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am 27. März 2011
'Am Ende wünscht John Burnside seinem Vater nur noch dem Tod'.

Dieser Satz prangt auf der Rückseite des Buches und gibt in bester Weise bereits die Richtung des gesamten Romans vor. Die Geschichte einer Familie, eines Vater - Sohn Verhältnisses, dass, so ebenfalls der Klappentext, mit 'alttestamentarischer Wucht' in die tiefen menschlichen Empfindens und menschlichen Existenz, in die Tiefen der festesten Bande hineinreicht, die Menschen kennen. Hinein in die Bindung an den Vater, dem sich jedes Kind, vor allem jeder Sohn, voll innerer Hoffnung zuwendet. Und die er nie im Leben wird wirklich abschütteln könnten, auch dass ist die schonungslose Essenz dieser Lebensgeschichte.

'Ein Mann handelt, ein Mann benutzt, ein Mann zerstört, ein Mann beherrscht'.
Das sind die Werte, die John Burnsides Vater lebt, in sich trägt, vertritt.
Sanftmut, Liebe und Feinsinnigkeit kommen in diesem Wertekanon nicht vor.

Alkohol, Härte, Egozentrik, Lüge und Betrug, das ist, wie sich im Leben der Familie diese innere Haltung des Vaters ganz praktisch darstellt , die den Sohn angewidert, ohne Mitleid und voller Hass zurücklässt. Gefühle, die er wohlweislich dem Vater gegenüber nicht zeigt, doch die sich im Leben irgendwann einmal mit Wucht Bahn brechen werden. Gefühle gegenüber einem Vater, der ebenso als Kind bereits nicht gewollt war, der als Säugling vor einer fremden Tür abgelegt wurde und Zeit seines Lebens nach Anerkennung giert.
Den auch ein schwerer Unfall und die darauf folgende Anteilnahme der anderen innerlich nicht weicher macht. Da ist einer, der einfach am 'Rande der Dunkelheit steht und sich unbeobachtet glaubt'. Am Rande einer inneren, menschlichen Dunkelheit.

Schonungslos erzählt John Burnside bildhaft, schmerzhaft die tiefsten Abgründe der Gefühle und der Gewalt, auch gegen sich selbst (Burnside hat lange Zeit mit eigenen Suchtproblemen zu kämpfen gehabt), offenlegend und mit erzählerischer Wucht.

Es gibt für den aufwachsenden John kein Entrinnen. Er ist es, der an der Bürde scheitern muss, an der er zum Teil innerlich zerbricht. Eine Mutter, die kein Gegengewicht zu bilden vermag, eine Schwester, die vom Vater kaum wahrgenommen wird und eben er, der früh lernt, seine wirklichen Gefühle tunlichst zu verbergen, denn Rücksicht kennt der Vater nicht, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Wie spürbar schmerzlich, als Leser mit zu erleben, wie zu diesem Verbergen auch die Gefühle der Liebe gehören, die so gar keinen Widerhall finden, die das Kind so unglaublich mit sich allein lassen.
Sogar ohne großen Anlass agiert dieser Vater, lässt Burnside auf jeder Seite den Leser daran teilhaben, wie ein unberechenbarer Vater vor allem eines verfolgt, sein bisschen kümmerliche Dominanz an denen auszulassen, wo eine Gegenwehr nicht möglich ist.

Ohmacht ist es, völlige Ohnmacht, die das innere Erleben des John Burnside prägte zu jenen Zeiten. Eine Ohnmacht, die Burnside in solcher Klarheit zu schildern versteht, dass man das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann angesichts dieser Darstellung menschlicher Abgründe. Angesichts dessen, wie hier ein Sohn konsequent durchgedemütigt wird.

Dass einen der eigene Vater niedermacht, dass tatsächlich hier einer Vater ist, der andere nicht annehmen, nicht wahrnehmen kann, der nur um sich selber kreist und seinen kranken Despotismus in den eigenen vier Wänden lebte, weil er nirgends sonst auch nur den Hauch einer Möglichkeit dafür finden würde, dass ist in der geschilderten Offenheit schwer zu verkraften und wird durch die literarische Qualität des Buches nicht etwa abgemildert, sondern in großer Klarheit unter den hellen Scheinwerfer präziser Ausdrucksweise gerückt.

Es gehört Mut dazu, diese autobiographische Geschichte zu schreiben und auch sich selbst in seiner eigenen Schwachheit und Problematik vor den Augen der Welt offen zu legen und es gehört ein tiefes, schriftstellerisches Talent dazu, diese Lebensgeschichte in genau dieser radikalen und wahren Sprache schreiben zu können, die dem Leser Satz für Satz im Innersten mitnimmt und in das eigene Leben eindringt.

Ein Buch von tatsächlich alttestamentarischer Wucht, was die Tiefe menschlicher Abgründe, das Gefühl der Gottverlassenheit und die nagende, zerstörerische Kraft der Ablehnung und Einsamkeit angeht. Aber auch die kleine Flamme hoffnungsvollen Lichtes im tiefsten Dunklen am Rande mit leuchten lässt. So zumindest das ein oder andere innere Versöhnen, dass John Burnside gelingt, nachdem er selber Vater wurde.
Gut so, dass John Burnside diesen Mut zu diesem Buch gefunden hat.
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John Burnside hat sich mit dem Krimi- Bildungs- und Gesellschaftsroman "Die Spur des Teufels" und dem Roman "Glister"- eine fesselnde Analogie über unsere Zeit und ihre gefühlskalte Gesellschaft- einen Namen gemacht, aber "Lügen über meinen Vater", eine mystische Dreiecksbeziehung von Vater, Mutter, Kind ist, nach Meinung vieler Pressestimmen, sein "bisher stärkstes Werk".

Es erfordert viel Mut solch eine autobiografische Geschichte zu publizieren. John Burnside erzählt schonungslos seine Familiengeschichte, weil er all den Lügen und dem kränkendem Terror, den sein Vater ihm und der Familie zugefügt hat, die Imagination entgegen setzen will. Das ist ein mögliches Motiv für dieses Buch, denn häufig zeigt sich die ganze Wahrheit erst in der beschworenen Fiktion, denn all die Schrecken, die im Buch geschildert werden, können unmöglich erfunden sein. Selten wurde in einem Sohn- Vaterbuch so tief in dunklen Kammern gegraben, selten habe ich eine solch essenzielle Familiengeschichte gelesen der jegliche Romantisierung abhanden gekommen ist und bei der offen und mitleidlos die profundesten Familiengeheimnisse gelüftet werden. Einerseits sind es schreckliche Situationen, die darin gipfelten, dass der hasserfüllte John Burnside seinem Vater den Tod wünschte, anderseits spricht er aber auch davon, dass er als Kind Glücksmomente erlebt hat. Zeitweilig hat er auch Verständnis für das Verhalten seines Vaters, einem elternlosen Findelkind ohne wirkliche Herkunft, einem durch und durch unglücklichen Menschen. Der Vater hat ein Leben lang Anerkennung gesucht, hat sich in der Schilderung über seine Herkunft hinter Lügen verbarrikadiert. Eigentlich war er ein Nichts, hatte kein eigenes Ich, war ein Blender, der mit Märchen und Phantastereien auf sich aufmerksam machen wollte, und er war ein haltloser Trinker der die Familie tyrannisierte. Er in dem Buch jedoch ein theoretisches Netzwerk, weil er in keiner Szene plastisch vorkommt. Er steht für das Ganze, für eine bestimmte Klasse

Dann erfährt man im ersten Teil all das was John Burnside als kleines Kind aufgebürdet bekommt, damit das Verhältnis zwischen den Eltern aufrecht erhalten bleibt und wie wenig Hoffnung er doch eigentlich für eine Zukunft sah. Und eigentlich wird in dem Buch nie so richtig klar, wer der Starke und wer der Schwache ist. Üblicherweise haben die Kinder ein Recht darauf schwach zu sein, hier scheint das Umgekehrte der Fall zu sein.

Im zweiten Teil des Romans erfahren wir, dass der Autobiograph schließlich nicht nur Vater und Mutter und den tot geborenen Bruder verliert, sondern dass er selbst an all dem Erlebten kaputt geht. Es gibt für ihn keine Rettung, weil er als Kind kein eigenes Ich hat, alles wird im Keim von Vater ausradiert, auch die beginnende Zuneigung zur Literatur. Man bekommt die ganze Geschichte gnadenlos erzählt, wie der Vater sich aufgibt und wie der Sohn sich aufgibt, in dem er den Wunsch hat keine Person mehr zu sein und sich satt hat.

Nach dem Tod der Mutter geht er von zu Hause weg, wird aber immer noch auf der Suche nach einem eigenen Ich seine Kindheit nie los. Er wendet sich den Drogen zu, gibt sich völlig hin, landet freiwillig in der Psychiatrie und erkennt in seinen eigenen Ausschreitungen irgendwie den Vater wieder und er sieht plötzlich dann auch die Qual die der Vater durch immer wieder neue Demütigungen erleiden musste. Hier endlich in der Psychiatrie fühlt er sich wohl und findet in der Eigenverantwortlichkeit die Dinge die er gesucht hat, doch dieser Urkeim dessen was er gehasst hat, lässt ihn nicht verstummen, sondern wird zur ungeahnten kreativen Quelle die ihn schließlich zum Dichter macht. Dazu war erst dieses grausame Fallen, die Vernichtung seines Ichs, nach einer "Kinderzeit in der Folterklammer", notwendig. Er spricht in diesem Zusammenhang von einem "inneren ungezähmten Selbst". Es gibt eine Auslassung in dem Buch, nämlich die, wie er schließlich zum Dichter wird und dann in die Welt zurückfindet.

Die Schlussfolgerung verläuft von der Begründung zum Begründeten.

Ein sehr intensiver, bewegender Generationenroman über eine Welt, in der der Vater die schwarze Hintergrundfigur und der Sohn das moralische Waisenkind ist.
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am 20. Juni 2011
Ich benötigte ein paar Seiten, bis ich mich in den Schreibstil und die Sprache des Autors eingelesen hatte. Zu Anfang vermisste ich auch die testamentarische Wucht, von der im Vorfeld gesprochen wurde. "Ist das etwa alles?" waren meine ersten Gedanken. Doch dann schlich sich der Terror durch die Hintertür und Burnside streute ihn mehr beiläufig als direkt in die Geschichte ein. Er setzte sich als Grundstimmung bei mir fest und interagierte mit dem eigenen Scheitern des Erzählers, das in einer Sprache geschildert wird, die sich als anspruchsvoll und dicht präsentierte. Ein selbstzerstörerisches Leben, hervorragend erzählt, bei dem es mich vor allem freut, dass John Burnside noch rechtzeitig den Absprung geschafft hat und versucht, es bei seinem eigenen Sohn besser zu machen.
Es wäre schön, wenn wir alle diesen Kraftakt der schonungslosen Selbstreflexion zuwege bringen würden - unsere Kinder haben es verdient und die Gesellschaft wäre eine bessere.

Chapeau, Mister John Burnside.
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am 12. Februar 2016
Der Vater ist ein Niemand. Als Kind wurde er auf einer Türschwelle abgelegt und hat keine Familie. Sein ganzes Leben lang erfindet er Geschichten über seine Herkunft, auf der Suche nach Anerkennung und Bedeutung. Zudem ist er ein Trinker, ein Großmaul und ein Tyrann. Er zerstört die gesamte Familie. Sein Sohn John hat selbst massive Suchtprobleme und erkennt letztlich in den eigenen Exzessen seinen Vater. Am Ende wünscht er ihm nur noch den Tod.

Mit seinem Buch Lügen über meinen Vater hat John Burnside eine autobiographische Geschichte veröffentlicht, in der er schonungslos und sehr offen über die Lügen und den Terror spricht, mit denen sein Vater die Familie zerstört hat. Das Verhalten von Johns Vater ist gezeichnet von Betrug, Gewalt, Härte und Egoismus. Im ersten Teil des Buches schildert er die Kindheit in einem Plattenbauhaus und wie es an ihm liegt, das Verhältnis zwischen seinen Eltern aufrecht zu erhalten. Hier finden sich immer wieder Momente des Glücks, aber gleichzeitig auch schon die ersten deutlich Anzeichen für die schwere Zukunft. Früh muss er lernen, seine wahren Gefühle zu verbergen und erkennt, dass die stark depressive Mutter kein Gegengewicht bildet. Mir tat es beim Lesen richtig weh, zu erleben, wie die kindliche Liebe nur auf eisige Härte trifft und John als Kind so allein gelassen wird. Im zweiten Teil werden dann die Auswirkungen der schweren Kindheit und der gestörten Familienverhältnisse offenbar. John beginnt selbst exzessiv zu trinken und konsumiert Drogen. Der Rausch dauert häufig tage- oder wochenlang an. Sein Weg endet zunächst in der Psychiatrie, wo er immer noch auf der Suche nach seinem eigenen Ich ist. Hier erkennt er die Qualen, die sein Vater durch die immer neuen Demütigungen erleiden musste.

Es gehört mit Sicherheit viel Mut dazu, die eigene Kindheits- und Jugendgeschichte sowie die eigenen Schwächen und Probleme so offen und ehrlich darzustellen wie John Burnside es hier tut. Neben dieser Offenheit ist es außerdem die schriftstellerische Qualität des Autors, die das Buch zu etwas wirklich Besonderem macht. Klar und präzise formuliert John Burnside seine Gedanken und Erinnerungen und lässt den Leser tief in sein Inneres eindringen und an dieser intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst teilhaben.

John Burnsides autobiographischer Roman Lügen über meinen Vater ist keine leichte Kost und teilweise ist fiel es mir wirklich schwer, die Erlebnisse der schwierigen Kindheit zu lesen. Sowohl das selbstzerstörerische Leben des Vaters als auch das eigene wird hervorragend erzählt und letztlich bin ich sehr froh, dass John den Absprung geschafft hat. Ein bewegendes Buch, das jedem, der an der Thematik interessiert ist, nur zu empfehlen ist.
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am 11. Juni 2015
"Ich sehe diesen Mann vor meinem inneren Auge: ein Mann allein, am Rand der Dunkelheit, der lauscht, sich selbst vergisst und sich unbeobachtet glaubt.“
…. „Ich, als Vater, brauche bloß eine gute Geschichte, um die Dinge ins Rollen zu bringen.“

Diese Sätze stehen am Ende einer bewegenden Romanbiografie. Jetzt selbst Vater eines kleinen Sohns, hat sich der Autor diese Erkenntnis über seinen Vater und diesen Trost in seinem Leben hart erarbeitet. Gekennzeichnet durch äußere und innere Kämpfe mit seinem trunksüchtigen, selbstgerechten und gewalttätigen Vater, der sein Leben auf Lügen gründet und seine hoffnungslos damit überforderten Mutter, findet der Autor seinen sicheren Hafen erst nach eigenen selbstzerstörerischen Drogenexzessen und nach zwei stationären Aufenthalten in einer psychiatrischen Einrichtung. In seiner Eindringlichkeit und Nüchternheit ein nicht leicht erträgliches Buch über eine Vater-Sohn-(Nicht)Beziehung, die niemand zu wünschen ist. Die Geschichte wird dadurch noch glaubhafter, dass John Burnside den Mut findet, seine offensichtlich eigene Geschichte zu erzählen. Bei mir bleibt Betroffenheit zurück, aber auch mit der tröstlichen Überzeugung, dass wir die Kette unterbrechen können und als Eltern die Wahl haben, unseren Kindern dieses Schicksal zu ersparen. Große Literatur !
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Das Buch LÜGEN ÜBER MEINEN VATER von John Burnside trägt in sich autobiographische Züge und es sind gerade die wahren Geschichten die uns mitreißen und berühren. Seine Geschichte ist die Geschichte vieler von uns, vielleicht nicht so brutal, so niederreißend und so zerstörerisch, dennoch bleiben Parallelen. Väter haben viele Facetten und viele Väter haben Minderwertigkeitskomplexe, leiden an fehlender Selbstbestätigung, trinken und sind jähzornig - oftmals im Geheimen - nur die Kinder und die Ehefrau sehen diese Bilder, selten dringen solche Zerstörungen nach außen. In LÜGEN ÜBER MEINEN VATER von John Burnside stehen wir im Zentrum eines zerstörerischen Hurrikans, der den Sohn mitreißt, ihn in den Abgrund schleudert und von dort erst nach eine Metamorphose wider auferstehen lässt.

Was soll man halten vom Buch LÜGEN ÜBER MEINEN VATER von John Burnside? Alttestamentarisch nur aufgrund der Wucht und Zerstörungskraft des brutalen Patriarchats des Vaters, der seine Familie unerbittlich führt und sich auch um den gebrochenen Arm seines Sohnes nicht kümmert, ebenso wie um seine gebrochenen Finger. Soll doch der Filius das nächste Mal besser aufpassen, oder etwa nicht?

Harter Schnitt, der Vater brutal und unnachgiebig, selbst mit wenig Stolz und Eigenliebe ausgestattet, als Kind vernachlässigt und so auch zu seinem Sohn - der Sohn nimmt diese ganzen zerstörerischen Verhaltensweisen ebenso auf und verinnerlicht sie - damit führt auch sein Weg den Trümmerpfad hinab in die Leere - eine Geschichte die verstört und berührt - man leidet mit.

Die Bilanz des Vaters: selbst Alkoholiker, Gelegenheitsarbeiter, verheiratet mit einer chronisch depressiven und anämischen Frau, wohnhaft (im wahrsten Sinne des Wortes) in einem abbruchreifen Fertighaus, unglückliche Kinder.

Ein Schelm wer Böses dabei denkt, doch ganz so selten kommt diese Konstellation gar nicht vor und viele werden sich in Bereichen des Buches wieder erkennen und sich fragen in wie weit sie selbst ein Teil des Buches sind.

Eine durchdringende Kraft hat das Buch, weil es den Menschen beschreibt wie er an und für sich ist, getrieben, verloren und mit Problemen belastet in die er auch noch andere und auch seine Kinder gerne mit hinein reißt. Oftmals müssen Kinder den Stellvertreterkrieg aufnehmen und das leben der Eltern wiederholen.

Was will uns das Buch LÜGEN ÜBER MEINEN VATER von John Burnside sagen? Ein Sohn der sich auf sein eigenes verschwinden konzentriert? Eine Mutter die meint das alles was einem zugedacht wird auf der Welt, man auch nicht entfliehen kann? Ein Vater der mehrere Herzinfarkte übersteht aber dennoch keine Selbstreflexion betreibt? Ein Leben das gelebt wurde aber unbeweint beendet wird und im Nichts zu verschwinden droht.

Wortgewaltig einesteils und mit geschickter Belanglosigkeit andernteils stößt uns John Burnside in diese Auseinandersetzung mit sich selbst hinein. Wir werden zu Zeugen gemacht - vielleicht sogar zu Tätern, zumindest aber sind wir nun Mitwisser.

Ein Roman über die Abgründe der menschlichern Seele, eines ereignislosen Lebens und einer Existenz die an den Problemen unserer Gesellschaft rüttelt.

Sehr empfehlenswert!
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am 8. Januar 2013
Vorweg sei gesagt, dass mich dieses Buch sehr bewegt hat. Einer meiner Vor-Rezensenten meint das es dem Protagnonisten, also dem Autor selbst, gut ergangen sei verglichen mit anderen Schicksalen. Dies mag ja sein, aber man sollte ja nicht immer nur auf das ganz Furchtbare schielen. Sicher gibt es viel schlimmere Schicksale in Eltern-Kind Beziehungen. Doch gerade dies macht den Reiz des Buches aus. Das Schicksal eines Sohnes, der einen kalten bis brutalen Vater hatte, der mehr psychische als physische Gewalt erdulden musste. Eines Sohnes der, in Momenten, versucht sich seinem Vater anzunähern und sich ihm doch immer mehr entfernt.

Wie dies geschieht ist mehr als spannend. Er droht im Laufe seines Lebens an dem Trauma der Kindheit unterzugehen, er droht sogar den gleichen Weg des Vaterschicksals zu nehmen und dreht dann doch rechtzeitig um...wie sei jetzt nicht vorweggenommen.

Ein bewegendes Buch voller Weisheit und Ehrlichkeit und der gelungene Weg zur Bewältigung eines Traumas, abseits jeden psychologischen Kitsches. Burnside hat seinen persönlichen Weg gefunden und ihn diesem Buch darf man daran teilnehmen. Sehr schön, sehr mutmachend, danke.
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am 6. Januar 2012
Mich hat an diesem Roman vor allem fasziniert,wie es dem Autor gelingt, den Zusammenhang von Bewußtsein und Sprache zu veranschaulichen. Vordergründig scheint es zwar um das Terrorregime eines Hausdespoten zu gehen,unter dem die ganze Familie zu leiden hat,jedoch gelingt es Burnside in diesem autobiographischen werk nach und nach zu zeigen,dass sowohl Täter als auch Opfer vor allem über ihre Geschichte und hinzugefügten Geschichten sich in einem unauflöslichen Netz von Sprache,Ängsten und Deutungen verheddern.Wie kann man sich aus einer derart verfahrenen Situation retten?Hier entwickelt der Autor eine spannende Alternative zur erhellenden,"sinn"gebenden,wahrheit- oder doch eher Lügen erzeugenden Sprache in einer dunklen nonverbalen beinahe mystischen Sphäre und dies auch wieder mit Hilfe einer unerhörten Sprachakrobiatik-einfach genial.
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am 14. Dezember 2012
Das steht fest: John Burside kann schreiben! Wer gute, niveauvolle Literatur mag, der wird ein Auge auf John Burnside werfen müssen. 2 Sterne für Stil und dichterisches Können. Inhalt? Wer sich für das Arbeitermilieu interessiert in den 60`ern, zugreifen. Wer wissen will, wie es einem Kind geht, das hochsensibel ist und einen Trinker zum Vater hat - zugreifen. Wer sich interessiert, welche Sorten es an Drogen gibt, wie sie wirken und was sie verursachen - zugreifen. Nochmal 2 Sterne! Warum nicht 5 Sterne? Zum einen: Das Erleben von John Burnside war sicher schlimm und tragisch, aber aus vielen "alltäglichen" Fällen weiß ich: es gibt Schlimmeres (z.B. hat der Vater seine Tochter nicht vergewaltigt und die Mutter halb tot geprügelt...) Will sagen: in vielen Häusern bis heute leider trauriger Alltag. Na und, deswegen kann man doch darüber schreiben? Natürlich! Nur, die Geschichte wirkt auf mich etwas "aufgepumpt". Einen halben Stern Abzug. Dann - nach meinem Empfinden - verliert sich John Burnside stellenweise in Weisheiten, die er dichterisch zwar wunderschön darstellt, aber wo ich irgenwie nicht mehr so recht begriff, was er eigentlich wirklich sagen will. Vielleicht erging es manch anderem Leser auch so. Einen halben Stern Abzug. Aber sonst: sehr empfehlenswert!
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am 21. Januar 2013
Es ist ein "hammerhartes" Buch! Solide geschrieben und schonungslos in der Darstellung, welche familiären Auswirkungen die Krankheit ALKOHOLISMUS letztendlich bewirken kann. Ein MUSS füer jeden, der sich mit Suchtproblemen beschäftigt, bzw. beschäftigen muss!
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