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Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen
54
4,5 von 5 Sternen
Secondhand-Zeit: Leben auf den Trümmern des Sozialismus
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
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am 2. Januar 2014
Das Bild von Russland und/oder von der ehemaligen Sowjetunion in West-Europa ist mir irgendwie zu einseitig, zu sehr politisch geprägt. Mich hat es vor Allem interessiert, wie der Mensch, der normale Bewohner der Sowjetunion den Umschwung und die Entwicklung seit 1999 wahrnimmt, seine Meinung interessiert mich, seine Ansichten.
Swetlana Alexijewitsch hat es geschafft dieses Bild zu zeichnen. Sie hat die Menschen einfach sprechen lassen. Sie nimmt weder Einfluss auf das Gesagte, noch erfährt man ihre persönliche Meinung. Sie lässt den Menschen reden. Ausreden. Aus allen Altersgruppen, vielen Ländern und Teilen der ehemaligen Union, etwaigen gesellschaftlichen Schichten.
So entsteht ein sehr kontroverses Bild, ein anderes Bild, als das wir uns hier im Westen gemalt haben... bzw. für uns gemalt wurde.
Ich kann dieses Buch uneingeschränkt jedem Interessierten empfehlen.
5 Sterne!
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am 6. Oktober 2013
Die Autorin sammelt Stimmen aus der ehemaligen Sowjetunion und aus den Jahren nach der Wende. Eindrücke, Gefühle und Erinnerungen der Befragten fügen sich zu einem großen, eher traurigen Chor. Man versteht, wenn sich ältere Russen von der jetzigen Zeit enttäuscht fühlen. Ihr Leben lang haben sie gekämpft und gelitten. Viele vermissen im heutigen Russland Ideale und Wertvorstellungen, sie können nicht verstehen, wie man Freiheit an der Anzahl der Wurstsorten messen kann. Es kommen Menschen zu Wort, die Jahre ihres Lebens in Lagern verbracht haben und diese Qual nie mehr loswerden. Es wird aber auch von Schergen und Henkern berichtet, die zu Stalins Zeiten Massenerschießungen durchgeführt haben. Immer wieder taucht in den Interviews Stalins Name auf, leider auch mit Sehnsucht nach einer "starken Hand" verbunden.

Das Buch ist ein Spiegelbild sowjetischer Geschichte. Dieses "Gesellschaftsexperiment" hat viel länger als in anderen Ostblockstaaten die Menschen geprägt und lässt viele ratlos zurück, deren Ideale und Werte auf einmal nicht mehr gelten. Von etlichen Selbstmorden ist die Rede. Die Autorin führt in den Jahren nach 1990 lange Gespräche mit den verschiedensten Menschen, die sowjetische Vergangenheit spielt dabei immer eine zentrale Rolle: Straflager, Denunziationen, wirtschaftliche Not, aber auch Zusammengehörigkeitsgefühle und Ideale. Viele der Befragten vermissen die früheren intensiven politischen "Küchengespräche". Etliche Interviews berichten von den Konflikten, die im Süden Russlands nach dem Ende der Sowjetunion aufbrachen. Aus guten Nachbarn wurden über Nacht Feinde. Massaker und Plünderungen waren an der Tagesordnung. Massaker gegen Armenier, Russen, Asserbaidschaner, Tschetschenen. Freiheit scheint hier die Freiheit von allen Regeln und Gesetzen zu sein. Opfer der Terroranschläge in Moskau berichten. Viele Befragte klingen ratlos und resigniert.

Sympathisch sind allerdings im Buch auch die Menschen nicht, die den Umbruch in Russland begrüßen. Wende-Gewinnler , die klar sagen, dass für sie nur Geld zählt. Keine Beziehungen, sondern nur Reichtum.
Manche Menschen wandern aus, weil sie ein normales, ungefährliches Leben in Russland heutzutage nicht für möglich halten.

Das Buch lässt den Leser betroffen zurück. Es ist wenig von Glück und Zufriedenheit die Rede, wenig von Hoffnung und Aufbruch. Bedrückend, wie Intellektuelle jetzt an der Essensausgabe Schlange stehen müssen. Dieses geschundene Land scheint noch einen weiten Weg in die Demokratie vor sich zu haben.

Die Autorin bekommt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verdientermaßen. Schon in früheren Büchern hat sie sich mit kritischen Themen auseinandergesetzt: z.B. Schicksal der sowjetischen Soldatinnen im zweiten Weltkrieg oder der Afghanistankrieg der Sowjetunion. Ihr ist es wichtig, in der Historie nicht nur Fakten zu sammeln, sondern einzelne Menschen zu Wort kommen zu lassen.
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am 10. Oktober 2013
Die Autorin schreibt in einer Art Interview-Stil, allerdings ohne vorgefertigte Fragen.
Sie ermutigt ihre Protagonisten, ihr eigenes Leben zu erzählen.
Für den politisch, historisch und an Menschen interessierten Leser gibt es viel zu lernen und -hoffentlich!- zu verstehen.
Obwohl dieses Buch leicht verständlich ist, handelt es sich keineswegs um leichte Kost.
Es gibt viele Adjektive, mit denen man die Berichte beschreiben kann:
Erstaunlich, bedrückend, schockierend, unverständlich, traurig, Augen öffnend, ...
Mir hat es geholfen, ein ganzes Volk zu verstehen, auch wenn ich vieles keineswegs nachvollziehen kann.
Äußerst interessant, sehr glaubhaft und vor allem authentisch!
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am 26. April 2016
Swetlana Alexijewitsch gibt Menschen eine Stimme, die nie ein Buch verfasst hätten und vielleicht noch nicht einmal in der Zeitung aufgetaucht wären, geschweige denn im Fernsehen. Und doch staune ich über die große, offenbar russische Begabung des Schilderns, des Beschreibens, des Darstellens von zum Teil Unaussprechlichem. Das Buch ist Geschichte von "unten". Erzählt von Jung und Alt, Opfer und Täter, Träumern und Realisten. Ein Buch, wie ich finde, dass in seiner Bedeutung gar nicht genug beachtet werden kann. Noch nie habe ich das russische Volk so im O-Ton sprechen gehört. Was bleibt ist nicht selten Mitleid, Trauer, aber auch Entsetzen und Grausen. Eines hat es in jedem Fall bewirkt: viel mehr Verständnis im wahrsten Sinne des Wortes, Zurückhaltung im Urteil russischer Politik und deutliche Sympathie für die russische Bevölkerung mit ihrer bewegenden und durch stetes Leid geprägten Geschichte. Aber auch Abscheu vor jeder Form der Manipulation, vor jeder Form menschenunwürdiger Ideologien und jeder Art von Machtmissbrauch. Und die Frage: zu was ist jeder Mensch fähig?
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am 28. Oktober 2015
Wie prägt ein System die Menschen, die jahrzentelang in ihm gelebt haben? Das untersucht die Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch in "Secondhand-Zeit". Dafür hat sie Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten interviewt, Arbeiter, Bauern und Angehörige der Nomenklatura, und aus den Gesprächen eine durchaus stimmige und faszinierende Collage gefertigt. Man kann darüber diskutieren, ob es sich dabei um Literatur oder mehr um einen journalistischen Dokumentarismus handelt. Wie bei allen Formen der "Dokumentarliteratur" kann man auch hier eine methodische Kritik üben. Wie repräsentativ ist die Auswahl der Gesprächspartner? Wie stark sind die redaktionellen Eingriffe der Autorin? Wie sehr stand die Befragung schon von vornherein unter einer bestimmten Zielsetzung - nämlich hier, ein Psychogramm des "Sowok", des Sowjetmenschen, zu liefern? Dokumentarliteratur spiegelt immer vor, ein echte, unverstellte, authentische Realität abzubilden. Natürlich verbirgt sich dahinter auch ein geschickter Kunstgriff.

Von diesem methodischen Einwand abgesehen, ist "Secondhand-Zeit" jedoch ein gut lesbares Buch, das interessante Einblicke in das Denken der Generation vermittelt, die die Sowjetunion unter Stalin bis Gorbatschow und die Veränderungen unter Jelzin erlebt hat. Es zeigt recht gut die Fixierung auf autoritäre Strukturen, die auch eine Erklärung für die Beliebtheit Putins im heutigen Russland liefert. Um die Hintergründe zu verstehen, braucht man allerdings gewisse Kenntnisse der russisch-sowjetischen Geschichte und Kultur, ausgehend von der Oktoberrevolution. Schwierigkeiten bereitet hin und wieder auch die Gliederung des Buchs: Gesprächspartner wechseln plötzlich und es ist nicht immer ersichtlich, wer nun erzählt. Auch wiederholt sich sehr viel, was gelegentlich ermüdet.
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am 2. Juli 2017
Wirklich erschreckende Schicksale, die tief bewegen und nicht einfach so wegzulesen sind, das erfordert einiges.
Lebenslügen: unglaublich, wie der Kommunismus trotz all der Entbehrungen und Opfer zurückgesehnt wird.
Respekt vor der Leistung von Alexijewitsch, dieses Archiv, diesen Chor der Stimmen, anzulegen.
Dies ist umso wichtiger, weil solche Schicksale sonst "vergessen" werden.
Leider war an einigen Stellen etwas unklar, welche Stimme denn gerade "spricht", aber trotzdem insgesamt (viel-)stimmig und gelungen.
Wer ähnliche Literatur von Umbruchzeiten lesen will, dem empfehle ich Liao Yiwu "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser".
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am 13. Dezember 2015
es überforderte mich als Leser. Das Grauen über die Ereignisse am Ende der SU ist so schlimm,
dass ich das Buch nicht ganz lesen konnte und die Einsicht in die Probleme der gegenwärtigen Lage
in der Welt sich mit negativen Gefühlen verschlimmerte.
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am 26. September 2017
Swetlana Alexijewitsch hat den Nobelpreis für Literatur wahrlich verdient !
Selten haben ich ein so anschauliches Buch über die Nachwendegesellschaft in der ehemaligen Sowjetunion gelesen.
Selten habe ich so klar verstanden, was der totalitäre Sowjetkommunismus mit den Menschen gemacht hat.
Lesen !
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am 8. Juni 2015
Ich habe durch dieses Buch mehr Verständnis für die Vorgänge in der ehemaligen UDSSR und vor allem auch über die Zeit nach dem Zusammenbruch und die im Westen hoch gelobte Perestroika gewonnen. Mich interessieren genau die Gefühle und Erlebnisse der kleinen Leute, die sonst so selten an die Öffentlichkeit gelangen. Die hier geschilderten Vorgänge und Erlebnisse gehen unter die Haut, ich musste das Buch immer wieder mal weglegen und zwischendrin einen P. G. Wodehouse lesen, um nicht abgrundtief traurig zu werden. Unbedingt empfehlenswerte Lektüre!
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am 27. Januar 2015
Diese Buch gibt einen Einblick in das Denken und Fühlen von Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion bzw. aus Russland. Von welchen Herausforderungen, Hoffnungen, Ängsten und Zielen diese Menschen geleitet wurden, das erschließt sich auf beeindruckende Weise. Die Berichte der einzelnen Personen scheinen ungefärbt, damit öffnet sich ein Spektrum von Sichtweisen und Wahrheiten. Die Autorin gibt Menschen eine "Stimme", die sonst ungehört geblieben wären und doch so viel zu erzählen gehabt haben.
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