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TOP 500 REZENSENTam 31. Dezember 2014
Einst ritten die Opritschniki übers russische Land und verbreiteten im Dienste Iwans des Schrecklichen Furcht und Schrecken. Vladimir Sorokin hat sie wieder auferstehen lassen, in einem apokalyptischen Russland des Jahres 2027.

Wir begleiten einen führenden Opritschnik durch seinen abwechslungsreichen Arbeitstag, wie er mit seinem gepanzerten Dienstwagen durch Moskau brettert, geschmückt, ganz so wie die alten Opritschniki, mit abgehacktem Hundekopf und Besen. Missliebige Subjekte werden aufgeknüpft, ihre Frauen geschändet und ihre Reichtümer unter die treuen Staatsdiener verteilt. Und zwischendurch wird immer wieder zünftig gefeiert, dass die alten Römer vor Neid erschauert wären. Alles im Namen von Mütterchen Russland, Väterchen Gossudar (dem neuen, allmächtigen Zaren), und der kaum minder mächtigen, allgegenwärtigen Kirche. Da bleibt kein Auge trocken, es fließt reichlich staatsfeindliches Blut, und zarter besaitete Leser seien auch davor gewarnt, dass "Staatsorgane" der ganz besonderen Art wiederholt und mit aller Härte eingesetzt werden.

Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut. Und die allerschlimmsten sind die Mächtigen, die sich zu schamlosen Karikaturen ihrer selbst stilisiert haben. "Der Tag des Opritschnik" ist eine einzige, böse Karikatur eines Staates, der sich von innen her auffrisst, der alles an Schrecknissen wiederbelebt hat, womit seine lange, schlimme Geschichte aufzuwarten hat, notdürftig behängt mit den Feigenblättern der Tradition. Wir können darüber lachen, aber die Subjekte all dieser Zaren, die dieses Riesenreich seit jeher beutelten und ausbeuteten, eher weniger, es sei denn, sie verfügen über ein gehöriges Maß an Galgenhumor.

Und wenn wir tatsächlich meinen, wir hätten es besser - in Sorokins 2027 gibt es Europa, wie wir es kennen, nicht mehr. Der Gashahn ist zu.
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am 30. Oktober 2015
ich denke dieses buch ist geschmacksache . . . mich hat es hinten rausziemlich gelangweilt . . . . .
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am 22. Dezember 2013
Sorokin beschreibt einen undenkbaren Zukunft für Russland, und doch gleichzeitig denkt man kurz nach ob sowas irgendwann doch möglich sein könnte. Die Welt der Zukunft d doch so primitiv wie vor hunderte von Jahren, regiert von männer, für männer, blinde gehorsamkeit gepaart mit ignoranz, und doch sind es immer noch die mächtigsten unter uns...
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am 5. Juni 2013
Sorokin entwirft in diesem Buch eine finstere Dystopie eines totalitären Russlands voller Terror, Gewalt und Korruption. Geschildert wird ein Tag im Leben des Inlandgeheimdienstmitarbeiters Alexej aus der Ich-Perspektive. Im Gegensatz zum Nachfolgewerk "Zuckerkreml" (quasi eine Fortsetzung von "Der Tag des Opritschniks") kann diese Dystopie aber nicht überzeugen: Im Vordergrund stehen drastische pornographische Schilderungen an Stelle einer überzeugenden Gesamtvision. Unnötig brachiale Passagen, rohe Wortwahl und die detailierte Schilderung von Sexualpraktiken und Vergewaltigungen verdrängen die durchaus vorhandene Systemkritik am heutigen Russland und dessen Fehlentwicklungen.
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am 15. Mai 2013
Sorokin ist bekannt für seine vulgäre Sprache. Wem das nicht gefällt, der sollte ihn nicht lesen. Denn man weiß ja inzwischen, worauf man sich einlässt.

Jeder der jemals auf einer Baustelle gearbeitet hat oder in einem Stahlwerk, der weiß, dass diese Sprache keineswegs frei erfunden ist. Nur die Gouvernanten in den bürgerlichen Salons glauben immer noch, dass die Welt besser wird, wenn man „garstige Wörter“ verbietet.

Tatsächlich ist Sorokin einer der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart, der schon jetzt seinen Platz in der Weltliteratur eingenommen hat. Um das feststellen zu können, muss man allerdings ein wenig Stilgefühl haben, und auch ein wenig Kenntnis der Literaturgeschichte.

Es ist keineswegs zufällig, dass das Buch genau 100 Jahre nach dem „Bloomsday“ spielt, an dem der Ulysses von James Joyce spielt. Und das ist nur EINE Anspielung, wenngleich wohl die wichtigste.

Wenn man den Verdacht hat, dass ein bedeutender Schriftsteller uns etwas sagen will, dann sollte man sich die Mühe machen, und dem einen oder anderen Hinweis nachgehen, auch - oder gerade - wenn man faul ist. Also: Was ist ein Opritschnik? In Zeiten des Internets findet man so etwas auf Knopfdruck in der Wikipedia. Da gehen einem dann die Augen und Ohren auf: die Opritschniki waren eine Art Leibgarde von Iwan dem Schrecklichen, sowas wie Hitlers SS Leibstandarte Totenkopf! Und Schon purzelt eine Anspielung nach der anderen durch die Gehirnwindungen und auf einmal werden die ganzen Vulgärausdrücke Sorokins vollkommen unwichtig. SO funktioniert Weltliteratur!

Ich habe das Buch gelesen und bin begeistert, jetzt habe ich mir das Hörbuch zugelegt und bin enttäuscht. Stimmlage und Tonfall des Sprechers sind nicht nur zweitklassig, sondern aus meiner Sicht völlig unangemessen. Die Ironie, Brutalität und die Perfidie des Textes sollte nicht durch den „fiesen“ Tonfall verdoppelt werden, sondern durch unterkühlte pseudosachliche "Objektivität" kontrastiert werden.

So leuchtet durch jedes Wort das Urteil und die Voreingenommenheit des Sprechers gegenüber Sorokin, Putin und Russland, das quasi mit Stalin oder Lenin oder den Zaren gleichgesetzt wird - was für ein Unsinn! (Nur ganz nebenbei: Jeder der es sich aussuchen könnte, würde wohl hundertmal lieber unter Putin als unter Stalin leben wollen…)

Wer aber ein großes Stück Literatur genießen will, der wird nicht nur die antiautoritäre und anarchistische Haltung Sorokins sehen wollen, sondern die vielen weiteren Zitate und Hommagen beachten. Übrigens: Vulgärsprache war eines der wesentlichen Kennzeichen von James Joyce Sprache im Ulysses. Über den regt sich heute auch niemand mehr auf. Außer ein paar Gouvernanten. Sofern sie überhaupt ein Stück Weltliteratur in die Hand nehmen. Und dann, dann, sollen sie mösern und mösern bis sie blau anlaufen und umfallen!
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am 27. Januar 2015
Litertur, die von der Zukunf handelt, neigt zum Pessimismus. Vielleicht hilft die Beschwörung, daß nicht alles eintrifft. Das Bild einer Kleptokratie, deren Regeln hoch dispositiv sind. Wem schaudert's da nicht?
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am 30. Januar 2008
Kraftvoll und poetisch schreiben kann dieser Sorokin. Mit überschäumendem phantastischem Realismus bis hin zu surrealistischen Szenen verlängert er die heute in Russland erkennenden Tendenzen in die Zukunft und schildert eine vom Westen durch eine Mauer abgeschottete Präsidialdiktatur in der eine gefürchtete Truppe von Schlägern und Mördern alles im Schach hält, was dem geliebten Diktator nicht gefällt, vor allem Oligarchen, die der Autor als Adlige darstellt, deren Schlösser vom Mob im Staatsdienst geschliffen werden.
Kein Wunder, dass der Autor vom Putin-Regime nicht unbedingt geliebt, ja der Pornografie bezichtigt wird. Kein Wunder auch, dass ihn im Westen viele lieben, denen ein erstarktes Russland, das sich der Hegemonie der USA immer deutlicher widersetzt, nicht in den Kram passt.
Viele Kleinigkeiten, die chinesischen Händler auf den Märkten, die Käuflichkeit und Bestechlichkeit der Speichellecker bis hin zum "Goldrubel", der neben die Fiatwährung getreten ist, dürften besonders dem Kenner des neuen Russland gefallen. Für alle anderen ist dieser Roman ein faszinierendes Stück Literatur, die den zeitgenössischen deutschen Autoren ein Armutszeugnis ausstellt. Mit Sorokins Arbeiten verglichen wird überdeutlich, wie einfallslos und langweilig ihre meist in der Vergangenheit angesiedelten Familiendramen sind, in denen die soziale Realität gewöhnlich ausgeblendet bleibt. Ja, Literatur kann große Kunst sein. Wir müssen sie aus dem Ausland beziehen und übersetzen lassen, was hier gleichfalls sehr gut gelungen ist.
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am 15. März 2013
Das Buch ist lesenswert. Teilweise sind hier beschriebenen Zustände der Überwachung in gegenwärtigen Gesellschaften ganz real. Mittelalter und Zukunft treffen aufeinander.
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am 18. Juli 2009
Achtzehn Jahre in der Zukunft...
Russland wird vom "Gossudar" beherrscht, dem alleinigen Machtinhaber. Seine Leibgarde, die Opritschnina, hilft ihm treu ergeben, seine Wünsche zu erfüllen und durchzusetzen. Dafür ist ihnen so gut wie jedes Mittel recht, sei es noch so grausam oder brutal. Vladimir Sorokin lässt uns einen der gnadenlosen Männer begleiten. Einen ganzen Tag verbringt man mit Andrej Danilowitsch, einem hochrangigen Opritschnik, begleitet ihn zu einer Hausräumung, in die Sauna, auf einen Trip oder gar bis in die Gemächer der allseits gehassten Gossudarin. Andrej selbst schildert als Ich-Erzähler seine Erlebnisse, nimmt uns mit in seine wild verschlungenen Gedanken, um im nächsten Moment wieder die totale Selbstbeherrschung zu demonstrieren. Gemeinsam mit seinen Kameraden feiert er wilde Drogenpartys und geht seinen geheimsten Gelüsten nach. Der Glaube an die Macht seines Gossudaren begleitet ihn jedoch überall hin...

Hart, direkt und mitten ins Hirn trifft einen diese Geschichte Sorokins. Interessiert lauscht man den ersten Tracks, ist leicht irritiert, aber auch seltsam fasziniert. Man lässt sich auf den vorgegebenen Weg ein und reißt manches Mal ungläubig die Augen auf, um schließlich kopfschüttelnd die nächste Cd einzulegen und weiterhin gebannt zu lauschen. Sorokin beschreibt ein Russland, dass erstaunlich glaubwürdig und real erscheint, eher rückständig wirkt, als Zukunftsvision zu sein. Vielleicht liegt es u.a. daran, dass die Opritschnina bereits im Jahre 1565 unter der Herrschaft des Zaren Iwan des Schrecklichen ihr Unwesen trieb. Sorokin ist es gelungen, diese uralte Ausstrahlung einzufangen und zu nutzen. Die frei gelebte Brutalität der Opritschniks wirkt durch ihre offene Art damit umzugehen, weniger bedrohlich als es im wahren Leben der Fall wäre. Andrej Danilowitsch ist ein auf seine Weise interessanter Mann, der einen zwar beunruhigt, aber gleichzeitig mit seinem etwas herben Charme betört. Die Auswirkungen der Droge Macht wird hier sehr eindruckvoll dargestellt.

Das Ganze wird aber erst zu einem wahren Hörerlebnis durch den Vortrag Stefan Kaminskis. Dieser Mann ist ein wahres Genie, wenn es darum geht, die unterschiedlichsten Personen zu spielen, oder in seinem Fall, zu leben. Als menschlicher "Stimmenmorpher" verwandelt er sich auf diesen 6 Cds über sechs Stunden in die unterschiedlichsten Personen. Egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, egal welche Stimmlage gerade erforderlich ist, Kaminski kann alles und zeigt das auch. Man merkt als Zuhörer deutlich, wie begeistert Kaminski selbst von Sorokin und seinen Werken ist und kann dies im Booklet auch in seinen eigenen Worten lesen. Seine Wertschätzung hätte Kaminski durch seine großartige Darbietung nicht deutlicher klar machen können.

Ein teilweise recht schwer verdauliches Hörerlebnis, das noch lange nach dem Lauschen im Kopf rotiert und gleichzeitig so herrlich ungewöhnlich ist, dass man es immer wieder hören will, auch, wenn es einem anfangs vielleicht ein paar Bauchschmerzen bereitet.
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am 22. Mai 2012
Das Buch ist es nicht, aber der Inhalt ist stellenweise pervers. Das Buch ist es nicht, aber der Inhalt ist stellenweise grotesk und kann als blasphemisch empfunden werden. Das Buch ist ganz gewiss große Literatur, aber geschrieben in leichter, eingängiger Sprache. Man könnte seinen Ekel ausdrücken, wenn die Handlungen als Action-Kino gedacht sind. Man könnte es als hohe Form der Satire ansehen, wenn die Handlung als Parabel gedacht ist. Man kann sich fragen, ob das Regime - gekoppelt mit orthodoxer Frömmigkeit - solche Perversionen gebiert? Denn die Bibel - besonders die Offenbarung des Johannes - sollte man in Ansätzen kennen, will man Träume, einzelne Satzaussagen, Anspielungen verstehen.
Doch die Frage, die sich mir am Schluss stellt: Lieber Herr Sorokin, haben sie Putin vor Augen, haben sie die Oligarchen vor Augen? Und wenn ja, warum wird Russland christlich im Jahre 2027? Oder war es das schon immer - zumindest im Volk? Ist es allein Kritik am Regime oder auch Kritik an Väterchen Russland und seiner Geschichte, seinem Wesen, seiner Art? Werden hier Vorurteile zementiert oder differenziert? Was ist hier Mut und was eine literarische Walze? Um es kurz zu machen: hat die kommunistische Idee Russland im Jahre 2027 zu dem gemacht, was es bis dahin ist (oder schon heute?). Oder ist es die tiefe, russische Volksfrömmigkeit, die dieses Paradoxon gebar? Denn wenn die russisch orthodoxe Frömmigkeit diesen Zerberus zur Welt bringt, dürfte Sorokin in seinem Land solch ein scharfer Kritiker nicht sein. Trotzdem: great literature. Daran komm ich nicht vorbei.
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