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am 12. Januar 2002
"Nobelpreis. Der Mythos, die Fakten, die Hintergründe". So lautet der Titel von Hubert Filsers unlängst erschienenen Buch über die glorreicheste Preisverleihung unserer Zeit. Auf 223 Seiten verfolgt Filser dabei die Spuren Alfred Nobels und gibt einen Überblick über Kuriositäten, verschrobene Eigenarten und die mitunter abschreckend intrigante Bestimmung der jeweiligen Preisträger durch die zuständigen Komitees.
"Ich würde einem Mann der Tat nichts hinterlassen. Er würde dadurch in Versuchung geraten, mit Arbeiten aufzuhören. Dagegen möchte ich Träumern helfen, die es schwer haben, sich im Leben durchzusetzen." Dieses hehre Ziel verfolgte Alfred Nobel mit seinem Preis. Was er genau bezweckte, hielt der durch Sprengstoffe zu einem Großteil seines enormen Vermögens gekommene Schwede in seinem Testament fest: "Das Kapital, [...], soll einen Fonds bilden, dessen jährliche Zinsen als Preise denen zuerteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit größten Nutzen gebracht haben." Die Kategorien, in denen die Preise anfangs vergeben werden sollten, waren Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Einsatz für den Frieden. Am 10. Dezember 1901, dem 5. Todestags Nobels, konnten die ersten Preisträger ausgezeichnet werden. Bis zum Jahr 2000 wurden insgesamt 719 Preise verliehen, seit 1969 auch in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften.
Mit teils humoristischem, teils ernstem und teils ironischem Blick entlarvt Hubert Filser in seinem Buch ein System, das seinesgleichen weltweit sucht und trotz allen Glamours bei weitem nicht frei von Fehlern ist. So erzählt er von einem Stifter Nobel, der, durchaus misanthropisch veranlagt, einmal bedauerte, bei seiner Geburt nicht von einem Arzt erstickt worden zu sein und gleichsam von einem Idealisten, der ernsthaft glaubte, mit seinen Sprengstoffen zu einer friedlicheren Welt ohne Kriege beitragen zu können.
Filser zeichnet das Bild eines vom Leben enttäuschten einsamen Intellektuellen, dessen Rache an der Welt letztlich darin besteht, seinen Neffen und Nichten gut 90 Prozent seines Vermögens, auf heutige Verhältnisse umgerechnet fast 500 Millionen DM, vorzuenthalten und stattdessen einen Preis zu stiften, dessen idealistische Voraussetzungen niemals eingehalten werden konnten. Allein die im Buch enthaltene Statistik zu den Nobelpreisträgern offenbart, wie wenig das idealistische Vorhaben Nobels eingehalten wurde. Statt die Preise unabhängig von der Herkunft zu verteilen, wie es Nobel ausdrücklich wünschte und festlegte, zeichnet sich deutlich ein Ungleichgewicht zugunsten Europas und der USA ab. So gingen seit der Stiftung 83 von 97 Preisen an europäische und US-amerikanische Autoren und Autorinnen. Auch in einem anderen Punkt wird man Nobels Vorgaben nicht gerecht, entsprechen die Preisträger mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren doch nicht gerade dem Forschertyp, den Nobel eigentlich fördern lassen wollte - den jungen, idealistischen Intellektuellen und Wissenschaftlern.
Doch Filser setzt mit diesem Buch auch Glanzlicher, gewährt Einblick in einen Mechanismus, dessen Umfang man sonst nur sehr schwer erahnen kann. Er erzählt von den Zeremonien, hat dazu Preisträger und Beteiligte befragt, und setzt alle Teile geschickt zusammengefügt, wenngleich ohne ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. Das System Nobel hat einmal im Jahr Tag der offenen Tür, am 10. Dezember in Stockholm, schreibt Hubert Filser in seinem Buch, wahrscheinlich wohl wissend, das sein Werk darüber hinaus viele Geheimnisse preisgibt, die sonst auch am 10. Dezember Geheimnisse bleiben würden.
Alles in allem ein durchaus interessantes Buch, das in seinem frischen Stil viel Wissenswertes vermittelt, gleichzeitig aber auch Kratzer in den Lack der Preisverleihung macht. Zu recht.
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am 26. Januar 2002
"Nobelpreis. Der Mythos, die Fakten, die Hintergründe". So lautet der Titel von Hubert Filsers unlängst erschienenen Buch über die glorreicheste Preisverleihung unserer Zeit. Auf 223 Seiten verfolgt Filser dabei die Spuren Alfred Nobels und gibt einen Überblick über Kuriositäten, verschrobene Eigenarten und die mitunter abschreckend intrigante Bestimmung der jeweiligen Preisträger durch die zuständigen Komitees.
"Ich würde einem Mann der Tat nichts hinterlassen. Er würde dadurch in Versuchung geraten, mit Arbeiten aufzuhören. Dagegen möchte ich Träumern helfen, die es schwer haben, sich im Leben durchzusetzen." Dieses hehre Ziel verfolgte Alfred Nobel mit seinem Preis. Was er genau bezweckte, hielt der durch Sprengstoffe zu einem Großteil seines enormen Vermögens gekommene Schwede in seinem Testament fest: "Das Kapital, [...], soll einen Fonds bilden, dessen jährliche Zinsen als Preise denen zuerteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit größten Nutzen gebracht haben." Die Kategorien, in denen die Preise anfangs vergeben werden sollten, waren Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Einsatz für den Frieden. Am 10. Dezember 1901, dem 5. Todestags Nobels, konnten die ersten Preisträger ausgezeichnet werden. Bis zum Jahr 2000 wurden insgesamt 719 Preise verliehen, seit 1969 auch in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften.
Mit teils humoristischem, teils ernstem und teils ironischem Blick entlarvt Hubert Filser in seinem Buch ein System, das seinesgleichen weltweit sucht und trotz allen Glamours bei weitem nicht frei von Fehlern ist. So erzählt er von einem Stifter Nobel, der, durchaus misanthropisch veranlagt, einmal bedauerte, bei seiner Geburt nicht von einem Arzt erstickt worden zu sein und gleichsam von einem Idealisten, der ernsthaft glaubte, mit seinen Sprengstoffen zu einer friedlicheren Welt ohne Kriege beitragen zu können.
Filser zeichnet das Bild eines vom Leben enttäuschten einsamen Intellektuellen, dessen Rache an der Welt letztlich darin besteht, seinen Neffen und Nichten gut 90 Prozent seines Vermögens, auf heutige Verhältnisse umgerechnet fast 500 Millionen DM, vorzuenthalten und stattdessen einen Preis zu stiften, dessen idealistische Voraussetzungen niemals eingehalten werden konnten. Allein die im Buch enthaltene Statistik zu den Nobelpreisträgern offenbart, wie wenig das idealistische Vorhaben Nobels eingehalten wurde. Statt die Preise unabhängig von der Herkunft zu verteilen, wie es Nobel ausdrücklich wünschte und festlegte, zeichnet sich deutlich ein Ungleichgewicht zugunsten Europas und der USA ab. So gingen seit der Stiftung 83 von 97 Preisen an europäische und US-amerikanische Autoren und Autorinnen. Auch in einem anderen Punkt wird man Nobels Vorgaben nicht gerecht, entsprechen die Preisträger mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren doch nicht gerade dem Forschertyp, den Nobel eigentlich fördern lassen wollte - den jungen, idealistischen Intellektuellen und Wissenschaftlern.
Doch Filser setzt mit diesem Buch auch Glanzlicher, gewährt Einblick in einen Mechanismus, dessen Umfang man sonst nur sehr schwer erahnen kann. Er erzählt von den Zeremonien, hat dazu Preisträger und Beteiligte befragt, und setzt alle Teile geschickt zusammengefügt, wenngleich ohne ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. Das System Nobel hat einmal im Jahr Tag der offenen Tür, am 10. Dezember in Stockholm, schreibt Hubert Filser in seinem Buch, wahrscheinlich wohl wissend, das sein Werk darüber hinaus viele Geheimnisse preisgibt, die sonst auch am 10. Dezember Geheimnisse bleiben würden.
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