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Ich leihe oft Neuerscheinungen aus der Bücherei aus. Bei manchen Büchern bedauere ich hinterher, dass ich es nicht gekauft habe und warte auf die Taschenbuchausgabe, um es noch einmal zu lesen. 'Wir Ertrunkenen' ist solch ein Buch. Und es ist jetzt endlich als ' leider etwas unhandliches ' Taschenbuch erschienen, mit einem sehr lesenswerten Anhang, in dem der Autor beschreibt, wie das Buch zustande gekommen ist und wie viele wahre Geschichten darin enthalten sind.
Wir befinden uns in der dänischen Stadt Marstal. Die Geschichte beginnt im Jahr 1848 und fängt gleich mit dem Krieg zwischen Dänemark und Deutschland 1849 an. Die unerfahrenen Jungen, die mit 12 oder 13 Jahren das erste Mal eine solche Situation erleben, stürzen sich im Branntweinrausch enthusiastisch in die Schlacht. Aber schnell erleben sie die Realität des Krieges: Taub vom Kanonendonner (was sich als Segen erweist, weil sie so die Schreie der Verwundeten nicht hören müssen) und mit vollgeschissenen Hosen geraten sie in Gefangenschaft.
Auch nach dem Krieg haben die Kinder viel auszuhalten: In der Schule werden sie mehr verprügelt, als dass ihnen etwas beigebracht wird. Nach der Konfirmation gehen sie auf See und werden wieder geprügelt, diesmal vom Steuermann. Daneben droht jetzt auch noch der Tod durch Ertrinken. Gewalt und Willkür bestimmen das Leben. Die Realität der Seefahrt ist alles andere als romantisch.
Zurück an Land blieben die Frauen, mit der ständigen Ungewissheit, ob ihre Männer oder Söhne wiederkehren, mit der Aufgabe, alles an Land Nötige allein zu erledigen, allein die Kinder erziehend.
Aber eine andere Möglichkeit als die Seefahrt gibt es für die Männer Marstals nicht. Es ist selbstverständlich, dass sie auf See gehen, und sie wollen es auch. Denn das Meer bedeutet auch, andere Kulturen kennenzulernen, unbekannte Dinge zu sehen.
Wie Albert, der in der Südsee seinen verschwundenen Vater sucht und mit dem Schrumpfkopf des Kapitäns Cook zurückkehrt, sich dabei aber damit abfinden muss, gegen seine Überzeugung ein Sklavenschiff führen zu müssen.
'Es schien so unendlich groß, das Meer. Es konnte dich überallhin führen, und doch legte es dich in Eisen.'
Eine Frau will diese Selbstverständlichkeit, dass Männer zur See gehen und oft auch auf See bleiben, durchbrechen. Durch ein traumatisches Kindheitserlebnis während einer Sturmflut hasst sie das Meer, das den Frauen die Männer nimmt. Als sie finanzielle Macht erreicht, bekämpft sie heimlich die Seefahrt des Ortes. In dieser Zeit finden tiefgreifende Veränderungen in der Seefahrt statt. Die Segelschiffe werden von Dampfern und später von Motorschiffen abgelöst, und es ist leicht durchführbar, die Stadt Marstal von dieser Entwicklung abzukoppeln. Ihr gewünschtes Ziel erreicht die Frau trotzdem nicht, ganz im Gegenteil.
Das Buch endet mit dem Zweiten Weltkrieg. Wieder sind die Marstaler Seeleute mittendrin. Und wieder kommen nicht alle nach Hause.
Nach dem zweiten Lesen ist mir klar, dass dieses Buch definitiv zu einem meiner Lieblingsbücher geworden ist!
Denn es ist einfach großartig geschrieben. Es zeigt das wahre, also das harte, unromantische, Gesicht der Seefahrt. Und es enthält eine derartige Vielzahl von kleinen und großen Geschichten und Personen, dass es nie langweilig wird.
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TOP 500 REZENSENTam 19. September 2008
Jensen erzählt die Geschichte, oder besser gesagt, die Geschichten der Stadt Marstal und ihrer Bewohner in der Zeit von 1848 bis 1945. Wie schon im Klappentext beschrieben, beginnt das Ganze mit dem Flug von Laurids Madsen in den Himmel. Mitten im ersten Seegefecht gegen die Deutschen beobachten die Marstaler aus ihrem Rettungsboot, wie bei der Explosion ihres Schiffes Laurids eben diesen beschriebenen Flug vollführt und danach auf beiden Beinen wieder an Deck landet. Es kommt, wie es kommen muss: Laurids wird dadurch zu einer lebenden Legende. Diese und sehr viel mehr Geschichten werden erzählt und es sind so viele, das Buch ist so prall damit gefüllt, dass es schwer fällt, sie auch nur ansatzweise zu schildern oder anzureißen.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert und nicht nur in diesem ersten Teil beweist Carsten Jensen ganz großes Erzähltalent. Immer ist da ein versteckter Humor zu spüren, wo man eigentlich nur ernste Sätze erwartet - der Leser liest nicht nur die Anekdoten der Marstaler, nein, er erlebt ihre Entstehung mit. Leider kann Jensen diesen Humor nicht bis zum Ende des Buches durchziehen, aber er schafft es meisterhaft, viele verschiedene Handlungen, Zeitstränge und Personen so geschickt miteinander zu verknüpfen, dass man der Geschichte gut folgen kann, ohne sich zu irgendeinem Zeitpunkt zu fragen, wer denn gleich wessen Sohn oder Tochter war. Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist schnörkellos und wenig emotional gehalten, doch gerade dadurch gewinnen die Geschichten an Authentizität und ich fühlte mich als Leserin in die Rolle der interessierten Beobachterin versetzt, die ihre Augen überall hat und die sich aussuchen kann, bei welcher Handlung, welcher Person sie länger verweilen möchte. Ein bemerkenswerter Einfall ist das kollektive"Wir" als Erzählerstimme. Das "Wir" steht für die Bewohner der kleinen Stadt. Es weiß ja alle Dinge, hört und sieht alles und was es nicht weiß, dass wird eben dazu gedichtet und so erfährt man alles von einer "Gesamtstimme", die einem sozusagen den Platz in der ersten Reihe reserviert.

Es ist ein Buch, dass vom Leben und vom Sterben erzählt, von Jungen, die zuerst in der Schule und dann an Bord ihrer Schiffe geprügelt wurden, deren Väter nur einmal im Jahr zu Besuch kamen und die ihnen oft seltsam fremd blieben und deren Tod nur allzu oft in einem nüchternen Brief der Reederei mitgeteilt wurde. Es erzählt von den Frauen, die ihre Kinder allein großziehen mussten und von den leeren Friedhöfen der Stadt, da die wenigsten Seemänner ihr Grab an Land fanden - Von der Einsamkeit der Frauen, berichtet es ebenso wie von der Sehnsucht der Männer nach dem Meer und von vielen Abenteuern auf See, wie wir sie aus den großen alten Seefahrergeschichten kennen. Leider wird die Geschichte zum Ende hin immer unglaubwürdiger und da die Handlung bis weit über die Buchmitte sehr realistisch dargestellt wird, ist das mein großer Kritikpunkt. Irgendwann war alles nicht mehr glaubhaft und wirkte auf mich, als habe selbst der Autor nun genug und würde versuchen irgendwie zum Ende zu kommen, was ja auch nach 780 Seiten dann endlich der Fall ist.Trotzdem ein großes und unterhaltsames Buch.
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am 20. Dezember 2010
Insgesamt fünf Jahre hat der bekannte dänische Kritiker und Essayist Carsten Jensen an diesem monumentalen Roman gearbeitet, mit der er seiner Heimatstadt Marstal und seinen Bewohnern ein literarisches Denkmal setzt.
Der grandiose Roman umfasst einen Zeitraum von 1848 bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und erzählt die Geschichte des Aufstiegs und des Niedergangs der Hafenstadt Marstal und dokumentiert die Geschichte der Seefahrt in diesem Zeitraum.

Die Geschichte beginnt 1848, als der Seemann Laurids Madsen bei einem Schiffsunglück in den Himmel fliegt und ohne Schaden lebend wieder zur Erde zurückkommt. Später wird er immer wieder erzählen, es seien seine Stiefel gewesen, die für das Leben da oben zu schwer waren. Die Stiefel des Laurids Madsen werden später von seinem Sohn Albert getragen, der sich irgendwann in die Südsee aufmacht um seinen Vater zu suchen, der nicht mehr nach Marstal zurückgekehrt ist.

Das Vaterthema ist einer der Schwerpunkte eines bewegenden Romans, der einen trotz seiner Länge einfach nicht loslässt.

Jensen erzählt von Menschen, deren Leben vom Meer bestimmt ist; Männer und jungen Burschen, die jahrelang von zu Hause weg sind und oft nicht mehr wiederkehren: "die Ertrunkenen." Er nutzt ein kollektives Wir" als Erzählerstimme, mit der er dem Roman einen ganz persönlichen Charakter gibt.
"Das 'Wir' weiß immer alles, denn so ist es in einer kleinen Stadt, und was man nicht weiß, dichtet man dazu. Das nennt man Klatsch. Durch das 'Wir' habe ich auch das Problem mit dem Tod gelöst, er spielt nun keine Rolle mehr. Individuen sterben, aber die Bevölkerung einer Stadt nicht. Die Personen sind gleichzeitig eindeutige Individuen, mit ganz individuellen Lebensläufen und dennoch Teil eines kollektiven 'Wir'", sagt der Autor in einem Interview.

Die Sprache und der Sprachstil des erzählenden Wir verändert sich mit der Zeit, passt sich sozusagen der fortschreitenden Zeit und den sich verändernden Schiffen und dem wachsenden Marstal an.

Es ist ein bewegendes Buch von Männern und Jungen, der Seefahrt und von Schiffen und von starken Frauen, die zu Hause bleiben und dort sehen müssen, wie sie zurecht kommen. Als Albert Madsen eines Tages Klara und ihren Sohn Knud Erik kennen lernt, nimmt die Geschichte eine dramatische Wendung. Klara will verhindern, dass ihr Sohn zur See fährt und so wie ihr Mann dort sein Leben lässt, "zu den Ertrunkenen" geht. In diesem Bestreben ist sie als Erbin von Alberts Vermögen unerbittlich.

Die Geschichte dieser Frau und ihrer verzweifelten Anstrengungen ist ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt eines Buches, das sich gut einfügt in die Tradition des Knaus-Verlags, hervorragende und doch quer zum Trend liegende Literatur zu veröffentlichen.

Gratulation zu diesem wunderbaren Werk.

Ich jedenfalls machte die Nacht zum Tag, um es zu Ende zu lesen.
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am 1. Juni 2010
Die Geschichten der Marstaller Seefahrer über drei Generationen fesseln, sie berühren und sie sind extrem dicht erzählt. Die gezeichneten Charaktere, die erfüllten und enttäuschten Hoffnungen, die menschlichen Abgründe und die grossen Gefühle ziehen den Leser mit jeder Seite tiefer hinein - auch, wenn man überhaupt keinen Bezug zur Seefahrt hat. Nach der letzten Seite hätte ich am liebsten gleich noch einmal von vorne angefangen zu lesen. Deshalb fand ich den Anhang mit den Erläuterungen des Autors über seine Beweggründe, dieses Buch zu schreiben und die Geschichte der Recherche und Entstehung eine wunderbare Ergänzung. Unbedingt lesen!
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am 28. April 2010
Hier handelt es sich weder um schlichte Seefahrerromantik, noch um eine Familiensaga oder ein Geschichtsepos. Es hat von all diesem ein bisschen und ist doch farbenprächtiger, ehrlicher, ungewöhnlicher. Allein die Erzählperspektive, die zum Teil kollektiv angelegt ist, wie schon der Titel nahelegt, ist ungewöhnlich. Die Härten des Lebens als Seefahrer werden ebenso wenig beschönigt wie das Leben der Frauen und Kinder daheim. Obwohl über mehrere Generationen angelegt, handelt es sich nicht eigentlich um eine Familie, vielmehr um die kleine Gesellschaft der dänischen Seefahrerstadt Marstal, die wiederum aber nur ein Symbol für andere sein könnte (wenn man vom letzten Teil einmal absieht.) Sehr lesenswert, aber: Zeit mitbringen! Dies ist ein Buch, das man am besten in einem Atemzug liest. Vorher gut Luft holen, das Buch ist lang und lässt wenig Atempausen.
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am 8. November 2010
Nur gute Bücher sollten dick sein und dieses ist mit seinen knapp 800 Seiten noch zu dünn.
Erzählt wird die Geschichte des Seefahrerstädtchens Marstal vom Beginn des Neunzehnten Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Marstal liegt am südöstlichen Zipfel der schönen Insel AErö im lieblichen Staate Dänemark. Heute ist es ein verschlafenes, kleines Dorf über das in den Sommermonaten die Segeltouristen herfallen wie ein Mückenschwarm. Und doch ahnt man bei einem Besuch des örtlichen Seefahrt-Museums etwas von der großen Geschichte der Segel- und Handelsschiffahrt. Jensen bringt uns die Zeit zurück als Seemann sein noch mehr wahr als nur ein Job. Der Leser wird über alle Meere und in sämtliche Häfen dieser Welt geführt und doch schlägt Jensens Herz für die daheim Gebliebenen. Die wahren Dramen finden an Land statt. Dort wo aus Warten langsam Hoffen wird, dann Bangen und schließlich nach Jahren die Gewissheit, das der Mann, der Vater, der Sohn nicht mehr zurückkommen wird. Nur weinge Männer dieser Epoche haben ein Grab auf dem Friedhof von Marstal. Unzählige sind auf See geblieben. Und die Frauen haben das Meer dafür gehasst. Die Geschichte dieser Menschen wird erzählt wie sie nur jemand erzählen kann, der selbst in dieser Tradition aufgewachsen ist. Große Literatur, die nicht selbstverliebt in Worten schwelgt, sondern schlicht und eindringlich eine Ära erlebbar macht. Danke!
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am 23. August 2009
Marstal ist die Stadt der Seefahrer - oder vielmehr die Stadt der Kinder und Jugend, jene der Frauen und Witwen, der Abenteurer, der Alten, die schon zulange gelebt haben, der Räuber, Schänder und Unruhestifter, der Mörder und ihrer Rächer, der Verschollenen, der Ertrunkenen und ihrer Hinterbliebenen.

Von 1848 bis 1945 erzählen uns die zahlreichen Ertrunkenen - die WIR Erzähler - die Geschichte ihrer Stadt und vor allem ihrer Einwohner - einige davon sollen uns besonders ans Herz wachsen, sie sind schlau, kräftig und von der See häufig verschont. Wir begleiten den Aufschwung Marstals, ihren Gewinn durch die Entwicklungen der Seefahrt während des ersten Weltkrieges, und auch ihren schlussendlichen Verfall - doch dieser soll weder von Zufall noch Welt- und Wirtschaftspolitik herrühren. Schließlich haben die Frauen und Witwen genug von der Trauer um Ehemänner, Söhne und Brüder und boykottieren das Vorankommen der Marstaler Seemannstradition - sehr klug eingefädelt.

Dennoch, das letzte Wort gehört dem Meer!!!

Der Roman ist sowohl Seefahrer- und Entdeckergeschichte als auch Generationen- und Schelmenroman, er beginnt und endet als Kriegsgeschichte. Die unterschiedlichsten Stimmungen werden hier nicht gemischt, sie treten vielmehr aufeinander folgend in Szene und verwöhnen zumal mit Herzlichkeit und gerissenen, liebenswürdigen Angriffen auf die Lachmuskeln, zumal verbittern sie mit Ungerechtigkeit, Härte und Trauer - sehr bewegend!
Das letzte Kapitel ist für mein Verständnis etwas zu lange geraten und wäre ohne klassische Kitschelemente (Wiederbegegnung und große Liebe - hmmmpfff) in den Ausgängen des zweiten Weltkrieges wirkungsvoller. Dennoch ein ganz spannender, erbauender und fließender Abenteuerroman, der bis zur Danksagung nicht loslässt!
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In diesem Buch lässt der dänische Autor Carsten Jensen die Menschen der Stadt Marstal auf der Insel Æro von der Entwicklung ihrer Stadt und der Seefahrt, die von ihr ausgeht über den Zeitraum eines Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges erzählen.
Dabei werden wir Zeuge der Entwicklung von den Segelschiffen zu den Dampf- und Motorschiffe, sehen wir im 19. und 20. Jahrhundert auf See Krieg geführt wurde und wie die dänischen Seemänner die Welt, die sie auf ihren großen Fahrten gesehen haben, wahrgenommen haben. Und auch, wie die Daheimgebliebenen mit dem Fehlen so vieler Männer vor Ort umgegangen sind.

Unterhaltsam, lehrreich und sehr bewegend mit einer Sprache, die sich der jeweiligen Zeit, von der gerade berichtet wird anpasst. Sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen.
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am 30. August 2011
Mit diesem Roman hat Jensen nicht nur einen fundierten Historienschinken geliefert. Er hat gleichzeitig auch einen sehr cleveren Marketingcoup gelandet, indem er seinen Landsleuten ein Denkmal als Seefahrernation gesetzt hat. Inzwischen verfügt wohl jeder dänische Haushalt über wenigstens eine Ausgabe des unverhofften Nationalepos. Über den Inhalt des Buches ist hier schon sehr viel gesagt worden, daher nur soviel: Es hat leider schwer zu überstehende Längen und ist nicht aus einem Guss geformt. Zu Punkt eins: Dreihundert Seiten weniger wären deutlich mehr gewesen, denn Jensen ergeht sich zum Teil in endlosen Wiederholungen. Zum Beispiel als sich Albert Madsen Klara nähert. Jedem Leser ist klar(a), worauf das hinaus läuft, doch es zieht sich wie ein Törn durch die Rossbreiten, bis endlich passiert, was passieren soll und muss. Zum Zweiten: Auf den ersten paarhundert Seiten geht es Jack-London-artig zu, dann ändert sich der Stil unvermittelt, mutiert vom Abenteuerroman zur Persönlichkeitsstudie eines alt gewordenen Helden. Schließlich kommt mit Klara eine unglaubwürdige Missionarin ins Spiel. Am besten gefällt mir das Making-Off am Ende meiner Taschenbuchausgabe. Da geht es flott zur Sache und der Leser erfährt interessante Hintergrundinfos. Fazit: Geteilter Lesespaß wegen unzumutbarer Überlänge. Daher nur drei Sterne.
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Wer ein Faible für Segelschiffe und das dazugehörige Seemannsgarn hat, der sollte, nein, der muss "Wir Ertrunkenen" von Carsten Jensen lesen. Der Roman des 1952 geborenen Dänen bietet eine ungeheure Fülle von Geschichten über schlimme Flauten, todbringende Stürme, brutale Steuermänner, weitsichtige Kapitäne, Schiffe, die im Eis bei Neufundland eingeschlossen sind, und Dünungen, die jeden Mageninhalt über die Reling befördern. Sogar der Schrumpfkopf von James Cook kommt vor.

Jensen, der in Dänemark für diesen Schmöker mit Preisen überschüttet wurde, nimmt die Geschichte seiner Heimatstadt Marstal auf der Insel Ærø von 1848 bis 1945 zur Grundlage für seinen Roman. Marstal ist heute ein 3000-Einwohner-Ort mit großer Seefahrertradition. Besonders zur Zeit der großen Segelschiffe, die im 19. Jahrhundert von dort die sieben Meere befuhren, erlebte das Städtchen seine Blütezeit.

Im Roman beginnt alles mit Laurids Madsen, der durch eine Explosion unter Deck in den Himmel geschossen wird, jedoch unversehrt wieder auf der Erde landet. Seine Stiefel seien zu schwer gewesen für ein Leben da oben, sagt er. Und genau diese Stiefel sind es, die von einer Seefahrer-Generation zur nächsten weitergegeben werden und die sich wie ein roter Faden durch den Roman ziehen.

"Wir Ertrunkenen" ist ein großer Abenteuerroman, und seinem Autor gelingt es durch seine spannende Schreibe, den Leser auch über die lange Distanz von knapp 800 Seiten bei der Stange zu halten. Ganz nebenbei ist "Wir Ertrunkenen" aber auch ein Emanzipationsroman, denn die Frauen sind es irgendwann Leid, ihre Männer und Söhne immer wieder ans Meer zu verlieren, und sie sagen ihm letztlich den Kampf an. Lesenswert!
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