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am 11. Juli 2013
So wirklich schlau geworden bin ich nicht aus dem Roman Madalyn von Michael Köhlmeier, dessen 176 Seiten plötzlich aufhören, ohne dass die Geschichte ein wirkliches Ende findet. So jedenfalls empfinde ich es fürs erste.

Der Roman selber ist ein Geplätscher von Ereignissen und Dialogen mit unterschiedlicher Tiefe: mal ernst, mal wieder ziemlich seicht.
Und die eigentliche Crux der ganzen Geschichte ist: Wer kann und soll wem noch Glauben schenken? Eigentlich ist der Roman ein praktisches Lehrstück über das Lügen, und natürlich lässt sich trefflich darüber diskutieren, wessen Lügen schwerer wiegen und wer im Grund noch die oder der Glaubwürdigste ist.

Das Mädchen Madalyn jedenfalls, dem der fiktive Schriftsteller Sebastian Lukasser, als sie fünf Jahre alt war und mit dem Rad verunglückte, das Leben gerettet hat, ist inzwischen eine Jugendliche und macht einiges durch: zuhause, in der Schule und vor allem mit ihrem ersten Freund Moritz. Dieser ist ein notorischer Lügner. Doch der Roman zeigt, dass auch Madalyn nicht verlegen ist, wenn es darum geht, die Wirklichkeit nach ihren Wünschen zurecht zu biegen und - im Klartext gesprochen - faustdicke Lügen dort einzusetzen, wo immer sie "nützen".

Aber so seicht ist das Buch dann doch wieder nicht: es erzeugt - jedenfalls bei mir und sicher auch bei manch anderen - dann ein doch ernsthaftes Nachdenken darüber, wie Einzelkinder heute oft aufwachsen müssen, wenn sie zwar materiell in Sicherheit leben, die emotionale Geborgenheit vonseiten ihrer Eltern aber vermissen und viel allein sind. Ist es da verwunderlich, dass sich der junge Mensch dann an jemanden anhängt, der vielleicht ebenso (oder gar noch mehr) unbehaust ist, und dass hier nicht nur gute Einflüsse gegeben sind und wirksam werden? Der Roman will sicher nicht moralisieren (jedenfalls behauptet dies Lukasser immer wieder zwischen den Zeilen), und doch erzeugt er genau jenes Nachdenken über Fragen von Anstand und Moral, ohne deren positive Beantwortung unsere Gesellschaft auf Dauer nicht bestehen kann.
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am 19. März 2016
Madalyn ist ein Teenie. Und sie verliebt sich. Der Junge ist zwei Jahre älter und er ist schwierig.
Köhlmeier hat eine Geschichte zu erzählen, die mich sehr berührt. Seine Sprache ist erstklassig und die Bilder stimmen. Er beschreibt die Menschen sehr genau und natürlich ist Herr Lukasser auch dabei. Wer Köhlmeier liest, kennt diesen Herren ja schon.
Ich kann diesen Roman nur empfehlen.
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Begeistert von Köhlmeiers Hauptwerk "Abendland" las ich nun den 2010 entstanden Kurzroman "Madalyn" des österreichischen Autors. Der Ich-Erzähler ist derselbe wie in "Abendland", Sebastian Lukasser nämlich, auch Ende 50 - wie Köhlmeier beim Schreiben des Buches - und ebenfalls Schriftsteller.

Lukasser half vor circa acht Jahren der kleinen Madalyn nach deren schwerem Fahrradunfall, rettete ihr möglicherweise das Leben. Das verbindet die beiden miteinander und Lukasser beobachtet das Aufwachsen des Mädchens, das einen Stock unter ihm wohnt. Zu ihren Eltern, die Lukasser nie gedankt haben für seinen Einsatz nach dem Unfall, hat Madalyn ein schwieriges Verhältnis, nicht ganz ungewöhnlich für ein pubertierendes Mädchen.

Eines Tages steht die bald 14jährige Madalyn beim Erzähler vor der Tür, sie braucht einen Zuhörer. Verliebt hat sie sich in einen zwei Jahre älteren Jungen an ihrer Schule, der mit einem Gedicht die Aufmerksamkeit nicht nur der Deutschlehrerin, sondern auch der Mitschüler erregt hat. Eine geheimnisvolle Aura umgibt ihn, die auch Madalyn fasziniert und sie bewegt, ihn anzusprechen. Moritz reagiert positiv und so entwickelt sich eine junge Liebe, die jedoch schnell in tiefere Gewässer steuert. Alkohol, Lügen, ein anderes Mädchen machen trüben Madalyn die Liebe und fordern, ja überfordern den Zuhörer und potenziellen Ratgeber Sebastian Lukasser.

Mit nur 160 Seiten schrieb Köhlmeier ein atmosphärisch sehr dichtes Buch, in dem er auf eine allzu weitschweifende Handlung verzichtet, sondern sehr die Gefühlswelten der beiden Hauptfiguren Madalyn und Lukasser in den Mittelpunkt stellt und beschreibt. Auf Wertungen verzichtet Köhlmeier beim Erzählen, Leserin und Leser machen sich ein eigenes Bild und verknüpfen je nach Alter eigene Lebenserfahrungen. Eine empfehlenswerte Lektüre eines Könners in der Erzählkunst.
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TOP 500 REZENSENTam 29. März 2013
"Ihre Hand spürte in seiner ihre eigene Wärme".

Die erste Liebe türmt sich wie ein Koloss vor uns auf, wie etwas Unerklimm- und später wie etwas Unüberwindbares, wie etwas Riesengroßes, Mächtig-Schauderns und genauso Schönes. Zum ersten mal haben wir das bewusste Bedürfnis nach Zukunft, nach dem nächsten Kuss, dem nächsten Treffe und gleichsam scheint diese erste Liebe auch der Ursprung unserer ersten bewussten Angst vor uns selbst zu sein. Hadern und Hoffen, untrennbar ineinander verwoben - selbst Jahre oder ein Leben später kann man sich noch, einer Ahnung gleich, daran erinnern.

Wer bei diesem Rückblick dennoch Hilfe bräuchte, für den wäre Madalyn von Michael Köhlmeier genau das richtige Buch. In diesem kurzen Roman geht es nämlich genau darum: Um eine erste Liebe, um Glück und Verhängnis dieser magischen Zeit und um die Veränderungen, Erfahrungen und Probleme, die es mit sich bringt. Einzigartig ist dabei die auf den ersten Blick etwas bemühte, aber dennoch auf eine seltsame Weise natürliche und authentische Struktur des Buches. Köhlmeier hat hier viel riskiert, indem er zwei Personen erzählen und ihre Sicht und Gefühle mit einfließen lässt, wobei es sich aber nicht (wie üblich) um die beiden Liebenden handelt, sondern einerseits um das Mädchen, das die erste Liebe erfährt und auf der anderen Seite um einen älteren Schriftsteller, zu dem das Mädchen seit einem Fahrradunfall in ihrem 5 Lebensjahr eine besondere Beziehung hat. Ihm erzählt Madalyn ihre Geschichte, doch damit zieht den Schriftsteller natürlich auch in die Geschichte mit hinein...

"Sie war zufrieden mit sich selbst. Schöne Sachen waren ihre eingefallen, die sich angehört hatten wie aus einem Traum, wo man manchmal ja auch nicht weiß, was das jetzt mit einem selbst zu tun hat, weil man sich selbst so etwas Schönes kaum zugetraut hätte."

So geht es Madalyn, nachdem sie zum ersten Mal mit Moritz gesprochen hat. Moritz, der ihren Namen einzigartig findet, Moritz, Moritz, Moritz. Moritz und das Gefühl "noch nie so gern gelebt zu haben" - beides plötzlich untrennbar verbunden. Doch kein Mensch und auch keine zwei Menschen zusammen, sind eine Insel. Da sind ihre Eltern, mit denen alles nicht so leicht ist. Da ist das Alter, Moritz ist schon sechzehn. Da ist die Schwierigkeit dieses Gefühlschaos auch nur ansatzweise zu überblicken und jedes Wort und jede Geste des anderen fühlen sich wie etwas Endgültiges an, das so gut tut oder so sehr schmerzt.

Wie es ein guter kurzer Roman nun einmal tut, streift Köhlmeier vieles und konzentriert sich auf weniges, nämlich auf das, was bei seinen Protagonisten je nach Situation im Mittelpunkt steht. Madalyn ist einer dieser Romane, den man in jeder Sekunde der Lektüre immer wieder neu erfährt, die sich mit jedem Kapitel stark entwickeln. Mit einer erzählerisch ganz nah am Geschehen bleibenden Sprache erschafft Köhlmeier ohne übergeordneten Erzähler eine sehr authentische Schilderung beinahe jedes Zustandes, durch den seine Figuren gehen - und dennoch bleibt man, aufgrund der Tiefe, die die Figuren dabei in ihren Stimmungen erreichen, Tiefen, in die man ihnen nicht folgen kann, ein klarer Beobachter.

Ein gutes Gespür für dieses Thema, das kann man dem Buch auf jeden Fall zusprechen, auch wenn da noch mehr ist, was Köhlmeier sehr gut am Rande anreißt oder als Teilstück in den Roman einbaut. Als Autor eine Geschichte so anzulegen, das ihr Raum mal weit, mal eng, ihr Tempo mal schnell, mal langsam, ihr Ausblick mal lang, mal knapp ist, verlangt eine guten Stil, den Köhlmeier eindeutig besitzt; weshalb man ihm auch das eine oder andere zu lang gewordene Gefühlsstaccato verzeiht.

Zusammengefasst würde ich "Madalyn" als eine sehr gut Schilderung von erster Liebe und ihren Aktionen und Reaktionen bezeichnen, sehr intensiv und nicht unbedingt in eine große Erzählung gekleidet, sondern direkt und ohne viele Nebensächlichkeiten. Wem bei einem Roman vor allem wichtig, dass er seine Thematik sehr gut nachzuempfinden weiß, wer einen Roman durch die Figuren "spüren" will, ist hier an der richtigen Stelle. Mir persönlich ist der Roman während der Lektüre sehr nah gekommen, jetzt am Ende ist er plötzlich wieder sehr weit weg. Aber es ist keine Ferne des Bedauerns, eher eine Ferne der Sehnsucht, zu der ja immer etwas Bedauern gehört…
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am 30. Mai 2015
Mit Madalyn schreibt Köhlmeier weder über Titanen der Mythologie noch über solche der Weltgeschichte sondern, laut Klappentext, nur über eine juvenile Lovestory. Muss man das lesen?
Die immer einfühlsam und mit virtuoser Schlichtheit erzählte Liebesgeschichte nutzt Köhlmeier als Gelegenheit um über das Schreiben im Allgemeinen und den Beruf des Schriftstellers im Besonderen zu sinnieren. Intelligent und ohne pompöse Selbstdarstellung! Dabei sind seine Überlegungen und Beobachtungen niemals belehrend, sondern fließen auf scheinbar natürliche Weise in den Handlungsablauf ein.
Die Handlung spielt in Wien, zwischen Naschmarkt und Prater, ein Alltags-Wien wird hier lebendig dargestellt ohne Tourismus-Klischees. Gerade deshalb ist man versucht, beim nächsten Wienbesuch die Schauplätze zu besuchen. Gibt es den kleinen Park, das Restaurant von Sammy Molchos Ehefrau, die Adressen der Protagonisten wirklich?
Köhlmeier schreibt wie immer mit unverwechselbarer Meisterschaft. Zu Beginn war ich versucht besonders gelungene Wortkombinationen und Satzkonstruktionen in einem Notizbuch zu notieren. Vielleicht läßt sich ja einmal diskret etwas davon klauen. Schnell kam mir dann aber die Einsicht: Ich bin doch nicht so blöd und schreibe das ganze Buch ab!
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Der alternde Schriftsteller Sebastian Lukasser hatte sich so auf ein Leben als stiller Beobachter gefreut, unbelastet von den Sorgen und Nöten seiner Umwelt, sich ganz dem Schreiben sowie der vita contemplativa hingebend: "Seit mir [...] klargeworden war, dass meine Verantwortung dem Leben gegenüber darin bestand, das eigene Leben so gering wie möglich zu halten, weil ich das Glück des Beschreibens für unvergleichlich größer empfand, hatte ich mir eine Klausnerei verschrieben, die, wenn schon nicht glücklich, so doch immerhin tröstlich war. Ich hatte mir so fest vorgenommen, mich nie wieder - nie wieder! - in die Angelegenheiten anderer Menschen einzumischen" (25). Dieser Plan geht jedoch grandios schief, als die 13-jährige Madalyn ihn zum Zeugen ihrer ersten Liebe macht. Seit Lukasser ihr vor Jahren das Leben gerettet hat, kommt sie ihrem introvertierten schreibenden Nachbarn immer wieder mal besuchen, vor allem da ihre Eltern besseres zu tun haben, als sich um sie zu kümmern. So wird Lukasser zum Erzähler der ersten Liebe eines jungen Mädchens, welche er in kunstvolle Worte zu packen weiß: "Sie sagte wieder seinen Namen, diesmal nur seinen Vornamen, und tat sich selber damit etwas Gutes, denn das Mo- klang, wie helle Schokolade riecht, und sah auch so aus, und das -ritz schmeckte süß und scharf in einem, und wenn es eine Farbe gehabt hätte, wäre es ein leuchtendes Orangerot gewesen" (33).

Als zuerst lediglich passiver Beobachter wird Lukasser im Verlauf der Handlung mehr und mehr in die Liebesbeziehung hineingezogen, was unter anderem daran liegt, dass sich der so wohlklingende und herrlich schmeckende Moritz nicht als der erhoffte Traumprinz entpuppt. Dabei entfaltet der Roman seine Faszination nicht so sehr aus dem eigentlichen Ablauf der Liebesgeschichte, sondern vielmehr aus der Erzählerfigur des Sebastian Lukasser, der durch die Darlegung einer bedingungslosen uneingeschränkten Liebes eines 13-jährigen Mädchens daran erinnert wird, wie einsam und leer seine eigene Existenz doch ist: "Was bin ich für ein einsamer Mensch geworden! [...] Ein berechenbarer einsamer Mann" (158) sinniert Lukasser desillusioniert.

Fazit: Ein kurzer Roman, brillant geschrieben, über einen einsamen Menschen, der über den Rausch der ersten Liebe einer anderen Person schmerzhaft daran erinnert wird, was ihm in seinem Leben fehlt. Unbedingt empfehlenswert!
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Madalyn hat einen sehr interessanten Vornamen; Eltern, die sich mehr um ihre eigene Karriere als um die Nöte ihrer halbwüchsigen Tochter kümmern - aber Madalyn hat auch einen väterlichen Freund, nämlich den Schriftsteller Sebastina Lukasser, der im gleichen Haus wohnt und der ihr bei einem Fahrradunfall - Madalyn war damals 5 - hilfreich zur Seite stand.
Aktuell ist Madalyn 14 und total in Moritz - er ist eine Klasse über ihr in ihrem Gymnasium - verliebt. Das Problem ist nur, dass es Moritz mit der Wahrheit (und der Treue) nicht sehr genau zu nehmen scheint. Als dann auch noch innerfamiliär eine bedeutende Änderung ins Haus steht, eskaliert die Situation...
Man hat den Eindruck, dass sich Michael Köhlmeier in das Seelenleben eines 14jährigen Mädchens sehr gut hineinversetzen kann. Schöner, behutsamer und treffender kann man die Freuden und Nöte einer Pubertierenden kaum schildern - und man merkt deutlich, dass Köhlmeier diese Figur sehr am Herzen lag!
Eine wirklich schöne, einfühlsam auf das Seelenleben einer 14jährigen eingehende Erzählung (weniger ein Roman) des österreichischen Erfolgsautors!
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Begeistert von Köhlmeiers Hauptwerk "Abendland'" las ich nun den 2010 entstanden Kurzroman "Madalyn"' des österreichischen Autors. Der Ich-Erzähler ist derselbe wie in "Abendland"', Sebastian Lukasser nämlich, auch Ende 50 - wie Köhlmeier beim Schreiben des Buches - und ebenfalls Schriftsteller.

Lukasser half vor circa acht Jahren der kleinen Madalyn nach deren schwerem Fahrradunfall, rettete ihr möglicherweise das Leben. Das verbindet die beiden miteinander und Lukasser beobachtet das Aufwachsen des Mädchens, das einen Stock unter ihm wohnt. Zu ihren Eltern, die Lukasser nie gedankt haben für seinen Einsatz nach dem Unfall, hat Madalyn ein schwieriges Verhältnis, nicht ganz ungewöhnlich für ein pubertierendes Mädchen.

Eines Tages steht die bald 14jährige Madalyn beim Erzähler vor der Tür, sie braucht einen Zuhörer. Verliebt hat sie sich in einen zwei Jahre älteren Jungen an ihrer Schule, der mit einem Gedicht die Aufmerksamkeit nicht nur der Deutschlehrerin, sondern auch der Mitschüler erregt hat. Eine geheimnisvolle Aura umgibt ihn, die auch Madalyn fasziniert und sie bewegt, ihn anzusprechen. Moritz reagiert positiv und so entwickelt sich eine junge Liebe, die jedoch schnell in tiefere Gewässer steuert. Alkohol, Lügen, ein anderes Mädchen machen trüben Madalyn die Liebe und fordern, ja überfordern den Zuhörer und potenziellen Ratgeber Sebastian Lukasser.

Mit nur 160 Seiten schrieb Köhlmeier ein atmosphärisch sehr dichtes Buch, in dem er auf eine allzu weitschweifende Handlung verzichtet, sondern sehr die Gefühlswelten der beiden Hauptfiguren Madalyn und Lukasser in den Mittelpunkt stellt und beschreibt. Auf Wertungen verzichtet Köhlmeier beim Erzählen, Leserin und Leser machen sich ein eigenes Bild und verknüpfen je nach Alter eigene Lebenserfahrungen. Eine empfehlenswerte Lektüre eines Könners in der Erzählkunst.
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TOP 500 REZENSENTam 18. April 2013
Sebastian Lukasser, erfolgreicher Schriftsteller, kennt die 14-jährige Madalyn schon seit ihrer Geburt. Sie wohnt in der Wohnung unter ihm. Als sie fünf Jahre alt war, lehrt er sie das Radfahren und steht ihr nach einem Fahrradunfall bei. Das verbindet. Mit der Zeit entwickelt sich eine enge Freundschaft. Sebastian Lukasser hat für ihre Sorgen und Kümmernisse immer ein offenes Ohr und nimmt sich für die Heranwachsende Zeit, anders als ihre Eltern. Die sind hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt und können (oder wollen) ihrer Tochter nur selten mit Wärme begegnen. Dann lernt Madalyn Moritz kennen und verliebt sich in ihn. Moritz hat schon schwere Zeiten durchlebt. Er ist ein notorischer Lügener und so stellt mehr als einmal die Frage, was von seinen Erzählungen ist Lüge und was nicht?

"Madalyn" ist das zweite Buch, dass ich nach seinem großen Roman "Abendland" von Michael Köhlmeier gelesen habe. Zwischen beiden Bücher gibt es als Verbindungsglied den Erzähler Sebastian Lukasser, den ich auch in diesem Buch sofort mit dem Autor selbst personifizierte. Aber anders als bei "Abendland", wo Köhlmeier eine Fülle von Schauplätzen und Personen ins Spiel brachte, bleibt "Madalyn" überschaubar, fast intim. Es erscheint geradliniger, weil Köhlmeier sich auf die Kerngeschichte beschränkt. In 34 teilweise kurzen Kapiteln berichtet er über die väterliche Freundschaft des Schriftstellers zu der Schülerin, die ihm vertraut, ihn aber auch ausnutzt und hintergeht. Sie schüttet ihm ihr Herz aus, erzählt ihm von ihrer ersten Liebe und ihrem Liebeskummer. Madalyn zieht ihn zu Rate, wenn es wieder einmal Schwierigkeiten mit ihren Eltern gibt, mit denen Lukasser nie richtig warm wurde. Er erwähnt schreckliche Streitereien, die für das Mädchen sehr qualvoll gewesen sein mussten. Es wird aber auch deutlich, wie überfordert Lukasser mitunter in diesen Situationen ist. Auch in diesem Buch zeigt sich welch großartiger Beobachter und Erzähler Michael Köhlmeier ist. Er beschreibt seine Protagonisten in ihrer Gesamtheit, mit all dem Guten und dem Negativen, das ihren Charakter ausmacht und schnell hat man das Empfinden, die auf dem Papier skizzierten Wesen als Menschen wahrzunehmen und persönlich zu kennen. Schauplätze beschreibt er so bildhaft und klar, dass ich mich gleich nach Wien in die Nähe des Naschmarktes versetzt fühlte. Seinen Stil empfinde ich als unverkennbar. Das Ende des Buches kommt dann abrupt. Aber auch das ist wie aus dem Leben gegriffen, glaubhaft. In "Abendland" (Seite 166 Hanser Verlag) schrieb Michael Köhlmeier: "Wann ist eine Geschichte eine gute Geschichte? Wenn sie gebaut ist wie das Leben." Genau das trifft auf diesen Roman zu.

Mein Fazit: Michael Köhlmeier erzählt virtuos in "Madalyn" die Geschichte der ersten Liebe eines Teenagers, sehr gefühlvoll und berührend, aber gleichzeitig sehr glaubwürdig und nachvollziehbar. Allerdings ist dieser Roman viel mehr als eine einfache Liebesgeschichte, er ist ein Roman über Jugend und Alter, Wahrheit und Lüge und er ist äußerst lesenswert.
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am 4. November 2010
Mein erster Köhlmeier. Ich hatte gewisse Vorurteile, bin aber hinsichtlich seine Fähigkeiten als Erzähler eigenständiger Stoffe positiv überrascht worden. Besonders beeindruckend fand ich die, wie ich glaube, sehr realitätsnahe und einfühlsame Darstellung der mentalen Welt von Madalyn. Wohltuend, die niveauvolle Sprache, im Umgang mit Liebe und Körperlichkeit. Die echte Größe des Textes erschließt sich aber, als sich gegen Ende hin, die beim Leser entstandenen Urteile und Charakterschubladen in die er die Protagonisten geschlichtet hat, mehr und mehr verschwimmen und sich auflösen...Sehr lehrreich!
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