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Fegefeuer: Roman
Format: Taschenbuch|Ändern
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am 30. September 2017
Das teilweise sehr drastische Buch schildert literarisch herausragend wie Gräueltaten in Krieg und Diktatur zu immer neuer Gewalt und Grausamkeit führen. Im Gegensatz zu vielen historischen Werken stehen dabei nicht Männer, Stadtbewohner oder Bürger der großen Kriegsnationen des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt. Sofi Oksanen nimmt sich vielmehr der eher unbekannten Geschichte Estlands an, indem sie die Geschichte einiger Frauen aus einem Dorf im Westen des Landes erzählt.
Im Mittelpunkt steht Aliide, geboren Anfang der 20er Jahre auf einem Hof in West-Estland. 1992, kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion lebt sie noch immer auf dem Hof, verwitwet und verarmt und angefeindet von der national bewegten Jugend des Dorfes. Das Leben hat sich nicht so richtig weiter entwickelt und offenbar ist die alte Witwe nicht richtig glücklich mit der Befreiung Estlands. Als sie eines Tages die junge Zara halb tot in ihrem Hof findet, ist sie misstrauisch und möchte das Mädchen eigentlich im Hof sterben lassen. Widerwillig nimmt sie Zara doch auf und im Laufe der wenigen Tage, die Zara bei ihr verbringt, werden die grausamen Schicksale der beiden Frauen klar: Zara wurde als Zwangsprostituierte von Wladiwostok nach Berlin verschleppt. Aliide dagegen erlebte gemeinsam mit ihrer Schwester und deren kleinen Tochter im 2. Weltkrieg und den ersten Jahren des Sowjetunion Folter und sexuelle Gewalt. Eine unglückliche Liebesgeschichte, der estnische Widerstand gegen die Sowjetunion, die Kollektivierung der Landwirtschaft und das Alltagsleben im Stalinismus führen dazu, dass praktisch alle Beteiligte in den 40er und 50er nicht nur Opfer, sondern auch Täter oder Täterin sind und sich schuldig machen. Entscheidend ist das Überleben, Moral oder Menschlichkeit können keine Rolle spielen und so wird die gesamte Gesellschaft traumatisiert und brutal. Zaras Geschichte ist daher kein alleinstehendes Verbrechen, das aus Gier entsteht und dessen Opfer eben die Schwächsten werden. Vielmehr ist sie der letzte Akt einer Spirale von Gewalt, die fast 60 Jahre vorher ihren Anfang nahm.
Sofi Oksanen erzählt die Geschichte nicht linear, sondern auf unterschiedlichen Zeitebenen mit vielen Rückblenden und Erinnerungen. Der Stil ist manchmal sehr lakonisch und sachlich, manchmal auch mit Humor und Ironie durchsetzt. Andrerseits nutzt die Autorin Details und Kleinigkeiten, z.B. die Rezepte oder Aberglauben, um die Verletzungen und Traumata der Hauptfiguren zu veranschaulichen. Die Figuren sind alle gebrochen und auch wenn man als Leser Mitleid empfindet, sind sie nicht sympathisch oder kommen dem Leser nahe. Oksanen schildert so sehr anschaulich, wie Gewaltherrschaft und Folter eine ganze Gesellschaft vergiften und es praktisch unmöglich ist, nicht auch aktiver Teil des Systems zu werden. Die Schilderungen sind teilweise sehr drastisch, an einigen Stellen konnte ich nicht weiterlesen, sondern musste einige Stunden Pause machen. Allerdings setzt Oksanen das nie als "Gewaltporno" ein, um das Buch heftiger zu machen und damit als "harte Schriftstellerin" rüber zu kommen. Sie geht genau soweit, dass die Traumata nachvollziehbar werden und der Leser etwas von dem Schrecken nachvollziehen kann, den die Figuren erleben.
Ein sehr eindrucksvolles und stilistisch hervorragendes Buch, das man sowohl als Literaturliebhaber als auch als politisch interessierter Mensch unbedingt lesen sollte.
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am 10. Januar 2012
Als Aliide Tru, eine alte Frau, die allein in einem Bauernhaus auf dem estnischen Land lebt, ein Bündel in ihrem Garten findet, das sich als junge Frau entpuppt, schluckt sie ihre Skepsis und Menschenverachtung herunter und nimmt Zara in ihr Haus auf. Zara ist auf der Flucht vor ihren Zuhältern, die sie mit brutalster Gewalt zu Willfährigkeit gezwungen haben und ihr schon dicht auf den Fersen sind. Doch Zara sucht keineswegs so zufällig Unterschlupf bei Aliide, wie diese glaubt: Aliide könnte die Schwester ihrer Großmutter sein.
Während Zara noch Beweise für die Verwandtschaft sucht und nach einer Möglichkeit, Estland zu verlassen, fühlt sich Aliide von der jungen Frau bedroht: Zu oft musste sie Leib und Seele, Hab und Gut vor Eindringlingen schützen.
Raffiniert in Rückblenden aufgebaut, gelingt es Sofi Oksanen, geboren 1977, Tochter einer estnischen Mutter und eines finnischen Vaters, mit "Fegefeuer" ein Portrait zweier Frauen unterschiedlichen Jahrgangs aufzubauen, die unter ihrem politischen System gelitten haben. Die Familientragödie beschreibt, in einer unerhört fesselnden Sprache und mit schmerzhaften Bildern, das scheinbar zufällige Zusammentreffen der älteren Aliide mit der jüngeren Zara, die sich auf der Flucht befindet.
In Rückblenden entsteht das immer schärfer werdende Bild einer Familientragödie, die fast fünfzig Jahre zuvor, als Estland von den Russen besetzt wurde, ihren Höhepunkt fand. Eindringlich wird die Brutalität der Männer gegenüber den Frauen dargestellt und eine mitreißende (weil sprachlich brillante) politisch-literarische Lehrstunde erteilt.
Ein "*" Abzug gibt es für das etwas zügig abflachende Ende (nicht im Sinne von belanglos, eher wirkt es - im Vergleich zum restlichen Roman - etwas gehetzt). Zudem wirken die Dokumente am Ende ein wenig farblos (was sie ohne Zweifel einst auch waren, es kratzt aber ein wenig am sprachlich herausragenden Gesamteindruck dieses Werks).
Unbedingte Empfehlung - es lohnt sich!
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am 9. März 2015
Der Roman von Sofi Oksanen fesselte mich von Anfang bis Ende. Die Schilderungen des Lebens in Estland in den vierziger Jahren und später waren nicht nur zeitgeschichtlich interessant, sondern auch menschlich. Außergewöhnliche Erlebnisse von gequälten Frauen schaffen außergewöhnliche Reaktionen, wenn auch spät. Dennoch versöhnt die Liebe zwischen einzelnen Menschen und gibt den Glauben an die Menschheit zurück. Es ist ein Roman, in dem Frauen nicht nur erdulden, sondern sich aktiv zur Wehr setzen.
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am 2. Juli 2014
Sofi Oksanen hat ein gutes Buch geschrieben, aber keins für schwache Nerven. Ganz sachte zieht sie den Leser in eine heikle, geheimnisvolle Familiengeschichte, wie ein heimtückisches Moor einen ahnungslosen Wanderer. Und wie ein Moor sein Opfer selten wieder hergibt, so wird der Leser gefesselt, bis sich ihm die Hinter- und Abgründe dieser Familiengeschichte erschließen.
Ein Buch, das Wunden und Narben zurückläßt. Und ein Buch, dessen Thema in Bezug auf Deutschlands Nachkriegsgeschichte auch noch seiner realistischen Darstellung harrt.
Lesenswert.
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am 3. Juli 2013
Dieses Buch berührt zutiefst. Seine Sprachlosigkeit macht sprachlos. Und betroffen, beinahe verwundet durch die Intensität der Schilderung einer fernen Lebenswelt, die unvermutet unmittelbar gegenwärtig wird. Man legt dieses Buch am Ende nur sehr langsam aus der Hand. Wer es liest, mutet sich etwas zu.
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am 25. August 2014
Nachdem Finnland dieses Jahr das Land bei der Buchmesse ist, fiel mir dieses Buch einer jungen finnischen Schriftstellerin in die Hände. Ich wusste nicht, wie grausam die Russen mit der estnischen Bevölkerung waren. Die Geschichte war flüssig zu lesen und brachte mir viele neue Erkenntnisse.
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am 6. März 2013
Am Anfang ist es ziemlich kryptisch und man hat etwas Mühe den Überblick zu bewahren, zumal zwei Geschichten alternierend quasi parallel erzählt werden. Umso größer die Verknüpfungen werden und je mehr man über die zwei Hauptdarstellerinnen weiß, desto ergreifender wird die Erzählung.

Der Roman berührt und gewährt eine Einblick in die Welt des Kommunismus.
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am 6. Mai 2015
Ungewöhnliches Buch mit interessanten Persönlichkeiten. Unerwartete Wendungen und spannende Einblicke in die Geschichte Estlands. Sehr gut. Und flüssig zu lesen. Macht Spaß.
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am 10. Juli 2013
Ich hatte das Buch ursprünglich in Englisch gelesen und dann auf Deutsch gekauft zum Verschenken. Die Beschenkte war auch sehr begeistert. Geschichtlich gesehen auch sehr interessant. Das Buch liest sich sehr gut und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Es werden viele brutale Szenen beschrieben - locker-leichter Stoff ist es also nicht.
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am 24. Mai 2015
Es ist immer wieder erschreckende Schicksale über Frauen aus anderen Ländern . Sehr Spannend beschrieben . Man kann das Buch wirklich als einen Großen Renner nennen . Aufregend .
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