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TOP 500 REZENSENTam 3. Mai 2016
Die Biographie von Martha Argerich aus der Feder von Olivier Bellamy habe ich sehr gern gelesen. Ich habe nicht nur eine spannende Persönlichkeit und eine äußerst talentierte Künstlerin, sondern auch ihre nicht weniger spektakulären Freunde und Familie kennengelernt. In Marthas Gesellschaft fühlte ich mich sehr wohl, konnte ihre Beweggründe prima nachvollziehen, bin gerne durch die wichtigsten Ereignisse ihres Lebens gegangen, der Unterhaltungsfaktor ist dabei kaum auf der Strecke geblieben.

Martha stammt, wie auch Hannah Arendt, Daniel Barenboim, uvm. von den russischen Juden ab. Ihre Mutter, allg. als Juanita bekannt, wurde „in eine Familie russischer Juden hineingeboren, die Ende des neunzehnten Jahrhunderts vor zaristischen Pogromen nach Argentinien geflohen war…“ S. 16. Der Vater war halb Kroate, halb Katalane. Es gibt ein Dorf in Kroatien, das Argeric heißt.

Marthas außergewöhnliche Begabung wurde früh genug wahrgenommen und von den Eltern aus allen Kräften befördert. Sie bekommt mit drei Jahren ein Klavier und wird zu den besten Lehrern geschickt. Zu Hause wird sie von ihrer Mutter zu endlosen Übungen motiviert. Mit fünf Jahren bekommt die einen neuen Lehrer Vincenco Scaramuzza, der ihr v.a. Lampenfieber eingeprägt hat.

Später in Wien, als 14-Jährige, lernt sie eine Zeit lang bei Friedrich Gulda, der sie auf einer Augenhöhe wahrnimmt und entspr. mit ihr umgeht.
Was Marthas Spiel betrifft, so liest man auf S. 91: „Man begeisterte sich für ihr ‚kindliches Lächeln‘, ihr ‚unbewegtes Gesicht‘, und einer der Kritiker beendete seinen Artikel gar mit den Worten: ‚Ich habe keine Frau erlebt, die Klavier spielt, sondern eine Künstlerin, die sich aus ihrem Innersten heraus die Musik verzehrt.‘“ Oder auch: „… er hatte das Gefühl, in Marthas Spiel den Pulsschlag des Universums zu vernehmen. Sie ‚spielte‘ nicht Bach – nein, sie ließ die Sonne über dem Erdball aufgehen.“ S. 126.

Zugegeben, ist in dieser Bio der Kindheit recht viel Raum gegeben. Ab dem 20-sten Lebensjahr, spätestens nach hundert Seiten wird es richtig spannend, da Marthas Persönlichkeit zutage tritt.

Marthas Hilfsbereitschaft und Nichtvoreingenommenheit von ihrem eigenen beachtlichen Talent kamen sehr sympathisch und für heutige Zeig vllt überraschend rüber. Sie förderte auch viele Künstler durch ihre Beziehungen in der Szene, ließ sie Kontakte knüpfen, bei den bedeutenden Förderern auftreten, auch bei sich im Haus wohnen, denn sie hatte eine andere Vorstellung vom Familiären leben. Vllt durch die Ehe ihrer Eltern von der trauten Zweisamkeit abgeschreckt, mietete sie größere Häuser, in denen die befreundeten Künstler wohnten, und ihre Freunde ein- und ausgehen konnten, wie es gerade gut für sie erschien. Auch als Martha ihre Töchter bekam, alle drei von verschiedenen Vätern: einem Chinesen, einem Franzosen, dem bekannten Dirigenten Charles Dutoit und einem Kroaten, dem Pianisten und Dirigenten Stephen Kovacevich, änderte sich kaum etwas daran.

Martha ist auch eine außergewöhnliche Mutter:„Außerstande, ihr eigenes Leben und ihre Karriere zu steuern, unternahm Martha nicht einmal den Versuch, ihren Kindern gegenüber als Autoritätsperson aufzutreten.“ S. 187.
Etwas zu kurz kamen die Töchter in dieser Bio insgesamt. Zu gerne hätte ich gewusst, was aus ihnen geworden ist. Aber gut, sie haben ihr Privatleben und wollen ihre Ruhe haben.

Auch Marthas Krebserkrankung in der zweiten Lebenshälfte und wie sie damit umging, kam im letzten Drittel anschaulich zur Sprache. Nur eine mutige, durch und durch starke Person konnte den Schicksalsschlägen auf diese Art begegnen.

Martha hat ihre Meinung und vertritt diese auch konsequent. Sie ist im Juri von diversen Klavier-Wettbewerben, die manchmal auch einen Eklat mitbringen. Z.B. Marthas Mut und Selbstlosigkeit, das Festival in Buenos Aires finanziell allein zu stemmen, haben leider keine Chance gegen die Fehler des Systems gehabt. „In Stich gelassen von der High Society von Buenos Aires, verkündete Martha, dass sie den Festivaljahrgang 2005 aus eigener Kraft stemmen wolle. Schließlich kam es für sie nicht in Frage, diese Niederlage hinzunehmen und sich von der Arroganz des Geldes bestimmen zu lassen. Im Jahr darauf musste sie eine weitere böse Überraschung erleben. Unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen und mageren Löhnen, begannen die Orchestermitglieder und Techniker des Teatro Cólon ausgerechnet am Abend ihres Auftritts mit Charles Dutoit zu streiken. Martha wurde an ihrer linken Flanke angegriffen, von denjenigen, deren Loyalität sie sich stets so gewiss gefühlt hatte. Sofort schlug sie sich auf die Seite der Streikenden und unterstützte ihre Forderungen im Fernsehen. Doch in ihrem tiefsten Innern war sie verletzt.“ S. 260-261.

Die Biographie lässt sich insgesamt gut und leicht lesen. Die Seiten fliegen nur so dahin. Manches ist weniger chronologisch geradlinig dargelegt worden, da nach Themen geordnet, sodass man in den Zeiten vor und zurückspringt. Aber es tut dem Lesevergnügen keinen großen Abbruch.
Es gibt auch Fotos, die Martha als Kind, mit Juanita im Meer, in jungen Jahren mit ihrem Vater und Bruder, und auch mit ihren Töchtern, und extra Fotos mit ihren Männern zeigen. Ein klarer Pluspunkt.
Was diese Bio auch so lesenswert macht, sind die Zusammenfassungen von Lebensläufen der Künstler, die in Marthas Leben eine Rolle gespielt haben, die Namen s.o. So wird auch deutlich, in welchem Netzwerk sie agiert hat, welche Menschen einen Einfluss auf ihr Leben und Schaffen genommen haben, etc.

Fazit: Ich hatte viel Vergnügen und Freude, Martha Argerich und ihre Freunde kennenzulernen und durch die wichtigen Stationen ihres Lebens zu gehen. Martha ist eine großartige Person. Daniel Barenboim soll einmal über sie gesagt haben, sie sei ein wunderschönes Gemälde ohne Rahmen, S. 268. So stelle ich sie mir auch vor. Herrlich. Gerne lese ich weitere Bios und Ausführungen zu Marthas Leben und Schaffen, und vergebe für diese Bio sowohl die fünf wohl verdienten Sterne, als auch eine Empfehlung für die Liebhaber der Biographien, und für diejenigen, die es werden wollen.
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am 23. Juni 2011
Ein 'Kraftwerk der Gefühle'. Der 'argentinische Wirbelsturm'. Die 'Löwin am Klavier'.
Alle diese Beinamen für Martha Argerich, argentinische Pianistin von Weltruf, drücken eines vor allem auf. Dass die Künstlerin den Tasten die großen Leidenschaften entlockt, dass sie mit Leib und Seele in der Musik und der Darbietung, nicht nur technisch, sondern auch emotional aufgeht.

Eine Lebenskraft und Lebenshaltung, die Oliver Bellamy durchaus in seiner Biographie zu transportieren versteht. Vor allem, in dem er, autorisiert durch die Pianistin, Einblick gibt in das 'Dahinter' der Auftritte und Studioarbeit. In die Akribie, die Lust am Spiel, aber auch die Selbstzweifel und das Lampenfieber Martha Argerichs, die für jene innere Spannung und Reibung sorgen, die bei den Auftritten dann deutlich spürbar im Raume steht.

Eine Umsetzung der Musik, für die Martha Argerich von klein auf an vorbereitet worden ist. Talentiert, im brodelnden Buenos Aires aufgewachsen, schon früh in der Klavierausbildung befangen. Detailliert folgt Bellamy den Spuren des Kindes und der heranwachsenden Ausnahmeerscheinung und verschweigt dabei nicht die, von Argerich selbst ebenso benannten, Schattenseiten eines solch ganz besondern Lebensweges. Dass die praktischen Seiten des Lebens, auch der soziale Umgang, wenig eingeübt und wenig erfahren wurde. Ein Mangel, der sich vor allem im intimen Privatleben der Künstlerin schwierig zeigte. Neben den künstlerischen Erfolgen und der Anerkennung des Publikums stehen hier dann eben auch eine Reihe persönlich schmerzlicher Niederlagen, die Bellamy anführt. Nicht boulevardesk, sondern immer im Blick auf die Gesamtzeichnung der Person anführt.

Chronologisch und geographisch geht Bellamy dabei vor. Beginnt im Kindergarten in Buenos Aires, zeigt den Einfluss Friedrich Guldas auf, der schon früh in der Karriere der Argerich mit ihr in Wien gemeinsam arbeitete, beschreibt die ersten Schritte in Europa mitsamt der ersten Plattenaufnahme (übrigens in Deutschland hergestellt) und folgt so dem erfolgreichen Weg der Pianistin durch die Welt. Ein Weg, den Bellamy ebenso bereits äußerlich kenntlich macht, indem er die Kapitel mit meist Städtenamen und einigen Ländernamen überschreibt, somit die Biographie der Martha Argerich nicht nur chronologisch, sondern auch geographisch in ihrem Inneren festzurrt. Stationen, die auch die Krebserkrankung der Künstlerin nicht auslassen und diese unprätentiös und eher sachlich in diesen Lebenslauf mit einreiht.

So entsteht auf 270 Seiten ein äußeres und inneres Bild einer bewegenden Künstlerin, die Zeit ihrs Lebens es verstanden hat, Kind zu bleiben und damit auf einer Entdeckungsreise des Lebens zu bleiben. Eine Entdeckungsreise voller Emotionen, Selbstzweifel, Lampenfieber, persönlichen Niederlagen und neuen Angängen, welches immer und überall Musik begreift als eine universale Sprache der Emotionen, in denen die Person ganz aufgehen kann und muss, wenn es ernsthaft betrieben werden soll.

Ein kleiner Bildteil in der Mitte des Buches sowie ein Überblick über die Diskografie und das Leben der Künstlerin ergänzen den Textteil.

Wer sich mit dem Leben der Pianistin beschäftigt, aber auch, wer die leidenschaftliche Kraft der Musik zu entdecken gedenkt oder von dieser fasziniert ist, ist mit dieser Biographie bestens bedient.
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Auf 22 Erzählstationen lädt der französische Korrespondent Olivier Bellamy Fans und neugierig gewordene Leser ein das Leben der Martha Argerich kennenzulernen.

Ganz zweifelsfrei ist sie eine der ganz Großen der Musikszene, aber der Autor hat auch das Mädchen und die Frau Martha Argerich in seinem Buch im Blick. So schildert der Autor im Kapitel "Buenos Aires: Kindergarten" die schweren verwandtschaftlichen Verhältnisse, auch psychichen Krankheiten, die es in der Verwandtschaft der Künstlerin gibt. 1944 betritt Martha zum ersten Mal ihren Kindergarten und lernt dort zufällig die Welt des Klaviers kennen. Die Leiterin ist eine Kunstfreundin, die es ermöglicht, dass das Klavier jeden Mittag zur Siesta erklingen kann.

Auch wenn natürlich die musikalische Seite der Argerich im Vordergrund des Buches steht, haben mich doch beim Lesen die Einblicke in ihr Privatleben zutiefst beeindruckt. Zu vieles in ihrem Leben verlief wider dem Verstand, deshalb ist es gerade bei dieser Künstlerin so wichtig nach ihrer Herkunft und ihrem Leben zu schauen, um ihre Musik zu verstehen. Ihr Agent hat einmal gesagt: "Martha hat alles dafür getan, ihre Karriere zu ruinieren, aber es ist ihr nie gelungen." Spricht dieses Zitat nicht Bände? Die Frau die so oft schockierte, die es sich sogar leisten konnte eine Einladung der Wiener Philharmoniker auszuschlagen, wurde dennoch ein Weltstar.

Dieses Buch erschien nun zu ihrem 70. Geburtstag, den sie am 5. Juni 2011 feiern wird. Olivier Bellamy hat ihr ein wunderbares literarisches Denkmal gesetzt, das Martha Argerich in all ihrer Widersprüchlichkeit zeigt.
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am 30. Mai 2011
Über den Inhalt dieses Buches gibt es bereits ausführliche Darstellungen,die hier nicht wiederholt werden müssen.

Die Argerich wird siebzig Jahre, in wenigen Tagen. Eine Karriere über Jahrzehnte,mit vielen Brüchen, wie im Buch nun dokumentiert wird.

Der Preis für ein Leben aus der Spontaneität ist, dass es rauf und runter geht. Begleiter werden zu Partnern, trennen sich wieder,es gibt Dramen erheblichen Ausmaßes.

Eine schwere,lebensbedrohliche Krankheit kommt hinzu.

Und dennoch-live, und durch die regelmässigen Veröffentlichungen, etwa des wunderbaren Festivals von Frau Argerich, in Lugano, zeigt sich, dass die pianistische Kraft nicht vergangen ist.

Bellamy zeigt ihr äußerst bewegtes Leben auf. Dadurch wird aber das Phänomen der Argerich eigentlich nur noch rätselhafter. In der Musik zerfasert sie sich keinesfalls,auch wenn ihr Leben oftmals genau diesen Eindruck macht, sei es nun in Genf,in brüssel oder anderswo. Ihre Interpretationen sind voller Energie, aber unter Beachtung vorgegebener Strukturen. Sie ist kein Pogorelich. Wie man aus einem solchen Leben in eine solche Haltung zur Musik findet, ist schon rätselhaft.

Weniger rätselhaft, dass sich ihr Leben in einer Großfamilie abspielt. Das Festival in Lugano zeigt deutlich die Familienmitglieder, die Capucons,Frau Zilberstein,ehemalige Partner, ein eigenes Kind,gut befreundete Familien, Margulis etwa. Immer spielen sie zusammen herrliche Kammermusik,immer wieder neue Stücke. Da ist Leben und Musizieren kongruent.

Autorisierte Biographie bedeutet, dass die vielen, ja auch sehr persönlichen Informationen von der Pianistin gebilligt werden ( unterstellt, sie hat diese zur Kenntnis genommen und nicht,wie einem ihrer Kinder,nicht zuhörend, eine ganz schlechte Note belobigt).

Kleine Ungereimtheiten sollten bei einer Neuauflage bereinigt werden. Kremer ist Violinist und kein Cellist ( S. 217).

Allerdings würde wahrscheinlich auch eine weitere Auflage das Rätsel Argerich beschreiben,aber nicht komplett auflösen können. Oder glaubt man, dann erklären zu können, warum eine Pianistin, der am Klavier alles zur Verfügung steht, Angst vor dem fünften Beethovenkonzert hat? Wo sie doch mehrfach bei Beethoven bewiesen hat, dass sie auch diesen Komponisten fulminant wiedergeben kann( wer hätte je besser den Klavierpart der Kreutzersonate gespielt?).

Zum Cover möchte ich schreiben,was auch zu einigen CD-Veröffentlichungen zu schreiben ist, die nun zum siebzigsten auf den Markt kommen. Sie selbst zeigt sich längst ( Bellamy weist darauf hin, S. 269) in dem Alter, in dem sie ist. Dann sollte die Werbung dies auch beachten und nicht ein Cover wählen, das Jahrzehnte alt ist. Respekt sieht anders aus. Die Frau wird siebzig.
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am 11. April 2011
Martha Argerich gehört zu den herausragenden Tasten-Genies, von denen es in einem Jahrhundert nur sehr wenige gibt. Am 5. Juni 1941 wurde sie in Buenos Aires geboren, wenige Monate zuvor der weltberühmte Pianist Bruno Leonardo Gelber, und 17 Monate später Daniel Barenboim. Alle 3 die größten argentinischen Pianisten in der Geschichte ihres Heimatlandes. Die Eltern von Martha Argerich waren russisch-jüdischer Herkunft. Mit 5 Jahren kam sie in die extrem harte Schule von Vincenzo Scaramuzza, 1885 in Crotone/Italien geboren. Der Unterricht glich einem Terrorregime, dem sich heute kein Schüler mehr aussetzen würde. Lob erfuhr Martha Argerich kaum. Wenn sie unaufhörlich dieselben Passagen spielen musste und vor Erschöpfung ausrief: "'Ich sterbe!'", erwiderte ihr Meister: '"Dann stirbst Du eben!'" Im Alter von nur 7 Jahren debütierte die junge Künstlerin im Teatro San Martin mit einem Programm, das für ein Kind kaum zu bewältigen ist: Mozarts Klavierkonzert Nr. 20 d-moll KV 466, Beethovens 1. Klavierkonzert C-Dur op. 15 und die Englische Suite Nr. 3 g-moll von J.S. Bach. Mit 11 Jahren spielte sie erstmals Schumanns Klavierkonzert a-moll op. 54 im Teatro Colón. Ständig kamen berühmte Pianisten und Dirigenten nach Südamerika; der wunderbare Chopin-Interpret Stefan Askenase kam im Juli 1953 nach Buenos Aires und sollte später eine wichtige Rolle in Martha Argerichs Karriere spielen. Er bereitete sie für den internationalen Chopin-Wettbewerb 1965 vor, den sie bravouröse gewann. 1955 wurde sie in Wien die einzige Schülerin des Pianisten Friedrich Gulda (1930 bis ' 2000). 1957 gewann sie erste Preise beim Busoni-Wettbewerb in Bozen und beim Concours International in Genf, wenig später gab sie in Hamburg ihr Europa-Debüt, wo ich sie zum ersten Mal erlebte. Die Deutsche Grammophon bot ihr spontan einen Exklusivvertrag an. Martha Argerich besaß die Fähigkeiten die schwierigsten Klavierkonzerte im Schlaf auswendig zu lernen, man nennt diese übermenschliche Gedächtnisfähigkeit "'total recall'". Das Privatleben von Martha Argerich ist eine Dauerserie von Leidenschaften & Leid. 3 Töchter von 3 verschiedenen Vätern, ihre erste Tochter Lyda kommt im März 1964 in Genf zur Welt, genau 1 Jahr vor dem großen Chopin-Wettbewerb in Warschau. In München wollte sie einen Probelauf machen und wurde von Joachim Kaiser, dem bis heute berüchtigten Musikkritiker der Süddeutschen Zeitung völlig zerrissen. Die 23-jährige Künstlerin war am Boden zerstört. Der kometenhafte Aufstieg der Pianistin war nicht mehr aufzuhalten. Weltweite Tournéen und ein genial-chaotisches Privatleben. Sie sagte oft Konzerte ab, aber wenn sie auftrat, waren es immer Sternstunden, die man nie vergessen wird. 1997 überwindet sie eine nahezu finale Krebserkrankung, wird von einem Chirurgen in Los Angeles (Honorar 70.000.- US-Dollar) erfolgreich operiert. Ihr Haus ist ständig mit Freunden belebt. Die Nacht ist ihre Hauptarbeitszeit ' über Tag schläft sie bis zum frühen Nachmittag. Pünktlich zu ihrem 70. Geburtstag hat der berühmte russische Komponist Rodion Schtschedrin (in Moskau und München zu Hause) ein in der Musikgeschichte einmaliges Konzert für Klavier, Cello und Orchester geschrieben, das Martha Argerich im Jahr 2011 zusammen mit Mischa Maisky in Lugano, Genf, Zürich, Luzern, Baden-Baden, Wien Paris, London, Ferrara und Bologna aufführt.
Der einfühlsame Biograph Olivier Bellamy schreibt am Ende dieses bewegenden Buches: "'Musik hat die Macht, die Zeit anzuhalten. Sie eröffnet eine andere Dimension, in der das Bewusstsein von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ausgelöscht ist. Indem sie selbst Kind blieb, hat die Pianistin sich die Freiheit bewahrt, auf Entdeckungsreise zu gehen, stets mit dem Blick nach vorn und sämtliche Fallen meidend. In die die Nostalgie, die Eitelkeit oder der Wunsch nach Besitzstand uns so leicht tappen lassen. Denn fernab davon, sich ihr eigenes Denkmal zu errichten, wird Martha Argerich bis zu ihrem letzten Atemzug ein einziges Motto haben: Leben und leben lassen!'"

Roland R. Ropers
Religionsphilosoph & Publizist
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Martha Argerich - eine wunderbare Frau - ich mag ihr Klavierspiel sehr gern - aber nicht nur das, sondern die Frau im Ganzen gesehen - ihr Leben und ihre Einstellungen - faszinieren mich.
So möchte ich euch heute die Biografie dieser Frau vorstellen, die im C. Bertelsmann Verlag innerhalb der Edition Elke Heidenreich erschienen ist, von dessen Reihe ich schon einige Bücher rezensiert und logischerweise auch gelesen habe.

Der Untertitel Die Löwin am Klavier" ist echt nicht übertrieben !!!!

Inhalt und Gliederung:
Meine Meinung:
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22 Lebensstationen Martha Argerichs werden in 22 Kapiteln dem Leser erzählt. Und das in einer dichten Handlung, besonderer Sichtweise und herausragender und qualitativ hochwertiger Schreibweise.

Dieses Phänomen einer Frau - eines Menschen, der künstlerisch und menschlich etwas Besonderes und Herausragendes ist - diese Tatsache konnte der Autor im Buch hervorragend rüberbringen.

Man sagt es ist kaum in Worte zu fassen, aber dem Autor ist es in ansprechender und der Person würdiger Weise gelungen. Uns Lesern - die sich für die Person Martha Argerich interessieren - vielleicht ihre Musik mögen und die private Person mit ihrem Charakter und ihrem Leben nicht so genau bzw. überhaupt nicht kannten, können sich nach der Lektüre super in den Menschen hinein versetzen.

Frau Argerich wird super porträtiert und charakterisiert. Man spürt, dass der Autor perfekt und umfassend recherchiert haben muss, um ein so komplexes und umfassend detailliertes Bild dieses Menschen in Worte fassen zu können.

Man ist als Leser fasziniert von der musikalischen Leistung, die diese Person nachweisen kann, aber auch von ihren Charaktereigenschaften, die sie zu etwas Besonderem machen.

Die Faszination dieser Person kommt sehr gut zum Ausdruck und ihre Musik schwingt in den Worten mit. Es hört sich pathetisch an, aber ich kann es nicht anders sagen.

Martha Argerich wird lebendig und die realistische und spannende Schreibweise trägt dazu bei, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.

Von ihrer Kindheit ausgehend und beginnend, wird ihr Leben aufgerollt und vor dem Leser präsentiert. Eigentlich ist sie sehr scheu gegenüber der Presse, aber der Autor hat es geschafft, dass sie selbst an diesem Buch mitgewirkt hat. So konnte ein realistisches Porträt entstehen. Es werden ihre großen Erfolge gefeiert und erwähnt, aber auch die Rückschläge und Qualen nicht außer Acht gelassen. Beruflich und privat wird alles Interessante, was Martha Argerich ausmacht erzählt. Der Spagat zwischen privatem Leben mit Beziehungen und Familie und einer wahnsinnigen Weltkarriere, die einen Menschen ganz fordert - kommen bestens zum Ausdruck - werden faszinierend und bildhaft dargestellt.

Eindruckvoll, amüsant und ehrlich ist das Leben der Martha Argerich niedergeschrieben und liest sich flüssig, realistisch. Einfach göttlich !!!

Gestaltung:
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Zum Design des Buches gibt es zu sagen, dass es auch wie die anderen Werke aus der Reihe mit einem transparenten Umschlag versehen ist, der das Darunter hier auf der Rückseite preisgibt. (Ein Klavier - wie kann es anders sein !)

Bildmaterial:
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Auch ist zahlreiches Bildmaterial beigefügt, welches Martha Argerich zeigt.

Wer ist Martha Argerich? Kurzer Lebensabriss:
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Sie wurde am 5. Juni 1941 in Buenos Aires, Argentinien geboren.

Bereits mit drei Jahren erhielt Martha Argerich den ersten Unterricht in Buenos Aires bei dem italienisch-argentinischen Pianisten und Klavierpädagogen Vicente Scaramuzza und debütierte 1949 in Buenos Aires mit einem Klavierkonzert. 1955 kam sie mit ihrer Familie nach Europa und setzte ihr Studium in Wien bei Friedrich Gulda fort. 1957 gewann sie den Ersten Preis beim Internationalen Klavierwettbewerb Ferruccio Busoni in Bozen. Mit etwa 20 Jahren geriet sie in eine Lebenskrise, die bewirkte, dass sie sich vollständig aus dem Konzertbetrieb zurückzog. Erst 1964 gelang es u.a. auch durch die Intervention ihres Lehrers Stefan Askenase, dass sie sich wieder der Öffentlichkeit zeigte. 1965 wurde sie durch den Gewinn des 1. Preises beim Chopin-Wettbewerb weltbekannt.
In den letzten Jahren hat sie den Nimbus der Virtuosin, die bei ihren Auftritten enthusiastische Begeisterung hervorruft, etwas abgelegt und tritt zunehmend als Interpretin von Kammermusik in Erscheinung. Sie tritt zudem seit langer Zeit nicht mehr allein im Rahmen eines Klavierabends auf, sondern als Solistin in Klavierkonzerten oder mit anderen Musikern wie etwa Nelson Freire, Gabriela Montero, Gidon Kremer, Mischa Maisky oder ihrer langjährigen Duo-Partnerin Lilya Zilberstein.
Martha Argerich ist sehr engagiert in der Förderung junger Klaviertalente und beteiligt sich häufig als Jurorin bei wichtigen Wettbewerben. So war sie lange Zeit Mitglied der Jury des Chopin-Wettbewerbs, bei dem sie 1980 für Furore sorgte, als Ivo Pogorelich - den sie als Genie bezeichnete - bereits nach der dritten Runde ausschied und sie sich daraufhin aus Protest weigerte, weiterhin der Jury anzugehören.
2005 erhielt sie die renommierte Auszeichnung Praemium Imperiale, den Nobelpreis der Künste".
Im Jahre 2002 entstand unter der Regie von Georges Gachot ein Dokumentarfilm über Martha Argerich.
Martha Argerich ist für ihr temperamentvolles Spiel bekannt. Für Joachim Kaiser gilt sie als die feurigste und virtuoseste Pianistin der Gegenwart, die zum Teil selbst ihr großes Vorbild Vladimir Horowitz in den Schatten stellt. Viele ihrer Interpretationen sind mittlerweile legendär; dazu gehören das 3. Klavierkonzert in d-Moll von Rachmaninow oder das 1. Klavierkonzert in b-Moll von Tschaikowski.
Quelle: amazon.de

Kurze Leseprobe:
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1986 kam Martha nach Paris, um mit Daniel Barenboim Nächte in spanischen Gärten von Manuel de Falla und Totentanz von Franz Liszt zu spielen. Letzterer sollte im Nachhinein wie eine unheilvolle Prophezeiung erscheinen: Am 19. Oktober 1987 verstarb Jacquueline du Pré mit nur zweiundvierzig Jahren. Sie vermachte ihr Stradivarius Dawidow" Yo-Yo Ma und ihr anderes Stradivarius Lynn Harrell, der ihm den Beinamen du Pré" gab. Martha üb ertrug ihre große Liebe zu Stephen Kovacevich auf ihre Tochter Stépphanie, die ihre Sanft mut und Zärtlichkeit ans Licht gebracht hatte ...
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am 21. September 2016
Eine Rezension über dieses Buch zu verfassen, ist wirklich nicht leicht, wenn man nicht in die Falle tappen will, eine Rezension über Martha Argerichs Biografie, sprich ihr Leben, zu schreiben. Von diesem lebt natürlich dieses Buch! Ein Buch über ein Ausnahmetalent zu schreiben, mag leicht erscheinen, in der Annahme, dieses gelingt von allein, aber es ist wohl eher eine große Herausforderung. Die Löwin könnte ja schließlich intervenieren... ;-)

Bellamy versteht es gut, dieses wirre, spontane Leben der Argerich, einer Frau, die in kein Schema zu pressen ist und auch nicht in ein Künstlerklischee passt und manchmal wie von einem anderen Stern wirkt, in den verschiedenen Kapiteln widerzuspiegeln. Dabei geht er nicht konsequent chronologisch vor, sondern verliert sich in einem Thema, greift darin vor in die Zukunft und geht zurück in die Vergangenheit. Ich hatte deshalb ein paar kleine Schwierigkeiten, manche Dinge beim ersten Mal zu verstehen und musste Absätze mehrfach lesen, z. B. wer zu welcher Zeit der Partner der Argerich war - einiges davon erschließt sich einfach erst später im Buch. Ob Bellamy damit der Sprunghaftigkeit Martha Argerichs Rechnung tragen wollte, oder ob diese facettenreiche Biografie ihn möglicherweise sogar etwas überforderte oder zumindest so stark herausforderte, dass das Buch diesem Leben etwas hinterherzuhinken scheint?
Das Buch enthält jedenfalls eine ungeheure Fülle von Lebensabschnitten und einzelnen Begebenheiten – es ist allein schon eine Leistung, dies nicht nur alles zusammenzutragen, sondern sinnvoll zu ordnen, ohne eben nur einen statischen, chronoloigischen Lebenslauf daraus zu machen.
Aus dem Buch sprechen Empathie und Begeisterung, die Bellamy für die Argerich hegt. Anders kann man wohl auch kein Buch über sie schreiben: Sie scheint ein Ausnahmetalent unter Ausnahmetalenten zu sein, das nichts dafür kann.... allein den Sachverhalt, dass die A. kaum übte vor ihren Konzerten, kann wohl ein normalsterblicher Klavierspieler weder glauben, geschweige denn nachvollziehen, er dürfte dagegen vor Neid erblassen... Es ist ihr in die Wiege gelegt worden, sie hatte offenbar keine Wahl - zum Glück für unzählige Klassikfreunde.

Obwohl die Mutter Martha Argerichs im Buch manchmal schlecht wegkommt, hat diese einen entscheidenden Anteil an der frühen Entwicklung der Künstlerin.

Interessant und belustigend war für mich der Effekt, dass ich, vertieft in dieses Buch, erst mit dem Umschlagen der Seite 159 bemerkt habe, dass sich einige Fotos von Martha Argerich in der Buchmitte befinden. Das ist mir noch mit keiner Biografie passiert, und das spricht für den spannenden Inhalt!

Wenn hier jemand in einer Rezension schreibt, er hätte mehr erwartet, dann frage ich mich - und ihn - ja was denn? Ist es denn nicht erfüllend genug, eine so einmalige Biografie so eindrucksvoll vermittelt zu bekommen? Für mich ist es das auf jeden Fall!

Mein Fazit – wer selbst Klavier spielt und den Durchbruch bisher nicht geschafft hat (und/ oder noch anstrebt), der lese dieses Buch besser nicht, es könnte entmutigen. Allen anderen eine klare Leseempfehlung!
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am 12. November 2014
Martha Argerich hat mich schon seit längerem fasziniert. Die hier erschienene Biographie von Olivier Bellamy gibt einen unglaublich detaillierten Einblick in das Leben der großartigen Pianistin, und man will das Buch von Kapitel zu Kapitel verschlingen.
Es ist in keinster Weise der Hauch von Langweile oder sprödem "Herunterrattern" von Zahlen, Daten oder Fakten zu spüren; im Gegenteil: der "Lebensablauf" orientiert sich kapitelweise an örtlichen, für Martha Argerich entscheidenen Stationen, gespickt mit interessanten Anekdoten und zahlreichen Weggefährten.
Fazit: absolut lesenswert!!
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am 12. September 2014
Ich hatte im Fernsehen den Film "Bloody daughter" über Martha Argerich gesehen und deshalb dieses Buch gekauft.Es kam pünktlich und hat alle meine Erwartungen erfüllt.Ein spannendes Leben einer großen Künstlerin.
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am 5. Februar 2016
Martha Argerich – dieser Name ist wohl nur für diejenigen von Bedeutung, die sich in der Welt der klassischen und insbesondere in der Klaviermusik bewegen.

Ein Freund und Kollege, mit dem ich diese (musikalische) Leidenschaft teile brachte mich vor gut drei Jahren auf die Musik von Martha Argerich. Bekannt bin ich zwar eher für meine Leidenschaft als Hardrock- und Heavy Metal-Fan, jedoch habe ich noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich auch die klassische Musik sehr zu schätzen weiß. Eine weitere Kollegin war ganz erstaunt, als sie mich dann vor zwei Jahren mit der nun zu rezensierenden Biographie von Martha Argerich im Bus sah. Aber auch sie konnte ich schnell davon überzeugen, dass ich als selbsternannter „King of Music“ (fast) allen musikalischen Ergüssen offen gegenüberstehe *hust*.

Okay, genug der Plänkelei – jetzt geht's ans Eingemachte. Als ich mir Mitte Januar das Buch aus dem Regal schnappte, konnte ich noch nicht ahnen, dass ich drei Wochen später eine der (Achtung: hier kommt schon jetzt das Fazit) herausragendsten Biographien gelesen haben sollte, die ich jemals in den Händen gehalten habe.
Zum einen liegt es an der teils humorvollen, jedoch immer voller Respekt ausstrahlenden Schreibweise, den der französische Musikjournalist Olivier Bellamy in seiner Biographie über die „Löwin am Klavier“ anschlägt, aber auch an den Hintergründen und interessanten Fakten, wie Martha Argerich zu der Person wurde, die sie ist.

So kann man beispielsweise ihrem Spielkameraden im Kindergarten, der ihr immer wieder neue Herausforderungen stellt, nicht dankbar genug sein, dass er ihr eines Tages sagte „Wetten, du kannst nicht Klavier spielen?“ (S. 22) und sie sich sodann ans Klavier setzte und fehlerfrei eines der Wiegenlieder, die sie jeden Tag im Kindergarten hörte, nachspielte. Das war der Grundstein für eine bis heute andauernde beeindruckende Karriere.

Ein paar Seiten weiter heißt es über ihr erstes Konzert: „Im Alter von sieben Jahren gab sie ihr erstes richtiges Konzert im Teatro San Martin: […]. Der Druck, unter dem die kleine Martha stand, war enorm. Am Morgen des Konzerts beschwor sie sich im Badezimmer auf Knien selbst: „Wenn du eine einzige falsche Note spielst, stirbst du auf der Stelle!“ Die Bedrohung durch die Strafe ließ sie wieder heiter werden.“ (S. 39)

Auch lernen wir ihre Lehrer wie Vincenzo Scaramuzza oder Friedrich Gulda kennen, die Martha mit ihren jeweils eigenen Mitteln immer wieder vorantrieben und so ihre Persönlichkeit festigten. Auch wenn sie bis heute nicht ihre Schüchternheit und Introvertiertheit abgelegt hat, gehört sie zu den stärksten und bescheidensten Persönlichkeiten, die ich kenne und ich habe größten Respekt vor Martha Argerich, die sich trotz mehrerer persönlicher Schicksalsschläge (darunter eine Krebserkrankung) nie hat unterkriegen lassen.

Ich hatte mir beim Lesen dieser außergewöhnlichen Biographie so viele Stellen mit interessanten und lustigen Passagen markiert und wollte einiges davon in dieser Rezension unterbringen. Jetzt merke ich, dass ich lieber an die Leserinnen und Leser die Bitte richte: kauft euch diese faszinierende Geschichte über eine mittlerweile etwas zahmer gewordene, aber nicht minder ausstrahlungskräftige Löwin, die in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag feiert und lasst euch von ihr berauschen, tief in die Welt der Klaviermusik einzudringen.

Die letzten Worte überlasse ich Olivier Bellamy. Jenen ist nichts hinzuzufügen.

„Musik hat die Macht, die Zeit anzuhalten. Sie eröffnet eine andere Dimension, in der das Bewusstsein von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ausgelöscht ist. Indem sie selbst Kind blieb, hat die Pianistin sich die Freiheit bewahrt, auf Entdeckungsreise zu gehen, stets mit dem Blick nach vorn und sämtliche Fallen meidend, in die die Nostalgie, die Eitelkeit oder der Wunsch nach Besitzstand uns so leicht tappen lassen. Denn fernab davon, sich ihr eigenes Denkmal zu errichten, wird Martha Argerich bis zum ihrem letzten Atemzug ein einziges Motto haben: „Leben und Leben lassen“.“ (S. 269/270)
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