum des Autors oftmals wieder wettgemacht. Insbesondere seine Fähigkeit, neue Wesen zu erfinden oder altbekannte Kreaturen neu zu interpretieren ist beeindruckend. (Meine persönlichen Favoriten sind der traurige Engel Rahel und der „Aphrodit“ Dorian Steerforth.) Anders ausgedrückt: die gesamte Konstruktion des Buches wackelt und ächzt an allen Ecken und Enden – aber sie steht, gerade noch so.
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am 9. November 2011
Lycidas: Die Uralte Metropole 1 - Roman

'Die Welt ist gierig, und manchmal umschließen Nebel unsere Herzen, bis wir uns nicht einmal mehr daran erinnern können, wann unsere Träume zu sterben begannen."

Alleine Zitate wie dieses sind es, die Marzis Metropolenreihe zu etwas Außergewöhnlichem macht. Wer in die Welt der kleinen Emily Laing eintaucht, die am Ende der Bücher nicht mehr ganz so klein ist, taucht ebenso ein in das verwunschenste London, das man je kennen gelernt hat. In eine Welt aus Restefressern, Elfen, sprechenden Ratten und lebenden Nebeln.
Wer die Zusammenfassung auf dem Einband des Buches liest, mag davon ausgehen, dass es sich hierbei um eine Kindererzählung handelt, denn wenn man von sprechenden Ratten hört, die sich einem kleinen Waisenmädchen offenbaren, mag sich einem diese Vorstellung aufdrängen. Lycidas ist jedoch weitaus mehr als eine fantastische Erzählung für Kinder, die vermutlich nicht annähernd die ganzen literarischen Anspielungen verstehen würden, die Marzi in sein Buch einfließen lässt. Auch sonst wäre Lycidas wohl eher schwere Kost für ein Kind, ist jedoch für junge Erwachsene genau richtig. Wer einmal begonnen hat zu lesen, wird das Buch kaum noch aus der Hand legen können, denn Lycidas Erzählstrang ist packend, süchtig machend und hat ein Talent dazu, die Welt um einen herum für eine Zeit lang vollkommen unwichtig zu machen. Um die Sache noch spannender zu machen, beantwortet Marzi am Ende des Buches natürlich nich alle Fragen, um schön zum nächsten Band über zu leiten. Wer diesem Ruf nicht folgt und mit Lilith weiter macht, ist ein Narr, denn Deutschland hat selten einen so begnadeten Schreiber gesehen, wie Marzi es ist. Er kann ohne Weiteres mit Autoren wie Cornelia Funke oder Kai Maier mithalten, allerdings scheinen seine Bücher noch einen gewissen Geheimtipp-Charme zu haben. Wer also noch eine Geschenkidee für Weihnachten braucht, findet in Lycidas einen wunderbaren Einstieg in Emily Laings Geschichte. Im Winter ließt sich das Ganze noch besser als im Sommer ;)
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am 3. September 2007
Wenn man sich die Rezensionen so anschaut, scheint es, dass die Leserschaft in zwei Lager gespalten ist. Offenbar liebt man Marzis Lycidas oder man hasst ihn.

Dem möchte ich eine lauwarme 3-Sterne-Rezension gegenüberstellen.

Lycidas ist ein Kessel Buntes, randvoll mit allem was zur traditionellen Schauer-Literatur so dazugehört: Werwölfen, Golems, Elfen, einem Irrlicht, ägyptischen Göttern, stimmungsvollen Schauplätzen, düsteren Herrenhäusern, Engeln, Dämonen, Bibliotheken, tragischen Familiengeschichten, Zauberei und vielen mehr. Das ganze wurde mit einer reichlichen Prise Charles Dickens abgeschmeckt und dann scheinbar ins heutige London verlegt, oder vielmehr UNTER das heutige London.

Es handelt sich um ein London in dem Engel als Straßensänger auftreten, und wo die Tauben vom Trafalgar Square als Spione dienen, ein London mit Virgin Mega Store and Marks & Spencer, das jedoch durch die Augen eines Ich-Erzählers gesehen wird, der schon durch London streifte, bevor Charles Dickens seinen Oliver Twist schrieb.

Dieser Ich-Erzähler Wittgenstein verleiht dem Roman seine höchst eigene, antiquierte Sprache. Er soll wohl als spröde, mit feinem Sinn für Humor charakterisiert werden, doch gelingt dies m.E. nur zum Teil. Zu überfrachtet ist die Sprache. Hinzu kommt, dass Marzi seinen Wittgenstein über Ereignisse berichten lässt, deren Zeuge er nicht selbst ist. So als rekonstruierte Wittgenstein die Geschehnisse. Diese quasi versetzte Perspektive schafft, genau wie die gestelzte Sprache, einen großen Abstand zwischen Leser und Beschriebenem. Die Ereignisse wirken niemals unmittelbar, sie sind stets stark gefiltert. Spannung wird nicht dadurch erzeugt, dass man glaubt dabei zu sein, sondern indem der Erzähler bewusst Informationen verenthält und von Schauplatz (Cliffhanger) zu Schauplatz springt - ohne natürlich selbst zu springen.

Die Tatsache, dass Marzi sich bei Gaiman's genialer "Neverwhere" Welt bedient, und auch bei Dickens oder Filmen wie "God's Army" macht mir eigentlich nichts aus. Schließlich leben wir in der Posmoderne und das Rekombinieren bekannter Elemente ist ja auch in der Musik beliebt und üblich. Auch gegen die Geschichte ist nicht viel einzuwenden. Der Plot ist vielleicht etwas über-konstruiert, aber doch spannend. Es ist die Sprache, gegen die ich etwas einzuwenden habe. Anstatt mich in Marzis Welt zu ziehen, schubste sie mich immer wieder heraus. Zuletzt war ich versucht, eine Strichliste zu führen um zu sehen, wie oft eine Wendung pro Kapitel auftaucht. Auch die Angewohnheit, für kurze Sätze von zwei bis fünf Worten ständig einen neuen Absatz anzufangen, hat den Lesefluss meines Erachtens gestört.

Daher nur 3 Sterne.

Noch etwas: da es in weiten Teilen darum geht, dass Kinder für die üblen Zwecke diverser Protagonisten mißbraucht werden, und da an manchen Stellen (verhüllte) hinweise auf tatsächlichen sexuellen Mißbrauch an Kindern enthalten sind, ist dieses Buch für Kinder kaum geeignet, schon gar nicht für Kinder, die etwas im Stile Harry Potter suchen. Eine minderjährige Heldin macht noch lange kein Kinderbuch.
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