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Kundenrezensionen

4,2 von 5 Sternen
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4,2 von 5 Sternen
Paradiessucher
Format: Broschiert|Ändern
Preis:14,90 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 16. Februar 2013
Die 17-jährige Lenka lebt mit ihrer Mutter, die in einem Friseursalon arbeitet, in einer tschechischen Kleinstadt. In den achtziger Jahren erscheint der Sozialismus unendlich trist. Man soll sich unterordnen, gehorchen, nicht aus der Reihe tanzen. Nicht mal richtiges Klopapier gibt es. Ein Konsumparadies ist das Land wahrlich nicht. Die Schule und die konventionellen Fächer langweilen Lenka, und so gibt sie sich keine Mühe. Sie möchte Schauspielerin werden. Nachdem sie zum wiederholten Male nicht an der Schauspielschule angenommen wird, argwöhnt sie : Könnte es sein, dass es nicht an ihrem mangelnden Talent liegt, sondern an fehlenden Beziehungen ? Die Familie ist schliesslich nicht auf Parteilinie. Der Alltag ist dröge, Abwechslung bieten da die Freundin Drobina und der Freund Pavel, der Lenka zwar liebt, aber auf ihre Bedürfnisse nicht unbedingt Rücksicht nimmt.

Früh heiraten, Kinder kriegen, das möchte Lenka nicht.
Eines Tages kommt ein Brief - und ein Urlaub in der BRD wird zum Sprungbrett ins Westparadies. Keine leichte Entscheidung! Doch das neue Leben im Westen ist hart, Lenka und ihre Mutter werden teils diskriminiert und müssen ganz von vorne anfangen. Selbst ein Schulbesuch will erkämpft sein. Und Lenka erkennt, dass Konsumgüter allein nicht glücklich machen.

Doch Lenka boxt sich durch...

Sprachlich und stilistisch sieht der Leser alles mit den Augen des Teenagers. Flapsig, frech, ungestüm und unmittelbar nimmt er teil an den Gedanken und Erfahrungen des Mädchens. Die Ich-Perspektive verstärkt dies stilistisch noch. Der Roman liest sich flott und flüssig, nur hätte ich mir manchmal ein wenig mehr Tiefgang gewünscht, was aber mittels der gewählten Erzählperspektive evtuell schwierig zu realisieren ist.
Als Jugendbuch funktioniert der Roman aber vorzüglich und eröffnet dem Leser neue Perspektiven und Einblicke.
Was heisst es, "fremd" zu sein, und ist es nicht jedem Menschen selbst überlassen, seine Identität zu definieren ?
Der Roman ist empfehlenswert für alle, die ihren Lesehorizont erweitern möchten.
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am 13. Februar 2013
Der Gedanke, sich aufzumachen, um das Paradies zu suchen, kommt der siebzehnjährigen Lenka Hrózová 1986, nachdem ihr die Schauspielschule, bei der sie sich beworben hat, eine Absage erteilte. Ihr fehlt es nicht an Talent und Enthusiasmus, aber der Text des amerikanischen Schriftstellers Tennesse Williams, den sie zum Vorsprechen verwendet, findet aus politischen Gründen keine Gnade vor den Augen der Jury.
Lenka, die mit ihrer Familie in Prerov, einer böhmischen Kleinstadt lebt, beschließt, ein Visum, das für sie und ihre Mutter bewilligt wird, um Verwandte in Westdeutschland zu besuchen, als "one-way-Ticket" ins Paradies zu nutzen und nicht zurückzukehren. Lange schon belastet sie die Unfreiheit und Enge ihrer dörflichen Rückständigkeit, sowie die ständige Furcht vor Denunziation und staatlicher Willkür. Ein voraussehbares Leben, wie es in seiner illusionslosen Gesetzmäßigkeit auf sie zukommt, bietet keinen Anreiz zu bleiben, und selbst der Verlust von liebgewordenen Menschen kann sie nicht zurückhalten.
Mit angstvoll gespaltenen Gefühlen läßt sie ihre beste Freundin Drobina, ihre Cousine Trubka und ihre Jugendliebe Pavel zurück und startet eines Tages mit ihrer Mutter Nadja im frisch geputzten Fiat Richtung Paradies - einer Insel der Seligkeit entgegen, deren wages Bild durch westliche Medien, deren Werbung für heiß ersehnte Konsumgüter und den unbändigen Drang nach Freiheit und Wohlstand entstanden war.
Eine wahrhafte Odyssee beginnt, ein schwieriger Weg über Grenzen und Barrikaden, über Hindernisse in Sprachen und Formalitäten und vor allem ein Wandel zu einem anderen Ich, mit bisher nicht erkannten Werten und Wünschen und einer neuen Form der Verwirklichung.
Rena Dumont läßt uns einen wunderbaren Roman lesen. Mit dem Herzen geschrieben, wie ein Stück ihrer selbst, erreicht er nach wenigen Zeilen schon das Herz der Leser.
Problemlos können wir auch die Eindrücke umsetzen, die von den Protagonisten ausgehen, eindringlich überzeugend ist die tändelnde Verhaltensweise der jungen Lenka und ihrer Altersgenossinnen, die ein Spiegelbild der Auswirkungen des Regimes abgibt, in dem den Menschen so Vieles vorenthalten wurde, selbst die Gründe, Eigenverantwortung zu übernehmen.
Wozu also irgendwelche Flugversuche machen, wenn deine Flügel sowieso beschnitten waren?
Besser man akzeptiert, was unabdingbar kommen und danach sein wird, so bleibt dann kein Raum für Enttäuschung. Eine Haltung, die verständlich und logisch erscheint
Und ebenso greifbar und nachvollziehbar ist der Wandel, der eines Tages vollzogen werden muss, damit man im selbstgewählten Paradies die Dinge findet, um derentwillen es seinen Namen vielleicht verdient.

Ein wunderbares Buch voller Gefühl, Humor und Menschlichkeit, für das meine unbedingte Leseempfehlung gilt und dem ich gerne fünf "paradiesische" Sterne erteile.
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am 16. Februar 2013
"Paradiessucher" beinhaltet echte und fiktive Erfahrungen der Autorin, die mich wirklich sehr bewegt und mitgerissen haben. Irgendwie sind die Zustände der Ostblockländer komplett an mir vorbeigegangen. Muss ich mich nun schämen, das ich so ahnungslos war oder zählt die Entschuldigung, das ich sehr jung war zur Zeit der beschriebenen Flucht und andere Dinge für mich zählten? Ich war damals quasi ein Küken und ging noch zur Schule. Ich hatte andere Sorgen, obwohl sich Lenkas Gedanken und meine nicht wirklich voneinander unterscheiden. Klamotten und Jungs waren für mich auch ziemlich aktuell. Ich habe auch geklaut wie ein Rabe und es war ein echter Volkssport unter uns Freundinnen, bis wir erwischt wurden, dann war es plötzlich nicht mehr witzig. Lenka würde die Abschiebung drohen, mir nicht. Für mich gab es andere Strafen.

Ich fand das Buch sehr authentisch und konnte mich sehr gut in die Ängste und Sorgen von Lenka und ihrer Mutter hineinfühlen. Vor der Flucht, während der Flucht und auch danach, denn es dauert bis sie ankommen (damit meine ich jetzt ankommen in dem Sinne von Zuhause fühlen) und die Sorge doch wieder zurück zu müssen herrscht lange vor. Zwischenstation machen die beiden in einem Asylantenheim und da geht es echt ab, da haben sich mir teilweise die Nackenhaare aufgestellt. Kein Ort für ein 17 Jähriges Mädchen definitiv.

Ich fand den Lerneffekt für mich sehr hoch, denn ich sehe die Unterschiede zwischen Ost und West, aber auch das Deutschland nicht immer das bietet, was erwartet wird. Meine Schwiegerfamilie ist 1979 aus Russland umgesiedelt und haben erst einmal zu 8 Personen in einer Notwohnung gehaust. Man überlebt die Enge, aber dennoch zerrt es an den Nerven. Für Lenka und ihre Mutter gibt es auch nur einen Raum, aber letztendlich doch keine Privatsphäre. Es hat mich gleichzeitig geschockt und dennoch fasziniert.

Ein Buch, welches unbedingt gelesen werden muss, denn es beinhaltet Wahrheiten und jede Menge Authentizität. Ich fühlte mich Lenka sehr verbunden und litt und bangte mit ihr. Vom Alter her bin ich wohl eher ihre Mutter, aber ich habe es dennoch nicht vergessen mit welchen Sorgen ich mich mit 17 herumgeplagt habe. Mein Sohn, fast 17 hat es um einiges leichter, denn er darf das Lernen was er möchte und braucht keine Freunde in der Partei, denn hätte er diese nicht, würde er auch nicht lernen dürfen was er wollte. Sein Leben wäre schon vorprogrammiert und vorherbestimmt. Ich kann Lenkas Wunsch also verstehen in den goldenen Westen zu flüchten, auch wenn es erst einmal nicht so erscheint als würde es sich zum Besseren wenden für Mutter und Tochter.

Lenka nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand. Sie will nicht warten das Veränderung eintritt. Sie kämpft dafür zur Schule gehen zu können und das weist für mich auf einen wirklich starken Charakter hin. Immerhin hat sie alles aufgegeben was ihr wichtig war um ihre Träume zu leben. Nun ist sie in einem anderen Land, kann die Sprache nicht und auch die Zukunft ist ungewiss. Die Freunde die man hatte, das Essen was man kannte, die Sprache, die man sprach, die Familie die man liebt und mit der man nur noch oder Brief oder Telefon kommunizieren kann........ alles ist anders und muss neu entdeckt werden. Man fängt von 0 an und hofft das Beste.

Das Ende ist offen und ehrlich gesagt würde ich mich über eine Fortsetzung sehr freuen! Für mich war das Debüt der Autorin eine echte Entdeckung!
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am 16. Februar 2013
Die 80-Jahre zu Zeiten des kalten Krieges im Ostblock.

In einer Kleinstadt in der Tschechoslowakei lebt die 17-jährige Lenka allein mit ihrer Mutter, träumt von einer Schauspielkarriere und ist herrlich unangepasst für die damalige Sichtweise der Parteibonzen. Lenka, von der Schauspielschule abgewiesen, weil sie einen amerikanischen Schriftsteller für ein Vorsprechen ausgesucht hat, hält es nicht mehr aus. Da kommt aus heiterem Himmel ein Brief mit dem langersehnten Urlaubsvisum für Deutschland für sie und ihre Mutter. Das Paradies ist nahe. Für beide steht fest: Wir bleiben dort und kommen nicht zurück!" Wirklich? Die beiden sind hin- und hergerissen, wollen ihre Familie nicht allein lassen, aber dableiben wollen sie auch nicht. Zu düster sind die Zukunftsaussichten, und Lenka will nicht wie alle heiraten, Kinder kriegen und damit ist das Leben vorbei, keine Überraschungen, das schon bekannte und wohlbeobachtete Einerlei.

Mutter und Tochter machen sich auf den Weg mit ihrem alten Auto, nur das Nötigste eingepackt, alles andere lassen sie zurück. Die Reise nach Deutschland wird für beide zum Wechselbad der Gefühle, unzählige Male werden Meinungen gemacht und wieder verworfen. Am Ende entschließen sie sich doch, den Schritt zu wagen und Asyl in Deutschland zu beantragen. Sie landen in einem Asylantenheim am Königssee, wohnen dort in einem kleinen Zimmer unter einem Dach mit vielen verschiedenen Nationalitäten und warten auf die Ausstellung der Aufenthaltserlaubnis.

Dies soll das Paradies sein? Keiner spricht Deutsch, man ist isoliert von normalen Einwohnern, keiner kümmert sich wirklich, die Menschen werden sich selbst überlassen. Die Menschen bringen sich Tricks zum Klauen bei, damit sie sich Deo und andere Kleinigkeiten organisieren" können, weil das Geld nicht reicht. Und Lenka und ihre Mutter sind mittendrin, mal völlig verzweifelt, dann wieder hoffnungsvoll. Sie bewegen sich wie in einem luftleeren Raum.

Doch dann beweist Lenka Eigeninitiative, meldet sich für eine deutsche Schule an, damit sie endlich die Sprache lernt und somit auch bessere Chancen hat, den Start in ein neues Leben besser zu bewältigen und erreicht durch ihr schauspielerisches Talent auch die Gewährung der Aufenthaltsgenehmigung für sich und ihre Mutter.
Rena Dumonts Debütroman Paradiessucher" ist ein Kleinod. Erzählte Erfahrungen und Selbsterlebtes verwebt die junge Autorin zu einem anrührenden Roman, der einen mitten ins Herz trifft.

Die Protagonistin Lenka ist einem gleich sympathisch, weil sie eben nicht angepasst ist, sondern mutig und mitreißend. Der Schreibstil ist flüssig, die Kapitel kurz, allerdings gerät man als Leser in einen Strudel, kann gar nicht schnell genug weiterlesen, weil man unbedingt wissen möchte, wie es mit den beiden weiter geht. . Rena Dumont hält uns den Spiegel vor. Wie viel Mut gehört dazu, nochmals ganz von vorn anzufangen, in einem fremden Land, dessen Sprache man nicht versteht und auch nicht spricht, alles hinter sich zu lassen, Familie, Freunde, alles Vertraute? Würde ein jeder von uns das können?

Das Buch kann ich nur jedem wärmstens ans Herz legen, der sich für unsere jüngste Geschichte und deren Schicksale interessiert und der diesen Menschen den nötigen Respekt entgegen bringt. Mit diesem gefühlvollen, aber auch humorigem Roman wird man bestens unterhalten. Bitte unbedingt lesen!!!
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am 25. Februar 2013
Die 17-Jährige Lenka hat große Träume: Sie möchte die Freiheit haben, Kleider zu tragen, die ihr gefallen, Gedanken auszusprechen, die ihr belieben, die Schauspielschule aufgrund ihres Könnens besuchen zu dürfen und nicht aufgrund von Beziehungen, politischen Einstellungen oder Bestechung. In einem sozialistischen Land der 1980iger stoßen ihre Träume an Grenzen. Als ihre Mutter und sie das langersehnte Visum für Deutschland erhalten, scheinen sich all ihre Träume von einer Flucht in die Freiheit plötzlich zu erfüllen - doch die neu gewonne Freiheit ist an harte Bedingungen geknüpft und auch im Westen gibt es viele Beschränkungen. Wird Lenka ihr Paradies finden?

Der Roman beinhaltet unterschiedliche Phasen von Lenkas Flucht: die Planungsphase mit dem Zerrissensein zwischen Bleiben und Flucht, der Wirklichkeit und den Träumen, dem Vertrauten und dem Unbekannten, das Leben im Asylantenheim im Schwebezustand - es gibt kein Zurück mehr, aber auch noch kein richtiges Vorankommen -, und zuletzt die Phase einer zu erahnenden Integration, die nicht auf Anpassung beruht, sondern auf Auseinandersetzung mit dem neuen Land, der neuen Gesellschaft, dem neuen sozialen Umfeld. Mir gefällt der Sprachstil, der so natürlich und authentisch in die Gedanken- und Gefühlswelt von Lenka einführt, so kurzweilig und berührend durch den Roman lenkt und schonungslos ehrlich, teilweise bewusst provokant Missstände thematisiert. Ich wurde durch den Roman auf vielfältige und einfühlsame Weise für das Thema sensibilisiert.
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am 16. März 2013
Lenka ist 17 Jahre alt und lebt in dem kleinen Ort Přerov in der Tschechoslowakei. In dem kommunistischen Staat fühlt sie sich nicht frei, ihren Traum Schauspielerin zu werden, kann sie nicht verwirklichen, da sie nicht über die nötigen Beziehungen verfügt. Sie sehnt sich nach dem westlichen Paradies. Das scheint plötzlich zum Greifen nah als sie und ihre Mutter ein zweiwöchiges Visum für Deutschland bekommen. Doch schnell stellen die beiden fest, dass einem auch im vermeintlichen Paradies keine gebratenen Tauben in den Mund fliegen…
Rena Dumont ist mit ihrem Roman „Paradiessucher“ ein wirklich sehr gutes Debüt gelungen. Der Roman ist in der Gegenwart aus der Perspektive der 17-Jährigen Lenka geschrieben, was ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig fand. Doch nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, hat diese Perspektive dazu beigetragen, dass ich mich sehr gut in sie hineinversetzen konnte. Die Sprache ist passend zur jungen Protagonistin etwas schnoddrig und locker, manchmal auch vulgär, aber immer sehr emotional.
Es werden sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte der Emigration angesprochen, was mir sehr gut gefallen hat. Lenka und ihre Mutter tun sich nicht leicht mit der Entscheidung, ob sie ihr Heimatland verlassen sollen oder nicht. Lenka ist dabei oft ein wenig naiv, so erzählt sie zum Beispiel vor der Abreise ihrer Freundin von der geplanten Auswanderung oder schreibt ihr später von Deutschland aus einen Brief, der natürlich von den Behörden gelesen wird. Man merkt aber auch, wie sie in den acht Monaten, die im Roman beschrieben werden, erwachsener und reifer wird.
Insgesamt hätte ich mir manchmal doch noch ein wenig mehr Tiefgang gewünscht. Die Konflikte und Probleme werden schon deutlich, hätten aber auch noch deutlicher herausgearbeitet werden können. Zudem hat mich das Ende ein wenig enttäuscht, da es sehr plötzlich kam.
Trotzdem kann ich „Paradiessucher“ auf jeden Fall weiterempfehlen. Es ist eine sehr schöne Geschichte über Familie, Liebe, das Erwachsenwerden und das vor der Kulisse einer nicht immer einfachen Emigration. Dafür 4 von 5 Sternen.
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am 28. Februar 2013
"Paradiessucher" ist der erste Roman der Autorin Rena Dumont und enthält viel autobiografisches. Zwar sind einige Dinge ausgeschmückt oder hinzugefügt worden, vieles entspricht jedoch wahren Begebenheiten und gerade das macht den Roman besonders interessant. Wenige junge Deutsche wissen, wie es in den 80er Jahren in der Tschecheslowakei zuging. Woher auch? Allein deshalb ist es schon interessant, dieses Buch zu lesen. Aber darüber hinaus öffnet es auch die Augen, dafür, wie es sein mag, in ein fremdes Land zu flüchten und Asyl zu beantragen. Wie fühlt man sich in einer solchen Situation? Wie handelt man? All diese Fragen beantwortet Rena Dumont in diesem Debüt und unterhält den Leser dabei so gut, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen will.
Ich konnte die Handlungen der einzelnen Personen nicht immer nachvollziehen, aber das ist wohl verständlich, denn in außergewöhnlichen Situationen handelt man nicht immer vernünftig und ich war nie Asylbewerber, kann also aus keinem eigenen Erfahrungspool schöpfen. Ich finde es aber gerade deshalb gelungen, weil die Autorin nicht versucht, die Dinge zu beschönigen, sondern eher ein Dokument einer harten Zeit abliefert und an einigen Stellen hatte ich durchaus einen Kloß im Hals.

Eigentlich dachte ich, das Buch sei als Jugendbuch einzuordnen, nach dem Lesen finde ich einige Stellen aber etwas zu heftig beschrieben, sodass ich jüngeren Lesern das Buch wohl nicht ohne Weiteres in die Hand drücken würde. Die oftmals empfohlene Alterskategorie ab 14 finde ich zu jung, aber vielleicht bin ich da auch nur zu prüde? 16 oder 17-Jährige sollten allerdings heutzutage mit den freizügigen Beschreibungen wahrscheinlich keine Probleme haben.
Der Schreibstil ist jugendlich direkt und die Autorin nimmt wahrlich kein Blatt vor den Mund. Hinzu kommt, dass die Kapitel meist recht kurz gehalten sind und man schneller weiterliest, als man eigentlich wollte - und schwupps ist man fertig und will eigentlich noch viel mehr über Lenkas weiteres Leben wissen. Aber eine Fortsetzung ist wohl geplant - zum Glück!
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TOP 500 REZENSENTam 4. April 2013
Tschechoslowakei, 1986. Lenka ist fast 17 und träumt seit Jahren davon, mit ihrer Mutter in den goldenen Westen zu flüchten. Schauspielerin will sie werden und Jeans und modische Tops kaufen. Überhaupt ist Deutschland ja das Paradies schlechthin, wenn man den West-Zeitschriften glauben darf.

Und dann ist es endlich so weit. Lenka und ihre Mutter Nadja erhalten ein Visum für einen zweiwöchigen Urlaub in Deutschland. Sie haben nicht vor, wieder zurückzukehren, wollen in Deutschland Asyl beantragen. Doch ganz leicht fällt der Entschluss nicht, müssen sie doch Familie, Freund und beste Freundin zurücklassen, ebenso ihr ganzes Hab und Gut. Rena Dumont schildert sehr glaubhaft die Zweifel, die die beiden immer wieder überfallen, ob sie das Richtige tun, ob sie nicht doch lieber wieder umkehren und sich mit dem gewohnten Leben in der Tschechoslowakei zufriedengeben sollen. Besonders Lenka motiviert ihre Mutter immer wieder, an dem gefassten Plan festzuhalten, obwohl sie ihren Freund Pavel schon kurz nach der Grenze schmerzlich vermisst. Doch die Verlockungen des Westens sind stärker. So lassen die beiden ihr bisheriges Leben hinter sich „… in der Hoffnung, etwas zu finden, was eigentlich völlig unwesentlich ist…“ (S. 222) Doch bis zu dieser harten Erkenntnis ist es ein weiter, schmerzvoller Weg.

Mit einem Augenzwinkern beschreibt Dumont die Schwierigkeiten der beiden Tschechinnen. Des Deutschen gar nicht mächtig, schlagen sie sich mit Händen und Füßen durch, erobern sich ihren Platz im Asylantenlager und warten über Monate auf die Einladung zum „Verhör“, das klären soll, ob sie Asyl bekommen oder abgeschoben werden.

Erzählt wird in Ich-Form aus der Perspektive von Lenka in einer frischen, jugendlichen Sprache, die angenehm zu lesen ist. Leider bleibt aufgrund der Jugend doch die Tiefe der Protagonisten und der Geschehnisse etwas auf der Strecke. Auch die Gefühle der Protagonisten kamen aufgrund der relativ emotionslosen Sprache nicht bei mir an. Es wurde zwar viel geweint und auch erzählt, warum. Aber es konnte mich wenig berühren. Ich fand es zwar gut, dass auch die normalen Alltagsprobleme von Jugendlichen, wie Schule, Freunde und Pickel zur Sprache kommen. Doch haben mich zwei Dinge beim Inhalt gestört. Lenka scheint ständig mit dem Erstbesten ins Bett zu gehen, obwohl sie Sex gar nicht als schön empfindet. Und die Darstellung der Asylbewerber bestätigt die Vorurteile, die hier viele Menschen ihnen gegenüber haben. Denn Lenka und ihre Mutter begehen regelmäßig Ladendiebstähle im großen Stil. Dabei fürchten sie zwar Entdeckung durch die Polizei, sind sich aber eigentlich keines Unrechts bewusst, was man selbst von einer 17-Jährigen doch schon erwarten könnte.

Insgesamt hat das Buch daher bei mir gemischte Gefühle hinterlassen. Ich gebe gute 3 Sterne dafür.
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am 15. Februar 2013
Die Zeit des Ostblocks. Der kalte Krieg ist noch in vollem Gange. Lenka ist 17 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einem kleinen Ort in der Tschechoslowakei. Mitte der 80er Jahre erhalten sie nach jahrelanger Wartezeit ein Urlaubsvisum für Deutschland, und nun: Wiederkommen oder nicht?

Lenka will Schauspielerin werden, in der Tschechoslowakei des Ostblocks ohne entsprechende Beziehungen ein Ding der Unmöglichkeit. Es bliebe der übliche Lebenslauf: Sehr früh eine Familie gründen, in einem zugeteilten Job funktionieren und sich mit 30 wie eine Greisin fühlen. So will Lenka nicht leben, und so schlüpfen sie und ihre Mutter bei Verwandten unter, beantragen Asyl und landen im Asylbewerberheim Königsee.

Der Kulturschock ist groß; alles ist fremd. Warum machen Fa Deodorant und Coca Cola überhaupt keinen Spaß mehr, warum macht die lang ersehnte Konsumfreiheit sie nicht glücklich? Lenka ist enttäuscht - kein Paradies weit und breit. Stattdessen ist die Sprachbarriere gewaltig, die drangvolle Enge im Heim kaum auszuhalten. Noch schlimmer die Perspektivlosigkeit: Bleiben dürfen oder abgeschoben werden?

In dieser Situation tut Lenka sich schwer, zweifelt, bereut ihre Flucht und gerät fast auf Abwege. Aber schließlich erkennt sie: Das Paradies ist nirgendwo, oder überall.

Lenka erzählt uns ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive. Ihre jugendliche Sprache ist direkt, unverblümt, kess, manchmal drastisch, so als würde sie unmittelbar, ohne Umweg über das Schriftliche, zu uns sprechen. Dadurch ist man sehr nah dran an der Figur. Und kommt einem ihre Sichtweise am Anfang vielleicht etwas flach und naiv vor, so gewinnt sie nach dem ersten Drittel zusehends an Tiefe.

Rena Dumont teilt mit uns Erfahrungen, die sie so selbst erlebt, beobachtet oder erzählt bekommen hat. Ihr Stil ist schnell, extrem lesbar und unterhaltsam. Literarischen Ansprüchen genügt er vielleicht nicht. Aber ihr gelingt es zu vermitteln, wie hoch der Preis für die Freiheit des Westens ist. Sie zeigt: Bei Null zu beginnen kostet unglaublich viel Kraft und Mut. Ihre sympathische Heldin hat beides - und verdient unseren Respekt.

"Paradiessucher" mit seinem halb ernsten, halb flippigen Ton hat das Potential, Verständnis zu erzeugen und integrativ zu wirken. Ich wünsche diesem gelungenen Erstlingswerk schon deshalb viele, vor allem jugendliche, Leser.
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am 6. März 2013
1986 in Přerov, einer Kleinstadt in der Tschechoslowakei: Lenka ist 17 und träumt davon, Schauspielerin zu werden. Doch ihr Wunsch wird ihr verwehrt; ihre Mutter ist nicht in der Partei. Willkommen im Ostblock, wo sie sich sofort umziehen muss, wenn sie es wagt, in der Schule eine Bluejeans vom Klassenfeind zu tragen. Wo sie es sich nicht erlauben kann, Radio Freies Europa zu laut zu hören, weil sie nicht wissen kann, ob die Nachbarn sie nicht verraten. Wo monatelang Zeitungspapier als Klopapier dienen muss, weil die Planwirtschaft keine einzige Rolle in die Regale bringt. Doch Lenka will sagen können, was sie denkt. Sie will kaufen können, was sie sich wünscht. Sie will frei sein. Als sie und ihre Mutter ein Visum für zwei Wochen Deutschlandurlaub bekommen, ergreifen sie ihre Chance. Sie laufen gegen die Marschrichtung. Und kommen nicht zurück.

"Paradiessucher" ist das Romandebüt von Rena Dumont. Es ist eine fiktive Geschichte, die die Autorin aber im Kern so erlebt hat. Der Titel passt sehr gut und auch das Cover gefällt mir. Lenka ist ein sympathisches Mädchen, das aber auch etwas widersprüchlich wirkt. Bis auf die Mutter werden die anderen Charaktere nur äußerst vage beschrieben. Die Stationen ihrer Emigration vom Grenzübergang über das Asylbewerberheim Königssee bis hin nach Zirndorf, wo sich entscheidet, ob die beiden bleiben dürfen, sind gut nachvollziehbar.

Es ist eine berührende Geschichte, die tausende so oder so ähnlich erlebt haben. Man kann sich ohne Probleme in die Lage der Asylbewerber hinein versetzen. Man leidet mit ihnen, wenn sie zweifeln, ob die Entscheidung, ihr Land zu verlassen, die richtige war. Man freut sich mit ihnen, wenn sie einen positiven Brief erhalten haben, wenn sie ein neues deutsches Wort gelernt haben oder wenn sie sich einfach nur über einen geschenkten alten Farbfernseher freuen. Die vielen Gedanken, die Lenka mit sich herum trägt, und ihre Erkenntnisse treffen dabei bei weitem nicht nur auf ihre Lage als Emigrantin zu. Wenn man etwas bekommt, was man sich so lange gewünscht hat, ist die Freude gar nicht mehr besonders groß. Sie ist sich sehr lange nicht sicher, ob ihre Entscheidung richtig war und ob sie in ihrem neuen Leben glücklich sein kann. Sie weiß nur, dass sie es nie erfahren hätte, wenn sie den Versuch nicht unternommen hätte. "Ich finde hier keine gebratenen Tauben, die in den Mund hineinfliegen, nein, die werde ich hier niemals finden, so wie ich sie auf der ganzen Welt nicht finden werde. Nichts ist leicht und umsonst, alles hat seinen Preis." (S. 285)

Für meinen Geschmack hat das Sexualleben von Lenka einen zu großen Anteil an der Geschichte. Da sie jedoch ein Teenager ist und es die Autorin damals offenbar sehr bewegt hat, ist es verständlich. Ich hätte mir stattdessen noch mehr vom Alltag in der Tschechoslowakei gewünscht, da im Buch die Flucht recht schnell kommt. Man darf jedoch nicht vergessen, dass die beiden keine klassischen politischen Flüchtlinge sind. Bis auf die alltäglichen Schikanen hatten sie in ihrer Heimat nichts zu befürchten. Der Grund war letztendlich eher wirtschaftlicher Natur, wobei Lenka argumentiert, dass auch das zur Politik gehöre.

Ich finde es etwas verwunderlich, dass das Buch als Jugendbuch geführt wird. Auch wenn es vor allem durch die Protagonistin und die forsche Ausdrucksweise Jugendliche ansprechen wird, sollten es Erwachsene, die sich für das Thema interessieren, keinesfalls wegen des Genres übersehen. Das Lesen regt zum Reflektieren über die eigene Situation und die Paradiessuche an. Lesenswert.
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