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am 18. August 2008
Im Jahr 2049 beherrschen Investmentunternehmen die Welt, und zwar nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die politische. Ein neues Kapitalmodell namens "Conflict Investment" zielt darauf ab, aus "kleinen Kriegen" möglichst viel Profit zu schlagen, und die "Unternehmensberatungen" steuern ganze Staaten wie Kambodscha oder das "NAME", ein Konglomerat aus ehemaligen südamerikanischen Ländern. Wohl und Wehe dieser Nationen liegt in den Händen einzelner Manager, und Chris Faulkner, Angestellter bei "Shorn Associates" ist einer davon. Zu seinen Klienten gehört ein südamerikanischer Diktator, der über Leichen geht. Diesen Weg hat der inzwischen legendäre Chris Faulkner allerdings auch hinter sich, denn in dieser Zukunftsvision entscheidet nicht nur die Ausbildung über den Karrierefortschritt, sondern der Erfolg bei Straßenduellen in hochgezüchteten Kampfboliden. Wer den Job eines anderen will, fordert ihn heraus. Wer mit "Blut an den Reifen" und dem "Plastik" (der Ausweiskarte) des Konkurrenten im Büro eintrifft, hat den Arbeitsplatz. All das ist legal - und für den Rest der Bevölkerung nur marginal gefährlich, denn das das verarmte Gros lebt längst in "Zonen", die es nicht verlassen darf, und Autos kann sich kaum mehr jemand leisten. Kurzum: Das Gesetz der Straße ist zum Gesetz der Welt geworden. Und wer eine der wenigen verbliebenen Regeln erfolgreich bricht, macht den Regelbruch wiederum zur Regel. Doch mit der wachsenden Macht kommen Chris Faulkner immer mehr Zweifel, woran seine coole Frau Carla nicht ganz unbeteiligt ist.
Der Roman basiert auf der Idee für eine Kurzgeschichte, wie Morgan am Ende ausführt, und das ist dem Buch manchmal anzumerken, weil alles Geschehen stark auf diese Idee fokussiert wird. Das allerdings auf vortreffliche, intelligente und vor allem sehr konsequente Weise. "Profit" (Originaltitel: "Market Forces") spinnt aktuelle Entwicklungen nachvollziehbar weiter, etwa im Bereich des Managementtrainings ("7-Tische-Planspiel"). Die düstere und gewalttätige Vision dieses sehr spannenden und clever konstruierten Buches hinterlässt einen verstörten Leser, der sich anschließend denkt: Ja, so könnte es kommen. Ein sehr guter, bemerkenswerter Roman, vielleicht sogar der beste von Richard Morgan.
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am 8. März 2017
Chris Faulkner arbeitet als Investmentbanker in der Welt Mitte des 21. Jahrhunderts. Wegen seines erstklassigen Rufes wechselte er mühelos den Arbeitgeber, um die Karriereleiter eine weitere Sprosse emporzuklimmen. Als Angestellter bei Shorn Associates ist er für Krisengebiete in der Dritten Welt zuständig. Diese Zuständigkeit beschränkt sich in diesem global tätigen Unternehmen aber nicht auf die Pflege wirtschaftlicher Beziehungen zwischen im Idealfalle gleichwertigen Geschäftspartnern, sondern auf die rigose Ausbeutung. Die dritte Welt dient in „Profit“ einzig als Rohstoffreservoir für die westliche Welt. Mit allen nur denkbaren Mitteln werden Politiker korrumpiert, Geschäfte arrangiert und unliebsame Gegenspieler aus dem Weg geräumt.

Dieses „aus dem Weg räumen“ kann wörtlich genommen werden, denn die aggressive Vorgehensweise wird auch im täglichen Kampf gegen Mitkonkurrenten gepflegt. Nicht zuletzt deshalb hangelte sich Chris Faulkner auch nach oben, weil die Mitarbeiter der multinational tätigen Unternehmen Wettrennen mit ihren PS-starken Fahrzeugen austragen, die nicht selten bis zum Tode ausgereizt werden. Faulkner dürfte deshalb einige Kerben in sein Lenkrad geschnitten haben ...

Auf diesem Podium der gewaltätigen Auslese entwirft Richard Morgan sein Bild der Zukunft. Die Welt wird von globalen arbeitenden Unternehmen beherrscht, die Staaten und ihre Machthaber wurden zu Statisten degradiert, die nicht mehr als Handlanger der profitgeilen Firmen sind. Der Originaltitel „Market Forces“ trifft den Inhalt des Buches besser, Profit steht zwar im Vordergrund, aber im Grunde dreht sich alles um die Ausübung von Macht. Das symbolosiert sich in den lokalen Auseinandersetzungen, bei denen Faulkner auch einmal Aufständler unterstützt, um seinem Arbeitgeber eine bessere Position zu verschaffen. Aber auch in den kleinen Kämpfen innerhalb der Firma selbst oder auf der Schnellstraße. Alles geschieht mit einer immer schwärenden Gewalttätigkeit und einer Rücksichtslosigkeit, die selbst vor Freundschaften nicht halt macht. Vordergründig steht das Wohl der Firma im Mittelpunkt, auf den Punkt gebracht jedoch gilt nur ein „Survival of the fittest“: wer bremst, verliert ...

Richard Morgan ist ein geschickt agierender Autor. Er packt den Leser gleich von Beginn an am Schopf und lässt ihn nicht mehr los. Das Buch, immerhin 578 Seiten dick, saugt den Leser an und verpflichtet ihn dank der immanenten Spannung zum kompromisslosen Weiterlesen. Da baut sich ein Spannungsbogen auf, der für einen Science Fiction-Roman mit einer Intention ungewöhnlich ist.

Womit wir bei der Intention sind. Morgan postuliert nämlich etwas: die zunehmende Allmacht global wirkender Unternehmen, die vor nichts halt machen und die Rücksichtslosigkeit im Umgang miteinander und mit anderen als eine Firmendoktrin festgeschrieben haben. Das lässt sich auf den ersten Blick ja beinahe als visionär deuten. Aber Morgan kleidet nur das in eine äußerst spannende Rahmenhandlung, was sich seit Jahren bereits andeutet: die Brutalität des Neoliberalismus, die sich längst abzeichnen lässt und für jeden aufgeweckten Menschen nicht als ein graues Menetekel nur am Horizont lauert, sondern längst hier und heute zugange ist.

Visionär ist es also nicht, was Morgan in „Profit“ verrät, und beispielsweise gar nicht mit der Kraft eines „1984“ von George Orwell zu vergleichen, der zu einer Zeit seine Finger auf noch nicht aufgebrochene Wunden legte, als nur wenige Menschen die aufgezeigten Gefahren deuten konnten. In der heutigen Zeit dagegen kann sich jeder, so er denn willens ist und sich nicht dem Dampfradiogeplauder systemliebender Stromlinienreiter ausliefern will, in der westlichen Welt über die Auswirkungen globaler Machtgefüge informieren. Und er kann seine Schlüsse ziehen. Eines „Profit“ bedarf es dafür nicht.

Was also bleibt, ist ein actiongeladener SF-Roman mit gut konstruiertem Handlungsablauf, vielschichtig angelegten Charakteren und einem in sich schlüssigen Weltbild. Visionen dagegen bietet Morgan keine an, weder die einer „schlechten“ Welt (denn das ist nicht neu), noch die von Lösungsmöglichkeiten: „Du kannst nichts mehr machen“ auf der letzten Seite gibt beredt Zeugnis davon, wie ratlos Morgan selbst ist und wie schulterzuckend er den Leser zurücklassen muss. Insofern ist „Profit“ genau das, was er im Grunde mit anprangert: brutale Unterhaltung. Nicht weniger, aber leider auch nicht mehr.
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am 16. Juli 2015
Ein Polit-Krimi über die gnadenlose Macht internationaler Konzerne, die längst die Welt beherrschen, sich komplette Staaten kaufen, Kriege inszenieren, um ihre Absätze zu steigern, etc., als Science-Fiction-Action-Thriller. Die im Zentrum der Handlung stehende Idee, Bewerber um Managementstellen bei einem Konzern ihre Konkurrenzkämpfe untereinander per Straßenkampf bzw. Autorennen austragen zu lassen, bei denen der Sieger die Konkurrenz töten muss, ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber interessant, wenn auch nicht plausibel (schließlich gehören zum Manager-Job ja nicht nur Skrupellosigekeit, sondern auch Intelligenz und Fachwissen). Dennoch sehr schön! Ich habe ihn jetzt schon zum zweiten Mal gelesen und war wieder begeistert!
Eine ausführliche kritische Rezension findet sich hier: .sf-radio.net/buchecke/science_fiction/isbn3-4535-2202-8.html.
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am 11. September 2006
Chris Faulkner hats geschafft - er hat sich aus den "Zonen", Slums um London, ganz nach oben in die Managerebene einer Führungsfirma gearbeitet. Im London der Zukunft heißt das, daß er Konflikte in Schwellenländern "managt", also die verschiedenen Parteien mit Waffen beliefert, um so die politische und wirtschaftliche Lage zu beeinflussen. So trinkt er regelmäßig auf "Kleine Kriege" mit seinen Kollegen.

Die werden auf gnadenlose Weise ausgesucht: ist eine Stelle frei, treten die Kandidaten zu einem Straßenduell an, bei dem (fast) alles erlaubt ist.

Chris' Ehefrau ist Mechanikerin und unterstützt ihren Mann, indem sie seinen Wagen, seine Waffe, stets prüft und sichert. Dennoch ist sie nicht begeistert, da sie wahrnimmt, wie sehr das brutale Arbeitsklima ihren Mann ebenfalls brutalisiert. Sie schlägt ihm vor, zu einer UN-Organisation zu wechseln.

Chris muß nun entscheiden, welche Rolle ihm lieber ist: die des knallharten Konzernmitarbeiters oder die des internationalen Ombudsmanns. Die Wahl gerät zu einer Wahl zwischen zwei komplett unterschiedlichen Wertesystemen.

Mehr darf man wohl kaum von der genialen Story verraten, um den Kitzel nicht zu nehmen. Das Buch liest sich selbst atemlos, es hält eine unglaubliche Spannung von der ersten bis zur letzten Szene.

Es ist handwerklich wie ein Thriller aufgebaut. Der Autor versteht es, alle - auch unwichtig erscheinenden - Andeutungen später in der Auflösung wieder aufzunehmen und ihnen einen Sinn zuzuordnen. Die Hauptfigur wird durch die Wahrnehmungen der verschiedenen Nebenfiguren immer wieder in einem anderen Licht dargestellt, ohne daß sie dadurch zergliedert würde. Es ist, als ob verschiedene Handlungen auch aus verschiedenen Kameraeinstellungen dargestellt würden. Dieses Gefühl ist schon beim Lesen ganz klar, das Buch hat etwas von einem sehr guten SF-Drehbuch (Genre und Qualität vielleicht wie Gattaca).

Die Übersetzung ist sehr gut gelungen mit - soweit ich erkannt habe - nur einem einzigen grammatischen Fehler. So liest sich das Buch ohne "Holperer", und es lohnt sich wirklich.

Das moralische Thema ist letztlich die klassische Frage: wie soll ich mich gegen übermächtige Kräfte in meinem und meiner Familie Leben wehren? Darf ich das überhaupt, kann ich es, ohne so zu werden wie das, was ich bekämpfe? Und ist das, was ich bekämpfe, wirklich schlimmer als das, wofür ich kämpfe?
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TOP 1000 REZENSENTam 29. August 2010
Profit ist kein schlechtes Buch und hat auch eine Aussage. Morgan denkt hier unsere kapitalistische, profitsüchtige Welt bis ins größte Extrem weiter, was soweit geht, dass sich die Manager in legalen Straßenrennen auf Leben und Tod duellieren, um an einen besseren Job oder eine Auftrag zu kommen. Die Grundidee ist gut, wenn auch etwas überzogen. Die schreiende Ungerechtigkeit die in der Welt herrscht, braucht Morgan eigentlich kaum zu überspitzen, denn auch heute schon werden Länder gezielt in Armut gehalten, während ein anderer Teil der Welt in Saus und Braus lebt. Der einzige Unterschied der zu unserer Gegenwart herrscht, ist, das kein Konzern oder Politiker das in dieser Form zugeben würde. In Profit haben die Macht- und Geldgeilen Konzerne auch diese letzte Hemmung abgelegt, recht ist, was Profit einbringt. Es wird schonungslos und ohne Rücksicht auf Menschen die Kuh gemolken und die Politiker sind eh nur Marrionetten der Wirtschaft und streuben sich auch nicht mehr, das zuzugeben. Bei den für die Großkonzernen tätigen Managern kommt es nicht mehr nur darauf an, Verhandlungsgeschick und betrügerische Schlauheit mitzubringen, sie müssen in modernen Gladiatorenkämpfen um ihr Leben kämpfen, um im Job voranzukommen. Wer nicht mitspielt, wird in die Zone verfrachtet, wo man arbeitslos im Dreck lebt und allgegenwärtiger Kriminalität ausgesetzt ist. Etwas überzogen, aber wenn man sich das hier und jetzt anschaut, sicherlich nicht undenkbar.

Kommen wir zur entscheidenen Frage: Hat mir das Buch gefallen? Ich weiß es nicht so genau... es hat schon so seine Stellen, und auch das Thema ist nicht uninteressant. Was ich allerdings nicht empfunden habe, ist die Spannung, die in einigen anderen Rezensionen erwähnt wird. Die Geschichte konnte mich niemals vollständig packen, immer wieder schweiften meine Gedanken ab, weil es in diesem Buch schon einige Längen gibt. Schlecht ist es nicht und es wirft auch viele Fragen auf, hätte meiner Meinung nach etwas interessanter geschrieben sein können. Eine Hand voll Venus von Frederik Pohl nimmt sich dem Thema ebenfalls an, meiner Meinung nach etwas eleganter. Vier Sterne gibt es trotzdem, denn wie gesagt, kein schlechtes Buch.
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am 14. Juli 2009
London in einer nicht zu fernen Zukunft, wo die Kluft zwischen arm und reich noch größer geworden ist. Während die 'Anzugträger' nahezu Narrenfreiheit besitzen, leben die unterprivilegierten in den so genannten Zonen, heruntergekommenen Gettos. Gebiete, die auch von der Polizei nur wiederwillig aufgesucht werden.
Geld und Macht ist alles was zählt und so ist es nicht überraschend, dass sich ein ganz neuer Wirtschaftszweig gebildet hat: Conflict Investment, politische Einflussnahme in Krisengebiete, um auch dort den optimalen Profit einzufahren.

Zweifellos ein hartes Geschäft. Unstimmigkeiten zwischen Managern werden mit brutalen Autorennen ausgetragen. Im extremsten Fall auch bis zu Tod. Eine bizarre Zukunft in einem Buch, das auch die Frage stellt, was so eine Gesellschaft aus einem Menschen macht.

Ursprünglich eine Kurzgeschichte, wurde dieses Wert von den Verlagen abgelehnt, weil die Charaktere zu unsympathisch waren. Das sind sie tatsächlich und das ist auch richtig so. In diesem Buch gibt es keine Helden! Trotzdem ist für mich Profit nicht nur das bisher beste Buch von Richard Morgan, sondern auch eines der besten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Nur eine Zukunftsvision oder vielleicht doch schon die nahe Zukunft? Mega-Konzerne nehmen Einfluss auf die Weltpolitik. Klingt für mich nicht sehr weit hergeholt. Und es ist auch keine neue Weisheit: Krieg ist gut fürs Geschäft.
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am 16. August 2005
Ich habe zuerst "Das Unsterblichkeitsprogramm" gelesen und war hin und weg vom Schreibstil dieses Autoren. Vor ca. 2 Monaten stellte ich fest, dass es mittlerweile noch zwei weitere Bücher auf deutsch von ihm gibt und las zunächst "Gefallene Engel", da mich "Profit" von den Beschreibungen her nicht ansprach. Hätte ich es nur eher gelesen ("Gefallene Engel" ist das imo schwächste seiner Bücher) :)
Inhaltsangaben schenke ich mir, die kann man weiter oben lesen.
Nur soviel: Das Buch bringt das auf den Punkt, was bereits heute klar ist, aber nicht offen gesagt wird:
1) die armen Länder werden gezielt arm gehalten
2) Konzerne investieren in Konfliktparteien
3) Politiker sind mehr denn je Spielbälle der freien und ungezügelten Wirtschaft
4) Die Schere zwischen arm und reich klafft in den meisten Ländern in absolut extremen Maß auseinander.
"Profit" ist eines der Bücher, welches man praktisch auf einen Rutsch durchliest. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, mit interessanter Handlung, "explizitem Inhalt" (;)) und Action, ohne dabei jedoch billig zu wirken.
Im Laufe des Buches schaffte es der Autor, den Hauptdarsteller so langsam und schleichend zu verändern, dass man am Ende selbst überrascht ist, in was er ihn da verwandelt hat.
Die Straßenrennen wirken zunächst etwas überzogen, allerdings gibt es im Laufe der Erzählung doch eine leidlich plausible (und im Endeffekt nur konsequente) Erklärung dafür.
In meinen Augen ein absolutes Topbuch und das Beste, was dieser fabelhafte Autor (im Endeffekt sind alle seine Bücher sehr, sehr gut) bisher verfasst hat. Ich hoffe auch hier auf einen zweiten Teil, der die Geschichte von Chris weiterführt.
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am 20. Oktober 2008
Wer Richard Morgan zuvor nicht kannte, wird durch Profit sicher dazu veranlasst werden, mehr von diesem Autor lesen zu wollen, dem das Etikett Science Fiction anheftet, dabei unsere gegenwärtige Welt nur konsequent weiter entwickelt. Wie Banken, Finanziers jegliche Bodenhaftung verlieren, ihre Wetten auf Aktien und Fonds ein Maß annehmen, dass die ganze Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wird, wäre, wenn Morgan sie vor fünf Jahren beschrieben hätte, einem noch wie ein Zukunftsszenarium vorgekommen. Autoren wie er rücken das Vorstellbare jedoch nah an die Wirklichkeit heran. Und die heißt in seinem Fall Conflict Investment. Warum Gewinne aufs Spiel setzen, wenn man rechtzeitig weiß, wen man unterstützen soll, um sie abzusichern. Egal ob der Mann nun ein Diktator ist, an Massenexekutionen die Schuld trägt, sein Land wirtschaftlich ausblutet, Hautsache man verkauft ihm das Waffenpotential, das er benötigt, um sich an der Macht zu halten und seine Rohstoffe auszubeuten. Neigt sich seine Unterstützung zur Neige, springt man halt auf den Zug der Rebellen auf. Überall auf der Welt in Asien, in Lateinamerika, in Afrika. Und alle spielen mit Europäer, wie Amerikaner, wie Japaner.Es kommt auf den Profit an. Er verändert die Welt, sichert der Finanzwelt außerhalb der Zonen für Normalsterbliche in einer schwer bewachten Burg Luxus und Überleben, doch er frißt gleichzeitig durch eine RundumdieUhrMentalität jegliches Privat-, wie Familienleben. Schließlich geht es ums Geld. Natürlich bedient sich Morgan des bewährten Personals von Gut und Böse, der Versuchung, der Schuld, doch webt er das Bekannte so geschickt ein, dass man sich von einem spannenden Plot überzeugt lässt. Einer der Höhepunkte des Romans besteht darin, dass die Guten sich in einer Wohnung versammeln, um einen der Schlechten anzuwerben, und nicht imstande sind, einen schlagwütigen Nachbarn davon abzuhalten, seine Frau zu quälen. Sie fühlen sich für das große Ganze zuständig. Die Frage nach der Moral wird von Morgan nicht in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse aufgeteilt. Selbst die Manager müssen sich in Challenges beweisen, sie rasen über die Autobahn, um sich gegenseitig umzubringen. Und wer nicht dem Tod bezahlen will, muss schneller, kaltblütiger, brutaler sein. Kapitalismus der besonderen Art. Wer weiß, ob er nicht in naher Zukunft auf uns wartet.
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am 23. August 2004
Richard Morgan hat seine Karriere mit einer Mischung aus SciFi und Cyberpunk begonnen, dann kam sein zweites Buch, welches mehr SciFi und etwas weniger von der CyberBrutalität des ersten enthielt.
Beides waren gute Bücher; gut erzählte Geschichten, in packendem Tempo mit interessanten Charakteren.
Profit ist anders. Profit beginnt langsam, fast langweilig möchte man nach den ersten zwanzig/dreissig Seiten denken, wo eine nahe und sehr wohl mögliche Zukunft skizziert wird, in welcher Grosskonzerne des Geldes wegen die Geschicke von ganzen Ländern leiten und lenken und wo sich die Angestellten auf der Strasse zu offenen Fahrduellen treffen - in der Art "der Überlebende bekommt den Job".
Das alles ist interessant, doch die Geschichte packt einen nicht wirklich - aber wie gesagt - nur am Anfang. Wenn man beginnt in das Buch zu sinken, und sich mit dem Hauptcharakter Chris Faulkner auseinander setzt (übrigens einer der am besten beschriebenen Charaktere die mir je in einem Buch begegnet sind), dann "fetzt" das Buch so richtig.
Die Geschichte entfaltet sich zu einem moralischen Dilemma, zu einer Studie der Gesellschaft und alles verpackt in einer brillianten Story, die zu fesseln und stellenweise zu überraschen mag. Wer Richard Morgan liebt, seinen Stil schätzt und mal etwas anderes als SciFi von ihm lesen will, darf zugreifen - aber auch allen anderen ist das Buch wärmstens zu empfehlen.
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am 19. Mai 2011
Ein Super Science Fiction. Der Stoff geht unter die Haut, denn was als Handlung abgeht, kann durchaus in baldiger Zukunft stattfinden. Ein gobalisierendes Drama der gesellschaftlichen Verwicklungen immer unter dem Aspekt der Profitabilität, die Banker spielen das Spiel nicht nur mit Kriegsgerät und Waffen auf verschiedenen Kontinenten, sondern tragen Rangstreitigkeiten gleich unter sich aus. Es gibt immer nur einen Sieger. Friss oder stirb. Die Erfolgreichen gewinnen und kommen weiter, die Menschen, die noch ein soziales Gewissen haben, bleiben auf der Strecke, bzw. gehören zu den Underdogs. Schlimme neue Welt!
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