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Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen
2
Die Wüste Lop Nor: Novelle
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:13,90 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 2. Februar 2001
Wenn man mehrere Tage und Nächte verreist war, zurückgekehrt ist und alles ausgepackt hat, findet sich drei Tage später die Seele ein. War das Reiseziel eine Wüste, kann es sein, dass ein Teil der Seele einfach dort geblieben ist.
Auf der Suche danach bin ich über den Englischen Patienten und die Schwimmer in der Wüste auf Raoul Schrotts "Die Wüste Lop Nor" gestoßen und habe in seinem Buch zumindest die Idee dessen gefunden, was ich in der Sahara verloren habe. Egal, wo man es aufschlägt, der Sand ist überall. Die Geschichten darin erscheinen zum einen durch den Ich-Erzähler, bzw. den Freund Raoul greifbar nah wie eine Fata Morgana, dann aber wieder so fern, dass die Bilder genug Dimensionen bieten für eigenes. Mit diesem Fehlen jeglicher "Betroffenheitspoesie" hat er der Wüste den Raum gegeben, den sie braucht, geradezu fordert, damit sie überhaupt anfängt, sich selbst zu erzählen.
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am 28. Mai 2006
Roul Schrotts Novelle "Die Wüste Lop Nor" kennzeichnet eine Verschlossenheit, die durchbrochen werden will.

Einerseits ist es die Verschlossenheit der Sprache, deren Bilder herausstechen aber nie für Klarheit sorgen; da ist die Verschlossenheit der Hauptpersonen, Raoul Loupers und seiner drei früheren Freundinnen, und zuletzt die Verschlossenheit der Orte und Gegenden, in die sich Raoul Louper aufmacht, um die Gesänge der Dünen zu sammeln und ihnen durch Assoziationen nahe zu kommen. Doch jeder Ort, jeder Mensch und auch die Sprache an sich bleibt unvollständig und schafft es nur mit Mühe etwas Fehlendes zu verschleiern. Es geht so weit, dass selbst der formale Aufbau des Buches, die Kapitel und Seiten weite Stellen frei lassen, als wolle Raum geboten werden für weitere Einfälle.

Auch der Leser wird von den nie eindeutigen, unkonkreten, geradezu rätselhaften Formulierungen in die Irre geleitet. Auch er ist ähnlich wie Roul Louper selbst bestrebt diese Geschichte zu ordnen und damit den Kreis zu schließen, ein Ganzes daraus zu machen.

Dabei bleibt jedoch der Erzähler stets im Dunkeln. Mal hält man ihn nur für EINEN Freund, dann aber entpuppen sich auch andere Stimmen des Erzählers als hätte sich hier eine Sammlung aus verschiedensten Einträgen der Weggefährten Loupers gebündelt. Auch an eine Aufteilung Loupers in alternative Egos könnte man denken.

Die Wirkung erzielt der Reisebericht Schrotts besonders durch die Bildgewalt und stechendscharfen Ausdrücke, die zwar durch ihren Tiefsinn und durch die Kargheit wieder sehr vielbedeutend sein können, allerdings in sprachlicher Schönheit und mit poetischen Zügen auftreten.

Faszinierend und nachdenklich geschrieben, stellt die Geschichte die Suche nach archaischen Klängen und Gefühlen dar, ebenso das Kunststück aus den übriggebliebenen Erinnerungen an ein Leben (den Erinnerungsstücken) einen Sinn abzuleiten.

Für Raoul gleicht die Wahrnehmung den Trugbildern in der Wüste, auch der Leser wird (mit Absicht) an vielen Stellen des dünnen Buches irritiert. In der Rekapitulation der Ereignisse versinkt Raoul, mittlerweile Bewohner einer Mietwohnung in der Nähe von Alexandria, in der er wie ein Exilant haust, in seiner Lebens- und Liebensgeschichte wie in dem sagenumwobenen Treibsand für den u.a. auch der Titel, die Wüste Lop Nor, in der Novelle steht. Während die Geschichte rein formal den Kreisschluss schafft, das Thema des Anfangs am Ende wieder aufgegriffen wird, müssen wir uns Raoul Louper wohl als jemanden vorstellen, der weiterhin angestrengt seine Welt zu verstehen versucht.
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