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Kundenrezensionen

3,7 von 5 Sternen
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3,7 von 5 Sternen
San Miguel: Roman
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
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am 22. März 2015
Ich bin wirklich ein Fan von Boyle - natürlich alle Bücher gelesen. Drum hat mich dieses Buch maßlos enttäuscht! Habe mich durch die letzte Hälfte gequält (warum eigentlich?), habe wohl noch auf eine "Auflösung" gehofft, auf Hinweise darauf, worauf Boyle überhaupt hinaus will. Glaubte ich zunächst noch, hier solle erneut über das Spannungsverhältnis Natur-Mensch geschrieben werden (war aber nicht so - ok - hatten wir auch schon mehrfach), breitet sich hier eine Düsternis über die Insel, den Ort der Handlung, und über die Personen aus. Immerhin konsequente Depression bis zum Schluß: eine Hauptperson erschießt sich. Die Insael wird zum Bombenabwurfplatz für die Navy... Wird uns aber mit nur eín einer Zeile mitgeteilt. Naja - was will uns der Autor damit sagen? Gar nichts?
Hoffe auf eine "neuen alten" Boyle!
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am 26. August 2013
Der amerikanische Bestsellerautor T. C. Boyle hat sich mit diesem Roman der Geschichte zweier Familien angenommen, die auf der kleinen Pazifikinsel San Miguel vor der kalifornischen Küste lebten. Aufmerksam geworden auf diese Geschichte ist er während seiner Recherchen zu dem vorhergehenden Roman „Wenn das Schlachten vorbei ist". Mit den beiden nacherzählten Familiengeschichten, die in unterschiedlichen Epochen spielen, die erste im 19. Jahrhundert und die zweite 50 Jahre später im 20. Jahrhundert, nimmt sich Boyle dem Phänomen des immer weiter nach Westen strebenden Pioniers an. Wir finden den über 400 Seiten starken Roman in drei Teile untergliedert vor. Die ersten beiden Teile, die um 1880 spielen, sind der Familie Waters gewidmet. Der dritte Teil rückt dann in die Zeit ab 1930 vor, ragt bis weit in den Zweiten Weltkrieg hinein und erzählt die Geschichte der Familie Lester. Die kleine Kanalinsel, auf die die beiden Familien ziehen, ist geprägt von kargem Land. Kaum Vegetation ist lediglich Schafzucht in diesem minimalistischen Lebensraum möglich. Der Autor stellt zu Recht die Frage, was bewegte diese Menschen, auf diese Insel zu ziehen. Während Marantha Waters und ihre Tochter Edith nur dem Ruf von Maranthas Ehemann folgen und das Gefühl haben, auf der Insel wie in einem Gefängnis zu leben, geht Elise Lester mit ihrem Mann aus freien Stücken auf die Insel und lebt sehr gerne auf dieser Insel.

Beide Familien haben tatsächlich existiert und es liegen Dokumente über deren Leben auf der Insel vor. Das besondere Verdienst Boyles ist es, die real existierenden Familien in eine fiktive Handlung eingebettet zu haben, um sie plastischer vor dem geistigen Auge des Lesers entstehen zu lassen. Erst durch die Handlungen und Dialoge, wie sie nur in einem fiktiven Roman, zudem von einem wortgewandten Schriftsteller wie T. C. Boyle und seinem präzise und ebenso wortgewandten Übersetzer Dirk van Gunsteren machen die Verhältnisse und das Leben auf dieser Insel spürbar. Auch die Herausarbeitung von Figuren, wie sie vom Schriftsteller bezeichnet werden, sind nur in einer fiktiven Geschichte möglich. Dies macht die Charakterstudien der beiden Familien äußerst lesenswert.
Wer mit dem Roman jedoch ein spannendes Abenteuer wie „Drop City“ oder „Amerika“ erwartet, der wird enttäuscht werden. Harte Auseinandersetzungen und Konflikte zwischen zwei Menschengruppen stehen nicht im Vordergrund. Wohl aber eben solch harte Konflikte zwischen den Bewohnern dieser Insel und den Naturgewalten. Diese brechen herein in Form von Stürmen, in Form des Zweiten Weltkrieges, in Form von Krankheiten. Mit San Miguel kann man sich einlassen auf einen eine historische Fiktion. Es besticht durch die vom Autor gewohnten präzisen Charakterstudien und detailreichen Beschreibungen der Landschaft, die Heimat des Inselfuchses ist, der nur auf dieser und fünf anderen kleinen Kanalinsel lebt.

Obwohl das Leben auf dieser Insel einem Abenteuer gleicht, ist der Roman kein Abenteuerbuch und man muss sich auf den Inhalt einlassen. Nichtsdestotrotz ist es hervorragend geschrieben und hat meine volle Punktzahl verdient. Ich freue mich auf ein Treffen mit dem Autor, wenn er in den nächsten Wochen durch Deutschland lesetourt.
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am 2. Februar 2014
Da war ich mehr als enttäuscht! Ich finde viele andere Bücher von TC Boyle wirklich gut. Dann habe ich "wenn das Schlachten vorbei ist" gelesen, hat mir auch gut gefallen. Und dann das! Da hat er die Reste von "wenn das Schlachten vorbei ist" zusammengerührt. Frechheit! Da ist keine Geschichte dahinter, nur 3 Erzählungen, die außer der Insel nichts miteinander zu tun haben, inhaltlich belanglos und ohne Dramatik.
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am 17. Oktober 2013
Vielleicht geht es euch auch so, dass ihr euch immer darauf freut, wenn ein neuer Boyle-Roman erscheint: Ihr freut euch auf die Dichte seiner Geschichte und die Tiefe seiner Protagonisten, auf die Beweg- und Abgründe ihres Handelns, auf überraschende Wendungen und Kapitelenden.

All dies werdet ihr bei 'San Miguel' nicht finden. Ich war von der Belang- und Ereignislosigkeit des Romans völlig überrascht; es wirkt so, als wäre Boyle überhaupt nichts eingefallen, aber als hätte er eben irgendwas schreiben müssen. Die Einfallslosigkeit beginnt beim Ort des Geschehens - nämlich San Miguel, eine Schwesterinsel von Santa Cruz, wo die Handlung des letzten Romans spielte - und setzt sich fort in einzelnen 'Handlungen', die wie Tagebucheinträge immer nur fragmentartig Szenen beschreiben, nie aber auf das boyle-typische dramatische Ende eines Kapitels hinsteuern.

So war es denn bei mir mehr ein Durchackern als ein Genuss. Völlig überrascht war ich schließlich vom dritten Teil des Buches: Er spielt 40 Jahre nach den ersten beiden Teilen und bringt plötzlich völlig neue Figuren ins Feld, die mit dem Geschehen der vorherigen Seiten kaum etwas zu tun haben und die zudem überhaupt keine Tiefe besitzen. Dieser Teil war schichtweg langweilig, und tatsächlich habe ich die letzten 30 Seiten eher überflogen als gelesen, weil ich am Verlauf der 'Geschichte' irgendwie das Interesse verloren hatte.

Unglaublich, und unglaublich schade! Hoffen wir mal, dass das nur ein Ausrutscher war.
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TOP 1000 REZENSENTam 13. September 2013
Seit Mitte der neunziger Jahre T.C. Boyles genialer Roman über Kalifornien und seine mexikanischen Einwanderer América" erschienen ist, bin ich ein großer Fan dieses Autors, dessen Bücher immer hervorragend recherchiert sind, vor allem dann, wenn sie sich an historischen Quellen orientieren.

So auch im Falle seines neuesten Werkes San Miguel", in dem der, ausgehend von der Historie der Santa-Barbara-Inseln vor Südkalifornien und Tagebuchaufzeichnungen, auf die Boyle im Zuge seiner Recherchen gestoßen ist, die Schicksale dreier Frauen auf diesem unwirtlichen Eiland schildert.

Es beginnt mit Marantha Waters, die im Jahre 1888 mit ihrem Mann Will und der Adoptivtochter Edith auf San Miguel ankommt, getrieben von dem Glauben an ein besseres Leben und der Hoffnung, dass die Meeresluft die Schwindsucht, an der sie erkrankt ist, heilen wird. Der Leser ahnt schon bei der Schilderung der Ankunft, dass sich diese Wünsche nicht erfüllen werden, denn die Insel ist Ödland, auf dem es außer Schafen und einer heruntergekommenen Behausung nichts gibt. Und so zerstört dieses entbehrungsreiche Leben schlussendlich nicht nur die Ehe, sondern auch das Leben von Marantha.

Edith, die adoptierte Tochter, wird sechzehnjährig nach dem Tod der Mutter von ihrem tyrannischen Vater gezwungen, das Internat auf dem Festland zu verlassen und nach San Miguel zurückzukehren. Dort soll sie als Dienstmagd für den Vater und die Arbeiter der Schaffarm putzen, waschen und kochen - nicht gerade das, was sich eine junge Frau von dem Leben erhofft. Sie hasst ihr Leben auf der Insel und greift in ihrer Verzweiflung nach jeder sich bietenden Möglichkeit, um dieser Hölle zu entfliehen.

1930 kommen Elise und Herbie Lester voller Optimismus nach San Miguel. Dem Ehepaar werden zwei Töchter geboren und anfänglich scheint in ihrem neuen Leben alles im Lot zu sein. Aber auch sie müssen bald feststellen, dass man nicht nur von Luft und Liebe leben kann. Und als im Zuge des Zweiten Weltkriegs Soldaten auf der Insel stationiert werden, spitzt sich die Lage zu.

Meisterhaft versteht es T.C. Boyle die Stimmung dieses kargen Lebensraumes zu beschreiben, in dem Träume zerschellen und Leben zerstört werden. Fast schon im Stil einer Sozialreportage schildert er das tägliche Leben seiner Protagonisten sowie die allmähliche Veränderung ihrer Persönlichkeit. Fast könnte man glauben, dass jeder, der auf San Miguel ankommt, dem Untergang geweiht ist und die Insel ihren Tribut in Form von Leben fordert.

Ein großartiger historischer Roman, der mit den in diesem Genre üblichen Herz-Schmerz-Schmonzetten, nichts, aber auch gar nichts gemeinsam hat!
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VINE-PRODUKTTESTERam 3. Februar 2017
T.C.Boyle ist ein guter Beobachter und Erzähler. Er erzählt aus drei weiblichen Perspektiven, wie das Leben auf einer kleinen und sehr einsamen Insel empfunden wird. Während es für zwei der Frauen die Hölle und eine Qual ist, möchte die dritte Frau die Insel am liebsten nie mehr verlassen. Für Marantha und Edith ist es eine Belastung ohne Gesellschaft und Gespräche, ohne Komfort und Abwechslung zu leben, während für Elise die Ruhe, die wiederholenden Tätigekiten das ideale Leben sind. Boyle lässt kein Detail und keine Regung aus. Zum einen ist es gerade diese Präzision, die die Geschichten so besonders machen, zum anderen jedoch verliert sich Boyle manchmal in ihr, so dass es etwas langatmig werden kann. Dank Jan Josef Liefers sehr guten Erzählweise kann man diese langen Strecken jedoch ganz gut wegstecken.
Ich weiß nicht, ob ich das Buch gelesen hätte, aber in erzählter Form fand ich es gut und unterhaltsam.
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am 23. Mai 2014
Bin jetzt auf Seite 119. Nicht viel ist passiert. Eine TBC-kranke Frau landet mit Ihrer Familie auf einer Insel vor Californien. Von der damaligen Wirtschaftskrise wird nicht viel erzählt. Das Haus ist schmddelig und es tropft der Regen und alle sind irgendwie unzufrieden. Was solls. Niemand hält zusammen und die Individuen des Romans bekriegen sich. Soll ich weiterlesen? Meine tochter fands auch öde. Ist das jetzt amerikanische Literatur?
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am 25. Januar 2014
ich habe quasi alle Bücher von T.C Boyle gelesen. Ich mag seine Bücher, jedes ist wieder anders und mit immer interessanten Charakteren. Dieses Mal, beim Lesen von San Miguel, war ich aber sehr enttäuscht. Dieses Buch ist so durch und durch deprimierend, es gibt im ganzen Buch kaum einen Moment, wo mal Fröhlichkeit oder Wärme aufkommt, alles, das ganze Buch hindurch, ist nur traurig, triste, elendig. Ich hatte beim Lesen immer darauf gehofft, dass irgendwann eine Wende kommt, dass irgendwann auch mal etwas Schönes, Glückliches passiert, aber nein, bis zum Schluß (das große Finale der Depression!)gibt es nur Traurigkeit. Ich bin froh, dass ich dieses Buch, trotz allem bis zum Ende gelesen, weglegen kann.
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am 7. Januar 2015
Habe ALLE Boyle Bücher gelesen und muss sagen das hier kann man sich getrost schenken, die letzten beiden Bücher von Boyle ebenfalls ("Die Frauen" und "Wenn das Schlachten vorbei ist"). Alles davor ist wirklich deutlich Besser, sogar so das man es 2x lesen würde, aber irgendwie scheint mir das hier nur noch langweiliger Zwangsoutput
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am 9. Oktober 2013
Der ehemalige Chef des Hanser-Verlags, Michael Krüger, hat in den Jahren 2011 und 2012 eine Reihe von Selbstgesprächen vor laufender Kamera geführt, die allesamt bei YouTube anzuschauen sind. In dieser Reihe ging und geht es um einen Blick hinter die Kulissen des Verlagswesens, und in einer besonderen Folge, die neue Autoren und deren Chancen thematisiert, verdeutlichte Krüger, warum manchmal schlechte Bücher bekannter Autoren veröffentlicht werden und deshalb, weil die Zahl der Programmplätze eben begrenzt ist, nicht so viele gute Bücher von unbekannten Autoren. Verlage, so erklärte Krüger sinngemäß, sind dem Werk ihrer berühmteren Stammautoren verpflichtet, und dazu gehört es dann auch, Romane zu publizieren, die man sogar im Haus für eher misslungen hält.

Hanser ist der deutsche Stammverlag von T. C. Boyle, und "San Miguel" ist wahrscheinlich ein solches Buch.

Der amerikanische Romancier, der wunderbare und amüsante Erzählungen wie - natürlich - "Wassermusik", aber auch "Willkommen in Wellville", "Grün ist die Hoffnung", "América" und viele andere vorgelegt hat (zudem sehr bemerkenswerte Anthologien), bewegt sich mit seinem Werk schon seit einigen Jahren in eine Richtung, die es mir immer schwerer macht, ihm zu folgen. Da Boyle fraglos ein ungebrochen brillanter Erzähler ist, boten auch Rohrkrepierer wie der Identitätswechselroman "Talk Talk" oder die seltsame Architektenbiographie "Die Frauen" und selbst das vergurkte "Dr. Sex" über den Sexualforscher Alfred Kinsey noch genug Potential, um über den fast völlig fehlenden Humor und die eigenartige Regionalität der Themen hinwegzutrösten, die eben, und hier zeigte sich Boyles neue Ausrichtung, die amerikanische Geschichte im Kleinen erzählen, um sie im Großen mit Transparenz auszustatten. Das kann interessant sein, und vermutlich ist es das für die Amerikaner auch, aber für die "Welt da draußen" muss ein Romanautor schon ein bisschen mehr bieten, um sie bei der Stange zu halten. Im vorletzten Roman, "Wenn das Schlachten vorbei ist", dessen Schauplätze übrigens mit denen aus "San Miguel" weitgehend übereinstimmen, waren es die akribische Erzählweise und der politische Kontext der Geschichte, zudem skizzierte Boyle sein Personal besonders eindringlich, aber all das fehlt dem aktuellen Werk leider völlig.

Um was geht es? Nun, das lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen. Vor der kalifornischen Küste, nicht unweit von Santa Barbara, gibt es eine kleine Inselgruppe, zu der auch das eher karge "San Miguel" gehört. Auf diese Insel zieht in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts eine kleine Familie, um dort Schafe zu züchten. Finanziert wird das Projekt von der schwindsüchtigen Ehefrau, die sich von der klimatischen Veränderung Heilung erhofft, der tendenzcholerische Zweitmann arbeitet, und es gibt noch eine hübsche Tochter, die sich auf dem Eiland vor allem langweilt. Am Ende des ersten Teils stirbt - wenig überraschend - die Ehefrau, im zweiten Teil kehren Stiefvater und Tochter auf die Insel zurück. Im dritten Teil des Romans erleben wir, in den Dreißigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts angekommen, eine andere Familie auf der Insel. Auch die züchten dort Schafe, sind aber überwiegend viel glücklicher als ihre Vorgänger. Den geschichtlichen Kontext bilden die Weltwirtschaftskrise und der drohende Zweite Weltkrieg, vorher waren es die Armut der oberen Unterschicht und der mählich versiegende amerikanische Traum. Die Gemeinsamkeit der beiden Familien, deren Geschichten erzählt werden, bestehen aus der einsamen Insel und der Schafzucht. Die Einsamkeit wird im dritten Teil etwas gebrochen, da es inzwischen Radios und Flugzeuge gibt; man ist nicht mehr ausschließlich auf das alle paar Monate eintreffende Versorgungsschiff angewiesen.

Nunwohl. Boyle hat ja nicht damit aufgehört, großartig erzählen zu können, wenn man auch den boyleschen Humor mit dem Teleskop in "San Miguel" suchen muss, ohne übrigens fündig zu werden, aber was er da erzählt, vermutlich inspiriert durch die Recherchen zu "Wenn das Schlachten vorbei ist", beschränkt sich auf eine marginale, aber nicht durchgehende Handlung ohne den Hauch eines Spannungsbogens, sehr oberflächlich konturiertes Personal und ansonsten jene Geschehnisse, die man auf einer Schafzucht-Insel irgendwo vor der Küste Kaliforniens nun einmal erwarten würde - Stürme, fremde Besucher, Unfälle, viel Lammfleisch und das gelegentliche Auftauchen der Scherer, eingebettet in eine Art Doku-Soap. Es gelingt dem Autor durchaus, die Atmosphäre und die Besonderheiten des Insellebens zu veranschaulichen, aber wenn es um Emotionen und menschliche Interaktion geht, bleibt Boyle verblüffend zurückhaltend, ist sich nicht einmal dafür zu schade, beispielsweise einfach zu behaupten, eine Person wäre glücklich, statt es zu zeigen. Einzig jener Tochter, um die es im ersten und zweiten Teil auch geht, obwohl ihr Schicksal anschließend in wenigen Sätzen abgehakt wird, wird etwas wie Figurenzeichnung zuteil, leider aber auch in vorhersehbarer und teilweise ziemlich klischeehafter Weise. Das vergleichsweise umfangreiche Personal im dritten Teil muss demgegenüber fast ohne Eigenschaften auskommen.

Bleibt ein Buch, das wieder einmal (eine) amerikanische Geschichte erzählt, in dem viel geschildert wird, aber nur wenig geschieht, und das eine Zähigkeit entwickelt, die bei Boyle langsam typisch zu werden droht. Eine Entwicklung oder Humor, gar Spannung sucht man vergebens. Das Buch ist so öde wie die titelgebende Insel - vermutlich - ist, dabei routiniert heruntererzählt, ohne Tiefe zu entwickeln. Und die Frage, was Boyle mit diesem langweiligen Roman sagen wollte, kann zumindest ich nicht beantworten. Leider: Verschwendete Lesezeit.
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