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Er ist eine Art abstoßender Forrest Gump des 19. Jahrhunderts: Der Meisterfälscher und Spion Simone Simonini, der 1897 (angeblich) erinnerungslos in Paris erwacht und über den sein Schöpfer Umberto Eco sagt, dass er mit ihm eine möglichst widerliche und abscheuliche Figur kreieren wollte. Das ist ihm gelungen. Virtuos gelungen. Einen widerwärtigeren Protagonisten wird man in der Weltliteratur schwerlich finden. Simonini ist käuflich, fälscht Dokumente, mordet, lügt und betrügt. Und er hasst inbrünstig. Juden, Freimaurer, Jesuiten, Deutsche, Frauen, eigentlich alle und alles. Vielleicht mit Ausnahme des Essens.

Der Sohn eines italienischen Offiziers ist geprägt vom Einfluss des judenhassenden Großvaters, der die Juden als Quelle allen Übels und Unglücks betrachtet. Damit entwickelt sich Simonini zum Träger der rassistischen, antisemitischen Vorurteile seiner Zeit. Zur Projektionsfläche alles Bösen. Die dahinter stehenden Triebkräfte sind die gleichen, die bis heute noch Rechtsradikalität und Terror hervorbringen: tief verwurzelter Hass und Geldmangel, gepaart mit intellektueller Befähigung und dem Ehrgeiz, diese auszunutzen.

Simonini lernt die grenzenlose Macht des geschriebenen Wortes kennen, die Bedeutung von Schriftstücken. Fiktionen, so die Erkenntnis, erzeugen Wirklichkeit, jedenfalls, wenn sie gut gemacht sind: "Nie, nie, niemals darf man mit echten oder halb echten Dokumenten arbeiten... Um überzeugend zu sein, muss das Dokument ganz neu geschaffen werden..." Der Erfolg ist besonders groß, wenn es auf Gerüchten basiert. Auf etwas, das man schon einmal gehört hat oder gehört zu haben glaubt - und kurz und knackig muss es sein, denn "ein diffamierendes Pamphlet muss sich in einer halben Stunde lesen lassen".

Nur scheinbar lässt sich Simonini hineinziehen in die Netzwerke der Mächtigen, verkauft sich als vermeintlich williger Spielball und Handlanger. In Wahrheit verfolgt er dabei stets eine eigene Agenda, bedient alle Geheimdienste gleichzeitig, nutzt bestehende politische Konflikte, um dazu den passenden Betrug zu erfinden - und macht einen Reibach damit. Ein boshaftes Genie, das alle hinters Licht führt, inklusive der katholischen Kirche.

Wieder einmal zeigt sich der Universalgelehrte Umberto Eco als beeindruckend versierter Erzähler. Den kompetenten Kenner der Verschwörungstheorien des 19. Jahrhunderts fasziniert allerdings nicht nur Geschichte; ihn fasziniert auch die menschliche Fähigkeit zu lügen und zu betrügen. Beides verknüpft er in seinem neuen Werk "Der Friedhof in Prag" auf imposante Weise.

Dem dahinter stehenden Rechercheaufwand muss man Respekt zollen, denn historisch entspricht - wie auch bei Forrest Gump - nahezu alles der Wahrheit. Simonini durchläuft zentrale, politische essentielle Momente des 19. Jahrhunderts; seine Aktivitäten prägen das Weltgeschehen maßgeblich mit: Er präsentiert sich als Anhänger des Nationalhelden Garibaldi, fälscht Briefe, um den jüdischen Artilleriehauptmann Dreyfus als vermeintlichen Spion der Deutschen zu entlarven. Schließlich gipfeln seine antisemitischen Hasstiraden in einem Schriftstück, das in 24 Abschnitten verfasst als "Die Protokolle der Weisen von Zion" ein Stück Weltgeschichte schreiben wird. Denn Hitler benutzte dieses Dokument als Legitimation für die Judenvernichtung. Obwohl das judenfeindliche Pamphlet bereits seit 1921 als Fälschung entlarvt ist, befeuert es bis heute Vorurteile; unter anderem beruft sich die islamistische Hamas bis heute darauf.

Auch der titelgebende "Friedhof in Prag", Leitmotiv des Romans, existiert tatsächlich: Es handelt sich um eine kleine, letzte Ruhestätte in der Prager Altstadt, genauer im Viertel Josefstadt, in der trotz eklatanten Platzmangels (die Fläche misst nur ca. 1 ha) über 12 000 Grabsteine zu finden sind. Das lebendige, alles andere als symmetrische Miteinander der Grabsteine verleihen dem Ort etwas Geheimnisvolles. Ein idealer Schauplatz!

Nur Hauptmann Simone Simonini selbst ist frei erfunden. Er begegnet den "großen Namen" seiner Zeit: Schriftstellern, Politikern und Geschäftemachern, Menschen, die die Welt veränderten: Cagliostro, Dreyfus, Dumas, Freud, Garibaldi ,Hugo, Jolys und vielen anderen.

Drei Erzählebenen nutzt Umberto Eco, um den unsympathischen Widerling plastisch werden zu lassen: Der Einblick in das Tagebuch Simoninis ist zunächst etwas verwirrend. Simoninis gespaltene Persönlichkeit verweist auf seine zerrüttete Identität und kennzeichnet ihn von vornherein als unzuverlässigen Erzähler. Der junger Psychiater Sigmund Freud, der zufällig einmal neben Simonini am Nachbartisch speist, rät ihm dazu, sein Leben schriftlich zu fixieren. Darauf lässt dieser sich ein. Seine Eintragungen werden dabei von einem zweiten Ich begleitet, kommentiert und korrigiert. Schließlich schwebt über allem ein weiterer, ein allwissender Erzähler, der kommentierend eingreift und verbindende Brücken zwischen den Einträgen baut.

"Der Friedhof in Prag" ist ein komplexes, vielschichtiges, historisch akribisch recherchiertes Buch eines wahren Meisters der Erzählkunst. Ein intellektuell und ästhetisch ansprechender Roman, eine herausfordernde Mischung aus Fakten und Fiktion um Wahrheit und Täuschung, Identität und Intrigen. Man mag dieses durchweg fesselnde Buch nicht aus der Hand geben. Es bewegt, es beschäftigt, es lässt einen nicht mehr los und führt doch immer wieder ans Bücherregal oder ins Internet, um das eine oder andere zu recherchieren.

Diese geballte Konfrontation mit Wissen fordert und garantiert ein großartiges Lesevergnügen. Und abendfüllende Diskussionen. Entstanden ist ein Werk, das wirkt wie ein weiser Kommentar zur heutigen politischen Situation, zur Propaganda Berlusconis, aber auch zu den Verschwörungstheorien, die sich um den 11. September ranken.

Angesichts des Romaninhalts und seiner jüngsten politischen Aktivitäten wundert es nicht, dass Umberto Eco aus konservativen Kreisen und seitens der katholischen Kirche einiges an Kritik einstecken musste.

Lächerlich ist der Vorwurf, Umberto Eco selbst sei judenfeindlich. "Der Friedhof in Prag" ist ein klares, ein eindeutiges Statement gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus. Allerdings macht dieses Buch auch etwas bewusst, mit erschreckender, schneidender Klarheit: Simone Simonini ist zwar der einzig erfundene Charakter, aber gleichzeitig der lebendigste von allen. Der, der alle Zeiten überdauert. Der, der nach wie vor unter uns weilt. Nur unter anderem Namen.
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am 19. April 2012
Zum Inhalt dieses großartigen neuen Romans von Umberto Eco brauche ich nichts mehr zu schreiben, das haben andere Rezensenten vor mir schon ausgiebig getan. Überrascht war ich allerdings von der großen Anzahl negativer Urteile über das Buch, was in mir den Verdacht aufkommen läßt, es gebe möglicherweise zwei Versionen. Meine Ansicht über den Roman bezieht sich also auf den mit der hier bei Amazon angegeben ISBN-Nummer. Ein immer wieder gelesener Vorwurf: der Roman sein verworren, unübersichtlich. Diesen Eindruck habe ich auf keiner Seite; die Synopsis im Anhang 'Unnötige Hintergrundinformationen' ist eindeutig ironisch gemeint, wie überhaupt dieser ganze Roman meinem Eindruck nach eine Paraphrase oder Parodie auf das Genre des Historien- und Kolportageromans à la Sue, Dumas und die Feuilleton-Fortsetzungsromane des19. Jahrhunderts ist. Vorgeworfen wird von manchen Kritikern auch die in diesen Roman eingeflossene Belesenheit Ecos (gar von 'Selbstverliebtheit' ist die Rede). Kein Wunder in einer Zeit, in welcher Ignoranz, Halbbildung und Unwissenheit hoffähig geworden sind. Auch ohne über die historisch verbürgten Personen (Bixio, Joly, Brafmann etc.) näheres zu wissen (mir waren etliche bisher jedenfalls nicht bekannt) ist dieser Roman ohne Abstriche verständlich, allerdings erhöht sich das Lesevergnügen, wenn man sich beispielsweise in Wikipedia quasi als Ergänzung zusätzliche Informationen einholt.
Mein Fazit: ein durchweg spannender, kurzweiliger, amüsanter (jawohl!) Roman, durchsetzt mit sarkastischem Humor, vielleicht nicht für jeden geeignet (Achtung Ken-Follett-Fans: Hände weg!). Daher unbedingt 5 Sterne!
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am 24. Oktober 2011
...das verlorengegangen oder aufgrund eines banalen Zwischenfalls nie produziert worden ist, aber es hätte sein können oder müssen."

Ich bin ein wenig traurig darüber, wie sehr sich Umberto Eco auf seinen Elfenbeinturm zurückgezogen hat. In der Manier von Canettis Professor Peter Kien stöbert er auf der Suche nach der Wahrheit in seinen unzähligen Büchern. Einen Roman daraus entstehen zu lassen scheint ihm dabei eher als Zwang auferlegt zu sein, denn man scheint irgendwie zu merken, dass Eco eigentlich gar keine Lust hat, eine Geschichte zu erzählen. Und so hält "Der Friedhof in Prag" für mich vielleicht thematisch, aber sicher nicht inhaltlich, dem Vergleich mit dem Foucaultschen Pendel, der immer wieder angestrebt wird, stand. "Das Foucaultsche Pendel" habe ich begeistert gelesen. Die Story war sicher im herkömmlichen Sinn auch nicht wirklich spektakulär. Sie hat aber getragen und so zumindest Ecos Anliegen auch ohne zusätzliches Fachwissen erkennbar gemacht. Beim Friedhof in Prag verging mir, ohne detaillierte Kenntnisse vor allem der italienischen und französischen Geschichte des 19. Jahrhunderts, zunächst ein wenig der Spaß am Lesen.
Oberflächlich betrachtet könnte die Struktur des schizoiden, unter Gedächtnisschwund leidenden, Tagebuch schreibenden Hauptdarstellers, in Verbindung mit dem übergeordneten eigentlichen Erzähler, dann auch noch als müde und wenig originell erscheinen, aber Eco sorgt mit diesem "Kunstgriff" dafür, dass ich mich überhaupt auf die Suche nach der Geschichte, die das Buch erzählen will, gemacht habe und mich dann doch einlesen konnte.
Die einzige erfundene Figur, ist der Enkel eines Jean-Baptiste Simonini, welcher den Autoren der "Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus", einen gewissen Abbé de Baruell, brieflich auf eine große Weltverschwörung der Juden aufmerksam gemacht haben soll. Dieser Brief war wohl eine Fälschung von Antisemiten, die Nutzen aus den Schriften Baruells für sich ziehen wollten. Der Fälschergeist, der somit in Verbindung mit ebendiesem Jean-Baptiste Simonini steht, stellt, in der Gestalt seines erfundenen Enkels, die Verbindungen zwischen den ansonsten im Roman auftretenden geschichtlich authentischen Personen und deren Handlungen dar. Er ist in seiner Bosheit, seiner Menschenverachtung und Verfressenheit so etwas wie das schlechte Gewissen, das hinter den Ereignissen, die zur Entstehung der "Protokolle der Weisen von Zion" geführt haben könnten steckt. Er sammelt das Material zur Verschwörungstheorie, indem er nicht nur die geschichtlichen Ereignissen der Zeit durch Intrigen und Mord beeinflussen und verfälschen hilft, sondern sämtliche Zutaten, wie Zeitgeist und Literatur aufdeckt und zu einem "Rezept" zusammenstellt, aus dem Ende des 19. Jahrhunderts der russische Geheimdienst die Theorie der jüdischen Weltverschwörung gekocht haben könnte.
Über Tagespolitik, Religion und "Schwarzen Mächten" tritt alles auf und wird in Verbindung gebracht, was überhaupt nur möglich ist. Eco presst alles, was er zum Thema gefunden hat auf 500 Seiten. "Zuviel Holz fürs Feuer" kritisiert interessanterweise sein Hauptdarsteller Simonini das Buchkonzept eines Herrn Goedsche, in dem "... die Iren, die neapolitanischen Fürsten, die piemontesischen Generäle, die polnischen Patrioten und russischen Nihilisten..." angeprangert werden, dort aber, der Einfachheit halber, laut Simonini doch nur von den Juden die Rede sein sollte. Das es so einfach aber eben nicht ist, zeigt Eco damit sicher auf. Er stellt dar, wie durch Reduzierung und Vereinfachung komplexer Geschehnisse und gezielt verbreiteter Unwahrheiten, zum richtigen Zeitpunkt und zur Untermauerung bestimmter Interessenlagen, Verschwörungstheorien entstehen können, die, wie in diesem Fall, zu dem wohl denkbar größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit geführt haben. Darunter leidet dann jedoch der Roman. Die Komplexität der Ereignisse erschlägt ihn, so dass ich mich schließlich gefragt habe, ob es überhaupt noch einer ist, oder vielleicht nicht doch "nur" eine andere Art von (Verschwörungs-)Theorie.
Positiv ist, dass mich Eco dazu gebracht hat, mich über Garibaldi, Cagliostro, Dreyfus, Dumas, Hugo, Jolys Unterweltdialoge zwischen Machiavelli und Montesquieu und ich weiß gar nicht mehr worüber noch zu informieren. Kritisieren kann man, dass Eco bei all seiner geballte Recherche und seinem geschichtlichen Wissen, nicht wirklich eine Brücke zu seinen Lesern aufbaut. Sein Anliegen aufzuklären scheitert an diesem Makel, denn er erreicht von seiner erhobenen Position aus nicht die, die der Aufklärung bedürfen.
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am 17. Januar 2012
In meiner Studentenzeit (80er Jahre) war Umberto Eco bei vielen Geisteswissenschaftlern der angesagteste Autor. Sein Debutroman "Der Name der Rose" bereitete nicht nur wegen seiner gelungenen "Simulation" des Mittelalters ein tolles Lesevergnügen, sondern war (für uns Germanistikstudenten) ungemein faszinierend ob seiner vielfältigen und versteckten postmodernen Erzählstrategien, die den Lesefluss in keinster Weise behindern. Seitdem hat sich vieles verändert. Auf das "Foucaultsche Pendel" haben wir begierig gewartet und waren dann nach der Lektüre etwas ernüchtert, und "Die Insel des vorigen Tages" haben wir ob seiner extremen Konstruiertheit entnervt beiseite gelegt.

Und das ist auch das Problem bei "Der Friedhof von Prag": Der Protagonist Simonini ist eine gespaltene Persönlichkeit, die in einer Art zweigeteilten Wohnung lebt, deren Bereiche durch einen schmalen Gang getrennt sind: nämlich einmal als Priester und einmal als korrupter Notar, Fälscher und Spion. Die eine Persönlichkeit muss mithilfe eines gemeinsam geführten Tagebuchs der Erinnerung der anderen auf die Sprünge helfen, weil das Gedächtnis der jeweiligen Persönlichkeiten hinsichtlich ihrer eigenen Geschichte extrem lückenhaft ist. Dies setzt Eco in zwei getrennte Erzählperspektiven um, zu der sich noch eine dritte gesellt: Die des (auktorialen) Erzählers. Dieses Tagebuch wird ca. drei Wochen lang geführt (Erzählzeit des immerhin gut 500 Seiten starken Roman), dann löst sich die Persönlichkeitsspaltung auf. Die erzählte Zeit beträgt annähernd 70 Jahre: Der Roman erzählt die (komplette?) Lebensgeschichte des Misanthropen und Antisemiten Simonini. So weit, so konstruiert!

Über dieses Buch kann man im Deutschunterricht sicher trefflich über Parameter, Erzählstrategien und -strukturen eines Romans disputieren - besonders glaubhaft oder plausibel sind die o.g. Konstruktionen aber nicht. (Eco selbst beschreibt in einer Art Nachwort Simonini als "Collage" - zu deutsch: "Klebebild".)

Simonini wird in Piemont geboren, er kommt später nach Sizillien, dann nach Turin, danach nach Paris etc. Dabei wird er so ziemlich in jeden politischen oder militärischen Konflikt verwickelt, der an dem jeweiligen Ort gerade ausgetragen wird. Simonini entwickelt sich von einem (korrupten) Notar und Anwalt zu einem Fälscher und dann zu einem Spion und vielfachen Mörder. Seine Haupttätigkeit besteht darin, (im Auftrag von Regierungen) "echte" Dokumente herzustellen, die die jüdische Weltverschwörung belegen und diese einflussreichen politischen Gruppen zuzuspielen.

Eco häuft dabei eine beeindruckende Fülle von Figuren, Beschreibungen, Textzusammenfassungen, (pseudo-)religiösen Positionen, gesellschaftlichen Ereignissen und historischen Fakten etc. an, bei denen der Leser sehr schnell den Überblick verliert. Figuren des Romans werden nicht genauer charakterisiert, sie bleiben als "Typen" sehr eindimensional. Das Wiederauftauchen von totgeglaubten Romanfiguren (z.B. Meister Ninuzzo) oder die kurze Erwähnung von Figuren am Anfang, deren Person sich aber erst im letzten Drittel klärt (Diana), machen noch einmal das krampfhaft Konstruierte dieses Buches deutlich.

Eco ist sich vieler dieser Schwierigkeiten wohl bewusst, darum hat er den Plot des Romans am Schluss des Buches noch einmal in tabellarischer Form (!) abgedruckt...

Mein Fazit: "Der Friedhof in Prag" ist möglicherweise eine Fundgrube für Studenten eines literaturwissenschaftlichen Proseminars... dem Leser (als Instanz) bereitet das Buch allerdings nur sehr wenig Lesevergnügen.
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am 29. November 2011
Diesem neuen Roman kann man in einer normal langen Rezension überhaupt nicht gerecht werden. Gustav Seibt hat in der Süddeutschen Zeitung in einem ungewöhnlichen langen, aber lesenswerten Text genau dies versucht und hat das Buch in seiner harten Kritik einen "Fehlschlag von Rang" genannt. Ich möchte so weit nicht gehen, hat mich doch die Lektüre dieses dicken Buches über die ganze Zeit sehr gefangen genommen und fasziniert.

Die Hauptfigur des Buches ist nach Eco die einzige, die er erfunden hat. Er lässt Simon Simonini als Spion und Urkundenfälscher in verschiedenen Rollen und an verschiedenen Orten wichtige Abschnitte des 19. Jahrhunderts durchlaufen. So ist er beteiligt bei den Mannen Garibaldis in den Zeiten der Ausbildung der italienischen Nation, wo er immer wieder die Fronten wechselt. Nach seiner Emigration nach Paris dient er den dortigen Regierenden und erlebt die Umwandlung der Republik durch Napoleon III., die Pariser Kommune und die Dreyfuss-Affäre mit.

Simonini hat von seinem Großvater einen unbändigen Hass auf alles Jüdische mitbekommen, aber die Freimaurer und die Jesuiten finden genauso sein Interesse. In einer sich über Jahrzehnte hinziehenden Geschichte, an die sich der alte, stellenweise in seiner Persönlichkeit gespaltene Simonini mit Hilfe des allgegenwärtigen Eco`schen "Erzählers" erinnert, werden Simoninis Ansichten über die Juden und seine Schriftsätze über sie immer deutlicher und münden in einen Text, der nach vielen Versionen 1903 in Russland unter dem Namen "Die Protokolle der Weisen von Zion" erscheinen wird.

Ecos Roman ist der Versuch, die Entstehung dieses antisemitischen Pamphlets fiktional zu verstehen. Wer genau liest und hinschaut, findet aber immer wieder auch Verweise auf zeitgenössische Phänomene nicht nur im Italien Berlusconis. Wenn man sich von den unzähligen Namen und Daten nicht verwirren lässt, auch einmal drüber liest, ohne gleich schon wieder im Lexikon nachzuschauen oder bei google, dann kann dieses oft überkonstruiert wirkende Buch doch einen spannenden und überaus lehreichen Lesegenuss vermitteln.
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Professor Umberto Eco ist einer der größten Gelehrten der Gegenwart und einer der berühmtesten Romanciers der Welt. Der neunundsiebzigjährige Schriftsteller und Inhaber des semiotischen Lehrstuhls an der Universität von Bologna schreibt bekanntlich viele Bücher, aber nur sehr wenige Romane. Wenn dann sind es bestechende Romane über das Mittelalter, in denen Verschwörungen und Paranoia eine große Rolle spielen, wie in dem eindrucksvollen Roman "Das Foucaultsche Pendel". Darin zeigt er uns ein Mittelalter das überhaupt nicht finster war, aber dafür hoch spannend.

Nach sieben Jahren ist jetzt sein neuer, sein sechster Roman "Der Friedhof in Prag" erschienen. Es ist ein Lexikon der Obsessionen, denn wie schon "Im Namen der Rose", wo sich Eco damit befasste was man alles mit Büchern anstellen kann, steht der Leser mitten in einer aufgeschichteten Springflut von verhängnisvollen Spiegelungen in einer chaotischen Welt, die von Untergang und Erbarmungslosigkeit gekennzeichnet ist.In seinem Roman "Im Namen der Rose" befasste sich der Autor auch schon damit, was man alles mit Büchern anstellen kann.

In "Der Friedhof in Prag" erzählt uns Eco die Geschichte "Der Weisen von Zion". Führende jüdische Rabbiner haben sich angeblich auf dem Prager Friedhof getroffen, um die jüdische Weltverschwörung zu planen. Das ganze verdichtet sich zur Legende des Anfang des 20. Jahrhunderts verbreiteten Pamphlets "Der Protokolle der Weisen von Zion". Die Protokolle wurden bekanntlich als geheime Dokumente jüdischen Expansionsstrebens ausgegeben. Die Angst vor den Verschwörungen ist universell, weil die Menschen nicht bereit sind eigene Verantwortung zu übernehmen, sondern sie einer geheimnisvollen Macht übertragen. Ihre verheerende antisemitische Wirkung entfalteten die Protokolle, ein Text der eines der größten Verbrechen der Menschheit geschaffen hat. Der Text ist eigentlich unklug und voller Diskrepanzen. Interessanterweise erst, nachdem sie 1921 von der Times als Fälschung entlarvt worden waren. Hitler hat sie zitiert und in der islamischen Welt gelten sie heute noch als wahr und so findet man die obskuren Verschwörungstheorien findet man in fast allen Bibliotheken der arabischen Welt. So viel zur Historie.

In Ecos Roman verfasst nun eine erfundene Figur diese okkulte Lügenschrift und somit kann der Autor die Komposition "Der Protokolle der Weisen von Zion" besser durchleuchten, als es in einem Essay möglich wäre. Der Antisemitismus ist so alt wie das Christentum, aber nicht die Vorgeschichte der Protokolle ist wichtig, sondern das was danach geschah und so klärt uns der Roman über die folgenreiche Kettenreaktion auf. Er führt uns ins Paris der Belle Epoque. Der Ich-Erzähler, der aus Turin stammende Antiheld, ein Dokumentenfälscher ist erfunden. Sein Großvater, ein Judenhasser, der seinen Enkel entsprechend erzogen hat, ist eine historisch akkurate Figur, genau so wie sämtliche anderen Figuren, Dokumente und politischen Ereignisse echt und geschichtlich verbürgt sind.

Dieser in Paris im neunzehnten Jahrhundert lebende Simonini ist ein Hasser, Mörder und Widerling, ein Mann, der nach dem Motto lebt, ich hasse, also bin ich. Er schwebt und geistert durch die Geschichte, trifft unter anderem auf Garibaldi und Alexander Dumas und entwirft in seiner "Fälscherwerkstatt" Dokumente, die die Weltverschwörung belegen sollen. Simonini arbeitet auch für die Geheimdienste seiner Zeit, hasst nicht nur Juden, Ausländer, Jesuiten und Freimaurer, sondern auch die Frauen und insbesondere die Deutschen und die Franzosen.

Eco liefert mit der Lebensgeschichte seines Antihelden dieses Wahnsinnskonstrukt, das mit seinen Verschwörungstheorien, zu den einflussreichsten Fälschungen der Weltgeschichte wurde und an das Jahre lang Antisemiten auf der ganzen Welt geglaubt haben. Er forscht in dieser rasanten Abenteuergeschichte, mit distinguierter und ausgetüftelter Ironie, nach den auf die Psyche bezogenen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen des modernen Antisemitismus. Dabei spart er auch in diesem Roman nicht mit Kritik an der katholischen Kirche.

Was Eco in diesem Aufklärungswerk mit gezielter Boshaftigkeit über die Deutschen, die Frauen und die Juden schreibt, zum Teil mit antisemitischen Karikaturen garniert, ist schwere Kost und "Judenhass" in reinster Form, aber es ist kein antisemitischer Roman, wie viele Rezensenten meinen. Mit großer Feinfühligkeit entwirft der Autor hier einen glassplitterscharfen Krankheitsbefund der Gegenwart, im überzogenen Spiegel der Vergangenheit. Das Falsche ist so mächtig, weil die Wahrheit weh tut und so wird in dem Roman immer wieder darauf hingewiesen, dass je öfter man Fiktionen wiederholt, um so mehr werden sie geglaubt. Folglich haben die Protokolle den Antisemitismus verstärkt, glaubhaft gemacht, dass die Antisemiten Recht haben. Die Erfindung eines Feindes ist wichtig, weil Hass die Gesellschaft zusammenschweißt.

So urkomisch dieser "Alleshasser" am Anfang auch daher kommt, er lässt schnell mit seiner Wirkung nach. Vielleicht wollte Eco mit diesem Simonini die gräulichste, die unsympathischste Figur der Literaturgeschichte schaffen, aber weil dieser Fälscher und Terrorist so voller Inkonsistenzen steckt wird aus ihm eigentlich nie eine lebendige Figur. Klar wird nur, dass diese Person ein Killer, ein Spion, ein Lügner und ein brillanter Fälscher ist.

Vielleicht wollte Eco auch mit diesem Roman eine Universalgeschichte abliefern, in der schelmenhaft menschliche Dummheit und Niedertracht gespiegelt werden.

Der Roman endet im Jahr 1898, als Simonini das Material an den Leiter der russischen Geheimpolizei Ochrana übergibt. Umberto Echo lässt seinen Antihelden einfach verschwinden und umgeht so gekonnt, sich in die wissenschaftliche Auseinandersetzung, wo die Protokolle geschrieben worden sind, einzumischen. Einerseits warnte Alphonse de Toussenel vor der "jüdischen Weltherrschaft", andererseits wird angenommen, dass der Russe Matwei Golowinski der Autor der berüchtigten "Protokolle der Weisen von Zion" ist.

Der Roman ist zugegebenermaßen virtuos erzählt, aber er ist einerseits mit prallvollen Handlungssträngen überfrachtet, andererseits lässt er jeglichen Spannungsbogen vermissen und er leidet insbesondere an dem nicht sehr glaubhaften Helden. Der Literaturkritiker Ijoma Mangold sieht in diesem Roman einen literarischen Betriebsunfall, denn nicht nur der konstruierte Erzähler ist eine Totgeburt, da unglaubhaft, sondern der Roman ist auch literarisch nicht gut gebaut.
Auf jeden Fall ist es ein großartiges Aufklärungswerk über die scheußlichste Lüge der Weltgeschichte und ein Roman in dem man sicher viel Wissenswertes erfährt von dem man bisher nichts gehört hat.
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am 20. April 2015
Der Jurist Simone Simonini, aufgezogen vom antisemitischen Großvater, ferngehalten von Gleichaltrigen, entpuppt sich als talentierter Fälscher von Dokumenten und beginnt seine Laufbahn mit dem Erstellen von, im Sinne der Auftraggeber, abgeänderten Testamenten. Schnell werden diverse Geheimdienste auf ihn aufmerksam und machen ihn zu einer wichtigen Figur der italienischen und französischen Politik der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Simonini pendelt, oftmals ohne zu wissen wie ihm geschieht, zwischen Italien und Frankreich, Jesuiten und Freimaurern, Republikanern und Revolutionären hin und her, reist durch die Weltgeschichte, arbeitet mit (oder gegen?) Alexandre Dumas und Guiseppe Garibaldi und hat seine Hände bei wichtigen Ereignissen seiner Zeit im Spiel. Er hasst alles und jeden, allen voran Juden und Frauen, kompensiert dies allerdings mit häufigem und reichhaltigem Essen. Er ist an der Dreyfus-Affäre maßgeblich beteiligt, macht eingangs erwähnte Kongregationen zu Verschwörern und erarbeitet im großen Finale die Protokolle der Weisen von Zion. Mord, Intrigen, Opportunismus, Erpressung sind an der Tagesordnung.
Nein, Eco macht es den Lesern nicht leicht. Zuerst konfrontiert er uns mit drei (mehr oder weniger) verschiedenen Erzählern. Als da wären Simonini, dessen Tagebucheinträge wir lesen. Ergänzt durch einen Abt, der diese an notwendigen Stellen ergänzt. Abgerundet durch einen scheinbar allwissenden Erzähler. Sollte man also nicht bereits nach 50 Seiten das Buch aufgrund allgemeiner Verwirrung in die Ecke werfen, und das wird vielen so ergangen sein, was vielleicht sogar nachvollziehbar ist, erfahren wir, dass unser guter Simonini offenbar unter einer Amnesie leidet und von einem gewissen Doktor Froïde den Tipp erhält Tagebuch über die noch verbliebenen Erinnerungen zu führen. Ferner stellt sich heraus, dass keiner der drei Erzähler weiss, wer dieser Abt, der sich immer wieder einschaltet, überhaupt ist. Ja, genau, nicht mal der Abt selbst ist sich seiner sicher. Da hat Eco uns schon mal das erste Rätsel vorgelegt. Zu guter Letzt präsentiert er uns in „Der Friedhof von Prag“ eine Verschwörung nach der nächsten, lässt unglaublich viele Personen, die häufiger auch mal die Seite wechseln, auftreten und erschuf einen Protagonisten, der dermaßen unsympathisch ist, dass ihm bereits nach wenigen Seiten den (fiktiven) Tod wünscht.
Es ist dies kein leicht zugängliches Werk. Wieder werden reale Personen und Geschehnissen mit viel Phantasie in eine fiktive Geschichte gebettet, wieder wird der hochgelobte Eco erkennbar, wenn auch nicht so deutlich wie in früheren Werken. Es darf gelacht und gebangt, gezittert und gewütet werden. Wir wissen, er hat ein schier unerschöpfliches Wissen, doch diesmal tanzt Eco auf zu vielen Hochzeiten. Auch wenn man den Faden nicht verlieren sollte, denke ich, dass man zugunsten der besseren Lesbarkeit auf einige Begebenheiten und Verschwörungen hätte verzichten können. Folglich nicht die volle Punktzahl, aber durchaus empfehlenswert!
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am 9. Mai 2016
Sicher ist das Lesen dieses inhaltlichen, umfangreichen, historischen Buches keine leichte Lektüre für das neue schnelllebige Zeitalter der modernen sich rasant entwickelnde Technik.Trotzdem wird das Buch seine Existenz nicht verlieren.
Es braucht recht viel Zeit schon mit der Thematik sich anzufreunden und dann diesen dicken Wälzer Seite für Seite zu lesen.
Der Autor ist aber lesens- und empfenswert und wird sicher nicht seinen Platz unter den bedeutenden und besten Autoren beibehalten.
Leider ist das Ende dieses Autors durch seinen Tod besiegelt, doch sein umfangreiches Gesamtwerk wird der Menschheit erhalten bleiben.
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am 22. Januar 2012
In dem Buch "Der Friedhof der Prag" versucht Umberto Eco darzustellen, wie die Protokolle der Weisen von Zion entstanden sein könnten und welche Rahmenbedingungen und politischen Überlegungen die Entstehung der Protokolle begünstigt haben könnten. Im Mittelpunkt steht dabei Simonini: Ein unsympathier, alles verachtender und hassender Fälscher, der im Namen der italienischen, schließlich der französischen Regierung falsche Dokumente erstellt und somit nachhaltig das politische Geschehen beeinflusst. Getrieben wird Simonini dabei von einem unbändigen Hass auf die Juden und sein Ziel ist es, diese Rasse irgendwie vernichten zu können.

Alleine schon wenn ich Simonini beschreibe, könnte ich schon wieder aus der Haut fahren. So einen unsympathischen und unmöglichen Hauptcharakter hatte ich, so weit ich mich erinnern kann, noch in keinem anderen Buch und gerade er hat mir das Lesen sehr schwer gemacht. Da das Buch als Tagebuchaufzeichnungen von Simonini aufgebaut ist, kommt man als Leser nicht daran vorbei, abwertende und hasserfüllte Aussagen von Simonini zu lesen, die mich oft sehr aufgeregt haben.

Umberto Eco hat sehr tief in den historischen Fakten gewühlt und wirklich ein sehr detailgetreues und gut recherchiertes Buch abgeliefert. Leider hat dieses Buch auch eher die Form von geschichtlichen Aufzählungen und erinnert eher an ein Geschichtswerk, als an einen Roman. Die Tagebucheinträge zeichnen sich durch das Auflisten von historischen Fakten und Daten aus und oft habe ich den Faden verloren und musste mich erst wieder mühsam in der Zeit und den Begebenheiten zurecht finden.

Dass Umberto Eco mit dem Buch zeigen möchte, wie es zu den Protokollen kommen konnte und wie es möglich sein kann, dass ein ganzes Volk so gehasst wird, finde ich von der Idee sehr gut. Jedoch ist für mich die Umsetzung nicht sehr glücklich gelungen. Ich, als Leser, musste mich oft zwingen das Buch weiterzulesen und war ab der Hälfte sehr versucht nur noch quer zu lesen, um endlich fertig zu werden. Gerade diese unmögliche Hauptfigur und das ewige Auflisten von Daten und Fakten waren für mich sehr ermüdend und zu keiner Zeit konnte mich das Buch wirklich fesseln.

Im Nachgang habe ich noch die Hintergründe zu den Protokollen der Weisen von Zion und auch der Dreyfuss-Affäre nachgelesen und bin wirklich begeistert, wie originalgetreu sich Umberto Eco an die geschichtlichen Details gehalten hat. Ich finde es auch sehr gut, dass Eco mit dem Buch zum Nachdenken anregen und zeigen möchte, wie die Bevölkerung teilweise auch einfach für dumm verkauft wird. Trotz allem bin ich der Meinung, dass eine andere Hauptfigur und ein anderes Vorgehen dem Buch sehr gut getan hätten und auch die Aufmerksamkeit und Brisanz des Themas hätten zeigen können.

Mit der Bewertung tue ich mich sehr schwer, da ich das Thema und gerade die historischen Details sehr gut recherchiert finde, mich jedoch die Umsetzung gar nicht überzeugt hat. Alles in allem gibt es dafür von mir 2 Sterne und ich bin der Meinung, dass der Autor mehr Potenzial hat. Gerade im Vergleich mit "Der Name der Rose" bin ich von diesem Buch einfach nur enttäuscht. Daher sind die zwei Sterne noch sehr großzügig vergeben.
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am 29. November 2011
Ich würde mich selbst als absoluten Hardcore-Eco-Fan bezeichnen. Seine Klassiker "Der Name der Rose", "Das Foucaultsche Pendel", "Die Insel des vorigen Tages" und "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana" besitzen bei mir einen fast nicht einholbaren Stellenwert und werden in gewissen Abständen immer wieder gelesen. Einzige Ausnahme ist hier vielleicht sein "Baudolino", welcher bei mir "nur" 4 von 5 Sternen bekommen würde.
Und nun habe ich "Der Friedhof in Prag" gelesen und muss mich regelrecht zwingen, dem Buch wenigstens drei Sterne zu geben?! Wie kommt das?
Warum ertappe ich mich dabei, dass ich bei den langatmigen Passagen über den italienischen Krieg ganze Seiten überblättere? Warum muss ich mich über absolut unverständliche Logikfehler ärgern (die ganz bestimmt nicht durch die - sehr gute! - Übersetzung passiert sind)? Wo ist das Genie des begnadeten Geschichtenerzählers?
Ein paar Lichtpunkte sind die witzigen Ess- und Kochszenen, in welchen hin und wieder das Eco'sche Genie durchblitzt. Ansonsten ein furchtbar zäher Roman, der nicht im geringsten das - zugegebenermaßen enorm hohe - Niveau der älteren Werke Ecos halten kann. Schade, schade, schade.........
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