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am 12. April 2014
Als Rosamond nach einem langen und erfüllten Leben stirbt hinterlässt sie weder Kinder noch einen Ehemann. Daher kümmert sich ihre Nichte Gill um Rosamonds Nachlass. Sie findet u.a. einige besprochene Kasetten und einen Brief ihrer Tante, in dem diese bittet, die Kasetten einer junge Frau namens Imogen zukommen zu lassen. Aber wer ist Imogen? Und was ist auf den Kasetten?
Nachdem Gills Suche erfolglos bleibt, hört sie die Kasetten selbst und hofft, dort Hinweise darauf zu bekommen, wo sich Imogen aufhält. Was sie erfährt, ist die Geschichte ihrer Familie und einige Geheimnisse.

Mit "Der Regen, bevor er fällt" ist Jonathan Coe ein sehr intensiver und gefühlvoller Familienroman gelungen, der drei Frauengenerationen umspannt. Er handelt von Lügen und Wahrheiten, Mutter-Tochter-Beziehungen und der Freundschaft. Und er zeigt, dass die Dinge nicht immer so sind, wie es zunächst scheint. Zum Schluss gelangt der Leser zu der Einsicht, dass zwei (scheinbare) Gegensätze sich nicht immer ausschließen müssen, sondern gleichzeitig wahr sein können. Damit ist "Der Regen, bevor er fällt" ein wunderschöner Roman über das Leben.

Jonathan Coe bedient sich einer sehr bildhaften Sprache. Er lässt nicht nur weit zurückreichende Zeiten wieder auferstehen, sondern beschreibt auch Personen und Landschaften so plastisch, dass man ein sehr genaues Bild vor dem geistigen Auge sieht. Trotzdem lässt der Roman angenehm und leicht lesen.

Zusätzliche Spannung erhält der Roman dadurch, dass Rosamonds Geschichte unterbrochen wird, um die Rahmenhandlung erneut aufzugreifen. Coe wählt die Stellen dabei so geschickt, dass ein toller Spannungsbogen entsteht. So fand ich den Schluss dann leider etwas enttäuschend, da hier ein zeitlicher Sprung erfolgt, um alle losen Handlungsfäden zu einem Abschluss bringen zu können. Hiervon abgesehen ist jedoch ein sehr schönes Buch, dass den Leser von Anfang an fesselt.

Die EBook-Version hat aber leider einige Schwächen. Zum einen sind die Kapitel weder nummeriert noch mit Überschriften versehen. Dies macht die Navigation innerhalb des Ebooks über die Kindle-Funktion "gehe zu" unmöglich. Zudem vielen mir auch hier öfter fehlende Leerzeichen auf; meistens jedoch nach einem Satzzeichen, sodass sich die Worte trotzdem recht schnell erkennen ließen. Auch die Kapiteleinteilung scheint an einigen Stellen nicht zu stimmen. An ein oder zwei Stellen konnte ich nur aus dem Inhalt des Gelesenen darauf schließen, dass ein neues Kapitel begonnen hatte.
Das EBook lässt sich trotzdem gut lesen. Ich hatte es schon mit wesentlich schlechter erstellten EBooks zu tun.
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am 19. März 2013
Dieses Buch wurde mit von Bekannten empfohlen, außerdem habe ich von dem Schriftsteller Jonanthan Coe noch nichts gelesen. o k
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am 1. November 2014
Habe mir das Buch wegen der hervorragenden Kritiken gekauft. So einen seichten Text habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Unter Mühen fertig gelesen, da ich das Ende wissen wollte, im Hotel als Schlafhilfe für andere gelassen und bereits vergessen, worum es ging. Doch, alles ist Geschmacksache und ich möchte niemanden mit meiner Buchkritik zu nahe treten.
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am 27. Dezember 2013
Im Nachlass ihrer Tante Rosamond findet Gill besprochene Tonbänder. Damit verbunden die Aufgabe an sie, Imogen wiederzufinden. Rosamund möchte mit den Tondokumenten Imogen aufzeigen, woher sie kommt, wer ihre Geschichte geprägt hat und warum sie so früh erblindet ist.

Die Geschichte beginnt zu Kriegszeiten, als Rosamond zu ihrer Tante auf’s Land kommt und dort eine von Abweisung und Nähe geprägte Beziehung zu ihrer Cousine Beatrix aufbaut. Diese wird in ihrem späteren Leben eine Tochter bekommen, Thea. Und Imogen wiederum ist die Tochter Theas.

Diese Familiengeschichte wird faszinierenderweise anhand von 20 Fotos erzählt. Rosamond hat sie ausgesucht und beschreibt auf den Tonbändern sehr genau was darauf zu sehen ist, um für Imogen die Bilder und Szenen begreifbar zu machen.

Es entsteht ein Familienbild das von Kälte geprägt ist. Viele Unwägbarkeiten die passieren und schwierige Zeiten ziehen ihre Furchen. Die Frauen der Geschichte versuchen jede auf ihre Weise mit der Welt zurechtzukommen und es zeigt sich wiedermal, dass Familie oft das Schlimmste zum Vorschein bringt, das einem passieren kann.

Rosamond ist so etwas wie der rote Faden, der alle Stränge zusammenhält und so bewegt sich die Geschichte über jedes Foto weiter in der Zeit.

Gill hört sich die Tonbändern zusammen mit ihren Töchtern an und sie können sich dem Bann nicht entziehen, der von den Worten ihrer Tante Rosamond ausgeht. Die Versuche Imogen zu finden, gestalten sich schwierig und es ist fraglich, ob es jemals gelingen wird.

Rosamond schafft mit den gesprochenen Worten ein Erbe, das vieles in der Familiengeschichte beleuchtet. Wie es oft der Fall ist, wenn man den Älteren zuhört. Sie kennen noch Ereignisse und wissen Zusammenhänge, die in den späteren Generationen verloren gehen.

Und so ist auch dieses Buch für mich eine Mahnung daran, die eigene Geschichte zu bewahren und weiterzugeben. Mich ließ der Gedanke nicht los, mit welchen 20 Bildern ich meine Geschichte erzählen würde.

Sehr lesenwert!
4 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 15. August 2016
Mir wurde das Buch mit dem Kommentar geliehen, dass es sehr lesenswert sei. Leider konnte ich das nicht nachvollziehen.

Zwei Punkte gibt es, weil ich die Geschichte und die familiären sowie personellen Konstellationen interessant fand und auch die Idee, die Geschichte anhand der Forts zu führen und die Fotos einer Blinden zu beschreiben, fand ich an sich gut. Aber damit beginnt auch das Problem, denn die Beschreibungen der Fotos sind entsetzlich langweilig. Ich habe mir die zwei wichtigsten Sätze dazu raus gepickt und den Rest übersprungen.

Die langweilige, dahin plätschernde und emotionsschwache Darstellung der Handlung ist ermüdend. Ich habe seitenweise quer gelesen. In einer Vorrezension habe ich gelesen, der Autor gilt als hervorragender Formulieren mit wortgewaltiger Sprache. Davon habe ich nichts bemerkt. Ich hoffe, es ist nicht in der Übersetzung hängen geblieben. Das Buch liest sich, als habe der Autor versucht, wie ein großer Literat zu formulieren und es hat einfach nicht geklappt. Man kann so formulieren oder man kann das nicht und das Buch ist so geschrieben, dass der Autor in meinen Augen kein großer Literat ist.

Ich mag das Wort blutleer als Buchbeschreibung eigentlich nicht, aber hier fällt mir leider keine treffendere Beschreibung ein. Es trifft den Nagel auf den Kopf. Es werde menschliche Dramen und fatale Lebensläufe geschildert, aber mich haben sie nicht berührt und ich bin keiner Person nahe gekommen und keine hat mich sonderlich interessiert, was alleine an der Form der Darstellung und nicht an der Dramatik der Geschichte liegt.
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am 20. Juli 2011
dann hinterläßt das Spuren im Leben die man selten wieder gutmachen kann.
Doch genau das versucht Rosamond in Form von 20 Fotos und 4 besprochenen Cassetten vor ihrem Tod.

Rosamond ist gestorben und Gill ihre Nichte findet die Cassetten und Fotos mit dem Auftrag, Imogen die Enkelin ihrer Cousine Beatrix ausfindig zu machen um sie ihr zu übergeben. Denn Rosamond möchte Imogen einige Dinge erklären, sie wissen lassen, warum sie von einer anderen Familie adoptiert wurde, wie es zu Imogen`s Erblindung kam und wie es zu dem Unglück gekommen ist. Doch Imogen ist nicht aufzuspüren und so darf sich Gill zusammen mit ihren Töchtern die Cassetten selbst anhören und auch sie erfahren so Dinge, die weit in die Vergangenheit zurückreichen und auch ihnen vollkommen unbekannt waren.

Rosamond beginnt mit Beatrix und deren Mutter Ivy im Jahre 1938. Beatrix, die von einer Mutter aufgezogen wurde, die ihre Söhne vergöttert hat und ihrer Tochter keine Liebe geben konnte. Das hat Beatrix geprägt und aus ihr eine Frau gemacht, die Liebe und Anerkennung suchte, dabei aber nicht fähig war, diese Liebe an ihre eigene Tochter weiterzugeben... So setzt sich dieser Familienmechanismus fort, denn auch Thea die Tochter von Beatrix schafft es nicht ihrer Tochter Imogen Liebe und Fürsorge zu geben, was dann letztendlich in einem großen Drama endet...

Mich hat dieser Roman sehr berührt, zeigt es doch eine familiäre Unfähigkeit auf, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde und erst durch eine große Tragödie beendet wurde.
Rosamond die hier ihrer aller Leben anhand von Fotos und Cassetten aufrollt war immer mehr oder weniger Zeuge dieser Dinge. Manchmal unmittelbar dabei, dann wieder aus dem Abstand der Entfernung heraus versuchte sie immer zu helfen, zu verstehen und auch oft auszugleichen und die Dinge wieder an Thea und Imogen gutzumachen...

Jonathan Coe hat mit großem Einfühlungsvermögen das sensible Thema der Mutter und Tochterbeziehung gezeichnet, das hier in einem feinfühligen Roman seinen Ausdruck findet. Man merkt wieder einmal, das die Familie nicht immer ein heimeliger Ort der Geborgenheit ist, sondern das in ihr oft die größten Verletzungen stattfinden können, die den Mitgliedern Prägungen verpassen, die sie ihr ganzes Leben mit sich herumtragen und aus denen sie sich oft nur schwer oder gar nicht lösen können.

Fazit: Ein sehr bewegender Roman, der zum Nachdenken anregt und auf alle Fälle länger im Gedächtnis bleibt!
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 28. Mai 2010
Ein sehr britischer Roman ist dies und ein sehr empfehlenswerter, vor allem für Menschen, die Geschichten über die Abgründe des Familienlebens mögen.

Es beginnt mit dem Tod der alten Rosamond. Ihre Nichte Gil kümmert sich um den Nachlass und entdeckt mehrere Cassetten, auf denen Rosamond einer verschollenen Enkelin ihrer Cousine eine Art Lebensbeichte hinterlassen hat. Alles fängt während des zweiten Weltkrieges an, als Rosamond eine Zeit lang zu Besuch im Haus ihrer Tante auf dem Land war. Dort entwickelte sich die schmerzhafte Beziehung zu ihrer Cousine Beatrix, einem Mädchen, dass von ihrer gefühlskalten Mutter keine Wärme und Liebe bekommt. Auch Beatrix Tochter Thea, aus einer frühen und unglücklichen Ehe stammend, ergeht es nicht besser, weil Beatrix ebenso unfähig zu lieben ist. Theas versucht früh auszubrechen, schließt sich einer Hippigruppe an bekommt Imogen. Aber auch Thea schafft es nicht, sich ein stabiles Leben aufzubauen. Schließlich erblindet Imogen durch ein furchtbares Unglück.

Interessant ist vor allem der Kunstgriff es Autors, die Geschichte rückwirkend anhand von zwanzig Fotos zu erzählen, die Rosamond ausgesucht hat und um die sich die Handlung entwickelt. Dabei gibt es ein paar wunderbare Szenen wie die mit dem Hund ihrer Mutter, der beim Eislaufen plötzlich verschwindet und für die kleine Beatrix zu einem lebenslangen Trauma wird.

Die Familie als abgründiger Ort und als Grund dafür, warum wir zu seelischen Krüppeln werden, ist sicher kein neuer Stoff, aber Jonathan Coe schafft es sehr gut, eine bewegende und spannende Geschichte daraus zu machen. Dies ist zwar keine ganz große Literatur, aber Unterhaltung auf hohem Nieveau mit viel britischer Atmosphäre.
4 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 9. Dezember 2011
Dieser Titel schlummerte schon lange auf meinem Wunschzettel und ich muss sagen, dass sich das Warten vollkommen gelohnt hat. Jonathan Coe ist ein ehrlicher, aber dennoch einfühlsamer Erzähler, dem es gelungen ist, eine zu Herzen gehende Geschichte über Liebe, Hass und Schuld zu schreiben, die man so schnell nicht vergessen wird.
Die Geschichte beginnt mit dem Tode Rosamonds, und Gill, ihre Nichte, wird damit beauftragt, sich um den Nachlass zu kümmern. Als sie in Rosamonds Haus zu räumen und zu sortieren beginnt, findet sie vier Kassetten, die Rosamond selbst besprochen hat und die für Imogen sind, eine entfernte Verwandte Gills, die sie nur ein einziges Mal in ihrem Leben gesehen hat. Das war auf Rosamonds 50. Geburtstag und Imogen war das kleine, blinde Mädchen, mit dem Gill sich den ganzen Abend über unterhielt. Auf diese Kassetten nun hat Rosamond die Geschichte gesprochen, die in ihrem Ergebnis letztlich zu Imogen führte. Drei Generationen von Frauen, angefangen bei Imogens Großmutter Beatrix, haben durch ihr Handeln und Fühlen dazu beigetragen, dass es kam, wie es kam, und Rosamond möchte Imogen vermitteln, warum ihre Geburt unvermeidlich war.
Der Geschichte dieser Frauen möchte ich nun nicht im Detail vorweggreifen, doch es geht um Mütter und Töchter und darum, wie es ist, wenn Mütter ihre Töchter nicht lieben können.
Dieser Roman hat mich sehr berührt. Die Geschichte geht ans Herz, ohne dabei kitschig zu sein. Jonathan Coe hat Figuren geschaffen, an denen man sich reiben kann. Sie sind nicht aalglatt, nicht eindimensional oder schnell zu durchschauen, nein, sie haben Tiefe, mal liebt man sie, mal hat man nur Abscheu übrig. Sie befinden sich im Wandel, sind dynamisch und authentisch. Kurzum: dieser Roman hat Tiefe und hat mich dennoch unterhalten, das findet man selten.
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am 3. März 2009
Der neue Roman des britischen Bestsellerautors "Der Regen, bevor er fällt" ist für mich eines der herausragenden Bücher dieses Frühjahrs. Hatte Coe sich in seinen letzten Romanen noch sehr stark mit Männerthemen und -schicksalen beschäftigt, geht es in seinem neuen Buch um das Schicksal von Frauen.

Über drei Generationen von Frauen reicht das literarische Band, das Coe auf eine ganz wunderbare Weise da spannt, und mit einer kraftvollen und poetischen Sprache eine bewegende Familiengeschichte erzählt , die voll ist von dunklen Geheimnissen, enttäuschter Liebe und großer Sehnsucht.

Der Kern des Buches sind die Toncassetten, die Rosamond besprochen hat, kurz bevor sie starb, und die ihre Nichte Gill in dem Altenheim Rosamondes findet, als sie mit der Organisation des Nachlasses beginnt. Rosamond hat sie beauftragt, diese Kassetten an Imogen zu überreichen, jener verschollenen Enkelin ihrer Cousine Beatrix. Natürlich ist Gill neugierig und sie beginnt zusammen mit ihren Töchtern die Kassetten abzuhören. Ganz zu Anfang der Bänder hinterlässt Rosamonde eine Botschaft für die verschollene blinde Imogen, die für Gill und ihre Kinder eine ähnliche Wirkung entfaltet: "Ich möchte dir, mehr als alles andere, Imogen, eine Vorstellung von deiner Geschichte vermitteln. Du sollst ein Gefühl dafür bekommen, wo du herkommst und welche Kräfte es waren, die dich hervorgebracht haben."
Rosamond will erklären, was doch auch für sie selbst so schmerzhaft war und ihr Leben geprägt hat:
"Du wirst einen Sinnzusammenhang haben, einen Zusammenhang, um die schwierigen Dinge, die schmerzvolle Dinge zu verstehen, die du am Ende hören wirst."

Anhand von 20 Fotografien, die Rosamond aus ihrer Sammlung für ihren akustischen Nachlass ausgewählt hat, erzählt sie ihr Leben. Und vor allen Dingen ihre Beziehung zu Beatrix, jener überaus schwierigen und tragischen Frau, deren Enkelin Imogen ist.

Es ist eine tragische Geschichte, voller Leid und andauernder Versuche, es irgendwie zu meistern. Der Leser folgt gebannt der Beschreibung Rosamondes, die gegen Ende- ihr Tod naht- immer schwächer wird. Jonathan Coes Buch ist ein kleines Meisterwerk der Erzählkunst, indem er seine Protagonistin, einen Satz des Kritikers William Empson aufgreifend, gegen Ende sagen lässt, "dass das Leben erst dann anfängt, einen Sinn zu ergeben, wenn man begreift, dass manchmal - oft - immer - zwei sich völlig widersprechende Vorstellungen wahr sein können."

Ein Satz und eine Geschichte, nach deren Lektüre der faszinierte und tief beeindruckte Leser gar nicht umhin kann, sein eigenes Leben, seine Wurzeln und seine Wunden aus diesem Blickwinkel freundlich zu betrachten.
40 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 15. Dezember 2010
Nach dem Tod ihrer Tante Rosamond hat Gill die Aufgabe, Imogen zu suchen, die Erbin einer Reihe von Tonbändern, die Rosamond besprochen hat. Imogen, die Rosamond einmal so viel bedeutet hat und dann lange Jahre von ihr getrennt blieb, das blinde kleine Mädchen, das Gill nur ein einziges Mal auf einer Familienfeier getroffen hatte. Sollte Gill die inzwischen erwachsene Imogen nicht finden, darf sie sich laut Verfügung ihrer Tante die Bänder selbst anhören. Und so kommt es auch, denn Imogen ist wie vom Erdboden verschluckt und Gill und ihre Töchter wissen bald nicht mehr, wo sie noch Spuren auftun sollten.

Atemlos lauschen die drei den Erinnerungen Rosamonds, die sie nur als ältere Tante kannten. Sie berichtet vom Krieg, von ihrer Familie, von Tante und Onkel, bei denen sie zeitweise lebte, und von ihrer Cousine Beatrix, die sie als Kind so fasziniert hatte, weil sie tat, was sie wollte. Von der Entdeckung ihrer eigenen (Homo)Sexualität, dem Versuch, diese Tatsache zu vertuschen und von ihrer ersten großen Liebe. Und immer wieder spielt Beatrix, mal aus der Nähe, mal von fern, eine tragende Rolle in ihrem Leben, ist der Auslöser von Ereignissen, deren Auswirkungen sich Rosamond nicht entziehen kann.

Während Gill auf der Suche nach Imogen ist, steigen unweigerlich Erinnerungen in ihr auf, und sie setzt sich mit ihrer eigenen Vergangenheit von neuem auseinander. So schwebt der Roman zwischen drei Zeitebenen hin und her - der Gegenwart, Gills Vergangenheit und Rosamonds Vergangenheit. Solche Perspektiv- und Zeitenwechsel sind gerade bei Familien(geheimnis)romanen nichts Neues, aber Coe weiß sie geschickt einzusetzen und versteht es, Atmosphäre zu schaffen, was ihm am besten bei Rosamonds Lebensbeichte gelingt. Die Ereignisse und vor allem Rosamonds Gefühle werden, ausgehend von alten Fotos, die sie gegen Ende ihres Lebens betrachtet, in ruhig leuchtenden Farben ausgemalt, nicht in düster-bleierner Schwere, wie so oft beim Thema "problematische Familien-/Liebesbeziehungen".

Ein wenig habe ich Coes wunderbaren schwarzen Humor in diesem Buch vermisst, er hätte jedoch auch nicht zu den eher ernsten Erzählstimmen von Gill und Rosamond gepasst.

Eine gefühlvolle, aber unkitschige und, obwohl diverse Schicksale auf relativ wenig Raum angesprochen werden, auch nicht überladene Familiengeschichte.
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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