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Kundenrezensionen

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TOP 500 REZENSENTam 15. März 2009
Der Kultstatus, den das vorliegende Buch seit seiner Erstveröffentlichung im Jahre 1961 innerhalb der gehobenen amerikanischen Literatur besitzt, verdankt sich einer Art literarischer Ersterkundung. Wir befinden in den glücklichen Fünfziger Jahren, als die Straßenkreuzer riesig waren und sich noch niemand Gedanken über zu hohe Spritpreise machen musste. Die Leute wohnten mit ihren Kindern in eigenen Häusern ( die sie auch abbezahlen konnten! ), hatten Arbeit und genossen den anhebenden Massenwohlstand der modernen Gesellschaft. Aber etwas stimmte nicht. Inmitten all der explodierenden Bequemlichkeiten der Moderne entdecken die Partner im Käfig der bürgerlichen Kleinfamilie sich plötzlich mit all ihren Schwächen und Marotten in einer solchen Genauigkeit, dass sie bald voneinander die Nase voll haben. Man glaubte, einen Schmetterling geheiratet zu haben und muss nun entdecken, dass es eine Raupe ist, die bis zum Ende des Lebens neben einem im Bett liegen wird.
Frank Wheeler, die Hauptfigur des Buches und ein aalglatter Bonsaiintellektueller, ist eine taube Nuss "auf der Suche nach seiner Bestimmung" ohne auch nur den leisesten Schimmer zu haben, was das sein könnte. Dafür nerven ihn seine Familie, seine Nachbarn, sogar seine Wald-und Wiesen-Geliebte und sein Beruf. Seine Frau April Wheeler ist eine unausgefüllte Hausfrau, deren psychologische Gemütslage zwischen "Ich liebe dich, wenn du lieb bist" und "Ich würde alles tun, damit Du dich nur entfalten kannst" hin- und herpendelt. Die beiden leben in der "Revolutionary Road" auf dem "Revolutionary Hill", einer Reihensiedlung in der Nähe von NYC und vertändeln ihre Freizeit mit Nachbarn, die die gleichen Probleme, nur noch eine Spur gewöhnlicher durchleiden. Denn ganz gleich ob es sich um die Wheeler, die Campbells oder die Givings handelt, alle Beziehungen zwischen den Paaren aber auch zwischen den Eheleuten sind auf eine schreckliche Weise gestelzt, jede Geste ist aufwendig inszeniert, jedes Gespräch eine Gratwanderung zwischen lauter Tretminen des Missverständnis, die bei aller Mühe dann doch immer wieder hochgehen und sich in exzessiven ehelichen Auseinandersetzungen entladen.
Die Handlung, die sich vor diesem Bühnenbild entfaltet und die die Wheelers schließlich in die Katastrophe führt, ist eigentlich nebensächlich. Ein infantiler Plan, den familiären Unzulänglichkeiten durch einen Umzug nach Paris zu entfliehen, wird wegen einer unerwarteten Schwangerschaft Aprils aufgegeben, in Wahrheit hatte Frank schon vorher jeden Wunsch nach einem so unberechenbaren Wechsel der Verhältnisse verloren. Der einzige, der den Wheelers ungeschminkt die Wahrheit dazu sagt, ist John Givings, der schizophrene Sohn der Maklerin, eine Art "Fratze der Wirklichkeit", der am Ende des Romans in der Irrenanstalt verdämmert, weil ihm keiner mehr zuhören will.
Ich habe dieses meisterhaft geschriebene und durch komponierte Buch an einem Wochenende mit Anteilnahme und Ergriffenheit gelesen. Blind müsste der Leser sein, der in Frank und April oder in den Nebenfiguren nicht auch sich selbst erkennen würde. Immer aufs Neue wird in dem vorliegenden Buch jene Archetypik des ehelichen Exzesses entfaltet, die fast jeder schon einmal erlebt hat. Sogar die steil abstürzenden Geburtenraten unserer niedergehenden Gesellschaften werden in dem Buch vorhergesagt, denn April Wheeler tötet in der Verzweiflung über ihr eheliches Desaster ihr ungeborenes Kind. Heute geschieht dies übrigens allein in Deutschland alljährlich 115.000 mal.
Was aber ist der Kern des Dilemmas? Wieso gerät die Ehe der Wheelers stellvertretend für fast alle Ehen der Gegenwart in eine solche Sackgasse? Was ist die Bedrohung und der Fluch, die über allen Ehen schwebt? Auch wenn Yates dies nicht ausdrücklich formuliert und viele Rezensenten anderer Auffassungen vertreten, meine ich: es ist das Unvermögen den Partner in seiner Beschränktheit anzuerkennen und wenn schon nicht dauerhaft zu lieben, so doch zu wenigstens ertragen. Einer der Nebenfiguren, dem alten und schwerhörigen Howard Givings, gelingt dies immerhin - wenngleich auf eine leider nicht verallgemeinerungsfähige Weise. Er stellt einfach das Hörgerät ab, wenn seine Frau das Haus betritt.
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am 13. August 2006
"Zeiten des Aufruhrs", der deutsche Titel von Richard Yates' Roman "Revolutionary Road" aus dem Jahr 1961, ist genau wie der Originaltitel ironisch zu lesen. Es gibt nicht wirklich ein Aufruhr, ein Aufstand oder eine Revolution. Mehr als ein kurzes Kratzen an der Fassade findet nicht statt.

Richard Yates beschreibt das Leben des Ehepaars April und Frank Wheeler, beide um die 30, das an der Revolutionary Road in einer schmucken Einfamilienhaussiedlung ausserhalb von New York lebt. Der Roman hat wenig Handlung und lebt von den genauen Schilderungen dieser amerikanischen Mittelschicht. Wheelers Leben ist völlig langweilig und unbefriedigend. April fristet ihr Leben als gelangweilte Hausfrau, die Nachbarn sind langweilige Spiessbürger und die Arbeit im Büro ödet Frank nur an. April, die eigentlich Künstlerin sein möchte, schafft es als Schauspielerin nur in eine zweitklassige Laienaufführung. Die angestrebte Auswanderung nach Frankreich ist nicht mehr als Wuschdenken. Ihre Lebensträume sind nur Luftschlösser, dabei will man etwas besseres sein als die anderen. Die Beziehung zwischen Frank und April ist eingespielt, aber nicht wirklich glücklich, man entfremdet sich. Selbstverwirklichung sucht man in Affären. Am Schluss stürzt diese auf Lebenslügen und Wunschträumen basierende bürgerliche Existenz ein.

Richard Yates seziert erbarmungslos die kleinbürgerliche Gesellschaft, den American Way of Life, legt die Spannungen unterhalb der Oberfläche frei. Diese illusionslose Betrachtungsweise zerstört den amerikanischen Traum völlig. Zwischen Erwartung und Realität, Schein und Sein, liegen Welten. Das Buch erinnert mich irgendwie an den Film "American Beauty", auch wenn das Buch nicht so plakativ und überdreht die amerikanischen Vorstädte schildert, aber der Kernkonflikt ist der Gleiche. Der Roman zeigt eigentlich nur die pure Langeweile, was nicht besonders spannend ist. Spannend und faszinierend sind dagegen die sprachlichen Mittel, mit denen Yates diese Langeweile zur Implosion bringt.
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am 1. April 2010
Messerscharf, atemberaubend beobachtet. Fesselnd, mit überraschenden, aber nicht unverständlichen Entwicklungen. Obwohl die Handlung letztlich nahezu alltäglich ist, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen, war beteiligt fast wie bei einer scharfen Auseinandersetzung im Freundeskreis.

Sehr schön konstruiert auch, sowohl im ganzen wie auch einzelne Absätze. Erstaunlich, wie Yates einzelne Zeitabschnitte einfach überspringt und andere um so genauer schildert, auch auf wechselnde Hauptpersonen fokussiert - es funktioniert praktisch immer, selbst wenn vielleicht der komplette Roman aus der Sicht nur einer Figur noch bündiger wirken könnte. Einmal wird ein Kuss unterbrochen durch einen Kapitel- und Perspektivwechsel; und es wirkt ungemein elegant!

Veröffentlicht 1961, spielt der Roman in den Mittfünzigern. Er zeigt keinerlei Altersschwächen. Allerdings trinken und rauchen sämtliche Akteure in einer Tour, auch Schwangere, auch Autofahrer. Das ständige Nachölen mit Hochprozentigem erinnerte mich an Romane von Highsmith und Hemingway.

Kleinere Nörgeleien:
- Die Kinder des Ehepaars bleiben sehr blass.
- Kultur- und Europabeflissenheit wirken etwas wenig nachvollziehbar.
- Frank Wheeler sagt zu Beginn ein paar harte, wenig einfühlsame Dinge zu seiner Frau, die nicht ganz zu dieser Romanfigur passen.
- Der etwas Geistesgestörte und seine "ehrlichen" Worte wirken wie eine Notlösung, fast wie ein deus ex machina.

Anders als die Profirezensenten war ich mit der deutschen Übersetzung schon nach wenigen Seiten unzufrieden. Also habe ich die deutsche Ausgabe beiseite gelegt und die englische Fassung gebraucht nachbestellt (3,68 Euro brutto via Amazon Market Place. Angeblich "Versand aus Deutschland", doch es dauert über eine Woche und kommt aus England). Ein Vergleich zeigte schnell, dass der renommierte deutsche Übersetzer Hans Wolf einzelne Nebensätze und Adjektive weggelassen und an anderen Stellen extrem wortgetreu, damit aber wenig abgerundet übersetzt hat, Beispiele:
- Im Deutschen gibt es sehr angestrengtes, allzu wörtlich Übersetztes wie "sie verfehlte nie zu bemerken" oder "außerhalb des Haupterzählflusses seines Lebens", das man viel gängiger, weniger verstörend übertragen könnte.
- Im englischen Original erläutert der etwas Geistesgestörte den Unterschied zwischen "female" und "feminine"; auf Deutsch wird das zum Unterschied zwischen "Weibchen" und "Weibsstück" (sic). Oder:

Auf Seite 280 der deutschen DVA-Taschenbuch-Ausgabe steht inhaltlich unpassend:
-- Und zudem war ein Motel die einzige Möglichkeit.
Das Englische in der Ausgabe von Vintage Books (dies die Grundlage der deutschen Übersetzung) lautet jedoch sinnvoll:
-- And besides, a motel wasn't the only possibility.
Also inhaltlich das Gegenteil der deutschen "Übersetzung".

Es zeigte sich allerdings auch, dass die englische Lektüre für mich anstrengender war als andere englische Romane, und so habe ich aus Faulheit doch auf Deutsch weitergelesen und gelegentlich mit dem englischen Original (und einem Lesezeichen auch dort) verglichen. Der Roman ist von so hoher Qualität, dass er die vielgelobte Übersetzung übersteht.

Nochmal zur DVA-Taschenbuch-Ausgabe: Die kleine Inhaltsangabe auf dem Rückumschlag verrät schon die Entwicklung der Geschichte. Darunter folgen zur Sicherheit Sätze aus einer "Brigitte"-Rezension; sie verraten abermals die Entwicklung der Geschichte. (Die Ausgabe zeigt ein Foto aus dem Film; man nahm vielleicht an, dass das Buch wegen des Films gekauft wurde und der Inhalt bekannt sei. Ich jedoch kannte die Geschichte nicht und wollte die Richtung der Handlung nicht wissen. Vielleicht nahm man auch gar nichts an.)

Originalroman: 4,8 Sterne
Übersetzung: 1,4 Sterne
Gewichtete Gesamtwertung: 4,4 Sterne
Film: 3,3 Sterne

Stunden nach Abschluss des Buchs habe ich den Film gesehen. Er hat mir gefallen, erreicht aber nicht die Qualität des Buchs. Der Film zieht die Handlung stark zusammen ' manche Entwicklung geht viel zu schnell - und verändert einige Charaktere leicht, so etwa die verfügbare Sekretärin Grube. Das Drehbuch lässt auch ein entscheidendes Detail am Ende aus. Viele andere Sätze und Momente aus dem Buch kehren dagegen 1:1 wieder - bis hin zur allerletzten Szene, die schon im Buch nicht überzeugte, weil nur Nebendarsteller agieren. Kate Winslet wirkt herber, maskenhafter als die Buchfigur, DiCaprio milchbärtiger, andere Gestalten erscheinen weniger facettenreich, mehr wie Karikaturen. Die Schauplätze sind edel dekoriert, die Kamera schwelgt in edel abgetöntem Pastell. Im Buch schildert der allwissende Erzähler viele Hintergedanken vor allem von Frank Wheeler - dieser Einblick fehlt in der Verfilmung völlig, ebenso die Mehrzahl der Rückblenden, auch wenn die Handlung deswegen nicht unnachvollziehbar erscheint. Es gibt im Film wohl mehr Gebrüll als im Buch, die Kinder fallen noch weniger auf.

Wohlgemerkt: ich verlange nicht, dass der Film das Buch präzise nachbildet. Dennoch, selbst wenn ich das Buch nicht kennen würde, könnte ich den *Film* mit seiner aufdringlichen Schöner-Wohnen-Oberfläche nicht in höchsten Sternen loben. Drei sind genug.
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Oberflächlich betrachtet sind Frank und April Wheeler ein perfektes Paar. Mit ihren beiden Kindern wohnen sie in einem gepflegten Vorort von New York. Doch hinter der hübschen Fassade ihres Einfamilienhauses tut sich ein Abgrund auf. Frank langweilt sich in seinem Job als Werbetexter, April träumt vom Umzug nach Europa, die Eheleute sind zerstritten. Ihr Versuch, aus der Vorstadtidylle auszubrechen, endet für die beiden in einer Tragödie. In seinem 1961 erschienenen, von der Kritik hochgelobten Romandebüt Zeiten des Aufruhrs erweist sich Richard Yates als unbestechlicher Chronist des amerikanischen Alltags der 50er Jahre. Mit großer Präzision spürt er den Enttäuschungen einer Generation nach, die den amerikanischen Traum verachtet, ohne dabei die eigenen Lebenslügen zu erkennen. Der Roman, der lange Zeit in Vergessenheit geraten war und nach seiner Neuauflage zu einem Kultbuch avancierte, ist auch nach fast 50 Jahren kein bisschen gealtert ' auch wenn seine Figuren Petticoats tragen und Cocktails trinken, Jazz hören und Jitterbug tanzen. Ein packender Klassiker der Moderne ' bitterböse und komisch zugleich.
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am 6. August 2012
"Zeiten des Aufruhrs" von Richard Yates erzählt die tragische Geschichte des Ehepaars Wheeler. Von Ferne betrachtet haben die beiden alles, was man sich wünschen kann: Sie sehen gut aus, sind jung, gesund, gebildet, haben zwei Kinder, Freunde in der Nachbarschaft und ein hübsches Haus. Frank Wheeler geht einer Arbeit in einer Firma nach, in der auch schon sein Vater gearbeitet hat. April Wheeler spielt in ihrer Freizeit in einer Schauspielgruppe. Eine glänzende Fassade!

Aus der Nähe zeigen sich indes mit voller Härte sämtliche Tücken des Lebens: April Wheeler entpuppt sich lediglich als schlechte Provinzschauspielerin, Franks Job ist über alles Maßen öde, Kinder wollten sie so wirklich auch keine, ihre öden Freunde aus der Nachbarschaft treffen sie eher aus Pflichtgefühl.
Das junge Paar mit den einst vielen Träumen ist in der spießigen Konformisten-Vorstadt-Tristesse angekommen und spielt - ohne das selbst zugeben zu wollen - auch noch brav mit.
Die Wheelers sind gefangen in Bequemlichkeiten, aus denen vor allem Frank nicht mehr ausbrechen möchte. Er arrangiert sich mit all den Banalitäten einer Welt, in der man zu den wirklich wesentlichen Fragen des Lebens erst gar nicht vordringt und sich über alle Maßen zerstreut. Ein doppelter Drink hier, eine dröge Geliebte da, sinnentleerte Arbeit dort, ein vor dem Spiegel eingeübter männlich-markanter Blick; was stören da die großen Probleme der Welt, Träume und das eigene Geschwätz von gestern.

Doch seine Frau April wünscht sich Veränderung. Besonders sie leidet als Frau unter ihrer festgeschriebenen Rolle als Hausfrau und Mutter, in der sie sich eingeengt und ausgeliefert fühlt. Sie möchte in Paris, in Frankreich neu anfangen. Beinahe alle Bekannten sind irritiert von diesem Wunsch und man schmunzelt. Die (gewollte) Zäsur entlarvt schonungslos Feigheiten, Bequemlichkeiten, Lebenslügen und den Vorrang eigener Befindlichkeiten.

Der Roman ist noch immer aktuell und führt vor Augen, wie immer stärker ausdifferenziertere Industrie-Gesellschaften an ganz neuen Problemen leiden.

Sprachlich brilliant und von Yates erschreckend gut beobachtet!

Absolut lesenswert!
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am 2. November 2015
"Nimm den Menschen ihre LEBENSLÜGEN und du nimmst gleichzeitig ihr Glück"

April und Frank Wheeler bewohnen in den 50igern ein hübsches Häuschen in einem Vorort von New York.
Friedlich wirken diese Häuschen, man hat freundliche Kinder, besucht sich gegenseitig, bepflanzt den Vorgarten und trinkt sein Quantum Alkohol hinter vorgezogenen Gardinen. Sehr beschaulich, dieses spießbürgerliche Scheinidyll, in dem sich April und Frank niederlassen.

Die eigentliche Tragik ist, dass sie sich zu Höherem berufen fühlen.

Frank verachtet seinen Job bei Knox, April erleidet Schiffbruch als Laidendarstellerin.

Kurz: Sie wollen raus aus diesem Scheißleben.

Wenn da nicht dieser Frank wäre.:(
Mich hat dieser Typ mit seiner Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit zur Weißglut gebraucht. Frauen benutzt er, wie und wann es ihm beliebt, ohne sich um Gefühle zu scheren.

"War seine Frau unglücklich? Das war zwar bedauerlich, aber alles in allem ihr eigenes Problem"

"Die Geschichte mit Maureen würde er bald zu einem würdigen Abschluß bringen müssen - die SACHE hatte ihren Zweck erfüllt-, doch im Moment hatte er das Gefühl, er dürfe sie ruhig noch ein wenig auskosten."

Das Wort "Kotzbrocken" bekommt hier eine völlig neue Dimension. Für mich ist ein Kotzbrocken in Zukunft ein "Wheeler"

April, seine Frau, ist labil, angeschlagen durch Ereignisse in der Kindheit. Trotzdem steckt noch soviel Kraft in ihr, die spießbürgerlichen Umstände ändern zu wollen. Sie schlägt vor, nach Paris zu gehen, dort zu arbeiten und endlich zu leben.

Das Schicksal, in Form einer 3. Schwangerschaft, vereitelt diese Pläne. April will abtreiben, um sich ihre Träume dennoch zu erfüllen. Frank, dem es in seiner Firma grade besser geht, und auch keine Lust mehr auf Veränderung hat, versucht ihr das auszureden.

April läßt sich überreden, wird dabei aber todunglücklich. Hinzu kommt, dass sie in dieser Zeit Besuch von John Giving haben, einem schizophrenen hochbegabten Mathematiker. Dieser blickt hinter ihre Fassade und demontiert sie gnadenlos.

Kurz darauf treibt April ab...

Yates Größe zeigt sich in der unnachgiebigen und unerbittlichen Erforschung der menschlichen Verhaltensweisen in einer klaren, unerbittlichen und unsentimentalen Sprache.

Ich ziehe meinen Hut vor diesem Schriftsteller.
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TOP 1000 REZENSENTam 7. November 2015
Auf der Bühne, die das Leben uns bereitet, ist jeder der Hauptdarsteller seines eigenen Spiels. Dabei stehen Plot und theatralische Wirkung im Vordergrund, während wir um etwaige Selbsterkenntnis gerne herumstreichen wie die Katze um den heißen Brei.
Vieles, was wir aufführen, ist anmaßend und überzogen, so wie es der Name 'Laurel Players' für eine Laientruppe ist, die dann in ZEITEN DES AUFRUHRS auch prompt schon zu Beginn des Romans Schiffbruch erleiden wird.

Es ist das Jahr 1955, und auf den amerikanischen Bühnen ist das Thema Lebenslüge ein Dauerbrenner, ebenso der Ehekrieg, der sieben Jahre später mit WHO'S AFRAID OF VIGINIA WOOLF seinen darstellerischen Höhepunkt erlebt.
In den Dramen dieser Zeit herrscht Pathos vor und durch die Adern der handelnden Personen fließt allzu oft nur Theaterblut, nicht rotes lebendiger Menschen. Denn hier soll etwas fassbar gemacht werden, das jeder zahlende Zuschauer zur Belehrung mit nach Hause nehmen kann.
Auf diese Ökonomie lässt sich Yates nicht ein.
ZEITEN DES AUFRUHRS ist ein vielschichtiger Roman, geerdet durch Zeit- und Lokalkolorit. Es geht um das Leben in den Suburbs der Fünfziger Jahre in Amerika.
Frank und April Wheeler, beide Ende Zwanzig, zwei Kinder, haben sich eingerichtet in einer Vorstadt New Yorks. Frank duckt sich vor dem Leben und versteckt sich als kleiner Angestellter, April hat ihre Träume, Schauspielerin zu werden, begraben und muss sich mit der Rolle der Mutter begnügen.

Lebendig ist hier überhaupt nichts, und der ' übrigens sehr viel bessere, weil treffendere - Originaltitel REVOLUTIONARY ROAD, jener Straße, in der die beiden leben, kann nur als beißende Ironie verstanden werden. Und doch, Leben findet statt und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Nach dem desaströsen Auftritt der 'Laurel Players' bäumt sich April noch einmal auf und will mit Frank und den Kindern nach Europa auswandern, will dort den Lebensunterhalt verdienen, so dass Frank sich ganz der Selbstfindung widmen kann. Denn als die beiden sich als Teenager kennen lernten, war eben dies Aprils Überzeugung, dass Frank ein Genie sei. Sich nach zehn Ehejahren und zwei Kindern und der damit einhergehenden Selbstaufgabe einzugestehen, dass Frank doch nur ein ganz normaler junger Mann ist (mittelmäßig wäre wohl das treffendere Wort) ' diese Bankrotterklärung des Lebens will April verständlicherweise nicht abgeben. Und Frank müssen wir verzeihen, dass er dem Mythos seiner Außerordentlichkeit anhängt, denn Narzissmus ist weiter verbreitet als Selbsthass.

Man kann so vieles Aufzählen, worum es in Yates großem Erstling geht, aber in meiner Wahrnehmung stoßen wir hier zum Zentrum des Buches vor, wo Frank so oft das Richtige will und doch das Falsche tut, eben weil er so ist, wie er ist, und nicht aus seiner Haut kann. Frank mangelt es an Empathie, er kann seinen Mund nicht halten und hat ein feines Gespür dafür, im richtigen Moment das Falsche zu sagen. Er ist ein Vorzeigechauvinist der Jahrhundertmitte, bar jeglicher Selbsterkenntnis, und man könnte ihn mit manchem Schimpfwort belegen, ohne ihm Unrecht zu tun; und doch:
Ich erkenne in mir die Fehler, die Frank hat, wieder.

Frank ist ein Jedermann, und ein unsympathischer dazu; dass es gelingt, ihn zu einer Hauptfigur mit Fallhöhe zu machen, dafür ist Yates ein beträchtliches erzählerisches Risiko eingegangen, und es hat sich gelohnt.
Unter Yates mitleidslosem Blick werden das Leben und seine Umstände dieses Jedermanns seziert. Kommunikation zwischen den Ehepartnern bleibt eine Utopie und das Leben lebt sich weitestgehend von selbst, auch dann noch, als April Pläne schmiedet, die alles ändern sollen und doch nur eine geringe Halbwertszeit haben.

In ZEITEN DES AUFRUHRS geht es um die Fehler, die das Leben zur Soap Opera degradieren und dem Individuum seine Würde nehmen. Alle Verletzungen, die Frank anderen zufügt, erniedrigen am Ende ihn selbst. Da hilft es wenig, wenn er sich selbst in eben die Rolle flüchtet, in der wir ihn erleben, nämlich als Romanfigur. Nachdem Frank fremdgegangen ist und sich einmal mehr wie ein A*** aufgeführt hat, tröstet er sich selbst (und das kann er gut) mit der Betrachtung:
'Die ganze Episode ließ sich nun als etwas abtun, was entschieden außerhalb des Haupterzählflusses seines Lebens lag (')'.
Aber gelingt es wirklich, im jeweiligen Moment des Lebens zu erkennen, was episodenhaft und was von Bedeutung ist?
Scheitern, Alkohol und Selbstbetrug sind in ZEITEN DES AUFRUHRS omnipräsent. Trotzdem, und auch trotz der mehr als 50 Jahre, die seit der Erstveröffentlichung von Yates Romandebut vergangen sind, ist das Buch empfehlens- und lesenswert. Seine kleinen Schwächen (z.B. dass April längere Zeit sehr unscharf bleibt und dass Yates offenbar dem Leser nicht genug zutraut und in der Figur des psychisch erkrankten John Givings dem Leser noch einmal alles durchbuchstabiert, was bei den Wheelers verkehrt läuft), kann ich diesem großen Roman problemlos nachsehen.

"'Der Mann', wiederholte er, 'ist geistesgestört. Weißt du, wie man Geistesgestörtheit definiert?'
'Nein. Du?'
'Ja. Als Unfähigkeit, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Es ist die Unfähigkeit zur Liebe.'"
(Frank Wheeler zu April)

4,5 Sterne
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am 29. Oktober 2008
Der Brigitte Rezension eingangs kann ich insofern nicht zustimmen, als dass ich nicht einen einzigen Moment lang Frank und April als das perfekte Paar empfunden habe. Schon nach wenigen Sätzen packt einen das Grauen und ungläubiges Kopfschütteln begleitet ab da die weiteren Geschehnisse von Seite zu Seite.
Die geschilderte Beziehung besteht nur, weil keiner der beiden Teile dieses Paares sich jemals die Mühe gemacht hat, zu denken und zu entscheiden und sich dies auch weiterhin zur Maxime macht - nur stellenweise durchbrochen von Kurzphasen von aufflackerndem Bewusstsein. Ihre Kinder sind für sie lästige Randfiguren, die Nachbarn in ihrer öden Spießigkeit fast interessanter als die Wheelers selbst.
Wenn Frank gutaussehend, das bewohnte Haus wirklich schön und April trotz beginnender Fülle um die Hüften nach wie vor ein entzückendes Mädchen" ist, so hat man doch immer ein düsteres Gefühl in der Magengegend und die vorgebliche Schönheit will keine Faser des Lesers erreichen und einlullen. Denn das Drama sitzt bereits in der Ecke und lauert. Man weiß nicht, aus welcher Ecke es zuschlagen und wen es treffen wird. Am Ende sitzt man deprimiert über dem zugeklappten Buch und fragt sich, ob man selbst bewusst genug lebt und Beziehungen im Leben - egal zu wem - genügend pflegt.
Er ist bitter, dieser Auszug aus dem Leben zweier Menschen, die sich gegenseitig nicht gut tun und es auch nicht wollen. Danke, Richard Yates - von mir volle 5 Sterne!
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am 28. Juni 2005
Derzeit wird offenbar auf beiden Seiten des Atlantiks an Yates' Wiederentdeckung gearbeitet. Dies ist also eine hervorragende Gelegenheit, sich als Literatur-Trendsetter zu profilieren: Zwei junge, studentisch-unorthodoxe Amerikaner haben beschlossen, ihr Boheme-Dasein übergangsweise und weil es die Situation erfordert (Kinder!) gegen das einer amerikanisches Vorstadtfamilie zu tauschen. Bei nüchterner Betrachtung sieht es schon bald so aus: Die beiden halten sich für Existentialisten, sind aber - frei nach Forrest Gump: spießig is, who spießig does - nicht weniger kleinbürgerlich als ihre verachtete Nachbarschaft. Er arrangiert sich erfolgreich, sie wird zur Ostküsten-Madame-Bovary. Ein psychologisch präziser wie plausibler, unterhaltsamer und in Ansätzen sogar satirisch-komischer Roman. Toll!
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am 6. September 2002
Dieses Buch habe ich 1975 (ich war damals 16) in einem Buchclub in der DDR erworben. Es erschien damals unter dem Titel "Das Jahr der leeren Träume", welcher mir auch sehr passend erscheint. Das Buch ist inzwischen vergilbt, aber ich kann nicht sagen, wieviele Male ich immer wieder darin geblättert habe.
Es liest sich wunderbar leicht, und die Einblicke in den amerikanischen Alltag und die amerikanische Mentalität sind sehr interessant. Wobei man sagen muß, daß in ihren menschlichsten Problemen uns die Romanfiguren sehr nahe sind und sich von uns kaum unterscheiden.
Die Buch wirkt absolut glaubwürdig und es gibt für mich keine Schwachstellen oder Längen. Die Handlung ist sehr dicht, dadurch fällt es schwer, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen.
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